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WIEDER MAL BEI DR. SILBERFISCH

Klara war wieder nach Stralsund gefahren.
Sie war besorgt, weil sich die Anzeichen für eine fortschreitende Demenz  bei Anna immer mehr bemerkbar machten.

 

WIEDER MAL BEI DR. SILBERFISCH

FÜR DAS NEUE JAHR: WANDKALENDER MIT DEN SCHÖNSTEN LEBENSWEISHEITEN
Wochenkalender 2023 ‚Lebensweisheiten‘: Wochenkalender groß
von GRAFIK WERKSTATT Das Original

OMA, WIR HABEN BEIDE ROTE EIERLÖFFEL – WIR SIND FREUNDINNEN

ALLTÄGLICHES

Wenn Krümel bei uns übernachtet und wir morgens gemeinsam frühstücken, dann geht es hoch her. Oder anders gesagt, es ist nicht so still, wie sonst.

Krümel eilt morgens schon die Treppen zur Küche runter und ruft: „Oma, ich bin schon unten. Kommst du auch?“

Klara muss ihr dann ziemlich schnell erst einmal ein kleines Brötchen geben.

Sowie der Kaffee fertig ist, da stürmt sie wieder die Treppe zu mir hoch, ins Arbeitszimmer und ruft: „Opa, du musst kommen, das Frühstück ist fertig.“

„Ich komme gleich“, sage ich dann.
„Nein, sofort Opa!“, erwidert Krümel und wartet solange, bis ich vom Schreibtisch aufstehe und mit ihr runtergehe.

Unten angekommen nehmen wir Platz und Krümel wartet, bis ich den Kaffee eingegossen habe. Sie macht dann die Milch rein und fängt wild an, den Löffel in der Tasse herumzurühren. Meist geht etwas daneben, auf den Kaffeeteller.
Mich nervt das eigentlich.

„Komisch, dass du bei Krümel nichts sagst“, meint Klara in solchen Momenten zu mir.

„Oma, wir haben beide einen roten Eierlöffel“, sagte Krümel kürzlich begeistert.

„Und Oma, wir sind deshalb Freundinnen, jaha.“
„Aber Opa, es tut mir leid, du hast nur einen gelben Löffel.“

Ja, dann bin ich natürlich raus.
Aber ganz zum Schluss, da komme ich wieder ins Spiel.

Dann nämlich, wenn sie bei mir raufkrabbelt und sagt: „Opa, erzähl‘ mir von der Scheune.“

ALLTÄGLICHES

RÜCKBLICKE – ANNA VERGISST DIE NAMEN IHRER ENGSTEN FREUNDINNEN

ES WIRD IMMER WICHTIGER, ANNA DABEI ZU HELFEN, SICH ZU ERINNERN

BERTA HAT AUFGELEGT

Adventskalender Demenz: Beschäftigung und Betreuung zu Weihnachten - Gedächtnistraining für Senioren mit Alzheimer, pflegende Angehörige:...Lieder, Wissen und Redewendungen

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THURE – SCHREIBSKIZZEN (6)

THURE-22.04.29

JAKUB ZLOBINSKI
Was bisher war:
Thure sah vom Küchenfenster aus, wie die Wiesen noch von einem Nebelschleier bedeckt wurden und das Gras noch feucht vom Morgentau war.
In der Ferne beobachtete er einen roten Streifen am Himmel.
Es würde wohl schön werden, an diesem Tag, und so beschloss Thure, nach dem Frühstück einen Spaziergang durch das Dorf zu machen, vielleicht Jakub Zlobinski, dem Besitzer des Gasthofes vorbeizuschauen.

Jakub Zlobinski hievte seine Beine ächzend aus dem Bett, fuhr mit der Hand schlaftrunken über sein kurzes Haar und ließ sie wieder müde sinken.

Er stand schließlich auf, schlurfte ins Bad und schaute im Spiegel in das zerknirschte Gesicht eines Mannes, der noch nicht so richtig wusste, warum er überhaupt aufgestanden war.

Aber er musste sich fertigmachen und in die Gaststube hinuntergehen, um alles für die Öffnung vorzubereiten.

Jakub war der Pächter des Gasthofes ‚Zur dicken Kuh‘. Er wohnte mit seiner Familie direkt über dem Gastraum.

Früher, als er noch zugelassen hatte, dass die Gäste rauchten, da vermischte sich der Tabakqualm mit dem Geruch von Wein, Bier und Schnaps und kroch in alle Ritzen des Hauses.

„Der Gestank ist noch überall und geht gar nicht mehr weg“, schimpfte seine Frau Iga, mit der er gemeinsam den Gasthof bewirtschaftete.

Iga machte den Ausschank, bediente die Gäste und Jakub kochte. Das hatte er gelernt und seine Gäste mochten sein Essen.

Thure liebte besonders das polnische Frühstück, das ihm Jakub zubereitete, wenn er morgens in die Gaststube kam.
Maria sah das gar nicht gern, weil Thure dann länger blieb, als er sollte.

Er sollte eigentlich dort gar nicht hineingehen, sondern seine Runde drehen und danach sofort zurückkommen.

Aber wenn ihm der Geruch von gegrillten Würstchen, gekochten Eiern, Tomaten und Gurken und Roggenbrot in die Nase stieg, dann konnte er meist nicht widerstehen.

Anfangs wollte Jakub ihm dazu traditionell einen Tee mit Zucker servieren, aber da hatte Thure stets abgewinkt.

„Lass mal, ich habe ja schon einmal etwas gegessen und Kaffee dazu getrunken. Jetzt nehm‘ ich ein Bier.“

Thure musste nur danach einen ‚Pfeffi‘ einschmeißen, damit seine Frau nichts davon merkte.

Jakub hatte sich angekleidet und im Stehen einen Schluck Kaffee genommen.

Er ging mit der Tasse aus der Küche heraus und betrachtete sich im großen Wandspiegel im Flur.

Er war nicht groß, nur 1,74 cm, zu seinem Kummer. Er drehte sich zur Seite und sofort fiel ihm der leichte Bauchansatz auf, den seine Frau Iga oft kritisierte.

„Trink nicht so viel Bier mit den Gästen“, schimpfte sie, wenn Jakub aus der Küche kam, um ein wenig zu verschnaufen und den neuesten Dorfklatsch zu erfahren.

Jakub lachte gern und sein pausbäckiges Gesicht zeigte dann seine vielen Lachfältchen, die in dem Moment noch größer erschienen, als sie es ohnehin schon waren. Im Gasthof war er stets mit Schürze zu sehen, darunter trug er Jeans und bequeme Shirts.

Thure sprach gern mit Jakub, denn sie ähnelten sich in ihrem Charakter und in ihrem Verhalten. Sie waren beide laut, gutmütig und meistens auch noch gut gelaunt.

Überhaupt hatte Jakub mit seiner Art schnell die Sympathie der meisten Dorfbewohner gewonnen.

Er sprach gut Deutsch und seinen unverkennbaren Akzent hörte man selbst im größten Stimmengewirr heraus.

Seine Frau, Iga Zlobinska, eine geborene Wojcieck, hatte er vor zehn Jahren in einer Diskothek kennengelernt. Damals träumten sie davon, einmal einen Gasthof auf dem Land zu erwerben und so ein unabhängiges Leben zu führen.

Aber es kam anders. Igar bekam zwei Kinder, ein Mädchen – Pola, sieben Jahre alt, und Maksymilian, 5 Jahre alt.

Von deutschen Freunden erfuhren sie, dass in Schebsand ein Gasthof leer stand, dessen Eigentümer einen neuen Pächter suchte.
Sie überlegten nicht lange und bewarben sich darum, das Haus mit der Gasstube zu mieten.

Es war nicht ohne Risiko, denn die vorhergehenden Pächter waren pleite gegangen.
Davor hatten Iga und Jakub am meisten Angst.

Es dauerte lange, bis sie alle Genehmigungen in der Tasche hatten und von der Weltmetropole Warschau aus in das kleine Dorf Schebsand in Brandenburg gingen.

Jakub schlurfte die Treppe nach unten, schaltete in der Gaststube das Licht an und stieß mit dem Fu gegen die Schwingtür, die in die Küche führte.

Er tippte mit seiner Hand auf den Lichtschalter und Sekunden später gleißte das helle Licht von der Küchendecke direkt auf ihn herunter, so dass er erst einmal die Augen zusammenkniff.
Jakub war nun endgültig munter geworden.

THURE – SCHREIBSKIZZEN (5)

THURE-22.04.08

DAS DORF SCHEBSAND

Was bisher war:
Thure wachte aus seinem schrecklichen Albtraum auf. Er saß auf den Schienen, mitten auf einer freien Zugstrecke und war an Händen und Füssen an die Gleise gefesselt.
Seine Frau Maria erlöste ihn aus seinem Traum.
Thure erinnerte sich daran, wie er kürzlich mit Emma von der Couch aus ‚Angeln‘ gespielt hatte.
„Los Opa, noch mal, feuerte sie Thure an, der die in seiner Hand vermeintlich befindliche Angel drehte.
Thure hatte zu seinem Dorf eine ‚Hass-Liebe‘ entwickelt.
Er lebte nun schon fast dreißig Jahre dort, fühlte sich einerseits zu Hause und andererseits wiederum fremd.

 

Schebsand befand sich am Rand von Berlin, im Norden von Brandenburg.

Es war ein Katzensprung nach Buch und auch bis Berlin-Mitte waren es lediglich 20 Minuten.

„Da kannst du auch mit dem Lastenfahrrad hinfahren“, meinte Thure oft im Scherz.

Thure hasste es inzwischen, in den Prenzlauer Berg hineinzufahren, weil ihm der Stadtteil inzwischen zu gekünstelt vorkam.

Manchmal musste er dorthin, um sich beim Frisör die Haare schneiden zu lassen.

Aber anschließend freute er sich umso mehr, wenn er wieder in sein Dorf flüchten konnte, das er in solchen Momenten besonders liebte.

Thure hatte herausgefunden, dass es sich bei Schebsand um ein Platzkerndorf handelte, das sogar den Dreißigjährigen Krieg überstanden hatte

„Das sind eben Ossis aus Stahl und mit Herz“, sagte Thure.
„Die Ossis gab es doch damals noch gar nicht“, wendete dann seine

Tochter Jette ein, was Thure aber nicht gelten ließ.
„Schebsand lag schon immer im Osten“, brachte er das Totschlagargument an.

Aber viel wichtiger war ihm, dass es im Dorf einen Dorfteich gab, wo er sich auf eine Bank setzen konnte und von wo aus er auch das Geschrei der Kinder vom Spielplatz aus der Kita hörte.

„Du darfst jetzt aber nicht ‚oh, oh‘ sagen, wenn ich hier meine Übungen mache“, drang manchmal das dünne, aber energische Stimmchen von Emma zu ihm herüber.

Dann war für Thure die Welt in Ordnung.
Im Osten grenzte Schebsand an riesige Flächen von Weideland, die der ehemaligen LPG gehörten, die sich nach der Wende in eine Genossenschaft umgewandelt hatte.

Thures Haus lag im Süden von Schebsand. Er hatte damals eine Scheune miterworben, in der sich besonders gern Emma aufhielt und spielte.

Einige hundert Meter entfernt von Thures Grundstück war ein See zu sehen, von dem stets eine frische Prise herüberwehte.

Thures Kummer war, dass vor seinem Haus noch zwei weitere Häuser standen, sodass er keinen freien Blick auf den See hatte.

Dafür liebte er sein Haus umso mehr. Es war über 100 Jahre alt, und so manches war überholungsbedürftig, wenn man es mit modernen Standards der heutigen Zeit verglich.

Der Fußboden im Flur bestand immer noch aus den alten braunen Fliesen, über die ein Teppich gelegt war und die nur noch an den Seiten zu sehen waren. Am Ende des Flurs stand eine alte Bauerntruhe, auf der ein weißes Fell lag.

Die Küche befand sich auf der rechten Seite des Hauses. Sie war geräumig und bildete den Mittelpunkt des Familienlebens. An der Fensterseite stand ein langer Holztisch, den Thure extra für die Küche hatte anfertigen lassen.

Auf beiden Seiten des Tisches waren Sitzgelegenheiten vorhanden. Am Fenster konnte man auf einer Holzbank sitzen, die ebenfalls der Länge des Tisches angepasst war.

Auf der gegenüberliegenden Seite standen Korbstühle, die mit blau-weißen Sitzkissen ausgestattet waren.
An den Fenstern hingen Übergardinen, ebenfalls in den Farben blau-weiß.

An der Stirnseite der Küche war noch ein alter Kohleherd zu sehen. Er wurde nicht mehr benutzt und Maria hatte ihn mit vielen kleineren Gegenständen dekoriert.

Zur Zeit standen dort bereits die ersten Osterhasen und eine Vase mit einem Strauch, an dem Ostereier hingen.

Das alles verlieh dem Ganzen eine gemütliche Atmosphäre, sodass sich die Familie oft länger in der Küche aufhielten und Maria beim Zubereiten des Essens zusahen.

Thure und Emma saßen oft auf der Holzbank zusammen. Thure legte manchmal sein Bein auf die Bank und über die Knie von Emma.
„Opa, nimm den Fuß runter“, sagte die Vierjährige dann.

„Das ist mein Erzählfuß, und der muss oben bleiben, sonst kann ich dir keine Geschichten erzählen“, sagte Thure in solchen Momenten zu ihr.

Emma überlegte kurz und sagte dann: „Komm Opa, leg deinen Fuß ruhig hier drauf.“

„Erzähl von der Scheune“, sagte sie weiter und Thure begann sich eine Geschichte von der Scheune auszudenken, in der der Esel ‚Ia‘ lebte, die Katze ‚Benny‘, der Spatz ‚Pipeva‘ und Emmas Kita-freundinnen.

Thure war wie so oft früh aufgestanden. Er wollte weiterkommen mit dem Schreiben und auch einige seiner Kunden anrufen, um zu fragen, ob die Firmenporträts auf dem Blog verlängert werden sollten.

Er hatte einen guten Draht zu seinen Kunden. Es war mehr freundschaftlich, als geschäftlich, was sicher daherkam, dass er so über so manche Firma und Unternehmer schon viele Jahre schrieb.

Thure fand es immer noch spannend, dass er auf einem Hof saß und trotzdem mit der Welt da draußen kommunizierte.

Unvorstellbar zu DDR-Zeiten, in der es nicht mal in jedem Haushalt ein Telefon gab.

Und nicht auszudenken, wie sein Vater reagierte.
„Du kannst doch nicht in diesem Kuhdorf dein Leben wegwerfen“, hatte er oft zu ihm gesagt.

Aber für Thure war es genau andersherum. In Schebsand, so fand er, hatte sein wahres Leben erst begonnen.

Er saß auf der Holzbank in der Küche, hatte seinen Tee vor sich. Es war kurz nach halb fünf Uhr früh.

THURE AUS SCHEBSAND

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https://uwemuellererzaehlt.de/thure-aus-schebsand/

THURE – SCHREIBSKIZZEN (4)

THURE-22.04.01

DER ALBTRAUM

Thure Hansen saß auf den Schienen, mitten auf einer freien Zugstrecke. Er war an Händen und Füssen mit Eisenketten an die Gleise gefesselt und konnte sich kaum bewegen.

Es regnete und es schien, als würden sich Bäche von herabstürzendem Wasser auf ihm ergießen.

Aus der Ferne ertöntes ein schrilles Signal, das Thure zusätzlich erschaudern ließ.

Die Lichtkegel der herannahenden Lokomotive stachen durch die Dunkelheit hindurch und nahmen eine gespenstische Größe an, je näher sie kamen.

„Hilfe, bitte helft mir“, schrie Thure. Aber niemand hörte ihn.
Und so kam, was kommen musste. Der Zug kam näher und Thure fügte sich in sein unausweichliches Schicksal.

Als die Waggons mit unbarmherziger Härte heranratterten, da bewegten sich hinter ihm die Weichen mit einem knackenden und quietschenden Geräusch und schoben den herandonnernden Zug auf die parallel verlaufenden Gleise.

Die Waggons schossen an Thure mit einem ohrenbetäubenden Lärm vorbei, wie von einer unsichtbaren Kraft geleitet.
Thure spürte plötzlich eine Hand, die auf ihm lag.

„Warum schreist du so?“, fragte Maria ihn, nachdem er schweißgebadet aufgewacht war.

„Ach nichts!“, murmelte Thure.
„Die Drogenmafia hat mich auf den Gleisen angekettet. Es gab kein Entrinnen.“

„Du guckst zu viele brutale Filme“, sagte Maria zu ihm, drehte sich um und versuchte weiterzuschlafen.

Thure war froh, dass seine Frau ihn aus diesem Albtraum erlöst hatte.

Er stand auf und schlurfte ins Bad, um sein Gesicht ein wenig zu benetzen.
Obwohl es erst kurz nach drei Uhr war, wollte er aufbleiben.

Bei Thure, im Grunde genommen froh, dem vermeintlichen Unglück entronnen zu sein, stellte sich dennoch keine wirkliche Freude ein.

Ihm kam der Krieg in der Ukraine wieder ins Bewusstsein.
War die Realität etwa noch schlimmer als das, was er gerade geträumt hatte?

Er versuchte an etwas Schönes zu denken.
Gestern hatte er mit Emma, seiner vierjährigen Enkelin auf dem Sofa gesessen und sie hatten Angeln gespielt.

Thure sollte für Emma mit der Angel eine Krone aus dem Wasser fischen, die sie dort verloren hatte.

„Opa, du musst an der Kurbel drehen“, rief Emma. Sie war mit Energie und Phantasie bei dem Spiel.

‚Was für ein glücklicher Moment‘, dachte Thure.
Er hatte für die Kleine einen Strand aus Worten gemalt, mitten auf seiner Lieblingsinsel Rügen, und sie tauchten die Angel in das Wasser, um die Krone zu finden und vielleicht sogar eine Kiste mit Gold.

„Oh, das wird ja immer schwerer. Schau mal, wie sich die Angelschnur biegt. Hoffentlich reißt sie nicht“, schnaufte Thure.
„Mach schnell, Opa!“

Emma hielt es nicht mehr auf der Couch. Sie kroch vom Sitz herunter und kletterte auf die Seitenwand, um sich nach vorn zu beugen, so, als würde sie an der Angelschnur mitziehen können.

„Ach du lieber Gott“, fluchte Thure.
„Es ist ein alter, dreckiger und stinkender Teppich. Wer hat denn den da reingeschmissen?“

Thure spielte seine Enttäuschung so echt, dass Emma in glucksendes Lachen ausbrach.
Ihre Zähne blitzen, ihre Augen funkelten und sie klatschte vor Begeisterung in die Hände.

„Los Opa, noch mal“, feuerte sie Thure an, der die vermeintliche Angel in der Hand drehte und mit noch größerem Schwung und unter großem Beifall von Emma wieder in das Wasser warf.

„So Emma, wir müssen nach Hause fahren“, sagte Emmas Mama, die unbemerkt ins Wohnzimmer gekommen war.

„Ich bleib’ bei Opa. Wir müssen noch die Krone finden“, sagte Emma und spornte Thure an.
„Machen wir weiter, Opa.“

Thure musste nun schmunzeln, als er sich an die schönen Momente mit Emma erinnerte und gleich wieder traurig wurde. Es könnte alles so schön sein. Wäre da nur nicht dieser furchtbare Gedanke an den Krieg in der Ukraine.

Schon ein wenig munterer befeuchtete Thure weiter seine Lippen und die Augen mit ein paar Spritzern Wassern.

‚Warum stand er so früh auf, war es etwa senile Bettflucht?‘, schoss es ihm durch den Kopf, als er sein zerknittertes Gesicht im Spiegel betrachtete.

Nein, das war es wohl nicht. Er fühlte sich von etwas Unsichtbarem getrieben, etwas, das ihn sein ganzes Leben in Trab gehalten hatte – der ungläubige Wille, noch etwas Sinnvolles zu schaffen.

„Ich muss um vier Uhr aufstehen, sonst schaffe ich mein Pensum nicht“, sagte er zu seiner Frau, die nur die Augen verdrehte.

„Du bist Rentner“, versuchte sie ihn auf den Boden der Tatsachen zu holen, aber davon wollte Thure nichts wissen, und so prallten die Worte an ihm ab.

Thure machte Sport. Fast jeden Tag lief er früh durchs Dorf, genau dann, wenn die anderen Bewohner noch schliefen und nicht sehen konnten, wenn er seine Stöcke in den Boden rammte und dabei schnaufte, als würde er eine Lokomotive hinter sich her schleifen.

Morgens war es für ihn am schönsten. Er konnte in die Wiesen schauen, auf denen noch der Nebel lag und nur langsam aufstieg, und er lief an den Häusern vorbei, in denen nur selten bereits Licht brannte.

Thure liebte sein Dorf und manchmal hasste er es auch, obwohl er nun schon fast dreißig Jahre dort wohnte.

Es war so ein Gefühl, dass er nicht wirklich dazugehörte, sich woanders hinsehnte, nach Schwerin zum Beispiel oder nach Rügen, seine geliebte Insel.

Aber nun war er in Brandenburg, wurde dort wahrscheinlich begraben und die Dorfbewohner würden auf der Beerdigungsfeier wahrscheinlich sagen, dass er eigentlich gar nicht von hier war, ein Fremder eben.

THURE AUS SCHEBSAND

JEEPYS FAHRER WEISS MAL WIEDER ALLES BESSER, DENKT ER JEDENFALLS

JEEPY-22.03.31

Jeepy, so heißt ein kleiner Jeep, um den sich die Geschichten drehen und der manchmal auch selbst erzählt, welche Abenteurer er täglichen Leben bestehen muss.
Der Fahrer von Jeepy ist Krümels Opa. Und Krümel wiederum ist Jeepys beste Freundin.
Also erzählt Jeepy seiner Freundin darüber, wie ihn sein Fahrer nervt, was der alles anstellt und wie sie sich manchmal gehörig blamieren, allen voran Jeepys Fahrer.
Hier berichtet Jeepy Krümel davon, wie er mit seinem Fahrer in den Prenzlauer Berg gefahren ist und dieser eine Tastatur umtauschen wollte, die er erst kurz zuvor dort gekauft hatte.

 

JEEPYS FAHRER WEISS MAL WIEDER ALLES BESSER, DENKT ER JEDENFALLS

 

 

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https://uwemuellererzaehlt.de/jeepy/

WENN MEIN FREUND, DER ALLTAG DOCH ANTWORTEN KÖNNTE (4)

MEIN FREUND, DER ALLTAG

ALLTÄGLICHES-22.03.23

VOM NORDIC WALKING IN NEUEN LAUFSCHUHEN

„Ich habe es geschafft, lieber Alltag, ich konnte mich wieder aufraffen und eine halbe Stunde Nordic Walking machen“, sagte ich freudig und energiegeladen, nachdem ich frisch geduscht am Schreibtisch saß.

„Donnerwetter, dass du dich überwinden konntest, da staune ich. Wann bist du denn aufgestanden?“, fragte mich der Alltag.

„Kurz vor fünf Uhr. Danach habe ich mir die kleine Lampe über die Mütze gezogen – du weißt schon, damit ich wenigstens ein bisschen was sehe, ja und dann bin ich losgelaufen.“

„Wie, du bist, ohne dich umzuziehen, nur mit einer Lampe und den Stöcken losgelaufen?“

„Alltag, frag‘ doch nicht so blöd. Natürlich habe ich mich angezogen. Anschließend musste ich mich noch in die neuen Laufschuhe quälen.
Klara hatte mir welche gekauft.“

„Und, hast du dich gefreut?“
„Also, wenn ich ehrlich bin, dann muss ich ‚nein‘ sagen.
„Warum?“, fragte der Alltag erstaunt.

„Naja, erst einmal liebe ich meine ausgelatschten Schuhe, die oben leicht eingerissen sind. Aber genau darum kann ich ja besser in die Schuhe reinrutschen, weil sie schon so kaputt sind.“

„Und nun?“
„Jetzt musste ich mich mit dem Schuhanzieher quälen. Als ich die Schuhe endlich anhatte, da drückte eine Seite am linken Fuß. Aber ich war zu faul, sie aufzumachen und alles von vorn zu schnüren.“

„Hat dich der Schuh stark gedrückt?“
„Und wie!“

„Außerdem, lieber Alltag, hat Klara gleich zwei Paar Schuhe gekauft.“
„Das ist doch schön. Ich hoffe, du hast dich bedankt.“

„Ja, schon. Ich habe ihr aber auch gesagt, dass sie lieber ein paar Schuhe hätte kaufen sollen und dafür Bessere, so richtig gute.“

„Was hat Klara gesagt?“

„Das nächste Mal, da kaufst du dir deine dämlichen Schuhe alleine.“
„Und, machst du das?“
„Nö, ich hab‘ ja jetzt erst einmal welche, sogar zwei.“

 

DIE BIBEL ÜBER UNÜBERLEGTES REDEN

BIBEL

BIBEL- KOMPAKTE WEISHEIT FÜR DEN ALLTAG

BIBEL-2022.03.21

„Der Mund des Toren bringt ihm sein Verderben, und seine Lippen bringen ihn zu Fall.“

Spr 18, 7

MEHR LESEN:

https://uwemuellererzaehlt.de/mein-freund-der-alltag/alltaeglcihes-2022/

THURE – SCHREIBSKIZZEN (2)

THURE-22.03.18

Ich bin in der Phase, in der ich mir konkreter Gedanken darüber mache, auf welche Art ich ‚Thure aus Schebsand‘ erzählen soll.
Lieber aus der Perspektive des sogenannten ‚Ich-Erzählers‘ oder doch eher aus einer distanzierteren Perspektive, nämlich der des personalen oder auch ‚Er‘-Erzählers?

Ich habe schon meine Frau genervt, eine Meinung bei meiner Tochter eingeholt.

Aber wirklich weiter bin ich nicht gekommen. Außerdem sind jetzt beide von mir extrem genervt.

Aber egal, wie ich mich letztlich entscheide, es muss emotional sein, die Details müssen stimmen und vor allem muss ich mit meiner ‚Schreibstimme‘ zum Leser durchdringen.

Wird mir das gelingen?
Ich bin mir nicht sicher.
Was kann ich tun?

Naja versuchen, dass durch die Zeilen mein „Ich“ durchdringt.
Was ist wichtig in diesem Zusammenhang?

Es geht nicht darum, dass der Mensch Uwe Müller zu 100 Prozent mit dem Erzähler übereinstimme.

Der Mensch Uwe Müller hat seine Schwächen und Stärken im Alltag.
Manchmal habe ich zum Beispiel keine Lust, etwas aufs Papier zu bringen.

Ich habe ‚einfach keinen Bock‘ an bestimmten Tagen.
Als Erzähler hingegen bin ich quasi in einer vorteilhafteren Position.

Der personale Erzähler Uwe Müller blendet vieles aus, hebt anderes wieder hervor, erfindet Situationen hinzu, denkt über die Handlungsweisen von fiktionalen Figuren nach.

Wem gebe ich nun den Vorrang – dem ‚Ich-Erzähler` oder dem personalen ‚Er-Erzähler‘?

Zunächst zum ‚Ich-Erzähler‘:

Diese Erzählperspektive ermöglicht mir eine besondere Nähe zum Thema, zu dem, was in der Geschichte geschieht.
Ich bin sozusagen in doppelter Mission unterwegs: Zum einen bin ich der, der etwas erlebt hat und andererseits erzähle ich in Personalunion das Erlebte.

Der ‚Ich-Erzähler ist die Figur, die auch selber spricht.
Das ist natürlich sehr persönlich und eignet sich gut, um den Leser an der Geschichte und der erzählenden Geschichte besonders nahe dran zu sein.

Ein Beispiel für eine Einführung bei ‚Thure‘
„Der Tag verhieß nichts Gutes. Regentropfen trommelten ans Fenster, auf der gegenüberliegenden Seite des Hauses bogen sich die Kiefern und Tannen vom Sturm, der schon die ganze Nacht tobte.

Ich war schon ein paar Tage nicht mehr vor die Tür gegangen und mir fehlte der Spaziergang, besser das Nordic Walking an der frischen Luft.

Ich lebte nun schon über zweieinhalb Jahrzehnte in Schebsand und fühlte mich manchmal immer noch fremd, wenn ich durch das Dorf lief, vorbei am Dorfteich und an der Kirche…“

Es gibt Grenzen für diese Erzählweise: Der Blickwinkel ist stark eingeschränkt. Der ‚Ich-Erzähler‘ kann sich nicht in andere Figuren hineinversetzen. Außerdem kann ich nicht aus dieser Erzählperspektive heraus größere Zusammenhänge schildern, Ereignisse analysieren. Ich kann also nur wissen, was um mich herum unmittelbar passiert.

In die Köpfe der anderen kann ich schlecht hineinschauen, es sei denn, ich würde unglaubwürdig beim Erzählen.

Anders bei der ‚Er-Perspektive‘:

In diesem Fall kann ich ein Ereignis sowohl von innen her schildern und gleichzeitig auch von außen auf das Geschehen schauen.

Es bleibt trotzdem persönlich, denn ich kann ja in die Köpfe der Hauptfiguren ‚hineinschauen‘, wie zum Beispiel bei Thure. Ich habe also den Vorzug, den ich ebenfalls beim Erzählen aus ‚Ich-Perspektive‘ nutze und zusätzlich gewinne ich einen gewissen Abstand als Außenstehender.

Ich arbeite hier also auch vielmehr mit den Mitteln des Dialogs und der direkten Rede.

Dadurch schaffe ich es die Realität mit den inneren Gedankenvorgängen der Figur zu verbinden.

Ich entscheide mich für den personalen ‚Er-Erzähler‘, weil ich vor allem die Hauptfigur Thure von außen charakterisieren kann und gleichzeitig in ihre Gedankenwelt eintauche.

Zum Abschluss das erste Beispiel aus der Perspektive des personalen ‚Er-Erzählers‘:

„Der Tag verhieß nichts Gutes. Regentropfen trommelten ans Fenster, auf der gegenüberliegenden Seite des Hauses bogen sich die Kiefern und Tannen vom Sturm, der schon die ganze Nacht tobte.

Thure war schon ein paar Tage nicht mehr vor die Tür gegangen und ihm fehlte der Spaziergang, besser das Nordic Walking an der frischen Luft.

Er lebte nun schon über zweieinhalb Jahrzehnte in Schebsand und fühlte sich manchmal immer noch fremd, wenn er durch das Dorf lief, vorbei am Dorfteich und an der Kirche…“

 

 

‚ICH LIEBE DOCH SO MEINE HEIMAT UND DIE LIEDER DARÜBER‘

ANNA

ANNA-2022.03.11

Was bisher war:
Schwester Beate hatte sich noch nicht entschieden, was die Leitung der Tagespflege anbetraf.
Sie konnte sich allerdings immer mehr mit diesem Gedanken anfreunden.
Anna musste für kurze Zeit ins Krankenhaus, weil sie an einer Unterzuckerung litt.
Anna verwechselte Herbert mit Wilhelm Sturm, ihrem verstorbenen Mann.
Als sie wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden war, telefonierte sie mit ihrer Tochter und sagte, dass es ihr gut ginge. Sie hatte schon wieder vergessen, dass sie überhaupt ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

Anna saß noch immer auf ihrem Lieblingsplatz in der Küche und beobachtete weiter, was um sie herum vor sich ging.
Sie fühlte sich wohl, erzählte mit Herbert, der gerade an den Tisch gekommen war.

Sie war in ihrem neuen Zuhause angekommen und hatte längst vergessen, dass sie mal eine eigene Wohnung über 60 Jahre bewohnt hatte.

„Du, Mutti spricht gar nicht mehr von ihrem ehemaligen Zuhause, davon, wie schön der Ausblick auf den Stralsunder Hafen war“, sagte Klara zu Peter, als dieser sie nach dem letzten Telefonat mit Anna fragte.

„Wie hast du sie denn erlebt, als ihr miteinander gesprochen habt?“, bohrte Peter weiter.

„Sie klingt fröhlich, fühlt sich umsorgt und spricht vor allem über ihre Kindheit, über Oma Heide“, antwortete Klara.

Sie wusste selbst nicht, wie sie es deuten sollte. Einerseits war sie froh, dass Anna nicht nach ihrer Wohnung fragte, andererseits war sie aber auch traurig, weil es ein sicheres Zeichen dafür war, wie die Demenz weiter fortschritt.

Als Lukas Anna besuchte und er von da aus gemeinsam mit ihr bei Klara anrief, da erzählte Anna Klara, dass sie mit Lukas im Garten am Kaffeetisch sitzen würde.

Klara versuchte das Positive daraus zu entnehmen, die Tatsache, dass Anna versorgt war und sich um nichts mehr kümmern musste.
Schwester Beate war inzwischen bei Ulrike gewesen.

„Ich werde die Tagespflege übernehmen und freue mich auf diesen Job“, sagte sie zu Ulrike.

„Wunderbar!“, antwortete Ulrike hocherfreut.
Sie wusste, dass Beate alles für ihre Tagesgäste tun würde.

„Wir sprechen noch ausführlicher“, sagte Beate, „aber ich muss jetzt nach oben und fragen, wer am Liedernachmittag teilnehmen will.“

Ulrike nickte und Beate ging fast beschwingt wieder zurück, in die Küche, da wo Anna saß.

„Anna, wir wollen heute Nachmittag schöne alte Volkslieder singen. Möchtest du mitmachen?“, fragte Beate sie.

„Oh ja“, rief Anna sofort.

„Ich liebe doch so meine Heimat an der Ostsee und die Lieder darüber“, sagte Anna.

„Herbert, kommst du auch mit?“, fragte Beate ihn, der am Tisch Anna immer noch gegenübersaß.

„Natürlich kommt Herbert mit!“, sagte Anna fast im Befehlston, so dass Herbert nur blieb, zustimmend zu nicken.

ANNA IST DEMENT

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VOM ENTSCHLUSS, VOR ALLEM GESCHICHTEN ZU ERZÄHLEN

SCHREIB-ALLTAG

SCHREIB-ALLTAG-22.03.09

Der Krieg in der Ukraine stellt die Welt auf den Kopf. Sie bringt auch deine eigene ins Wanken.

Da ist die Frage was es bedeutet, im Angesicht großer Ängste und Sorgen im Alltag durchzuhalten, sich trotzdem auf das eigene Leben zu konzentrieren.

Das ist besser möglich und intensiver zu veranschaulichen, wenn es anhand von erzählten Geschichten passiert. Der Schriftsteller James

N. Frey hat dazu einmal geschrieben:
„Während Sie mit Ihren Figuren ringen und versuchen, sie zu verstehen, zu motivieren und sie so echt und glaubwürdig wie möglich zu machen, ihnen wirklich Mut und Selbstgefühle zu geben, werden Sie feststellen, dass Sie beginnen, die Welt mit anderen Augen zu sehen und Sie werden eine neue positive Seite an sich entdecken.“ (1)

‚Die Welt mit anderen Augen sehen‘- ja, das will ich tatsächlich.
Aber es fällt schwer, angesichts der Bilder über den Krieg, das Leiden, den Tod und die Angst der Menschen, einfach zu überleben.

Wer hätte schon gedacht, dass wir uns noch einmal mit dem auseinandersetzen müssen, was unsere Eltern und Großeltern erfahren haben.

Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, zu erleben, weinende Kinder, schreiende Mütter, alte Frauen im Fernsehen zu sehen und zu begreifen, dass dies nicht handelnde Personen in einem Film sind, sondern in der Wirklichkeit, mitten in Europa.

Das alles zu verarbeiten, zu erfahren, wo man selbst in dieser Zeit, welche Erfahrungen und Erinnerungen durch den eigenen Kopf gehen – das kann man am besten, indem man schreibt.

Schreiben heißt, über dein Leben nachzudenken

Dieses Schreiben zwingt dich, konzentriert zu sein. Es schärft einfach deinen Verstand, und es steigert auch dein Vermögen, Erlebtes zu verarbeiten und niederzuschreiben.

Du bekommst das Gefühl, etwas Gutes zu tun, dein Leben und vielleicht das des einen oder anderen Lesers zu verändern.

Das bedeutet natürlich auf der anderen Seite, tief in sich selbst hineinzublicken, Erinnerungen wachzurufen, zu überlegen, wie man das alles zu Papier bringt.

Das beginnt bei dem, woran ich zurzeit arbeite – bei ‚Thure aus Schebsand‘ – mit dem Gedanken, wieviel ‚Thure‘ von dir selbst in der Figur sein soll.

Wie löst du es, dass du zwar in der Gegenwart schreibst, aber in die Vergangenheit der Figuren blickst, überlegst, wie du beides miteinander verbinden kannst, ohne dass die geschilderten Ereignisse zu häufig hin- und herspringen.

Ich habe lange überlegt, aus welcher Erzählperspektive heraus ich schreibe – der des ‚Ich-Erzählers‘ oder doch eher aus der Sicht des personalen Erzählers in der ‚Er-Form‘?

Davon soll der nächste Beitrag handeln.

SCHREIB-ALLTAG

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‚SEID IHR AUCH SCHMERZFREI?‘

ANNA

ANNA-2022.02.04

Was bisher war:
Anna sprach mit Klara und Peter am Telefon.
Schwester Beate hatte Klara gebeten, für ihre Mutter ein paar neue Hosen zu besorgen.
Anna hatte zugelegt, besonders um die Hüfte und den Bauch herum, seitdem sie im Heim untergebracht war.
Klara wollte Peter den Telefonhörer übergebend, damit er auch mal mit Anna sprach.
Aber Peter wehrte sich.
„Er wedelte lautlos mit den Händen, so als wolle er eine Boeing 747 zum Stoppen auffordern.“
Peter erzählte schließlich mit Anna und sie zum Schwärmen:
„Ich war früher selber gern auf dem Hof von Onkel Gottfried.“
Peter fragte Anna, ob sie in der Küche mithalf.
„Bestimmt putzt du oft das Gemüse.“
„Ja, das mach‘ ich“, kam es nun von Anna.
„Also auf dich ist Verlass“, sagte Peter.
„Das kann man wohl sagen“, stimmte Anna zu.

Schwester Beate hatte sich immer noch nicht entschieden, ob sie das Angebot ihrer Chefin annehmen und die Tagespflege leiten sollte. Sie wollte die Entscheidung noch aufschieben und verdrängte deshalb diese Gedanken.

Sie war gerade damit beschäftigt, das Mittagessen vorzubereiten.
Anna war nach dem Telefonat mit Klara wieder in ihr Zimmer gegangen.

Es war ungewöhnlich, denn um die Zeit vor Mittag saß Anna gern in der Küche und schaute den Schwestern zu oder half dabei, das Gemüse oder das Obst zu waschen und zu zerkleinern.

„Hat jemand Anna gesehen?“, fragte Beate in den Raum.
„Die ist in ihrem Zimmer“, sagte Herbert, der gerade zur Küche hereinkam.

„Kannst du sie mal bitten, hierher zu kommen“, forderte Beate ihn auf. Herbert zögerte. Er wollte sich nicht noch einmal so eine Abfuhr von Anna holen.

Er dachte daran zurück, wie er in der vergangenen Woche den Arm um sie gelegt und sie ihn daraufhin brüsk zurückgewiesen hatte.

„Schon gut“, sagte Beate, die merkte, wie zögerlich sich Herbert verhielt.

Sie ging in die Richtung von Annas Zimmer, um zu sehen, was mit Anna los war.

Annas Tür stand offen, sie selbst lag auf dem Bett. Sie war bleich im Gesicht und ihre Hände zitterten.

Beate dachte sofort an eine Unterzuckerung.
Deshalb schwitzte Anna wohl auch. Alle Stresssymptome wiesen auf einen zu niedrigen Blutzuckerspielgel hin – das Schwitzen und Zittern, vielleicht hatte sie ja zusätzlich Herzrasen.
Aber das waren Vermutungen.

Anna muss ins Krankenhaus
„Wir müssen den Arzt rufen“, rief Beate, als sie in die Küche zurückeilte. Nebenan war gleich das Büro.

„Ich mach‘ dass“, sagte Ulrike, die ebenfalls hereingekommen war.
Der Arzt kam schnell.

„Frau Sturm sollte für ein paar Tage ins Sund-Krankenhaus“, sagte er zu Schwester Ulrike.

„Ich habe ihr eine Spritze gegeben, und ihr geht es jetzt wieder so weit gut“, sagte er noch.

„Warum soll ich ins Krankenhaus“, fragte Anna plötzlich.
Sie hatte sich im Bett aufgerichtet und schaute verwirrt in die Runde.

„Keine Sorge, das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme“, redete Beate auf sie ein.

Herbert soll Anna ins Krankenhaus begleiten
„Herbert, die wollen mich ins Krankenhaus verfrachten, aber ich will das nicht.“

Anna blickte zu Herbert, ihrem Mitbewohner, der zwischen dem Arzt, Schwester Ulrike und Beate durchlugte.

Er zog seinen Kopf blitzschnell wieder zurück, als sich alle zu ihm umdrehten.

„Sind Sie Ihr Freund?“, fragte der Doktor.
„Nein, um Gottes Willen“, beteuerte Herbert.
„Wir kennen uns nur flüchtig.“

Das klang, als sich beide zufällig auf der Straße begegnet und hätte flüchtige Blicke miteinander ausgetauscht.

Aber sie waren sich nicht auf der Straße begegnet, höchstens auf dem Flur im ‚Betreuten Wohnen‘.

Hier gab es kein Entrinnen, außer man wurde ins Krankenhaus eingeliefert, oder noch schlimmer.

Der Arzt hatte in der Zwischenzeit einen Krankenwagen geordert und die Überweisung ausgestellt.

„Wilhelm, du begleitest mich doch ins Krankenhaus?“.
Anna schaute Herbert an. Der war verwirrt und ahnte, dass Anna ihn mit ihrem Mann Wilhelm Sturm verwechselte.

„Der Herbert kommt dich vielleicht besuchen, wenn wir wissen, wie es dir geht“, griff nun Beate ein.

„Aber ich denke, du kannst bald wieder an unseren Liedernachmittagen in der Tagespflege teilnehmen“, sagte sie noch.
Anna nickte und winkte, als die beiden Rettungssanitäter sie im Rollstuhl zum Fahrstuhl fuhren.

„Ach, hier geht es raus, das muss ich mir merken.“
Die beiden Sanitäter schauten sich verblüfft an und konnten sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen.

„So Frau Sturm, jetzt geht es ins Krankenhaus und dann schauen wir mal, dass wir sie wieder gesund kriegen“, sagte einer der Rettungssanitäter, während sie Anna in den Fahrstuhl schoben.

„Ich bin gar nicht krank, die spinnen ja alle.“
Die Sanitäter wechselten nur einen Blick, erwiderten aber nichts darauf.

Schwester Beate rief Klara an.
„Ihre Mutter musste zur Kontrolle ins Krankenhaus. Zur Sicherheit.“
„Was hat sie denn?“, fragte Klara besorgt.

„Ihre Zuckerwerte waren nicht so in Ordnung. Aber es geht ihr schon viel besser. Wenn es so bleibt, dann kann sie sich in ein bis zwei Tagen wieder nach Hause.“

Anna denkt nicht mehr an ihre Wohnung
Schwester Beate hatte gar nicht daran gedacht, dass es Annas Zuhause gar nicht mehr gab, sondern sie nur noch ein Zimmer im ‚Betreuten Wohnen‘ hatte.

„Kannst du dir vorstellen, dass Mutti noch nicht einmal nach ihrer Wohnung gefragt hat“, sagte Klara zu Peter, nachdem sie ihm berichtet hatte, dass Anna ins Krankenhaus gekommen war.

„Das ist doch ein sehr gutes Zeichen, denn dann fühlt sie sich offensichtlich wohl.“

Keiner mochte aussprechen, dass es wohl vor allem daran lag, dass Anna vergessen hatte, wo sie einst gewohnt hatte.

Zwei Tage später rief Klara wieder im Heim an, um zu erfahren, ob Anna wieder aus dem Krankenhaus heraus war.

„Ihre Mutti ist gestern bei uns wieder gelandet und ist gut drauf“, sagte Schwester Ulrike, die gerade Dienst hatte.

„Kann ich sie mal sprechen?“, fragte Klara.
„Klar.“

„Anna, Telefon für dich“, hörte Klara Schwester Ulrike sagen.
„Das ist ja schön, dass du dich mal meldest“, sagte Anna zu Klara.

„Ja, ich wollte nur mal hören, wie es dir geht und ob du den Krankenhausaufenthalt gut überstanden hast“, sagte Klara.

„Ich war nicht im Krankenhaus, ich war die ganze Zeit hier.“
Anna saß gerade in der Küche, auf ihrem Lieblingsplatz, von dem aus sie alles beobachten konnte.

Klara wollte erst etwas dazu sagen, dass Anna sich nicht mehr erinnerte, aber dann schwieg sie doch.

„Und, geht es dir gut?“
„Mir geht es sehr gut!“, sagte Anna.

„Seid ihr auch schmerzfrei“, fragte sie Klara.
Klara war verblüfft. Wieso nahm sie so ein Wort in den Mund?

„Ja, wir sind alle schmerzfrei“, sagte Klara stattdessen und musste doch ein wenig schmunzeln.

ANNA IST DEMENT

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01. KALENDERWOCHE – DAS WAREN DIE BEITRÄGE

MEIN FREUND, DER ALLTAG

ALLTÄGLICHES-2022.01.08

SONNTAG, 02.01.2022


WARUM ÜBER MENSCHEN IN DER PFLEGE SCHREIBEN

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MENSCHEN IM ALLTAG-2017-2021

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MONTAG, 03.01.2022

MIT WACHEN AUGEN DURCH SEINEN ALLTAG GEHEN

DIENSTAG, 04.01.2022

DAS WAREN DIE BEITRÄGE IM DEZEMBER 2021

MITTWOCH, 05.01.2022

MENSCHEN IM ALLTAG-2017-2021

DONNERSTAG, 06.01.2022

DER WANDKALENDER MIT FOTOS VON KRÜMEL

FREITAG, 07.01.2022

ANNA IST DEMENT

‚ICH BRAUCH‘ BEDENKZEIT‘

SAMSTAG, 08.01.2022

LAURA BILDET SICH MAL WIEDER WEITER 

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MEIN FREUND, DER ALLTAG

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‚ICH BRAUCH‘ BEDENKZEIT‘

ANNA

ANNA-2022.01.07

Was bisher war:
Knut, der ‚Hamburger‘ spielte die Lieder von Freddy Quinn und alle im Saal schunkelten mit.
Herbert, ein Mitbewohner, saß neben Anna und versuchte, sich ihr anzunähern.
Anna wies ihn brüsk zurück. „Wenn das Wilhelm sieht, dann bekommst du einen Kinnhaken…“
Nur das Wilhelm, der Mann von Anna, schon über 20 Jahre tot war.
Schwester Beate saß in der hinteren Reihe des Saals, während Knut auf dem Akkordeon spielte und die Gäste mitsummten.
Beate konnte nicht viel sehen, aber sie spürte, wie glücklich die Gäste in der Tagespflege waren, wenn sie für ein paar Stunden, dem ‚Betreuten Wohnen‘ entrinnen konnten.

Die Veranstaltung mit Knut, dem ‚Hamburger‘ war zu Ende und die Gäste klatschten begeistert Beifall.

Beate saß immer noch auf ihrem Stuhl und war gerührt, weil die Bewohner aus dem Haus ‚Sörensen‘ so eine schöne Abwechslung genießen konnten. Sie war froh, dass sie den Seemann Knut angesprochen hatte.

Herbert ging hinter Anna, als sie den Saal der Tagespflege verließen. Herbert war noch betroffen von dem Vorgang im Saal. War er tatsächlich zu weit gegangen, als er versucht hatte, den Arm um Anna zu legen?

Dabei wollte er doch nur ein wenig Gemütlichkeit aufkommen lassen, mit Anna schunkeln und Freude haben. Oder redete er sich das nur ein, und er verfolgte in Wirklichkeit mehr?

Er wusste es selbst nicht so richtig.
„Herbert, wo bleibst du denn?“, ertönte es vor ihm. Anna hatte sich zu ihm im Gehen umgedreht und rief den Namen Herbert so, als sei in Wahrheit ihr Wilhelm gemeint. Sie hatte den Vorgang von vorhin bereits wieder vergessen.

Herbert blieb vorsichtshalber doch hinter ihr. Wer wusste das schon, wie es gemeint war. Vielleicht kam Wilhelm doch noch um die Ecke und verpasste ihm einen Kinnhaken. Es passierten ja so viele merkwürdige Dinge.

„Hallo, ihr Lieben!“, rief Schwester Ulrike, die an der Tür stand, „war es schön?“

„Ach ja, so schön“, antwortete einige, während sie auf sie zugingen.
Schwester Ulrike blieb noch an der Tür stehen und wartete, bis Schwester Beate auftauchte.

„Beate, kannst du mal in mein Zimmer kommen?“, sprach Ulrike sie an.

„Ist irgendetwas passiert?“, fragte Beate sie verblüfft.
„Nein, nein, ich will mit dir nur in Ruhe etwas besprechen.“
„Ist gut, ich komme gleich, ich will nur sehen, dass alle wieder gut auf ihre Zimmer kommen“, sagte Beate noch.

Schwester Ulrike nickte und verschwand auf der Etage in ihrem Büro.
Sie hatte ihren Schreibtisch so gestellt, dass sie direkt auf den Sund schauen konnte, wenn sie daran saß und etwas erarbeiten musste.

Sie blickte hinaus und sah in der Ferne ein kleines weißes Schiff, das offensichtlich langsam vor sich hin tuckerte. Wahrscheinlich war es die Fähre, die die Leute nach Hiddensee brachte.

Sie sah viele weitere Boote, die aber eher wie kleine schwarze Punkte von ihrem Zimmer aus zu erspähen waren. Kleine Anglerboote, die auf dem Wasser schaukelten und auf Hering aus waren.

Es klopfte und Ulrike schreckte hoch.
„Ja bitte“, sagte sie etwas förmlich, obwohl sie wusste, dass es nur Beate sein konnte.

Sie kannten sich schon aus früheren Zeiten, eigentlich schon aus der Zeit, als beide noch im Sund-Krankenhaus als Krankenschwestern arbeiteten.

Sie mochten sich und sie respektierten sich gegenseitig, aber eine wirkliche Freundschaft war zwischen ihnen nicht entstanden.
Es war vielleicht besser so, denn nun war Ulrike die Vorgesetzte von Beate.

Ulrike war mehr die Macherin, die Managerin, die Abläufe planen und organisieren konnte, die es verstand, Menschen für sich einzunehmen.

Und Beate war immer eher auf der fachlichen Seite gewesen. Sie fühlte sich vor allem gern in Menschen ein, versuchte ihnen auch in ungewohnter Umgebung ein Gefühl von einem ‚Zuhause‘ zu geben.

Beate war froh, dass sie aus dem medizinischen Bereich des Krankenhauses in die Pflege gewechselt war, den Patienten noch näher sein konnte, nicht nur pflegerisch, sondern auch menschlich.

Ulrike schrak aus ihren Gedanken hoch, als es an ihrer Tür klopfte.
„Ja, bitte.“
„Da bin ich“, sagte Beate und trat vorsichtig ins Zimmer ein. Obwohl sich beide gut kannten, fühlte sich Beate nie ganz wohl, wenn sie zu ihrer Pflegedienstleitung gerufen wurde.

Es war in ihr drin, dieser Respekt, den sie nun mal vor jemandem hatte, der eine Leitungsfunktion ausübte.

„Bitte setz‘ dich doch, Beate“, sagte Ulrike freundlich.
„Kaffee?“
„Ja gern.“

Ulrike holte die bereitgestellten Tassen vor und goss aus der Thermoskanne den Kaffee ein.

„Danke“, sagte Beate, nachdem sie die Kaffeetasse entgegengenommen hatte.

Sie setzte an, um einen Schluck zu trinken und stellte fest, dass der Kaffee noch vom Morgen übriggeblieben sein musste.

Er hatte einen schalen Geschmack und war nicht mehr heiß.
Sie schluckte ihn runter, wie etwas, dem man nicht ausweichen konnte.

„Den Bewohnern schien es gut gefallen zu haben, mit dem ‚Hamburger‘ Knut?“

„Oh ja, ich habe ja hinten gesessen und konnte dadurch nicht alles erkennen, aber die Gäste haben mitgesungen, mitgeschunkelt und einige haben sich sogar untergehakt.“

„Wunderbar.“

„Das müssten wir des Öfteren veranstalten, und nicht nur das, sondern das Konzept für die Tagespflege erweitern.“

„Hm“, sagte Beate kurz und schaute Ulrike unentwegt an.
‚Worauf willst du hinaus?‘, schien sie zu denken.

„Sie hat mich doch nicht hierhergebeten, um mir das allzu Offensichtliche zu erklären, schoss es Beate durch den Kopf.

„Ich brauche dich als Leiterin der Tagespflege“, riss Ulrike sie aus ihren Gedanken.

„Mich?“
„Nein!“
„Doch!“, blieb Ulrike dabei.

Plötzlich war es still im Raum.
Ulrike ließ nicht den Blick von Beate und die wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte.

„Aber es gibt doch so viele gute und talentierte Kräfte, die außerdem noch viel jünger sind, als ich es bin“, wich Beate aus.

„Das mag schon sein, aber ich brauche dich als ein Fels in der Brandung, jemand, der entschlossen anpackt und auch die Richtung vorgeben kann.“

„Und das soll ausgerechnet ich sein?“, versuchte Beate, sich aus der Schlinge herauszuziehen.

„Beate, du bist kreativ, du hast für uns den Abend mit den Seemannsliedern organisiert. Die Leute spüren, dass du es ehrlich meinst mit ihnen. Sie fühlen sich bei dir geborgen.“

Das hatte Beate nun davon, dass sie sich wie ein Familienoberhaupt um ihre Gäste in der Tagespflege kümmerte und dabei noch vielen ihrer Kolleginnen im Stress zur Seite stand.

„Wir werden mehr tun müssen, was die fachgerechte Planung und Dokumentation anbetreffen.

Du siehst ja selbst, wie viel Zeit dafür draufgeht.
Und wir müssen umfangreiche Vorlagen und Materialien erarbeiten, die es uns erlauben, die Gäste noch individueller zu betreuen.“

Beate schwieg. Was sollte sie tun?
„Ich brauche Bedenkzeit“, sagte sie schließlich.

 

ANNA

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DEMENZ – WENN DIE EMPATHIE SCHWINDET

ANNA

ANNA-2021.07.21

RÜCKBLICK AUF TEXT – 2018.11.28
Anna hatte keine Freude mehr am Schenken.

„Wie ist das Wetter bei euch da oben?“, fragte Peter Anna.
Es war das übliche Telefongespräch am Vormittag, es war diesig und es schien keine Sonne, Wind war aber auch nicht.

Das war gestern so, vorgestern ebenfalls.
Anna hätte also sagen können: „Das Wetter ändert sich seit Tagen nicht, es ist gleichgeblieben.“

Doch diese gedanklichen Fäden konnte Anna nicht mehr ziehen.

„Der Himmel ist grau, die Sonne scheint nicht, aber es ist auch kein Wind“, sagte Anna stattdessen.

„Prima“, antwortete Peter. Er war irgendwie froh, dass er über dieses stets wiederkehrende Thema den Gesprächsfaden mit Anna knüpfen konnte.

„Heute Nachmittag fahren wir zur Post. Klara hat einen Stollen eingepackt und den schicken wir dir“, redete Peter weiter.

„Ach, wie kann ich dir nur danken?“, fragte Anna.
„Naja, ich habe damit nichts zu tun. Nur, dass ich den vorhergehenden mit aufgegessen habe, nachdem Klara ihn gebacken hatte.“

Anna verstand diese Art von Humor nicht mehr.
„Ja, das ist so schön, ich freue mich. Wie kann ich euch nur eine Freude machen?“

„Ach, mir würde eine ganze Menge einfallen“, antwortete Peter und bereute zugleich, dass er es überhaupt gesagt hatte.

„Ja, was denn?“, fragte Anna nach einer Weile.
Flasche Sekt, warme Socken, Kasten Mon Cherie, Puppe für Krümel, das könnte er antworten. Es schoss ihm geradezu ein, während Anna die Frage noch gar nicht zu Ende formuliert hatte.

Sagte er davon was? Natürlich nicht. War es schlimm, dass Anna nicht mehr auf das kam, was sie früher in solchen Momenten tat? Überhaupt nicht.

„Schade nur, dass Anna sich um die Glücksgefühle brachte, die sie früher überkamen, wenn sie anderen eine Freude machte“, dachte Peter in diesem Moment.

Doch dafür konnte sie nicht. Die Demenz ließ das nicht mehr zu, nahm ihr Stück für Stück diese Empathie.

Das war das eigentlich Schlimme – vor allem für Anna. Umso mehr mussten sich Klara, Laura und Peter bemühen.
Und das taten sie ja auch.

„Wenn dir der Stollen schmeckt, dann ruf doch KIara an. Sag ihr, dass er gut gelungen ist.“

„Das mach ich ja sowieso“, sagte Anna, so als hätte Peter auf etwas hingewiesen, was doch selbstverständlich war. Nun wurde er noch von Anna der Begriffsstutzigkeit überführt.

Trotzdem: Für den Moment hatte er Anna ein paar unbeschwerte Momente bereitet, so schien es jedenfalls.

Und wenn das Paket mit dem Stollen ankam, dann würde sich das wohl wiederholen. Immerhin. Der Kreis der Möglichkeiten, eine Freude zu bereiten, wurde kleiner.

Sie intensiver zu nutzen, das war wohl jetzt die Aufgabe.
Peter griff wieder zum Hörer, um Klara zu informieren: alles im grünen Bereich.

ANNA IST DEMENT

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ANNA – RÜCKBLICK IN VERGANGENE WOCHE UND AUSBLICK AUF DIESE WOCHE

ANNA-2021.07.12

SIE KÖNNEN DIE VERMIETERBESCHEINIGUNG NICHT KRIEGEN

Klara und Peter benötigten die Bescheinigung von Annas Vermieter. Sie sollten sie an die Wohnungsverwaltung schicken, die für die Anmietung des Zimmers im ‚Betreuten Wohnen Sörensen‘ zuständig waren. Der Verwaltungsmitarbeiter Brummer von Annas Wohnungsgesellschaft aber gab sich störrisch.

„Ja, wir können Ihnen die Vermieterbescheinigung von Anna Sturm nicht schicken!“

„Wer sind Sie denn?“, fragte Peter, obwohl ihm klar war, woher der Anruf kam.

„Brummer“, ertönte die Stimme am anderen Ende.
Er betonte das ‚r‘ und dehnte gleichzeitig dabei noch das ‚e‘, sodass Peter den Namen ‚Brrummeer‘ verstand.

„Ach Herr Brummer“, ja schön, dass Sie sich melden!“
„Wie gesagt, Sie kriegen die Vermieterbescheinigung nicht!“

Herr Brummer ließ sich auf keinen Small-Talk ein.
Peter merkte, wie bei ihm der Blutdruck stieg und seine Schilddrüse anfing, heftig in seinem Hals zu klopfen.

Es war, als würde in einer Feuerwache schriller Alarm ausgelöst und die Feuerwehrmänner würden eine Stange herunterrutschen, um sich sofort ins Auto zu schwingen.

„Warum können wir die Bescheinigung nicht kriegen?“
Peter bemühte sich, mit ruhiger Stimme zu fragen.

„Weil wir nichts hinter dem Rücken Ihrer Schwiegermutter machen!“

„Wollen Sie uns unterstellen, dass wir etwas hinter dem Rücken von Anna Sturm machen, ohne dass wir nicht ihre Vollmacht und ihr Einverständnis hätten?“

„Das weiß ich nicht.“
„Wenn Sie es nicht wissen, warum sagen Sie es dann?“
„Das habe ich nicht gesagt!“

„Das haben Sie sehr wohl gesagt!“ Peter war in den Angriffsmodus übergegangen. Seine Stimme wurde lauter, klang schärfer.

„Jetzt hören Sie mir mal gut zu“, pumpte Peter sich weiter auf, „wenn Sie glauben, Sie könnten in dieser schnoddrigen und arroganten Art mit mir reden, dann haben Sie sich jetzt den absolut Falschen ausgesucht.“

Peters Stimme dröhnte, dass Klara ganz bleich im Gesicht geworden war.

„Sie haben es gesagt und meine Frau hat es auch gehört.“
Klara war von ihrem Stuhl aufgesprungen und kam zu Peter herübergelaufen. Sie bewegte angstvoll ihre Arme nach unten, um Peter zu beschwichtigen.

Doch das brachte ihn erst recht in Rage. Er hasste es, wenn Klara sich einmischte. Das Signal war stets das gleiche: ‚Mein Mann ist ein Raufbold und Polterkopf, aber er meint es nicht so‘.

Aber das war genau das Streichholz, das man nur noch an das Spritfass halten musste, damit alles in die Luft flog.
„Jetzt passen Sie mal gut auf, lieber Brummer“, Peter lies in seiner Wut die Anrede ‚Herr‘ weg.

„Sie sollten ganz schnell die Vermieterbescheinigung schicken, dann vergesse ich ihre ungehobelte, unfreundliche und dem Kunden wenig zugeneigte Art, und ich vergesse auch, was Sie gesagt haben, ohne dass Sie es gründlich durchdacht haben. Ich warte genau dreißig Minuten, bis die E-Mail bei mir angekommen ist. Auf Wiederhören“.

Peter drückte mit seinem Zeigefinger mit solcher Energie auf den roten Button des Handys, dass ihm der Finger hinterher wehtat.

„Musste das sein?“, fragte Klara nun mit vorwurfsvoller Stimme.

„Du lässt mich hier die Drecksarbeit machen und willst auch noch, dass ich den anderen aufs herzlichste begrüße, wenn der mit einem Beil auf mich zustürmt“, schnaubte Peter.

„Du bist doch der Klügere!“, sagte Klara.

„Ich will nicht der Klügere sein, ich will dem in den Arsch treten, wenn der mir so kommt.“

„Du mit deinem kulturellen Hintergrund!“, klagte ihn Klara vorwurfsvoll an.

Peter wollte nicht in solchen Momenten derjenige sein, der auf die allergrößten Grobheiten seines Gegenübers am Telefon mit feiner und rhetorisch ausgefeilter Stimme antwortete. Nein, er wollte ebenfalls zum Schwert greifen und auf den anderen zustürmen, Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Er wusste, dass es falsch war, aber das verdrängte er in diesem Moment.

„Ich muss arbeiten“, unterbrach Peter Klara und zog die Tür zum Arbeitszimmer hinter sich.

Ein paar Augenblicke später trudelte aus Stralsund die Mail mit der Vermieterbescheinigung im Anhang ein.

‚Geht doch‘, brummte Peter.

„Sehr geehrte Frau Gerber“, stand in der Anschrift. Peter wurde gar nicht erwähnt.
Doch er sollte trotzdem eine Lesebestätigung geben.

„Da können die lange warten!“, dachte Peter.
„Ist schon was gekommen?“, fragte Klara. Sie hatte die Tür zu seinem Zimmer leise aufgemacht.

„Kann ich dir nicht sagen, ich muss jetzt erst einmal meine Arbeit zu Ende bringen.

Klara seufzte und wusste, dass sie jetzt nicht mit Peter reden konnte.

Als sie wieder draußen war, druckte Peter die Vermieterbescheinigung aus dem Anhang der Mail aus, legte sie in seinen Ablagekorb und stülpte ein paar Rechnungen darüber.

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ULRIKE UND BERITT TREFFEN SICH AM EISCAFÉ – SEIT LANGEM MAL WIEDER
ANNA-2021.07.07

Ulrike und Beritt sind Freundinnen. Sie kennen sich noch von der Schwesternschule in Stralsund her. 
Ulrike arbeitet als Pflegedienstleiterin im ‚Betreuten Wohnen Sörensen‘, Beritt ist Krankenschwester im Stralsunder Sund-Krankenhaus.
Beritt ist mit Olaf verheiratet, der als Pfleger im ‚Betreuten Wohnen‘ arbeitet.
Ulrike ist Olafs Vorgesetzte.
Ulrike schlägt Beritt vor, mal wieder gemeinsam ein Eis essen zu gehen. 
Sie will herauskriegen, warum Olaf auf Arbeit so antriebslos ist.

„Wie läufts mit Olaf?“

„Ist er noch so fürsorglich wie früher?“
Beritt ließ sich Zeit mit ihrer Antwort.

„Ich weiß nicht, aber irgendwas ist anders. Olaf ist schweigsamer geworden, redet mit mir nicht mehr so viel.

Zum Beispiel die Sache mit Frieda Möller, die hat er mir gegenüber verschwiegen.“

Ulrike überlegte, ob sie Beritt etwas zu Saskia sagen sollte, aber sie entschied sich anders.

„Weißt du, die Arbeit in der Pflegeeinrichtung, die schlaucht alle, insbesondere jetzt in der Corona-Zeit.

Jeder arbeitet bis zum Anschlag, erholt sich nicht mehr so richtig während des Urlaubs, im Gegenteil, er nimmt die Probleme mit in seine Freizeit.“

„Das stimmt, das geht mir genauso. Wir kommen im Sund-Krankenhaus ebenfalls nicht vor Arbeit aus den Augen gucken.

Und wahrscheinlich zerrt das an den Nerven, macht uns reizbarer, wenn wir zusammen sind“, sagte Beritt mehr zu sich als zu Ulrike.
Ulrike schaute Beritt an.

Sie sah nicht gut aus im Gesicht, wirkte angespannt, trotz des Urlaubs, der erst ein paar Tage her war.

Sie beschloss nichts zu sagen, schon gar nicht darüber, dass sie das Gefühl hatte, dass sich Saskia und Olaf immer näherkamen, über das normale Arbeitsverhältnis hinaus.

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DIE EINFAHRT VOM HEIM IST DOCH GANZ LEICHT ZU FINDEN

ANNA-2021.07.09

Klara ist nach Stralsund gefahren, um sich vor Ort ein Bild von der Pflegeeinrichtung ‚Betreutes Wohnen Sörensen‘ zu machen.
Lukas begleitet sie zum Heim. Er kann sich nur schwer mit dem Gedanken abfinden, dass Anna nicht mehr in ihrer Wohnung bleiben kann.
Klara und Lukas finden nur schwer den Eingang zum Gebäude ‚Betreuten Wohnen Sörensen‘.

„Hier sollte doch eine Schranke sein und wo steht jetzt der Name der Einrichtung?“, fluchte Lukas und kurvte nun schon das zweite Mal um die Häuserblocks, die in der angegebenen Straße standen.
„Betreutes Wohnen Sörensen, Olaf Knaspe, was kann ich für Sie tun?“, ertönte eine dunkle Stimme, nachdem Klara die Telefonnummer gewählt hatte, die auf ihrem Zettel stand.

„Ja, Herr Knaspe, Klara Gerber hier, wir haben heute einen Besichtigungstermin für das Zimmer, in das meine Mutter einziehen soll“, sagte Klara.

„Wie ist denn der Name Ihrer Mutter?“, fragte Olaf, ohne sich groß zu bemühen. Er hätte es wissen müssen, dass es Anna Sturm war.

„Wieso fragen Sie denn? Wir beide haben doch den Termin miteinander für heute ausgemacht!“

„Ach so ja.“

„Ja, bis gleich“, antwortete Olaf wieder.

„Moment, wir finden den Eingang zum Gebäude nicht“, sagte Klara. Ihre Stimme überschlug sich nun schon fast, denn in ihr stieg allmählich der Ärger über so viel Gleichgültigkeit hoch.

„Das ist doch ganz einfach zu finden“, antwortete Pfleger Olaf.
„Wissen Sie, wenn Sie dort jeden Tag mehrfach ein- und ausgehen, dann ist es einfach. Ja. Aber wir kommen heute das erste Mal zu Ihnen.“

„Warten Sie, ich drücke mal einen Knopf, dann geht ein Tor auf und Sie können dort durchfahren.“
Olaf drückte auf den Summer.

„Da!“, rief Lukas, „siehst du die Flügeltüren, die sich gerade öffnen?“
„Fahr bloß schnell durch, bevor sie wieder zugehen“, sagte Klara, die sich noch immer über die halb schnoddrige Art des Pflegers ärgerte.
Lukas parkte das Auto auf dem dafür vorgesehenen Platz, stieg aus und streckte sich.

„Hallo, was macht ihr denn hier“, rief aus dem Fenster Berta Hoffmann.

„Das ist doch jetzt nicht wahr“, sagte Lukas.
Charly und Berta Hoffmann waren Freunde von Anna und Wilhelm Sturm.

Sie hatten sich am Strelasund eine Wohnung gesucht, in der sie auch bleiben konnten, wenn sie mal Pflege und Betreuung in Anspruch nehmen wollten.

„Ach, wir schauen hier nur mal, ob das was für Mutti ist“, antwortete Klara, immer noch verdattert, dass ausgerechnet in dem Moment Berta aus dem Fenster sah.

Wahrscheinlich tat sie das sehr oft am Tag.
„Kommt doch mal hoch zu uns“, rief jetzt Charly, der hinter seiner Frau stand.

„Wir haben leider ganz wenig Zeit“, sagte nun Lukas.
„Komm‘ lass uns verschwinden, sonst kommen wir hier nicht wieder weg“, flüsterte er Klara zu.

Die nickte stumm. Sie winkten beide nach oben und ging schnurstracks auf eine andere Eingangstür zu.

Im Flur erwartete sie Schwester Ulrike. Olaf hatte ihr Bescheid gesagt. Er selbst stand hinter Ulrike und schien ein schlechtes Gewissen zu haben.

„Herzlich willkommen, Familie Gerber“, sagte Ulrike.

„Ich bin Klara Gerber, geborene Sturm, und das hier ist mein Bruder, Lukas Sturm. Mein Mann konnte heute nicht mitkommen“, sagte Klara ein wenig verlegen.

„Aha, sehr angenehm. Wollen wir gleich zum Zimmer gehen?“
Ulrike sah die beiden erwartungsvoll an.

„Ja, gern“, sagte Klara.

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AUSBLICK 
ANNA – 2021.07.16
Klara besichtigt gemeinsam mit Lukas Annas künftiges Zimmer im Heim.
Es ist sehr klein. Klara beginnt schon in Gedanken die Möbel zu stellen.
Pfleger Olaf und Klara lernen sich besser kennen und Olaf beginnt sich auf die neue Heimbewohnerin einzustellen.
Die Bürokratie in Vorbereitung auf die Heimunterkunft frisst die Energie von allen auf.

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DIE EINFAHRT VOM HEIM IST DOCH GANZ LEICHT ZU FINDEN

ANNA-2021.07.09

Was bisher war:
Peter hatte sich mit dem Verwaltungsmitarbeiter von Annas Vermietergesellschaft angelegt, weil der unnachgiebig und störrisch war und nicht die Bescheinigung zur Vorlage bei der neuen Einrichtung vorzeigen wollte.
Anna wohnte fast sechzig Jahre in ihrer Wohnung und die Vermieterbescheinigung diente dazu, der neuen Gesellschaft den Nachweis darüber zu erbringen, dass Anna stets ihre Miete bezahlt hatte.
Schwester Ulrike hatte sich mit Beritt in einem Eiscafé getroffen, aber nichts über Olaf und dessen Sympathie für Schwester Saskia im Pflegeheim gesagt.

Einführung:
Klara ist nach Stralsund gefahren und wollte sich vor Ort anschauen, wie das Zimmer im ‚Betreuten Wohnen Sörensen‘ am Strelasund aussah, in das Anna im Herbst einziehen sollte.

„Ich glaube, ich muss da selber hinfahren, um zu wissen, was auf Mutti zukommt“, sagte Klara zu Peter.

„Willst du mitkommen?“, fragte sie ihn noch.

„Ich würde gern mit dir zusammen nach Stralsund fahren, aber ich habe gar keine Zeit, weil so viele Interviews anstehen.

Ich könnte sie natürlich auch verschieben, aber du weißt, wie schwer das wieder neu zu terminieren ist.“

„Ich weiß, ich mach‘ das mit Lukas zusammen.“

„Was sagt Lukas eigentlich zur Situation?“

„Du weißt doch, dass es ihm sehr schwerfällt, sich mit dieser Situation anzufreunden.“

„Ja, ich weiß, und ich verstehe ihn sehr gut. Immerhin ist es seine Mutter, die ihn zwar ab und an nervt, wenn sie alles vergisst oder schlechte Laune hat.

Aber für ihn ist alles mit dieser Wohnung verbunden, aus der nun Anna raus soll, um in ein Heim zu ziehen.“

„Mir geht es genauso“, sagte Klara.
„Wir haben die ganze Kindheit dort verbracht. Anna hat dort ihre glücklichsten Jahre gehabt, und nun ist alles vorbei.“

„Wir müssen uns der Realität stellen. Wir helfen Anna nicht damit, dass wir sie vielleicht davor bewahren wollen, dass sie in ein Heim muss.

Wenn sie noch ein paar schöne und möglichst sorgenfreie Jahre verleben will, dann braucht sie Hilfe, und zwar rund um die Uhr.“
Klara seufzte nur.

Am nächsten Tag war Klara früh in den Zug nach Stralsund gestiegen. Sie hatte viel vor.

Lukas stand schon auf dem Bahnhof, als der Zug aus Berlin einfuhr.
„Na, wollen wir gleich zur Besichtigung fahren?“, fragte Lukas Klara ohne Umschweife.

„Ja, lass uns da sofort hinfahren. Weißt du, wie du da hinkommst?“
Lukas sah Klara an, so als hätte sie ihn gefragt, ob er aufrecht laufen könnte.

„Klaaara“, sagte er stattdessen und zog das ‚a‘ absichtlich lang.

„Schon gut, ich wollte nur sicher sein.“

Lukas und Klara fuhren sofort los und beide schwiegen, obwohl sie sich ein paar Wochen nicht gesehen hatten.

Auf beiden lastete das alles wie ein zentnerschweres Gewicht, das sie nicht mehr von der Brust bekamen.

„Hier sollte doch eine Schranke sein und wo steht jetzt der Name der Einrichtung?“, fluchte Lukas und kurvte nun schon das zweite Mal um die Häuserblocks, die in der angegebenen Straße standen.

„Betreutes Wohnen Sörensen, Olaf Knaspe, was kann ich für Sie tun?“, ertönte eine dunkle Stimme, nachdem Klara die Telefonnummer gewählt hatte, die auf ihrem Zettel stand.

„Ja, Herr Knaspe, Klara Gerber hier, wir haben heute einen Besichtigungstermin für das Zimmer, in das meine Mutter einziehen soll“, sagte Klara.

„Wie ist denn der Name Ihrer Mutter?“, fragte Olaf, ohne sich groß zu bemühen. Er hätte es wissen müssen, dass es Anna Sturm war.

„Wieso fragen Sie denn? Wir beide haben doch den Termin miteinander für heute ausgemacht!“

„Ach so ja.“

„Ja, bis gleich“, antwortete Olaf wieder.

„Moment, wir finden den Eingang zum Gebäude nicht“, sagte Klara. Ihre Stimme überschlug sich nun schon fast, denn in ihr stieg allmählich der Ärger über so viel Gleichgültigkeit hoch.

„Das ist doch ganz einfach zu finden“, antwortete Pfleger Olaf.

„Wissen Sie, wenn Sie dort jeden Tag mehrfach ein- und ausgehen, dann ist es einfach. Ja. Aber wir kommen heute das erste Mal zu Ihnen.“

„Warten Sie, ich drücke mal einen Knopf, dann geht ein Tor auf und Sie können dort durchfahren.“
Olaf drückte auf den Summer.

„Da!“, rief Lukas, „siehst du die Flügeltüren, die sich gerade öffnen?“

„Fahr bloß schnell durch, bevor sie wieder zugehen“, sagte Klara, die sich noch immer über die halb schnoddrige Art des Pflegers ärgerte.

Lukas parkte das Auto auf dem dafür vorgesehenen Platz, stieg aus und streckte sich.

„Hallo, was macht ihr denn hier“, rief aus dem Fenster Berta Hoffmann.

„Das ist doch jetzt nicht wahr“, sagte Lukas.
Charly und Berta Hoffmann waren Freunde von Anna und Wilhelm Sturm.

Sie hatten sich am Strelasund eine Wohnung gesucht, in der sie auch bleiben konnten, wenn sie mal Pflege und Betreuung in Anspruch nehmen wollten.

„Ach, wir schauen hier nur mal, ob das was für Mutti ist“, antwortete Klara, immer noch verdattert, dass ausgerechnet in dem Moment Berta aus dem Fenster sah.

Wahrscheinlich tat sie das sehr oft am Tag.
„Kommt doch mal hoch zu uns“, rief jetzt Charly, der hinter seiner Frau stand.

„Wir haben leider ganz wenig Zeit“, sagte nun Lukas.

„Komm‘ lass uns verschwinden, sonst kommen wir hier nicht wieder weg“, flüsterte er Klara zu.

Die nickte stumm. Sie winkten beide nach oben und ging schnurstracks auf eine andere Eingangstür zu.

Im Flur erwartete sie Schwester Ulrike. Olaf hatte ihr Bescheid gesagt. Er selbst stand hinter Ulrike und schien ein schlechtes Gewissen zu haben.

„Herzlich willkommen, Familie Gerber“, sagte Ulrike.

„Ich bin Klara Gerber, geborene Sturm, und das hier ist mein Bruder, Lukas Sturm. Mein Mann konnte heute nicht mitkommen“, sagte Klara ein wenig verlegen.

„Aha, sehr angenehm. Wollen wir gleich zum Zimmer gehen?“
Ulrike sah die beiden erwartungsvoll an.

„Ja, gern“, sagte Klara.

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ULRIKE UND BERITT TREFFEN SICH AM EISCAFÉ – SEIT LANGEM MAL WIEDER

ANNA-2021.07.07

Was bisher war:
Schwester Ulrike hatte mit ihrer Freundin Beritt telefoniert, aber nichts darüber gesagt, dass sich Olaf auf der Arbeit antriebslos verhielt.
Beide wollen sich in einem Café am Markt treffen.
Klara und Peter verzweifeln, weil sie unendlich viele Anträge für Anna stellen müssen, damit die Aufnahme im Heim rechtzeitig vonstattengehen konnte.
Peter legte sich mit einem Verwaltungsmitarbeiter an und bekam zum Schluss die Vermieterbescheinigung.

Einführung:
Ulrike und Beritt trafen sich am Eiscafé, um ein paar Momente gemeinsam zu genießen, wie früher.

Schwester Ulrike hatte sich ein paar Stunden freigenommen und war früher vom Heim losgefahren, um rechtzeitig zum Treff mit Beritt zu kommen.

Beritt saß bereits in dem Eiscafé am Markt, indem sie schon vor vielen Jahren mit Ulrike gewesen war.

Sie hatte vor dem Café einen Tisch gefunden. Sie liebte diesen Platz mit dem Blick auf die große Kirche gegenüber.

Touristen schlenderten an ihr vorbei, die Sonne schien und Beritt fühlte sich in ihre Jugendzeit zurückversetzt, in der vorbeilaufende junge Matrosen mit ihr geflirtet hatten.

So hatte sie auch Olaf kennengelernt, der damals seinen Bundeswehrdienst als Zivildienstleistender absolvierte und in dem Pflegedienst aushalf, in dem auch Beritt und Ulrike ihre Arbeit nach der Ausbildung begonnen hatten.

Beritt nippte an ihrem Glas Wasser, das sie sich zur Überbrückung bestellt hatte.

Obwohl sie trank, behielt sie die Umgebung im Blick und erkannte sofort, dass hinter der Kirche Ulrike mit straffem Schritt auf sie zusteuerte.

Beritt winkte und erhob sich von ihrem Platz. Sie küssten sich, als Ulrike vor ihr stand und sie freuten sich beide ehrlich, dass sie Zeit füreinander gefunden hatten.

„Ich hab‘ uns schon zwei Eisbecher mit Schlagsahne und Eierlikör bestellt. Du weißt schon, fast wie früher“, sagte Beritt.

„Ach Gott, ich muss doch ein bisschen auf meine Figur achten, sonst kriege ich ja gar keinen mehr ab“, scherzte Ulrike.

Sie war noch immer ledig und auch wieder ungebunden. Aber sie fühlte sich so wohl und konnte sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren.

„Erinnerst du dich noch daran, wie wir manchmal bis Mitternacht gesessen haben, anschließend zurück zur Schwesternschule gelaufen sind und dann noch nackt im Sund baden waren und die Matrosen mit uns ins Wasser wollten?“

„Na klar erinnere ich mich daran“, sagte Beritt.

„Es war eine schöne Zeit, die kommt nie wieder“, stimmte Ulrike zu.

„Wie läufts mit Olaf?“

„Ist er noch so fürsorglich wie früher?“
Beritt ließ sich Zeit mit ihrer Antwort.

„Ich weiß nicht, aber irgendwas ist anders. Olaf ist schweigsamer geworden, redet mit mir nicht mehr so viel.

Zum Beispiel die Sache mit Frieda Möller, die hat er mir gegenüber verschwiegen.“

Ulrike überlegte, ob sie Beritt etwas zu Saskia sagen sollte, aber sie entschied sich anders.

„Weißt du, die Arbeit in der Pflegeeinrichtung, die schlaucht alle, insbesondere jetzt in der Corona-Zeit.

Jeder arbeitet bis zum Anschlag, erholt sich nicht mehr so richtig während des Urlaubs, im Gegenteil, er nimmt die Probleme mit in seine Freizeit.“

„Das stimmt, das geht mir genauso. Wir kommen im Sund-Krankenhaus ebenfalls nicht vor Arbeit aus den Augen gucken.

Und wahrscheinlich zerrt das an den Nerven, macht uns reizbarer, wenn wir zusammen sind“, sagte Beritt mehr zu sich als zu Ulrike.

Ulrike schaute Beritt an. Sie sah nicht gut aus im Gesicht, wirkte angespannt, trotz des Urlaubs, der erst ein paar Tage her war.

Sie beschloss nichts zu sagen, schon gar nicht darüber, dass sie das Gefühl hatte, dass sich Saskia und Olaf immer näherkamen, über das normale Arbeitsverhältnis hinaus.

„Wie geht es der Kleinen?“, fragte sie stattdessen.

„Ach, die ist köstlich. Sie ist unser Sonnenschein“, sagte Beritt und blühte gleich wieder auf.

„Wollen wir einen kleinen Sekt trinken?“, fragte Ulrike.

„Oh ja, lass uns anstoßen auf die alten Zeiten“, nickte Beritt freudig.

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JEEPY ERZÄHLT ÜBER KRÜMEL

JEEPY-2021.07.02

‚Jeepy‘, der kleine rote Jeep erzählt seiner kleinen Freundin Krümel über seine Erlebnisse mit seinem Fahrer, der gleichzeitig der Opa von Krümel ist.

Was bisher war:
Jeepy und sein Fahrer haben Krümels Oma zum zweiten Impftermin ins Impfzentrum nach Eberswalde gefahren.
Auf dem Rückweg haben sie alle im Dorf Zerpenschleuse gehalten und ein Eis gegessen.
Bis auf Jeepy. Der stand in der Sonne und hat geschwitzt.

Hallo Krümel,
hier ist Jeepy, dein bester Freund.

Jetzt hat dein Opa, also mein Fahrer, auch die zweite Spritze erhalten. Du weißt schon – gegen Corona.

Du kannst ja dieses Wort schon selber aussprechen.
Der Fahrer war so was von aufgeregt. Dabei ging es doch nur um einen kleinen Pieks in den Arm.

Aber dein Opa hat daraus wieder ein umständliches Drama gemacht.

„Ich werde mal über die Dörfer nach Eberswalde fahren“, hat er zu deiner Oma gesagt.

Die hat nur die Augen verdreht.

„Muss das denn sein?“
„Ja, du weißt doch, dass beim letzten Mal Stau auf der Autobahn war. Ich will nicht riskieren, dass ich zu spät komm‘.“

Krümel, dann hat er mich schon mittags losgescheucht, obwohl er erst kurz vor vier Uhr nachmittags dran war.

Aber der Fahrer hatte Glück. Es war leer im Impfzentrum und er durfte gleich reingehen.

Vorn am Eingang, da musste er seinen Ausweis zeigen, damit alle wussten, dass es sein Impfausweis war.

Den Personalausweis hat der Fahrer in die ehemalige Hülle vom kleineren iPhone gesteckt.

Da bist du vorn drauf zu sehen, Krümel.

Die Frau, ein Feldwebel der Bundeswehr. musste lächeln.
Da hat dein Fahrer natürlich gleich sein größeres Handy gezeigt, vielmehr die Hülle, wo ihr beide drauf zu sehen seid.

Der Fahrer und du, ihr beide sitzt oben auf seinen Schultern. Das war auf Kap Arkona.

Erinnerst du dich daran? Wahrscheinlich nicht. Aber dafür erzähle ich dir das ja jetzt, damit du es später mal nachlesen kannst.
Die Ärztin war freundlich zu deinem Fahrer.

„Die war richtig nett und gesprächig“, hat er mir hinterher erzählt.
Und während sie sich unterhielten, da hatte sie ihn auch schon das zweite Mal gespritzt.

Hinterher musste er noch eine Viertelstunde warten.
Er hat nach oben geschaut, an die Decke.

Das ist ja eine Sporthalle, Krümel, die jetzt nur zeitweise als Impfzentrum dient.

„Mal sehen, ob der Fußball dort oben noch festklemmt“, hat er zu sich selbst gesagt.

Und du glaubst es nicht, Krümel, der Ball war dort oben immer noch eingequetscht.

Wahrscheinlich wird der dort wohl noch eine Weile so bleiben.
Jedenfalls hat sich der Fahrer über das ‚Wiedersehen‘ mit diesem Ball gefreut.

„Na, gar nicht zur Fußball-Europameisterschaft mitgefahren?“, hat er gefragt, während er nach oben schaute.

Hinter deinem Opa saß eine ältere Frau, die mit dem Kopf schüttelte und sagte: „Ja, so fing es bei meinem Mann auch an.“

Aber dein Opa war schon wieder mit den Gedanken ganz woanders.
Er las sich durch, wie man in seinem Handy verfolgen konnte, dass er bereits zweimal geimpft worden war.

Na, es dauert nicht mehr lange, dann kannst du das alles deinem Opa erklären und mir auch Krümel, denn ich bin ja dann ebenfalls schon älter geworden.

Aber jetzt mach’s erst einmal gut, lieber Krümel. Ich weiß, du warst am Wochenende auf einem Erdbeerhof und bist in genauso einem Jeep gefahren, wie ich einer bin. Der war nur kleiner, für Kinder eben, und elektrisch fuhr er ebenfalls schon. Naja, das kommt bei mir noch alles.

So, jetzt mache ich erst einmal eine Pause. Aber sei nicht traurig, denn bald fahren wir ja in den Urlaub an die Ostsee. Und da erleben wir alles gemeinsam, ja.

Also, ich freu‘ mich drauf.
Dein Jeepy

 

KLARA DENKT AN DAS TELEFONAT MIT SCHWESTER KATHLEEN ZURÜCK

ANNA-2021.06.23

Was bisher war:
Klara und Peter müssen schnell handeln. Schwester Ulrike von der Einrichtung ‚Betreutes Wohnen Sörensen‘ hat Peter angerufen und ihm in Aussicht gestellt, dass Anna ein Zimmer bekommen könnte.
Und trotzdem, Klaras Gedanken wandern zurück zum Telefonat mit Schwester Kathleen von der ambulanten Pflege in Stralsund, die Anna nun schon seit einigen Jahren kennen.

Es waren schon wieder fast drei Wochen vergangen, seitdem Peter Klara angerufen hatte.

„Du sollst dich mal in der Pflegeeinrichtung melden, irgendetwas ist mit Mutti vorgefallen“, sagte er zu Klara.

„Ist gut, aber nicht mehr heute.“

Klara war auf der Arbeit, als Peter sie anrief und sie wollte nicht, dass ihre Kolleginnen alles mitbekamen.
Am nächsten Tag hatte sie Homeoffice und konnte so ihre privaten Angelegenheiten besser organisieren.

Klara versuchte weiterzuarbeiten, aber es gelang ihr nicht. Ihr wollte nicht aus dem Kopf gehen, was die Schwester ihr wohl über ihre Mutter sagen wollte.

„Du glaubst gar nicht, wie aggressiv Mutti teilweise geworden ist“, sagte Klara zu Peter, als sie von Stralsund zurückgekommen war.

„Ich kann das nicht so richtig glauben. Ich kenne deine Mutter stets als eine sehr sensible und fürsorgliche Frau, die eher schwieg, als dass sie ein falsches Wort herausbrachte.“

Doch Peter wusste natürlich auch, dass Anna im Wesen verändert war, die Krankheit sie weiter veränderte.

Sie war ungeduldiger geworden, konnte sich nichts mehr merken und wurde auch mal laut gegenüber Klara. Und das wollte was heißen, denn sie hatte stets auf ihre Tochter gehört.

Klara hielt es nicht mehr aus. Sie wählte die Telefonnummer der ambulanten Pflege in Stralsund.

„Schwester Kathleen am Apparat. Was kann ich für Sie tun?“

„Ich sollte mich heute bei Ihnen melden. Ist denn etwas mit meiner Mutter vorgefallen?“, fragte Klara.

„Nein, nein, um Gottes willen, Frau Gerber. Wir machen uns nur Sorgen darüber, wie es weitergehen soll.“

„Wie meinen Sie das?“

„Naja, Frau Gerber, nachdem sie wieder abgereist waren, da fiel Ihre Mutter regelgerecht in sich zusammen. Sie wollte nicht einmal mehr aufstehen. Sie ließ sich nur unter Aufbietung aller Überredungskünste spritzen.

Es ist, als wäre sie in eine Art Schockstarre verfallen.“
Es herrschte Stille am Telefon. Klara musste erst einmal verarbeiten, was die Schwester ihr gesagt hatte.

„Was sollen wir denn tun?“, fragte Klara. Ihre Stimme klang verzweifelt.

„Frau Gerber, wir müssen uns mittelfristig darauf einstellen, dass wir Ihre Mutti nicht mehr unbeaufsichtigt lassen können.“

„Das heißt, ich sollte mich um einen Heimplatz kümmern, oder?“

„Ja, Frau Gerber, wir werden nicht darum herumkommen.“

„Gut, ich habe bereits Kontakt mit der Einrichtung für ‚Betreutes Wohnen Sörensen‘ aufgenommen, mit einer Schwester Ulrike.“

„Ja, Schwester Ulrike kenne ich gut, da sind Sie in sehr guten Händen“, reagierte Schwester Kathleen munter.

„Ja, den Eindruck hatte ich ebenfalls bei unserem Gespräch. Aber Schwester Ulrike hat meine Erwartungen gedämpft, denn es sind zur Zeit keine Zimmer frei“, sagte Klara.

„Aber wir sind jetzt in der Dringlichkeitsstufe ganz oben“, schob sie noch nach.

„Das ist doch wunderbar!“, sagte Schwester Kathleen fröhlich.

„Wichtig ist, dass wir den Prozess anschieben“, sprach sie weiter.

„Ja, den Prozess anschieben“. Klara atmete schwer und seufzte.

„Schwester Kathleen, ich melde mich, wenn wir etwas in Aussicht haben“, beschloss Klara das Gespräch.

Drei Wochen später. Schwester Ulrike hatte Peter die Kontaktdaten von der Firma „Am Boddenbauen“ gegeben. Ein Olaf Knaspe sollte für die Vermietung der Zimmer zuständig sein.

Klara versuchte Olaf Knaspe zu erreichen. Es dauerte eine Weile, bis er ans Telefon ging.

„Ja bitte“, sagte eine Stimme lustlos ins Telefon.
‚Na das geht ja gut los‘, schoss es Klara durch den Kopf.

Aber sie musste sich zusammenreißen. Es ging um die Betreuung Ihrer Mutter.
„Schönen guten Tag, mein Name ist Gerber und ich rufe an, weil wir von Schwester Ulrike informiert wurden, dass ein Zimmer im ‚Betreuten Wohnen‘ frei geworden ist.

„Hm“, brummte an der anderen Seite Olaf Knaspe.

„Sind Sie noch dran und sind Sie der richtige Ansprechpartner, wenn es um die Vermietung geht?“. Klara hatte in den Angriffsmodus umgeschaltet. Sie wollte sich nicht abwimmeln lassen.

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FIATINE KOMMT ZU BESUCH

JEEPY-2021.05.22

RÜCKBLICK
Krümel kann über die Pfingstfeiertage nicht ins Dorf kommen, zu Jeepy und seinem Fahrer. Beide sind darüber traurig. 

https://uwemuellererzaehlt.de/2021/05/21/jeepy-2021-05-21/
EINFÜHRUNG:Der Fahrer hat Jeepys neue Freundin, Fiatine eingeladen, ohne dass es Jeepy wusste.

„Fahrer komm‘ schnell nach draussen und sieh‘, wer uns besucht“, rief Jeepy aufgeregt.

Der Fahrer musste schmunzeln, denn er wusste ja längst, wer angebraust gekommen war, nämlich Fiatine.

Er selbst hatte sie einen Tag zuvor im Autohaus aufgesucht, also dort, wo ihr Zuhause war.

Fiatine war ein kleiner Fiat Cabriolet, selbstfahrend und mit Elektroantrieb.

Und Fiatina konnte natürlich auch sprechen. Sie sah hübsch aus, die Dolcevita-Version eben in blau-weiss.

Ihre Mutter und Großmutter waren Legenden unter den Autos und diesen Stolz trug Fiatine ebenfalls in sich.

Jeepy war in sie ein klein wenig verliebt, wurde auch rot, was er aber aufgrund seiner Farbe gut verbergen konnte.

„Wie geht es dir Jeepy?“, fragte Fiatine fröhlich.
„Danke, mir geht es gut und ich freue mich, dass du hier vorbeigekommen bist“, antwortete Jeepy und stotterte dabei ein wenig.

„Was wollen wir unternehmen?“, fragte Fiatine ihn.

„Hallo Fiatine, schön, dass du uns besuchst“, ertönte es hinter Jeepy. Der Fahrer war aus der Haustür herausgetreten und lachte beide an.

Er war froh, dass sich Jeepys Laune ruckartig gebessert hatte, nachdem er Fiatine nun als Spielgefährtin hatte.

„Was haltet ihr davon, wenn wir einfach zusammen einen kleinen Kurztrip zu Krümel machen und schauen, ob sie zuhause ist.

„Oh ja“, riefen Jeepy und Fiatine gleichzeitig.
„Dann lasst uns nicht länger warten und abfahren. Fiatine, du fährst hinter uns her und keine verrückten Sachen unterwegs“, sagte der Fahrer.

„Ok“, rief Fiatine und konnte es kaum abwarten, bis sie losfuhren.
Der Fahrer hatte Fiatine noch gewarnt, nicht so schnell über die Straße im Dorf zu fahren, weil der Asphalt auf der Oberfläche fehlte und die Gullydeckel herausragten.

„Pass auf, dass du nicht mit einem Rad über die Deckel rast, sondern fahr‘ einfach dazwischen durch.“

„Ist gut“, rief Fiatine und fuhr schon davon, obwohl sie hinter Jeepy fahren sollte.

„Verdammt, Fiatine kann aber auch nicht hören“, sagte der Fahrer zu Jeepy.

Vor ihnen fuhr Fiatine, und sie tanzte mehr, als sie rollte.
Es war, als würde ein Mädchen in einem blauweißen Kleid vor ihnen herschweben.

„Wow“, staunte Jeepy, während es plötzlich auf seiner rechten Seite ruckte.

„Aua, aua“, jammerte Jeepy.
„Fahrer, kannst du nicht aufpassen, wohin mich steuerst?“
„Entschuldigung“, sagte der Fahrer.

„Wenn du mich auf das selbstfahrende System umgestellt hättest, dann hätte ich bewusst dem Gullydeckel ausweichen können.“

„Das kommt gar nicht in Frage“, sagte der Fahrer entschieden.
Er wollte auf keinen Fall, dass Jeepy alleine durch die Gegend fuhr.

Der Fahrer wollte Jeepy nicht den Spaß verderben, aber die technische Umstellung konnte er sich einfach nicht leisten.
Außerdem wollte er noch viele gemeinsame Abenteuer mit ihm erleben.

Jeepy hatte die Schmerzen überwunden. Sie fuhren ohne weitere Komplikationen bis zu Krümels Wohnung und hupten laut.

„Jeepy und Fiatine sind da“, rief Krümel freudig.
„Mama, lass uns nach unten fahren“, sagte Krümel aufgeregt.

„Ja, komm, wir fahren mit dem Fahrstuhl nach unten“, antwortete ihre Mutter.
Fortsetzung in Jeepy-2021.02.28

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JEEPYS FAHRER KRITZELT FÜR KRÜMEL EINEN TIGER AUFS PAPIER

JEEPY-2021.05.21

RÜCKBLICK:
Jeepy hat sich zurückerinnert, wie sein Fahrer und Krümel auf dem Fußboden im Wohnzimmer mit den Autos gespielt haben, wie sie Menschen mit der kleinen Feuerwehr retteten, wenn zwei Autos zusammengestoßen waren.
https://uwemuellererzaehlt.de/2021/05/15/jeepy-2021-05-15/

EINFÜHRUNG:

Der Fahrer von Jeepy, Krümels Opa, soll für Krümel einen Tiger malen. Er erinnert sich an seine Abiturprüfung im Fach ‚Kunst‘ zurück.

Jeepy schaute traurig aus.
„Was ist los mit dir? Die Sonne scheint, der Rasen duftet nach frisch gemähtem Gras und das Pfingstfest steht auch vor der Tür“, sagte der Fahrer zu ihm.

„Ach weißt du Fahrer“, druckste Jeepy herum, „ich langweile mich so sehr. Krümel besucht uns nicht über Pfingsten, du fährst mit mir immer seltener durch die Gegend, das macht alles keinen richtigen Spaß mehr.“

Der Fahrer stimmte Jeepy im Stillen zu. Er sehnte sich ja auch nach seinem Krümel und danach, mit ihr wieder ein paar lustige Spiele zu organisieren.

„Ist da oben einer?“, fragte sie, wenn sie an der Treppe stand und nichts hörte.

„Ja, ich bin im Arbeitszimmer“, antwortete in diesen Momenten ihr Opa und Jeepys Fahrer.

„Opa warte, ich komm‘“, rief sie sofort und stürzte mit ihren kleinen Beinen die Treppe hoch, so schnell wie sie eben konnte.

„Opa, du musst doch nicht alleine sein“, schmetterte sie ihm fröhlich entgegen.

Sie schmiegte sich an der Schreibtischkante entlang, bis zum Sessel, wo ihr Opa nun den Bleistift fallen ließ und Krümel zu sich nach oben zog, bis sie es sich auf seinen Knien bequem gemacht hatte.

Der Schreibtisch war für Krümel eine Fundgrube für Spielsachen, die alle irgendwie ungenutzt auf der Glasplatte lagen und nur darauf warteten, ihrer wirklichen Bestimmung zugeführt zu werden.

„Kannst du mir einen Tiger malen?“, fragte sie, während sie sich gleich mehrere Bleistifte krallte. Ihre kleine Hand konnte die Stifte kaum umfassen, einen Stift aber aus den Fingern lassen, das kam für sie nicht infrage.

„Opa, einen Tiger!“, kam die Bitte von Krümel nun schon fordernder.
Jetzt fing der Fahrer an zu schwitzen.

Die Erinnerung an seine Abiturprüfung kam in ihm wieder hoch.
Er hatte das Fach Kunstgeschichte gewählt, denn er konnte zwar nicht malen, aber er interessierte sich für Gemälde aus vergangenen Jahrhunderten.

In seinen Ferien durfte er sogar kleinere Führungen in der Gemäldegalerie in Dresden durchführen.
Die Prüfungsaufgabe bestand für ihn aus zwei Teilen.

Im ersten Teil sollte er eine Gruppe ‚Junger Pioniere‘ zeichnen, die zusammenstanden und sangen. Ein Mädchen hielt sogar eine Gitarre in der Hand.

Im zweiten Teil hatte er die Aufgabe, das Gemälde ‚Die Saporosher Kosaken‘ zu erläutern.

„Wie sehen die Jungen aus?“, fragte die Kunstlehrerin in der Prüfungskommission.

„Die sehen alle aus, als hätten seinen Ballon um den Körper geschnallt“, stellte sie weiter empört fest.

„Nein, das sind ihre Bäuche, die sind alle übergewichtig“, sagte der Fahrer.

„Und das Mädchen?“
„Die hat die Schwindsucht.“

Es kam, was kommen musste. Der Fahrer bekam für diesen Teil der Prüfung die Note „Ungenügend“.

Dafür glänzte er im zweiten Teil bei der Erläuterung des Bildes.
Er verstieg sich zu der kühnen Behauptung, dass die Kosaken die Vorboten der Oktoberrevolution gewesen wären.

Die Prüfungskommissionsmitglieder überhörten diesen für sie peinlichen Teil der Argumentation und gaben ihm trotzdem die Note „Sehr gut“.

Insgesamt also bekam er ein „Befriedigend“, was ihn wiederum völlig zufriedenstellte.

Er war froh, dass er mit einem blauen Auge davongekommen war.
„Opa, was ist, malst du jetzt einen Tiger für mich?“

Der Fahrer war wieder in der Gegenwart angekommen, nahm einen dicken grünen Stift, griff sich ein weißes Blatt begann zu malen, Striche aufs Papier zu werfen.

Krümel war damit einverstanden.

„Oma, schau‘ mal, Opa hat einen Tiger gemalt“, sagte sie und zeigte stolz das Bild hoch.

„Ich dachte, es wäre ein dicker Frosch“, antwortete Oma.
„Nein, das ist ein Tiger, siehst du ihn?“

„Ja, wenn du es sagst“, antwortete Oma lachend.
Krümel war zufrieden, Opa auch, denn er hatte gerade die Note ‚Sehr gut‘ erhalten.

„Was machen wir nun zu Pfingsten?“, riss ihn Jeepy aus seinen Gedanken.

Das entscheiden wir Morgen. Ich hab‘ da so eine Idee.

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JEEPY MUSS AN DEN BRAND IN KRÜMELS HOCHHAUS VON GESTERN DENKEN

JEEPY-2021.05.15

RÜCKBLICK:
Jeepy war sprachlos darüber, was sein Fahrer ihm erzählt hat.
In Krümels Hochhaus war ein Feuer ausgebrochen, mitten in der Nacht. Zwei Balkone unterhalb Krümels Wohnung brannten Stühle und ein Tisch auf dem Balkon lichterloh. Dunkle Rauchschwaden stiegen auf.
Krümels Mutter war geistesgegenwärtig und rief die Feuerwehr.
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Jeepy, der kleine rote Jeep,  dachte daran, wie Krümel mit ihrem Opa, Jeepys Fahrer, mit den Autos spielte, wenn sie zu Besuch bei ihren Großeltern war.

Niemals hätte Jeepy gedacht, dass Krümel mal eine richtig große Feuerwehr zu sehen bekam, noch dazu im Einsatz vor ihrem Haus.
„Fahrer, hättest du das gedacht, dass aus dem Spiel mal Ernst wird“, fragte Jeepy Krümels Opa.

„Nein, auf keinen Fall, aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht, dass Krümel miterlebt hat, welche großartige Arbeit die Feuerwehrleute mit ihren Autos und der Technik leisten.“

„Ja, Krümel wird jetzt mit dir noch lieber spielen“, sagte Jeepy zum Fahrer.

Der dachte daran, wie Krümel ihn mit den Worten rief, „Opa, komm, wir ‚pielen‘ mit den Autos.“

Der ließ sich dann mit seinem Gewicht auf den Teppichboden im Wohnzimmer fallen, streckte die Beine und packte anschließend den Karton mit den Autos aus.

Zuerst kam der Hubschrauber mit dem Piloten, und daneben reihte er die Autos auf.

Neben dem Hubschrauber stand das Feuerwehrauto, dann kam der rote Bus und schließlich die anderen LKW und PKW. Rechts stellten sie den Pappkarton mit dem roten Kreuz drauf auf.

Das war das Krankenhaus. Dann schoben jeweils der Jeepys Fahrer und Krümel aus verschiedenen Richtungen die Autos über den Fussboden. Und es kam, was kommen musste.

Viele Autos stießen zusammen. Der Hubschrauber stieg in die Luft, gehalten von Krümels Opa.

Krümel steuerte das kleine Feuerwehrauto zum Unfallgeschehen.
„Schnell, Feuerwehr, du musst die Verletzten bergen und ins Krankenhaus bringen“, rief der Fahrer.

Die Feuerwehr ließ sich nicht lange bitten, mit Krümel im Rücken. Die Verletzten wurden von ihr auf die Feuerwehrleiter gehoben und danach ins Krankenhaus transportiert.

Krümels Phantasie reichte aus, um sich vorzustellen, dass sie die Verletzten in ihren kleinen Fingern hatte.

Und wenn mal das Bein vom Fahrer im Weg war, ja dann warf Krümel mit ihren kleinen Händen die Verletzten kurzerhand über sein Bein hinweg ins Krankenhaus.

„Krümel, du musst vorsichtig sein. Das sind doch verletzte Menschen, die haben ein ‚Aua‘“, sagte der Fahrer in diesen Momenten.

Krümel schaute ihn betroffen an, nickte und das Spiel ging weiter.
Nun hatte Krümel erlebt, wie es im richtigen Leben zugeht, denn eine Person wurde in der Nacht ebenfalls ins Krankenhaus gebracht.

Aber dem Fahrer wäre es lieber, wenn sie das nur spielen würden, und es nicht ein zweites Mal passierte.
Doch auf das nächste Spiel, da freuten sich der Fahrer, Krümel und Jeepy schon jetzt.

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FEUER IN KRÜMELS HOCHHAUS

JEEPY-2021.05.14

RÜCKBLICK
Der Verkauf von Jeepy ist vom Tisch. Der Fahrer hat Jeepy als Entschuldigung eine Auto-Wäsche ‚de-luxe‘ geschenkt.
Anschließend sind sie zu Krümel gefahren, die Jeepy bei ihrer Ankunft einen Kuss auf das Heckteil gedrückt hat. 
Einführung:
Jeepy ist der kleine rote Jeep, der sprechen kann und über seine Abenteuer erzählt; darüber, was er selbst erlebt hat, was ihm sein Fahrer anvertraut hat, der auch der Opa von Krümel ist.
Manchmal erzählt Jeepy, was er mit Krümel gemeinsam. In dieser kleinen Erzählung erfährt nun Jeepy von seinem Fahrer, was im Haus von Krümel und ihrer Mutter in der vergangenen Nacht passiert ist.

„Hallo Jeepy, hier steckst du also“, sagte der Fahrer, als er nach draußen ging, in seinen Carport.

„Wo, um Himmels willen sollte ich denn sonst sein, wenn nicht in deinem Carport? Du hast mich doch hier hinein bugsiert und wie immer die ganze Nacht allein gelassen.“

„Naja, das stimmt schon. Aber du weißt, dass du auch schon versucht hast, allein zu fahren, als batteriegesteuerter Selbstlenker.“

„Fahrer, du weißt aber auch, dass ich das längst wieder aufgegeben habe, weil ich nirgends meine Batterien wieder aufladen konnte.“

„Aha, na gut. Jeepy, du glaubst nicht, was mir die Mama von Krümel heute Morgen am Telefon erzählt hat.“

„Was denn?“

„Warte mal, ich muss mir nur mal ein paar andere Schuhe anziehen und dann komme ich und setze mich zu dir.“

„Ja gut, aber beeil dich“, brummte Jeepy.

Es verging eine halbe Stunde und Jeepy wurde ungeduldig und hupte.

„Was ist denn los?“, fragte der Fahrer, der nun wieder in der Tür erschien.

„Du wolltest mir von Krümel erzählen und dir nur ein paar andere Schuhe anziehen.“

„Stimmt, aber ich musste noch schnell die Geschirrspülmaschine ausräumen.

Wenn du im Homeoffice arbeitest, dann hast du laufend etwas, was dazwischen kommt“, wollte sich der Fahrer für die Verspätung entschuldigen.

„Jetzt sag‘ doch endlich, was bei Krümel im Haus los war“, drängelte Jeepy ungeduldig.

„Also gut, jetzt stell‘ dir doch einmal vor, was Krümel in der Nacht widerfahren ist.“

„Ja, was denn?“, fragte Jeepy ungeduldig.

„Du weißt doch, dass Krümel und ich immer mit dem kleinen Feuerwehrauto spielen, dass wir es wegen seiner roten Farbe Rotschopf nennen.“

„Ja, weiß ich, denn ich müsste eigentlich auch Rotschopf heißen, weil ich ebenfalls am ganzen Körper rot bin.“

„Richtig, aber Krümel und ich, wir haben dich auf Jeepy getauft und dich zu dem Ereignis mit Wasser abgespritzt.“

„Ich kann mich erinnern. Gott sei Dank war vor drei Jahren Sommer, als ihr das getan habt.

Und was ist denn nun mit Rotschopf, der kleinen Spielzeugfeuerwehr?“, drängelte Jeepy, seinen Fahrer weiterzuerzählen.

„Krümel spielt doch so gern mit Autos. Du erinnerst dich?“

„Natürlich, dann ist ja das ganze Wohnzimmer voller kleiner Autos und keiner kann überhaupt noch richtig mit seinen Füssen auftreten, ohne nicht Gefahr zu laufen, auf eines der kleinen Spielzeuge zu treten“, stimmte Jeepy seinem Fahrer zu.

„Ganz besonders gern spielen wir mit dem kleinen Feuerwehrauto. Es hat eine kleine Drehleiter und wir können dann Menschen aus den Häusern retten, wenn es brennt, oder wir können damit Verletzte vom Unfallort weg in das Krankenhaus fahren.

Dafür haben wir ja extra einen großen Karton mit roten Kreuzen beklebt“, erzählt der Fahrer weiter. „Wir? Die Oma von Krümel hat das gemacht.“

„Ist richtig“, gab der Fahrer zu.

„Ja, und was ist nun mit Rotschopf?“, fragte ihn Jeepy weiter.

„Nichts, nur dass sein großer Bruder heute Nacht einen Einsatz hatte, in Krümels Haus.“

„Tatsächlich?“. Jeepy war echt verblüfft über diese Nachricht.

„Ja, ich habe es direkt von dem Fahrer des großen Rotschopfes erfahren.“

„Bitte erzähl‘ mir genau, was passiert ist“, flehte Jeepy seinen Fahrer an. Er war ganz aufgeregt, weil es um seine beste Freundin ging.

„Na gut. Es war so“, sagte der Fahrer.

„Krümel und ihre Mutter haben fest geschlafen. Plötzlich roch es verbrannt in der Wohnung.

Der Geruch war durch die Balkontür in das Wohnzimmer eingedrungen. Krümels Mutter ist hochgeschreckt und hat die Balkontür aufgemacht.

Da sah sie zwei Balkone weiter unten, wie ein Mann verzweifelt mit einer Decke versuchte, einen Brand zu löschen.

Der Tisch und die Stühle aus Plastik standen bereits lichterloh in Flammen und schwarze Rauchwolken stiegen nach oben und verdeckten die Sicht.

Krümels Mutter stürzte vom Balkon in die Wohnung zurück und wählte sofort die Nummer der Feuerwehr. Sie weckte danach Krümel auf.

Die schaute ihre Mutter mit verschlafenen Augen an.

‚Komm, Krümel, wir müssen schnell nach draußen gehen, an die frische Luft.

„Nach draußen, an die Luft?‘, fragte Krümel ihre Mutter erstaunt mit leiser Stimme.

‚Ja‘, antwortete Krümels Mutter nur, zog sie schnell an und setzte sie in den Kinderwagen.

Als sie im Hausflur waren, da klingelte Krümels Mutter noch schnell bei den Nachbarn.

‚Was ist?‘, fragte sie der eine Nachbar und rieb sich seine verschlafenen Augen, als er Krümel und seine Mutter sah.

‚Schnell, sie müssen raus aus der Wohnung. Zwei Stockwerke weiter unten brennt es und es haben sich Rauchgase entwickelt.‘

‚Ist gut, sagte der Nachbar und schaute Krümels Mutter dankbar an, dass sie ihn gewarnt hatte.

Als Krümel und mit ihrer Mutter unten stand, da dauerte es nicht lange, bis der große Rotschopf, der Freund von unserem kleinen Rotschopf angebraust kam. Mit ‚tatü tata‘ und Blaulicht.

‚Das ist ja Rotschopf‘, rief Krümel aufgeregt und schaute wie gebannt auf die Feuerwehrleute, die eine große Drehleiter zum Balkon hochfuhren und zusätzlich Wasserschläuche ausrollten.

Es ging alles sehr schnell und das Feuer war gelöscht.

Gott sei Dank gab es keine Verletzten. Alles war gut gegangen.“

„Und Krümel?“, fragte Jeppy ganz besorgt den Fahrer.

„Die war natürlich noch lange wach und hat Spiki, ihren Feuerdrachen aus Stoff geholt.“

„Was wollte sie mit ihm?“, fragte Jeepy.

„Sie hat zu ihm gesagt: ‚Spiki, du musst sehr vorsichtig sein, wenn du Feuer aus deinem Rachen speien willst. Ja? Und geh‘ nicht auf den Balkon. Das darfst du nicht allein, das ist zu gefährlich. Wir wollen den kleinen Rotschopf ab jetzt immer lieb‘ haben, und ihn nicht mehr durch das Wohnzimmer werfen, wenn ich mit Opa spiele.“

„Das hat sie gesagt?“, fragte Jeepy seinen Fahrer.

Der nickte und schmunzelte dabei.

„Ich bin stolz auf Krümel und ihre Mama,  die so gut reagiert haben“, sagte er noch.

„Oh ja, und ich erst!“, sagte Jeepy und freute sich darauf, Krümel bald wiederzusehen, damit sie ihm von der Drehleiter der großen Feuerwehr selbst erzählen konnte.

 

 

 

PLÖTZLICH EIN HERRLICHER TAG

2020.02.13

Hallo Krümel, hier ist Jeepy.
Das war vielleicht ein Tag. Weißt du noch, als wir vorgestern gemeinsam Eis essen waren?

Du hast mich umarmt und ‚Jiiiiipi‘ gerufen, als du mich gesehen hast. Dabei war ich so dreckig und du hast dich trotzdem mit deinem Ski-Anzug an mich herangeschmissen.

Es fing ja damit an, dass du und deine Mama einen Ausflug zu mir und meinem Fahrer ins Dorf gemacht habt, aus der großen Stadt Berlin. Und da musstet ihr eine Weile fahren und laufen. Aber ihr wolltet uns ja unbedingt überraschen.

Und mein Fahrer, dein Opa, war auch sehr erstaunt, als du plötzlich allein vor der Tür gestanden hast.
Es klingelte, dein Opa telefonierte, er unterbrach das Telefonat und ging die Treppen hinunter.

Da stand ein kleines Mädchen und schaute durch die Scheiben. Ja, dein Opa, der hatte wieder eine lange Leitung. Bevor der begriff, dass es sein Krümel war, da vergingen ein paar Sekunden.

Aber dann war die Freude groß. Mein Fahrer ließ sofort alle Stifte fallen, machte den Computer aus und hat mit dir gespielt.
Später fragte er: „Wollen wir Eis essen fahren?“
Und du hast gleich gerufen: „Ja, Eis.“

Also sind wir ins Auto gestiegen, in das Linden-Center nach Hohenschönhausen gefahren. Dort haben wir uns große Eisbecher bestellt.
‚Wir‘ ist hier nicht richtig, nicht ganz jedenfalls. Ich musste ja in der Hochgarage stehen und warten.
Aber es war wohl lustig. Jedenfalls habt ihr ganz schönen Krach gemacht, laut gelacht und ein bisschen gespielt.

Danach sind wir noch Rolltreppe gefahren, weil du das so gern magst.

Schließlich seid ihr wieder alle zu mir ins Auto gestiegen und mein Fahrer hat uns alle nach Hause gesteuert.

Als er bei sich im Dorf war, da sagte er vor sich hin: „Ich habe heute nichts geschafft, aber es war ein herrlicher Tag.“
Das finde ich auch, Krümel. Und ich freue mich, wenn wir das mal wieder mal machen.

Mach’s gut bis dahin.
Dein Jeepy oder wie du mich rufst: ‚Jiiiipi‘

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JEEPYS FAHRER WEISS MAL WIEDER ALLES BESSER, DENKT ER JEDENFALLS

2019.03.07

Hallo Krümel, hier ist Jeepy. Jetzt ist die Woche schon fast wieder rum und ich hoffe, dir geht es gut im Kindergarten und Zuhause, bei Mama.

Naja, einmal hat mein Fahrer dich ja gesehen, über Skype. Da hast du den Computer umarmt, weil du dachtest, dahinter ist dein Opa, also mein Fahrer, versteckt.

Das hat meinen Fahrer sehr amüsiert und er hat danach richtig viel Schwung bei der Arbeit gehabt.

Aber ich wollte dir doch noch zu Ende erzählen, wie es in der letzten Woche weiterging, nachdem wir zurück in den Prenzlauer Berg mussten.

Erinnerst du dich? Mein Fahrer wollte dort die Tastatur austauschen, weil sie ja nicht funktionstüchtig war. Mein Fahrer ließ mich in der Tiefgarage zurück und eilte in das Einkaufscenter.

„Ich möchte diese Tastatur umtauschen. Die funktioniert nicht“, sagte mein Fahrer zu dem Verkäufer.

„Sie haben mich doch auch vor zwei Stunden beraten, richtig?“, hakte er noch nach.

„Hm“, brummte der und verzog sein Gesicht, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen.

„Was haben Sie denn mit der Tastatur angestellt, die ist doch ganz einfach zu bedienen?“, fragte der Verkäufer jetzt meinen Fahrer.

Der pumpte sich gerade hoch. Also sendete ich aus der Tiefgarage meine Signale: „Bleib ruhig, denk an deinen Blutdruck, es geht hier nur um eine Tastatur und nicht um etwas Existenzielles.“

Aber der hörte das zwar, ignorierte das jedoch komplett.
„Ich bin jetzt richtig neugierig, was sie mit der Tastatur anstellen, um mir zu zeigen, was für ein Fachmann Sie sind“, sagte mein Fahrer.

„Ach, das haben wir gleich. Geben Sie mal her“, antwortete der Verkäufer leicht gereizt.

Mein Fahrer reichte das Paket mit der Tastatur rüber und wartete gespannt, wie es nun weiterging.

„Bedienungsanleitung?“, fragte der Verkäufer.
„Drinnen“, antwortete mein Fahrer ebenso knapp.
„Brauchen Sie aber gar nicht zu schauen.“

„Warum nicht?“
„Weil kein Deutsch draufsteht.“
„Gibt es auch in Deutsch“, sagte der Verkäufer.
„Gibt es nicht.“
„Doch.“
„Nein.“

„Wollen wir wetten, dass kein Deutsch draufsteht?“, fragte mein Fahrer.
„Wenn die Anleitung auch in Deutsch ist, dann nehme ich die Tastatur ungesehen wieder mit, egal, ob sie geht oder eben auch nicht.“

„Gut“, sagte der Verkäufer. Er machte den Karton auf, holte die Anleitung raus und zeigte mit dem Finger auf die rechte Seite des Blattes.

Dort standen tatsächlich ein paar deutsche Sätze.
„Das gibt’s doch nicht.“ Mein Fahrer war verblüfft. Der Verkäufer schmunzelte.

„Sie müssen hier auf die Taste ‚Fn‘ gehen und oben auf die Taste eins. Dann halten Sie das Ganze drei Sekunden gedrückt und schon gibt es eine Verbindung.“

„Können Sie mir das vorführen?“
„Kann ich.“

In wenigen Handgriffen brachte der Verkäufer die Tastatur zum Laufen und schrieb munter darauf herum. Mein Fahrer muss so blöd geschaut haben, dass der Verkäufer anfing zu lachen.

Dann lachten sie beide.
„Soll ich die Tastatur in den Karton zurückschieben, das geht immer so verdammt schwer“, fragte der Verkäufer meinen Fahrer.

„Nein, lassen Sie mal. Die nehme ich jetzt gleich so mit.“
Mein Fahrer bedankte sich noch einmal und verließ leichten Schrittes den Media- Markt.

Für ihn war klar, selbst wenn die Tastatur Zuhause nicht funktionierte, noch einmal zurück würde er nicht in den Laden zurückfahren.

Die Straßen waren jetzt verstopft. In Berlin hatte der Feierabendverkehr eingesetzt. Nach zwei Stunden ‚stop and go‘ hatten wir es geschafft.

Ich stand wieder im Carport. Wenig später hörte ich von oben einen Jubelschrei. Die Tastatur funktionierte.

Bis zum nächsten Abenteuer mit deinem Fahrer und mir, lieber Krümel, sage ich Tschüss,
Dein Jeepy.

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JEEPY ERZÄHLT VON SEINEN ABENTEUERN MIT DEM FAHRER

JEEPY-2019.02.28

RÜCKBLICK:
Der Fahrer von Jeepy schreibt Krümel einen Brief und erinnert sich darin an die früheren Autos, die er gesteuert hat.
EINSTIEG:
Jeepy erzählt, wie sich sein Fahrer beim Kauf einer Computer-Tastatur im Prenzlauer Berg umständlich angestellt hat.

Hallo Krümel, dein Opa, also mein Fahrer, der kommt nicht aus dem Knick mit dem Erzählen. Also nehme ich das ab jetzt selbst in die Hand.

Langsam reicht es mir, dass er nur von Orli, dem BMW, dessen Freundin Berlinga und Bobby, dem Mercedes-Geländewagen, erzählt. Ich bin doch auch noch da, und zwar jeden Tag.

Neulich bist du ja auch mitgefahren, dir wurde schlecht, und das Ergebnis ist heute noch auf dem Kindersitz zu betrachten. Dein Opa, mein Fahrer, wollte zwar längst alles gereinigt haben, aber davon ist nicht viel zu merken.

Heute hat er mich zwar gewaschen, danach innen gesaugt, meine Fensterscheiben geputzt, mir Putzmittel in die Bullaugen vorn gespritzt, dass ich stark niesen musste, aber den Kindersitz, den hat er links liegen gelassen.

Und gestern, da hat er mich richtig gestresst. Am Vormittag schien die Sonne so schön und mein Fahrer hatte keine Lust mehr am Schreibtisch zu sitzen, um an den Texten herum zu feilen. Kommt ohnehin nichts bei raus.

„Jeepy, wir fahren jetzt in die Schönhauser und ich lass mir eine anständige Frisur verpassen. Anschließend schauen wir mal im Einkaufscenter vorbei, ob wir nicht eine gute Tastatur bekommen“, sagte er zu mir.

Wenn das Klara wüsste, die würde gleich aufschreien.
„Du hast mehr als 10 Tastaturen im Keller liegen“, würde sie sagen. Aber nun ist sie nicht da, und der ‚Herr‘ ‚dreht am Rad‘, vor Langerweile.

Wir sind also losgefahren. Es ging prima vorwärts und wir waren nach zwanzig Minuten in der Tiefgarage im Prenzlauer Berg angekommen. Ich musste da unten warten.

Aber ich kriege trotzdem alles mit. Und wenn nicht, erzählt mir der Fahrer anschließend das, was ich noch nicht weiß.

Im Friseursalon war es recht ruhig und so war dein Opa recht frühzeitig wieder raus dem Laden, in dem er seit über sieben Jahren zum Haareschneiden geht.

„Sie müssen die Haare nach vorn tragen“, sagte die Friseuse zu ihm.

„Warum?“, fragte mein Fahrer.
„Weil sie ein ziemlich langes Gesicht haben.“
„Ja, das stimmt, ich habe des Öfteren ein langes Gesicht“, sagte der.

Schließlich schlenderte dein Opa die Schönhauser entlang, Richtung Einkaufscenter. Die Menschen gingen alle gemächlich und genossen die pralle Frühlingssonne.

„Haben die denn alle nichts zu tun?“, fragte sich mein Fahrer. Nein, so wie du auch, dachte ich, als mir das zu Ohren kam. Dein Opa lief zielstrebig auf den Computerladen zu.

„Haben Sie eine Tastatur, die über eine Bluetooth-Tastatur verfügt“, fragte er.

„Natürlich“, antwortete der Verkäufer. „Sogar mehr als eine.“ Dein Opa ging fröhlich zur Kasse und war im Nu wieder draußen. Leise summend ging er in Richtung Tiefgarage.

Er trainierte die Melodie von „Stups, der kleine Osterhase“ aus. Er will es dir dann abends vorsingen, aber sei nicht so streng mit ihm, denn die Melodie ist gar nicht so leicht.

Schließlich kam er bei mir an.
Vorher hatte er noch bezahlt und die Tastatur oben auf dem Parkautomaten abgelegt.

Als wir bereits wieder auf dem Rückweg waren, da bremste mein Fahrer urplötzlich, sodass mir ganz schlecht davon wurde. Er griff nach hinten, kugelte sich bald den Arm aus, aber er fand eines nicht: die Tastatur.

„Verdammt, die muss ich liegengelassen haben. Auf dem Parkautomaten“, schoss es ihm durch den Kopf.

Jetzt wendete er an der nächsten sich bietenden Gelegenheit.
Und das kannst du nicht so wörtlich nehmen, Krümel. Wir mussten nämlich erst einmal ein ganzes Stück geradeaus fahren.

Dann endlich, mein Fahrer wurde mutig, schwenkte er scharf nach rechts, Richtung Bordsteinkante und ich hatte Angst, dass ich mit meinen Hacken, äh, ich meine, den Reifen gegen die Bordsteinkante gedrückt wurde.

Mein Fahrer sprang aus dem Auto, rannte in Richtung Tiefgarage, um so schnell wie möglich am Parkautomaten zu sein.
Aus den Augenwinkeln beobachtete er noch, wie ein Mann vom Ordnungsamt die Parkausweise kontrollierte. Darauf konnte er jetzt aber keine Rücksicht nehmen.

Mein Fahrer riss die Tür vom Eingang zum Parkautomaten auf, und er sah sofort oben die Tastatur liegen. Gut gelaunt ergriff er sie und war schon wieder draußen.

Zwei Bettler schauten ihn fragend an. Sie saßen direkt gegenüber dem Eingang vom Parkautomaten, was strategisch für sie sicher eine gute Position zum Betteln war.

„Es gibt noch ehrliche Menschen“, sagte mein Fahrer zu ihnen.
„Oh ja“, riefen die Bettler zurück und meinten offensichtlich sich selbst.

Mein Fahrer kam zurückgestürzt, öffnete meine hintere Tür, nahm das Portemonnaie und fingerte je zwei 1-Euro Stücken heraus.

Er lief zurück zu den Bettlern und drückte sie ihnen in die Hand. So glücklich war mein Fahrer darüber, dass er die Tastatur wiedergefunden hatte.

Die schauten ihn verdutzt an und über ihr Gesicht huschte ein dankbares Lächeln. Mein Fahrer fühlte sich gut und sprintete zu mir zurück. Als er bei mir angekommen war, steuerte der Mann vom Ordnungsamt auf uns zu.

„Ich bin gleich weg“, rief ihm mein Fahrer zu. Der nickte stumm und verschwand. Wieder mal Glück gehabt, dein Fahrer.

„Los Jeepy, lass uns schnell losfahren. Auf ins Dorf, da wo wir Zuhause sind“, sagte mein Fahrer und drückte auf mein Gaspedal.

Aber wenn du glaubst, dass dies alles war, lieber Krümel, dann muss ich dich enttäuschen.

Wir mussten nämlich noch einmal zurück in die Schönhauser. Das erzähle ich dir das nächste Mal.
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DER FAHRER VON JEEPY ERZÄHLT WEITER ÜBER ORLI

JEEPY-2019.02.22

ORLI FLIEGEN AUF DEM KOPFSTEINPFLASTER FAST DIE NOCKEN VON DER WELLE

Montagmorgen. Orli steht in der Tiefgarage und hat die Augen zu. Vom Renault, der kleinen Berlinga, ist noch nichts zu sehen.

Plötzlich quietschen die Reifen im unteren Parkdeck und wenige Augenblicke später kurvt Berlinga auf den Parkplatz und hält direkt neben Orli.

„Guten Morgen, du bist ja schon hier“, sagt Berlinga noch ein wenig außer Puste.

„Moin“, brummt Orli verschlafen.
„Warum bist du denn so mürrisch, Orli?“

„Och weißt du, meinem Fahrer fiel es ein, dass wir schon am Sonntagabend nach Bad Hersfeld zurückfahren wollen.“

„Na, dann hast du ja eine Strecke hinter dir. Bist du nicht an der Ostsee gewesen?“

„Ja, bin ich.“

„Ich bin am Donnerstag von hier aus nach Hause gedüst, zurück nach Brandenburg. Und am nächsten Tag ging es weiter nach Rügen.“

„Was magst du denn an Rügen so sehr?“

„Wir haben dort einen Bungalow und ich kann mit bis in den Garten hineinfahren.“
„Wirklich?“

„Ja, stehe dann auf einer Auffahrt, die mit viel Grün berankt ist. Aber ich komme da immer so schwer rauf.“

„Warum, weil du so dick bist?“, fragte Berlinga lachend.
„Nein, aber die Tore sind sehr eng und da muss mein Fahrer immer sehr aufpassen, dass ich heil an den Pfosten vorbeikomme.“

„Und was hat dir besonders Spaß gemacht, in Polchow auf Rügen?“
„Nun, mein Fahrer, Laura und ich sind zum Hafen gefahren. Unterwegs haben wir die Musik schön laut gestellt, damit alle mitsingen können.“

„Hast du mal mitgesungen, Orli?“
„Naja, meine Kolben vom Motor haben den Takt mitangegeben.

Aber ich musste ganz schön aufpassen.“
„Warum?“

„Weil wir zum Schluss auf eine Straße abgebogen sind, die schnurstracks zum Hafen führt. Sie ist übersät mit jahrhundertealten Steinen, Kopfsteinpflaster eben.

Da kannst du nur ganz langsam rüberfahren. Ich hatte Mühe aufzupassen, dass nicht meine Backenzähne, äh, meine Nocken von der Welle flogen.“