DIE BREMER KOMMEN (2)

„Wer war denn dran, am Telefon?“, setzte Peter erneut an.
„Ach weißt du, das waren nur die Bremer. Sie wollen mich gleich besuchen.“

„Und freust du dich?“, hakte Peter nach.
„Nö“, sagte Anna wieder leicht gereizt. Anna erzählte Klara abends davon, wie sehr sie unter dem Alleinsein litt. Und nun kam jemand. Das war ihr auch nicht recht.

Doch das waren die Gedanken eines gesunden Menschen. Anna fühlte sich einsam, konnte aber auch nicht mehr damit umgehen, dass ihre Tagesstruktur durchbrochen wurde – essen, spritzen, essen, schlafen, spritzen, fernsehen, telefonieren. Das klingt gleichförmig. War es auch. Aber für Anna war jeder Teil für sich eine Herausforderung.

„Hast du denn schon ein zweites Frühstück gemacht?“ Peter musste das unbedingt fragen. Deshalb rief er überhaupt an, denn er teilte das anschließend Klara mit. Es ging um die Zuckerwerte von Anna, die stabil gehalten werden sollten. Waren irgendwelche Auffälligkeiten, dann informierte Klara anschließend Lukas und der machte sich auf den Weg zu Anna.

Das Netz der Betreuung war dicht geflochten und es wurde zunehmend enger.
„Ja, hab‘ ich.“
„Was hast du denn gegessen?“
„Weiß ich nicht mehr.“
Peter schwieg, machte eine Pause. Das war manchmal besser, für beide Seiten.
„Was gibt es denn zu Mittag bei dir?“, fragte er jetzt.
„Weiß ich nicht, muss ich gucken.“ Aus Anna war nichts herauszubekommen.
„Und weißt du denn, wie lange die Bremer bleiben?“
„Das ist mir scheißegal! Das interessiert mich überhaupt nicht.“

Anna mochte die Bremer, sie hatte sich immer für sie interessiert. Aber nun war es scheißegal. Was treibt einen Menschen an, wenn ihm alles egal ist? Das fragte sich Peter.

Es war wieder die falsche Frage, auch wenn er sie sich nur im Stillen gestellt hatte. Ihm war es nicht egal, und er war gesund, geistig, noch jedenfalls. Anna hatte mit ihrer Demenz zu kämpfen.

Peter musste sich beim nächsten Mal wieder an Annas Gemütsbewegungen gewöhnen und sie mit einer kleinen Geschichte von Krümel aufheitern. Dann lachte Anna, meistens.

DIE BREMER KOMMEN (1)

Das Telefon war besetzt. Peter versuchte es nach fünf Minuten noch einmal. Jetzt hatte er sich gerade durchgerungen und nun ging Anna nicht ran, weil sie wahrscheinlich selber telefonierte.

Vielleicht rief sie ja wieder seine Eltern im Dresdner Pflegeheim an. Das hat sie Jahrzehnte nicht getan, doch nun tat sie es und verneinte das vehement, wenn Klara sie danach fragte.

Peter wusste es von Klara und die wiederum von Peters Vater. Er sprach mit ihm kaum. Das übernahm Klara. Sie war diplomatischer und keiner musste nach einem belanglos beginnenden Telefonat den diplomatischen Abbruch fürchten.

Aber das mit Peters Eltern, das war eine Story für sich. Bei Anna lagen die Dinge anders. Peter hatte Klara versprochen, sich täglich am Vormittag für ein paar Minuten um Anna zu kümmern.

Die Gespräche verliefen ziemlich gleich und wiederholten sich, manchmal Wort für Wort. Zum Beispiel, dass die gegenüberliegende Häuserwand so scheußlich feucht aussah. Heute nun lief das Telefonat nicht in seinen gewohnten Bahnen. Als Peter sie zum zweiten Mal anrief, da ging Anna ran.

„Hast du gerade telefoniert?“, fragte Peter.
„Nein. Wie kommst du darauf?“
Peter musste schlucken, weil es ihm schwerfiel, einfach zu glauben, dass Anna nicht mehr wusste, dass sie gerade mit jemanden gesprochen hatte.

„Ich komme darauf, weil dein Telefon besetzt war. Also musst du zwangsläufig mit jemandem kommuniziert haben.“

„Was hab‘ ich gemacht?“ Annas Stimme klang leicht gereizt.
Das war immer so, wenn sie etwas nicht verstand. Dann war natürlich der andere daran schuld. In diesem Fall Peter. Er gab Anna im Stillen Recht. Musste er dieses hochtrabende Wort ‚kommunizieren‘ nehmen?

Bei jeder Autorenschulung würde man dafür sofort eins auf den Deckel bekommen, weil es ja schlichter formuliert werden könnte, so wie ‚sprechen‘, ‚mit jemandem unterhalten‘, ‚mit jemanden telefonieren.“

Warum also gerade kommunizieren? Peter wusste es nicht. Gerade er, der ein Gegner von schwülstigen Ausdrücken war, die oft intellektuelles Getue zum Ausdruck brachten und in Wirklichkeit Worthülsen waren, mit denen man den anderen beeindrucken wollte. Das ging im Gespräch mit Demenzkranken nun schon gar nicht.
Teil 2 folgt.

ERINNERUNG AN POLCHOW IM SOMMER

Dieser Morgen war sonnig und klar. Es war die schönste Zeit, wenn alle noch schliefen und ich im Bademantel, mit einem Handtuch bewaffnet, vom Bungalow aus zum Hafen am Bodden hinunterging.

Vom Hafen selbst war nicht viel übriggeblieben, und gerade das machte ihn so anziehend. Schon von weitem sah ich einige Holzpfähle, die man in den Boden des Boddens gerammt hatte, um den Hafeneingang vor Sturm zu schützen.

Sie waren im Laufe der Zeit morsch geworden, manche Pfähle ragten nur noch wie abgebrochene Streichhölzer aus dem Wasser. Auf ihnen saßen kreischende Möwen, so als würden sie sagen wollen, dass nur sie dort zuhause wären und kein anderer. Rechts und links des Hafengeländes wogte Schilf im Wind und es roch nach Tank.

Eine frische Brise wehte herüber, sanft genug, um sie tief einzuatmen, sich dabei gleichsam zu strecken und die Stille ringsherum in sich aufzunehmen.

Auf dem Wasser waren kleine Schaumkronen zu sehen, die auf den Strand zutrieben. Ich ging zum Bodden hinunter, um zuerst die Badehose auszuziehen und dann ins Wasser zu gleiten.

Vorher schaute ich mich noch um, ob wirklich kein Mensch zu sehen war. Etwas weiter weg, über die Straße rüber, am Ostseestrand, da war die Sache klar. Es gab faktisch keinen Textilstrand, sondern die Badenden liefen fast ausnahmslos nackt ins Wasser.

Hier an der Boddenseite aber, da war es etwas anders. Es ging gesitteter zu und die wenigsten waren Anhänger der Freikörperkultur.

Ich schon, aber nur, wenn ich in den frühen Morgenstunden allein hier unten war. Doch ich war vorsichtig. Manchmal lugte ja hinter dem Schilf plötzlich noch eine ältere Dame hervor und wackelte auf den Strand zu, direkt dorthin, wo mein Handtuch lag.

Splitterfasernackt rief sie mir schon von weitem ein fröhliches ‚Guten Morgen‘ zu.
„Warum kann hier nicht mal eine Meerjungfrau aus dem Wasser steigen?“, fragte ich mich in diesen Momenten.

Heute war keiner zu sehen, die ältere Dame auch nicht. Also streifte ich zügig die Badehose ab, lief mit schnellen Schritten ins Wasser, um mich dann kopfüber gänzlich hineinzustürzen und sofort hastig los zu schwimmen, mich dann sofort auf den Rücken umzudrehen und heftig mit den Beinen zu strampeln, in der Hoffnung, ich würde die Kälte nicht mehr so spüren.

Ich hielt es aber nie lange aus und eilte aus dem Wasser, um mir mit dem Handtuch den Rücken abzurubbeln. Erst wenn ich wieder im Bademantel eingehüllt war, ließ ich den Blick über das Wasser, die eingerahmten Pfähle, das Schilf schweifen.

Bis hin zum gegenüberliegenden Ufer, an dem abends ‚Störtebeker‘ aufgeführt wurde und zum Schluss das Feuerwerk den Hafen erhellte.

DER SCHLAFENDE MANN IN DER SPARKASSE

Kurz nach 05.00 Uhr, morgens. Es regnet, die Straßen sind noch wie leergefegt und dafür voller Pfützen, durch die ich hindurchfahre. Vor der Sparkasse steuere ich auf einen freien Stellplatz zu, ziemlich dicht vor der Eingangstür der Bank.

Ich halte, steige aus, gehe schnurstracks in Richtung Eingang los und zwänge mich erst einmal durch zwei Büsche hindurch, deren Zweige schon vereinzelt grüne Blätter tragen. Sie wischen an mir entlang und als meine nackten Hände die Blätter berühren und ich deren Nässe spüre, ärgere ich mich, dass ich nicht den ordentlichen Zugang gewählt habe.

Meine Füße geraten auf der rutschigen Erde ins Schlingern und ich fluche still vor mich hin. Ich bin froh, als ich die Eingangstür erreicht habe. Die Türen schieben sich nach links und rechts auf und verschwinden rumpelnd und quietschend in den dafür vorgesehenen Nischen in der Wand.

Ich hole meine Geldkarte aus dem Portemannaie und als ich wieder aufschaue, sehe ich einen Mann am Boden liegen. Er hat es sich bequem gemacht, hier im Schaltervorraum der Sparkasse. Seine Beine sind angewinkelt, er liegt auf der Seite und hat die Arme unter dem Kopf verschränkt.

Es riecht nach Tabak, Schweiß und abgestandenen Kleidern, so als wären diese wochenlang nicht gewaschen worden. Das Gesicht des Mannes sieht friedlich aus. Er ist noch nicht so alt. Vielleicht Mitte 30, schätze ich.

Behutsam gehe ich an ihm vorbei, in Richtung Geldautomat. Ich schiebe die Karte in den Schlitz des Automaten und warte, bis die Aufforderung zur Eingabe der Geheimzahl auf dem Display erscheint.

„Was ist, wenn der jetzt aufspringt und versucht, mir die Geldbörse aus den Händen zu reißen?“, denke ich bei mir. Vorsichtig drehe ich mich zu ihm um, doch der schläft friedlich weiter.

Endlich, die Klappe am Automaten geht auf und die Geldscheine tauchen auf. Ich ergreife sie hastig und stopfe sie in ein Fach des Portemannaies. Ich bewege mich wieder ziemlich leise an dem Mann vorbei, versuche möglichst keine Geräusche zu machen.

Als ich draußen bin und mich erneut durch die nassen Zweige der Büsche bewege und auf dem feuchten Boden mehr rutsche als laufe, atme ich trotzdem erleichtert auf. Dann, im warmen Auto, drehen sich meine Gedanken um diesen schlafenden Mann am Boden der Sparkasse.

Wer mag das sein, warum übernachtet er auf dem harten Boden, ohne eine Decke, nur mit einem Beutel neben sich, auf dem der Name eines Einkaufsmarktes steht?

Was ist die Lebensgeschichte dieses Mannes? Und noch eine Frage schießt mir durch den Kopf:  Hättest du ihn nicht wecken sollen, ihm nicht anbieten müssen, mit nach Hause zu kommen? Ihm eine warme Dusche ermöglichen, einen heißen Kaffee und ein Brötchen dazu?

Ich verwerfe diesen Gedanken gleich wieder und rechtfertige mein Handeln damit, dass ich ja nicht wüsste, wer das eigentlich sei, ob er ein Obdachloser ist, der auf der Straße leben will oder ein Alkoholiker, dem es egal ist, wo er seinen Rausch ausschläft.

Und trotzdem, ein Restfunken von schlechtem Gewissen bleibt. Warum empören sich eigentlich manche Menschen inzwischen mehr darüber, wenn jemand das Wort ‚Indianer‘ in den Mund nimmt als über das Problem der Obdachlosigkeit?

Ich finde darauf keine befriedigende Antwort. Ich rufe Klara an und frage sie, wie sie mit dem ersten Arbeitstag nach der Reha klarkommt.
„Und wie geht es dir?“, fragt sie mich vorsichtig zurück, weil sie weiß, wie ich den Montag finde und lieber gleich mit dem Dienstag anfangen würde.
„Du, mir geht es phantastisch!“, antworte ich prompt.
„Wirklich?“, fragt sie mit einer Stimme, die Misstrauen verrät.

„Ja, wirklich. Du, heute Abend muss ich dir mal eine Geschichte erzählen, die ich erlebt habe, nachdem du aus dem Auto ausgestiegen bist und ich zur Bank weitergefahren bin“, sage ich zu ihr.

DIE SENIORENHILFE GOTHA WÄCHST MIT IHREN AUFGABEN

Die Nachfrage nach Pflege- und Betreuungsleistungen ist groß, und das ungebrochen, ja, sie wächst sogar noch weiter.

Irgendwie auch ein Luxusproblem für Pflegedienste, denn sie müssen sich ihre Kunden nicht suchen. Die Kunden suchen sie.

Und trotzdem ist es mehr als nur eine komfortable Situation.

Es fehlen qualifizierte Pflegekräfte auf dem Markt, der bürokratische Aufwand wird auch nicht kleiner, im Gegenteil.

In dieser Situation wollen pflegende Angehörige, Pflege- und Hilfsbedürftige selbst trotzdem nicht irgendeinen Pflegedienst finden. Nein. Sie wollen den finden, der individuell genug ist, um auf die Wünsche und Bedürfnisse seiner Klienten einzugehen.

Die Seniorenhilfe Gotha gehört zu diesen Einrichtungen. Und das über die Jahre mit einem erwiesenermaßen guten Ruf.

Kathrin Dölle – eine Unternehmerpersönlichkeit, die zu kennen es sich lohnt

Es geht heute viel um Pflege- und Betreuungsleistungen, um Angebote, Preise und Förderungen durch die Kranken- und Pflegekassen.

Eines jedoch bleibt: Wenn der Mensch im Mittelpunkt stehen soll, also nicht nur in den wohlgesetzten Worten der Homepage, dann muss man sich unbedingt diejenigen anschauen, die von anderen sagen, sie würden deren Schicksal in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen.

Und schnell wird klar, dass der Kreis derer schrumpft, wenn man diesen Maßstab anlegt. Ich habe schon viel über Pflegedienste geschrieben, darüber, was sie ausmacht.

Ich kann das nicht alles nachprüfen, was mir Inhaber und Pflegedienstleitungen oder Mitarbeiter erzählen.

Ich habe aber ein untrügliches Gespür dafür entwickelt, wer authentisch spricht, sagt, was ist. Und nicht, was er meint, was nach seiner Meinung sein sollte. Kathrin Dölle gehört zweifellos zu diesen Menschen, Unternehmerpersönlichkeiten, die nicht schwadronieren, sondern mit der täglichen Pflege- und Betreuungspraxis verwachsen sind.

Mehr: https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/28/portraet-kathrin-doelle/

Wenn sich Pflegekräfte auf die Suche nach neuen Herausforderungen begeben, einen neuen Pflegedienst ausprobieren wollen, so schauen sie naturgemäß auf die Dinge, die sie sehen und hören oder lesen können.

Wie ist der Ruf der Einrichtung? Sind die Mitarbeiter, die dort arbeiten zufrieden? Gibt es eine faire und angemessene Bezahlung?

Das alles sind wichtige Fragen. Noch wichtiger ist es zu schauen, ob man längerfristig eine neue Heimat findet, die Atmosphäre dergestalt ist, dass die Arbeit auch ein Stück Lebensqualität ausmacht.

Gewiss: Es ist schwer, das herauszubekommen, und zwar so, dass es eben verlässliche Aussagen gibt. Eine Möglichkeit besteht darin, etwas über den Kopf der Pflegeeinrichtung zu erfahren.

In Fall der Senioreneinrichtung Gotha zum Beispiel über Kathrin Dölle.

Der Lebensweg, die Einsichten, zu denen man gelangt, das sagt schon etwas aus über den Menschen, mit dem man es später zu tun haben wird.

Deshalb empfehle ich hier, das Porträt und das Interview zu lesen:

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/06/23/kathrin-doelle-im-interview/

Leistungsangebote der Seniorenhilfe

Die Seniorenhilfe bietet ihre Hilfe und Unterstützung in folgenden Bereichen der Pflege und Betreuung an – in der Pflegeversicherung, der privaten Pflege, der hauswirtschaftlichen Versorgung und der Betreuungsleistungen als Einzelleistung in der häuslichen Umgebung.

Wer sich als Leser einen ersten Überblick darüber verschaffen will, der sollte auf die Homepage der Seniorenhilfe gehen.

Vorab kann er  sich über eine zusammenfassende Darstellung auf dem Blog informieren:  https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/28/leistungsbeschreibung-seniorenhilfe-gotha/

Detaillierte Aussagen, tiefergehende Informationen erhält der Leser dann, wenn er sich direkt an die Seniorenhilfe wendet.

„Ein persönliches Beratungs- oder Informationsgespräch kann durch nichts ersetzt werden. Hier kommen zwei wichtige Faktoren zusammen: die Sach- und Fachkompetenz und das Verständnis, für denjenigen, der Hilfe sucht“, sagt Kathrin Dölle in diesem Zusammenhang.

Ein Team, das den Namen  verdient

Drei Aspekte fallen mir als Autor ein, wenn ich die Seniorenhilfe Gotha herausheben wollte:

Erstens: Die Tatsache, dass es nicht nur junge Pflegefachkräfte gibt, sondern auch ältere, manche sogar, die kurz vor der Rente stehen oder bereits darüber hinaus sind.

Zweitens: Es gibt nicht nur ein Nebeneinander von ‚jung‘ und ‚alt‘. Nein, es gibt vor allem ein Miteinander. Und diese Art des Umgangs macht es aus, dass man von Lebensqualität spricht,  wenn es um die Atmosphäre, die gegenseitige Unterstützung, das Arbeiten selbst geht.

Drittens: In der Seniorenhilfe Gotha bekommen Seiteneinsteiger eine Chance, können sich entwickeln, lernen und erhalten die gleiche Wertschätzung wie jedes andere Teammitglied auch.

Mehr: https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/28/stellenanzeige-seniorenhilfe-gotha/

Kontakt:
Kathrin Dölle – Seniorenhilfe Ambulanter Pflegedienst
Lutherstraße 8,
99867 Gotha
Telefon: 03621 / 21 96 40
Telefax: 03621 / 21 96 39
E-Mail: info@seniorenhilfe-gotha.de

 

 

 

 

 

 

 

 

INTERVIEW WITH THE PRIMA BALLERINA ON 04.03.2019

Iana, you are glowing and I get the impression you are very happy. Do you feel that way too?
Yes, I am happy and looking forward to the birth of my child.

What is different now, in the last trimester of your pregnancy if you compare it to the first trimester?
In the beginning I suffered greatly from nausea. I constantly felt bad. Smelling certain foods from the fridge was enough to make me sick.
I simply had no strength and just wanted to vomit and sleep a lot. But that’s over now, thank goodness. Of course sometimes I have pain in my back, but I think that’s normal.

How do you keep fit?
If I feel well, then I drive to the opera and train there. But I also do a lot of exercises at home.

What is different in this pregnancy compared to your first one?
I have a greater sense of security today, and I know exactly what I’m doing. During my first pregnancy about 10 years ago, I felt so young. I didn’t dare to go out on the street.

Why?
Because I felt I was considered too young to have a baby. People may have even thought I was only a child myself. I was already 25 years old, but I didn’t look like it. I wanted to scream out, ‚I’m 25 years old, not 12!‘
Anyway, it took a lot of mental strength for me to show my stomach, because I always felt I was too fat. I was just very insecure. And on top of that, I wasn’t sure if I would be able to manage it all; the birth, keep my career going and be there for my family. But I kept a lot of this to myself. I didn’t want to say anything or show how I was feeling. Now I want to show everything and I have no problem with people wanting to share this experience with me and be a part of my happiness. Today I have a very different attitude.

What do you mean exactly?
For example, I get a lot of heartfelt wishes on Instagram from people who know me from the stage or from my personal life.

When is the birth date?
In May.

Do you want your husband to be in the delivery room at birth?
Yes. He was also present at the birth of our first child, Marley.

Is it a boy or a girl?
It’s a boy. That suits me.

Why?
Because I have four brothers, so I grew up around boys. And I already have 3 men in my own family now.

Three men?
Yes, we also count our pug, Charly.

Are you getting along with so many men in the household?
Yes, I’m used to it. I think men are easier to understand. I think they are clearer with what they say and what they mean.

What will you name the child?
We will not reveal that yet.

How did you come up with the name Marley for your first son?
At first we thought it would be a girl so we searched a lot for a girls name. In 2007, the film ‚I Am Legend‘ by Francis Lawrence came out. That’s where we got the idea for the name Marley. It also fit for a boys name.

How do you plan to manage everything after you give birth? A new baby, a son in school, a husband…?
I can let go.

What do you mean by that?
When I am at work, that is the center of my attention . I put all of my thought and feeling into it. I give one hundred percent. At home it is the same. I give everything just for the family and I don’t bring thoughts about work home with me. At least for the most part.

So you think you can do it all?
Yes of course. I had to go through the same thing when Marley was born. We had a Nanny and Marian did a lot of housework for me. And of course he will do that with the second child as well. Plus, we have a big family to help us; Marian’s mother, aunts and great-aunts.

How about your parents. When will they see their grandson?
That will happen soon. We are in close contact with my parents, Marley’s grandparents.
In Kiev, they still have other grandchildren from my four brothers and are by no means lonely. But they will visit us soon.

Iana, you currently have more free time than before. How do you deal with it?
I think a lot. That’s the positive thing about my pregnancy. I can think a lot about how I want to continue after the birth. I want to go back to training and rehearsing as quickly as possible. I want to get back to the stage. And I’m planning a bigger ballet for Marlene Dietrich.

What is behind it?
It will be very unique and with original choreography. It will be shown in Kiev alongside friends. But this project still needs more time.

Iana, thank you for the interview.

INTERVIEW MIT DER PRIMA BALLERINA AM 04.03.2019

Link to the english version:
https://uwemuellererzaehlt.de/2019/03/14/interview/

Iana, Du strahlst und machst einen glücklichen Eindruck.
Fühlst du dich auch so?
Ja, ich bin glücklich und freue mich auf die Geburt des Kindes.

Was ist jetzt anders, wenn Du mal den Beginn deiner Schwangerschaft mit dem nunmehr letzten Drittel vergleichst?
Am Anfang habe ich stark unter der Übelkeit gelitten. Mir war ununterbrochen schlecht. Es reichte schon, wenn ich bestimmte Lebensmittel aus dem Kühlschrank roch. Ich hatte einfach keine Kraft und wollte mich nur übergeben und viel schlafen. Aber das ist jetzt Gott sei Dank vorbei. Natürlich, ich habe manchmal Schmerzen im Rücken, aber ich glaube, das ist normal.

Wie hältst du dich fit?
Wenn ich mich gut fühle, dann fahre ich in die Oper und trainiere dort. Aber ich mach‘ auch hier zuhause viele Übungen.

Wenn du mal die Zeit in der ersten Schwangerschaft mit der zweiten heute vergleichst, was ist anders?
Ich habe heute ein größeres Gefühl der Sicherheit, und ich weiß genau, wie es weitergeht. Vor rund zehn Jahren, da fühlte ich mich noch so jung, traute mich nicht auf die Straße zu gehen.

Warum?
Weil ich das Gefühl hatte, dass ich von den Menschen als zu jung angesehen wurde, vielleicht sogar als eine Minderjährige, die ein Kind bekommt. Dabei war ich schon 25 Jahre alt, sah wohl aber nicht so aus. Ich hätte das rausschreien können: ‚Ich bin 25 und nicht 12 Jahre alt‘.

Überhaupt: Es belastete mich psychisch, dass ich mich mit Bauch zeigen musste, weil ich stets das Gefühl hatte, ich sei zu dick. Ich war einfach noch sehr unsicher. Für mich war nicht klar, ob ich das alles schaffen würde, die Geburt, meine Karriere am Laufen halten, für meine Familie da sein.

Und ich war selbst noch sehr verschlossen. Ich wollte nichts zeigen und nichts sagen. Jetzt will ich alles zeigen, habe kein Problem damit, dass Menschen an meinem Glück teilhaben möchten. Heute habe ich eine ganz andere Aufmerksamkeit.

Was meinst Du genau?
Ich bekomme zum Beispiel über Instagram sehr viele herzliche Wünsche von Leuten, die mich von der Bühne oder auch außerhalb kennen.

Wann ist der Geburtstermin?
Im Mai.

Willst du, dass dein Mann bei der Geburt im Kreißsaal dabei ist?
Ja. Er war ja bei der Geburt von Marley ebenfalls dabei.

Was soll es denn werden, ein Junge oder ein Mädchen?
Es wird ein Junge. Das passt zu mir.

Warum?
Weil ich vier Brüder habe. Ich bin also unter Jungs aufgewachsen. Und wir sind bei uns im Haushalt ja ebenfalls bereits drei Männer.

Drei Männer?
Ja, wir rechnen unseren Mops Charly ebenfalls dazu.

Kommst du denn mit so vielen Männern im Haushalt klar?
Ja, ich bin es gewohnt. Ich denke, bei Männern weißt du besser, was sie sagen und was sie dann auch meinen. Die sind da klarer, finde ich.

Wie soll das Kind denn heißen?
Das verraten wir noch nicht.

Wie seid Ihr auf den Namen Marley bei Eurem ersten Sohn gekommen?
Wir dachten zunächst, es würde ein Mädchen. Und so haben wir nach einem Mädchennamen gesucht. In 2007 lief der Film von Francis Lawrence mit Emma Thompson und Will Smith. Das war die Inspiration für uns, wie gesagt zunächst für einen Mädchennamen und später dann kamen wir auf Marley.

Wie willst Du nach der Geburt organisieren, dass du alles unter einen Hut bekommst – Baby, ein Sohn in der Schule, ein Mann?
Ich kann loslassen.

Wie meinst Du das?
Wenn ich bei der Arbeit bin, dann steht das für mich im Zentrum meines Denkens, Handelns und Fühlens. Da gebe ich Hundert Prozent. Zuhause ist es genauso – da gebe ich auch alles, nur eben für die Familie. Und die Gedanken an die Arbeit lasse ich weg, weitestgehend wenigstens.

Du meinst also, Du wirst das alles schaffen?
Ja, natürlich. Bei Marley mussten wir auch schon den Tag straff durchplanen. Da gab es eine Tagesmutter, Marian hat mir vieles in der Hausarbeit abgenommen. Und das wird er natürlich beim zweiten Kind ebenso tun. Außerdem: Wir haben eine große Familie, die uns hilft – Marians Mutter, die Tanten und Großtanten.

Wie ist es mit deinen Eltern, wann werden sie ihren Enkel sehen?
Das wird zeitnah passieren. Wir sind im engen Kontakt mit meinen Eltern, Marleys Großeltern. Sie haben in Kiew selbst noch von den anderen vier Brüdern weitere Enkel und sind keinesfalls einsam. Aber wir sind hier im regelmäßigen Austausch und einen Besuch wird es genauso geben.

Iana, du hast aktuell mehr freie Zeit als früher. Wie gehst du damit um?
Ich denke sehr viel nach. Das ist das Positive an meiner Schwangerschaft. Ich kann darüber nachsinnen, wie es weitergeht. Ich will möglichst schnell wieder arbeiten, trainieren, proben, zurück auf die Bühne. Ich plane ein größeres Ballett zu Marlene Dietrich.

Was steckt dahinter?
Das ist eine eigene Idee, verbunden mit einer privaten Choreographie. Das Stück will ich in Kiew herausbringen, gemeinsam mit Freunden. Aber das hat noch ein wenig Zeit.

Iana, vielen Dank für das Gespräch

KLARA IST AUS DER REHA ZURÜCK

Endlich. Heute sind die drei Wochen der Reha-Klinik zu Ende. Die Eier im Kühlschrank sind alle, das Toastbrot auch und ich war nicht einkaufen. Die schwarzen Unterhosen haben gereicht und heute hat Klara erst einmal die Waschmaschine gefüttert. Wird jetzt alles wie früher? Ein wenig müssen wir uns wieder aneinander gewöhnen. Klara sitzt neben mir im Auto und erzählt von Garbo, dem Ungarn, vom Kniffel-Spiel, abends nach dem Essen, und davon, was sie alles beachten will.
„Du kannst mir ruhig sagen, wenn ich dich mal wieder nerve.“
Klara schweigt dazu. Also, wir müssen uns wieder aneinander gewöhnen. Es soll wieder so sein wie immer. Vielleicht nicht ganz. Gesünder leben, ein bisschen mehr auf einander Rücksicht nehmen, nicht nur die eigenen Dinge sehen und darüber sprechen. Ich habe mir viel vorgenommen. Mal sehen, was ich davon durchhalte. Ich bin guten Mutes und freue mich auf die neue Zeit mit Klara.

Es sind im Leben nie die großen Felsen, sondern die kleinen Steine, über die wir hinweglaufen müssen

JEEPI – ICH ERZÄHLE JETZT SELBST DIE GESCHICHTEN – FOLGE 5

Hallo Krümel, hier ist Jeepi. Ich wollte dir doch noch erzählen, wie die Geschichten meines Fahrers über den ganz normalen Alltag bei den Teilnehmern der Lesung angekommen sind.

Ich glaube, ganz gut. Einige der Frauen haben gelacht, andere wiederum geschmunzelt und manche haben einfach still zugehört. Du kannst immer nur von deinem eigenen Gefühl ausgehen.

Was andere Menschen tatsächlich darüber denken, das ist sehr schwer einzuschätzen und das will mein Fahrer auch gar nicht versuchen. Auf jeden Fall: Es hat ihm wohl einen riesen Spaß gemacht, die Atmosphäre war locker und er sah zufrieden aus, als er bei mir einstieg.

Mein Fahrer ist ein wenig früher gegangen, weil er ja nur der Gast war, der etwas vorlesen sollte. Aber als er die Tür erreichte, drehte sich eine Frau zu ihm um und sagte: „Komm‘ wieder.“ Das hat ihn gerührt, im Stillen natürlich.

Heute hat er sich überhaupt nicht bei mir draußen blicken lassen. Es hat fast den ganzen Tag geregnet, es hat Wasserkübel geschüttet. Und denkst du, der ist mal auf die Idee gekommen, mich ein Stück weiter unter das Carportdach zu fahren? Nein, warum auch? Er saß ja im Trockenen. Nur meine Schnauze war nass, weil ununterbrochen die Tropfen von oben auf die Motorhaube krachten.

Aber ich weiß, dass er heute viel gearbeitet hat und deshalb will ich ihm das mal durchgehen lassen. Er hat heute damit begonnen, für einen Sachbuchautor eine Rezension zu schreiben, und die will er diese Woche noch fertigbekommen.

Er ringt mit sich, auch einen Ratgeber zu schreiben. Themen hätte er genug, und das Schreiben würde ihm jetzt auch nicht so schwer fallen. Aber dann denkt er wieder, dass er an seinen kleinen Geschichten über den Alltag dranbleiben will.

Weißt du Krümel, was ihm eigentlich so daran gefällt? Du wirst es später vielleicht verstehen, dann, wenn mein Fahrer längst in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist und von oben herab schimpft, dass er keine Zeit hat, weil noch so viel zu tun ist.

Er sagt zu mir: „In meinem Leben waren es nie die großen Felsen, die mich aufgehalten haben und besondere Schwierigkeiten machten. Nein. Es waren die kleinen Steine, über die er meistens gestolpert ist, weil er sie nicht ernst genommen hat. Und es gibt noch einen Grund für meinen Fahrer.

Er hat ein Leben lang mit Wissenschaftlern, Managern diskutiert, mit Leuten, wo der eine immer noch einen gebenüber dem anderen draufzusetzen hatte. Dabei hat er manchmal das ganz normale Leben vergessen. Ihm macht es heute viel mehr Spaß, mit dir auf dem Spielplatz die Kinder zu beobachten, die Leute, die vorbeischlendern und sich zu fragen, was den Einzelnen wohl in dem Moment so bewegt.

Das ist für ihn jetzt das wirkliche Leben, und ich muss mir von ihm den ganzen Quatsch anhören, lieber Krümel. Aber es ist ja auch oft lustig. Bis bald mal, Krümel, dein bester Freund und der zweitbeste meines Fahrers, denn zuerst kommst ja du.

JEEPI – ICH ERZÄHLE DIE GESCHICHTEN JETZT SELBST – FOLGE 4

Hallo Krümel, ich stehe hier unter dem Carport und keiner denkt an mich.
„Mir ist langweilig“, hat deine Mama in solchen Fällen zu meinem Fahrer gesagt. Der lässt sich gar nicht blicken. Er arbeitet, angeblich. Dabei stöhnt er schon den ganzen Tag rum, weil er die Zimmer saubermachen will. Seine Frau, also deine Oma, ist ja zur Kur.

Und da hat er vorige Woche einfach mal das Saubermachen ausfallen lassen. Aber jetzt sieht er überall die kleinen Fussel. Die Tage zuvor hat er sie einfach aufgehoben und in die Hosentasche gesteckt. Doch nun ist es einfach zu viel für ihn.

Also hat er den Staubsauger herausgeholt und angefangen zu saugen. Danach ist er gleich vor Erschöpfung in den Sessel gesunken, und keiner war da, der ihn bemitleidet hat. Nun kommt der Knaller. Mein Fahrer hat freiwillig noch die Treppen gewischt. Das macht er sonst nie, sondern überlässt es deiner Oma.

Er hat ihr gleich ein Foto geschickt. Da war er mit dem Eimer und dem Wischlappen drauf zu sehen. „Schnau…. voll“, stand in der Bildunterschrift.

Das sagt man eigentlich nicht, lieber Krümel, deshalb schreibe ich das Wort auch gar nicht erst aus, was mein Fahrer hier gesagt hat. Später rief deine Oma an und mein Fahrer wollte ihr stolz berichten, was er alles getan hatte.

Und was war die Reaktion?
„Du hast doch nicht etwa die Treppen feucht abgewischt?“, fragte sie ihn. Mein Fahrer war sauer.
„Wie denn sonst?“
„Naja, ich wische sie immer trocken ab“, sagte sie.
„Das ist jetzt egal, ich habe sie jedenfalls feucht abgewischt.“

Mein Fahrer war enttäuscht. Er dachte nämlich, er bekäme ein dickes Lob von deiner Oma. Dabei hatte er ihr noch gar nicht erzählt, wie lange er gebraucht hatte, um zu verstehen, wie der Wischlappen aufgezogen wird.

In den Wischeimer hatte er einfach Spülmittel und Fettlöser aus der Küche genommen. Er hatte die richtigen Reinigungsmittel nicht gefunden. Die standen so in der Ecke, dass man hätte alles ausräumen müssen. Mein Fahrer hat es versucht. Aber da flogen ihm gleich die ersten Sachen entgegen.

„Wir gehen heute ein Eis essen“, sagte deine Oma zu ihm am Telefon.
„Eis essen, während der Kur?“, fragte mein Fahrer.
„Ja, denn heute ist ja Frauentag.“
„Ach du Sch….“, stöhnte mein Fahrer auf. Jetzt muss ich schon wieder Punkte machen, Krümel. Dein Opa hat sich nicht im Griff. Er ärgerte sich einfach, dass er den Feiertag vergessen hatte.

Wie konnte er das wieder gutmachen? Er wusste das nicht.
„Bist du für Morgen gut vorbereitet, für deine Lesung zum Frauentag?“, fragte deine Oma nun versöhnlich.
„Ja, wie gut, dass wissen wir erst nach der Lesung.“
„Ich drück‘ die Daumen“, sagte Oma.

Mein Fahrer bedankte sich. Er würde am Sonntag einen Blumenstrauß mit in die Reha-Klinik nehmen. Ach Krümel, ich freue mich auf Morgen, denn da fahren wir endlich wieder ein Stück. Nach Altlandsberg. Da gibt es einen Verein, der heißt „Helfen hilft“. Mein Fahrer findet den klasse.

Dort arbeiten Menschen, die nicht viel fragen, sondern anderen Menschen helfen, mit Lebensmitteln, Sachen zum Anziehen und noch vielen anderen Dingen.

Deshalb gibt sich mein Fahrer sicher Mühe, denn er will ebenfalls für diesen Verein etwas tun, mit seiner Kraft und seinen Möglichkeiten eben. Morgen, da ist dort eine kleine Feier, zum Frauentag, und mein Fahrer liest ein paar kleinere Geschichten vor.

Ich warte natürlich draußen. Ich bin zwar nur ein kleiner Jeep, aber die Treppen komme ich ja trotzdem nicht hoch. Aber ich krieg schon raus, wie es war. So lieber Krümel, davon erzähle ich dir das nächste Mal.
Dein Freund Jeepi.

Jeepi – ich erzähle die Geschichten jetzt selbst – Folge 3

Hallo Krümel, hier ist Jeepi. Jetzt ist die Woche schon fast wieder rum und ich hoffe, dir geht es gut im Kindergarten und Zuhause, bei Mama.

Naja, einmal hat mein Fahrer dich ja gesehen, über Skype. Da hast du den Computer umarmt, weil du dachtest, dahinter ist dein Opa, mein Fahrer, versteckt. Das hat meinen Fahrer sehr amüsiert und er hat danach richtig viel Schwung bei der Arbeit gehabt.

Aber ich wollte dir doch noch zu Ende erzählen, wie es in der letzten Woche weiterging, nachdem wir zurück in den Prenzlauer Berg mussten. Erinnerst du dich? Mein Fahrer wollte dort die Tastatur austauschen, weil sie ja nicht funktionstüchtig war. Mein Fahrer ließ mich in der Tiefgarage zurück und eilte in das Einkaufscenter.

„Ich möchte diese Tastatur umtauschen. Die funktioniert nicht“, sagte mein Fahrer zu dem Verkäufer.
„Sie haben mich doch auch vor zwei Stunden beraten, richtig?“, hakte er noch nach.
„Hm“, brummte er und verzog sein Gesicht, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen.

„Was haben Sie denn mit der Tastatur angestellt, die ist doch ganz einfach zu bedienen?“, fragte der Verkäufer meinen Fahrer.
Der pumpte sich gerade hoch. Also sendete ich aus der Tiefgarage meine Signale: „Bleib ruhig, denk an deinen Blutdruck, es geht hier nur um eine Tastatur und nicht um Menschenleben.“

Aber der hörte das zwar, ignorierte das jedoch komplett.
„Ich bin jetzt richtig neugierig, was sie mit der Tastatur anstellen, um mir zu zeigen, was für ein Fachmann Sie sind“, sagte mein Fahrer.
„Ach, das haben wir gleich. Geben Sie mal her.“

Mein Fahrer reichte das Paket mit der Tastatur rüber und wartete gespannt, wie es nun weiterging.
„Bedienungsanleitung?“, fragte der Verkäufer.
„Drinnen“, antwortete mein Fahrer ebenso knapp.
„Brauchen Sie aber gar nicht zu schauen.“
„Warum nicht?“
„Weil kein Deutsch draufsteht.“
„Gibt es auch in Deutsch“, sagte der Verkäufer.
„Gibt es nicht.“
„Doch.“
„Nein.“
„Wollen wir wetten, dass kein Deutsch draufsteht?“, fragte mein Fahrer.

„Wenn die Anleitung auch in Deutsch ist, dann nehme ich die Tastatur ungesehen wieder mit, egal, ob sie geht oder eben auch nicht.“
„Gut“, sagte der Verkäufer. Er machte den Karton auf, holte die Anleitung raus und zeigte mit dem Finger auf die rechte Seite des Blattes.
Dort standen tatsächlich ein paar deutsche Sätze.
„Das gibt’s doch nicht.“ Mein Fahrer war verblüfft. Der Verkäufer schmunzelte.

„Sie müssen hier auf die Taste ‚Fn‘ gehen und oben auf die Taste eins. Dann halten Sie das Ganze drei Sekunden gedrückt und schon gibt es eine Verbindung.“

„Können Sie mir das vorführen?“
„Kann ich.“
In wenigen Handgriffen brachte der Verkäufer die Tastatur zum Laufen und schrieb munter darauf herum. Mein Fahrer muss so blöd geschaut haben, dass der Verkäufer anfing zu lachen.
Dann lachten sie beide.

„Soll ich die Tastatur in den Karton zurückschieben, das geht immer so verdammt schwer“, fragte der Verkäufer meinen Fahrer.
„Nein, lassen Sie mal. Die nehme ich jetzt gleich so mit.“

Mein Fahrer bedankte sich noch einmal und verließ leichten Schrittes den Media- Markt. Für ihn war klar, selbst wenn die Tastatur Zuhause nicht funktionierte, noch einmal zurück würde er nicht fahren. Die Strassen waren jetzt verstopft. In Berlin hatte der Feierabendverkehr eingesetzt. Nach zwei Stunden ‚Stop and go‘ hatten wir es geschafft.

Ich stand im Carport, als ich von oben den Jubelschrei hörte. Die Tastatur funktionierte.
Bis zum nächsten Abenteuer mit deinem Fahrer und mir, lieber Krümel, sage ich Tschüss,
Dein Jeepi.

Warum schreiben, wenn es doch so viel Überwindung kostet?

Schreiben ist eine Quälerei. Wer das nicht glaubt, sollte sofort ein weißes Blatt zur Hand nehmen, ein Thema wählen und losschreiben.

Auf diese Weise merkst du am besten, dass du schnell an deine Grenzen stößt. Weil du kein Talent hast? Nein. Ich glaube, das hat erst einmal damit nichts zu tun. Der Hauptgrund ist, dass du auf einmal merkst, dass du es nicht so schreiben kannst, wie du es gerade gesagt hast.

Und bis du es so aufschreibst, dass ein anderer glaubt, es sei einfach nur in einer Minute der Muße aufs Papier geworfen worden, ja bis dahin ist es oft ein weiter Weg, unsichtbar für den, der es noch nicht probiert hat.

Ich lese gern die Bücher von Dora Heldt. Sie hat einen klaren Stil, kommt aus dem Norden, schreibt einfach sehr humorvoll.

Und wenn du jetzt denkst, dass dies nicht so schwer sein könne, dann mach mal folgendes: Nimm dir ein Buch deines Lieblingsautoren vor, schreibe einen Absatz ab und formuliere ihn um, erzähle ihn mit deinen Worten nach. Danach weißt du, wovon ich spreche.

Ich empfehle jedem, es mit dem Schreiben zu versuchen. Du musst es ja nicht veröffentlichen. Ich trainiere zum Beispiel jeden Tag für zehn Minuten das sogenannte automatische Schreiben. Diese Methode stammt aus dem vergangenen Jahrhundert und wurde zum Beispiel bei depressiven Patienten angewandt.

Das geht so: Du nimmst ein Notizbuch oder ein Blatt Papier, dann einen guten Kugelschreiber. Keine Tastatur! Ich nehme meinen Füllhalter, tauche ihn ein Glas Tinte und fange an zu schreiben. Einfach schreiben, nicht darüber nachdenken, über was du schreiben willst. Fällt mir nichts ein, dann schreibe ich auf, was ich ringsherum sehe. Nach 10 Minuten höre ich damit auf. Das ist, als würdest du deinen Gehirnmotor anschmeißen. Das Schreiben hilft dir bis ins hohe Alter hinein geistig fit zu bleiben.

Wäre ich doch im körperlichen Fitnesstraining so konsequent wie bei diesem Thema. Ich hätte längst mein Übergewicht deutlich reduziert. Aber das kommt auch noch dran, besser, ich bin schon dabei.

Zurück zum Wert des Schreibens.

Sich die Fähigkeit zu erhalten, die Gedanken auf das Wesentliche zu reduzieren, sie logisch in eine nachvollziehbare Reihenfolge zu bringen, das ist ein Geschenk.

Willst du es erhalten, musst du vorher zahlen, mit deinem Fleiß, deinem Schweiß, den die Götter nun mal vor den Erfolg gesetzt haben.

Ich hadere mit vielen Dingen, die nach der Wende passiert sind. Aber für eine Sache bin ich dankbar. Ich habe schon in den neunziger Jahren begonnen, eine individuelle Freiheit ausleben, nämlich immer mal wieder kleinere Geschichten zu schreiben.

Natürlich habe ich vorher schon geschrieben. Aber das waren wissenschaftliche Themen, bei denen ein ganz anderer Schreibstil gefragt war. Später habe ich sogar angefangen, im Flugzeug zu schreiben, wenn ich wieder mal zu einem Meeting oder einer Projektmanagementtagung unterwegs war.

Schreiben ist Freiheit pur, weil deine Gedanken nicht begrenzt werden. Allein du bestimmst, was du begrenzt und was nicht.

Das klingt ein bisschen abgehoben, das gebe ich gern zu. Aber mir fällt keine bessere Formulierung ein. Die Wahrheit ist: Ich bin gerade zu bequem, über einen neuen Satz nachzudenken, einfacher und klarer geschrieben. Das muss auch mal so gehen.

Glück kann vielfältig definiert werden. Manch einer zählt die Auslandsreisen auf, die er erlebt hat. Das ist legitim und ganz gewiss ein großer Reichtum. Ich erlebe Glück, wenn ich die ‚Schmerzen‘ im Schreibprozess überwinde und so das Gefühl in mir auftaucht, dass der Tag nicht so ganz sinnentleert war.

Oh Gott, ich muss tatsächlich wieder an die Tastatur. In diesem Sinne, Euer Alltag und sein bester Freund.

 

Der Fernseher lockt und die Gedanken schweifen ab

Ich sitze über dem Interview, das ich gestern mit Iana geführt habe. Es fließt heute nicht so richtig aus der Feder.
Ich habe zu spät damit angefangen und jetzt ist es bereits kurz vor 19.30 Uhr. Der Fernseher entwickelt eine immer größere Anziehungskraft.

„Lass das doch jetzt sein und mach‘ morgen früh weiter“, schmeichelt eine Stimme in mein Ohr.
„Du Lusche wolltest längst mit dem Text fertig sein“, raunt mir eine andere zu.

Ich schiebe die Tastatur weg und denke daran, wie ich eigentlich Iana Salenko und Marian Walter kennengelernt habe.
Das ist jetzt schon über zehn Jahre her.

Damals war Iana hochschwanger mit ihrem ersten Kind. Ich schnaufte die Treppe zu ihrer Wohnung hoch. Das war noch in Moabit. Sie wohnten natürlich ganz oben, nicht etwa vielleicht im ersten Stock.

Nein, bis nach oben musste ich. Es war heiß an dem Abend, obwohl es bereits September war. Ich hatte nichts getrunken und das sollte mir an dem Tag noch zum Verhängnis werden. Als ich kurz vor der Wohnungstür war, sprangen mir zwei Möpse entgegen. Ich erschrak mich dermaßen, dass ich sie mit der Tasche abzuwehren versuchte.
Oben stand Marian in der Tür und grinste.

„Das sind aber niedliche Hunde“, beeilte ich mich zu sagen.
Iana saß auf einer kleinen Couch und hatte ein Bein ganz gerade von sich gestreckt, so dass mir meine Füße schon vom Hinsehen wehtaten. Das Gespräch war angenehm und wir verstanden uns von Anfang sehr gut.

Als ich nach einer Stunde die Wohnung verließ, eilte ich zum Auto. Ich wollte nach Hause. Ich drehte den Zündschlüssel um, wurde ohnmächtig und wachte im Krankenhaus wieder auf.

„Wie geht’s uns denn?“, fragte mich der Arzt. Ich hab‘ uns anstelle einer Antwort mal vor die Füße gekotzt. Da war es sofort vorbei mit dem „Wir-Gefühl“ zwischen uns.

Wenige Tage später wurde Marley geboren.

Ich schrecke aus meinen Gedanken hoch. Jetzt habe ich wieder Lust, weiterzuschreiben. Aber man muss auch mal aufhören können.

Ich mach den Computer schnell aus. Schließlich kommt jetzt im Fernsehen meine Lieblingsserie, die „Rosenheim-Cops“, mit Frau Stockel, die stets das gleiche sagt:

„Wir haben ä Leich‘, wir kommen, fassen Sie bloß nichts an.“

Ne, ich fass auf keinen Fall was an, ich hiev‘ mich jetzt in den Fernsehsessel. Aber morgen früh, ja, da geht es weiter, mit voller Kraft. Gut, erst einmal mit halber und dann sehen wir weiter.

Klara kommt von der Reha, auf Urlaub

Freitagmorgen. Klara kommt am Samstag nach Hause. Ich hole sie von der Reha ab und bringe sie am Sonntagabend wieder zurück. Und ich habe vergessen, die Blumen zu gießen. Ehrlich gesagt, ich habe total vergessen, dass überhaupt Pflanzen in der Wohnung sind.

Für mich waren andere Dinge wichtig – Fernseher, Kaffeetasse, Schreibtisch, Computer, genügend saubere Unterhosen.

Aber Blumen?
Dabei hatte ich mir doch akribische Notizen gemacht an dem Tag, als Klara mich einwies. Den Rosenaibisch, zum Beispiel im Wohnzimmer, den sollte ich einmal in der Woche gießen. Der ließ die Blätter hängen und hatte sich wohl in sein Schicksal ergeben.

Oder der Flamingo auf der Kommode hinter dem runden Tisch. Ich machte mich sofort an die Arbeit. Zuerst der Rosenaibisch.
Ich hatte gelesen, dass Pflanzen auch Gefühle hätten, dass man mit ihnen sprechen sollte. Immer mehr Biologen kommen jetzt um die Ecke, um uns für ihre Sachbücher gefügig zu machen, ich meine natürlich zu sensibilisieren.

Erst kürzlich stand in der Zeitung ein Artikel zu diesem Thema. Und darüber war ein Bild zu sehen, wo nackte Menschen auf einem Baum saßen, zusammengekrümmt, ineinander verschlungen. War das nun ein Werbefoto eines Nacktclubs oder sollten wir jetzt auf Bäume kriechen, um gesund zu bleiben, nackt?

Ich werde mal Klara fragen, was sie davon hält. Die wird sich ihren Teil wieder denken und gar nicht antworten.

Auf jeden Fall habe ich mal den Rosenaibisch angesprochen, weil der die Blätter am auffälligsten nach unten baumeln ließ: „Du, entschuldige, dass ich dich erst jetzt bemerkt habe. Aber wenn ich hier hereingekommen bin, dann musste ich sehr zügig die Fernbedienungen aktivieren, damit ich nicht meine Lieblingsserie verpasste.

Doch nun bist du dran. Sauf‘ ordentlich und erzähl‘ der Klara nichts. Sie hat dann noch mehr Oberwasser. Außerdem habe ich auch nicht die schwarze Wäsche in der Waschmaschine gewaschen. Ich habe die Tragezeit der Unterhosen einfach verlängert. Also nichts für ungut, das nächste Mal gebe ich dich in meinen Erinnerungstool vom iPad ein. Bis bald mal, lieber Rosenaibisch.“

Ich keuchte in die Küche, um neues Wasser in die kleine Kanne einzufüllen. Es wurde Zeit, dass Klaras Kur zu Ende geht und sie endgültig nach Hause zurückkommt.

Jeepi – ich erzähle die Geschichten jetzt selbst – Folge 2

Mein Fahrer packte die Tastatur aus, besser, er musste sich beherrschen, um die Packung drum herum nicht einfach aufzureißen.

Es kamen die Tastatur zum Vorschein, die Maus und die Batterien. Daneben lag ein Zettel, eng beschrieben – in Russisch, Englisch, Spanisch. Nur Deutsch, das war nirgendwo zu sehen.

Also probierte er es so aus, die Tastatur anzuschließen. Schließlich hatte er es ja oft genug auf diesem Weg hinbekommen. Zuerst versuchte er es mit dem Computer.

Das war am einfachsten, nämlich auf ‚Einstellungen‘ gehen, ‚Gerät hinzufügen‘ anklicken und warten.
„Versuchen Sie es noch einmal, stand in gelben Buchstaben plötzlich im Display ‚Einstellungen‘. Noch einmal probieren? Mein Fahrer probierte es fünfmal, nein, zehnmal. Dann kribbelte es in seinen Händen, einfach mal so auf die Tastatur zu hauen.

Ich nahm meine ganze Energie als Jeepi zusammen und sandte aus dem Carport Signale zu ihm nach oben, ins Arbeitszimmer, wo ein Krieg auszubrechen drohte.
„Tu‘ es nicht, überlege, woran es liegen kann. Sie klug und beherrscht.“
„Ich will nicht klug und sensibel sein, ich will mich nicht beherrschen. Nein, ich will auf die Tastatur hauen, einfach so.“

Es hatte keinen Sinnen, mit meinem Fahrer zu reden.
Schließlich kriegte er sich wieder ein. Vielleicht lag es ja an den Batterien. Er fummelte den Deckel hinten vom Fach ab, in den die Batterien hineingeschoben werden. Normalerweis kann man sie ganz einfach herausnehmen.

Aber nicht bei meinem Fahrer. Der kramte seinen Brieföffner heraus und fummelte, kratzte an den Batterien herum, bis sie herauskamen. Sie flogen raus, polterten auf den Schreibtisch, kullerten herunter. Wohin?

Natürlich in die Ecke, in die sich mein Fahrer bücken musste. Also schob er sich erst einmal im Sessel nach vorn und versuchte mit den Füssen an die Batterien zu gelangen. Schaffte er das, was meinst du Krümel?

Ja, er schaffte es. Aber dann, als er sie hatte und mit dem Fuß vorsichtig zu sich ziehen wollte, da sprangen sie wieder davon, kullerten noch weiter weg.

Fluchend erhob sich mein Fahrer nun aus dem Sessel, bückte sich und tastete sich unter dem Schreibtisch zu den Batterien heran.
Links sah er seit langem mal wieder die Fächer von dem beigestellten Regal. Es war schwarz, nur die Bretter nicht. Sie waren grau, beschichtet mit dickem Staub.

‚Soll ich noch mal unten hervorkriechen und dann einen feuchten Lappen holen? Nein, der Staub ist gut, der dämpft den Lärm‘, dachte er sich.

Welchen Lärm, frage ich dich Krümel? Wenn er seine Texte laut vorliest oder telefoniert und dem anderen in die Hörermuschel brüllt, dass der auch noch etwas hört, wenn das Telefon nicht an seinem Ohr ist?

Mein Fahrer ächzte wieder unter dem Schreibtisch hervor, wischte sich die Hände an den Hosen ab, sodass der Staub schön verteilt wurde.  Was er nicht bedachte, lieber Krümel, dass er die Sachen selbst waschen musste, weil Klara ja zur Reha war.

Aber das scherte ihn im Moment gar nicht. Nun ging er im Flur zu der Kiste, in der immer die neuen Batterien aufbewahrt wurden.
Er kramte in den Sachen, suchte zwischen den Pappschachteln mit Glühlampen, Staubtüchern und unnützen Dingen, die keiner wegwarf.

Von den Batterien keine Spur.
„Wo hat Klara verdammt noch mal die Batterien hingelegt?“, schimpfte mein Fahrer vor sich hin.

Sie lagen im Wohnzimmer, auf der Kommode.
„Was haben die hier zu suchen?“, fragte er in den leeren Raum. Keiner antwortete ihm. Es war ja auch keiner da. Ich hörte ihn zwar, aber ich stand ja offiziell im Carport, bin sein Auto, kann nicht sprechen, nicht hören, und ich kann nicht der Seelentröster sein, im richtigen Leben jedenfalls nicht.

Mein Fahrer stapfte die Treppe hoch und legte die neuen Batterien ins Fach. Dann probierte er es wieder. Keine Chance.

„Versuchen Sie es erneut“, leuchtete in den Einstellungen des Computers auf. Mein Fahrer hatte die Nase voll. Er holte sich den Pappkarton heran und versuchte, die Tastatur dorthinein zu bugsieren.

Es war ein Grauen. Mal klemmte es an der einen Seite, dann wieder wusste er nicht, wie er das Ganze richtig falten sollte. Schließlich hatte er es geschafft. Die Tastatur war verpackt. Der Karton leicht eingedrückt, aber sonst ganz passabel anzusehen.

Zufrieden räumte mein Fahrer den Schreibtisch auf. Dann ein gellender Schrei. Was war geschehen? Die Batterien lagen noch draußen, die Anleitung hatte er auch vergessen.

Mein Fahrer riss den Karton auf und zerrte die Tastatur erneut heraus. Krümel, ich hatte den Eindruck, die hatte die ‚Ohren eingezogen‘, damit sie nichts mitbekam von dem Gefluche meines Fahres.

Ich musste als Jeepi, seinem nunmehr besten Freund, eingreifen. Ich sendete Signale vom Carport aus nach oben ins Schlafzimmer.
„Wir bleiben entspannt, und wir atmen tief. Wir sind dankbar für jeden Moment, den wir am Tag erleben.“

Ich hatte den Eindruck, auf meinen Fahrer hatte das eine gegenteilige Wirkung. Er stopfte die Tastatur zurück, nachdem er vorher die anderen Utensilien in die dafür vorgesehenen Fächer gezwängt hatte.

Mein Fahrer versuchte es nicht mehr mit Feinfühligkeit, nein, er presste, schubste die Tastatur, bis sie an ihrem Platz war. Es half nichts, wir mussten zurück in den Prenzlauer Berg.

Wir fuhren los. Mein Fahrer drückte auf das Gaspedal, fuhr rabiater, schneller. Es fühlte sich an, als würde ich nicht zum Fahren animiert, sondern mehr geschubst – ‚nun mach‘ schon hin‘, verdammt.“

Im Einkaufscenter ging das Drama weiter. Aber das, lieber Krümel, das erzähle ich dir in der nächsten Woche. Bis dahin wünsche ich dir ein schönes Wochenende.
Dein ‚Jeep‘, der beste Freund deines Opas und damit auch dein bester Freund.