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JEEPY MUSS AN DEN BRAND IN KRÜMELS HOCHHAUS VON GESTERN DENKEN

JEEPY-2021.05.15

RÜCKBLICK:
Jeepy war sprachlos darüber, was sein Fahrer ihm erzählt hat.
In Krümels Hochhaus war ein Feuer ausgebrochen, mitten in der Nacht. Zwei Balkone unterhalb Krümels Wohnung brannten Stühle und ein Tisch auf dem Balkon lichterloh. Dunkle Rauchschwaden stiegen auf.
Krümels Mutter war geistesgegenwärtig und rief die Feuerwehr.
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Jeepy, der kleine rote Jeep dachte daran, wie Krümel mit ihrem Opa, Jeepys Fahrer, mit den Autos spielte, wenn sie zu Besuch bei ihren Großeltern war.

Niemals hätte Jeepy gedacht, dass Krümel mal eine richtig große Feuerwehr zu sehen bekam, noch dazu im Einsatz vor ihrem Haus.
„Fahrer, hättest du das gedacht, dass aus dem Spiel mal Ernst wird“, fragte Jeepy Krümels Opa.

„Nein, auf keinen Fall, aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht, dass Krümel miterlebt hat, welche großartige Arbeit die Feuerwehrleute mit ihren Autos und der Technik leisten.“

„Ja, Krümel wird jetzt mit dir noch lieber spielen“, sagte Jeepy zum Fahrer.

Der dachte daran, wie Krümel ihn mit den Worten rief, „Opa, komm, wir ‚pielen‘ mit den Autos.“

Der ließ sich dann mit seinem Gewicht auf den Teppichboden im Wohnzimmer fallen, streckte die Beine und packte anschließend den Karton mit den Autos aus.

Zuerst kam der Hubschrauber mit dem Piloten, und daneben reihte er die Autos auf.

Neben dem Hubschrauber stand das Feuerwehrauto, dann kam der rote Bus und schließlich die anderen LKW und PKW. Rechts stellten sie den Pappkarton mit dem roten Kreuz drauf auf.

Das war das Krankenhaus. Dann schoben jeweils der Jeepys Fahrer und Krümel aus verschiedenen Richtungen die Autos über den Fussboden. Und es kam, was kommen musste.

Viele Autos stießen zusammen. Der Hubschrauber stieg in die Luft, gehalten von Krümels Opa.

Krümel steuerte das kleine Feuerwehrauto zum Unfallgeschehen.
„Schnell, Feuerwehr, du musst die Verletzten bergen und ins Krankenhaus bringen“, rief der Fahrer.

Die Feuerwehr ließ sich nicht lange bitten, mit Krümel im Rücken. Die Verletzten wurden von ihr auf die Feuerwehrleiter gehoben und danach ins Krankenhaus transportiert.

Krümels Phantasie reichte aus, um sich vorzustellen, dass sie die Verletzten in ihren kleinen Fingern hatte.

Und wenn mal das Bein vom Fahrer im Weg war, ja dann warf Krümel mit ihren kleinen Händen die Verletzten kurzerhand über sein Bein hinweg ins Krankenhaus.

„Krümel, du musst vorsichtig sein. Das sind doch verletzte Menschen, die haben ein ‚Aua‘“, sagte der Fahrer in diesen Momenten.

Krümel schaute ihn betroffen an, nickte und das Spiel ging weiter.
Nun hatte Krümel erlebt, wie es im richtigen Leben zugeht, denn eine Person wurde in der Nacht ebenfalls ins Krankenhaus gebracht.

Aber dem Fahrer wäre es lieber, wenn sie das nur spielen würden, und es nicht ein zweites Mal passierte.
Doch auf das nächste Spiel, da freuten sich der Fahrer, Krümel und Jeepy schon jetzt.

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FEUER IN KRÜMELS HOCHHAUS

JEEPY-2021.05.14

RÜCKBLICK
Der Verkauf von Jeepy ist vom Tisch. Der Fahrer hat Jeepy als Entschuldigung eine Auto-Wäsche ‚de-luxe‘ geschenkt.
Anschließend sind sie zu Krümel gefahren, die Jeepy bei ihrer Ankunft einen Kuss auf das Heckteil gedrückt hat. 
Einführung:
Jeepy ist der kleine rote Jeep, der sprechen kann und über seine Abenteuer erzählt; darüber, was er selbst erlebt hat, was ihm sein Fahrer anvertraut hat, der auch der Opa von Krümel ist.
Manchmal erzählt Jeepy, was er mit Krümel gemeinsam. In dieser kleinen Erzählung erfährt nun Jeepy von seinem Fahrer, was im Haus von Krümel und ihrer Mutter in der vergangenen Nacht passiert ist.

„Hallo Jeepy, hier steckst du also“, sagte der Fahrer, als er nach draußen ging, in seinen Carport.

„Wo, um Himmels willen sollte ich denn sonst sein, wenn nicht in deinem Carport? Du hast mich doch hier hinein bugsiert und wie immer die ganze Nacht allein gelassen.“

„Naja, das stimmt schon. Aber du weißt, dass du auch schon versucht hast, allein zu fahren, als batteriegesteuerter Selbstlenker.“

„Fahrer, du weißt aber auch, dass ich das längst wieder aufgegeben habe, weil ich nirgends meine Batterien wieder aufladen konnte.“

„Aha, na gut. Jeepy, du glaubst nicht, was mir die Mama von Krümel heute Morgen am Telefon erzählt hat.“

„Was denn?“

„Warte mal, ich muss mir nur mal ein paar andere Schuhe anziehen und dann komme ich und setze mich zu dir.“

„Ja gut, aber beeil dich“, brummte Jeepy.

Es verging eine halbe Stunde und Jeepy wurde ungeduldig und hupte.

„Was ist denn los?“, fragte der Fahrer, der nun wieder in der Tür erschien.

„Du wolltest mir von Krümel erzählen und dir nur ein paar andere Schuhe anziehen.“

„Stimmt, aber ich musste noch schnell die Geschirrspülmaschine ausräumen.

Wenn du im Homeoffice arbeitest, dann hast du laufend etwas, was dazwischen kommt“, wollte sich der Fahrer für die Verspätung entschuldigen.

„Jetzt sag‘ doch endlich, was bei Krümel im Haus los war“, drängelte Jeepy ungeduldig.

„Also gut, jetzt stell‘ dir doch einmal vor, was Krümel in der Nacht widerfahren ist.“

„Ja, was denn?“, fragte Jeepy ungeduldig.

„Du weißt doch, dass Krümel und ich immer mit dem kleinen Feuerwehrauto spielen, dass wir es wegen seiner roten Farbe Rotschopf nennen.“

„Ja, weiß ich, denn ich müsste eigentlich auch Rotschopf heißen, weil ich ebenfalls am ganzen Körper rot bin.“

„Richtig, aber Krümel und ich, wir haben dich auf Jeepy getauft und dich zu dem Ereignis mit Wasser abgespritzt.“

„Ich kann mich erinnern. Gott sei Dank war vor drei Jahren Sommer, als ihr das getan habt.

Und was ist denn nun mit Rotschopf, der kleinen Spielzeugfeuerwehr?“, drängelte Jeepy, seinen Fahrer weiterzuerzählen.

„Krümel spielt doch so gern mit Autos. Du erinnerst dich?“

„Natürlich, dann ist ja das ganze Wohnzimmer voller kleiner Autos und keiner kann überhaupt noch richtig mit seinen Füssen auftreten, ohne nicht Gefahr zu laufen, auf eines der kleinen Spielzeuge zu treten“, stimmte Jeepy seinem Fahrer zu.

„Ganz besonders gern spielen wir mit dem kleinen Feuerwehrauto. Es hat eine kleine Drehleiter und wir können dann Menschen aus den Häusern retten, wenn es brennt, oder wir können damit Verletzte vom Unfallort weg in das Krankenhaus fahren.

Dafür haben wir ja extra einen großen Karton mit roten Kreuzen beklebt“, erzählt der Fahrer weiter. „Wir? Die Oma von Krümel hat das gemacht.“

„Ist richtig“, gab der Fahrer zu.

„Ja, und was ist nun mit Rotschopf?“, fragte ihn Jeepy weiter.

„Nichts, nur dass sein großer Bruder heute Nacht einen Einsatz hatte, in Krümels Haus.“

„Tatsächlich?“. Jeepy war echt verblüfft über diese Nachricht.

„Ja, ich habe es direkt von dem Fahrer des großen Rotschopfes erfahren.“

„Bitte erzähl‘ mir genau, was passiert ist“, flehte Jeepy seinen Fahrer an. Er war ganz aufgeregt, weil es um seine beste Freundin ging.

„Na gut. Es war so“, sagte der Fahrer.

„Krümel und ihre Mutter haben fest geschlafen. Plötzlich roch es verbrannt in der Wohnung.

Der Geruch war durch die Balkontür in das Wohnzimmer eingedrungen. Krümels Mutter ist hochgeschreckt und hat die Balkontür aufgemacht.

Da sah sie zwei Balkone weiter unten, wie ein Mann verzweifelt mit einer Decke versuchte, einen Brand zu löschen.

Der Tisch und die Stühle aus Plastik standen bereits lichterloh in Flammen und schwarze Rauchwolken stiegen nach oben und verdeckten die Sicht.

Krümels Mutter stürzte vom Balkon in die Wohnung zurück und wählte sofort die Nummer der Feuerwehr. Sie weckte danach Krümel auf.

Die schaute ihre Mutter mit verschlafenen Augen an.

‚Komm, Krümel, wir müssen schnell nach draußen gehen, an die frische Luft.

„Nach draußen, an die Luft?‘, fragte Krümel ihre Mutter erstaunt mit leiser Stimme.

‚Ja‘, antwortete Krümels Mutter nur, zog sie schnell an und setzte sie in den Kinderwagen.

Als sie im Hausflur waren, da klingelte Krümels Mutter noch schnell bei den Nachbarn.

‚Was ist?‘, fragte sie der eine Nachbar und rieb sich seine verschlafenen Augen, als er Krümel und seine Mutter sah.

‚Schnell, sie müssen raus aus der Wohnung. Zwei Stockwerke weiter unten brennt es und es haben sich Rauchgase entwickelt.‘

‚Ist gut, sagte der Nachbar und schaute Krümels Mutter dankbar an, dass sie ihn gewarnt hatte.

Als Krümel und mit ihrer Mutter unten stand, da dauerte es nicht lange, bis der große Rotschopf, der Freund von unserem kleinen Rotschopf angebraust kam. Mit ‚tatü tata‘ und Blaulicht.

‚Das ist ja Rotschopf‘, rief Krümel aufgeregt und schaute wie gebannt auf die Feuerwehrleute, die eine große Drehleiter zum Balkon hochfuhren und zusätzlich Wasserschläuche ausrollten.

Es ging alles sehr schnell und das Feuer war gelöscht.

Gott sei Dank gab es keine Verletzten. Alles war gut gegangen.“

„Und Krümel?“, fragte Jeppy ganz besorgt den Fahrer.

„Die war natürlich noch lange wach und hat Spiki, ihren Feuerdrachen aus Stoff geholt.“

„Was wollte sie mit ihm?“, fragte Jeepy.

„Sie hat zu ihm gesagt: ‚Spiki, du musst sehr vorsichtig sein, wenn du Feuer aus deinem Rachen speien willst. Ja? Und geh‘ nicht auf den Balkon. Das darfst du nicht allein, das ist zu gefährlich. Wir wollen den kleinen Rotschopf ab jetzt immer lieb‘ haben, und ihn nicht mehr durch das Wohnzimmer werfen, wenn ich mit Opa spiele.“

„Das hat sie gesagt?“, fragte Jeepy seinen Fahrer.

Der nickte und schmunzelte dabei.

„Ich bin stolz auf Krümel und ihre Mama,  die so gut reagiert haben“, sagte er noch.

„Oh ja, und ich erst!“, sagte Jeepy und freute sich darauf, Krümel bald wiederzusehen, damit sie ihm von der Drehleiter der großen Feuerwehr selbst erzählen konnte.

 

 

 

PLÖTZLICH EIN HERRLICHER TAG

2020.02.13

Hallo Krümel, hier ist Jeepy.
Das war vielleicht ein Tag. Weißt du noch, als wir vorgestern gemeinsam Eis essen waren?

Du hast mich umarmt und ‚Jiiiiipi‘ gerufen, als du mich gesehen hast. Dabei war ich so dreckig und du hast dich trotzdem mit deinem Ski-Anzug an mich herangeschmissen.

Es fing ja damit an, dass du und deine Mama einen Ausflug zu mir und meinem Fahrer ins Dorf gemacht habt, aus der großen Stadt Berlin. Und da musstet ihr eine Weile fahren und laufen. Aber ihr wolltet uns ja unbedingt überraschen.

Und mein Fahrer, dein Opa, war auch sehr erstaunt, als du plötzlich allein vor der Tür gestanden hast.
Es klingelte, dein Opa telefonierte, er unterbrach das Telefonat und ging die Treppen hinunter.

Da stand ein kleines Mädchen und schaute durch die Scheiben. Ja, dein Opa, der hatte wieder eine lange Leitung. Bevor der begriff, dass es sein Krümel war, da vergingen ein paar Sekunden.

Aber dann war die Freude groß. Mein Fahrer ließ sofort alle Stifte fallen, machte den Computer aus und hat mit dir gespielt.
Später fragte er: „Wollen wir Eis essen fahren?“
Und du hast gleich gerufen: „Ja, Eis.“

Also sind wir ins Auto gestiegen, in das Linden-Center nach Hohenschönhausen gefahren. Dort haben wir uns große Eisbecher bestellt.
‚Wir‘ ist hier nicht richtig, nicht ganz jedenfalls. Ich musste ja in der Hochgarage stehen und warten.
Aber es war wohl lustig. Jedenfalls habt ihr ganz schönen Krach gemacht, laut gelacht und ein bisschen gespielt.

Danach sind wir noch Rolltreppe gefahren, weil du das so gern magst.

Schließlich seid ihr wieder alle zu mir ins Auto gestiegen und mein Fahrer hat uns alle nach Hause gesteuert.

Als er bei sich im Dorf war, da sagte er vor sich hin: „Ich habe heute nichts geschafft, aber es war ein herrlicher Tag.“
Das finde ich auch, Krümel. Und ich freue mich, wenn wir das mal wieder mal machen.

Mach’s gut bis dahin.
Dein Jeepy oder wie du mich rufst: ‚Jiiiipi‘

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JEEPY ERZÄHLT SEINE ABENTEUER JETZT SELBST

2019.02.28

Hallo Krümel, dein Opa, also mein Fahrer, der kommt nicht aus dem Knick mit dem Erzählen. Also nehme ich das ab jetzt selbst in die Hand.

Langsam reicht es mir, dass er nur von Orli, dem BMW, dessen Freundin Berlinga und Bobby, dem Mercedes-Geländewagen, erzählt. Ich bin doch auch noch da, und zwar jeden Tag.

Neulich bist du ja auch mitgefahren, dir wurde schlecht, und das Ergebnis ist heute noch auf dem Kindersitz zu betrachten. Dein Opa, mein Fahrer, wollte zwar längst alles gereinigt haben, aber davon ist nicht viel zu merken.

Heute hat er mich zwar gewaschen, danach innen gesaugt, meine Fensterscheiben geputzt, mir Putzmittel in die Bullaugen vorn gespritzt, dass ich stark niesen musste, aber den Kindersitz, den hat er links liegen gelassen.

Und gestern, da hat er mich richtig gestresst. Am Vormittag schien die Sonne so schön und mein Fahrer hatte keine Lust mehr am Schreibtisch zu sitzen, um an den Texten herumzufeilen. Kommt ohnehin nichts bei raus.

„Jeepy, wir fahren jetzt in die Schönhauser und ich lass mir eine anständige Frisur verpassen. Anschließend schauen wir mal im Einkaufscenter vorbei, ob wir nicht eine gute Tastatur bekommen“, sagte er zu mir.

Wenn das Klara wüsste, die würde gleich aufschreien.
„Du hast mehr als 10 Tastaturen im Keller liegen“, würde sie sagen. Aber nun ist sie nicht da, und der ‚Herr‘ ‚dreht am Rad‘, vor Langerweile.

Wir sind also losgefahren. Es ging prima vorwärts und wir waren nach zwanzig Minuten in der Tiefgarage im Prenzlauer Berg angekommen. Ich musste da unten warten. Aber ich kriege trotzdem alles mit. Und wenn nicht, erzählt mir der Fahrer anschließend das, was ich noch nicht weiß.

Im Friseursalon war es recht ruhig und so war dein Opa recht frühzeitig wieder raus dem Laden, in dem er seit über sieben Jahren zum Haareschneiden geht.

„Sie müssen die Haare nach vorn tragen“, sagte die Friseuse zu ihm.
„Warum?“, fragte mein Fahrer.
„Weil sie ein ziemlich langes Gesicht haben.“
„Ja, das stimmt, ich habe des Öfteren ein langes Gesicht“, sagte der.

Schließlich schlenderte dein Opa die Schönhauser entlang, Richtung Einkaufscenter. Die Menschen gingen alle gemächlich und genossen die pralle Frühlingssonne.

„Haben die denn alle nichts zu tun?“, fragte sich mein Fahrer. Nein, so wie du auch, dachte ich, als mir das zu Ohren kam. Dein Opa lief zielstrebig auf den Computerladen zu.

„Haben Sie eine Tastatur, die über eine Bluetooth-Tastatur verfügt“, fragte er.
„Natürlich“, antwortete der Verkäufer. „Sogar mehr als eine.“ Dein Opa ging fröhlich zur Kasse und war im Nu wieder draußen. Leise summend ging er in Richtung Tiefgarage.

Er trainierte die Melodie von „Stups, der kleine Osterhase“ aus. Er will es dir dann abends vorsingen, aber sei nicht so streng mit ihm, denn die Melodie ist gar nicht so leicht. Schließlich kam er bei mir an.

Vorher hatte er noch bezahlt und die Tastatur oben auf den Parkautomaten abgelegt.

Als wir bereits wieder auf dem Rückweg waren, da bremste mein Fahrer urplötzlich, sodass mir ganz schlecht davon wurde. Er griff nach hinten, kugelte sich bald den Arm aus, aber er fand eines nicht: die Tastatur.

„Verdammt, die muss ich liegengelassen haben. Auf dem Parkautomaten“, schoss es ihm durch den Kopf.
Jetzt wendete er an der nächsten sich bietenden Gelegenheit.

Und das kannst du nicht so wörtlich nehmen, Krümel. Wir mussten nämlich erst einmal ein ganzes Stück geradeaus fahren. Dann endlich, mein Fahrer wurde mutig, schwenkte er scharf nach rechts, Richtung Bordsteinkante und ich hatte Angst, dass ich mit meinen Hacken, äh, ich meine, den Reifen gegen die Bordsteinkante gedrückt wurde.

Mein Fahrer sprang aus dem Auto, rannte in Richtung Tiefgarage, um so schnell wie möglich am Parkautomaten zu sein.

Aus den Augenwinkeln beobachtete er noch, wie ein Mann vom Ordnungsamt die Parkausweise kontrollierte. Darauf konnte er jetzt aber keine Rücksicht nehmen.

Mein Fahrer riss die Tür vom Eingang zum Parkautomaten auf, und er sah sofort oben die Tastatur liegen. Gut gelaunt ergriff er sie und war schon wieder draußen.

Zwei Bettler schauten ihn fragend an. Sie saßen direkt gegenüber dem Eingang vom Parkautomaten, was strategisch für sie sicher eine gute Position zum Betteln war.

„Es gibt noch ehrliche Menschen“, sagte mein Fahrer zu ihnen.
„Oh ja“, riefen die Bettler zurück und meinten offensichtlich sich selbst.

Mein Fahrer kam zurückgestürzt, öffnete meine hintere Tür, nahm das Portemonnaie und fingerte je zwei 1-Euro Stücken heraus.

Er lief zurück zu den Bettlern und drückte sie ihnen in die Hand. So glücklich war mein Fahrer darüber, dass er die Tastatur wiedergefunden hatte.

Die schauten ihn verdutzt an und über ihr Gesicht huschte ein dankbares Lächeln. Mein Fahrer fühlte sich gut und sprintete zu mir zurück. Als er bei mir angekommen war, steuerte der Mann vom Ordnungsamt auf uns zu.

„Ich bin gleich weg“, rief ihm mein Fahrer zu. Der nickte stumm und verschwand. Wieder Schwein gehabt.
„Los Jeepy, lass uns abhauen. Auf ins Dorf, da wo wir Zuhause sind“, sagte mein Fahrer und gab mir einen Tritt in den A… , ich meine, drückte auf mein Gaspedal.

Aber wenn du glaubst, dass dies alles war, lieber Krümel, dann muss ich dich enttäuschen. Wir mussten nämlich noch einmal zurück in die Schönhauser. Das erzähle ich dir das nächste Mal.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DER FAHRER VON JEEPY ERZÄHLT WEITER ÜBER ORLI

2019.02.22

ORLI FLIEGEN AUF DEM KOPFSTEINPFLASTER FAST DIE NOCKEN VON DER WELLE

Montagmorgen. Orli steht in der Tiefgarage und hat die Augen zu. Vom Renault, der kleinen Berlinga, ist noch nichts zu sehen.

Plötzlich quietschen die Reifen im unteren Parkdeck und wenige Augenblicke später kurvt Berlinga auf den Parkplatz und hält direkt neben Orli.

„Guten Morgen, du bist ja schon hier“, sagt Berlinga noch ein wenig außer Puste.

„Moin“, brummt Orli verschlafen.
„Warum bist du denn so mürrisch, Orli?“

„Och weißt du, meinem Fahrer fiel es ein, dass wir schon am Sonntagabend nach Bad Hersfeld zurückfahren wollen.“

„Na, dann hast du ja eine Strecke hinter dir. Bist du nicht an der Ostsee gewesen?“

„Ja, bin ich.“

„Ich bin am Donnerstag von hier aus nach Hause gedüst, zurück nach Brandenburg. Und am nächsten Tag ging es weiter nach Rügen.“

„Was magst du denn an Rügen so sehr?“

„Wir haben dort einen Bungalow und ich kann mit bis in den Garten hineinfahren.“
„Wirklich?“

„Ja, stehe dann auf einer Auffahrt, die mit viel Grün berankt ist. Aber ich komme da immer so schwer rauf.“

„Warum, weil du so dick bist?“, fragte Berlinga lachend.
„Nein, aber die Tore sind sehr eng und da muss mein Fahrer immer sehr aufpassen, dass ich heil an den Pfosten vorbeikomme.“

„Und was hat dir besonders Spaß gemacht, in Polchow auf Rügen?“
„Nun, mein Fahrer, Laura und ich sind zum Hafen gefahren. Unterwegs haben wir die Musik schön laut gestellt, damit alle mitsingen können.“

„Hast du mal mitgesungen, Orli?“
„Naja, meine Kolben vom Motor haben den Takt mitangegeben.

Aber ich musste ganz schön aufpassen.“
„Warum?“

„Weil wir zum Schluss auf eine Straße abgebogen sind, die schnurstracks zum Hafen führt. Sie ist übersät mit jahrhundertealten Steinen, Kopfsteinpflaster eben.

Da kannst du nur ganz langsam rüberfahren. Ich hatte Mühe aufzupassen, dass nicht meine Backenzähne, äh, meine Nocken von der Welle flogen.“

 

JEEPY ERZÄHLT VON ORLI UND DESSEN FREUNDIN BERLINGA

JEEPY-2019.02.21

Hallo Krümel, hier ist wieder Jeepy, dein Freund.

Ich erzähle schon jetzt mal ein paar Geschichten für dich, die du später lesen kannst, oder deine Mama liest sie dir vor.

Sie macht das wohl jetzt schon und du lachst sie manchmal dazu an. Das ist doch schon was. Die Zeit rennt und ehe wir uns umgesehen haben, da sitzt du bei mir auf der Schreibtischplatte im Arbeitszimmer und ich lese dir eine Geschichte vor.

Dein Opa hat früher deiner Mama immer Geschichten von den Autos erzählt, die sie hatten.

Plötzlich nahmen sie menschliche Gestalt an und dein Opa, mein heutiger Fahrer,  konnte mit ihnen gemeinsam herrliche Abenteuer erleben. Ich war viel unterwegs, sehr viel sogar.

Dein Opa hatte schon mehrere Autos, bis ich kam.

Da waren der kleine Trabbi, den er mit Latexfarbe innen gestrichen hat, dann kam Flippi, der weiße Lada, mit dem alle sehr gern gefahren sind.

Nach der Wende dann kam Orli, ein großer BMW. Den hatte dein Opa, weil er sehr viele Kilometer fahren musste.

Schließlich trat Bobby, der dicke Geländewagen in das Leben deiner Mama, deiner Oma und deinem Opa.

Dein Opa hat mir erzählt, wie Orli in einer Tiefgarage in Bad Hersfeld stand und den kleinen Renault, Berlinga sah.

Orli wollte unbedingt ihr Freund werden.

Berlinga aber war anfangs hochnäsig, bis zu dem Tag, an dem Berlinga der hintere rechte Reifen auf der Autobahn platzte und Orli vorbeikam.

Von weitem näherte sich der gelbe Abschleppwagen und alle atmeten auf.
„Das kriegen wir schnell hin“, sagte der Monteur und hatte in Windeseile die Muttern von Berlingas hinterem Reifen gelockert.

Nach ein paar Minuten konnte Berlinga wieder richtig stehen und hatte keine Schmerzen mehr.

„Weißt du eigentlich, dass du es dem langen BMW zu verdanken hast, dass dir so schnell geholfen wurde?“, fragte der Fahrer von Berlinga sie.

„Ja, weiß ich. Ich kenn den.“
„Woher kennst du ihn?“
„Wir standen manchmal beieinander, in der Tiefgarage. Da ist er mir auf die Nerven gegangen, weil er so viel erzählt hat.“

„Ach, das ist ja interessant“, staunte Berlingas Fahrer nicht schlecht.
„Und, willst du nicht wenigstens bei ihm bedanken?“, hakte Berlingas Fahrer weiter nach.

„Ja, mach‘ ich“, brummte Berlinga.
„Du, danke, dass du angehalten hast und du deinen Fahrer dazu gebracht hast, dass der den Abschleppdienst holt.“
„Schon gut“, antwortete Orli verlegen.

„Kommst du mit mir am Samstag mit zur Autoschau in Bad Hersfeld?“, fragte Berlinga.

„Würde ich ja gern. Aber mein Fahrer will am Wochenende nach Hause. Der fährt nachts auf der A2 immer wie eine besengte Sau und ich komme ganz außer Puste.“

„Schade, dass du nicht mitkommen kannst. Na dann bis nächsten Montag in der Tiefgarage an der gleichen Stelle“, sagte Berlinga noch.

„Ja, an der gleichen Stelle“, erwiderte Orli, bevor sein Fahrer sich ins Auto wuchtete, den Motor anließ und Orli davonbrauste.