Anna ist dement (7)

Im Wartezimmer von Dr. Silberfisch

Klara fährt nächste Woche nach Stralsund. Sie will es ihrer Mutter nicht sagen.  Sondern: Sie will – gemeinsam mit ihrem Bruder Lukas – zu Dr. Silberfisch.
Sie wollen ihn um Rat fragen, was sie tun können wegen ihrer Mutter Anna. Dr. Silberfisch steht bei Anna hoch im Kurs.
Wie es umgekehrt ist, das wissen sie nicht. Aber für Anna ist es ein Höhepunkt, wenn sie zu ihm in die Praxis gehen kann.
Sie kennt sich dort aus. Früher war dort mal eine Drogerie drin. Anna hat dort als Verkäuferin gearbeitet.
Und Anna kommt heute noch ins Schwärmen, wenn Sie daran zurückdenkt.  Sie fängt gleich im Wartezimmer an zu erzählen, was dort früher war und wie die einzelnen Räume aufgeteilt waren.
„Und da oben, da haben wir immer Mittag gemacht, Schwester.“
„Ach ja“, sagt Schwester Erika und verdreht die Augen verstohlen zu ihrer Kollegin.
Anna weiß nicht, dass sich die Schwestern heute Praxishelferinnen nennen. Und das stört sie auch nicht im geringsten.
„Manchmal, da haben wir dort auch Kaffee getrunken und Kuchen gegessen“, fährt Anna unbeirrt fort. „Ach, das war schön.
Und die Kunden mochten uns“, meinte sie.
„Frau Sturm, der Doktor wartet jetzt auf Sie. Bitte gehen Sie doch durch.“
„Ja, das mach‘ ich doch glatt.“ Anna ist im Arztzimmer verschwunden. „Sooo…“, sagt Schwester Erika – also die Praxishelferin Erika.
„Das hätten wir jetzt wieder.“
„Na ja, wer weiß, wie wir mal werden“, meint ihre Kollegin.
„Meinst du?“
„Na ja“, seufzt Erika, „ich will‘ s nicht hoffen.“