ANNA IST DEMENT (20)

DAS WIRD NOCH SCHLIMMER

 

Anna verfällt geistig immer mehr. In wachen Momenten erkennt sie das selbst. Es ist traurig, manches ist komisch und manchmal kann man nicht anders, als lachen.

Ein paar Tage war es ruhig gewesen. Anna rief regelmäßig abends an. Doch die Telefonate waren nicht aufregend. Sie war nicht depressiv, sie sprach klar und man merkte nicht sofort, dass sie an Demenz erkrankt war.

Peter stand auf dem Parkplatz vor dem Aldi und überlegte, ob er die Telefonnummer von Anna wählen sollte. Er saß im Auto und hatte Langeweile. Klara hatte ihn überredet, doch noch mal schnell beim Aldi vorbeizufahren.

Sie wollte dann gleich bei Kick reinschauen. Dort konnte sie so schön wühlen und nach weiteren Stramplern und Babymützen suchen.

„Hoffentlich reißt du nicht das Kick-Dach ab und packst es bei deiner Kaufwut gleich mit ein.“ Klara reagierte darauf gar nicht. Sie war im Kaufrausch. Krümel war noch nicht auf der Welt. Aber sie nahm Stück für Stück einen größeren Platz im Denken ein, von Klara und Peter.

Laura hat ihren Geburtstermin Anfang Oktober. „Wir müssen jetzt einen Notfallplan aufstellen, damit wir wissen, was jeder zu tun hat, wenn es soweit ist“, sagte Peter zu ihr.

„Was soll denn das für ein Plan sein?“ Klara schaute ihn verwundert beim Frühstück an. „Naja, wenn die Wehen bei Laura anfangen“, meinte Peter.

„Dann fällst du doch schon in Ohnmacht“, konterte Klara. „Na dann versinkt eben alles im Chaos“, gab Peter beleidigt zurück. Peter wurde aus seinen Gedanken gerissen.

Ein Geländewagen sauste vor ihm heran und bog scharf in die freie Parklücke ein. Eine Frau stieg aus, schlug ohne hinzusehen die Tür hinter ihrem Rücken zu und stampfte auf den Aldi – Markt zu.

„Wieder mal typisch“, dachte Peter. „Kann die sich nicht richtig in die Parklücke stellen?“

Das Auto stand mit zwei Rädern schon auf dem anderen Parkplatz. „Wahrscheinlich ist die gerade von der Arbeit gekommen und muss noch was für die Familie einkaufen.

Einfach haben die es ja nicht gerade“, dachte Peter versöhnlich. Peter hatte nichts zu lesen mitgenommen. Er mochte nicht mitgehen, wenn sich Klara von einem Wühltisch zum anderen hangelte und ihre Begeisterung nicht zu bremsen war, wenn sie wieder mal ein paar Babysachen hochhielt.

So stellte sich Peter die Hölle vor: eine Menschentraube an den Wühltischen und keinen Stuhl zum Hinsetzen, wo man wenigstens die Leute beobachten konnte. Das machte Peter dann schon mal gern. Jemanden beobachten, ihn einschätzen, was er wohl beruflich machte oder was das überhaupt für ein Mensch war, der vor ihm stand und in den Sachen herumfingerte.

Diesmal wartete Peter also im Auto. Er wählte die Nummer von Anna. „Sturm!“, ertönte die Stimme von Lukas. „Stör‘ ich?“, fragte Peter. „Ich liege gerade auf dem Boden und repariere das Radio von Mutti.“

„Oh, dann will ich dich nicht weiter davon abhalten, wir können ja später telefonieren.“

„Ja“, antwortete Lukas. Peter drückte auf die rote Taste am Telefon. Bei Anna schien wieder der Teufel los zu sein. Lukas hatte seine schlechte Laune am Telefon kaum verbergen können.

Klara war mit dem Einkauf fertig und steuerte auf das Auto zu. „Na, Kick – Dach eingepackt?“ „Guck doch mal, wie niedlich!“ Klara reagierte gar nicht auf die Frage von Peter.

Sie hielt ihm eine Baby-Decke vor die Nase, auf der lauter niedliche Tiere zu sehen waren. „Mensch, die haben heute Sachen, da kann man nur staunen“, sagte Peter. Jetzt war er auch begeistert und sah schon vor seinem Auge Krümel auf der Decke liegen. Er würde sie sogar windeln.

Das hatte er sich fest vorgenommen. Das war bei Laura noch anders. „Ich habe Rückenschmerzen“, hatte er damals immer gesagt. Doch nun war es anders. Er wollte für seine Enkelin von Anfang an da sein. „Ich wollte deine Mutter anrufen“, sagte Peter und drehte den Zündschlüssel um.

„Und?“ „Dein Bruder war dran. Er ächzte und keuchte, lag wohl auf dem Boden wegen dem Radio von deiner Mutter.“ „Schon wieder?“ Klara war entsetzt.

Gerade hatte Lukas ihr gesagt, dass er das Radio wieder hinbekommen hatte, nachdem Anna alles rausgerissen hatte. Sie fuhren schweigend nach Hause. Abends rief Lukas zurück. „Ich krieg noch einen zu viel“, stöhnte er sofort los.

„Warum?“, fragte Klara ihn. „Mutti hört nicht zu. Sie lässt sich nicht erklären, was sie falsch gemacht hat und fragt ständig dazwischen. Du wirst wahnsinnig.“ „Sie lässt sich nichts sagen, hört nicht zu, ist aufgeregt.

Zum Schluss habe ich ihr gesagt, dass ich es nicht mehr aushalte.“ „Und was hat sie geantwortet?“ „Du brauchst hier nicht pampig zu werden, Lukas. Das wird noch schlimmer.“

Klara war still. Dann fing sie an zu lachen und Lukas stimmte ein.

Peter kommt nicht zum Luft holen

„Anna ist dement – Teil 18“

Kaum hat er verdaut, was ihm sein Vater, Manfred Gerber, wieder an Vorhaltungen gemacht hat, da meldet sich Anna Sturm. Sie meldet sich nicht bei ihm, das muss er schon zugestehen. Peter verfolgt die Gespräche zwischen Anna und Klara im Hintergrund. Er wertet, analysiert und gibt Hinweise. Bis er immer zu dem gleichen Punkt kommt und zu Klara sagt: „Ich weiß auch nicht, wie wir mit einem Menschen, der Demenz hat, uns sehr nahesteht, umgehen sollen.“ Er will damit Klara zeigen, dass er sich nicht mit abgehobenen Ratschlägen einmischen will. Trotzdem sagte er zu Klara vor einigen Tagen folgenden Satz: „Ich mache mir Sorgen um Lukas. Der leidet unter all dem und hat keinen Menschen, dem er sich anvertrauen kann. Er frisst alles in sich hinein und das ist nicht gut.“ Lukas ist der Sohn von Anna. Er wohnt ebenfalls in Stralsund. Er hat ein Haus und arbeitet viel. Vor einigen Tagen rief ihn Anna an: „Du musst sofort zu mir kommen. Es ist alles so furchtbar. Ich habe wieder ein Paket bekommen und ich weiß nicht, was das soll.“ „Mutti, ich komme gleich“, sagte daraufhin Lukas. Als er Anna eintraf und er das Paket öffnete, traute er seinen Augen nicht. Es lagen Kataloge darin. Nicht mehr. Anna sollte natürlich wieder bestellen, so jedenfalls das Schreiben, das wie folgt begann: „Liebe Frau Sturm, lehnen Sie sich entspannt in Ihrem Stuhl zurück und genießen Sie den Ausblick auf eine wunderbare Kleidung, die Ihnen den Herbst versüßen wird.“ Eine harmlose Sache also. Doch Anna hatte daraus einen Staatsakt gemacht. Lukas wusste nicht, was er sagen sollte. „Schmeiß das doch einfach weg, Mutti“, meinte er schließlich. „Nein, wo denkst du hin, ich muss antworten, was sollen die von mir denken!“, entgegnete Anna entrüstet. Sie zog dabei einen Mund, als würde draußen gleich eine öffentliche Hinrichtung stattfinden, oder aber das Haus einstürzen. Nicht gering jedenfalls. Lukas war verzweifelt. Er nahm schließlich das Paket mit und entsorgte es in der Papiertonne. Zu Hause angekommen, hockte er sich auf einen Stuhl. Er spürte sein Herz schlagen. Erst vor kurzem waren ihm zwei Stents eingesetzt worden. Was sollte er nur tun. Er griff zum Hörer und wählte die Nummer von Klara.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (4)

FREITAG

Freitag. Endlich!

Das ist doch der Tag, den ich schon am Montag herbeigesehnt habe. Jetzt ist er da.

Schäume ich über vor Freude? Irgendwie nicht. Warum nicht? Ja gut, ich muss heute trotzdem arbeiten.

Es ist nur die Aussicht auf das Wochenende. Aber da ist Stress angesagt.

Wir wollen mit Freunden in die Pilze. Dort soll auch ein Picknick stattfinden. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Also meine Frau hat das in der Hand.

Ich muss heute aber noch den Staubsauger schwingen. Das Auto muss gewaschen werden. Mein Geländewagen heißt Bobby. Er führt alle Attribute mit sich, die man heute nicht will: Er ist ein Mercedes, ein SUV, ein Diesel, war furchtbar teuer und ist es bei Reparaturen immer noch.

Mein Fernlicht zum Beispiel, das geht laufend an. Es blinkt einfach auf. Mir kommen Autos entgegen. Einige hupen, Menschen auf den Fußwegen heben zum Gegengruß die Hand. Mir ist das so peinlich.

Aber ich schiebe den Werkstatttermin immer wieder raus. Hast du erst einmal bei Mercedes die Werkstatt betreten, dann bist du schon 100,00 Euro los, gefühlt. Dafür säuselt eine Stimme: „Herr Dr. Müller, nehmen Sie doch bitte Platz, darf ich Ihnen einen Kaffee bringen?“

„Nein, danke, ich hol ihn mir selbst.“ Ich denke, ich spare mit der Antwort Geld. Denkste. Dann kommt der Berater. Er bittet dich zu seinem Tisch.

Du erzählst etwas und er schreibt was völlig Anderes auf das Blatt, das du natürlich danach unterschreibst. Weil du dich nicht traust zu fragen, warum er jetzt aufschreibt, dass die gesamte Lichtanlage überprüft werden soll, wo doch nur wahrscheinlich ein Wackelkontakt irgendwo ist.

Ich lasse das alles und fahre auf Risiko weiter. Heute morgen, kurz vor 06.00 Uhr, kurz nachdem ich meine Frau zum Bahnhof gefahren habe, war ich noch in der Sparkasse. Als ich wieder ins Auto stieg, blinkten die Scheinwerfer wieder wie verrückt, an und aus. Dann blieb das Fernlicht einfach an.

Ich schrie Bobby an: „Jetzt mach doch mal halblang und halt deine Fresse!“ Hatte ich das wirklich zu meinem lieben Bobby gesagt. Ja, wirklich. In dieser Woche schon ein paar Mal.

Zurück zum Freitag. Wann sauge ich? Wenn ich das noch vor mir habe, dann kann ich nicht richtig denken. Ich kriege schlechte Laune. Und Kreuzschmerzen. Mal einfach so vorneweg. Aber ich muss da jetzt durch.

Staubsaugen, Autowaschen, Pilze sammeln, Ausgang der Bundestagswahl verfolgen. Und dann ist endlich wieder Montag. Gott sei Dank.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (3)

 DONNERSTAG

Jetzt geht es dir an den Kragen, meine liebe Woche.

Du kannst mir nichts mehr anhaben.

Es ist Donnerstag, noch ein Tag, und es ist Wochenende.

Was sagst du nun, Montag?

Ich habe es geschafft. Mir kommt es vor, als liefe ich über Wasser.

Aber ich musste balancieren, erst auf dem Montag, dann auf dem Dienstag, schließlich noch gestern der Mittwoch.

Und jetzt ist Donnerstag. Ja, so kann es gehen. Und es geht schon ein ganzes Leben lang so.

Du rennst dein Leben lang irgendeinem Tag hinterher und du versuchst ihn dann möglichst wieder schnell loszuwerden.

Bis auf den Samstag und den Sonntag, natürlich. Aber sonst? Alles nur Ballast.

Aber wenn ich so weiterdenke, dann wird es nichts mehr mit der Freundschaft zu meinem Alltag.

Dabei passiert hier doch das Allermeiste im Leben. Sonntagsreden. Kennst du das Wort?

Bestimmt. Das kommt von daher, dass du sonntags alles durch die rosarote Brille siehst.

Du schmiedest Pläne, bis voller Energie, die überschwappt in Euphorie.

Und dann kommt der Montag. Das schlimme Erwachen. Die Vorhaben verlegst du erst mal auf den Dienstag.

Montags musst du ja erst einmal reinkommen in die Woche. Das verstehst du nicht, lieber Alltag.

Du denkst: Warum schreibt der, ich sei als Alltag sein bester Freund?

Dabei will er mich nur so schnell wie möglich wieder loswerden.
Das ist so banal. Ist es das?

Ich glaube, es ist das Leben. Nur, dass du dir darüber keine Gedanken machst und darüber vergeht es auch, dein Leben.

Übrigens: Ich denke beim Alltag in Farben. Der Montag ist rot, der Dienstag ist grün, der Mittwoch gelb, der Donnerstag braun und der Freitag wieder rot.

Warum das so ist? Keine Ahnung. Weißt du, lieber Alltag, warum ich dich so nenne? Gut, kommt mal wieder keine Antwort. Also lassen wir das mal so stehen.

Ich frage mich die ganze Zeit, warum ich über dich schreibe, lieber Alltag. Willst du es wissen?

Nein? Ich sage es dir trotzdem. Weil ich dir deinen Schrecken nehmen will. Ich möchte, dass du genauso gefeiert wirst wie zum Beispiel ein Geburtstag.

Ich kenne ein Sprichwort. Das geht so: Nichts ist schlimmer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen. Also ist etwas dran an dir lieber Alltag. Ich bleib da mal dran.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (2)

MITTWOCH

Das ist die Mitte der Woche. Ich finde den Tag gut. Besser als Dienstag und erst recht als Montag. Mittwoch, Mitte, das hat etwas mit Balance zu tun.

Sollte man nicht jeden Tag denken und fühlen, als sei man schon am Mittwoch angekommen?

Kann man versuchen. Wird das gelingen? Nein, ich glaube nicht. Du musst schon am Montag denken, warum du gute Laune haben solltest, obwohl es montags ist.

Und nicht: Ach, heute ist Montag, aber ich fühle mich wie am Mittwoch. Dann denkt der Andere: Der hat schon wieder in den falschen Tablettenschrank gegriffen.

Hättest du gedacht, dass man so viel über einen einzelnen Wochentag schreiben kann? Ich auch nicht. Aber das mit der Balance finde ich gut. Sich ausbalancieren. Work-Life- Balance- das ist doch jetzt der große Knaller.

Da kannst du dich coachen lassen, für viel Geld, ja, ja. Sonst ist das nicht wertvoll. Ich stelle mir diesen Coach immer montagsfrüh vor. Wie wird wohl sein Gesicht aussehen?

Sagt er: „Guten Morgen, ich finde den Montag zwar gruselig, aber morgen ist ja das Seminar, wo ich den Leuten erzähle, wie sie sich ausbalancieren können?“

Oder geht er einfach die Teilnehmerzahl durch und denkt: „Sch…., das reicht nicht, davon kann ich nicht leben.“ Aber gut, das ist jetzt seine Sache. Ich denke an meinen Mittwoch und warum ich in der Balance bin. Ich denke.

Erst mal fällt mir nichts ein. Doch halt: Ich glaube, die Gesichter der Menschen in der S-Bahn, die am Montag so versteinert geschaut haben, schauen heute weicher, freundlicher. Das muss ich wirklich mal überprüfen.

Und dann fällt mir ein, dass ich bald Opa werde. Das macht mich sehr glücklich. Eigentlich sollte ich das am Montag denken, da gibt es sonst nichts zu lachen.

Warum fällt es uns Menschen so schwer, von innen heraus Freude zu empfinden? Uns Deutschen fällt es besonders schwer. Wir sind politisch korrekt, gut die meisten jedenfalls. Wir erzählen von der Arbeit und machen ein bedeutungsschweres Gesicht dabei. Wir wissen, wann wir uns zu freuen haben. Weihnachten zum Beispiel. Aber nicht sofort.

Erst einmal hetzen, einkaufen, backen, vorbereiten und wie von Sinnen durch die Geschäfte surfen. Dann den Ablauf planen. Und schließlich ist Weihnachten. Am zweiten Weihnachtsfeiertag kannst du dich wirklich freuen.

Denn nun werden die Fernsehsendungen lockerer, das Christkind ist abgereist und du weißt, morgen muss Schwiegermutter auch wieder los. Ach, es gibt so viel, wo du dich freuen kannst.

Aber eine Frage habe ich doch noch: Warum können wir uns nicht einfach mal über den Moment freuen? Ja, über diesen Moment, den du jetzt gerade erlebst!

Du sitzt zum Beispiel in der S-Bahn, schaust dir die Leute an und denkst: Ich bin einer der geilsten und aufregendsten Städte auf dieser Welt. Laufend kommen neue, spannende Menschen herein. Was sie wohl in dem Moment denken?

Ich will, dass sie sich freuen. Aber nein, das denken wir nicht. Warum auch? Wenn ich mal auf der Straße in Gedanken bin und ich denke an meine Enkelin, ja die, die noch nicht geboren ist. Dann lächle ich vor mich hin.

Und wenn ich schließlich in ein anderes Gesicht schaue, zufällig, schaut derjenige freundlich zurück. Es ist so einfach.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (1)

DIENSTAG

Lieber Dienstag, ich freue mich, dich begrüßen zu können. Schleim hier nicht rum, du freust dich, dass du den Montag geschafft hast. Ich glaube, so würde der Dienstag antworten, wenn er denn reden könnte. Kann er aber nicht.

Also lege ich mal wieder die Antworten fest. Ich freue mich tatsächlich, weil ich das Gefühl habe, dass ich auf dem Berg schon oben angekommen bin und jetzt nur noch abwärts laufen muss – bis zum Samstag.

Ich stelle mir vor, ich stehe jetzt auf dem Berg, dem Montag, den ich erklommen habe und schaue hinab ins Tal. Da unten ist eine Kneipe. Gutes Bier gibt es da, gutes Essen, coole Leute, mit denen du abhängen kannst, weil nach Samstag der Sonntag kommt. Aber ich bin ja erst am Dienstag angekommen. Irgendwie ist es schon leichter geworden.

Das sagt mein Gefühl. Ich habe meiner Frau heute früh gesagt: „Du wirst sehen, heute gucken die Leute nicht so grimmig wie gestern.“
„Ich sehe keine grimmigen Leute, ich löse Sudoku.“

„Du kannst aber heute nicht das Feuilleton kriegen“, sagte ich zu ihr.
„Warum nicht?“
„Da steht ein Artikel über einen Schriftsteller drin. Den will ich lesen“, entgegne ich.

„Außerdem: Dann kannst du mal in die Gesichter der Leute schauen, die mit dir in der Kleinbahn fahren, dann in der S-Bahn und später noch in der U-Bahn.

Das wäre auch noch interessant, ob sich die Leute irgendwie anders geben, wenn sie zum Beispiel von der Kleinbahn, dem Regionalzug, in die S-Bahn steigen“, setze ich nach. Ich glaube, in der Regionalbahn geht es noch dörflich zu.

Die Leute schweigen sich an, schauen aus dem Fenster oder sehen zu, dass sie nicht vom Nachbarn erkannt werden. Mit dem jetzt reden, das geht gar nicht!

Das denke ich mir jedenfalls – wer hat schon Lust auf ein Gespräch, morgens, um 05.30 Uhr? Na gut, Ausnahmen gibt es immer. „Gibst du mir nun die Zeitung?“, reißt mich Karsta aus den Gedanken. Widerwillig gebe reiche ich ihr das Blatt.

„Du kannst die doch noch heute Abend lesen“, sagt sie zu mir. Heute Abend? Da habe ich keine Lust mehr. Das Feuilleton sieht dann auch aus, als wäre es gefoltert worden. Überall sind Knicke drin. Und dann nicht mal gleichmäßig gefaltet.

Das Sodoku-Feld ist vollgekritzelt mit Kugelschreiberminenbuchstaben. Nicht, dass ich das Kreuzworträtsel lösen will.

Aber ich möchte der erste sein, der die Zeitung aufschlägt. Manchmal schaffe ich es noch beim Frühstück, den Feuilleton – Teil durchzusehen.

Das ist Karsta aber auch nicht Recht. „Da waren Fettflecke auf der Vorderseite, das ist ja peinlich, wenn das einer sieht.“ Karsta schaut mich dann vorwurfsvoll an.

Ich bin ehrlich, es berührt mich nicht im Geringsten. Der, der das beanstandet, hat sich doch nur vorgestellt, dass er selbst im Zug die Zeitung lesen will und nur der Fettfleck zwischen ihm und der Zeitung steht.

Da kanns‘ te mal sehen, lieber Alltag, welche schwerwiegenden Probleme ich am Dienstag wälze, noch vor 06. 00 Uhr. Aber das ist ja noch gar nichts. „Wenn ich erst mal mit der politischen Diskussion beginne, kurz nach 05.00 Uhr.

„Also die Merkel, ich weiß nicht!“, sage ich dann zu Karsta und schaue sie an. Ihre Augen sagen: Bitte nicht schon wieder. Also höre ich gleich wieder auf und sage nur: „Naja, der andere, der Oberlehrer aus dem kleinen Ort, wie heißt der nochmal?

Egal, der schafft es nicht mehr. Aber wen wählen wir?“ Karsta antwortet nicht. Sie ist klug. Sie will mir kein Futter geben für weitere Diskussionen. „Wir müssen los“, sagt sie stattdessen. Ja, wir müssen, lieber Dienstag, wollen wir auch? Ich muss darüber noch mal nachdenken.

MEIN FREUND, DER ALLTAG – MONTAG

Das glaubt mir doch kein Mensch: Ich freue mich auf Montag.
Das habe ich mir gestern vorgestellt, am Sonntag.
Ich war zum Nordic Walking in der Schorfheide unterwegs.
Meine Tochter und meine Frau waren in dieser Zeit zum Pilzesammeln ausgeschwärmt. Die Sonne schien durch die Bäume, die Blätter wiederum schienen bunt zu leuchten. Ich war begeistert, denn so stellte ich mir den Tag vor: Die, die ich liebte, waren in meiner Nähe und ich konnte trotzdem tun, was ich wollte, nämlich vor mich hinlaufen. Wenn du so auf weichem Boden läufst, und das aufgestapelte Holz an der Seite verströmt seinen Duft, und dir begegnet keiner, dann hat das was mit Meditation zu tun. Ich stelle mir sowas immer vor und ich bin bei dem Gedanken glücklich, wirklich in dem Moment das zu tun, was ich auch will. Aber wie würde es morgen sein, wenn 04.30 Uhr der Wecker klingelt und ich denke noch, dass ich mich bestimmt verhört habe.
Rede ich dann noch so geschwollen, so voller Glückshormone? Heute Morgen war es soweit, die Chance, zu jubeln, war da: Moin, moin, lieber Montag, ich hab‘ dich wieder und du hast mich auch wieder. Das mit dem Jubeln fiel erst einmal aus. Das ist doch auch so bei neuen Freunden. Du tastest sie ja ebenfalls ab, ob sie deine wirklichen Freunde sind, oder nicht eher verkappte Feinde. Ich dachte jetzt daran, wie die Leute in der S-Bahn sitzen. Das Wochenende vorbei, die Aussicht auf den nächsten Samstag weit weg, in unendlich weiter Ferne. Und dann die Gesichter der Leute, die auf den Bänken in der Bahn durchgeschüttelt werden – gleichgültig, verbittert, schlecht gelaunt. Da bin ich schon mal besser dran. Gut, meine Frau nicht. Die muss nämlich gleich zur Bahn. Aber dann hat es wenigstens einer aus der Familie besser. Da kann ich heute anknüpfen in meiner Motivation. Ich hatte den Alltag ja bewusst zum Freund gemacht. „Morgen Montag, morgen mein lieber Alltag!“ Hatte ich das jetzt wirklich im Stillen gesagt? Ich glaub‘, ich dreh am falschen Ende des Rades. Aber dann denke ich: Wie viele Leute gibt es, die alles haben – Geld, vielleicht ein Haus. Sie sind jedoch ans Bett gefesselt, sind pflegebedürftig. Im Gegensatz dazu geht es mir blendend. Jetzt habe ich es: Ich muss mit meinem neuen Freund reden, mit ihm in den Dialog treten. Gut, er wird nicht antworten, es sei denn, ich gebe die Antworten vor. Ich laufe inzwischen am Liepnitzsee – die Sonne scheint, die Blätter an den Bäumen leuchten. Dürfen die das eigentlich am Montag? Es sieht so aus. Na gut, dann werde ich meinen Blick darauf verändern und es am Montag im Wald ebenso schön finden, wie gestern am Sonntag. Diese Gedanken und vor allem die inneren Selbstgespräche sind irgendwie bescheuert. Aber: Der Montag, der erste Alltag in der neuen Woche hat ein wenig von seinem Schrecken verloren.

 

ANNA IST DEMENT (19)

DER ZUG, DER JEDE MILCHKANNE

MITNAHM

Peter regt sich über seinen Vater auf, der es nicht erträgt, dass seine Frau an Demenz erkrankt ist.

„Und ich will ihn nicht verstehen“, entgegnete Peter.
„Aber du weißt doch, wie es bei meiner Mutter ist. Irgendwann verlierst du die Nerven, wenn sie dich immer wieder das gleiche fragt.“

„Das ist mir schon klar, doch bei meinem Vater ist das etwas völlig anderes. Er denkt nach wie vor, dass sich alles um ihn drehen muss und er es besonders schwer hat. Dabei hat meine Mutter genauso unter ihrer Krankheit zu leiden und zusätzlich kommt eben ihre Demenz hinzu.“

„Ja schon“, Klara ließ nicht locker, „du weißt selbst wie es ist, wenn du hintereinander, immer und immer dasselbe gefragt wirst.“

„Es gibt einen Unterschied“, sagte Peter, nämlich, den, dass du irgendwann genervt bist. Das kann ich verstehen. Aber bei meinem Vater kommt noch etwas hinzu, etwas sehr Entscheidendes.

Mein Vater will die volle Aufmerksamkeit für sich und ansonsten in Ruhe gelassen werden. Solange Mama ihm alles besorgt hat, da war sie gut genug, durfte ihm das Essen kochen, die Wäsche waschen und das ganze Gedöns im Haushalt bewerkstelligen.“

„Ja, ja, das ganze Gedöns, so denkst du auch!“, erwiderte Klara.
„Also immerhin sauge ich am Freitag, fege den Carport und habe alles im Blick.“ Peter hatte keine Lust, darauf einzusteigen.

„Weißt du, mein Vater hat mir schon als vierzehnjährigem Jungen bei einem Ausflug in Leipzig gesagt, dass er mich nicht mehr sehen kann. Kannst du dir vorstellen, wie weh das tut, wenn dein Vater so etwas zu dir sagt?“

„Ja und wie bist du von Leipzig nach Dresden gekommen?“, fragte Klara.

„Mit dem Zug natürlich. Der Schnellzug fuhr damals schon in knapp zwei Stunden nach Dresden. Ich brauchte aber fünf Stunden.“

„Warum?“ „Ich war in den falschen Zug gestiegen, in den, der wirklich an jedem Dorfbahnsteig hielt und die Milchkannen mitnahm.“

„Und was hat das jetzt mit deiner Mutter zu tun?“, Klara blickte ihn fragend an.

„Heute, im Pflegeheim, wenn meine Mutter ihn in seinem Zimmer besucht, dann sagt er, dass sie wieder auf ihr Zimmer gehen soll, verstehst du, was mich wütend macht?“

Klara schwieg, sie wusste, es hatte jetzt keinen Sinn weiterzureden. Zu tief waren die Wunden und sie schmerzten wieder, weil sein Vater sich mal wieder in seiner unnachahmlichen Art zeigte.

ANNA IST DEMENT (17)

ANNA KANN SICH NICHT AN DAS

‚KAUENDE KAMEL‘ ERINNERN

Anna vergißt die Namen ihrer entfernten Verwandten und, dass diese sie besucht haben.

„Stell dir vor, Mutti wusste heute nicht mehr, dass sie gestern Gundula und ihren Mann zu Besuch hatte!“
Klara war empört und traurig zugleich.

„Wer ist Gundula?“, fragte Peter.
„Da haben wir gerade vor einer Stunde gesprochen – Gunduuulahh aus Stuttgart!“

„Ach ja, Gundula, das kauende Kamel, ich erinnere mich. Ich dachte jetzt auch schon, bei mir fängt es an mit der Vergesslichkeit.“

„Ja, nicht nur mit der Vergesslichkeit, auch mit deinen Ohren. Also sei schön still.“

„Ich sag ja gar nichts mehr“, beschwichtigte Peter.
„Aber du musst doch zugeben, wenn Gundula den Mund öffnet und lacht, dann sieht sie aus wie ein Kamel, das die Zähne bleckt“, setzte Peter nach.

Klara antwortete darauf nicht. Ein Zeichen, dass sie es irgendwie satt hatte, mit den Spötteleien. Aber Peter setzte noch einen drauf.

„Ich denke, es war sooooh schön mit dem Kaffee trinken?“

„War es bestimmt auch. Nur Mutti weiß nichts mehr.“
„Und wie kommst du darauf, dass sich Anna nicht mehr erinnert?“
„Mutti sagte am Telefon, sie verstehe nicht, warum sich Gundula nicht bei ihr meldet.“

Jetzt schwieg Peter. Es war schon traurig und ein sicheres Zeichen, dass die Krankheit bei Anna weiter fortschritt.

 

AMBULANTER PFLEGEDIENST EPIS STELLT SICH VOR

Der ambulante Pflegedienst EPIS ist vorrangig im Duisburger Stadtgebiet tätig. Die Geschäftsführung hat Maria Spellier inne.
Wichtige Ansprechpartner sind:
Barbara Wenders, Pflegedienstleitung.
Birgit Thyssen – Fett – examinierte Krankenschwester, Pflegedienstleiterin, Justine Weiße, Wundmanagerin, Nicole Reinders, examinierte Altenpflegerin, Fachkraft für Gerontopsychiatrie, Praxisanleiterin, Maria Spellier, Beauftragte für das Qualitätsmanagement, Verwaltung, Stefanie Wenders, Praxisanleiterin, Melanie Addioui, Leitung der Wohngemeinschaft und Praxisanleiterin.

Das Leistungsspektrum beinhaltet Pflege-und Krankenversicherungsleistungen.

Über Kooperationspartner:
Betreuungs- und Entlastungsleistungen, stundenweise Verhinderungs- und Kurzzeitpflege; hauswirtschaftlichen Versorgung, Hausnotruf und Menüsysteme.

Wohngemeinschaft „Die Herbstzeitlosen“:
Die Wohngemeinschaft „Die Herbstzeitlosen“ befindet sich in der Weidmannstraße 15 in 47 166 Duisburg. Sie wird betreut durch den ambulanten Pflegedienst EPIS, Tiergartenstraße 27, 47053 Duisburg. Die Wohnung kann 7 an Demenz erkrankte Bewohner – beiden Geschlechts- aufnehmen. Die Betreuung wird tagsüber von je zwei Mitarbeitern aus dem Pflegedienst EPIS wahrgenommen. Nachts ist ein Mitarbeiter vor Ort. Die medizinische Behandlungspflege wird von Pflegefachkräften durchgeführt.

MEHR:  http://www.pflegedienst-epis.de

Kontakt:
Ambulanter Pflegedienst EPIS
Tiergartenstraße 27
47053 Duisburg
Telefon: 02 03 / 8 28 43
Fax: 02 03 / 8 37 91
E-Mail: info@pflegedienst-epis.de

Interview mit Barbara Wenders

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MENSCHEN IN DER PFLEGE (2)

SENIORENBETREUUNG LEHMANN
Die Seniorenbetreuung Lehmann betreut in Wohngemeinschaften in Potsdam an Demenz erkrankte Senioren.
6 bis 8 Bewohner leben in je einer Wohngemeinschaft.
 Die Inhaberin, Viola Lehmann, setzt konzeptionell auf die individuelle Betreuung der einzelnen Bewohner im Alltag: die Pflege und Hilfe im Alltag sowie die Unterstützung bei hauswirtschaftlichen Verrichtungen, Betreuungs– und Entlastungsleistungen.
Die Betreuung erfolgt 24 Stunden. Die Pflegekosten werden über die Pflegekasse - je nach Pflegegrad - abgerechnet.

Kontakt:
 Seniorenbetreuung Lehmann, Viola Lehmann
 Inhaberin: Viola Lehmann
 Berliner Straße 32
 14467 Potsdam
 Telefon: 0331 – 2702019
 Mobil: 0175 – 1530138
 Telefax: 0331 – 2005883
 E-Mail: info@seniorenbetreuung-lehmann.de www.seniorenbetreuung-lehmann.de

Interview mit Viola Lehmann

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ANNA IST DEMENT (18)

ICH RUF MAL DEINEN VATER AN

Text - Auszug

„Ich ruf‘ heute Abend mal deinen Vater an!“, ruft Klara Peter zu, bevor sie das Wohnzimmer in Richtung Küche verlässt.

„Mach‘ das bloß nicht.“

Peter war sofort aufgescheucht. Er kannte seinen Vater, der gleich wieder losschimpfen würde über das Heim, über Getrud, die Mutter von Peter.

http://uwemuellererzaehlt.de/2017/09/17/anna-ist-dement-teil-16/

ANNA IST DEMENT (18)

ICH RUF MAL DEINEN VATER AN

Peters Vater ist im Pflegeheim und unzufrieden mit seiner Situation

„Nichst ist prima“ – schnaubte Peters Vater am Telefon. Bei Anna in Stralsund schien alles in Ordnung zu sein. Peter freute sich auf einen ruhigen Abend.

Und vor allem keine langatmigen Telefonate mit Anna, warum zum Beispiel der Werbebrief, den Anna vor einigen Tagen erhalten hatte, nichts als heiße Luft war. „Sie haben sich die Belohnung von 5000,00 Euro redlich verdient, liebe Frau Sturm!“, stand dort drin.

Klara konnte ihre Mutter überzeugen, dass sie alles zerreißt und direkt in die Papiertonne schmiss. „Mutti, dir schenkt keiner was. Glaub‘ es mir doch einfach“, beschwor Klara am Telefon Anna.

Naja, Anna wollte ihrer Tochter schon glauben. Doch auf der anderen Seite war die Verlockung: Da schrieb jemand an sie persönlich und sprach sie mit „Liebe Frau Sturm“ an. Wer kümmerte sich schon noch so liebevoll um sie. „Ach weißt du, Klara, ich bin so allein“, jammerte Anna am Telefon.

„Mutti, ich weiß. Aber schmeiß jetzt den Brief weg“, Klara konnte kaum noch an sich halten. Dabei war sie die Gutmütigkeit in Person.

„Ja, ja, ich mach‘ das jetzt. Alles kommt weg. Ich will nicht, dass die mir schreiben!“, sagte Anna entschlossen. „Mutti, die werden dir wieder schreiben.“ „Ach ist das nicht scheußlich!“, seufzte Anna.

Klara war am Ende ihrer Kraft und verabschiedete sich von Anna.
Jetzt waren ein paar Tage ins Land gegangen. Anna hatte keine weitere Post bekommen. Es war ruhig und Anna erzählte am Telefon lediglich von ihren Spaziergängen – zum Friedhof oder zu ihrem Sohn Lukas.

Der wohnte Gott sei Dank im Ort.
Also alles im grünen Bereich. Peter legte die Füße hoch. Wahrscheinlich musste er aber gleich hochschnellen und Teller für das Abendbrot in das Wohnzimmer tragen. Aktivität und Engagement waren angesagt. Aber solange Klara noch mit Anna telefonierte und ihm nichts sagte, konnte er sich ja mal nach hinten lehnen, mit der Fernbedienung in Windeseile die Programme durchsurfen und sich den nötigen Überblick für den Abend verschaffen.

„Ich ruf‘ heute Abend mal deinen Vater an!“, ruft Klara Peter zu, bevor sie das Wohnzimmer in Richtung Küche verlässt.

„Mach‘ das bloß nicht.“ Peter war sofort aufgescheucht. Er kannte seinen Vater, der gleich wieder losschimpfen würde über das Heim, über Getrud, die Mutter von Peter.

„Warum jetzt schon wieder eine weitere Baustelle aufmachen?“, fragte Peter Klara.

„Ach, das ist doch nicht schlimm“, versuchte Klara ihn zu beschwichtigen.

Peter seufzte. Er hatte es aufgegeben, dagegen zu reden. Er bewunderte Klara dafür, dass sie sich so rührend kümmerte. Dabei waren ihre Schwiegereltern nicht wirklich nett zu ihr in den vergangenen Jahrzehnten gewesen.

Aber das stand auf einem anderen Blatt.
Manfred und Gertrud Gerber waren jetzt beide im Pflegeheim in Dresden.

Das Heim gehörte Peters Schwester, Helga Geiger. Helga hat das Heim aber verkauft. Nur ihr Name stand noch am Schild.
„Du, das Telefon ist abgeschaltet. Ob dein Vater im Krankenhaus ist?“

Klara schaute Peter besorgt an. Jetzt ging es schon wieder los.
Peter wurde unruhig. Er wollte sich nicht damit befassen. Die Familienbande waren zu zerrüttet, als dass Peter überhaupt noch Interesse an einer engen Verbindung hatte.

Doch konnte er einfach darüber hinwegsehen, dass vielleicht etwas passiert war? Lag Vati im Krankenhaus? Peter schwang sich aus dem Sessel hoch und ging in sein Arbeitszimmer. Er versuchte Helga zu erreichen. Sie ging nicht an das Telefon. Also musste er die Telefonnummer vom Heim heraussuchen. Peter wählte schließlich die Nummer.

„Ja bitte?“, fragte eine Stimme mit russischem Akzent.
„Bitte entschuldigen Sie die Störung“, aber ich kann meinen Vater nicht telefonisch erreichen. Ist etwas passiert?“

„Nein, nein. Ich war vor einer halben Stunde im Zimmer Ihres Vaters. Es ist alles in Ordnung“, antwortete die Schwester.

„Oh, vielen Dank! Auf Wiederhören.“ Peter war erleichtert, dass alles in Ordnung zu sein schien. Für ihn war die Sache erst einmal erledigt.

Peter ging nach unten und ließ sich wieder in seinen Sessel fallen.
Plötzlich klingelte das Telefon. Peter ging ran: „Gerber.“ „Ja hier auch“, erklang es in der gewohnt strengen Weise. Manfred Gerber war 87.

Immer wenn sein Vater ihn ansprach, fühlte er sich wieder zum kleinen Kind degradiert. Das würde wohl nie aufhören. Obwohl er jetzt selbst bald Großvater sein würde.

„Was gibt’s?“ Manfred Gerber schien nicht gut drauf zu sein.
„Was soll es geben? Wir haben uns Sorgen gemacht, ob alles mit dir in Ordnung ist“, entgegnete Peter. Ihm schmeckte der barsche Ton seines Vaters nicht.

Er merkte, wie seine Schilddrüse anschwoll. Es kochte schon wieder in ihm.

„Aber wenn es nichts gibt, dann ist es ja prima“, schob Peter deshalb hinterher. „Nichts ist prima!“, schnaubte sein Vater zurück.
Manfred Gerber wollte von seinem Sohn bedauert werden.

Er wollte ihm ein schlechtes Gewissen einreden, so wie er es immer getan hatte. Schon als er noch klein war.
Peter schwieg einfach. Am Telefon entstand eine Stille, die zum Zerreißen war. Wer jetzt als erster sprach, der war vor dem anderen eingeknickt.

„Mit Mama ist es furchtbar!“, begann sein Vater das Gespräch fortzusetzen.
Peter schwieg. Es versetzte ihm einen Stich, wenn sein Vater so über Mama redete. Sie war 88 Jahre und litt inzwischen an schwerer Demenz.
Trotzdem, sie blieb seine Mutter und doch auch die Frau seines Vaters.

„Ich kann deinen Vater schon ein wenig verstehen“, sagte Klara, nachdem Peter das Telefonat beendet hatte.

Interview mit Daniel De Paola

Daniel De Paola ist Inhaber der Firma PROMEDICA PLUS Erkrath
Das Interview mit ihm wurde am 26. Juli 2016 geführt.

Herr De Paola, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung Ihres Pflegeunternehmens?
Ich habe nach meiner Schulzeit eine Ausbildung im Einzelhandel absolviert. Anschließend war ich in verschiedenen Positionen tätig – als Marktleiter eines Discounters oder stellvertretender Abteilungsleiter in einem großen Warenhaus.

Wie lange waren Sie in diesen Bereichen tätig?
Insgesamt ca.15 Jahre. Für mich war das eine tolle Phase. Ich habe an den Entwicklungsprozessen teilhaben können. Vor allem habe ich erlebt, wie präzise Ablaufprozesse in einem Discounter organisiert werden.

Warum hat es Sie dann rausgetrieben?
Ich wollte tatsächlich raus. Einfach mehr mit Menschen direkt zu tun haben, das war mein Wunsch. Über einige Umwege bin ich dann auf die Pflege gestoßen.

Welche Umwege waren das?
Nun, ich habe mich von einem Franchise- Berater in der Suche unterstützen lassen.

Warum Franchise?
Da waren zwei Aspekte. Zum einen hatte ich ja die Erfahrung aus dem Einzelhandel, dass vorkonfigurierte Prozesse und Abläufe ihre Vorteile haben – du kannst all die Erfahrungen mitnehmen, die dort enthalten sind.
Des Weiteren: Ich musste zwar investieren, aber ich wusste genau, worauf ich mich einlasse. Das war für mich finanziell ja auch nicht ganz unwichtig. Schließlich wollte ich davon leben und meine Familie ernähren.

Und wie sind Sie auf die Pflege gekommen?
Auch das hatte wieder mehrere Gründe. Mein Großvater hat zu mir gesagt:“ Junge arbeite in einem Bereich, in dem du immer gebraucht wirst.“ Der Pflegemarkt wird sich weiter entwickeln. Die Nachfrage nach guter Pflege und Betreuung ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Und damit das Problem der Nachfrage nach guten Pflegekräften. Aber den Ausschlag hat etwas Anderes gegeben.

Nämlich?
Ich komme aus einer Familie, in der der christliche Glaube eine große Rolle spielt. Der Gedanke, anderen Menschen zu helfen, geboren aus der Überzeugung der christlichen Nächstenliebe, das war es, was mich letztlich dazu gebracht hat, etwas in diesem Bereich zu tun. Bei Promedica Plus kam begünstigend hinzu, dass alle Prozesse zertifiziert sind – zum Beispiel die vertraglichen Inhalte geklärt sind und ich nicht bei null in diesem Zusammenhang beginnen musste.
Außerdem: Ich wollte etwas mitentwickeln. Und das konnte ich in der Pflege sehr gut.

Haben Sie Ihren Weg bereut?
Nein. Ich mache heute das, was ich mir immer gewünscht habe. Ich kann wirklich Gutes tun für Menschen, die es allein nicht schaffen in der Versorgung und Betreuung von Pflege- und Hilfsbedürftigen, und das zu einem fairen Preis -Leistungsverhältnis.
Ich wohne heute in Nord-Rhein-Westfalen, einem Bundesland, in dem ich mich sehr wohl fühle, mit den Menschen gut klar komme.
Meine Frau selbst stammt ebenfalls aus dieser Gegend – aus Düsseldorf.

Was macht denn das Besondere aus bei diesem Menschenschlag?
Ich will Ihnen ein Beispiel nennen. Sollten Sie mal nach Köln kommen und gehen abends in die Kneipe um die Ecke, könnten Sie erleben, dass diese brechend voll ist. Und dann kommt das, was den Unterschied macht: Woanders machen sich die Menschen breiter, damit sich bloß keiner an ihren Tisch setzen kann.
In Köln rücken die Gäste zusammen, winken Sie an den Tisch und Sie dürfen sicher sein: Sie erleben einen fröhlichen Abend.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo mussten Sie sich richtig reinknien, als es um Ihr Unternehmen ging?
Leicht fiel mir der Kontakt mit Menschen, ihnen das Leistungsportfolio zu erklären und die Vorteile der 24 Stunden Betreuung aufzuzeigen.

Und was ging nicht so von der Hand?
Ich musste mich daran gewöhnen, Personalverantwortung zu tragen, und zwar bis zur letzten Konsequenz. Das ist ja doch noch etwas Anderes, als das bei einer Führungskraft in Anstellung der Fall ist.

Würden Sie sich heute wieder für Ihren Weg entscheiden?
Ich denke schon. Natürlich: Manches würde ich im Detail vielleicht anders angehen. Aber grundsätzlich kann ich auf Ihre Frage nur mit einem klaren „Ja“ antworten. Es wird stets neue Herausforderungen geben, Weggabelungen sozusagen, an denen sich die Frage stellt:
„Ist es richtig, weiterzugehen?“

Und, ist es richtig?
Ja. Ich habe investiert, ich glaube an das Konzept, mein Herzblut steckt in dem Projekt. Zum Schluss zählt für mich, dass der Kunde sagt: „Danke für Ihre Hilfe, Ihre Fürsorge, einfach Ihre Zeit.“
Dann habe ich alles richtig gemacht und ich bin selbst auch zufrieden.

Worauf richten Sie heute besonders Ihre Aufmerksamkeit?
Ich bin viel ruhiger geworden. Dafür konzentrierter und fokussierter, einfach zielführender. Meine Erfahrung ist, dass ich heute mit der nötigen Ruhe und manchmal auch Gelassenheit viel mehr erreiche. Und darauf kommt es an.
Also auf den Punkt gebracht: Mit möglichst überschaubarem Einsatz, viel erreichen; einfach alles für die Kunden zu tun, da zu sein, wenn sie Hilfe brauchen.
Und ich richte meine Aufmerksamkeit auch auf meine Familie. Sie ist mir wichtig. Für sie arbeite ich und strenge mich täglich an.
Im September dieses Jahres feiern wir unser fünfjähriges Bestehen. Und: Wir wachsen weiter. Ich bin ja für die Bereiche Erkrath Hilden, Haan und Umgebung tätig. Neben einem Büro in Erkrath, dem zweiten Büro in Haan – übrigens auch gleichzeitig mein Wohnsitz – kommt im September das dritte Büro in Hilden hinzu.

Also genau passend zu Ihrem ersten runden Jubiläum?
Ja, genau. Das ist etwas, was mich sehr stolz macht.

Herr De Paola, was ist für Sie persönlich Glück?
Mein Alltag ist so, dass ich keinen Urlaub brauche.

Also müssen Sie gar nicht in den Urlaub fahren?
Doch, natürlich schon. Irgendwann muss ich mich auch zurückziehen, erholen und frische Kräfte sammeln. Keinen Urlaub zu brauchen – das habe ich gesagt, weil es mein inneres Lebensziel wiedergibt, weil ich einfach meinen Job unheimlich gern tue.
Aber ich bin schon glücklich – im Beruf und privat.
Ich werde noch einmal Vater – ein wunderbares Gefühl.

Herr De Paola, ein sehr schöner Abschluss.
Vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt:
PROMEDICA PLUS Erkrath
Kirchstraße 26
40699 Erkrath
Tel. +49 (0) 211 – 43 63 63 06
Fax +49 (0) 211 – 43 63 63 07
E-Mail: erkrath@promedicaplus.de
Web-Site: http://www.promedicaplus.de/erkrath
Inhaber: Daniel De Paola

 

PROMEDICA PLUS Erkrath stellt sich vor

Inhaber: Daniel De Paola

LEISTUNGSBESCHREIBUNG
PROMEDICA PLUS Erkrath vermittelt osteuropäische Pflegefachkräfte in deutsche Privathaushalte. Der Inhaber ist Daniel De Paola. Das Unternehmen kann auf jahrelange Erfahrungen zurückgreifen. Es hat seine Dienstleistungen stetig weiter auf- und ausgebaut, immer weiter verbessert. Es gibt inzwischen drei Niederlassungen im Wirkungsbereich von PROMEDICA PLUS Erkrath.
Die Leistungsangebote sind: Grundpflege, hauswirtschaftliche Versorgung, Betreuungsleistungen.
PROMEDICA PLUS Erkrath ermittelt den individuellen Bedarf der Kunden im direkten Gespräch vor Ort. Darauf aufbauend wird für den Kunden das Angebot erarbeitet: individuell und maßgeschneidert. PROMEDICA PLUS arbeitet eng mit dem europäischen Marktführer PROMEDICA 24 für die Vermittlung der Pflegefachkräfte zusammen. Die Mitarbeiter sind auf der Grundlage der hohen PROMEDICA 24 – Standards qualifiziert. Die Sprachkenntnisse sind bei den Mitarbeitern unterschiedlich ausgeprägt – von einem nicht zu unterschreitenden Mindeststand bis hin zu fließend Deutsch sprechenden Aktivitäten.

Kontakt:
PROMEDICA PLUS Erkrath
Inhaber: Daniel De Paola
Kirchstraße 26
40699 Erkrath
Tel. +49 (0) 211 – 43 63 63 06
Fax +49 (0) 211 – 43 63 63 07
E-Mail: erkrath@promedicaplus.de

Zur Homepage:  http://www.promedicaplus.de/erkrath

Interview mit Daniel De Paola

 

WARUM SIE MIT UNS SPRECHEN SOLLTEN

SIE MÜSSEN NICHT INS HEIM – DENN WIR VERSORGEN UND BETREUEN SIE, UND ZWAR DORT, WO SIE ZUHAUSE SIND
PROMEDICA PLUS ERKRATH vermittelt osteuropäische Pflegefachkräfte in deutsche Privathaushalte.
Wir verfügen insgesamt über drei Büros in unserem Wirkungskreis.
Wir sprechen über Ihren konkreten Bedarf und erstellen ein Angebot für Sie – individuell und für Ihre Bedürfnisse maßgefertigt.
Unsere Pflegekräfte kümmern sich hingebungsvoll – sind für Sie in Ihrem häuslichen Umfeld da.
Die Sprachkenntnisse unserer Mitarbeiter sind unterschiedlich ausgeprägt – angefangen bei einem Mindeststandard bis hin zur fließenden Beherrschung der Sprache.
Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!
Ihr Ansprechpartner: Daniel De Paola
Kontakt:
PROMEDICA PLUS Erkrath
Kirchstraße 26
40699 Erkrath
Tel. +49 (0) 211 – 43 63 63 06
Fax +49 (0) 211 – 43 63 63 07
E-Mail: erkrath@promedicaplus.de
Web-Site: www.promedicaplus.de/erkrath

Pflegedienst Lippert stellt sich vor

Pflegedienst Lippert GmbH

Pflege-und Hilfsbedürftige sagen Martina Lippert und ihrem Team danke

Individuell pflegen und betreuen geht nur mit Engagement

Leistungsbeschreibung:

Der Pflegedienst Lippert GmbH ist im Altkreis Lingen tätig. Martina Lippert ist die geschäftsführende Gesellschafterin und Pflegedienstleitung. Sie ist examinierte Krankenschwester und Palliativfachkraft. 
 Anne- Christine Lippert ist Mitgesellschafterin und stellvertretende Pflegedienstleiterin. Die Firma ist durch alle gesetzlichen und privaten Kranken- und Pflegekassen zugelassen.

Leistungen:

 – Grund- und medizinische Behandlungspflege,
– Verhinderungspflege,
– Betreuungsleistungen,
– Schulung von Angehörigen im häuslichen Umfeld und Wohnraumberatungen.

Kontakt:
Pflegedienst Lippert GmbH
Martina Lippert
Geschäftsführende Gesellschafterin
Lindenstraße 1a
49808 Lingen
Tel.: 0591 / 80740990
Fax: 0591 / 67674
E-Mail: info@pflegedienst-lingen.de

ZUR HOMEPAGE: http://www.pflegedienst-lingen.de

 

Interview mit Martina Lippert im August 2017

STELLENANZEIGE

Wir suchen Pflegefachkräfte – examinierte Krankenschwestern und Krankenpfleger, Altenpflegerinnen und Altenpfleger.
Des Weiteren suchen wir Pflegehelferinnen und Pflegehelfer,
Hauswirtschaftskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Betreuung.

 

Wir sind ein Unternehmen, das familienfreundlich ausgerichtet ist.
Wir setzen auf Menschen, die Spaß daran haben, anderen Menschen zu helfen, die sich weiterentwickeln wollen und gern in einem Team arbeiten, in dem sie sich selbst verwirklichen können und gleichzeitig Verantwortung übernehmen.
Die Vergütung ist an die Tarife des öffentlichen Dienstes angelehnt.
Wir zahlen leistungsabhängige Zulagen.
Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, sprechen Sie mit uns oder schreiben Sie uns – wir melden uns in jedem Fall bei Ihnen zurück.

 Kontakt:
Pflegedienst Lippert GmbH
Martina Lippert
Geschäftsführende Gesellschafterin
Lindenstraße 1a
49808 Lingen
Tel.: 0591 / 80740990
Fax: 0591 / 67674
E-Mail: info@pflegedienst-lingen.de
http://www.pflegedienst-lingen.de

 

INTERVIEW MIT MARTINA LIPPERT

 

INTERVIEW (10)

MARTINA LIPPERT

(2017)

Martina Lippert ist die Gründerin des Pflegedienstes Martina Lippert GmbH.  Sie ist heute die geschäftsführende Gesellschafterin und hat die Pflegedienstleitung inne.

Frau Lippert, Sie haben im Interview  – des vergangenen Jahres folgenden Satz gesagt, als es darum über die Hürden Ihrer beruflichen und privaten Entwicklung zu sprechen: Ich war wie ein Segelboot – immer mit den Wellen und gegen den Wind. Sehen Sie das heute noch genauso?

Ja, natürlich. Der Umkehrschluss dieses Gedanken ist doch folgender: Wer nicht den Wind spürt, die Anstrengungen des Ringens mit ihm, der fühlt auch nicht, wie schön es ist, wenn die Wellen gegen die Bordwand schlagen, wie toll Wasser riecht, wie schön es überhaupt ist, sich für einen Kurs zu entscheiden, die nötigen Anstrengungen dafür unternehmen, dass wir nicht von ihm abkommen und dann eben die Früchte zu ernten.
Das ist ein wenig literarisch angehaucht, doch gibt vielleicht ganz gut meine Sicht auf die Dinge wieder, die ich erlebt habe.

Worauf sind Sie besonders stolz, wenn Sie heute zurückdenken an Ihren Weg, den Sie zurückgelegt haben?

Ich habe mich viel mit meinen Ängsten auseinandersetzen müssen, weil ich ja einen sicheren Arbeitsplatz für meine Selbstständigkeit aufgeben musste. Damals haben mich die Gemeindeschwestern in der evangelischen Sozialstation für verrückt erklärt, als ich sagte, ich wolle mich selbstständig machen. Heute gibt es die Sozialstation nicht mehr – die damals sicher geglaubten Arbeitsplätze sind nicht mehr da. Ich bin vor allem stolz darauf, dass ich durchgehalten habe.

Ist das eine Stärke von Ihnen?

Ich glaube schon. Ich beiße mich quasi in Sachen rein, beiße mich fest, und zwar solange, bis ich es so habe, wie ich es mir vorstelle. Natürlich kommen auch mal die Phasen der Depression, Zeiten, in den Zweifel an mir nagen und ich nicht weiß, wie es weitergehen soll.

Was machen Sie dann?

Wissen Sie, dazu kann man unendlich viel sagen. Die Situationen sind ja verschieden. Und manchmal kommt eben alles zusammen – es gibt Schwierigkeiten im Beruf und im Privaten läuft es mitunter eben nicht glatt. Deshalb ist es in solchen Momenten für mich wichtig, dass ich meine Selbstzweifel überwinde, wieder zur alten Stärke zurückfinde.

Und in der Anfangszeit, als ich den Pflegedienst gerade gegründet hatte, da stürzte wirklich viel auf mich ein. Ich musste Kunden finden, Ärzte überzeugen, dass ich die richtige Ansprechpartnerin für sie in Sachen Pflege bin und vieles mehr.

Kurz um: Ich habe mir gesagt – du bist ins kalte Wasser gesprungen, unter Wasser gewesen, aufgetaucht, und also muss du Luft holen und schwimmen.

Wie wichtig ist es heute für Sie, einem Mitarbeiter die Balance zwischen eigenverantwortlichen Handeln und teamorientierten Denken vorzuleben?

Sehr wichtig! Ich denke, jeder sollte die Chance bekommen, seinen Weg zu erkennen und diesen dann zu gehen. Dabei gebe ich Hilfestellung, bin ich der Coach. Natürlich geschieht das ebenfalls im Teamwork.

Was glauben Sie ist der Kern dessen, was eine gute Pflegekraft ausmacht?

Darüber sind ja schon ganze Abhandlungen verfasst worden. Im Kern geht es mir darum, dass derjenige, der bei uns arbeitet, die Menschen wirklich mag, die er pflegt und betreut. Das soll keine erzwungene, von außen bestimmte Liebe sein. Vielmehr sollte es der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter Spaß machen, wenn sie sich den ganzen Tag mit Pflege und Betreuung befassen. Immerhin ist das ja gleichzeitig Lebenszeit. Übrigens für beide – die Pflegenden und die zu Pflegenden. Schon deshalb hilft die innere Einstellung, aus Lebenszeit parallel Lebensqualität zu generieren. Das ist mir wichtig. Ich gehe zum Beispiel heute noch ins Pflegeheim zu ehemaligen Kunden, spreche mit ihnen, schaue, dass es ihnen gut geht. Nur so bekommst du selbst ein gutes Gefühl, spürst den echten Reichtum, den dir diese vielleicht kleine Situation, das Gespräch mit dem Pflegebedürftigen, verschafft. Man kann darüber viel reden. Es ist besser, man tut was, fragt sich, warum gerade die Situation jetzt so gut ist, also in dem Moment, in dem ich mit dem Patienten spreche. Übrigens: Genauso ist es, wenn man über den Umgang mit den Flüchtlingen nachdenkt. Es sind stets die kleinen Gesten, die Hilfe ausmachen. Ich bin eine Zeit lang in einen Unterstützerkreis für Flüchtlinge gegangen und habe Deutschkurse für Flüchtlinge gegeben. Aber Deutsch im Alltag – das, was so schwer zu lernen ist. Das lernt man vor allem durch sprechen, immer und immer wieder.

Was haben Sie daraus gelernt?

Durch Kommunikation werden Distanzen durchbrochen, imaginäre Ängste abgebaut. Und: Du lernst die Menschen kennen, erfährst, was sie hierhergeführt hat, wovon sie träumen, wie sie gelebt haben, was sie aufgeben mussten, mit ihrer Flucht. Ich habe zum Beispiel zusätzlich mit Flüchtlingen darüber gesprochen, wie diese ihren Haushalt organisieren, also faktisch mitgeholfen, den Flüchtlingsalltag in Deutschland zu meistern.

Was hat Ihnen das für die Pflege gebracht?

Es geht stets um Menschen. Menschen, denen du hilfst und sie kennen lernst, durch sie genauso etwas lernst. Wir brauchen für die nächsten Jahrzehnte gut ausgebildete Fachkräfte. Warum sollte darunter nicht jemand sein, der heute noch dabei ist, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren?

 Da gebe ich Ihnen Recht. Was glauben Sie, warum sind Sie eine gute Unternehmerin?

Das werde ich so nicht sagen. Das können nur andere entscheiden. Ich denke, dass ich sehr genau die Fäden ziehe und gleichzeitig da bin für die Mitarbeiter, wenn es Fragen gibt. Wir führen ein offenes Büro. Meine Tür steht immer auf. Ich bin stets ansprechbar. Dieses Gefühl brauchen meines Erachtens nach die Mitarbeiter, nämlich das Vertrauen, dass in schwierigen Situationen jemand da ist, der hilft, einen Rat gibt, unterstützt.

Wenn Sie in einem Satz zusammenfassten müssten, was den Kern individueller Pflege ausmacht, was würden Sie sagen?

Menschen zugestehen, in ihrer Wohnung so zu leben, wie sie es selbst wollen.

Frau Lippert, Sie engagieren sich im gesellschaftlichen Leben, sind gewählte Vertreterin der Stadt Lingen. Was treibt Sie an?

Wenn ich ehrlich bin: Es gibt Tage, da treibt mich gar nichts an. Da will ich mich am liebsten nur um meine Firma kümmern. Doch es ist ja so: Wir können nicht nur den Tag rauf und runter sprechen, wie wichtig Pflege ist. Da stimmt jeder zu. Aber sich für bestimmte Probleme einsetzen, darum kämpfen, dass sich etwas verändert, das ist mir wichtig.

Was soll sich denn ändern?

Zuerst die Einstellung zur Frage der Pflege und Betreuung. Wir alle sind davon betroffen. Zudem hat in der Regel jeder in der Familie jemanden, um den man sich kümmern muss. Wenn wir es schaffen, hier das Denken zu verändern, dann bewirken wir  mehr Handeln, mehr Engagement.  

Sie sind aktives SPD-Mitglied. So kurz vor den Wahlen: Hat die SPD schon alles getan in Sachen Pflege und Betreuung?

Nein. Sicher nicht. Das ist aber nicht der Punkt.  

Sondern?

Dass wir die richtigen Probleme herausfiltern, analysieren, Konzepte entwerfen und abgleichen mit der Wirklichkeit, also auch den finanziellen Möglichkeiten. Dafür bin ich aktiv. Ich will genauso meiner Enkeltochter zeigen, dass es nicht reicht zu reden, sondern dass man was tun muss für die Verwirklichung seiner Ziele und der gesellschaftlichen Vorhaben.

 

Frau Lippert, das ist ein gutes Schlusswort.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

Kontakt:
Pflegedienst Lippert GmbH
Martina Lippert
Geschäftsführende Gesellschafterin
Lindenstraße 1a
49808 Lingen
Tel.: 0591 / 80740990
Fax: 0591 / 67674
E-Mail: info@pflegedienst-lingen.de
http://www.pflegedienst-lingen.de