WIESO KLARA AUF EINMAL IN STRALSUND VOR IHR STEHT – DAS WILL ANNA NICHT IN DEN KOPF

Was bisher war:
Peter war Zuhause geblieben und kämpfte mit den kleinen und größeren Widrigkeiten des Alltags. Währenddessen war Klara bei ihrer Mutter in Stralsund angekommen.

Klara stand vor Annas Haus und drückt auf das Klingelschild von Anna und Wilhelm Sturm.

Das Haus war über sechzig Jahre alt und es war im schlichten Stil erbaut worden, in Plattenbauweise.

Nach der Wende wurde es saniert. Die Farben sind inzwischen wieder eingetrübt, an den Wänden laufen schwarzen Striemen an der Hauswand entlang, genau da, wo die Dachrinne durchlässig ist.
Anna war mit ihrem Mann, Wilhelm Sturm, damals Anfang der sechziger Jahre in das Haus eingezogen.

Sie waren glücklich, dass sie die Wohnung im obersten Stockwerk bekommen hatten, mit einem Balkon, von dem aus sie weit über den Stralsunder Hafen hinweg in Richtung Rügendammbrücke schauen konnten.

Damals gab es die moderne Brücke noch nicht. Aber der herrliche Blick, hinaus auf den Strelasund, den hatten beide stets genossen.
Klara hatte ihre Kindheit in dem Haus verbracht und Lukas ebenfalls.

Sie hingen beide daran und umso schwerer wurde es ihnen ums Herz, wenn sie sahen, wie Annas Demenz immer weiterfortschritt und sie weniger und weniger von dem genießen konnte, was ihre Wohnung ausmachte.

Auf der gegenüberliegenden Seite stehen bis heute Garagen, noch aus DDR-Zeiten. Peter konnte nie verstehen, warum die Eigentümer oder die Pächter nicht einmal die Ausfahrten vom Unkraut befreiten.

„Die liegen wie die Aasgeier hinter ihren Fenstern und schauen, ob sich nicht einer in die Ausfahrt stellt, aber eine Harke und einen Eimer zu nehmen, um das Unkraut zu beseitigen, nein, da sind sie sich zu schade.“

Klara antwortete darauf nie. Sie erinnerte sich in solchen Momenten an ihren Opa, der stets missmutig brabbelte, wenn er über ein Schlagloch auf dem Sandweg zum Garten fuhr.

Peter wurde eben älter und damit griesgrämiger, nahm Klara an.
Aber Peter sah das völlig anders. Ihn regte es auf, dass jeder nur noch an seine kleine Scholle dachte.

„Ja, wer ist da?“, ertönte jetzt die Stimme von Anna, während gleichzeitig schon der Türöffner summte.
Klara stapfte die Treppe hoch. Sie rang nach Luft. Lukas ging hinter ihr.

Es machte ihm weniger aus, weil er durch sein tägliches Saubermachprogramm in den Ferienobjekten im Training war. Und dabei trug er noch Klaras schwere Tasche, in die sie allerhand Mitbringsel für Anna hineingestopft hatte.

Als Klara auf dem letzten Treppenabsatz angekommen war, musste sie sich erst einmal auf den Stuhl setzen, der vor Annas Tür stand.
Anna wartete bereits auf sie.

„Wo kommst du denn her?“, fragte Anna mit aufgerissenen Augen. Sie sah zwar Lukas auf der Treppe stehen, aber den beachtete sie erst einmal nicht. Der war ja immer da.

„Ja, wir wollten dich überraschen.“
„Überraschen?“ Anna schaute Klara mit weit aufgerissenen Augen an, sagte aber nichts.

„Ich versteh‘ das nicht“, gab sie dann doch von sich.

„Ja, freust du dich denn nicht ein bisschen?“, fragte Klara, ein wenig enttäuscht über die Reaktion ihrer Mutter.

„Jaja, ich freu‘ mich“, sagte Anna, und es klang, als würde sie eine Floskel von tief unten aus ihrem Gedächtnispalast holen.

Klara antwortete darauf nicht, zog sich die Schuhe aus, ging auf ihre Mutter zu und drückte ihr wortlos einen Kuss auf Annas Wange.

Sie fühlte, wie schwer es in den nächsten Tagen mit Anna sein würde, die Wohnung auf Vordermann zu bringen und sie zu einem Spaziergang zu bewegen.

 

 

 

 

PETER KANN BEIM BEZAHLEN AN DER KASSE SEINE GELDKARTE NICHT FINDEN UND KRÜMEL BRICHT BEIM NÄCHSTEN BESUCH EINEN FLÜGEL VOM GERADE ERST GEKAUFTEN HUBSCHRAUBER AB

Was bisher war:
Peter stand endlich an der Kasse des Discounters und freute sich darauf, möglichst schnell nach Hause zu fahren, um Klara all die schönen eingekauften Sachen zu zeigen.
„Haben Sie etwas zu mir gesagt?“, fragte jetzt eine junge Frau, die hinter ihm stand.
„Nein, nein, ich habe mit mir selbst gesprochen“, sagte Peter schnell…. Die junge Frau nickte ihm freundlich lächelnd zu.“

Die Frau seufzte leise: „Ja, Rentner müsste man sein!“
Hatte sie mit diesem Stoßseufzer etwa Peter gemeint?

Sollte er ihr sagen, dass er zwar im Rentenalter wäre, aber immer noch hart arbeitete, Geld verdiente, Sport machte, früh aufstand und rein gar nichts an sich hatte, was auf ein beschauliche Seniorenleben hinwies?

Ganz im Gegensatz zu dem Herrn, der gerade an der Kasse stand und alles ‚gaaanz in Ruhe‘ auf das Band legte, was er vorher in den Korb getan hatte, und zwar in der atemberaubenden Geschwindigkeit einer Schnecke, die plante, irgendwann über die Straße gekrochen zu sein, aber: ohne einen Herzinfarkt zu bekommen.

Doch was sollten jetzt Erklärungen. Die junge Frau würde wahrscheinlich nur wieder freundlich nicken und denken: „Ne‘ alles klar, würde ich auch an deiner Stelle erzählen.“

Endlich war Peter an der Reihe. Er suchte seine Geschäftskarte, mit der er bezahlen wollte.

Aber die war nicht im Portemonnaie. Hatte er sie etwa verloren?

„Bitte entschuldigen Sie, aber eben war meine Geldkarte noch hier.“ Die Verkäuferin schaute ihn verständnisvoll an und sagte zu ihm:

„Lassen Sie sich Zeit, wir sind hier ganz allein“, und zwinkerte dabei der jungen Frau hinter ihm zu.
‚Verdammt, wie war nur die PIN der anderen Karte?‘, dachte Peter.
Er tippte in seinem iPad wild herum, bis er schließlich die Zahlen gefunden hatte.

Nie wieder würde er sich nur ausschließlich auf die Technik verlassen. Lieber einen zerknautschten Zettel in der Hosentasche, auf der die PIN stand.

Noch besser, er merkte sich die Zahlenkombination. Aber nun war es auch schon egal.

Er bezahlte, bedankte sich hastig und schob eilig den Einkaufswagen zum Auto. Von dort rief er sofort Klara an.

„Hast du meine Geldkarte gesehen?“, fragte er, ohne auf Klaras Frage einzugehen, ob er alles bekommen hätte.

„Das weißt du doch, dass ich die am Samstag mit zum Alex hatte, um einen Laptop zu kaufen“, antwortete sie in leicht gereiztem Ton.

Peter war restlos sauer. Wieso konnte Klara ihm nie gleich die Sachen wiedergeben, die sie sich auslieh?

Es hatte also seinen Grund, wenn Peter stets den roten kleinen Chip für den Einkaufswagen von ihr unmittelbar zurückverlangte, wenn Klara damit einkaufen war.

Peter war wieder zuhause und steuerte das Auto rückwärts in den Carport. Danach packte er die mitgebrachten Sachen aus.

„Hier, der Hubschrauber für Krümel“, zeigte Peter voller Stolz das Spielzeugpaket hoch.

„Das ist der falsche“, sagte Klara trocken.
„Hast du nicht richtig in dein iPad gesehen?“

Peter war schockiert und beleidigt.

Er sagte kein Wort, holte die Kopfkissenbezüge aus dem Auto und die Decke, schmiss alles auf den Fußboden im Wohnzimmer und stapfte wütend in sein Arbeitszimmer.

Er schloss die Tür hinter sich und ließ sich bis zum Mittag nicht mehr blicken.

Als Klara am nächsten Tag erneut im Aldi war, brachte sie den richtigen Hubschrauber mit.

„Das ist er!“, sagte sie triumphierend zu Peter.

„Ich werde nie wieder meine teure Arbeitszeit dafür verwenden, für euch etwas einzukaufen.

„Teuer ist die Einkaufszeit schon“, sagte Klara nun.
„Bei der Zeit, die du am Schreibtisch verbringst und dem kleinen Entgelt, was du dafür bekommst, da kann man nur von teuer sprechen.“

Peter antwortete nicht.
Dann sagte er doch noch was.

„Wir können übrigens jetzt nicht mehr so viel in der Woche zum Einkauf fahren. Dafür habe ich einfach die Zeit nicht. Vielleicht holst du dein Fahrrad mal wieder raus“, sagte Peter zu Klara.

Die antwortete nicht, sondern schaute sich den Hubschrauber an, den sie Krümel zu Weihnachten schenken wollte.

Peters im Discounter in harter Abwehrschlacht erstandener Hubschrauber wurde Krümel sofort überreicht, als sie beim nächsten Mal zu Besuch war. Sie spielte damit eine Stunde und kam dann mit ihm in die Küche gerannt.

„Oma, hier kaputt“, sagte sie und zeigte Klara den abgebrochenen Flügel.

„Ach, das ist nicht so schlimm, der ist nicht ganz so gut, Krümel. Wir warten mal bis Weihnachten.“

Peter kam gerade die Treppe herunter. Hatte er richtig gehört?

‚Der Hubschrauber, den Peter nur mit äußerster psychologischer und ja, auch mit physischer Kraftanstrengung gekauft hatte, der taugte sowie so nichts und ist, wie von Klara erwartet, schnell in die Brüche gegangen?‘ Peter stockte der Atem.

‚Das nächste Mal geh‘ ich wieder in den Schreibwarenladen und kauf‘ den leer, aber nur für mich‘, murmelte Peter vor sich hin und ging zu Krümel ins Wohnzimmer.

„Opa komm‘ spielen‘“, rief die Kleine fröhlich und hielt den einarmigen Hubschrauber in die Luft.

„Der ist aber ganz was Besonderes“, sagte Peter und kniete sich vor Krümel hin, um mit ihr und dem lädierten, inzwischen einarmigen Hubschrauber, zu spielen.

 

 

 

 

SENIORENHILFE GOTHA BEWÄHRT SICH GERADE IN SCHWIERIGEN ZEITEN

Die aktuellen Herausforderungen sind geprägt durch die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen in der Gesellschaft.
Pflege- und Hilfsbedürftige gehören zu der Risikogruppe, die in dieser Zeit einem ganz besonderen Schutz bedürfen.
Dabei schnellt die Nachfrage nach Pflege- und Betreuungsleistungen ohnehin schon in die Höhe, selbst ohne diese besonderen Ansprüche in einer besonders schwierigen Zeit.
Pflegedienste und vor allem Pflegekräfte sind dabei längst an die Grenze ihrer Belastbarkeit gestoßen.

„Wir arbeiten rund um die Uhr und versuchen, das Unmögliche trotzdem möglich zu machen, nämlich nicht nur die gestiegenen Anfragen von Klienten zu bewältigen, sondern auch noch auf die Qualität, die individuelle Herangehensweise an unsere Aufgaben nicht aus dem Auge zu verlieren“, sagt Kathrin Dölle, Inhaberin des Pflegedienstes Seniorenhilfe in Gotha.

PFLEGE- UND HILFSBEDÜRFTIGE NIE AUS DEM FOKUS VERLIEREN – AUCH NICHT IN SCHWEREN ZEITEN – DAS PASSIERT NICHT IM SELBSTLAUF
Wenn es um die Sorgen und Nöte der Pflegedienste geht, dann wird vor allem über den Mangel an Pflegefachkräften gestritten.

Schließlich sind sie es, die den Betrieb am Laufen halten, sich vor Ort um die zu Pflegenden kümmern.

Das bestreitet natürlich niemand, aber mit der bloßen Anzahl von mehr Fachkräften ist es auch nicht getan.

Die Einstellung, ja der Wille, wirklich alles zu geben für das Wohl derer, um die es geht, nämlich die Pflege- und Hilfsbedürftigen, sie ist und bleibt neben der fachlichen Komponente eine der wichtigsten Hebel, um die Qualität im Pflege- und Betreuungsprozess voranzubringen.

Einer der Slogan, der in diesem Kontext häufig benutzt wird, ist der, dass der Mensch im Mittelpunkt des Geschehens stehen solle.
Nun könnte man fragen, wo sonst sollte der Mensch denn stehen, wenn nicht im Brennpunkt der Aufmerksamkeit der Pflegenden?
Etwa am Rande?

Das würde niemand schreiben oder behaupten, wenn er in der Pflege- und Betreuungsbranche ernst genommen werden will.
Und trotzdem ist mit dem einfachen Postulieren dieses marketingtechnischen bereits ausgehöhlten Begriffes nichts gesagt.

Vielmehr muss man einen Blick auf diejenigen werfen, deren Handeln auf das Wohl der zu pflegenden Menschen ausgerichtet ist – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegediensten.

Hier kommen Kathrin Dölle, Pflegedienstinhaberin, und ihr Team ins Spiel, die sich auch im 22. Jahr ihres Bestehens der individuellen Pflege und Betreuung verschrieben haben und sich den damit verbundenen Rahmenbedingungen immer wieder stellen.

„Natürlich ist es nicht einfach, das alles im Blick zu behalten, wenn die Pandemie uns an den Rand des menschlich Machbaren drückt. Wir glauben aber, dass wir selbst in diesen Zeiten nicht nachlassen sollten, die Standards zu überprüfen und an deren Weiterentwicklung zu feilen“, sagt sie.

Vernetzt denken und handeln, Netzwerke für eine gute Zusammenarbeit nutzen, das sind Erfahrungen, über die sie bereits vor drei Jahren in ihrem Interview für diesen Blog gesprochen hat.
Sie machte dort deutlich, was für sie individuelle Pflege und Betreuung wirklich heißt, nämlich unter anderen kurzfristig besondere Wünsche von Pflege- und Hilfsbedürftigen und deren Angehörigen zu realisieren.

Mehr: https://uwemuellererzaehlt.de/2017/06/23/kathrin-doelle-im-interview/

RECHTZEITIG UM DEN NACHWUCHS KÜMMERN
Kathrin Dölle geht regelmäßig in Schulen, und hier vor allem in die 7. und 8. Klassen, um diejenigen für den Beruf der Altenpflegerin oder des Altenpflegers zu begeistern, die dabei sind, die Weichen in Richtung Ausbildung zu stellen.

„Selbst wenn wir einen riesigen Bedarf in den nächsten Jahren und Jahrzehnten im Bereich der Pflege und Betreuung haben, so dürfen wir in unseren Gesprächen mit den Jugendlichen nicht verschweigen, wie anstrengend dieser Beruf ist, körperlich und mental“, sagt sie in diesem Zusammenhang.

„Wir brauchen auch nicht irgendjemanden, der vielleicht woanders keine Lehrstelle bekommen würde. Nein, wir brauchen möglichst die Besten, die sich dem Beruf verschreiben, sich das Fachwissen mit Begeisterung aneignen, und die auch nicht vor den schwierigen, eher nicht so schönen Seiten in der Pflegepraxis fürchten“, ergänzt sie.

Sie weiß, wovon sie spricht. Sie hat nach der Wende faktisch von Null wieder angefangen, nachdem sie vorher ihr Abitur gemacht hat, den Beruf der Gärtnerin erlernte und später noch Gartenbau studierte.

„Alles ist machbar und erlernbar, wenn man den Willen und das Interesse dafür aufbringt“, sagt sie heute.

Und Kathrin Dölle interessierte sich dafür, wie sie älteren Menschen helfen konnte.

Sie sieht darin eine ihrer tiefergehenden Motivation, wenn sie darüber nachdenkt, warum sie den Beruf noch heute gern ausübt.

Kontakt
Kathrin Dölle – Seniorenhilfe Ambulanter Pflegedienst
Lutherstraße 8, 99867 Gotha
Telefon: 03621 / 21 96 40
Telefax: 03621 / 21 96 39
E-Mail: info@seniorenhilfe-gotha.de
http://www.seniorenhilfe-gotha.de

PETER FINDET MITHILFE DER VERKÄUFERIN ENDLICH DIE VON IHM BEGEHRTEN WAREN

Was bisher war:
Peter hatte sich nicht von der Verkäuferin abwimmeln lassen und dazu gebracht, dass sie mit ihm tatsächlich in die Richtung des Wühltisches zu gehen, um alles zu finden, was er sich umständlich auf seinem iPad notiert hatte.

„Und offensichtlich finden Sie das ja ganz leicht, also wäre es schön, wenn Sie mir kurz helfen würden.“

Peter log, als er ‚kurz‘ meinte, denn er war der festen Überzeugung, dass sich das alles in die Länge ziehen würde.

Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie gemeinsam etwas finden würden, die war um ein Vielfaches größer, als wenn Peter es weiter allein versuchen wollte.

„Was suchen Sie denn?“, fragte die Verkäuferin nun schon versöhnlicher und beugte sich über das iPad. Dessen Oberfläche war inzwischen wieder schwarz geworden. Peter verfluchte das Gerät.

Er hatte es so eingestellt, dass er jedes Mal neu einen Code eintippen musste, damit die iPad-Oberfläche wieder aufleuchtete.

Bevor er also lange suchen musste, sagte er erst einmal, dass er einen Hubschrauber für seine Enkelin suche.

Die Verkäuferin ging schnurstracks auf die Leute zu, die sich vor den Wühltischen drängten.

„Darf ich mal hier durch?“, befahl sie mehr, als sie fragte.

„Schauen Sie mal, hier ist doch alles“, sagte sie jetzt an Peter gewandt, der direkt neben ihr stand.

„Ja, wo ist der Hubschrauber?“ Peter ließ nicht mehr locker.

Die Verkäuferin fuhr mit einem Arm zwischen die bunten Pakete und Schachteln und tastete sich so vorwärts, ohne den Hubschrauber zu finden. Jeden Karton, den sie triumphierend präsentierte, zeigte andere Spielzeuge, nur den Hubschrauber nicht.

Es war wohl doch nicht so einfach, stellte Peter mit Genugtuung fest.

„Hier sehen Sie mal“, sagte die Verkäuferin und hielt nach einem intensiven Durchwühlen des Tisches das Spielzeugpaket mit dem Hubschrauber auf dem Foto hoch.

„Na bitte, den nehmen wir“, sagte Peter.

„Und jetzt die Kopfkissenbezüge“, drängte Peter die Verkäuferin weiter.

„Die finden Sie nicht hier, sondern da drüben, in den großen Kartons, die noch nicht zu Ende ausgepackt sind“, antwortete sie.

„Ich muss nun zur Kasse“, sagte die Verkäuferin, winkte zum Abschied und eilte davon.

„Oh, vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen“, rief ihr Peter hinterher und stürzte zielstrebig in Richtung der Kartons, bevor es andere Kunden ebenfalls mit bekamen, wo sich die noch nicht gänzlich ausgepackten Waren befanden.

Die Kartons waren oben bereits offen und man konnte mit den Händen hineingreifen und die begehrten Kopfkissen herausziehen.

Die dicke Frau von den Wühltischen beobachtete Peter aus der Ferne argwöhnisch und näherte sich mit dem Instinkt eines immer noch hungrigen Schakals.

Peter zerrte das zweite Kopfkissen heraus, beugte sich über den Karton und griff mit dem Arm bis ganz nach unten durch.

Sein Bauch schnitt sich in die scharfe Kante am oberen Kartonrand ein.
Endlich bekam Peter eine Decke zu fassen, zerrte sie aus dem Karton, prüfte, ob es die richtige war und schmiss sie zufrieden in hohem Bogen in seinen Einkaufswagen.

„Darf ich mal vorbei?“, sagte Peter zu der dicken Frau, an der nun fröhlich vorbeiging. Die sah ihn wütend an, bevor sie ein Stück zur Seite ging.

„Vielen Dank. Da hinten gab es übrigens herrliche Kopfkissenbezüge. Aber die sind jetzt weg, ich habe die letzten mitgenommen“, flötete Peter in einem süßlich vergifteten Ton und hüpfte fast freudig in Richtung Kasse.

Die dicke Frau sah ihm erst misstrauisch nach und beugte sich anschließend selbst über den Karton, ja, sie hängte sich so tief mit dem Oberkörper hinein, dass sie fast das Gleichgewicht verlor.

Zu groß war ihre Neugier gewesen, was Peter da so angeblich Tolles herausgenommen hatte.

„Geschieht dir recht, du gieriges Monster“, murmelte Peter, während er mit Vergnügen das enttäuschte Gesicht der dicken Frau beobachtete, nachdem diese wieder aus der Tiefe des Kartons aufgetaucht war.

„Haben Sie etwas zu mir gesagt?“, fragte ihn jetzt eine junge Frau, die hinter ihm stand.

„Nein, nein, ich habe mit mir selbst gesprochen“, sagte Peter schnell.

„Ich meinte nur, dass die Kopfkissenbezüge wie kleine gemütliche Monster seien“, setzte er noch hinzu.

Die junge Frau nickte ihm freundlich lächelnd zu.

 

PETER ERGREIFT BEIM EINKAUFEN DIE INITIATIVE

Was bisher war:
Peter wurde an den Wühltischen im Discounter von einer dicken Frau barsch abgedrängt.
Er musste überlegen, wie er wieder in die erste Reihe kam, um zu sehen, wo sich die einzelnen Sachen, die er kaufen wollte, befanden.

Peter schaute sich hilfesuchend um, wen er ansprechen könnte, damit er so schnell wie möglich an die Kopfkissenbezüge, die Decke für das Bett und den Hubschrauber für Krümel kam.

Er dachte darüber nach, was jetzt wohl am sinnvollsten wäre und er entschied sich für einen vorläufigen Rückzug, um mit etwas Abstand im hinteren Bereich den Überblick für die nächsten Schritte zu bekommen.

Peter fasste den Einkaufskorb an und zog ihn hinter sich her, während er sich nach Hilfe umschaute. Sollte er die Frau da drüben ansprechen, die ebenfalls in den Sachen wühlte, nur dass sie es nicht so aggressiv tat, sondern mit Bedacht.

Entschlossen schob er den Einkaufswagen wieder nach vorn, so wie eine Ramme, die für den Sturm auf ein schier uneinnehmbares Burgtor eingesetzt werden sollte.

„Ja, passen Sie doch auf, wo Sie mit Ihrem Wagen hinfahren“, schnaubte jetzt ein älterer Herr, der von der Seite kam.

„Ich komme von rechts“, sagte Peter.
„Sind wir auf dem Ku’damm? Lächerlich!“, antwortete der Herr und drängelte sich in die erste Reihe am Wühltisch.

Peter schaute sich hilfesuchend um. Da entdeckte er die Verkäuferin, die gerade Lebensmittel in die seitlich stehenden Kühltruhen einfüllte.

Gerade als Peter sie ansprechen wollte, drehte sie ihm den Rücken zu und schob einen riesigen Wagen, angefüllt mit leeren Pappkartons in Richtung der Tür zum Wareneingang.

„Vorsicht bitte!“, rief sie laut und entfernte sich schneller, als es Peter recht war.

‚Wenn man die schon mal braucht“, brummte er.
Er spürte, wie in ihm das Blut allmählich hochkochte.
Peter ließ einfach den Einkaufswagen stehen und ging schnellen Schrittes auf die Verkäuferin zu, die an der Kasse saß.

„Bitte entschuldigen Sie, ich suche ein paar Kopfkissenbezüge und eine Decke, die ich nicht an den Wühltischen finden kann“, rief Peter der Kassiererin zu, die damit beschäftigt war, eine endlos scheinende Anzahl von Dosen, Wurstpaketen, Haushaltsartikeln und Getränken vom Band zu nehmen und die entsprechenden Preise in die Kasse einzugeben.

„Junger Mann seien Sie doch so nett und fragen meine Kollegin, die gerade den Gang entlang auf sie zukommt.“

„Oh, vielen Dank, mach‘ ich“, sagte Peter, drehte sich um und sah genau die gleiche Verkäuferin, die schon einmal vor ihm geflohen war, versteckt hinter einem Warenkorb auf Rädern.

Die Verkäuferin hatte Peter nun auch entdeckt und bog geschmeidig in einen anderen Gang ab. Jetzt war Peter hellwach. Er war endgültig auf der Jagd und so würde die Verkäuferin beim zweiten Mal keine Chance haben, ihm zu entkommen.

„Junge Frau!“, rief Peter mit lauter Stimme, sodass sich einige nach ihm umdrehten. Er war stehengeblieben. Er war überzeugt, sie würde es auch tun.

Die Verkäuferin hielt tatsächlich inne, drehte sich um und schaute Peter an, leicht verärgert, weil er sie in ihrem Tun unterbrach.

„Könnten Sie mir helfen, ein paar Dinge zu finden, die ich bis jetzt nicht entdecken konnte?“

„Was wollen Sie denn?“, fragte ihn die Verkäuferin mit einem Unterton in der Stimme, der an ihrer Botschaft keinen Zweifel ließ:

‚Wieso wagst du es überhaupt, mich anzusprechen, wo ich doch auf dem Weg zur Kasse bin, die ich aufmachen will, damit sich die Schlange der Wartenden an der Kasse nicht noch mehr in den Raum ergießt‘, schienen ihr Blick und ihre Stimme in völliger Eintracht miteinander ausdrücken zu wollen.

„Ich suche eine Decke und zwei Kopfkissenbezüger, hier, sehen Sie mal.

Peter wollte ihr auf dem iPad das Foto von dem Einkaufsprospekt zeigen, das er vorsorglich abfotografiert hatte.

„Das finden Sie alles da drüben“, unterbrach die junge Frau ihn und wedelte mit ihrer linken Hand in die Richtung des Ungewissen an den Wühltischen.

„Naja, da finde ich eben nichts“, entgegnete Peter fest entschlossen, sich nicht noch einmal abwimmeln zu lassen.

 

PETER AM WÜHLTISCH DES DISCOUNTERS

Was bisher war:
Peter könnte nach Herzenslust arbeiten, jetzt wo Klara in Stralsund bei Anna war.
Doch das Gegenteil von dem trat ein, Peter war unkonzentriert, lustlos, suchte Ablenkung, nur um nicht an seine vor ihm auf dem Schreibtisch liegenden Aufgaben gehen zu müssen.
Peter fiel wieder ein, wie er in der vergangenen Woche morgens selbstlos in den Discounter gefahren war, um für Klara und Laura etwas einzukaufen.

Peter war am Discounter angekommen. Es war kurz nach sieben Uhr morgens und er hasste es für gewöhnlich, solche Dinge zu erledigen, bevor er überhaupt etwas in seinen Augen Produktives getan hatte.

Er liebte es, gegen sechs Uhr schon die ersten Zeilen auf das am Abend zuvor bereitgelegte Arbeitspapier zu schreiben. Sonst war er um die Zeit schon im Fitness-Center, bevor Corona kam und alles durcheinanderwarf.

Nun aber saß er um die Zeit wieder zuhause und versuchte das Beste daraus zu machen.

Und das Beste war für ihn auf gar keinen Fall, schon morgens in den Discounter zu fahren und in den Regalen nach Kopfkissenbezügen zu suchen. Doch nun war er da und wollte es schnell hinter sich bringen.

Peter band die Schutzmaske um, kramte seinen Chip für den Einkaufswagen aus der Tasche und stapfte entschlossen in Richtung Einkaufshalle.

Er wurde rechts und links von Menschen überholt, die ebenfalls auf den Discounter zueilten. Es waren vor allem ältere Menschen, die zu dieser Zeit unterwegs waren.

‚Wieso liegen die nicht im Bett und schlafen aus und warum schlagen die hier stattdessen solche Wellen?‘, fragte sich Peter, während er den Chip in den Einkaufswagen steckte, den er sich gerade noch vor einem Rentner schnappen konnte.

Er merkte gar nicht, wie er sich von der künstlich erzeugten Hast der vorbeilaufenden Senioren anstecken ließ.

Er lief den Gang entlang, vorbei an den Regalen mit den vielen Köstlichkeiten, die nun mal zur Weihnachtszeit auslagen. Auch das lastete er Klara und Laura an, dass er wie im Spießrutenlauf daran vorbeimusste.

‚Soll ich vielleicht doch was zum Kaffee mitnehmen?‘, schoss es ihm durch den Kopf, während er an dem bunten Weihnachtsgebäck vorbeilief.

‚Jetzt halt‘ dich mal an das, was du dir selbst vorgenommen hast und fall‘ nicht gleich bei der erst besten Bewährungsprobe um‘, sagte seine innere Stimme zu ihm.

Peter bewegte sich deshalb mit hohem Tempo weg von diesen Verführungen, hin zu den Regalen, wo sich die Decken und Kopfkissenbezüge befinden sollten.

Vor den Wühltischen hatte sich schon eine kleine Menschentraube gebildet. Eine Frau schaute nahezu angewidert auf einen Pullover, den sie in den Händen hielt, und den sie aus dem bis dahin sorgfältig und ganz offensichtlich mit Liebe zusammengestellten Päckchen herausgezogen hatte.

Sie drehte ihn ein paar Mal in der Luft hin und her und warf ihn dann verächtlich auf den Stapel zurück, wie ein Stück Abfall, das man versehentlich unter die Sachen gemischt hatte.

Ihr missmutiger Blick hatte bereits ein neues Opfer entdeckt. Ein Hemd. Peter kannte sich nicht aus in Stoffen und überhaupt in der Kleidung, denn das überließ er aus gutem Grund Klara.

Aber dieses Hemd sah so aus, wie es die kanadischen Holzfäller trugen, so jedenfalls stellte Peter es sich vor.

Er sah sich schon in klirrender Kälte in den weiten Wäldern Kanadas stehen, die Axt in der Hand und hinter sich einen Schwarzbären, der sich unbemerkt an ihn von hinten herangeschlichen hatte.

„Nu‘ stehn‘ Se‘ mal nich‘ im Weg, junger Mann!“, schreckte ihn eine tiefe Frauenstimme aus seinem Tagraum ‚Abenteuer Kanada‘. Es war die gleiche Frau, die gerade wieder das Hemd auf den Stapel zurückgeworfen hatte, und jetzt an den Platz wollte, an dem Peter stand.

Der schaute sie verdutzt an und murmelte, ein ‚Tschuldigung‘ und ging ein Stück weiter.

Jetzt stand die füllige Frau da, wo er sich näher umschauen wollte und dort nun nicht mehr herankam, weil die Dicke ihm auch nicht einen Millimeter überlassen hatte und deren Hände sich weiter in die nicht mehr lange so ordentlich aussehenden Sachen schob, wie ein kalter, unbarmherziger Schaufelbagger.

 

KLARA IST WEG UND PETER KÖNNTE NACH HERZENSLUST ARBEITEN – WENN ER WIRKLICH WOLLTE

Was bisher war: 
Klara war bei ihrer Mutter zuhause angekommen und wollte gleich mit dem Saubermachen loslegen.
Peter war endlich nach zwei Stunden Mittagspause an seinen Schreibtisch zurückgekehrt und dachte über sein Leben nach, anstatt seine Arbeit fortzusetzen.

Es war so still im Haus. Peter hatte ‚sturmfreie Bude‘ und er könnte jetzt nach Herzenslust weiterschreiben, seine Vorhaben voranbringen.

Aber was wollte er eigentlich vorantreiben?
Mehr Artikel schreiben, mehr Geld verdienen, mehr Interviews führen oder lieber die Füße hochlegen und gar nichts tun?

Immer wenn Klara wegfuhr, wollte er etwas schaffen, die Abendzeit mehr für das Schreiben nutzen und weniger vor dem Fernseher hocken.

Doch es kam in der Regel ganz anders. Peter verbrachte weniger Zeit in seinem Arbeitszimmer, schaute mehr Talkshows und Filme.
Er aß noch ungesünder und verfluchte sich selbst dafür.

„Ich komm‘ hier zu gar nichts“, schimpfte er oft, wenn Klara mal wieder in den Discounter wollte, weil es dort irgendetwas zu kaufen gab, meistens für Krümel.

Peter lehnte sich im Sessel zurück und dachte an die vergangene Woche.

Klara saß an ihrem Laptop im Homeoffice. Zwei Tage hatte sie jetzt mit ihrer Firma vereinbart, wo sie von Zuhause aus arbeiten konnte.

„Ich fahr‘ schnell hin und hol‘ die Sachen“, hatte er noch ein paar Tage zuvor Klara versprochen. Peter wollte sich opfern und freiwillig ganz früh am Morgen in den Discounter fahren.

Klara legte ihm einen Prospekt hin, in dem alles abgebildet war – zwei Kopfkissenbezüge, eine Decke für Laura und ein Hubschrauber für seine Enkelin Emma zu Weihnachten.

Peter fotografierte alles mit dem iPad ab und versah es mit einer speziellen Nummer, sodass er es auch wiederfinden konnte, innerhalb seiner zahlreichen Dateien.

Laura und Klara kicherten nur und verdrehten dazu die Augen, als sie Peters Vorbereitungen mitbekamen.

Das Telefon klingelte und Peter wurde aus seinen Gedanken gerissen.

„Guten Tag, hier ist die Telefongesellschaft, Herr Gerber, wie zufrieden sind Sie mit unseren Leistungen?“, fragte ein junge männliche Stimme.

„Ich bin mit den Leistungen sehr zufrieden, aber höchst unzufrieden mit den laufenden Störungen, während ich hier angestrengt arbeite“, sagte Peter.

„Oh, das tut mir leid“, sagte die Stimme am Telefon.

„Und mir erst“, entgegnete Peter und beendete das Gespräch, indem er einfach auf die Taste drückte.

„Wo war ich eigentlich mit meinen Gedanken?“

Peter kam nicht drauf. Das wäre jetzt die perfekte Gelegenheit, mit der Arbeit zu beginnen.

Aber Peter strengte sich an, um den geistigen Faden wiederzufinden, den er mit der Telefonunterbrechung verloren hatte.

„Ah, beim Einkauf.“

Peter lehnte sich zurück und erinnerte sich weiter, was er nicht alles noch nebenher machen musste und wofür ihm keiner so richtig dankte.

BESCHREIBUNG VON MENSCHEN IM REALEN UND IM FIKTIVEN ALLTAG – GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE

Über Menschen, die im Arbeitsalltag stehen, eine Geschichte zu erzählen oder in einem Roman eine Figur mit Worten auszukleiden – das ist nicht so einfach gleichzusetzen.

Die Hauptfigur in einer Erzählung unterliegt einem gewissen Rollenspiel, spiegelt nur das in seinem Wesen wider, was für den Autor von Interesse ist, um seinem Konzept zu folgen.

Was man von einer belletristischen Erzählweise lernen kann ist die Kunst, die für die Charakteristik einer Person wichtigsten Züge herauszuarbeiten, diejenigen Handlungen eines Protagonisten zu beschreiben, die für sein Wesen typisch sind.

Der Autor James in Frey fasst das in seinem Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, so zusammen:

„Wenn ein Schriftsteller das Leben einer Romanfigur beschreiben will, muss er darauf achten, nur die Eindrücke, Gedanken, Reflexionen, Wahrnehmungen, Gefühle, Wünsche usw. aufzunehmen, die für die Motive, die Entwicklung der Figur und für Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, von Bedeutung sind – Eigenschaften, die charakteristisch dafür sind, wie die Figur mit den Schwierigkeiten fertig wird, die die Geschichte für sie bereithält… Homo fictus ist eine Abstraktion, die das Wesen, aber nicht die Gesamtheit des homo sapiens wiedergeben soll.“
(Vgl. James N. Frey: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ © 1993 Emons Verlag GmbH / © 1987 bei James N. Frey
ISBN 978-3-89705-32-1, S. 18)

Was kann ich daraus mitnehmen für mein Storytelling:
Dass ich genau auf die Eindrücke, Gedanken, Emotionen achte, die das Wesen des Menschen im wirklichen Leben ausmachen und die ich auch mit einem entsprechenden Text wiedergeben will.

Natürlich, es gibt gravierende Unterschiede zwischen der belletristischen Erzählweise und dem Storytelling. Was sie eint ist die Tatsache, dass man sein Handwerk in beiden Fällen erlernen und beherrschen sollte.

AUF HOMO FICTUS ODER HOMO SAPIENS BEIM ERZÄHLEN ZURÜCKGREIFEN?

In Geschichten, die erzählt werden, sind die darin vorkommenden Figuren in der Regel fiktional angelegt.
Das heißt, sie sind nicht im Verhältnis 1:1 mit den real existierenden Menschen im tatsächlich stattfindenden Leben gleichzusetzen.

Na klar, es ist immer so, dass die Hauptfigur oft Züge von aus im realen Leben vorkommenden Menschen in sich vereint.

Wenn ich in „Anna ist dement“ über die Figur des Peter schreibe, dann finden sich dort zum Teil autobiographische Ereignisse wieder oder es sind Charakterzüge wiederzuerkennen, die auch mich auszeichnen.

Nur so kann ich authentisch und lebensnah schreiben.
Aber bin ich deshalb zu 100 Prozent der Peter? Nein, auf gar keinen Fall.

Der Reiz, künstliche Figuren zu erschaffen, homo fictus eben, besteht für mich darin, dass ich meine Phantasie und meine lebensechten Erfahrungen mit einfließen lassen kann.

Es gibt noch ein weiteres Motiv, warum ich nicht nur ‚Storytelling‘ betreibe, sondern auch fiktionale Geschichten erzähle.

Indem ich über einen Protagonisten erzähle, den ich fiktiv erschaffen habe, befasse ich mich sehr tiefgründig mit dem Wesen von Menschen, damit, warum sie sich in bestimmten Situationen so verhalten und nicht anders.

Das wiederum hilft mir bei meiner Arbeit, über reale Menschen im Alltag zu erzählen.

 

MENSCHEN AUS DEM ALLTAG – OHNE SIE FUNKTIONERT STORYTELLING NICHT

Menschen aus dem Alltag, Alltagshelden, sie sind die entscheidende Zutat, damit eine lebendige Geschichte erzählt werden kann.

Dabei spielt es für mich zunächst überhaupt keine Rolle, über wen ich schreiben will – ob über den selbstständigen Handwerker einer Bauschlosserei, die Inhaberin eines Küchenstudios oder den Protagonisten in einer fiktionalen Geschichte.

James N. Frey hat das in Hinsicht auf die Helden in einem Roman so zusammengefasst:
„Figuren sind für den Romancier was Holz für den Schreiner ist und was Ziegelsteine für den Maurer sind. Figuren sind der Stoff, aus dem der Roman gemacht wird.“
(James N. Frey: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ © 1993 Emons Verlag GmbH / © 1987 bei James N. Frey
ISBN 978-3-89705-32-1, Seite 17)

Sie sind für mich aber vor allem die Alltagshelden, für die ich mich interessiere, und wie ich weiß, meine Leser ebenfalls, und sie sind es, über die ich schreiben will.

Das ist das Hauptmotiv, warum ich mir immer wieder Anregungen, Tipps, Hinweise von den Großen im Metier des Schreibens hole – Tag für Tag, im Schreib-Alltag eben.

KLARA IST NICHT DA UND PETER DÜMPELT VOR SICH HIN

Was vorher war:
Klara war in Stralsund angekommen. Peter stand auf dem Bahnhof, um seine Schwester abzuholen. Beide fuhren in Richtung Hafen, zu Annas Wohnung.
Peter hatte es endlich geschafft, die Dose mit Aprikosen aufzumachen und saß nun im Wohnzimmer auf der Couch, um in Ruhe Nachrichten zu schauen und dabei das Obst zu essen. Das Telefon klingelte. Klara rief ihn aus Stralsund zurück.

„Na, bist du gut in Stralsund gelandet?“, fragte Peter sie, während er auf einem Aprikosenstück herumlutschte

„Was sagst du? Ich versteh‘ dich nicht. Ich bin im Auto von Lukas. Wir fahren gerade zu Mutti.“

„Viel Spaß“, sagte Peter und lachte. Er wusste, dass es Klara nicht leicht fiel zu sehen, wie Anna mehr und mehr unter ihrer Demenz litt.

„Ja, ich melde mich“, antwortete Klara.
Peter legte das Telefon weg und stellte den Fernseher wieder lauter.
„Make America great again“, las er auf eine der Mützen, die ein Trump-Anhänger während einer Demonstration für seinen Präsidenten trug.

Peter liebte es, politische Ereignisse zu verfolgen, Hintergründe zu erfahren. Er schaute sich oft Talkshows an und wusste oft vorher, was einzelne Gäste von den Botschaften her in Worte fassen würden.
„Eigentlich kannst du eine Rate-Sendung veranstalten, in der du das Thema vorgibst und vorher aufschreibst, was die einzelnen Gäste sagen werden und es dann mit dem vergleichst, was du selbst schriftlich niedergelegt hast“, sagte er zu Karsta.

„Du scheinst viel Zeit zu haben“, antwortete die.
„Was machen eigentlich deine Kunden“, schob sie meist in so einem Moment nach.

„Du kannst einem den Tag so richtig gründlich versauen“, sagte Peter dann und trollte sich in sein Arbeitszimmer.

Aber nun war ja Klara nicht da. Er schaltete auf eine Krimi-Serie um, in der ein genialer Ermittler mit seinem Ordnungswahn zu kämpfen hatte.

Peter schaute eine Weile zu, dann zog er die Füße ganz auf die Couch und legte seinen Kopf auf der linken Hand ab.

Der Fernseher drang nur noch leise an sein Ohr. Er hatte Mühe, den Kopf in der Haltung zu belassen, bevor er eingeschlafen war.
Plötzlich schrak er hoch, weil seine Hand abgerutscht war und sein Kopf nach vorn fiel.

In der linken Hand hatte sich das Blut gestaut, sodass Peter erst einmal den Arm hin- und her bewegte. Peter quälte sich langsam vom Sofa hoch. Es war kurz nach zwei Uhr mittags.

Er erschrak, weil er über zwei Stunden unten im Wohnzimmer gesessen hatte.

Peter brachte die Schüssel, in der die Aprikosen waren, nach draußen in die Küche und beeilte sich nach oben zu gehen.

Er tropfte sich ein wenig kaltes Wasser in die Augen und nahm schwungvoll die Tastatur in die Hand.
Das Telefon klingelte erneut.

„Hallo, ich bin bei Mutti“, sagte Klara.
„Und, wie ist es?“, fragte Peter. Er kam gleich zur Sache.

„Naja, ich melde mich später.“
„Ist gut, aber freut sich Anna denn, dass du so plötzlich vor der Tür gestanden hast?“

„Ja, schon, Mutti fragt nur, warum ich hier nicht schlafen will“, sagte Klara.
„Na, das ist ja auch nicht zu verstehen“, versuchte Peter sie aufzuziehen.

Doch die hatte keinen Nerv für seine Scherze.
„Ich leg‘ jetzt mal auf, denn wir wollen noch viel tun heute.“

 

WIE GUT UND INTERESSANT SCHREIBEN?


Geschichten, sei es im realen Leben oder im fiktionalen Bereich, sind dann interessant, wenn wenigstens über einen Menschen, einen Protagonisten, berichtet wird, der nicht einfach durchs Leben geht, ohne irgendwelche Widerstände überwinden zu müssen.

Vielmehr geht es dem Leser ja darum zu erfahren, mit welchen Hindernissen diejenige Figur zu kämpfen hat, über die berichtet wird.

Nichts ist unglaubwürdiger, als wenn ich nur über die Erfolge eines Menschen schreibe.

Manchmal höre ich im Interview, dass dies alles zu persönlich sei und keiner erfahren solle, mit welchen Schwierigkeiten der Interviewte auf seinem Weg zum Erfolg zu kämpfen hatte.

Es ist natürlich das gute Recht eines jeden, den ich frage, die Antwort darauf zu verweigern.
Aber mit jedem Detail, das weggelassen wird, mit jedem Konflikt, der unerwähnt bleibt, wird die Geschichte, das Interview blutleerer.

Zu lernen, wie man gute Geschichten schreibt, das ist wichtig.
Dabei ist es zunächst tatsächlich nicht von Belang, ob ich über eine wahre Begebenheit, eine Unternehmerpersönlichkeit schreibe oder eine fiktionale Geschichte erzähle.

James N. Frey hat in seinem Bestseller „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ bereits in der Einleitung den Kern des interessanten und spannenden Schreibens auf den Punkt gebracht:

„Ein ‚verdammt guter Roman‘ ist eindringlich, und das kann er nur sein, wenn er spannend ist. Zu einem spannenden Roman gehören die folgenden Merkmale: im Mittelpunkt steht eine Hauptfigur, der Protagonist, der mit seinem Dilemma konfrontiert wird; das Dilemma weitete sich zu einem Konflikt aus; der Konflikt verdichtet sich aufgrund einer Reihe von Komplikationen zu einem Höhepunkt; auf dem Höhepunkt wird der Konflikt gelöst.“
(Vgl. James N. Frey: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, © 1993 Emons Verlag GmbH / © 1987 bei James N. Frey,
ISBN 978-3-89705-32-1, S. 15).

KLARA KOMMT IN STRALSUND AN UND PETER VERSUCHT EINE OBSTDOSE ZU ÖFFNEN

Was vorher war:
Das Handy surrte in Klaras Tasche, während sie bereits an der Tür des Eisenbahnwaggons stand. Peter hatte versucht Klara zu erreichen. Er war nicht mit nach Stralsund gekommen. Nachdem Klara nicht zurückgerufen hatte, war er in den Keller gegangen, um etwas zu finden, was sich schnell zum Mittag zubereiten ließ. Er stieß auf eine Dose mit Aprikosen und begab sich gut gelaunt ins Wohnzimmer.

Die Bremsen des Zuges quietschten, während er langsam in den Bahnhof von Stralsund einfuhr. Klara wartete, bis der Waggon stehenblieb, und erst dann betätigte sie den Türöffner.

Hinter ihr schniefte und röchelte es. Der ältere Mann hinter ihr wollte unbedingt so schnell wie möglich nach draußen.

„Meine Güte, warum muss der unbedingt hinter mir stehen, während der ganze Zug fast leer ist“, dachte Klara und hob ihren Koffer an. Sie bugsierte ihn nach draußen und stand schließlich selbst auf dem Bahnsteig.

Klara schaute sich um, denn Lukas hatte gesagt, dass er sie abholen wollte.
Sie erkannte ihn an seiner ‚Handwerkeruniform‘ und seiner Jacke, die er seit vielen Jahren trug. An den Füssen hat er Sandalen, aus denen die nackten Zehen hervorragten.

„Wie hältst du das bloß bei der Kälte aus“, sagte Klara anstelle einer Begrüßung zu ihrem Bruder.

„Jetzt komm‘ doch erst einmal an“, brummte der und schnappte sich das Gepäck.

Beide gingen nach draußen. Lukas hatte direkt vor dem Bahnhofsgebäude einen der wenigen Parkplätze ergattern können. Sein Van stand leicht schräg.

Lukas hatte ihn so geparkt, damit er von der Länge her besser auf den sehr kurzen Platz passte.
Lukas beförderte das Gepäck in den Raum hinter den Sitzen, indem noch diverse Schaufeln und ein Rasenmäher standen.

„Und wie sieht’s aus?“, fragte Klara, nachdem Lukas den Motor angeworfen hatte, zügig mit dem Auto nach hinten stieß und das Lenkrad in Richtung Straße drehte.

„Was meinst du?“, fragte Lukas zurück.
„Na mit Mutti?“
„Hör mir bloß auf.“ Lukas schnaufte.
„War schon wieder irgendwas?“, fragte Klara.

„Nein, das nicht, aber es wird jeden Tag schlimmer“, sagte Lukas, während er in die Strasse bog, die direkt zum Hafen und damit auch zu Annas Wohnhaus führte.

„Du kannst Mutti nichts mehr sagen. Sie wehrt sich gegen alles, will nicht mehr aus dem Haus, nicht zum Frisör, nicht zum Friedhof, sie will gar nichts, sondern liegt nur noch auf der Couch.“

Klara schwieg. Sie wusste, dass es für Lukas schwer war und sie graulte sich davor, die nächsten Tage bei ihrer Mutter zu sein. Nicht weil sie arbeiten musste. Nein, das machte sie gern.

Aber sie fürchtete die Widerworte, die Haltung von Anna, gegen alles zu sein, was im Grunde zu ihrem besten war, was sie aber auf keinen Fall einsehen wollte.

Klara erinnerte sich daran, wie sanftmütig ihre Mutter vor ihrer Krankheit war und wie sie alles toll fand, was Klara ihr vorschlug.
Klara seufzte und schwieg.

Peter hatte nach einer kurzen Quälerei endlich die Dose mit den Aprikosen geöffnet.

Er füllte das Obst in eine Keramikschüssel um, in die größte, die er fand.

Dann holte er noch einen Löffel aus der Schublade und begab sich ins Wohnzimmer.

Er stellte den Fernseher an, fuhr die Beinstütze am Ledersofa hoch, nahm sich die Schüssel vor die Brust und begann genüsslich den Löffel in die Schüssel zu tauchen.

Er hatte den Nachrichtensender an und wollte wissen, ob es was Neues von den Wahlen in den USA gab.

Das Telefon klingelte. Peter schaute unwillig auf den Hörer. Sollte er rangehen?
Er sah die Nummer auf dem Display. Klara rief ihn zurück.

 

 

 

 

 

PROFESSIONELLES SCHREIBEN GANZ OHNE HANDWERKLICHE KENNTNISSE IST SCHWIERIG



Ich schreibe nicht darüber, wie viel man wissen sollte, bevor man anfängt, einen Roman zu schreiben. Das ist nicht mein Thema und generell auch nicht mein Anliegen.
Ich bin eher im ‚Geschäft des Storytellings‘ unterwegs.

Aber auch da, oder ich sage, erst recht hier, sollte man sich Grundkenntnisse im Erzählen von Geschichten aneignen.

Ich bleibe da auf jeden Fall dran, mal mit mehr Energie, mal mit etwas weniger.

Es beruhigt mich, wenn ich erfahre, dass selbst die ganz Großen eine recht ausführliche Recherche betrieben, wie es ‚handwerklich‘ hinter einem Drama aussah, bevor sie selber an ihr Werk gingen.

Das ist gut zu wissen, denn man hat den manchmal den Eindruck, dass diese Menschen nur aus ihrem Genie heraus ihre Feder führten.

Im Vorwort zum Buch von James N. Frey „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, heißt es dazu so treffend:

„In Deutschland herrscht noch immer ein Vorurteil, das in den großen Aufbruchjahren unserer Literatur in der früheren Goethezeit wurzelt: Dichtung entsteht ohne weitere Voraussetzungen, sobald die Muse das Genie küsst. Goethes Götz und sein Werther, Schillers Räuber, alle im Schaffensrausch hingeworfen, scheinen da unwiderlegbare Beweise zu sein. Dabei wird leicht übersehen, dass Goethe, als er den Götz in wirklich erstaunlich kurzer Zeit hinschrieb, voll mit der Dramentradition vertraut war, dank der französischen Besetzung Frankfurts während des Siebenjährigen Krieges sogar mit der Klassischen Französischen Bühnenpraxis, dass er beim Schreiben des Werthers über die Technik der Brieferzählung bestens informiert war…“ (Vgl.: James N. Frey: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, © 1993 Emons Verlag GmbH / © 1987 bei James N. Frey, ISBN 978-3-89705-32-1, Vorwort von Volker Neuhaus, S. 11).

Die gute Nachricht dabei: Wenn es die Großen nie verlernt haben, zu lernen, dann sollten wir es recht nicht tun.

Die weniger gute lautet: Du musst dranbleiben, ununterbrochen.

PETER ALLEIN ZUHAUS

RÜCKBLICK:
Klara stieg in Berlin am Gesundbrunnen in den Zug nach Stralsund.
Das Abteil war leer und sie konnte sich in Ruhe einen Platz aussuchen, das Gepäck verstauen und es sich bequem machen.
Es war schön für sie, dass sie sich nicht drängeln musste, keiner im Weg stand, als sie das Gepäck in das Netz hievte.
Aber irgendwie war es auch unheimlich, ja nahezu gespenstisch, dass keiner weiter in den Zug einstieg.
.....
Die Hallen der Volkswerft deuteten unwiderruflich die Ankunft in Stralsund an.

https://uwemuellererzaehlt.de/2020/11/17/anna-ist-dement-72/

Das Handy surrte in Klaras Tasche, während sie bereits an der Tür des Eisenbahnwaggons stand. Sie hielt sich mit einer Hand an der Stange fest, die unmittelbar vor der Waggontür angebracht war.

Sie hatte sich leicht nach vorn gebeugt und hielt mit der anderen Hand die beiden Ledergriffe des Koffers in der Hand, damit dieser nicht umkippte.

Klara hatte sich in eine ungünstige Position manövriert. Sie stand als erste an der Tür des Waggons, obwohl keiner weiter im Abteil gesessen hatte.

Nur der ältere Mann, der bereits im Gesundbrunnen mit ihr eingestiegen war, der wollte jetzt auch aussteigen. Er hatte sich ziemlich dicht hinter Klara gestellt und machte den Eindruck, als würde er sofort in Richtung Ausgang drängeln wollen, sobald der Zug hielt.

„Mein Gott, der sollte mal lieber den Mindestabstand einhalten“, dachte Klara, als sie hinter sich ein krächzendes Hustengeräusch vernahm.

Jetzt schniefte der ältere Herr auch noch, räusperte sich und brabbelte etwas in seinen Maskenschutz hinein, den er fast bis unter die Augenbrauen gezogen hatte.

„Ich kann jetzt nicht an das Telefon gehen. Das ist bestimmt Peter, der wissen will, wie weit ich gekommen bin“, dachte Klara, während sie mit Ungeduld die Einfahrt des Zuges in den Bahnhof Stralsund erwartete.

Peter drückte auf den roten Button auf seinem Handy, nachdem Klara nicht an das Telefon gegangen war.
Er fühlte sich allein, obwohl Klara ja gerade mal vor knapp fünf Stunden das Haus verlassen hatte, um zu Anna nach Stralsund zu fahren.

Er hasste diese Tage, obwohl er genügend zu tun gehabt hätte. Das eine Interview musste dringend fertig werden, das mit dem Fitness-Trainer.

Es lagen schon wieder zwei Wochen dazwischen und er hatte versprochen, sich mit dem Text zu beeilen.
Eigentlich hätte er nun genügend Zeit, um hintereinander zu arbeiten.

Aber gerade das Gegenteil passierte.
„Ich kann ja bis heute spät abends arbeiten“, dachte er sich, während er die Treppe ins Wohnzimmer hinunterschlurfte.

Und außerdem: Jetzt ist Mittagszeit, ‚Stunde der toten Augen‘, wie er stets zu Klara sagte.

Peter hatte sich vorgenommen, ein wenig abzunehmen, während Klara nicht da war.
Das fiel ihm leicht, weil keiner etwas zubereitete und Peter selbst keine Lust dazu hatte.

„Eigentlich könnte ich mir eine Dose mit Aprikosen aufmachen“, dachte Peter bei sich, während er in Richtung Wohnzimmer ging.

Er drehte sich um und polterte ziemlich laut mit seinen Latschen die Treppe zum Keller hinunter.

Peter wollte den Schalter der kleinen Lampe anstellen, die auf dem Tisch neben dem großen Kühlschrank stand.

Plötzlich schepperte es furchtbar und irgendetwas polterte mit lautem Getöse zu Boden.

„Verdammt“, dachte Peter.
Er knipste das Licht an und sah die Bescherung. Der Blechring der Kuchenform war von der Decke des Kühlschranks heruntergefallen.

„Wieso liegt die Kuchenform überhaupt hier obendrauf“, schnaubte Peter.

Er konnte es nicht verstehen, dass Klara die Dinge nicht gleich dahin räumte, wo sie hingehörten.
Aber Peter konnte nichts sagen. Zum einen, weil keiner da war und zum anderen, weil Klara alles zuhause machte. Gut, fast alles.

Peter versuchte, die beiden Enden der Kuchenform wieder ineinander zu stecken und brauchte eine Weile, bis er es einigermaßen geschafft hatte.

Er legte sie wieder auf den Kühlschrank oben rauf, weil er ja nicht wusste, wo Klara sie endgültig hinlegen wollte.

Er drehte sich zum Regal um und suchte die Dose mit Aprikosen drin. Sie stand zwischen Gurkengläsern und Büchsen mit Rotkohl.

„Hier müsste auch mal wieder aufgeräumt werden“, sagte er sich und verwarf sofort diesen Gedanken wieder. Das hätte er ja über eine Stunde gedauert.

Und außerdem würde Klara das wieder ohnehin in kürzester Zeit durcheinanderbringen.

Seine Vorschläge für eine strukturierte und dokumentierte Ablage der Dosen war schon längst von Klara als Idee von einem, der ja sonst nichts zu tun hätte, abgetan worden.

„Das macht zwar am Anfang Arbeit, aber du könntest danach mit geschlossenen Augen ins Regal greifen und die richtige Dose in der Hand haben.

Selbst wenn du das Licht auslassen würdest, könntest du die Sachen noch problemlos finden“, versuchte er Klara von seinem Vorhaben zu begeistern.

„Wieso mit geschlossenen Augen und warum ohne Licht?“, hatte ihn Klara nur gefragt.

„Sorg‘ mal lieber dafür, dass hier am Tag nicht überall die Lampen an sind, so als wäre Festbeleuchtung angesagt“, entgegnete Klara in solchen Momenten nur noch trocken.

Peter hatte es mittlerweile aufgegeben. Nur jetzt, wo ihm die Kuchenform scheppernd vor die Füße fiel, da erinnerte er sich an seine Zeit bei der Marine.

Wenn die Alarmglocken angingen, alle aus der Koje sprangen und jeder wusste, wo er im Dunkeln seine Sachen fand, das war für ihn die perfekte Organisation.

„Spiel doch mit Krümel ein bisschen mit ihrem neuen Schiff Seefahrt und vor allem, bring‘ ihr gleich mal bei, dass sie nach dem Spielen wieder alles wegräumt“, meinte Klara zu ihm in solchen Augenblicken.

„Krümel aufräumen“, rief Peter oft nach dem Spielen, aber Krümel hatte längst das Weite gesucht und war dort, wo es für sie interessanter war, bei Oma in der Küche, wo sie auf den Stuhl steigen konnte und in irgendwelche Schüsseln greifen konnte.

Als Peter daran dachte, bekam er wieder gute Laune. Er nahm sich die dickste Dose mit Aprikosen und stapfte nun schon fröhlicher die Treppe zum Wohnzimmer hinauf.

KLARA FÄHRT TROTZ CORONA NACH STRALSUND

Klara stieg in Berlin am Gesundbrunnen in den Zug nach Stralsund.
Das Abteil war leer und sie konnte sich in Ruhe einen Platz aussuchen, das Gepäck verstauen und es sich bequem machen.

Es war schön für sie, dass sie sich nicht drängeln musste, keiner im Weg stand, als sie das Gepäck in das Netz hievte.
Aber irgendwie war es auch unheimlich, ja nahezu gespenstisch, dass keiner weiter in den Zug einstieg.

Nur ganz vorn im Abteil, da saß ein älterer Mann, der unentwegt etwas vor sich hin brabbelte, in ein Taschentuch schniefte und sich dann wieder die Maske gegen Corona über die Nase zog.

„Wer weiß, wann der die Maske zuletzt gewaschen hat“, dachte Klara, während der Zug anrollte und sich langsam aus dem Bahnhof herausbewegte.

Sie musste an ihre Mutter in Stralsund denken, die sie besuchen wollte, um mal wieder nach dem Rechten zu sehen.

„Ich finde das nicht so gut, dass du jetzt fährst“, sagte Peter noch in den vergangenen Tagen zu ihr.

„Jetzt mach‘ mir nicht noch ein schlechtes Gewissen“, sagte Klara zu ihm.

Sie war auch ohne Peters Bemerkungen hin – und hergerissen.
Zum einen wollte sie unbedingt ihrer Mutter helfen, wieder etwas Struktur in Annas Alltag zu bringen. Und andererseits wusste sie natürlich, dass sich dem Risiko einer Corona-Infektion aussetzte.

„Ich versteh‘ dich schon, dass du nach Stralsund willst“, versuchte Peter sie zu beruhigen und in ihrem Entschluss zu stärken, bei Anna für ein paar Tage reinzuschauen.

Lukas war froh, dass Klara kam und er ein wenig entlastet würde.
„Es ist gar nicht, dass ich Mutti helfen muss, oder dass ich für sie einkaufen gehe, sondern, dass sie immer mehr herumnörgelt, dich förmlich mit ihrer schlechten Laune nach unten zieht“, sagte er zu Klara am Telefon.

Der Zug hatte Eberswalde erreicht und nach einem kurzen Aufenthalt ging es weiter. Klara schaute aus dem Fenster. Sie mochte es, einfach die Weiden zu sehen, auf denen vereinzelt Kühe grasten, oder die halbverfallene Scheune, an der der im Moment Zug vorbeiratterte.

Klara wurde müde von den wiederkehrenden Geräuschen. Sie schloss die Augen und sah ihre Enkelin vor sich, die rief: „‘Büüst‘ du, Oma?“

Ein Schmunzeln umzog ihre Lippen und lenkte sie davon ab, daran zu denken, was sie erwartete, wenn sie erst mal an Annas Tür klingelte.
Klara machte die Augen auf, zog das Handy aus der Tasche und ging die Videos durch, die Laura ihr geschickt hatte.

In der Mehrzahl war Krümel darauf zu erkennen, wie sie draußen umhertollte und die Gegend erkundete.

„Mama, hier Holz für ‚Feuerlager'“.
Jetzt konnte die Kleine schon zusammengesetzte Worte sagen, nur an der Reihenfolge in der der Silben musste sie noch feilen.

Aber irgendwie war es ja jetzt doch viel schöner, wie sie das Wort aussprach.

Der Zug hatte Greifswald erreicht. Der Bahnsteig war leer.
So langsam konnte Klara die Sachen von oben wieder herunterholen.

Dabei bestand gar keine Eile, denn in Stralsund war Endstation und die ohnehin wenigen Leute konnten ohne Hast aussteigen.
Klara stand trotzdem schon auf und fiel gleich wieder auf den Sitz zurück, weil der Waggon plötzlich hielt.

Langsam fuhr der Zug wieder an. Klara erhob sich erneut, hievte die schwere Tasche aus der Gepäckablage über ihr. Die Tasche war so schwer, dass sie ihren Arm ungewollt verdrehte.

Einer der Trageriemen hatte sich fest um ihre rechte Hand geschlungen und je mehr sie versuchte, sich daraus zu befreien, umso tiefer schnitt er sich in den Handballen ein.

Klara ließ die Tasche einfach auf den Sitz sinken, befreite sich von dem Trageriemen und rieb‘ ihre Hand, in der sich das Blut angestaut hatte.

Lustlos nahm sie die Tasche vom Sitz hoch, ließ sie gleich wieder auf den Fußboden des Ganges fallen und schleifte sie langsam hinter sich her.

Die Hallen der Volkswerft deuteten unwiderruflich die Ankunft in Stralsund an.

 

STORYTELLING LEBT AUCH VON BESCHREIBUNGEN UND STIMMUNGSBILDERN

Wenn ich einen runden -Text über ein Unternehmen schreiben will, so komme ich gar nicht umhin, Elemente zu verwenden, die auch in belletristischen Erzählungen angewendet werden.

Ich will ja im Storytelling nicht nur ein paar Fakten schildern, die dem Firmenporträt einfach nur angeheftet werden.

Nein, mir geht es auch schon darum, die Stimmung einzufangen, in der ich Gespräche führe, oder, in der ich die zu Interviewenden antreffe.

Das ist nicht immer ganz so einfach, wie ich es hier aufschreibe – zum Beispiel die Atmosphäre mit Worten zu skizzieren, die ich wahrnehme, bevor mein eigentliches Interview überhaupt beginnt.

Kürzlich hatte ich einen Termin in einem kleinen Ort im Barnimer Landkreis.

Mir blieb noch ein wenig Zeit und so hielt ich auf einem Parkplatz an, mitten in der Schorfheide.

Es roch nach den Kiefernzweigen, die sich leicht im Wind bewegten.
Die Ruhe, die sie ausstrahlten, die ging auf mich über.

Und obwohl ab und an ein paar Meter entfernt von mir Autos auf der Straße vorbeirauschten, hatte ich das Gefühl, ich könnte den Stress des Tages hinter mir lassen.

Als ich wieder ins Auto stieg und auf den kleinen vor mir liegenden Ort zusteuerte, da kam Freude in mir hoch, dass ich in dieser schönen und etwas abgelegenen Gegend gleich auf einen interessanten Menschen treffen würde.

Am Ortseingang sah ich kleinere Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten.

Alles schien in Ruhe und Ausgeglichenheit gegossen. Ein paar Meter weiter standen Spaziergänger an einem Gartenzaun.

Sie unterhielten sich mit einem älteren Mann, der sich auf seine Harke gestützt hatte und trotzdem noch aus den Augenwinkeln die herannahenden Autos beobachten konnte.

„Wir sind hier ein ruhiger Ort, mit sehr ruhigen Menschen. Bei uns zählt, dass man einander vertrauen kann. Und das ist enorm wichtig für mein Geschäft. Ich selbst bin hier geboren, groß geworden und habe hier meine Familie gegründet“, begann die Unternehmerin zu erzählen.

Das Bild, das ich mir von dem Menschen machen wollte, bekam mehr und mehr Konturen.
Angefangen hatte das alles schon vorher – nämlich als ich in den Ort hineinfuhr.

ZUHÖREN IST HÄRTER ALS REDEN

Wie der Alltag mich manchmal erneut zu Einsichten bringt, die ich längst schon wieder vergessen hatte – nämlich ein besserer Gesprächspartner zu sein, indem ich viel mehr zuhöre und zum Ausgleich dafür weniger rede.

Der Tag begann trüb und ich hatte Mühe, mich an meinen festgelegten Arbeitsplan zu halten.
Ich schaute nach draußen, blickte runter in den Garten und sah, wie der Wind einzelne Blätter auf der Wiese verstreute.

‚Eigentlich müsstest du doch jetzt runtergehen und den Carport vom Laub befreien‘, dachte ich bei mir, während ich den wolkenverhangenen Himmel betrachtete.

Ich schwenkte den Bürosessel zurück an den Schreibtisch, seufzte, weil mir nichts mehr einfiel, was mich ablenken konnte und setzte meine Arbeit vor.

Zwei Stunden später wurde ich müde. Die Augen klappten zu, während ich weiterschrieb.

Schließlich saß ich ja bereits seit kurz nach 5 Uhr am Tisch und kämpfte mich durch meinen Tagesplan.
Ich gab mir einen Ruck, stand auf, zog mir alte Sachen an und ging nach draußen, um den herumliegenden Blättern den Kampf anzusagen.

‚Wieso müssen eigentlich die Blätter von dem Baum da drüben ausgerechnet auf unsere Seite fliegen‘, fluchte ich innerlich, während ich bereits den Besen in der Hand hielt.

Ich machte mich daran, die Straßenseite zu fegen und die Blätter vor mir herzuschieben.

„Hallo, wie geht’s?“, hörte ich hinter mir die vertraute Stimme meines Nachbarn.

„Ach danke, ganz gut. Offensichtlich haben wir ja den gleichen Gedanken“, sagte ich und zeigte auf den Blätterhaufen vor mir, den ich gerade aufgetürmt hatte.

„Ich musste mal raus. Ich arbeite ja jetzt für einen Tag im Homeoffice“, sagte mein Nachbar.

„Donnerwetter. Das ist ja ein Ding, meine Frau hat gestern ebenfalls begonnen von Zuhause aus zu arbeiten. Ebenfalls für einen Tag“, sagte ich zu ihm.

Er ging nicht darauf ein, sondern sprach weiter darüber, wie er seinen Homeoffice-Arbeitsplatz organisiert hatte.

„Mittags machen wir genau eine halbe Stunde Pause“, schob ich schnell einen Satz ein, mitten hinein in seinen Redeschwall.
Wieder keine Reaktion von ihm.

„Arbeitet denn deine Frau ab und zu auch vom Homeoffice aus?“, fragte ich ihn.

„Oh ja, was denkst du denn!“, antwortete er forsch.
„Wir haben alles gut organisiert, schreiben uns auf dem Handy an, wenn wir miteinanderkommunizieren.“

Mein Nachbar war in Plauderlaune. Er weihte mich in die kleinsten Details seines neuen virtuellen Arbeitstages ein.
„Schön, dass wir mal wieder miteinander gesprochen haben“, sagte er zum Schluss.

„Ja, finde ich auch“, entgegnete ich, obwohl ich kaum zu Wort gekommen war.

„Wieso interessiert sich mein Nachbar eigentlich nur für sich?“, fragte ich abends Klara.
„Na warum wohl?“, fragte sie.

„Weil du nie vergessen solltest, dass sich die meisten Menschen vor allem für sich interessieren und nicht für andere“, sagte sie weiter.

„Das stimmt“, antwortete ich.
Wenn ich ehrlich war, so fand ich es ja auch am spannendsten, was ich gerade tat.

Oft genug hämmerte ich mit Worten und vielen Gesten auf Klara morgens beim Frühstück ein, was ich nicht alles für ‚bedeutungsschwangere Projekte in der Pipeline‘ hatte.

Klara hörte sich das stets schweigend an.
Sie sprach nie von ihrer Arbeit, ganz wenig nur und ich fragte nicht danach, weil ich mich mehr für mich interessierte.
Also warum sollte der Nachbar anders sein?

„Weißt du, ich hatte aber den Eindruck, dass ihm unser Gespräch, besser sein Monolog gut gefallen hat“, sagte ich jetzt zu Klara.
„Ja, wenn du ihn für dich gewinnen willst, dann hör‘ ihm weiter mehr zu, viel mehr, als du selber preisgibst“, sagte Klara zu mir und musste sofort lachen.

Sie wusste, wie schwer es mir fiel, nur zuzuhören. Das gelang mir ganz gut, wenn ich zum Interview ging, aber bei privaten Gesprächen war ich auch ganz gern mal an der vorderen ‚Redefront‘.

Ich nahm mir vor, künftig noch mehr an mir zu arbeiten, auch wenn es manchmal hart war, nichts zu sagen, dem Nachbarn nicht ins Wort zu fallen und sich dann noch für seine Probleme zu interessieren, und zwar aufrichtig.

Doch ich wollte es weiter versuchen, ein guter Zuhörer zu sein, möglichst viele Fragen zu stellen und wieder zuzuhören.
Dann wird aus meinem Nachbarn ein noch besserer Freund, als er es ohnehin schon war.

IHR KÜCHENPARTNER – DIETLINDE HOKE

 

Das Küchenstudio wurde am 01.10.2003 in Wriezen unter dem Namen „Ihr Küchenpartner" eröffnet. Inhaberin ist Dietlinde Hoke.
Das Studio befindet sich direkt am Kreisverkehr von Wriezen.

WAS FINDEN SIE IN DEM KLEINEN UND DENNOCH FEINEN STUDIO AUF 50 qm?
– Verschiedene Küchenmodelle,
– Vorschläge zur Einrichtung sowie Ausstattung Ihrer Küche,
– viele Ideen für schönes Wohnen und gutes Kochen.

WAS IST DIETLINDE HOKE WICHTIG?
Kundenservice, der das Wort verdient:
Dietlinde Hoke plant Ihre Küche, und zwar nach Ihren persönlichen Wünschen, Ihren individuellen Vorstellungen, mit viel persönlichem Engagement.

Ein Tischler, mit dem die Inhaberin sehr eng zusammenarbeitet, nimmt die Anpassungen vor – maßgeschneidert.
Dietlinde Hoke vereinbart die Termine mit Ihnen so, dass sie mit Ihrem persönlichen Kalender kompatibel sind.

In den über anderthalb Jahrzehnten hat sie vor allem Kunden im Oderbruch geholfen, deren eigene Küchenträume Wirklichkeit werden zu lassen, in einem fairen Preis-Leistungsverhältnis, mit hochwertigen Materialien, die auch noch umweltverträglich sind.

Dietlinde Hoke kümmert sich um Sie – so lange, bis Sie als Kunde und Kundin zufrieden sind.

WAS SIND IHRE SCHWERPUNKTE IM KUNDENSERVICE?
– Küchen und Einbauküchen, die zu Ihnen passen;
– Küchen umbauen, Küchenumzug;
– Einbaugeräte und Arbeitsplatten austauschen,
– vor Ort das Aufmaß vornehmen, individuell planen, auch zu bei Ihnen zu Hause;
– Lieferung und Montage;
– das Küchenprogramm umfasst verschiedene Markenhersteller und

Modelle – Landhausküchen ebenso wie Fronten in Hochglanz und in Matt.
– die wesentlichen Lieferanten für das Küchenstudio sind Nobilia und Sachsenküchen; im Programm sind zudem auch weitere hochwertige Marken, zum Beispiel AEG, Siemens, Bosch, Oranier, Küppersbusch;
– die Inhaberin stellt Ihnen gern die Details vor – Produkt, Qualität, Materialien und deren Verarbeitung sowie Funktionsweise;
– zuverlässiger Kundendienst;
– Pflege- und Reinigungsmittel und weiteres Zubehör anbieten und liefern;
– Garantieleistungen,

Das Küchenstudio „Ihr Küchenpartner“ gehört zur Gemeinschaft ‚Gute Küchen‘.
WAS IST IHR VORTEIL DABEI?
• hohe Qualität, Preise, die sich am Markt nicht verstecken müssen.
Mehr lesen: www.kuechen-wriezen.de

Die Inhaberin besser kennenlernen: https://uwemuellererzaehlt.de/2020/11/12/menschen-im-alltag-13/

Kontakt:
Ihr Küchenpartner
Wilhelmstraße 57
16269 Wriezen
Telefon: 033 456- 70 902
Telefax: 033 456 – 72 11 45
E-Mail: ihrkuechenpartner@mail.de
Web-Site: www.kuechen-wriezen.de

Öffnungszeiten:
Di-Fr 10.00-18.00
Montag und Samstag sowie weitere Termine gerne nach Vereinbarung
0333456 – 70 90 2 oder 0160 – 91111 552

DIETLINDE HOKE – ENGAGIERTE UNTERNEHMERIN MIT VIEL HERZ

Dietlinde Hoke hat einen entbehrungsreichen Weg hinter sich – von der angestellten Küchenverkäuferin hin zur selbstständigen Unternehmerin.
Es ist faszinierend ihre Geschichte zu hören und zu erfahren, was ein Mensch zu bewältigen in der Lage ist, wenn er auf sich allein gestellt ist und sich trotzdem eine sichere Zukunft aufbauen will. Ich habe Dietlinde Hoke in ihrem Küchenstudio getroffen.
Wir saßen uns gegenüber, getrennt durch eine durchsichtige Scheibe, um uns vor Corona zu schützen. Wir tranken Kaffee und Dietlinde Hoke begann zu erzählen.
Als ich mich nach knapp drei Stunden von ihr verabschiedete fühlte ich, dass ich einen wertvollen Menschen kennengelernt hatte. Jemand, der vor allem sehr bescheiden ist, zu wenig an sich denkt und sich umso mehr um seine Kunden kümmert.
„Ich habe in den letzten Jahren so viel lernen müssen, mehr als in den vergangenen Jahrzehnten zusammengenommen“, beginnt sie zu erzählen.

DER WEG VON DIETLINDE HOKE
Dietlinde Hoke kommt aus einfachen Verhältnissen. Ihr Vater hat im Tiefbau gearbeitet, später in der LPG und ihre Mutter war in der Gärtnerei beschäftigt.

Nach dem Abschluss der Schule hat sie 1977 eine Ausbildung zur Milch-Industrielaborantin begonnen. Die Molkerei war in Wriezen, aber gelernt hat sie in Flemsdorf, einem Ort zwischen Angermünde und Schwedt. Ihre theoretische Ausbildung war allerdings in Güstrow.

„An diese Zeit erinnere ich mich ganz besonders gern zurück. Das Internat war sehr schön, wir waren jung und unternehmenslustig. Ein bis zweimal im Jahr trafen wir uns mit Lehrlingen aus anderen Ausbildungseinrichtungen und feierten gemeinsam. Das wurde von den Verantwortlichen der jeweiligen Einrichtungen organisiert und fand großen Anklang bei uns.
Wir waren ja eine reine Mädchengruppe und so war es natürlich schön, wenn wir bei diesen Gelegenheiten Jungen aus anderen Ausbildungsstätten kennenlernten.
Die Feiern fanden in Krakow am See statt. Und dort habe ich auch meinen späteren Mann kennengelernt, der in dieser Zeit zum Funkmechaniker ausgebildet wurde.“

Im Anschluss an die Ausbildung war sie bis 1989 als Facharbeiterin in einem Labor in Wriezen tätig.
Dietlinde Hoke hat geheiratet und bekam zwei Kinder. Ihr Sohn ist heute in Nordhausen Ingenieur für regenerative Energietechnik, Ihre Tochter hat Tourismusmanagement studiert und arbeitet jetzt in Berlin. Dietlinde Hoke hat insgesamt vier Enkel, die sie innig liebt und auf die sie sehr stolz ist.
Sie ist 1989 zur damaligen Gebäudewirtschaft in Wriezen gewechselt und war als Sachbearbeiterin tätig.

„Woran ich mich sehr gut erinnere ist, dass ich dort Schreibmaschine schreiben gelernt und im Februar 1989 noch den Führerschein für LKW gemacht habe. Das war sehr anstrengend, denn es musste alles nach der Arbeit am Abend passieren. Aber ich war froh, dass ich durchgehalten habe.“

1993 wechselte Dietlinde Hoke von der Wohnungsbaugesellschaft zu einer Sanitärfirma, für sechs Stunden. Sie wollte einfach mehr Zeit für ihre Kinder haben.  Sie arbeitete dort von 1993 bis 1995 als Sachbearbeiterin.

„Die Arbeit hat mir gut gefallen, aber als ich eines Morgens nach einer vierwöchigen Kur in die Firma zurückkam und wie gewohnt mit Energie und guter Laune an mein Tagewerk gehen wollte, stand plötzlich mein Chef hinter mir. Er schaltete wortlos den vor mir stehenden Computer aus und legte vor mir einen Briefumschlag hin, ebenfalls ohne Worte.
Das war mein Kündigungsschreiben. Ich war schockiert, denn ich stand faktisch von einem Tag auf den anderen ohne Arbeit da. Das hat mich sehr getroffen, und ich habe eine Weile gebraucht, um damit fertig zu werden. Meine Kollegen waren ebenfalls sehr geknickt, als sie davon erfuhren. Sie verstanden einfach nicht, warum ihr und mein ehemaliger Chef so gehandelt hatte.“

VOM BEGINN MEINES ABENTEUERS ALS ANGESTELLTE KÜCHENVERKÄUFERIN

„Ich war bereits über neun Monate arbeitslos, als ich durch Zufall davon erfuhr, dass eine Firma von außerhalb jemanden für ein gerade neu eröffnetes Küchenstudio in Wriezen suchte. Die Inhaber hatten zu dem Zeitpunkt Probleme mit der Verkäuferin. Ich ergriff diese Chance und fing im Januar 1996 in diesem Studio als neue Küchenverkäuferin an.“

Dietlinde Hoke hatte keinerlei Vorkenntnisse, wusste nicht, wie sie eine Küche zeichnen sollte, wie das Aufmaß zu nehmen war, also alles, was eine versierte Küchenverkäuferin im Grunde genommen hätten wissen müssen.

„Ich habe damit begonnen, Küchen auf dem Papier zu zeichnen, denn einen Computer hatte ich noch nicht. Aus der Hauptfiliale kam zur Unterstützung eine Kollegin, die mich einweisen sollte.
Sie war sehr nett, sehr sympathisch und wir verstanden uns gut. Sie hat mir dabei sehr geholfen, mich einzuarbeiten. Doch sie war ja nur acht Wochen bei mir und danach musste ich allein klarkommen. Also bin ich irgendwie doch ins kalte Wasser geschmissen worden. Ich habe nachts davon geträumt, wie ich eine Küche aufbaue.“

Die Leute kauften bei ihr Küchen, und zwar von Anfang an. Später bekam sie einen Computer und konnte daran arbeiten. Sie zeichnet bis heute auf Papier, wenn sie mit Kunden im Erstgespräch ist.

„Das ist einfach anschaulicher, wenn ich mit Bleistift, Lineal und Radiergummi vor den Augen der Kunden agiere, sie auf diese Weise hautnah miterleben können, wie der Grundriss ihrer zukünftigen Küche entsteht.“

VON DEN ANFÄNGLICHEN ÄNGSTEN UND ZWEIFELN
Dietlinde Hoke musste erst einmal ihre Ängste überwinden, die sie ganz zu Anfang hatte, wenn ein Kunde oder eine Kundin das Küchenstudio betrat.

„Ich erinnere mich, wie ich einen Samstag allein im Küchenstudio war. Ich bekam Angst, wusste nicht, was ich tun sollte, wenn jemand tatsächlich zur Tür hereinkommen würde. Ich habe also innerlich gebetet, dass die Leute am Küchenstudio vorbeigehen. Aber sie kamen herein. Für diesen Fall hatte mein Chef mir gesagt, dass er telefonisch in der Hauptfiliale erreichbar sei. Und genau diese Unterstützung hätte ich auch dringend gebraucht.
Da waren zum Beispiel Kunden, die genau wissen wollten, wie das mit der Dunstabzugshaube funktionierte, wo für die Abluft die Öffnung in der Wand hinkam.
Ich rief also in der Filiale an. Doch niemand meldete sich.“

Insgesamt war Dietlinde Hoke fünf Jahre fest angestellt, von 1996 bis 2001.

„Gearbeitet habe ich damals schon wie eine Selbstständige. Ich habe alles allein gemacht – von der Planung bis zum Schreiben der Rechnung.“

Im Jahr 2001 wurde Dietlinde Hoke krank und fiel für eine längere Zeit aus.

AUF EIGENEN FÜSSEN STEHEN – LEICHT GESAGT UND NUR MIT VIEL ANSTRENGUNG GETAN
Manchmal denkt Dietlinde Hoke an die Zeit zurück, als sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Nachdem sie zur Kur in Davos war, ging es ihr gesundheitlich wieder besser und sie begann zu überlegen, wie es weitergehen sollte.

Ihr Mann riet ihr damals: „Mach‘ dich doch selbstständig. Du hast doch alle Erfahrungen, warst ohnehin auf dich allein gestellt, selbst als angestellte Küchenverkäuferin.“

Damals waren sie noch zusammen, Dietlinde Hoke und ihr Mann, und so wagte sie den Schritt, obwohl sie stark an sich zweifelte, nicht den Glauben an sich hatte, das alles zu schaffen.

Sie nahm all ihren Mut zusammen und handelte mit dem neuen Eigentümer des Hauses einen Mietvertrag aus. Am 01. Oktober 2003 eröffnete sie ihr eigenes Küchenstudio.

„Anfangs war es natürlich für mich eine Katastrophe, ich wusste nicht, wie ich es anpacken sollte, obwohl ich ja bereits fünf Jahre zuvor als Küchenverkäuferin gearbeitet hatte.“

Heute kann sie sich nicht mehr vorstellen, in einer anderen Form zu arbeiten, obwohl sie alles allein machen muss, angefangen vom Saubermachen, Planen über Rechnungen schreiben bis hin zur Reklamationsbearbeitung.

DIETLINDE HOKE LIEBT IHRE ARBEIT, AUCH WENN ES NIE LEICHT IST
Dietlinde Hoke ist eine Kümmerin. In der Beratung geht es ihr zunächst darum zu erfahren, welche Vorstellungen ihre Kunden von der Küche haben, die zu ihnen passen soll.
Sie hört sich das an, stellt schon im Kopf die Küche zusammen.

„Die Leute sollten am besten ins Studio kommen, ein paar Fronten ansehen, grobe Maße mitbringen, wo das Wasser, Abwasser, die Steckdosen oder das Fensterbrett sind. Dann zeichne ich es in Gegenwart der Kunden auf das Papier, berücksichtige dabei ihre Vorstellungen. Und nur darum frage ich so viel. Manchmal sagen Kunden dann: ‚Was Sie nicht alles wissen wollen.‘
Ich antworte in solchen Fällen darauf, dass ich ihnen nur ein gutes Angebot machen kann, wenn ich ihre Vorstellungen und Wünsche genau kenne, zum Beispiel, ob es eine einfache Spüle sein soll oder eine aus Granit. Oder wieviel Personen im Haushalt leben, denn das ist wichtig, um den richtigen Geschirrspüler auszusuchen.“

Am liebsten hat sie die Kunden danach noch einmal am Tisch, damit alles endgültig besprochen werden kann.

„Das ist dann auch alles ein bisschen persönlicher und wirkt sich positiv auf die Qualität der finalen Erstellung des Angebotes und schließlich des Vertrages aus, wenn Einzelheiten noch einmal individuell abgestimmt werden können, bis hin zum Preis.“

Der Aufbau der Küche bei den Kunden vor Ort ist im Preis miteinbegriffen.

„Das finde ich wichtig und sage oft, dass die Kunden nicht am falschen Ende sparen, sondern gerade beim Aufstellen der neuen Küche auf professionelle Unterstützung und Erfahrungen zurückgreifen sollten.“

An einer Wand im Küchenstudio stehen die Worte des französischen Meisterkochs Georges Auguste Escoffier: „Das Fundament allen Glücks ist eine gute Küche.“

„Diesen Spruch fand ich so treffend für meines kleines und irgendwie doch sehr feines Studio.
Ich habe ihn im Internet recherchiert. Meine Tochter hat mir dann die entsprechende Folie dazu besorgt und den Spruch an der Wand angebracht.“

Dietlinde Hoke ist im Moment zufrieden, wenn sie daran denkt, wie sie in den Jahren immer besser mit ihrem Studio von den Kunden in und um Wriezen angenommen wurde.

„Es ist interessant, dass ich Generationen von Kunden habe, von Opa und Oma, den Eltern, bis hin zu den Kindern oder alle gemeinsam. Es ist schön, wenn ich zum Beispiel von den Enkeln erfahren, dass Oma und Opa zur Küche was dazugegeben haben und wie glücklich jetzt alle mit dieser Anschaffung sind. Neue Küchen können natürlich nicht den Lauf der Welt verändern, aber sie können ein kleines bisschen Glück in die Herzen der Leute bringen und das freut mich dann sehr. Das Vertrauen, das in dieser Zeit entsteht, das ist mir wichtig.
Es drückt die gegenseitige Wertschätzung aus, die wir brauchen, um die Arbeit, das Leben als alltäglichen Reichtum zu begreifen, und daraus wiederum Kraft zu schöpfen.“

ICH BIN GLÜCKLICH GESCHIEDEN
Dietlinde Hoke hat viel mit ihrem Mann gemeinsam aufgebaut. Später hat er sie in den Anfängen ihrer selbstständigen Arbeit im Küchenstudio unterstützt.
Doch mit den Jahren wurde ihr Verhältnis zueinander schwieriger, und ihre Ehe belastete sie von Tag zu Tag mehr.

„2007 habe ich mich von meinem Mann getrennt und von da an allein gearbeitet.
Der Scheidungsprozess lief über viele Jahre, bis 2017. Aber nun bin ich froh, dass ich alles hinter mir lassen konnte. Jetzt fühle ich mich wohl. Ich bewohne eine kleine Wohnung in der Nähe des Küchenstudios.“

DEN WILLEN AUFBRINGEN, LOSZULASSEN
Dietlinde Hoke kann sich nur schwer von ihrer Arbeit lösen.
Und trotzdem versucht sie inzwischen mehr Zeit mit ihren Kindern, Enkeln und ihrem Partner zu verbringen.

„Das alles miteinander in Einklang zu bringen, das Leben in all seinen Facetten zu genießen – das sehe ich heute als meinen eigentlichen Reichtum an.“

GLÜCKLICH SEIN, DAS KOSTET KRAFT
Glück ist für Dietlinde Hoke, am Kreisverkehr von Wriezen ihr Küchenstudio zu haben, mit einem verlässlichen Handwerker zusammenzuarbeiten, den Kunden ihren Traum zu erfüllen, zu erleben, wie sie sich über ihre Wunschküche freuen.

„Wenn ich mich noch einmal entscheiden müsste, ob ich den Weg wieder gehen würde, dann würde ich es mit großer Sicherheit wieder tun“, beschließt sie ihre Geschichte.

FIRMENPORTRÄT:

https://uwemuellererzaehlt.de/2020/11/12/firmenportraet-ihr-kuechenpartner/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DIE ERSTEN ANZEICHEN VON DEMENZ

Vor drei Jahren fing ich an, über Annas aufkommende Demenz zu schreiben und darüber, wie es das Leben der gesamten Familie veränderte – mehr Sorgen, mehr Ängste, mehr Tränen, doch auch ein wenig mehr Humor.

 

ANNA VERGISST DEN VATERTAG

Anna war der Vatertag stets wichtig, nur vor drei Jahren, da vergaß sie ihn einfach.
Annas Demenz wurde immer sichtbarer. Keiner konnte dagegen etwas tun, auch Anna nicht.

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/05/25/anna-ist-dement-2-2/

ANNA KANN NICHT MEHR ÜBER PETERS HUMOR LACHEN

„Ich liebe Stralsund“, sagt Anna.
Peter stimmt ein Lied an: „Unsere Heimat, das sind nicht nur…“
Anna lacht nicht, Klara auch nicht, im Gegenteil. Sie wirft ihm einen wütenden Blick zu.
Sie versteht nicht, dass Peter noch Witze über Annas Gemütsregungen machen konnte.

 

https://uwemuellererzaehlt.de/2020/09/14/anna-ist-dement-1/

SIE HABEN GEWONNEN, FRAU STURM

Anna will ihrer Tochter Klara nicht glauben, dass sie nichts gewonnen hat, sondern lieber auf das vertrauen, was in dem Werbebrief steht, den sie in ihren Händen hält.
Nämlich, dass sie 8000 Euro gewonnen hat.

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/05/26/anna-ist-dement-5/

WARUM DETAILS IM STORYTELLING WICHTIG SIND



Im letzten Beitrag ging es darum, dass das Storytelling, das Schreiben generell ein System braucht.
Mehr dazu: https://uwemuellererzaehlt.de/2020/11/08/schreib-alltag-21/.
In diesem Beitrag will ich der Frage nachgehen, warum Details in einer Geschichte so wichtig sind. Das können natürlich nur Anregungen sein, vor allem Erfahrungen, die ich selbst beim Schreiben gemacht habe. 

Kürzlich fragte mich die Inhaberin eines kleinen Unternehmens, warum ich sie soviel fragen würde, zum Beispiel, wo genau sie aufgewachsen ist, wie alt ihre Schwester sei und was sie alles in der Freizeit treibt, womit sie sich in der wenigen für Sie verbleibenden Zeit beschäftigt, wenn sie nicht mit ihrem Business befasst ist.

„Wozu soll das gut sein, wenn ich das alles beantworte“, entgegnete sie mir.
Ja, warum? Kann ich nicht einfach ein paar Fakten aufschreiben, ein kurzes Leistungsportfolio der Dienstleistungen und Produkte zusammentragen und anschließend Ruhe geben?

Natürlich kann ich das tun, doch was hätte das mit Storytelling zu tun, damit, dass ich einen Menschen, sei es nun beruflich oder privat vorstellen wollte?

Wer würde das lesen wollen? Vermutlich keiner.
Wenn ich beispielsweise schreibe, dass einer Unternehmerin kaum Zeit für die eigenen Enkel bleibt, dann ist das sicher erst einmal ein Fakt, den der Leser hinnimmt.

Aber wie wäre es damit?
„Anne rieb sich die Augen. Im Büro war es dunkel, ihre Mitarbeiter waren längst gegangen.
Sollte sie sich noch einen Espresso machen? Oder doch lieber die Sachen packen, das Büro abschließen, nach Hause fahren und direkt ins Bett fallen.
Sie könnte ja am nächsten Tag weitermachen. Aber sie hatte ihrer kleinen Enkelin versprochen, dass sie morgen zu ihrem Geburtstag ganz bestimmt anwesend sein würde.
‚Oma, ich freu‘ mich. Bringst du mir was Schönes mit‘, hatte sie heute noch auf der Mail-Box ihres iPhones gehört. Sie konnte ihre Enkelin nicht enttäuschen. Sie musste einfach mit am Geburtstagstisch sitzen.
Und was war mit dem Angebot? Es musste bis fertigwerden, neben den vielen Besprechungen, die am nächsten Tag anstanden.
Anne seufzte, erhob sich aus dem Sessel, schlurfte auf Strümpfen zum Kaffeeautomaten.
Ihre Schuhe hatte sie längst unter den Schreibtisch geschoben.
Irgendwie musste das alles anders werden. Nur wie, das wusste sie nicht, als sie mit dem Espresso am Schreibtisch zurück war und sich erneut in das Angebot vertiefte.“

Ganz sicher kann man das noch besser ausfeilen, prägnanter, ausführlicher beschreiben.

Aber es zeigt schon in der Fassung folgendes: Menschen und das, was sie umtreibt müssen in den Einzelheiten beschrieben, vorgestellt werden. Wie auch sonst soll der Leser an der Situation teilhaben, sich in die Nöte und Freuden von Anne, der Unternehmerin hineinversetzen können?

Es geht gar nicht darum, alles bis in die letzte ‚Fuge‘ hinein breitzuwalzen. Aber nur, indem ich echte authentische Details verwende, kann ich Anteilnahme hervorrufen, letztlich Vertrauen beim möglicherweise späteren potenziellen Kunden schaffen.
Details zu beschreiben, das will geübt sein. Mir gelingt es mal gut und manchmal gar nicht.

In jedem Fall nutze ich nahezu jede Möglichkeit, mich darin zu üben.
Fahre ich mit meiner Frau zum Einkaufen, so beobachte ich die Menschen um mich herum.
Zuhause am Schreibtisch zurück, notiere ich meine Beobachtungen.

Oft genug tippe ich sie auch gleich in mein Handy.
Keiner von uns, lebt in ‚großen Bögen‘, hält tagsüber überschwängliche Reden oder artikuliert lediglich gestanzte Worthülsen.

Nein, jeder arbeitet am Tag hunderte Einzelheiten ab, nimmt unzählige Details von Menschen und Sachen auf, wird Zeuge von Emotionen, unterliegt selbst Gefühlsregungen, kurzum lebt einfach. Dieses Leben zu beschreiben, darum geht es. Und das funktioniert, indem man die Details, die Einzelheiten berücksichtigt.

FREIBURGER PFLEGESERVICE – KREATIV UND ENGAGIERT

Patrick Bolanz ist der Inhaber des Freiburger Pflegeservice und ein kreativer Kopf, wenn es darum geht, die Qualität der individuellen Pflege in seinem Wirkungsbereich zu halten und weiterauszubauen.
Er sieht sich dabei als Teamplayer und Dienstleister für seine Mitarbeitenden, denn sie sind es, die den ausschlaggebenden Beitrag dafür leisten, dass der Freiburger Pflegeservice so gut angesehen ist – bei den Hilfs- und Pflegebedürftigen und deren Angehörigen. 
Deshalb fällt es mir leicht, diesen Pflegedienst immer wieder mal in den Fokus der verdienten Aufmerksamkeit zu rücken.
DAS TEAM DES FREIBURGER PFLEGESERVICE

Patrick Bolanz hatte eine Vision, als er sein eigenes Unternehmen gründete. Er wollte für seine Klienten eine persönliche Pflege und Betreuung, die nicht auf kurzfristige Zeitabstände angelegt ist, sondern die sich kontinuierlich fortsetzt.

An diesem Gedanken hat er bis heute festgehalten, ihn weiterentwickelt und damit eine Qualität in einen Prozess gebracht, die sich sehen lassen kann – bei seinen Klienten, den Angehörigen und auch seinen Mitarbeitenden.

„Wir wollen Menschen vor allem darin unterstützen, sich selbst besser zu helfen, die eigene Selbstständigkeit zuhause möglichst lange zu bewahren“, sagt Patrick Bolanz auf den Kern der individuellen Pflege und Betreuung angesprochen.

Diese konsequente Ausrichtung hat dem Team großen Zuspruch gebracht, der sich auch in der gestiegenen Nachfrage nach Pflege und Betreuung manifestiert.

„Das ist aktuell unsere größte Herausforderung, die wir zu bewältigen haben“, sagt Patrick Bolanz.

„Wir brauchen hier die Ideen und das Engagement des gesamten Teams. Aber genau das ist es auch, was uns alle fordert, zusammenschweißt, motiviert, kurz um – uns einen riesigen Spaß bereitet.“

GEHALT – WERTMÄSSIGES ÄQUIVALENT FÜR SELBSTBEWUSSTES UND VERANTWORTUNGSVOLLES HANDELN

Bei den Gehaltszahlungen orientiert sich der Pflegedienst an den Arbeitsrichtlinien (AVR) der beiden großen privaten Arbeitgeber – Diakonie und Caritas-Verband.

„Wir sind mit unseren Gehaltszahlungen vergleichsweise im oberen Drittel dieser AVR angesiedelt. Mit einem angemessenen Gehalt drücken wir unsere Wertschätzung für die geleistete Arbeit unserer Mitarbeitenden aus“, sagt Patrick Bolanz.

„Wir haben vor kurzem gerade einen zusätzlichen Bonus, steuerfrei, in Höhe von 1500, 00 Euro an jedes Teammitglied ausgezahlt, um die besonderen Leistungen und Anstrengungen in der Zeit der Corona-Pandemie zu würdigen“, ergänzt er an der Stelle.

SPASS AN DER ARBEIT – FÜR PATRICK BOLANZ KEIN LIPPENBEKENNTNIS

Das Klima im Unternehmen ist gut. Wichtige Arbeitsabläufe und Prozesse sind digitalisiert.
An dieser Strategie wird weitergearbeitet. Ein wichtiger Punkt, um Abläufe nicht nur effizienter zu gestalten, sondern auch, um Wege und Anstrengungen für die Mitarbeitenden zu reduzieren.

„Mir kommt es besonders darauf an, dass wir mit echtem Spaß unsere Arbeit verrichten. Immerhin ist es ein Großteil unserer Lebenszeit, die wir mit dieser Tätigkeit verbringen“, so P. Bolanz.

Mehr lesen:

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/19/kurzportraet-patrick-bolanz/

DER INHABER DES FREIBURGER PFLEGESERVICE

Pflege war für Patrick Bolanz nicht von Anbeginn seiner Entwicklung der Traumberuf, den er anstrebte.
Er absolvierte zunächst eine kaufmännische Ausbildung und hat später in einem großen Konzern im Einkauf gearbeitet.

Seine Vorstellung von Selbstverwirklichung im Leben brachte ihn jedoch darauf, noch einmal eine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger zu beginnen.

„Ich wollte mehr mit Menschen zu tun haben, mit denen ich nicht nur kommunizieren, sondern ihnen auch in lebenswichtigen Bereichen nachhaltig helfen konnte“, erinnert er sich zurück.

Der Entschluss, sein eigenes Pflegeunternehmen zu gründen, reifte in ihm, nachdem er im Anschluss an seine Ausbildung viele Erfahrungen in der Pflege und Betreuung gesammelt hatte.

„Rückblickend erkenne ich wie in einem Brennglas: Alle meine bisherigen beruflichen Stationen hatten ihren Sinn – gelernter und examinierter Altenpfleger, gepaart mit Ausflügen in das Eventmanagement, Handelsvertreter in einem internationalen Unternehmen für die Bereiche Organisation, Marketing und Verkaufsstrategien.

Das alles gibt mir die Kraft und ein gerütteltes Maß an Erfahrungen, um den Anforderungen an einen Pflegedienstinhaber in der heutigen Zeit gerecht zu werden“, so P. Bolanz heute.

Mehr lesen:

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/19/interview-mit-patrick-bolanz/

DIE LEISTUNGSSPANNE DES FREIBURGER PFLEGESERVICE

Der Freiburger Pflegeservice ist in der Gartenstadt Haslach, einem Stadtteil von Freiburg, zuhause.

Von dort aus betreut das Team um Patrick Bolanz seine Klienten im gesamten Stadtgebiet, viele darunter, die in Haslach leben.
Das Team versorgt ca. 120 Klienten.
Von den über 25 Mitarbeitende sind 13 examinierte Fachkräfte in der Pflege tätig.

12 Mitarbeitende arbeiten in der Betreuung, in der Hauswirtschaft und helfen mit, die Pflege nach Kräften zu verbessern.
Zwei Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind für die Verwaltung, für Personal und Managementaufgaben zuständig.

Die Leistungen reichen von der Grund- und medizinischen Behandlungspflege, der Verhinderungspflege, Betreuungsleistungen bis hin zur Rund-um-Betreuung (‚Pflegeservice 24 h- zu Hause bleiben‘) und der ausserklinischen Intensivpflege.

Der Inhaber, Patrick Bolanz, ist examinierter Altenpfleger und besitzt die Qualifikation zur Pflegedienstleitung. Er fühlt sich auch privat mit seiner Familie in der Gartenstadt wohl.

Mehr im Firmenporträt:
https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/17/freiburger-pflegeservice-stellt-sich-vor/

Kontakt:
Freiburger Pflegeservice
Inhaber: Patrick Bolanz
(examinierter Altenpfleger – staatlich geprüfte Pflegefachkraft)
Fichtestraße 31
79 115 Freiburg – Haslach
Telefon: 0761-4799633
Telefax: 0761-4799634
E-Mail: info@freiburger-pflegeservice.de
www.freiburger-pflegeservice.de

STORYTELLING BRAUCHT SYSTEM


STORYTELLING, SCHREIBEN IST WIE PROJEKTMANAGEMENT – ES BRAUCHT MÖGLICHST EIN SYSTEM

„Du schreibst doch gern!“, das höre ich oft von Freunden und Kollegen, wenn ich mit Begeisterung über meinen Blog, das Schreiben überhaupt spreche.

Aber schreibe ich wirklich so gern?

Nein, das wäre unehrlich, und ich würde auch die Augen vor den Widerständen verschließen, die das Schreiben, das Dranbleiben mit sich bringen.

Wer sich im Storytelling, im Erzählen von Geschichten über Unternehmen, Menschen in den Unternehmen, ganz einfach über Menschen im Alltag berichten will, der muss eine Menge Energie und sehr viel Zeit aufwenden.

Es spielt im Grunde keine Rolle, ob ich mich an eine fiktive Geschichte mache oder ob ich über einen Unternehmer, eine Unternehmerin erzähle, die ich in der realen Welt kennengelernt habe.

Das Rüstzeug, mein „Handwerkskoffer“, der ist universal ausgelegt, um mit dem Schreiben zu beginnen. Ich muss nur wissen, wie ich zum Beispiel das in einem Interview gesammelte Material ordne, daraus ein Konspekt fertige, als nächstes ein Exzerpt schreibe, einen Rohentwurf erstelle und so schließlich ein Entwurf vor mir liegt, der redaktionell bearbeitet werden kann.

Das braucht eine Menge Ausdauer, Fleiß und manchmal auch viel Kraft, um die eventuell an einem bestimmten Tag nicht so gute Laune niederzuringen, oder sie einfach nicht über meinen Schreibwillen obsiegen zu lassen.

Ich fange das am besten auf, indem ich stets gleich vorgehe, eine Struktur in meine Geschichte bringe, die Details sichte und überlege, wie ich einen guten Anfang und einen guten Schluss in den Text hineinformuliere.

Wie ich daran arbeite, warum für mich die Einzelheiten einer Story so wichtig sind, darüber will ich im nächsten Beitrag schreiben.

ZWEI IM HOMEOFFICE – UNGEWOHNT

06.00 Uhr, meine Frau sitzt am Schreibtisch und ich auch, nur eben eine Tür weiter. Das ist neu für mich, ungewohnt, spannend, abschreckend und anziehend zugleich.

Ich fühle mich beobachtet, habe erst einmal die Tür zu meinem Arbeitszimmer zugemacht.

„Warum machst du die Tür zu?“, ruft Klara herüber.
„Darum!“, will ich antworten.

Stattdessen sage ich: „Ich mach‘ das Fenster auf. Ich brauch‘ frische Luft, damit ich wach werde.“

Manchmal stehe ich einfach auf, wenn ich allein bin, laufe die Treppen runter, ins Wohnzimmer und schalte den Fernseher an.

„Ich muss doch sehen, wie es um die Wahl in den USA steht“, rechtfertige ich mich dann im Stillen.

Oft habe ich aber auch was im Computer oder auf dem iPad gelesen.
Zum Beispiel, dass die Wagenknecht für Trump ist.

Stimmt das? Das muss ich nachprüfen, also die Talkshow in der Mediathek suchen und anschalten.

Kann ich das jetzt tun? Natürlich nicht.
Ich müsste es ansonsten wortreich erklären.
Und dann kämen sie wieder, die Sprüche.

„Jetzt ist mir alles klar, dass du so wenig an Umsatz reinholst.“
Oder: „Du redest zwar, was du wieder verkauft hast, aber in Wirklichkeit sitzt du vor dem Fernseher. Da kann nichts werden!“, höre ich sie rufen.

Ich muss jetzt mal für kleine Jungs.
Muss ich mich abmelden?

Nö, ich gehe in Richtung Gäste-WC und kann dann ja mal kurz ins Wohnzimmer abbiegen.

Und wenn Klara ruft, wo ich bin, dann antworte ich einfach nicht. Das wäre ja noch schöner.

MEISTERBETRIEB THOMAS RENNÉ SEIT 1872

Die Schlosserei Renné ist ein alteingesessener und traditionsreicher Meisterbetrieb.
Die Gründung der Firma geht bis in das Jahr 1872 zurück und wird heute - in 5. Generation – von Thomas Renné geführt.

Das Team von vier Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen fühlt sich der langen Tradition sehr verbunden und setzt sie fort, indem es die Wünsche seiner Kunden zu seinen eigenen macht, solide Arbeit leistet, den Servicegedanken in den Vordergrund seines Handelns rückt.

Die Kernkompetenzen liegen im Bereich der Schlosser – und Schmiedearbeiten, des Schlüsseldienstes und des Materialverkaufes.

Thomas Renné berät seine Kunden sehr individuell, um so ihren Vorstellungen detailgetreu gerecht zu werden.

Mehr über Thomas Renné im Interview:

https://uwemuellererzaehlt.de/2020/11/04/interview-mit-thomas-renne/

Kontakt:

Bauschlosserei & Schlüsseldienst Thomas Renné
Meisterbetrieb seit 1872
Wriezener Str. 17
16259 Bad Freienwalde
Telefon: 0344-310 19
Mobil: 0171-80 77 041
Telefax: 0344-33 04 21
E-Mail: bauschlosserei.thomas.renne@web.de
www.bauschlosserei-renne.de

Öffnungszeiten
Montag – Donnerstag: 07.00 Uhr -12.30 Uhr und 13.00 – 16.00 Uhr.
Freitag: 07.00 Uhr -12.30 Uhr

INTERVIEW MIT THOMAS RENNÉ

Thomas Renné ist der Inhaber des MEISTERBETRIEBES THOMAS RENNÉ in Bad Freienwalde. 

Es macht Spaß, sich mit Thomas Renné zu unterhalten – er ist humorvoll, offen und ehrlich. 

Diesen Eindruck habe ich während meines Interviews mit ihm gewonnen. 

Thomas Renné will, dass seine Kunden zufrieden sind, mehr noch, er möchte ihren Wünschen bis ins Detail entsprechen. 

Dazu gehört für ihn auch zu sagen, wenn er mal etwas nicht 1:1 umsetzen kann. 

Würde ich dort freien Herzens in die Werkstatt gehen und mich beraten lassen? 
Ja, das würde ich auf jeden Fall tun. 

Das Interview mit Thomas Renné habe ich am 23.09.2020 am Telefon geführt.

Mein besonderer Dank gilt Frau Dalmus, die mich sehr engagiert in der Umsetzung dieses kleinen Projektes unterstützt hat, die kleinsten Fehler entdeckte, und: die bei allem nie den Humor verlor.

 

Herr Renné, Sie sind in fünfter Generation Firmeninhaber. Ist das mehr Last oder mehr Lust für Sie?
Ich glaube, das ist beides. Zum einen bin ich natürlich stolz darauf, die Firma in 5. Generation weiterzuführen und von unseren Kunden als zuverlässiger Ansprechpartner wahrgenommen zu werden.

Zum anderen trage ich natürlich auch die Verantwortung dafür, dass alles gut läuft, die Kunden zufrieden sind und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenfalls.

Woher kommt der Name Renné?
Unsere Familie stammt von den Hugenotten ab. 1792 gab es ein Schuhmachergeschäft in Bad Freienwalde, das von Michael Renné gegründet worden war.

Dessen Sohn, Ferdinand, war ebenfalls Schuhmachermeister. Und der Sohn von Ferdinand, August Renné, gründete wiederum 1872 die Bauschlosserei Renné.

Das ist ja wirklich eine stattliche Ahnengalerie, oder?
Ja schon. Der Bruder meines Vaters, Bruno Renné, war Lehrer in Frankfurt/Oder und hat sich damit schon intensiver beschäftigt und auch einiges darüber geschrieben.
Einen Teil davon finden Sie auch auf unserer Web-Site.

Können Sie ein paar Stationen aus Ihrer beruflichen Entwicklung nennen?
Ich war der erste in der Familie, der gleich Schlosser werden wollte. Mein Vater wollte zunächst Zimmermann werden.

Das war Anfang der 50er Jahre, und da war es gar nicht so leicht für ihn, in dieser Branche Fuß zu fassen.
Er machte dort jedenfalls nicht so gute Erfahrungen, als er seine Lehre begann.

Meine Oma riet ihm deshalb: „Vielleicht wirst du ja doch lieber Schlosser.“

Und so kam es dann auch.
Ich selbst aber habe zunächst den Beruf des Instandhaltungsmechanikers gelernt, von 1981 bis 1983.

Wo haben Sie gelernt?
In Eisenhüttenstadt. In der Zeit habe ich dort im Internat gewohnt.
Danach habe ich im Wohnungs- und Gesellschaftsbaukombinat in Eberswalde gearbeitet.

Wie lange?
Ein halbes Jahr, dann bin ich mit in die Firma eingestiegen.

Wann war das?
Das war am 01.01.1984. Ich habe übrigens mit meiner Mutter, Margrit Renné zusammen in der Firma angefangen. Sie hat im Büro gearbeitet.

Sie macht das heute noch und hilft ab und zu aus.
Meine Mutter wird nächstes Jahr 80.
1985/1986 war ich dann noch zum Wehrdienst.

Wie war das, mit Ihrem Vater als Chef zu arbeiten?
Mein Vater war ziemlich streng, also gab es auch mal Stress. Außerdem wohnte ich zu Beginn noch zu Hause, und das war nicht sehr förderlich für eine durchgehend gute Atmosphäre.

Es war wie in jeder Familie, wo mal Probleme und Konflikte auftreten. Und hier kam eben hinzu, dass ich den ganzen Tag in der Werkstatt war und mitgearbeitet habe.
Mein Vater war ein Workaholic. Er kannte hauptsächlich nur eines, nämlich nahezu ohne Unterbrechung zu arbeiten.

Können Sie darauf näher eingehen?
Nun, er fing morgens viertel vor sieben an und arbeitete bis kurz vor fünf Uhr nachmittags.

Da wir viel zu tun hatten, war es normal, dass wir uns zum Teil im Laufschritt bewegt haben, um die Arbeit zu schaffen.

Wir mussten als Kinder manchmal nach der Schule ebenfalls mithelfen, wenn Not am Mann war und irgendetwas fertig werden musste.

Meine Mutter packte zusätzlich mit an, als wir noch klein waren und darum noch nicht so schwer tragen konnten.
Kam mein Vater abends nach Hause, dann schliefen wir meistens schon.

Mein Vater war von der Arbeit so erschöpft, dass er in der Regel nicht mehr lange aufblieb, sondern sich gleich schlafen legte.

Am nächsten Tag ging es ja früh wieder von vorn los. Das war praktisch wie ein sich fortwährend ‚drehendes Hamsterrad‘, aus dem man nur ganz schlecht herauskam.

Wann haben Sie Ihre Meisterprüfung gemacht?
1986 bis 1989 habe ich am Meisterlehrgang teilgenommen.
Der Meistertitel wurde auch nach der Wende anerkannt.

Was war das für ein Meisterstück?
Ich habe ein Tor gebaut. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als der Obermeister aus der Prüfungskommission kam, um das Tor zu bewerten und abzunehmen.

Er war total niedergeschlagen, weil seine Kinder einen Tag zuvor in den Westen gegangen sind.
Haben Sie trotzdem bestanden?
Ja, na klar.

Haben Sie noch Geschwister?
Ja, zwei Brüder. Ich war der Mittlere. Matthias, der jüngere, hat studiert und sich mit Keramik befasst. Später ist er in den öffentlichen Dienst gewechselt.
Mein Bruder Lutz hat Maschinenbau studiert. Er arbeitet heute als Verkäufer in einer Firma für Beschläge, Eisen.

Was ist Ihnen im Umgang mit Kunden wichtig?
Der Kunde muss zufrieden sein – das ist mein oberstes Prinzip. Dazu gehört, dass man ihn gut berät, ehrlich zu ihm ist, wenn beispielsweise bestimmte Vorstellungen nicht umgesetzt werden können.

Die Herausforderung besteht des Weiteren darin, die genauen Wünsche des Kunden zu erfassen, ihn wirklich umfassend zu beraten.

Denn: nie ist ein Auftrag haargenau identisch mit dem, was man vorher gemacht hat. Es gibt stets Besonderheiten, neue Überlegungen, die angestellt werden müssen.

Können Sie mal ein Beispiel nennen?
Wir haben schon für die Kirchturmspitze eine Befestigung hergestellt, damit das Kreuz aufgestellt werden konnte.

Bei den Schlosserarbeiten – Tore, Zäune, ist jede Fertigung anders.
Und wenn wir ein Tor mit einem elektrischen Antrieb herstellen sollen, dann arbeiten wir mit Partnern zusammen, die dann den Antrieb ans Tor anbringen und entsprechend vor Ort die Arbeiten erledigen.

Warum machen Sie das mit den elektrischen Torantrieben nicht selbst?
Weil ich zum einen der Meinung bin, dass man nicht unbedingt einen elektrischen Torantrieb braucht. Wir können das Tor immer noch selber öffnen.

Hinzu kommt, dass die Wartungsarbeiten für den Kunden jährlich hinzugerechnet werden müssen.
Zum anderen baue ich lieber ein solides Schloss ein, das manchmal auch schon bei den Toren mit elektrischem Antrieb fehlt. Ein Schloss hält hundert Jahre.

Aber natürlich steht für uns der Kundenwunsch absolut im Vordergrund, und wenn er einen elektrischen Torantrieb haben will, dann bekommt er ihn geliefert, und zwar von unseren Partnern, die darin die Experten sind.

Wer gehört zu Ihrer Familie?
Meine Frau arbeitet im öffentlichen Dienst. Wir haben drei Kinder zusammen.
Der jüngste ist jetzt 23 und hat auch Schlosser gelernt. Seit März 2019 arbeitet er hier in der Firma mit. Er wohnt noch zuhause.

Na, Sie kennen ja aus eigenem Erleben, wie es ist, mit dem Vater zusammenzuarbeiten, oder?
Ja, aber das klappt schon ganz gut. Reibereien, Missverständnisse gibt es immer mal. Das liegt in der Natur des Zusammenlebens von Menschen. Das kann man aber alles lösen.

Was für ein Ton herrscht in Ihrem Unternehmen?
Freundlich, humorvoll. Ich bin eher der kumpelhafte Typ.
Wir können uns aufeinander verlassen.

Und es ist so, dass die meisten Mitarbeiter immer sehr lange bei uns gearbeitet haben und hoffentlich in Zukunft auch arbeiten werden.
Wir sind ein gutes Team – jeder weiß, was er zu tun hat, wir helfen einander und wir hören auch zu, wenn jemand von uns mal Sorgen hat.

Wie halten Sie sich fit?
Ich gehe ins Fitness – Studio, schon allein, um etwas für meinen Rücken zu tun.

Sind Sie ein glücklicher Mensch?
Glücklich sein, das ist ein weites Feld. Ich bin zufrieden. Mir ist die Familie wichtig, dass ich Freunde treffen kann und dass wir alle gesund bleiben.

Natürlich kann einen im Büro die Schreibarbeit schon einmal nerven, denn die Bürokratie wächst ja weiter.
Aber generell bin ich ein glücklicher und zufriedener Mensch.

Herr Renné, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr über den Meisterbetrieb:

https://uwemuellererzaehlt.de/2020/11/04/firmenportraet-thomas-renne/

SCHREIBEN HAT MICH NICHT REICH GEMACHT, ABER ZUFRIEDENER

Nichts in meinem Leben hat mir weniger Geld gebracht als das Schreiben, aber nichts hat mich auch glücklicher gemacht, als die Beschäftigung mit dem Schreiben.

Jeder von uns ist ein Schreiber. Mal mehr und mal weniger.
Keiner kommt durchs Leben, ohne jemals einen Stift in die Hand genommen oder auf der Tastatur herumgeklappert zu haben.
Nur, es ist uns nicht bewusst, wie sehr wir auf das Schreiben angewiesen sind.

Das Schreiben bringt unsere Gedanken in bestimmte Bahnen.
Manchmal wache ich morgens auf und bin panisch, weil ich nicht weiß, wie ich das alles schaffen soll, was mir gerade durch den Kopf gegangen ist.

Indem ich einen Zettel nehme und notiere, was ich am Tag alles machen will, ja dann strukturiere ich nicht nur das, was vorher als kaum durchführbar erschien, sondern der Stress verschwindet nach und nach aus meinem Kopf.

Aber es ist nicht nur das, was ich meine, wenn ich davon spreche, dass das Schreiben zufriedener, vielleicht auch glücklicher macht.

Wenn ich von dem Schreiben rede, das ich meine, dann denke ich daran, dass ich alles, was ich erlebe, und über das ich dann berichten will, zweimal durchlebe. Einmal, wenn es passiert und dann noch einmal, wenn ich das Erlebte erneut durchdenke und überlege, was das Besondere daran war. Und dann muss ich es zudem noch in die richtigen Worte ‚gießen‘, damit es für den Leser erlebbar, nachvollziehbar wird.

Das kostet Überwindung, keine Frage. Aber wenn du es tust, dann erfährst du eine Genugtuung, die kaum zu toppen ist.
Mir jedenfalls geht es so.

Ich war nie glücklicher, als ich es jetzt bin, selbst in Zeiten dieser Einschränkungen und gesundheitlichen Risiken.

Wie oft bin ich im Leben der Karriere wegen dem Geld hinterhergerannt, der Anerkennung durch Vorgesetzte? Oft genug, zu oft.

Ich war darin nicht so ganz erfolglos, keine Frage. Und hinzukam auf der anderen Seite, dass es mit dem Verdienst steil bergab ging, als ich mit dem professionellen Schreiben begann.

Es gab eigentlich überhaupt keinen Grund, mit dem Schreiben weiterzumachen, Texte auf meinen Blog zu bringen, für die du kaum eine Anerkennung erfährst.

Und trotzdem, ich habe weitergemacht. Weil ich keinen Zustand in meinem Leben kenne, der mich zufriedener in der Arbeit gemacht hat, als dieses Ringen um Worte, um Formulierungen, um Botschaften.

Bin ich deshalb bedingungslos glücklich? Nein, das nicht. Aber ich sehe mehr, seitdem ich schreibe. Ich erkenne nicht nur, dass ich viele Fehler in der Vergangenheit gemacht habe.

Nein, ich kann diesen Fehlern sogar noch etwas sehr Gutes abgewinnen, nämlich: Ich kann über sie schreiben, weil sie zu meinen Erfahrungen gehören. Was kann mir in meinem Leben Besseres widerfahren?

Hinzugekommen ist die Zufriedenheit, dass ich täglich mit dem Stift umgehen kann, Gedanken formuliere, und wenn es mich noch so viel Kraft oder Energie kostet.

Am Schluss siehst du die Welt klarer, mit deinen Augen und mit deinen Gedanken, die du auf deinem Stück Papier stehen.