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Gespräche mit Menschen in der Pflege

Simone Kaiser im Interview

Simone Kaiser ist eine der drei Inhaberinnen des Spezialisierten Ambulanten Palliativpflegedienstes in Wedel.

Frau Kaiser, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Ich habe als Krippenerzieherin begonnen und bin anschließend in die Kinderkrankenpflege gewechselt. Das war 1988 in Rostock. Dann kam die Wende. Zunächst habe ich als Arzthelferin in Rostock in der Zeit von 1990 bis 1993 gearbeitet.
Anschließend bin ich nach Elmshorn bei Hamburg gegangen und habe dort in der Nachtwache in einem Pflegeheim als Pflegehelferin gearbeitet – eine Woche Dienst, eine Woche frei, so war der Schichtplan. 1996 bin ich dann wieder zurück – nach Rostock. Ich wollte nie wieder in einem Pflegeheim arbeiten.

Warum nicht?
Ich hatte den Eindruck, dass die Bewohner im Heim nicht betreut, sondern nur „verwahrt“ wurden. Es ging um das Essen, die täglichen Routinearbeiten in der Betreuung, aber nicht um eine individuelle, eine fürsorgliche und zutiefst menschliche Zuwendung für die Pflegebedürftigen. Das hat mich enorm gestört.
Also ging ich 1997 in den ambulanten Bereich der Pflege – beim Deutschen Roten Kreuz in Rostock. 2001 bin ich nach Elmshorn gezogen und habe wiederum beim Roten Kreuz im Kreis Pinneberg gearbeitet.
Im gleichen Jahr erhielt ich übrigens auch meine staatliche Anerkennung als Pflegehelferin. Und: Ich konnte meine Ausbildung zur examinierten Krankenschwester beginnen. Das ist heute gar nicht mehr vorstellbar, dass es in der Zeit einiger Anläufe bedurfte, um einen solchen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Was meinen Sie, woran lag das?
Ich denke, dass medizinisches und pflegerisches Personal längst nicht so nachgefragt wurde, wie heute. Zum Beispiel bekam ich 2004 bei meiner Suche nach einer Stelle vom Job-Center die Antwort: „Sie können sich auch im Ausland bewerben.“

Und, haben Sie das getan?
Nein. Ich bewarb mich wieder beim Deutschen Roten Kreuz und bekam in Wedel eine Stelle als stellvertretende Pflegedienstleiterin. Auf jeden Fall habe ich dort einige Jahre gearbeitet und mich auch zur Pflegedienstleiterin qualifiziert. Das war im Jahr 2013.

Was war denn sozusagen die Initialzündung dafür, als selbstständige Unternehmerin in die Pflege zu gehen?
Naja, ich wäre gern zur Pflegedienstleiterin aufgestiegen im ambulanten Bereich. Im DRK, dort wo ich arbeitete,  gab es aber keine Aufstiegsmöglichkeiten. Aber das war gar nicht mal der Hauptgrund.

Und welcher war das?
Mir gefiel nicht, dass ich den Pflegebedürftigen wieder nicht die Zeit widmen konnte, die mir vorschwebte, und die auch von den zu Pflegenden gefordert wurde. Es kam noch ein wichtiges Motiv dazu: Ich hatte meine ersten Qualifizierungen in der Palliativpflege hinter mich gebracht.
Und ich lernte meine späteren beiden Partnerinnen kennen – Carmen Luplow und Bärbel Nickels. Wir waren auf unterschiedliche Weise zu den gleichen Erkenntnissen gekommen: Wir wollten etwas aufbauen, bei dem die Patienten die wirklichen Gewinner sind.

Was meinen Sie damit?
Einfach den Patienten in den Mittelpunkt stellen, nicht dem Wort nach, sondern in der Tat, in der praktischen alltäglichen Pflege und Betreuung.

Was haben Sie mit diesen Überlegungen angestellt?
Wir haben am 02. April 2015 unseren eigenen Pflegedienst gegründet – im Bereich der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung.

Dann hatten Sie ja gerade Ihr einjähriges Jubiläum, oder?
Ja genau, und das haben wir auch kräftig gefeiert. Wir haben uns gut entwickelt. Inzwischen ist noch eine Mitarbeiterin bei uns – Ludmila Keil. Und Melanie Parakeings, unsere Auszubildende, hat ihre Probezeit erfolgreich überstanden.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, in die Selbstständigkeit hineinzuwachsen?
Schwer gefallen ist mir am Anfang der gesamte Behördenkram. Und: die kaufmännischen, steuerlichen Aufgaben sowie die gesamte umfängliche Dokumentation, die zu leisten war.
Aber wir haben uns ja die Aufgabenfelder geteilt: Carmen Luplow kümmert sich schwerpunktmäßig um die Praxisanleitung, Bärbel Nickels um das Qualitätsmanagement. Das passt – wie man so schön sagt.
Wir sind ja auch in einem fast gleichen Alter – um die 50 Jahre. Haben also alle unsere Erfahrungen, die wir einbringen. Und das Risiko ist auch gut bei drei Geschäftspartnerinnen verteilt.

Was macht die Stärke Ihres Teams aus?
Zunächst: Die Kommunikation zwischen uns ist sehr gut. Das trifft auf das gesamte Team zu. Natürlich: Es gibt auch widerstreitende Argumente, die durch den „Raum fliegen“, wenn wir über bestimmte Themen diskutieren oder die Herangehensweise in der Betreuung eines konkreten Patienten besprechen. Doch das ist normal und gehört dazu. Sonst gibt es keine Entwicklung. Wir gehen wertschätzend miteinander um. Wenn wir schon untereinander nicht den Respekt zeigen, ja wie soll das dann erst im Umgang mit den Patienten sein?
Ich denke, es ist wichtig, den guten Kompromiss zu suchen, den Interessenausgleich zu finden, eine Lösung, in der sich die Ansichten aller wiederfinden. Oder die Situation verlangt eine bestimmte eindeutige Lösung und wir können uns nicht nur darauf einigen, sondern auch den Weg gemeinsam bestimmen, der zu gehen ist.
Das ist meines Erachtens nach die größte Stärke in einem Team.

Was macht denn die spezialisierte ambulante Palliativpflege besonders?
Die Dankbarkeit der Patienten im Moment der Versorgung. Sie haben ja während des Interviews faktisch mitgehört, wie Angehörige sich mit einer Anzeige bei uns bedanken wollen.

Ja, habe ich. Mehr muss man eigentlich gar nicht wissen.
Wie gehen Sie mit Stress um?
Ich arbeite gern, sehr gern. Aber manchmal brauche ich eine Auszeit. Da fahre ich nach Mecklenburg, freue mich am Wasser darüber, wie schön das Leben sein kann.

Kann es sein, dass Sie aufgrund Ihrer Arbeit mit Palliativpatienten das besonders zu schätzen wissen?
Auf jeden Fall. Es ist doch so, dass selbst der nahende oder feststehende Tod in der nächsten Zeit nicht heißt, dass die verbleibenden Monate, Wochen, Tage oder Stunden keine Lebenszeit sind.
Im Gegenteil: Der Wert des Lebens bekommt in diesen Momenten ganz besonders scharfe Konturen. Ich habe zum Beispiel gelernt, nicht immer zurückzuschauen, sondern mich auf den Augenblick zu konzentrieren, ihn wahrzunehmen und zu genießen.
Wir haben ja nicht nur schwerstkranke Patienten, deren Lebensende abzusehen ist. Es gibt auch Menschen, die wir in einer schwierigen Situation gepflegt und die wir dann später zufällig auf der Straße wiedergetroffen haben. Das ist ein ganz besonders beglückendes Gefühl für uns.

Sind Sie ein glücklicher Mensch?
Ja, das bin ich. Ich habe den Job, den ich liebe. Und ich habe eine glückliche Familie.
Frau Kaiser, vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt:
Simone Kaiser
Goethestr. 66a
22880 Wedel
Telefon: 04103 1877090
Telefax: 04103 1877085
E-Mail: ppd@kaiserpflege.de
www.kaiserpflege.de

 

Interview mit Ljubov Amirov

Ljubov Amirov ist die Pflegedienstleitung der Tagespflege „Birkenhof“ in Dannau.

Frau Amirov können Sie mal einige wichtige berufliche Stationen in Ihrem Leben nennen?
Ich bin am 05. Januar 1995 mit meiner Mutter und meiner Schwester nach Deutschland gekommen.

Wo kommen Sie her?
Aus Dushanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan.

Wie ging es für Sie weiter?
1996 bis 1999 habe ich eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin absolviert – an einer Altenpflegeschule der Arbeiterwohlfahrt in Preetz in Schleswig-Holstein.
Danach war ich neun Jahre in den verschiedensten Einrichtungen tätig, zum Beispiel im Betreuungs-und Pflegeheim „Annenhof“ in Oldenburg, Holstein.

Was haben Sie dort hauptsächlich gemacht?
Ich war als leitende Nachtkraft eingesetzt.

Und, haben Sie sich noch weiterqualifiziert?
Ja, von 2007 bis 2009 habe ich ein Fernstudium absolviert, in Berlin-Kreuzberg.

Mit welchem Ziel?
Ich wollte den Abschluß zur Pflegedienstleitung erwerben.

War das nicht anstrengend?
Ja, schon.
Es ging auch nur, weil ich als Nachtkraft tätig war und mich so tagsüber qualifizieren konnte.

Frau Amirov, haben Sie Familie?
Natürlich. Mein Sohn Max hat gerade sein Abitur gemacht und sich bei der Polizei für eine Ausbildung beworben. Und Anvar, mein Mann, arbeitet als Physiotherapeut in einem Krankenhaus.

Wo waren Sie nach Ihrer Qualifizierung zur Pflegedienstleitung?
2009 bis 2010 war ich in einem ambulanten Pflegedienst als Qualitätsmanagerin angestellt.

Und wie sind Sie auf Frau Bürger getroffen?
Sie hat mich gefragt, ob ich offen sei für neue Herausforderungen.

Waren Sie?
Im Prinzip ja. Aber ich habe mir zunächst noch eine kleine Hintertür offen gelassen, wollte sehen, wie sich das Ganze entwickelt.

Haben Sie es je bereut?
Nein, nie. Frau Bürger hatte von Anbeginn so eine herzliche Art.
Es machte mir von Anfang viel Spaß, dort zu arbeiten.
Es ging sehr sozial zu, wir haben alles zusammen angepackt.

Das war doch anfangs nicht leicht, oder?
Nein. Gut war, dass wir auf Augenhöhe miteinander kommunizieren konnten.  Doch vor einigen Jahren war es noch nicht so leicht, wie heute.

Wie meinen Sie das?
Naja, die Vorgaben fehlten – zum Beispiel wie die Pflegedokumentation für eine Tagespflege auszusehen hatte.
Das mussten wir uns mühsam erarbeiten.
Ich habe sogar ein Buch bei einem Lehrer aus der Schule in Kreuzberg bestellt,  damit wir eine konzeptionelle Linie in die Arbeit bekamen. Trotzdem, wir waren unsicher, ob wir alles richtig machen.

Also eine sehr schwierige Zeit?
Ja schon, wir mussten Angehörige und künftige Tagesgäste gewinnen, mit Ärzten reden,  Pflegediensten und anderen an der Pflege und Betreuung beteiligten Menschen und Institutionen.
Es war gut, dass mich Frau Bürger zu vielen dieser Gespräche mitnahm. So wuchs ich ja auch nach und nach da mithinein.

Frau Amirov, können Sie mal so einen typischen Tagesablauf schildern?
Also, früh werden zwei Touren gefahren. 08.00 Uhr bis 09.30 Uhr gibt es ein ausführliches Frühstück. Anschließend wird aus der Zeitung vorgelesen, zum Beispiel das Horoskop oder die Bauernregeln – alles, was die Menschen aus dieser Region interessiert. Kurz vor 10.00 Uhr machen wir zum Beispiel gymnastische Übungen im Sitzen oder es wird gekegelt.
Immer je nachdem, wie sich die Gäste fühlen.
Es gibt Aktivitäten, die mit unseren Beschäftigungstherapeuten durchgeführt werden – unter anderen Quiz, Gedächtnistraining.

Kochen Sie mittags?
Ja, jeden Tag frisch. Wir stellen den Speiseplan wöchentlich auf, je nach den individuellen Wünschen der Gäste.

Wie geht es weiter?
Nach dem Mittagessen ist Ruhezeit angesagt.
Wir haben dafür einen extra Ruheraum, in dem elektrisch zu bedienende Sessel stehen. Die Senioren können hier bequem sitzen, liegen und ruhen. Wer das nicht möchte, der bleibt mit uns im Aufenthaltsbereich. Im Sommer können sich die Gäste, die nicht schlafen wollen ja auch auf unserer sehr großzügigen Terrasse die Mittagszeit verbringen. Gegen 14.00 Uhr ist die Mittagsruhe vorbei und es gibt Kaffee und Kuchen.

Auch selbstgebacken?
Ja. Wir backen jeden Tag frisch. 14.45 Uhr fährt die 1. Tour dann wieder nach Hause. Kurz vor 16.00 Uhr fahren die Gäste der 2. Tour zurück.

Das klingt gut. Sehen die Gäste es auch so?
Ja, auf jeden Fall. Manchmal sagen einige Gäste, sie wollen nach Hause und meinen zurück in die Tagespflege.
Ein schöneres Kompliment kann es ja für uns nicht geben.

Was ist das Besondere an Ihrem Team?
Wir arbeiten hier gern zusammen. Das klappt wie von allein.

Aber doch nur, weil Sie einen gut strukturierten Tagesablauf aufgebaut haben, oder?
Ja, schon. Aber war nützt die ganze Struktur, wenn es nicht Spaß macht. Und wir arbeiten gern zusammen, machen auch so manches in der Freizeit miteinander.

Also haben Sie Ihre Berufung gefunden?
Vorher, die neun Jahre im Nachtdienst, da war ich oft sehr fertig, habe mich gefühlt wie ein „Zoombie“. Jetzt gehe ich abends nach Hause, bin zufrieden,  ja glücklich mit dem, was ich am Tag getan habe. Wir bekommen einfach die Anerkennung – von Frau Bürger, den Gästen und den Angehörigen.

Was machen Sie, wenn es mal Probleme gibt?
Dann reden wir ganz offen miteinander. Ich mag es gar nicht,  wenn hinter dem Rücken geredet wird. Ansprechen, was verändert werden soll, was stört – das ist die beste Methode.

Frau Amirov zum Abschluss: Sind Sie ein glücklicher Mensch?
Ja, der bin ich. Ich habe eine tolle Familie,  einen wunderbaren Beruf, Chefs und Mitarbeiter, die ich nicht missen möchte.

Frau Amirov, vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview mit Petra Höhne

Petra Höhne ist die Inhaberin des Pflegedienstes „Am Steinberg“.

Frau Höhne, wenn Sie Ihren Auszubildenden heute einen Rat erteilen würden – wie sähe der aus?
Ich habe von 1994 bis 1995 eine Ausbildung zur Pflegehelferin absolviert. 1995 bis zum Jahr 2001 war ich auf einer Sozialstation tätig.  Und in diese Zeit fiel meine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin. Das Gute daran war, dass es berufsbegleitend passierte. Ich war also immer in der Praxis. Und das hat mich vieles gelehrt und auch geprägt. Ich würde heute einem Auszubildenden empfehlen, soviel Praxis wie nur möglich mitzunehmen.
Also von Anfang an die Wirklichkeit in der Pflege so kennenlernen, wie sie ist. Heute sind zum Beispiel sehr viele Pflegebedürftige dement. Das ist ja was ganz anderes, als wenn ich jemanden pflege, der nur körperlich beeinträchtigt ist.

Und hat er es bereut, mit Ihnen zusammenzuarbeiten?
Nein. Er macht auch alles mit. Er fährt zum Beispiel die Touren mit und kennt so auch die tägliche Pflegepraxis.
Im Übrigen: Wir denken und fühlen in den meisten Dingen gleich. „Wir ticken sozusagen gleich.“ Und das ist nicht ganz unwichtig,
wenn es um so eine sensible Sache wie die Führung eines Pflegedienstes geht.

Sie gehen ins neunte Jahr mit dem Pflegedienst – was ist Ihr Geheimnis eines erfolgreichen Pflegedienstes?
Das ist auf jeden Fall der Teamzusammenhalt. Wir haben ja mit vier Mitarbeitern begonnen. Heute sind es insgesamt 24.
Ich bin für ein kollegiales und familiäres Verhältnis. Hier auf dem Dorf hat das noch einmal eine ganz besondere Bedeutung.
Der Zusammenhalt ist viel fester. Man kennt sich untereinander. Und die Pflegebedürftigen wissen sofort, ob wir uns gut untereinander verstehen oder ob das nur gespielt wird. Wir haben zum Beispiel ein sogenanntes Wünsche – Buch.
Da kann jeder eintragen, wann er Urlaub haben möchte, wann er keinen Spätdienst möchte oder frei haben will.
Das versuche ich zu berücksichtigen. Wir sind übrigens alle per „du“.

Ist das nicht gefährlich?
Naja, bei uns hat sich das entwickelt und wir fühlen uns wohl dabei. Der Respekt ist trotzdem untereinander da.
Bei schwierigen Situationen muss ich ohnehin mit jedem reden. Nach Möglichkeit im Einzelgespräch.
Da lässt es sich besser die Dinge ausdiskutieren. Aber wir reden auch offen auf Teamsitzungen miteinander.

Wie ist es bei Beschwerden von Angehörigen über Ihre Mitarbeiter?
Dem gehe ich sehr schnell und sehr genau nach. Wichtig ist stets, beide Parteien zu hören. Und zwar getrennt voneinander.
Wir dokumentieren ja ebenfalls genau. Da lässt sich manches nachvollziehen. Also jeder Mitarbeiter notiert zum Beispiel Besonderheiten, die ihm im Verhalten des Pflegebedürftigen auffallen. Wichtig ist, dass man nach Lösungen sucht und bei berechtigter Kritik – egal von welcher Seiten die nötigen Schlüsse zieht.

Im neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wird die Individualität im Herangehen an den Pflege- und Hilfsbedürftigen betont.
Was beachten Sie besonders, wenn Sie von individueller Pflege sprechen?
Wir haben uns von Anfang an nicht an die Zeiten gehalten, etwa im Minutentakt zu pflegen. Wir haben stets geschaut, das Nötige für den Pflegebedürftigen zu tun. Und dazu gehört eben das persönliche Gespräch oder eine nette Geste dazu. Soviel Zeit muss einfach sein. Das verstehe ich unter individueller Pflege. Denn sonst kennen wir doch gar nicht die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse unserer Patienten.

Frau Höhne, was ist Glück für Sie?
Ich bin glücklich, wenn meine Pflegebedürftigen zufrieden sind. Wenn Sie lächeln oder einfach danke sagen.

Frau Höhne, vielen Dank für das Gespräch.

Interview mit Barbara Wenders

Barbara Wenders ist Mitinhaberin und Pflegedienstleiterin des ambulanten Pflegedienstes EPIS in Duisburg.

Frau Wenders, Sie gehen in das zwanzigste Jahr des Bestehens Ihres Pflegedienstes. Wann wurde der Pflegedienst genau gegründet?
Am 01.10.1996. Er wird also im Oktober 20 Jahre alt.
(Anm.: Das Interview wurde im März vergangenen Jahres geführt)

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Am schwierigsten war es, die betriebswirtschaftlichen Abläufe zu beherrschen – mit den Steuern und Abrechnungen klarzukommen.
Überhaupt war die ganze Verwaltungssache etwas, wo ich noch recht unerfahren war.
Ich habe mich da autodidaktisch hineinbegeben müssen.
Das alles bekam für mich später einen strukturierten Hintergrund, nämlich als ich eine Ausbildung zur Pflegedienstleitung für ambulante Dienste absolvierte.
Da waren diese fachlichen Inhalte im Lehrprogramm mitenthalten.
Erschwerend kam damals hinzu, dass wir mit dem ersten Steuerberater erhebliche Probleme hatten.
Er kannte die Materie nicht. Wir haben dann zu einer anderen Steuerberatung gewechselt. Danach lief es gut und wir bekamen den kaufmännischen Part in den Griff.

Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Ich habe mit 16 Jahren die Schule verlassen, nach dem Abschluss der zehnten Klasse. Danach war ich in einem katholischen Krankenhaus in Berlin –  Friedrichshagen.
Dort begann ich ein praktisches Jahr. Das musste sein, da ich sonst keine Ausbildung an einer staatlichen Schule für Krankenschwestern hätte absolvieren können.
Nach drei Jahren habe ich die Schule abgeschlossen.
Kurz danach wurde ich schwanger. Ich ging nach Neustrelitz und habe dort in dem städtischen Krankenhaus gearbeitet. 1982 wurde meine erste Tochter geboren. Wiederum später bin ich in ein städtisches Krankenhaus nach Berlin – Mitte gegangen.
Ich hatte inzwischen zwei Kinder und konnte nicht mehr im Schichtsystem als Krankenschwester arbeiten und bin in die Verwaltung eines Betriebsgesundheitswesens gewechselt.
Zur gleichen Zeit begann ich eine Fortbildung zum Ökonomen des Gesundheits- und Sozialwesens.

Wie ging es weiter?
Im Oktober 1989 bin ich aus der damaligen DDR in die Bundesrepublik geflohen – über die grüne Grenze.
Wir sind in Duisburg gelandet. Dort lebte eine Freundin von mir.
Zunächst begann ich  in einer Sozialstation zu arbeiten.  Dort war ich anderthalb Jahre. Die Arbeit hat mich einiges gelehrt.
Aber die Bedingungen waren schlecht.

Können Sie das erklären?
Ja. Wir haben faktisch im Akkord gearbeitet – 25 Patienten, die auf einer Tour zu versorgen waren. Deshalb gab es  auch eine hohe Fluktuation. Es war immer jemand krank gemeldet. Der Stress war einfach zu groß. Und  jeder hat nur gewartet, bis ein anderer Kollege wieder da war und, um sich anschließend selbst krank zu melden. Für mich waren das keine Zustände – weder für die Patienten noch für uns als Mitarbeiter. Schließlich habe ich gekündigt.

Und dann?
Ich ging zurück ins Krankenhaus und habe knapp zwei Jahre Nachtschichten gemacht. Das war sehr hart für mich. Ich kam schwer damit klar. Deshalb wechselte ich wieder in einen ambulanten Pflegedienst. Dort lernte ich übrigens meinen zweiten Mann kennen.

Was war das ausschlaggebende Motiv, selbst einen Pflegedienst zu eröffnen?
Na ja, mein Mann und ich haben uns überlegt: Das können wir auch selbst organisieren. Also haben wir den Schritt im Oktober 1996 gewagt. Wir begannen damit Patienten zu betreuen, die künstlich ernährt werden mussten. Das waren zum Beispiel Menschen mit einer HIV- Infektion, oder Krebspatienten.
Mit der Entwicklung unseres Pflegedienstes kamen andere Bereiche hinzu. Wir haben nach und nach alle wichtigen Leistungsbereiche in der Pflege angeboten,  waren sozusagen mit der Zeit ganzheitlich im Portfolio aufgestellt.
Was hat sich geändert gegenüber 1996, wenn Sie heute die Pflege und Betreuung ansehen?
Wenn ich noch an die Sozialstation denke, wo ich vor über zwanzig Jahren begonnen habe – und jetzt unsere Art zu pflegen und zu betreuen sehe, dann weiß ich – da liegen einfach Welten dazwischen.
Wir haben einen Familienbetrieb aufgebaut. Das macht schon stolz. Unsere beiden Töchter arbeiten hier.
Und wir haben eine sehr geringe Mitarbeiterfluktuation bei uns. Ich denke, das liegt daran, dass sich in den vergangenen Jahren ein sehr gutes Team zusammengefunden hat. Mitarbeiter, die wie wir engagiert sind. Wir haben zum Beispiel eine Pflegedienstleiterin, Frau Thyssen – Fett: Sie ist echt eine Perle.
Wir haben schon manchmal scherzhaft gesagt: Wenn sie aufhört, dann machen wir unsere Einrichtung zu.Oder: Es gibt eine Mitarbeiterin, die bereits 19 Jahre mit uns zusammenarbeitet.
Andere sind ebenfalls bereits über 10 Jahre oder eben sehr lange bei uns. Das bekommen Sie doch nur hin, wenn das Klima stimmt, die Leute sich einfach wohlfühlen.
Die Firma ist heute der älteren Tochter überschrieben – Maria Spellier. Sie  hat inzwischen zusätzlich eine Ausbildung zur Qualitätsmanagerin gemacht. Die jüngere Tochter Stefanie ist Altenpflegerin und macht gegenwärtig eine Ausbildung zur Praxisanleiterin.

Wie war die Zusammenarbeit mit Ihrem Mann?
Die Zusammenarbeit war sehr gut. Er war der Praktiker. Ihn hat nie die Verwaltung interessiert, sondern nur die Pflege und Betreuung.
Ich musste mich also darum allein kümmern. Und es war nicht leicht am Anfang alles unter einen Hut zu bekommen – die Pflege, die Verwaltung, die Mitarbeiterführung und die Erziehung der Kinder.
Aber mein Mann war ein Fachexperte, ging einfach in seinem Beruf auf und hat mir auf seine Weise viel Kraft gespendet und den Rücken gestärkt. Heute ist er in Rente.

Was ist  aus Ihrer Sicht der Grund, dass es in anderen Einrichtungen und Pflegediensten nicht so klappt, der Ruf mitunter eher schlecht ist?
Wissen Sie, es gibt immer schwarze Schafe. Oft kann der einzelne Mitarbeiter dafür ja gar nichts. Wenn zum Beispiel zu einem Kunden stets andere Mitarbeiter kommen.  Oder: Die Zeiten sind stets unterschiedlich, zu denen die Pflegebedürftigen besucht werden.
Dann bekommen die Pflegebedürftigen natürlich einen schlechten Eindruck von dem Pflegedienst, der dafür zuständig ist.

Was sagen Sie dazu, die Ausbildung jetzt generalistisch zu organisieren?
Es gibt Aspekte, die dafür sprechen und Argumente dagegen.

Welche?
Dafür spricht sicherlich, die Ausbildung in Gesundheit und Pflege weiter zu vereinheitlichen, sie stärker in der Gesellschaft aufzuwerten, junge Leute für den Beruf zu gewinnen.

Und dagegen?
Weiter diskutieren sollte man: Was ist zum Beispiel, wenn ein kleiner ambulanter Pflegedienst einem Auszubildenden die Pflege und Betreuung im Alltag nahe bringen will, der jedoch zum Praktikum ins Krankenhaus geht?
Wie ausgewogen wird das zum Beispiel organisiert? Müssen wir eventuell eine junge Fachkraft später nachqualifizieren,
weil die praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Pflege nicht ausreichen? Das ist ja auch eine wirtschaftliche Frage.
Ich denke, hier brauchen wir noch mehr Klarheit.

Was macht für Sie individuelle Pflege und Betreuung aus?
Wichtig ist für uns die Bezugspflege – jeder Kunde soll wissen, wer für ihn zuständig ist. Das schafft Vertrauen.
Individuell pflegen und betreuen heißt für uns, die wirklichen Wünsche und Bedürfnisse der Menschen zu respektieren,
also das, was er an Hilfebedarf benötigt. Es sind ja nun auch zusätzliche Beratungsbesuche bei Veränderungen der Pflegesituation möglich.  Das war früher nicht so.
Es gibt mit der Einführung der neuen Begutachtungsrichtlinien ab nächstes Jahr ganz andere Möglichkeiten, die Situation der einzelnen Pflege-  und Hilfsbedürftigen spezifisch zu erfassen.
Allein die Eingangsfragen, die hier gestellt werden führen zielgenauer dorthin, wo die wirklichen Probleme der einzelnen Menschen liegen – zum Beispiel:  Was ist das Hauptproblem der Pflegesituation? Was würden Sie sofort ändern, wenn Sie es könnten? Welche Informationen könnten helfen?
Das sind nur einige wenige Beispiele. Wir werden das alles sehr genau in den nächsten Wochen und Monaten mitverfolgen
und in unserem Bereich umsetzen – für die weitere Verbesserung der Pflegequalität für unsere Kunden.

Frau Wenders, ich danke Ihnen für das Gespräch.

© Dr. Uwe Müller

Interview mit Rita Bürger

Rita Bürger ist die Inhaberin derTagespflege „Birkenhof“ in  Dannau

Frau  Bürger, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Nach Realschule und Ausbildung war ich als Steuergehilfin tätig.
Von 1975 bis 1990 habe ich dann als Versicherungsangestellte bei der Provinzial gearbeitet.  Anschließend war ich selbstständige Versicherungskauffrau bei der Iduna, Bezirksdirektion Kiel. Das lag mir mehr.  Ich konnte hier mit Menschen kommunizieren und hatte daran viel Spaß. Der Wechsel kam 1993. Da habe ich ein Vorpraktikum in der Pflege absolviert.  In den Jahren von 1993 bis 1995 durchlief ich die Ausbildung zur staatlich anerkannten Altenpflegerin  an der Fachschule für Altenpflege des DRK in Kiel.
1995 bis 1996 habe ich ein Jahr lang Berufspraktikum gemacht – in Plön. 1996 fand an der Fachschule das Kolloquium statt für die 2. Teilprüfung Danach durfte ich selbstständig arbeiten.
1996 bis 2000 war ich in Malente in der Seniorenresidenz „Godenblick“ angestellt. Von 2000 bis 2007 habe ich im Seniorenwohnhaus „Gadendorf“ gearbeitet.
Das war eine schöne Zeit. Es ging sehr familiär zu. Wir hatten anfangs sechs Bewohner.  Später wuchs die Zahl auf 9 Bewohner.
Ich habe dort aufgehört, weil die Chemie nicht mehr stimmte – zwischen der Einrichtungsleitung, die zugleich Besitzerin war, und mir.

Wie ging es dann weiter?
Von Juli 2007 bis Ende Januar 2008 war ich in einem Seniorenzentrum in Lütjenburg.
Schließlich bin ich noch von Februar 2008 bis zum 23.04.2008 in der Pflegeeinrichtung  „Hof Barth“ in Schlesen gewesen.
Zu dieser Einrichtung gehörte auch eine Tagespflege.
Die zu Betreuenden waren fast alle feste Bewohner in dem Haus.
Ich war mit der Einrichtungsleitung, die zudem auch die Inhaber waren, nicht einverstanden – vor allem mit dem Führungsstil und der konzeptionellen Ausrichtung.

Was war die Initialzündung dafür als selbstständige Unternehmerin in der Pflege zu arbeiten?
Die Idee rührte aus den Zeiten als ich in den Heimen arbeitete.
Wir hatten dort ja kaum Zeit, mit den Bewohnern zu reden, persönlich ein Wort zu wechseln. Dann kam mir ein Zufall zu Hilfe. In Dannau stand eine Landgaststätte leer. Die Besitzer wohnten in Berlin. Die Gaststätte und eine Pension, das war die vorherige Einrichtung. Also erst einmal nicht ideal für uns. Trotzdem: Mein Mann und ich hatten gleich die Idee, dort eine Tagespflege zu installieren.  Doch zunächst mussten die Heimaufsicht und die Ersatzkassen überzeugt werden.  Bei der Besichtigung fanden wir den Charme der 70, 80 er Jahre vor.  Die Gasträume waren noch komplett möbliert, einschließlich eines Tresens.
Die Toiletten waren dunkel gefliest und es gab vieles mehr, was erneuert werden musste.  Von den Abmaßen passte es aber für 12 Tagesgäste. Die Auffahrt musste angeglichen werden, damit man mit dem Rollstuhl dort hinauffahren konnte.

Haben Sie gemietet?
Ja. Doch die Kosten des Umbaus mussten wir allein tragen.
Und es musste ja auch sofort das gesetzlich vorgeschriebene Mindestpersonal zur Verfügung stehen.
Der Anfang war schwer. Wir haben das nur geschafft, weil mein Mann in der Zeit seine Ruhestandsbezüge bekam
und er damit unseren Lebensunterhalt  finanzierten konnte.  Er war Berufssoldat und gerade in den Ruhestand gegangen.

Wie war das für Sie, vor Ärzten zu sprechen?
Ich war sehr aufgeregt am Anfang. Man konnte eine Stecknadel fallen hören.  Dann habe ich darüber gesprochen, was in der Tagespflege passiert und warum es so wichtig ist.
Außerdem: Schnuppertage, die wir durchgeführt haben und heute noch durchführen,  waren letztlich erfolgreich. Natürlich haben wir auch Pflegedienste angesprochen.  Es ist eine Vielzahl von Aktivitäten und Fleiß, Beständigkeit, die zum Ziel führen.

Und was ist Ihnen leicht gefallen?
Ich bin sehr kontaktfreudig. Aus meinen früheren Tätigkeiten war ich da natürlich trainiert.
Mir liegt die Freude am Kommunizieren in den Genen.
Ich habe viele Fachvorträge gehalten. Es lag mir, zu Themen der Demenz zu sprechen.  Und andersherum habe ich zum Beispiel die Barmer Ersatzkasse zu uns ins Haus zum öffentlichen Vortrag über die Pflegereform eingeladen, der gut angenommen wurde.
Die Summe hat den Erfolg gebracht. Heute sind 16 Gäste bei uns.
Sie werden von 12 Mitarbeitern betreut. Darunter sind zwei Beschäftigungsassistentinnen nach Paragraph 87b.
Und zwei Ehrenamtliche arbeiten mit – Singen, Basteln mit den Senioren und vieles mehr.  Sie besuchen uns an 2 Tagen in der Woche.

Was macht Ihrer Meinung nach ein starkes Team aus?
Ehrlichkeit und Mitspracherecht. Das ist wichtig.
Selbst viel miteinander unternehmen.
Wir sind zu Weihnachten nach Österreich auf den Weihnachtsmarkt gefahren oder wir gehen zusammen zum Bowlen.
Wichtig ist, dass man auch in komplizierteren Situationen zurechtkommt. Wenn Frauen zusammen sind, dann gibt es manchmal den sogenannten „Zickenkrieg“.  Ein gemischtes Team ist da gut.

Wie kommen denn männliche Mitarbeiter bei den Gästen an?
Sehr gut. Die Mischung macht es wirklich.
Wir haben zum Beispiel Rentner und Frührentner,
die sehr gern bei uns arbeiten.

Was ist Ihnen am Anfang am leichtesten gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Die größte Schwierigkeit bestand darin, Tagesgäste zu bekommen.
Sie müssen sich vorstellen, der Birkenhof befindet sich hier in einem Dorf.  Da ist man konservativ. Und man hat es am Anfang schwer, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Ich habe viel Werbung gemacht. Anfangs war das mitunter auch unnütze Werbung.
Aber es gab eben auch viele nützliche Aktivitäten.

Welche?
Wir haben Tanznachmittage für Senioren veranstaltet.
Oder: Ich habe Vorträge im Seniorenverband und in allen möglichen Vereinen gehalten. Ich habe Ärzte besucht, Flyer verteilt. Ich stellte mich auch im Kindergarten von Dannau vor.
Die Kinder besuchen uns inzwischen regelmäßig.
Da waren auch aufregende Sachen dabei.
Zum Beispiel ein Vortrag vor dem Arzt-Kreis im Bismarck-Turm in Lütjenburg.

Wo sehen Sie die Gründe für den mitunter schlechten Ruf von Pflegediensten in der Öffentlichkeit?
Ich glaube, viele werden in den Beruf gedrängt, weil sie vielleicht nichts anderes auf dem Arbeitsmarkt finden.
Mitunter kommen Langzeitarbeitslose zu den Pflegediensten,
die vom Job-Center vermittelt wurden und die keine Lust haben, überhaupt zu arbeiten.

Ist das bei allen so?
Das trifft nicht auf alle zu, bestimmt nicht.  Ganz sicher ist das nicht die Mehrheit. Aber Sie wissen, es reicht ein schlechter Eindruck, der den Ruf des Pflegedienstes ankratzt.

Was hat sich geändert gegenüber der Zeit, wo Sie angefangen haben?
Für mich ist die Tagespflege zum zweiten Zuhause geworden.
Ich bin stolz auf die Mitarbeiter, auf Ljubov Amirov, unsere Pflegedienstleiterin, ich bin stolz auf meinen Mann.
Ohne sie hätte ich das alles nicht geschafft.

Also ein positiver Wandel?
Ja, zum großen Teil schon. Heute sind wieder andere Herausforderungen. Die Ausbildung wird besser. Die Dokumentation ist aber auch umfangreicher geworden.

Was macht für Sie individuelle Pflege aus?
Auf die Person eingehen. Die Gäste beobachten – medizinisch, psychologisch. Ich weiß  zum Beispiel, wen ich in den Arm nehmen muss oder wer keine Nähe will.

Was sagen Sie zur Generalistik in der Pflegeausbildung?
Mein Sohn ist Krankenpfleger. Er ist gut darin.
Aber damit ist er ja nicht gleichzeitig gut in der Altenpflege.
Hier gehört vielmehr psychologisches Einfühlungsvermögen, die Kenntnis dessen, was einen alten Menschen bewegt dazu, welche typischen Krankheitsbilder auftreten.
Ich denke, da ist noch nicht alles in der Konzeption ausgefeilt.
Von Vorteil ist, wenn alle das gleiche Gehalt bekommen.
Da sind wir dann tatsächlich ein Stück weiter.

Was ist für Sie persönlich Glück?
Ich bin zufrieden, wenn ich gesund bin.
Das Geld kommt an zweiter Stelle.

Frau Bürger, vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch mit Frau Bürger fand im März 2016 statt.

 

Interview mit Elke Ternes

Elke Ternes ist die Inhaberin des „Mobilen Pflegedienstes Elke Ternes“.  Das Team betreut Pflege- und Hilfsbedürftige in Daun, Wittlich und Cochem. Die Zentrale befindet sich in Strohn.
Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen, wie sie selbst begonnen hat und was ihr und ihrem Team heute wichtig ist.

Frau Ternes, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Ich habe nach meinem Schulabschluss in einer Familie als Hausmädchen gearbeitet. Meine Mutter meinte, das wäre wichtig für mich.  Und tatsächlich konnte ich das ja gut gebrauchen
– in der eigenen Familie später und im Bereich der hauswirtschaftlichen Leistungen im Pflegedienst.
Danach begann ich eine Ausbildung als Verkäuferin.
Die Ausbildung habe ich aber abgebrochen.

Warum?
Ich habe so eine große Prüfungsangst. Deshalb habe ich lieber vorher aufgehört. 1974 habe ich geheiratet. 1975 kam mein erstes Kind zur Welt – eine Tochter. Anschließend habe ich wieder in Fabriken gearbeitet, als Akkordarbeiterin.
1980 kam meine zweite Tochter zur Welt.
Ich war danach erst einmal zuhause.
1985 habe ich dann wieder in einem Werk gearbeitet, das Gaspedalzüge für Fahrzeuge herstellte.
Später wurde ich krank und blieb ein Jahr daheim.
Schließlich begann ich eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Das war 1994. Und 1997 habe ich das Examen erfolgreich bestanden.

Ohne Prüfungsangst?
Mit Prüfungsangst, aber eben erfolgreich.

Wie ging es weiter?
Im Anschluss habe ich in verschiedenen Altenpflegeheimen gearbeitet. Ich war sogar dafür vorgesehen, als Pflegedienstleitung zu arbeiten und mich vorher zu qualifizieren.

Und hat das geklappt?
Nein, zunächst nicht. Meine damalige Chefin meinte, ich wäre keine gute Führungskraft.

Warum nicht?
Ich konnte nicht so gut delegieren. Ich hatte damals eher die Ader, sofort mitzuhelfen, wenn es nicht klappt. Oder ich mache es gleich selbst allein und warte nicht auf Hilfe von außen.
Das wäre nicht meine Aufgabe. Ich sollte ja anleiten.
Die Wahrheit liegt hier in der Mitte. Nur von außen zuzusehen, ich glaube, das kommt bei den Mitarbeitern nicht gut an.
Ich habe dann in dem Altenheim auch nicht weitergearbeitet. Ich war erst einmal Jahr arbeitslos. Dann hat mir die Landesversicherungsanstalt eine Ausbildung zur Altentherapeutin in Castrop – Rauxel finanziert – das war 1998 – 1999.
Die Ausbildung habe ich mit Bravour gemeistert. Danach war ich dann auch als Altentherapeutin in einem Altenpflegeheim in Lutzerath tätig. Und morgens habe ich nebenher noch in der Pflege gearbeitet – und privat Menschen versorgt.

Warum haben sie das gemacht?
Zunächst: Ich wollte natürlich Geld verdiene, um meine Familie mit zu ernähren. Aber es gab auch einen tieferen Grund.
Ich wollte als kleines Kind immer eine Oma und einen Opa haben. Leider war das nicht der Fall. Deshalb zog es mich schon immer zu älteren Leuten. Ich hatte einen guten Draht zu ihnen. Das hat wohl mit dazu beigetragen, dass ich mich für den Beruf einer Altenpflegerin entschied. Ich habe von Anfang darauf geachtet, dass ich die Menschen in Ruhe und mit Würde behandle.
Dazu gehörte auch, mit ihnen mal einen Kaffee zu trinken. Ich denke, das ist der rote Faden, der sich in meiner eigenen Philosophie durchzieht oder eben die Initialzündung, einen eigenen Pflegedienst zu gründen.

Was ist Ihnen am Anfang der Selbstständigkeit leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Leicht gefallen ist mir die Versorgung meiner Patienten.
Was sehr schwer für mich war: mich mit dem sogenannten ganzen Schreibkram zu befassen. Das war ja die gesamte Pflegedokumentation, die kaufmännischen und steuerlichen Angelegenheiten – all das strömte am Anfang auf mich ein. Ich habe mich einfach auf die Patienten konzentriert. Ich erinnere mich an eine meiner ersten Kontrollen durch den Medizinischen Dienst.  Ich sollte auf dem Papier nachweisen, dass ich die Pflege bei einem Pflegebedürftigen durchgeführt hatte. Und wie ich das getan habe!
Durch die intensive Betreuung blieb mir keine Zeit mehr, das alles noch rechtzeitig aufzuschreiben. Also ging ich das Risiko ein, dass mich der MKD dafür tadelte.

Und hat er das?
Ja, ich bekam für einen Teilabschnitt der Kontrolle die Note „ungenügend“.  Das wir mir natürlich nicht egal. Doch es war mir lieber, als wenn ich darüber den Patienten vergessen hätte.
Und heute?
Ich konzentriere mich nach wie vor auf die Patienten. Natürlich: Jetzt haben wir die bürokratischen Angelegenheiten im Griff – die Dokumentation ist auf dem aktuellen Stand.
In diesem Zusammenhang: Wenn ich daran denke, wie wir angefangen haben – die ganzen kleinen Schwierigkeiten und Hindernisse; aber auch, dass ich am Anfang zwei Mitarbeiter bezahlen musste und gerade mal 300 Euro eingenommen hatte; das war schon alles nicht leicht. Aber heute bin ich zufrieden. Wir haben gerade das fünfte Auto für die Pflegetouren gekauft – ein Zeichen dafür, dass wir uns gut entwickeln konnten.

Warum sollte eine Pflegekraft bei Ihnen beginnen? Was macht Ihren Pflegedienst besonders?
Wissen Sie: Wir sind ein kleines Team, faktisch ein Familienbetrieb. Und wie in der Familie geht es auch bei uns zu. Meine Mitarbeiten werden in Ruhe eingearbeitet.
In der Pflege haben alle Teammitglieder die Zeit für die Pflege und Betreuung, die der Patient tatsächlich braucht.
Es sind immer die Kleinigkeiten, die eine familiäre Atmosphäre ausmachen.

Zum Beispiel?
Ich koche gern mal und wir essen dann gemeinsam zu Mittag. Oder: Kürzlich war der Sohn einer Mitarbeiterin krank und musste zuhause bleiben. Während seine Mutti auf der Arbeit war, habe ich für ihn eine Hühnersuppe gekocht und sie ihm nach Hause gebracht.
Das macht die Lebensqualität aus. Darum arbeiten wir gern miteinander – das spüren zweifelsohne auch die Patienten, mit denen wir umgehen.

Was macht für Sie individuelle Pflege aus?
Jeder Patient ist anders. Ich habe gerade einen Krebspatienten im Endstadium. Er braucht viel Aufmerksamkeit. Wir lassen keinen allein. Und wenn wir mehrfach hinfahren müssen, weil das der Patient wünscht, ja dann wird das eben gemacht.
So ist unser Verständnis von Pflege.

Was ist für Sie persönlich Glück?
Ich bin sehr froh, dass ich gesund bin. Das will ich auch gern bleiben, denn das ist wohl der glücklichste Umstand im Leben.
Meine Töchter haben ihren Weg im Leben gefunden.

Was machen die beiden?
Die jüngste ist Altenpflegerin und die älteste arbeitet als Arzthelferin. Außerdem: Ich habe Enkel, zu denen ich mehr sehr freue. Mein Mann und ich führen ein sehr glückliches und harmonisches Familienleben.  Ich bin glücklich, weil ich anderen Menschen helfen kann. Und so soll es möglichst noch lange bleiben.

Frau Ternes vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview wurde im April 2016 geführt.

© Dr. Uwe Müller

Eva Hillebrecht im Interview

Eva Hillebrecht, Inhaberin des Pflegedienstes

Danz Consult in Kassel

Das Interview wurde am 24.02.2016 geführt

Frau Hillebrecht, Sie haben über zweieinhalb Jahrzehnte im medizinischen Dienst gearbeitet, bevor Sie in die Pflege gewechselt sind.
Welche Erfahrungen aus diesem Bereich haben Ihnen später in der Pflege besonders genutzt?
Ich habe im Laufe der Jahre auf verschiedenen Stationen gearbeitet – Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie, HNO, Augen, Urologie und Orthopädie. Meine Erfahrung war, dass der Patient nicht wirklich im Mittelpunkt des Interesses stand. Das klingt hart, war aber so.

Können Sie das mal näher erläutern?
Ja. Ich erinnere mich an einen Fall, da ging es um einen Patienten, der Krebs hatte. Er wollte sehr gern nach Hause, um die letzte Zeit im Kreise seiner Lieben zu verbringen. Da es sich um ein urologisches Leiden handelte, musste täglich gespült werden. Angeblich ging das nur im Krankenhaus auf der Station. Doch ich erkundigte mich und fand heraus, dass es einen 5- Liter Beutel für diese Zwecke gab. Die Spülung für den Patienten hätte also auch von Zuhause aus bewerkstelligt werden können. Als ich dies dem Chefarzt vortrug, fuhr dieser mir über den Mund: „Sie verstehen als Schwester davon nichts!“ Hier sprachen „Götter in Weiß“ und ich hatte keine Chance, dagegen anzugehen. Es ging ja gar nicht um mich: Auf der Strecke blieb der sehnlichste Wunsch des Patienten, nämlich die ihm verbleibende Zeit im häuslichen Umfeld zu verleben.
Und ein weiteres Beispiel:“ Ein betagter Patient, um die 90 Jahre, sollte operiert werden. Das bedeutete aber eine relativ intensive Nachbehandlung, die eine Selbstbeobachtung durch den Patienten einschloss.
Bei einem Menschen in diesem Alter war das insgesamt aus meiner Sicht ein sehr riskantes Unterfangen.  Also ging ich zum Chefarzt und machte ihn auf mögliche Komplikationen aufmerksam. Das alles brachte nichts. Denn: In der Operation sollte eine neue OP- Technik zum Einsatz kommen. Eine Methode, die sich in der Praxis bewähren sollte. Das ist soweit in Ordnung. Nur: Ich hätte mir gewünscht, dass die individuelle Situation des Patienten mehr ins Kalkül gezogen worden wäre.

Sie haben in einer Übergangszeit sowohl im Krankenhaus gearbeitet und ebenfalls in einem ambulanten Pflegedienst, ist das richtig?
Ja, 1989 gab es eine Zeit, wo wir ein Haus zu finanzieren hatten. Da brauchte ich das Geld. Also machte ich eine Frühschicht im Krankenhaus und eine Spätschicht in einem ambulanten Pflegedienst.

War das überhaupt zu schaffen für Sie?
Ja, das war es. Aber es war auch sehr anstrengend.

Sie hatten doch in dieser Zeit einen direkten Vergleich, oder?
Auf jeden Fall. Das hat auch meinen Entschluss gefördert, ganz in die Pflege zu gehen. Ich konnte mich im unmittelbaren Vergleich davon überzeugen: Im Pflegedienst stand der Patient, der zu Pflegende viel stärker im Fokus des täglichen Handelns.

Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass die Ausbildung zum Altenpfleger und Krankenpfleger generalistisch erfolgen soll?
Ich finde das gut. Ich glaube, die Spezialisierung wird ohnehin in den späteren Jahren eine immer währende Herausforderung sein.
Da wird wohl keiner in seinem Berufsleben drum herum kommen. Doch zunächst sollten die gleichen Grundlagen gelehrt werden.

Gibt es irgendwas, was mehr beachtet werden sollte in der Ausbildung?
Ich denke, die ethische Bildung sollte einen noch viel größeren Stellenwert einnehmen. Zu sehen, was ein Pflegebedürftiger für Wünsche und Bedürfnisse hat, das kann man nur, wenn man nicht wegschaut oder weghört. Im Gegenteil: Sich in den anderen Menschen hineinversetzen, emphatisch sein – ich glaube, das muss in die Ausbildung miteinfließen.

Wie entspannen Sie?
Ich habe meinen Hund. Das ist ein Golden Retriever. Eine Hündin und ihr Name ist Nila.  Nila lenkt mich ab auf meinen Spaziergängen und macht mir auch so sehr viel Freude. Des Weiteren: Ich fahre gern in Wellness – Urlaube und entspanne mich. Ich möchte in einen längeren Urlaub fahren, eine Fernreise machen. Ich glaube, das ist auch mal wieder wichtig. Übrigens: Ich komme aus dem Roten Kreuz, war dort Krankenschwester. Meine damalige Oberin hat etwas gesagt, womit sie meine Frage nach einer Lohnerhöhung zu unterdrücken versuchte: „Der Lohn meiner Arbeit ist, dass ich arbeiten darf!“ Inzwischen sehe ich diesen Satz als etwas sehr Positives an:  Mein größtes Glück ist es tatsächlich,  für andere Menschen zu arbeiten und ihnen zu helfen. Das steht für mich im Vordergrund. Ich glaube, dass ich damit sicher einer aussterbenden Spezies angehöre.

Danz-Consult – da ist das Wort Beratung enthalten.  Worauf kommt es Ihnen in der Beratung an?
Die Patienten und die Angehörigen möchten viel Hintergrundwissen. Also, wie das alles zu finanzieren ist, was Sie im Detail für Leistungen bekommen.  Das liegt mir sehr am Herzen, nämlich das Optimale für den Einzelnen zu konzipieren.

Und läuft das stets problemlos?
Natürlich nicht. Gerade wenn es um die Finanzen geht.
Manchmal höre ich den versteckten Vorwurf: „Sie planen mit unserem Erbe.“

Und was sagen Sie dazu?
Naja, die Leistungsinhalte sind ja im Sozialgesetzbuch genau beschrieben. Und wenn jemand privat darüber hinaus noch Betreuung möchte, ja dann sind das eben Privatleistungen. Und die müssen auch bezahlt werden. Ich muss ja meine Mitarbeiter ebenfalls dafür entlohnen. Doch sind das  Ausnahmen.
Da hilft das offene und ehrliche Gespräch. Und danach kann man ein Paket schnüren, mit dem dann alle leben können.
Außerdem: Inzwischen gibt es ja mit dem Pflegestärkungsgesetz I seit Januar 2015 die Möglichkeit,  weitere  Betreuungs- und Entlastungsleistungen anzubieten, die über die Pflegekasse abgerechnet werden können.

Alles redet über individuelle Pflege. Woran machen Sie das fest?
Das ist das Schwerste, hier die richtigen Antworten zu finden. Im neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ist ja einiges dazugesagt.
Für mich ragt ein Grundsatz heraus: Die Kunden haben ein Recht darauf, so zu sein wie sie sind.
Das ist ein gutes Schlußwort. Frau Hillebrecht, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Interview mit Susanne Rosenberger

Susanne Rosenberger ist die Inhaberin des Pflegedienstes S. Rosenberger und der Tagespflege am Nordbad in Castrop-Rauxel.

Frau Rosenberger, bereuen Sie den Tag, an dem Sie den Entschluss gefasst haben, in die Pflege zu gehen?
Also ich bereue das auf keinen Fall. Natürlich gibt es immer Momente, die nicht so schön sind. Aber die gibt es überall.
Ich kann mit Bestimmtheit sagen: Die Pflege, das ist mein Leben.
Das Zusammenspiel mit allen im Team macht das Besondere aus. Es ist nicht ein einzelner Baustein.
Es ist das Puzzle, was jeden Tag aufs Neue zusammengesetzt werden muss – im Team,
im Gespräch mit den Angehörigen und den Pflegebedürftigen.
Das Besondere an diesem Beruf ist: Wir gehen mit Menschen um, die unserer Hilfe bedürfen.
Und wenn ein dankbarer Blick kommt oder ein Lächeln des Pflegebedürftigen, ja dann ist das schon wahres Glück.
Wir schieben nicht nur die Papiere von links nach rechts. Das muss natürlich auch. Aber alles was wir tun,
das ist für die Menschen, die wir pflegen und betreuen. Ich bereue nichts und möchte auch nichts anderes machen.

Wo sind Sie aufgewachsen?
In Castrop Rauxel.

Welchen Bildungsweg haben Sie genommen?
Ich habe Abitur gemacht. Danach habe ich eine Ausbildung zur Krankenschwester durchlaufen. Ich war dann anschließend im Augusta Krankenhaus in Bochum tätig – auf einer Intensivstation in der Chirurgie.

Wie lange waren Sie dort?
6 Jahre.

Wie sind Sie zur Pflege gekommen?
Durch meine Oma. Sie war Altenpflegerin in einem Altenheim und führte dort nebenbei eine Schneiderstube.
Später wurde meine Oma schwerkrank. Mein Vater und ich haben sie bis zum Schluss begleitet.
Danach kam meinem Vater und mir der Gedanke, einen Pflegedienst zu gründen. Mein Vater hat dafür noch einmal umgeschult und eine Ausbildung zum Altenpfleger absolviert. 2000 war es dann soweit und wir haben den heutigen Pflegedienst eröffnet.

Was belastet Sie, wenn Sie heute an die Pflege denken?
Beflügelndes und Bedrückendes – beide Momente liegen oft dicht beieinander. Mir liegt die Palliativpflege sehr am Herzen. Das gibt es natürlich sehr traurige Momente.

Was bedrückt Sie da ganz besonders?
Während der Palliativpflege werden wir ein Teil der Familie. Und wenn Sie dann eine Mutter im Sterben begleiten, die erst 42 Jahre alt ist und Kinder hinterlässt, dann ist das sehr bitter – auch für uns als professionelle Begleiter. Aber es gibt auch viel Positives.

Was meinen Sie?
Nun, man sieht die eigenen Sorgen und Nöte in einem anderen Licht.
Sie erscheinen einem so unwichtig und klein angesichts dessen, was andere Menschen durchmachen. Und: Es ist ein ungeheurer Reichtum, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten.
Manch einer spricht darüber, was er anders gemacht hätte.
Die überwiegende Mehrheit ist klar und ehrlich in der Betrachtung ihres zurückgelegten Lebensweges.
Der Tod lässt das Leben als das erscheinen, was es ist, nämlich ein Geschenk. Und das ist unwiederbringlich.

Vielen Dank für das Gespräch.

MEHR:

http://www.pflegedienst-rosenberger.de

 

Kontakt:
Pflegedienst S. Rosenberger
Tagespflege am Nordbad
Sünderlingstr. 53
44581 Castrop – Rauxel
Tel. 02305/5310030
Fax: 02305/5310031
E-Mail: info@pflegedienst-rosenberger.de

Interview mit Ute Grüner

Ute Grüner ist die Inhaberin des Pflegedienstes Grüner
 Das Interview wurde mit Ute Grüner im Mai vergangenen Jahres geführt. Im September 2016 ist aus dem Pflegedienst Grüner die Sozialstation Grüner GmbH geworden. Ute und Jens Grüner sind die Geschäftsführer.

Frau Grüner, wie verlief ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung Ihres Pflegedienstes?
Von 1982 bis 1985 habe ich eine Fachschule zum Hygieneinspektor absolviert. Das entspricht in etwa dem heutigen Berufsbild des Gesundheitsüberwachers. Danach war ich als Hauswirtschafterin bei der Volkssolidarität beschäftigt. Anschließend ging es in ein Pflegeheim. Dort habe ich auch meine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin absolviert. Daran schloss sich eine Qualifizierung zur Pflegedienstleitung an. 2001 bin ich dann in die Selbstständigkeit gewechselt.

Was war die Initialzündung dafür, als Unternehmerin in die Pflege zu gehen?
Das Motiv war: Ich wollte einen eigenen ambulanten Pflegedienst gründen.

Warum?
Weil ich im Pflegeheim gesehen habe, wie die Bewohner zum Teil an der Tür ihr Leben abgegeben haben. Trotz alledem haben wir als Mitarbeiter alles getan, damit sich die Bewohner wohlfühlen.
Ich hätte gar nicht zufrieden nach Hause gehen können, wenn ich nicht alles in meiner Kraft stehende unternommen hätte,
um die Heimbewohner gut zu pflegen und zu betreuen.

Also war das schon ein wichtiger Antrieb für Sie mit einem eigenen Pflegedienst noch mehr für die Pflege- und Hilfsbedürftigen zu tun?
Ja, uns ging es darum, pflegebedürftigen Menschen in unserer Umgebung möglichst lange zu ermöglichen, im eigenen häuslichen Umfeld zu verbleiben.  Sie sollen ihr eigenes Leben selbstbestimmt führen, solange jedenfalls, wie das geht. Das war für mich schon ein wichtiger Antrieb. Später haben wir dann noch die Tagespflege gegründet, weil es uns wichtig war, dass Menschen am Tag die Möglichkeit hatten, betreut zu werden.

Was sind das für Gäste, die zu Ihnen in die Tagespflege kommen?
Zum einen sind das Menschen, die einfach eine neue und interessante Sicht auf den Tag bekommen wollen – durch Begegnungen mit anderen Gästen und indem sie an den Aktivitäten teilhaben können. Das sind aber auch Gäste,
die unter Demenz leiden – abends sind ja in dem Fall die Angehörigen wieder da und können sich kümmern.
Sie alle zusammen fühlen sich bei uns am Tag sehr wohl
Haben Sie das alles allein geschafft? Anfangs ja. Später, genauer 2006, ist mein Mann, Jens,  mit in die Firma eingestiegen.

Als was?
Als Mitinhaber natürlich und verantwortlich für die Technik, die Verwaltung den Fuhrpark. Heute leitet er die ambulant betreute Wohngruppe.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Die Akquise von Patienten ist mir leicht gefallen. Ich kannte viele im Dorf und man kannte mich.  Ich hatte auch von Anfang an ein gutes Verhältnis zu den Ärzten. In kürzester Zeit haben wir ca. 30 Patienten betreut. Schwer ist mir die gesamte Büroarbeit gefallen. Ich bin heute noch lieber beim Patienten, als die Dokumentation zu erstellen. Aber: Das ist ja wichtig. Und so habe ich mich in vieles einarbeiten müssen – das ganze Vertragswesen, die kaufmännischen Angelegenheiten, die Planung und Organisation der Pflege und Betreuung.

Haben Sie heute noch Kontakt mit Patienten?
Auf jeden Fall, wo denken Sie hin? Ich kenne alle Patienten persönlich, spreche mit ihnen, wenn es Wünsche oder Probleme gibt. Außerdem bei Dienstübergaben oder beim Erstaufnahmegespräch – da bin ich immer dabei.

Was macht Ihrer Meinung nach ein starkes Team aus?
Ein starkes Team? Im Notfall ist jeder für den anderen da – das macht meiner Meinung nach ein wirklich starkes Team aus. Und zwar ohne große Worte. Das wissen auch die Patienten und vertrauen uns nicht zuletzt deshalb.

Welche Rolle spielt für Sie die Kommunikation mit den Pflegebedürftigen?
Die Kommunikation spielt für uns eine extrem wichtige Rolle.
Man kann bei jeder Maßnahme, zum Beispiel bei der Körperpflege, Kommunikation und Aktivität miteinander verbinden.
Also: erklären, was man gerade macht, was wichtig ist bei einer mobilisierenden Tätigkeit. Und außerdem: Auf dem Dorf wird immer gesprochen. Wir sprechen viel über Ereignisse und Menschen, die für uns interessant und wichtig sind.  Das mögen die Pflegebedürftigen sehr gern. Sie nehmen ja dadurch weiter am Leben außerhalb der häuslichen Umgebung teil.
Ich denke: Mitunter ist ein Gespräch bei einer Tasse Kaffee wichtiger, als die Pflegemaßnahme selbst. Oder anders ausgedrückt: Ich habe mich nie von der Minutenpflege drücken lassen. Das geht immer auf die Qualität. Natürlich muss ich ebenfalls auf die Zeit schauen. Aber im Fokus sind für mich die Menschen, die wir pflegen und betreuen.  Und da muss man eben auch mal eine Minute hinten dranhängen. Meine Mitarbeiter wissen ebenfalls, dass ich so denke.
Ich will gern in diesem Zusammenhang an unseren Leitspruch erinnern.

Nämlich?
Helfen ist unsere Berufung!

Frau Grüner, zum Abschluss: Was ist für Sie persönlich Glück?
Glück ist für mich ein Zustand der inneren Zufriedenheit, zum Beispiel, wenn der Tag gut war. Zu meinem Glück gehört meine Familie: Mein Mann, ohne den ich das hier gar nicht schaffen würde;
meine Tochter Annett – sie ist 25 Jahre alt und studiert Journalismus.
Frau Grüner, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview erfolgte am 20/05/2016.