WAS MIR BEIM FRÜHSTÜCK DURCH DEN KOPF GEHT

04.15 Uhr: Ich sitze in der Küche und überlege, was der Tag mir bringen soll.

Ich habe keine Ahnung und ich verspüre vor allem keine Lust, auch nur irgendetwas zu tun.

Was bleibt mir?

Einfach mit der Arbeit beginnen, nicht darauf Rücksicht nehmen – von wegen zu nichts Lust.

Mit dem Tun steigt die Motivation, die Laune bessert sich, die Bereitschaft, dem Tag etwas Schönes abzugewinnen auch.

Mal schauen, ob das stimmt, was ich mir gerade einrede.

Also, auf geht’s.

NUR NOCH 3000 EURO AUF DEM SPARKASSENBUCH – (2)

 

„Mutti, du musst jetzt irgendwann in der Bank gewesen sein. Im letzten Monat war doch noch viel mehr Geld auf dem Sparbuch, als nur diese 3000,00 Euro.

Also muss irgendwo das übrige Geld sein, oder?“
Klara war entsetzt: „Mutti, bitte denk‘ jetzt nach. Hast du in der Bank mit jemandem darüber gesprochen?“

„Ja, ich habe mit der netten Frau von der Bank gesprochen. Sie war wirklich nett, Klara.“

„Ja, Mutti, was hast du denn mit ihr besprochen?“

„Ach, ich weiß das nicht mehr. Das ist aber auch ein Scheiß.“
„Mutti, du musst doch wissen, was du in der Bank getan oder besprochen hast, mit der ‚ach so netten‘ Mitarbeiterin!“

Anna bekam den beißenden Spott nicht mehr mit. Sie war jetzt völlig durcheinander. Sie sprang auf, rannte in das andere Zimmer. Da, wo ihre anderen Unterlagen lagen.

„Mutti, jetzt bleib‘ doch mal hier. Es ist doch furchtbar, wenn du nicht mal eine Minute still sitzen kannst.“

Klara fühlte, dass es falsch war, jetzt so mit ihrer Mutter zu reden. Aber sie war einfach empört, über das, was ihre Mutter angestellt hatte, oder dass sie zuließ, dass man mit ihr etwas so Gemeines anstellen konnte.

Sie war wütend zugleich darüber, dass eine Bankmitarbeiterin es geschafft hatte, ihrer Mutter diesen Wahnsinn aufzuschwatzen. Klara hoffte, das Geld wäre wenigstens in halbwegs soldie Finanzanlagen gesteckt worden – und nicht, wie sie befürchtete, bereits gänzlich verloren sei.

FREU DICH ÜBER DAS, WAS DEIN TAG FÜR DICH HERGIBT

 ‚Wenn ich erst einmal in Rente bin, ja dann kann ich das Leben genießen‘, sagt so mancher, wenn er darüber stöhnt, was er an aktuellen Tagesaufgaben zu lösen hat.

Was ist denn tatsächlich, wenn du in Rente bist?

Du hast in der Regel weniger Geld, weil du es nicht geschafft hast, rechtzeitig und nachhaltig zu sparen.

Du bist nicht mehr so fit, weil du jetzt noch mehr vor dem Fernseher sitzt und du bist von den aktuellen Diskussionen ausgeschlossen, weil dir ununterbrochen jemand sagt: „Du hast es doch gut, du bist schon in Rente. Und außerdem hast du auch gar nicht mehr so richtig den Durchblick.“

Was kannst du also dich tun, egal an welcher Stelle des Lebens du gerade bist?

Lebe so, dass dir dein Tag Spaß macht, dass du dich vor allem an den kleinen Dingen erfreuen kannst.

Ich bin Rentner, aber ich arbeite genauso weiter, wie ich es früher getan habe. Ich bin in der Lage, von Zuhause aus zu arbeiten, weil ich schon vor 10 Jahren erkannt habe, wie wichtig die digitale Kompetenz für den Broterwerb sein kann.

Das hat viel Kraft gekostet. Aber es würde mich heute noch mehr Kraft kosten, wenn ich es nicht getan hätte.

Ich verstehe es heute viel besser, die kleinen Dinge, die Beobachtungen um mich herum für die eigene Motivation zu nutzen.

Im Bad funktioniert der Durchlauferhitzer nicht, ich muss also kalt duschen.

Es ist grausam, wenn du dich das erste Mal darunter stellst. Aber hinterher, ja da fühlst du dich wie ein Held.

Meine dreijährige Enkelin sagt: „Opa, ich komm‘ und ‚reaarier‘ das“.

Na bitte, alles Gründe, sich zu freuen, nicht auf eine Kreuzfahrt in die Karibik, nein, auf den Tag, egal, was du hast, was du bist, wie dich andere Menschen sehen.


NUR NOCH 3000 EURO AUF DEM SPARKASSENBUCH

Klara war zu Besuch bei Anna und fand auf dem Sparkassenbuch nur noch 3000 Euro vor.
Anna und Klara saßen beide abends vor dem Fernsehapparat. Anna war unruhig.

Sie schoss förmlich aus dem Sessel heraus und fiel fast in die Anbauwand, so viel Schwung hatte sie genommen.

„Mutti, bleib doch mal sitzen. Ich kriege gar nichts vom Film mit.“
„Ja, weißt du Klara, ich will dir nur was zeigen.“

Sie kramte in einer kleinen Schublade, in der sie alles Mögliche verstaut hatte.
Jetzt holte sie ein kleines Fotoalbum heraus, setzte sich wieder auf ihren Platz und fing an, darin zu blättern.

„Klara, schau mal, hier bist du noch ganz klein.“

„Ja, Mutti“, quälte Klara mühsam hervor. Klara kannte alle Bilder.
Sie hatte sich die Fotos schon sooft ansehen müssen, dass sie sogar wusste, in welcher Reihenfolge die Bilder eingeklebt waren.

„Ich lege jetzt mal das Fotoalbum zurück und wir schauen uns das Ganze morgen noch einmal in Ruhe an“, sagte Klara.

Anna antwortete nicht. Ihre Mundwinkel waren heruntergezogen.
Sie konnte Klara nicht verstehen.
Am nächsten Morgen ging Klara an die Schublade.

„Suchst du das Fotoalbum?“
„Nein, Mutti, ich suche dein Sparkassenbuch.“

„Warum?“
„Weil ich schauen will, ob alles in Ordnung ist.“

„Natürlich ist alles in Ordnung.“
Klara antwortete nicht. Sie zog das Sparbuch heraus und blätterte auf die letzte Seite.

„Hier stehen ja nur 3000 Euro, Mutti. Hast du etwas abgehoben?“
„Nein, ich habe nichts abgehoben!“

„Aber Mutti, hier war viel mehr Geld drauf. Das weiß ich genau.“ Klara schaute ihre Mutter an.
„Ja, ich weiß auch nicht“, antwortete Anna und blickte Klara fragend und zugleich ratlos an.
Fortsetzung – ANNA IST DEMENT- (110)

MIT DER BIBEL IN DIE NEUE WOCHE

In der vergangenen Woche ist meine Mutter verstorben.

Es ist schwer in Worte zu fassen, was du in dieser Situation denkst, wie es dir geht.

Die Bibelworte drücken meine Gefühle vielleicht besser aus:

Pred 3, 1,2
„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;
DER PREDIGER SALOM (KOHELETT)
Ps 73, 26
„Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“
(DRITTES BUCH; PSALM 73-80)

https://uwemuellererzaehlt.de/mein-freund-der-alltag/

KLARA WIRD DER EINKAUFSWAGEN VOR IHRER NASE WEGGESCHNAPPT

WAS VOM TAG HÄNGEN BLEIBT
Solidarität und Mitmenschlichkeit zeigen sich nicht immer in großen Worten oder Gesten.

Es reicht schon, wenn jeder in der Pandemie Rücksicht nimmt, sich nicht in den Vordergrund schiebt. 

Klara steht vor dem Supermarkt und wartet darauf, dass sie einen Korb bekommt.

Es stehen ca. 20 Menschen in der Warteschlange – geduldig, diszipliniert, halten Abstand, so wie es in der Corona-Zeit sein muss.

Endlich, Klara hat es fast geschafft – nur noch ein Mann steht vor ihr, der auf den Einkaufswagen wartet.

Plötzlich schießt an ihr eine Frau vorbei, gibt sich gestresst, und sie sagt zu Klara:

„Ich hab’s sehr eilig!“ Sie drängelt sich vor, ohne eine Reaktion von Klara abzuwarten.

„Wenn das jeder machen würde“, sagt Klara nun empört.

„Die Frau drehte sich nicht einmal um, sondern schob den Einkaufswagen einfach in Richtung Kaufhalle.“

„Warum haben Sie das zugelassen?“, fragte jetzt ein Mann hinter Klara.

„Warum sind Menschen so egoistisch“, fragte Klara zurück.

Der Mann sagte nichts mehr, er schien ihr im Stillen recht zu geben.

 

 

 

 

BEITRÄGE IN DER WOCHE VOM 22.02. bis 28.02.2021

MONTAG, 22.02.2021

ALLTÄGLICHES (85)
MIT DER BIBEL IN DIE NEUE WOCHE
TROST IN DER BIBEL FINDEN – WENN JEMAND STIRBT, DER DIR NAHE WAR
https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/22/alltaegliches-86/

   

DONNERSTAG, 25.02.2021

ANNA (109)
DAS SPARKASSENBUCH IST LEER (1)
(2017)


FREITAG, 26.02.2021


ANNA (110)
DAS SPARKASSENBUCH IST LEER (2)
(2017)


 

SAMSTAG, 27.02.2021

REDAKTIONSPLAN (KW 09)
BEITRÄGE FÜR WOCHE VOM 01.03.-07.03.2021


 

‚WIESO GUTEN MORGEN – IST ES NICHT ABENDS?‘

Was bisher war:
Klara war nicht nach Stralsund gefahren, aufgrund der Wettersituation.
Sie machte sich Sorgen, wie es ihrer Mutter, Anna, ging.

„Guten Morgen Mutti, wie geht es dir?“
Es dauerte eine Weile, bis Anna am Telefon auf Klaras Frage reagierte.

„Wieso ‚Guten Morgen`?“, ich bin schon im Nachthemd, und ich will ins Bett gehen“, sagte Anna und ihre Stimme klang dabei entrüstet.

„Mutti, es ist jetzt kurz vor zehn Uhr morgens. Die Schwestern müssen doch schon bei dir gewesen sein, und du hast doch sicher auch schon gefrühstückt, oder?“
Anna sagte nichts.

„Mutti, bist du noch da?“, fragte Klara besorgt.
„Ach, ich weiß gar nichts mehr, es ist einfach furchtbar“, sagte Anna nun mit fast weinerlicher Stimme.

Klara gab es einen Stich ins Herz, dass ihre Mutter immer weniger in der Lage war, am Tag zurechtzukommen.

Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt brach noch einmal der Winter über das Land herein und Klara war zu Hause geblieben, vorsichtshalber.

„Na gut, Mutti“, dann zieh dir doch etwas an und mach‘ dir vielleicht einen Kaffee“, sagte sie zu ihrer Mutter.

„Kaffee, um die Zeit? Was ist denn das für ein Quatsch?“
Anna wurde wieder angriffslustiger.

„Also, Mutti, dann wünsche ich dir einen schönen Tag“, sagte Klara und drückte auf die rote Taste am Telefon.

„Ich weiß nicht, wie lange das noch gut geht!“, sagte Klara nun zu Peter.

„Das wird nicht mehr so lange sein, wo deine Mutter in ihrer Wohnung allein bleiben kann“, antwortete Peter.

„Aber ich vertraue da auch auf Lukas. Der gibt uns doch stets einen realistischen Bericht, so dass wir schnell handeln können“, schob er noch nach.

Klara schwieg. Peter ebenfalls.
Beide wussten, was auf sie zukommen würde, schon bald, wie sie befürchteten.

DIE ‚ICH-PERSPEKTIVE‘ IN DER BESCHREIBUNG DES ALLTAGS

Einiges von dem, was hier steht, habe ich bereits vor zwei Jahren aufgeschrieben.
Es ist mir heute noch genauso wichtig, und deshalb habe ich es noch einmal aktualisiert.

Ich schreibe über den Alltag so, wie ich ihn erlebe, ihn persönlich wahrnehme.

Das kann ich am besten, indem ich aus der Ich-Perspektive erzähle.
Ich schreibe dabei nicht nur über dritte Personen, nein, ich schließe mich in diese Erzählungen mit als Person ein, schreibe also auch über mich selbst.

Doch wer schreibt schon gern über seine eigenen Schwächen? Wohl kaum jemand.

Trotzdem glaube ich, dass es richtig ist, dem Leser nicht irgendetwas zu suggerieren, was im realen Leben, im Alltagsgeschehen nicht auch so stattfindet.

Klar: Wenn ich eine Alltagsgeschichte über Protagonisten schreibe, die ich selbst erschaffen habe, so ist das noch wieder etwas Anderes. Da kann ich übertreiben, weglassen und den Figuren bestimmte Stärken andichten.

Wenn ich aber über mich selbst schreibe, dann fühle ich mich am wohlsten, wenn ich sehr nahe an der Realität bin.

Ich fahre zum Beispiel tatsächlich ins Fitnessstudio und trainiere dort, das Gewicht zu reduzieren – bis zum Lockdown jedenfalls.

Und ich mache meine Anstrengungen wiederum zunichte, weil ich manchmal am Wochenende über die Stränge schlage, konkreter: mir den Bauch voll haue. Und jetzt, wo das Studio zu ist, kann ich das Ergebnis im Spiegel entsprechend besichtigen.

Soll ich das weglassen? Könnte ich.
Aber ich glaube fest daran, dass es authentischer ist, wenn ich die ganze Wahrheit schreibe. Das heißt nicht, dass ich alles schreibe. Nein, das nicht.

Was ich sagen will: Meine Schreibkraft oder besser, meine Schreiblust beruht entscheidend darauf, dass ich mich selbst mit meinen Schwächen ‚auf den Arm‘ nehmen kann.

 

 

WAS VOM TAG HÄNGEN BLEIBT



Was ist haften geblieben – mental und rational?
Die Bibel wird für mich zu einem immer wichtigeren Ratgeber und Motivator für den Alltag.

Friedrich Nietzsche, du musst nicht alles mögen, doch sein Rat - sich in Demut zu üben, wenn es um das eigene Leben geht, die eigene Biographie – der ist schon wertvoll, für mich jedenfalls.

mittwochs…
FASZINATION BIBEL
„Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.“
2. Mose, 23,20

Es versetzt mich immer wieder in Erstaunen, wieviel Erkenntnisreichtum in der Bibel steckt.

Hätte ich mich niemals entschlossen, die Bibel zu lesen, sie zu begreifen, so würde mein Leben ärmer sein. Das sage ich heute, nach nunmehr 68 Lebensjahren.

Aber es ist nie zu spät, mit etwas anzufangen.
Ich habe mit dem Lesen der Bibel begonnen. Ich übertreibe es nicht, nein.
Aber ich gebe zu, es macht Spaß, das ‚Buch der Bücher‘ zu erforschen.

Klar, es ist auch mühsam. Du musst suchen, lesen, Erklärungen für manche Passagen suchen.
Doch das ist es ja, was die Sache so spannend macht.

Und so sehe ich auch den Spruch 2. Mose, 23,20, nämlich die Tatsache, dass du deinen Weg niemals allein gehen musst, weil ein Schutzengel an deiner Seite ist.

Heute beginnt offiziell die Fastenzeit. Ich habe dazu ein Zitat in der Bibel gefunden, das auf mich passt, denn ich will es in den nächsten Tagen ebenfalls versuchen:

„Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast!
Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!“
Jesaja 58, 6

Demut ist doch nicht der schlechteste Ratgeber:
Ich lese gern bei Nietzsche nach – man muss nicht alles mögen, was er schreibt, aber dieses Zitat gefällt mir außerordentlich gut, weil es letztlich zu Bescheidenheit und Demut im Leben aufruft:

„Der Mensch mag sich noch so weit mit seiner Erkenntnis ausstrecken, sich selber noch so objektiv vorkommen: zuletzt trägt doch nichts davon als seine eigne Biografie.“

(513, S. 331 (Friedrich Nietzsche, Gesammelte Werke, © 2012 Anaconda Verlag GmbH, Köln; ISBN 978-3-86647-755-1)

 

WAS VOM TAG HÄNGEN BLEIBT

Was ist haften geblieben – mental und rational?

Wertschätzend kommunizieren, selbst wenn das dein Gegenüber im Tonfall vermissen lässt;

Sich an den Bibelzitaten erfreuen, sie für die eigene Motivation am Tag nutzen; selbst die kleinsten Bibelverse bringen nicht nur Einsichten, sondern rufen in dir auch positive Gefühle hervor;

von der dreijährigen Enkelin lernen, was es heißt, sich einfach zu freuen, ohne Vorbedingung und ohne tiefgründig nachzudenken.

dienstags….
Kurz nach drei Uhr war die Nacht vorbei. Ich bin aufgestanden, habe mich fertig gemacht und Klara gegen halb fünf Uhr morgens zur Arbeit ins Zeitungsviertel gefahren.

Die Straßen waren glatt, die Sicht schlecht und trotzdem haben mich eine Menge Autos überholt. Die Gefahr geht oft nicht von der Straßenglätte aus, sondern davon, dass sich einige nicht den Straßenverhältnissen anpassen.

Kurz vor dem Axel-Springer – Haus bin ich nach rechts abgebogen und habe vorher ein bisschen abgebremst. Hinter mir hupte jemand wie verrückt und drosch sein Auto an mir vorbei, so als wäre er im Einsatz mit Sondersignal.

War er aber nicht. Er war nur ein Drängler.
Was mochte das für ein Mensch sein, der so rücksichtslos fuhr?

Ich will aber nicht ungerecht sein. Wer weiß, vielleicht hatte er einen wichtigen Termin, oder er stand morgens zu spät auf und machte dann auf wichtig vor den anderen.

Früher, ja da war ich genauso. Ich weiß noch, wie ich im Ort zwei Frauen in einem langsam fahrenden Kleinwagen überholte, ins Schleudern kam und gegen einen Mast prallte. Seitdem habe ich Schmerzen an der Halswirbelsäule.

Warum lernt man eigentlich erst, wenn es längst zu spät ist?
An der Tür vor dem Büro stand eine Frau, die Klara und mir zuschaute, wie wir die Taschen auspackten.

Klara wollte anlässlich ihres Geburtstages ein Frühstücksbuffet anrichten und ich habe sie deshalb mit ihren prallen Taschen zur Arbeit gefahren.

„Wieso kommen Sie eigentlich schon vor halb sechs Uhr ins Büro hinein?“, fragte die Frau mit empörter Stimme.

„Die Tür war offen“, sagte meine Frau.
„Dann haben Sie aber sehr viel Glück gehabt“, antwortete die Frau mit spitzem Tonfall.

„Das ist das Glück des Tüchtigen“, sagte ich zu ihr.
„Oh, dann muss ich ja noch ein bisschen mehr arbeiten“, meinte sie pikiert.

„Wahrscheinlich“, antwortete ich, während mir meine Frau böse Blicke zuwarf.

„Musst du denn immer so grob sein?“, fragte mich meine Frau, als wir wieder allein im Fahrstuhl standen.

„Wieso, ich habe in der Tonart geantwortet, wie sie uns begegnet ist.

„Klara mochte keine Konfrontation“, und so hatte ich mal wieder die ‚A….karte‘, obwohl ich alles mit raufgeschleppt hatte, gleich zurückmusste, durch die ganze Stadt hindurch, danach Schnee schaufeln wollte, vor der Tür, und dann? Ja dann würde ich wohl am Schreibtisch einschlafen.

„Du bist zu empfindlich!“, sagte meine Frau mir noch zum Abschied.
Zu grob, zu empfindlich, na gut, ich sagte nichts darauf.

Sie hatte mich noch zurück bis zum Fahrstuhl gebracht, weil sie mir nicht zutraute, dass ich allein den Ausgang fand.
Wahrscheinlich hatte sie sogar recht.

Ich hatte etwas Gutes tun wollen, und kam mir vor wie ein asozialer Rüpel, der auf der Straße die Menschen anmotzte und die Regeln menschlichen Miteinanders missachtete.

Sollte ich mich ändern? Nö, ich wollte so bleiben, wie ich bin – grob eben, ungeschliffen, aber mit viel Herz und Humor ausgestattet, wenn man mich nur ließ.

War ich jetzt schon wie Trump, der in Palm Beach durch sein eigenes Hotel-Restaurant ging und die Gäste stets das gleiche fragte: „Ist das nicht ein großartiges Steak, was Sie gerade verspeisen?“
Und wehe dem, der ehrlich antwortete.

Ich sollte auf die Lippen beißen, das tat zwar weh, aber eben nur mir und nicht meinem Gegenüber.

Faszination Bibel

Ich habe in der Bibel etwas gefunden, was dazu passt, sich besser zu überlegen, was man dem anderen sagt, auch wenn man mit seinem Gegenüber nicht einverstanden ist.

Im Brief des Paulus an die Römer heißt es:
„Jeder von uns gefalle dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung.“ (Röm 15, 2)

Das kann ich mir ja mal wieder zu Herzen nehmen – ich bin ja lernfähig, denke ich jedenfalls. Klara sieht das ein wenig anders.

Aber sie hat ja heute noch nicht in die Bibel geschaut, so wie ich – ein kleiner Luxus für mich, denn Klara musste ja arbeiten; ich auch, aber das konnte ich mir einteilen – noch ein kleiner Luxus, das Homeoffice, finde ich.

Glücklich sein im Moment, sofort, wenn sich die Gelegenheit bietet – der große Luxus, den Kinder in sich tragen

Meine Tochter Laura hat mich gerade angerufen. Unsere kleine Enkelin hatte mal wieder einen mittelschweren Bock auf dem Weg zum Kindergarten.

Sie wollte im Schnee spielen. Ich kann sie verstehen, ihre Mutter aber war leicht genervt.
Ich sehe gerade ein Video an, das Laura vor ein paar Tagen gedreht hat und das zeigt, wie Krümel rücklings auf einer Einkaufstüte glückselig einen Berg hinunterschlitterte, in Ermangelung eines Schlittens.

Dieses Glück im Moment zu spüren, es sofort zu ergreifen, das haben uns unsere Kinder voraus.

Warum verlieren wir eigentlich diese Fähigkeit mit dem Erwachsenensein?

Schreib-Alltag:
Ich habe geplant, wann ich welche Charakterskizzen für die einzelnen Protagonisten in meiner neuen Geschichte schreiben will.

Laura, meine Tochter, will, dass ich noch heute damit beginne.
Das gute am Plan ist, du kannst ihn ein wenig schieben. Ich fange Morgen an.

PSALM 13 – FÜR DIE KRAFT CORONA UND LOCKDOWN DURCHZUSTEHEN

Den Tag so zu beginnen, dass du dich auf das freust, was kommt – das ist die beste Motivation für dich, die Dinge mit Energie anzupacken. Das ist nicht so ganz leicht in den Zeiten von Corona und dem damit verbundenen Lockdown.

In Psalm 13 habe ich eine Botschaft gefunden, die mir persönlich Mut macht, mich motiviert, die schweren Zeiten durchzustehen.

Diese Sammlung von gottesdienstlichen Liedern reicht bis in das 2. Jahrhundert v. Chr. zurück und diente als sogenanntes Gesangs- und Erbauungsbuch. (1)

Psalm 13
13,2
Herr, wie lange willst du mich so ganz vergessen?
Herr, wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir
13,3
Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängstigen in meinem Herzen täglich?
Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?
13,4
Schaue doch und erhöre mich, Herr, mein Gott!
Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe,
13,5
dass nicht mein Feind sich rühme, er sei meiner mächtig geworden, und mein Widersacher sich freuen, dass ich wanke.
13,6
Ich aber traue darauf, dass du gnädig bist, mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst.
Ich will dem Herrn singen, dass er so wohl an mir tut.

(1) Vgl.:
Stuttgarter Erklärungsbibel mit Apokryphen,
DIE HEILIGE SCHRIFT NACH DER ÜBERSETZUNG MARTIN LUTHERS,
MIT EINFÜHRUNGEN UND ERKLÄRUNGEN; DEUTSCHE BIBELGESELLSCHAFT.
ISBN 978-3-438-01123-7
Neuausgabe mit Apokryphen
© 2005 Deutsche Bibelgesellschaft
Zweite, verbesserte Auflage 2007
10.2016, S.654

WAS VOM TAG HÄNGEN BLEIBT

freitags…
Was ist haften geblieben – mental und rational?
#Schreiben, tagaus, tagein – anstrengend, aber ein sehr befriedigender Job.

Ich mache immer noch zu wenig Sport, da können auch nicht ein paar gymnastische Übungen auf der Terrasse drüber hinwegtäuschen.

Das Leben ist schön, trotz Corona und #Lockdown. Du musst dieses Gefühl nur für dich zulassen.

vormittags….
Ich lese inzwischen bei #Trendsfürdich auf Twitter.
Zum einen gibt es sehr viele kluge und auch humorvolle Beiträge. Zum anderen muss man sich nicht alles antun, was da so steht. Also kann ich mir ruhig treu bleiben, genau das tue ich.

Die Sonne scheint, es ist ein phantastisches Wetter. Ich sitze am Schreibtisch, und ich tue das, was ich immer tue, ich schreibe.

Es ist ein wahnsinnig anstrengender Beruf, aber auch ein sehr schöner. Man muss sich das nur ab und an wieder ins Gedächtnis zurückrufen.

Jede Tätigkeit hat ihre schönen Seiten, du kannst sie entdecken, wenn du es nur willst. Ich will es, jeden Tag.

Ich sitze im Auto, schaue in den Spiegel und denke: Du bist alt und hässlich, aber hey, ich habe einen wahnsinnigen Spaß am Leben.

nachmittags….
Ich war heute wenigstens mal auf der Terrasse und habe ein paar Übungen gemacht.

Die Sonne scheint, das Herz geht auf, ich denke an Urlaub, dann fällt mir wieder der Lockdown ein. Was soll’s – es geht weiter, so oder so.

Ich habe die Texte für die nächsten zwei Wochen geplant. Das war nicht das, was ich wollte, aber es hat sich so ergeben. Das gute Gefühl stellt sich trotzdem ein, denn ich weiß nun, wie die nächsten vierzehn Tage aussehen – Worüber ich schreibe, wie ich es schreibe.

samstags….
Was ist haften geblieben – mental und rational?
#Den Sinn für alltägliche Begebenheiten schärfen, beobachten und für das Schreiben nutzen.

vormittags….
05.00 Uhr. Ich sitze bereits eine halbe Stunde am Schreibtisch und beschäftige mich mit meiner neuen Geschichte ‚Thure aus Schebsand‘.
Ich habe gemeinsam mit meiner Tochter dazu ein ganzes Dorf neu konzipiert.
Das ist nicht leicht, Gott sei Dank kann meine Tochter besser malen. Wir schicken uns die Zeichnungen über WhatsApp hin- und her.

Die Lageskizze ist fertig. Jetzt muss ich sehen, wo ich die einzelnen handelnden Personen wohnen lassen werde, was die Dorfbewohner untereinander verbindet.
Ich bin froh, dass ich so früh aufgestanden bin.
‚Der frühe Vogel fängt eben doch den Wurm.‘ Der Vogel ist jetzt aber müde.

dd1302 – das ist ein Synonym auf Twitter, wo Leute sich über den Bombennacht von Dresden im Februar 1945 austauschen.
Ich bin in Dresden aufgewachsen und habe dort mein Abitur gemacht. Aus den Erzählungen der Kriegsgeneration weiß ich, wieviel Leid dieses Bombardement in der Nacht angerichtet hat.

Die Schlussfolgerung daraus: Europa muss zusammenhalten, ob nun in der EU oder wie Großbritannien jetzt außerhalb, und für den Erhalt des Friedens eintreten.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Einander zuhören, den anderen verstehen, Toleranz zeigen, nicht in Vorurteilen verharren, das alles ist wichtig, wenn man darüber nachdenkt, wie man den Frieden erhalten kann.

abends….
Ich sehe immer wieder aufs Neue, wie wichtig es ist den eigenen Sinn für #alltägliche Begebenheiten zu schärfen und so Stoff für die eigenen Geschichten zu sammeln.

Des Weiteren merke ich bei der Konzipierung meiner neuen Erzählung, wie wichtig es ist, an die eigenen Kindheits- und Jugenderlebnisse zurückzudenken, die Heimat, die eigene Familie mit in die Überlegungen einzubeziehen.

sonntags…
Was ist haften geblieben – mental und rational?
# Am Schreiben dranbleiben, alles erst einmal runterschreiben, dann weitersehen.

Am Vormittag habe ich mich damit beschäftigt, was ich beachten sollte, wenn ich belletristisch erzähle.

Hier zwei Erkenntnisse:
Erstens:
Einen Dialog erfinden, wenn es mal nicht so läuft mit der Schreiberei:
Manchmal da komme ich einfach nicht weiter, mir fällt nichts ein und in dieser Situation stelle ich mir vor, wie ich ein Gespräch führen würde, wie ein Dialog zwischen zwei Menschen aussehen kann. Das hilft ungemein, mir jedenfalls.

Zweitens:
Ich halte viel davon, erst einmal alles runterzuschreiben, was mir einfällt, egal, ob es passt oder eine Formulierung holprig ist. Wenn alles geschrieben ist, dann kann ich sehen, wo noch etwas fehlt, was ich anders schreiben oder ergänzen kann.

montags…
Was ist haften geblieben – mental und rational?
#Keine Ausreden mehr, wenn es darum geht, eine Stunde an der frischen Luft Nordic Walking zu betreiben.

Es ist komisch, Klara arbeitet heute wieder im #Homeoffice und ich kann dadurch eine Stunde länger schlafen, komme aber dadurch schwerer ‚in Tritt‘.
Ich brauche morgens meine klar strukturierten Abläufe – 03.45 Uhr aufstehen, Frühstück machen, 05.30 am Schreibtisch.
Jetzt ist es kurz vor neun Uhr und ich habe fast noch nichts geschafft.

Schreibtraining:
Ich versuche, mir täglich ein bisschen Zeit für das Schreibtraining freizuschaufeln.

Gerade habe ich mir drei Punkte in Erinnerung gerufen, die wichtig sind, wenn es um den Anfang einer Geschichte geht:

Erstens:
Die beste Erfahrung habe ich gemacht, wenn ich bis zum Schluss mit dem Anfang gewartet habe.
Zweitens:
Manchmal bin ich versucht, einen effektvollen Anfang zu finden, ein wirkungsvoller Anfang ist jedoch besser.
Drittens:
Ich liebe beschreibende Anfänge, humorvolle, schockierende Anfänge.

Klara nutzt das erste Mal Skype, um mit ihren Kolleginnen zu kommunizieren.
Sie wird im #Lockdown in der Organisation des #Homeoffices immer besser und hat mit teilweise schon überholt in der Anwendung der Technik.

Ich habe die #BLOG-Beiträge aus der 6. Kalenderwoche zusammengestellt und geordnet – hier die Übersicht:

https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/06/redaktionsplan-kw-06/

mittags…
Ich bin eine halbe Stunde gelaufen – Nordic Walking – das erst Mal seit Weihnachten.
Aber immerhin.

NORDIC WALKING

nachmittags…
Ich denke an den nächsten Urlaub an der Ostsee. Ich sehe am Strand die Wellen heranrauschen, wie sie krachend auf den Strand schlagen und das Wasser sich wieder zurückzieht, Möwen schreien, Kinder spielen, bauen Sandburgen mit ihren Vätern.
Ich bin wieder in der Wirklichkeit angekommen – ich glaub‘, ich mach‘ jetzt Schluß.

MEINE REISE IN DIE WELT DER BIBEL – EIN ERSTES RESÜMEE

Aufgeschrieben im August des vergangenen Jahres.

WELCHE HALTUNG BEIM LESEN DER BIBEL EINNEHMEN

Mich von meinen eigenen Gefühlen beim Lesen der Bibel leiten lassen, die Worte persönlich nehmen, sie an meinen Verstand und an mein Herz heranlassen.

Ich taste mich weiter vor, denke darüber nach, wie ich am besten mit dem Lesen dieses biblischen Stoffes anfangen soll.

„Lieber unvollkommen begonnen, als perfekt gezögert“, hat mir mal jemand gesagt.

Da ist was dran. Trotzdem will ich mich natürlich nicht reinstürzen in die unbekannte Materie, sondern mir einen Weg selbst bauen, einen Pfad, auf dem ich entlanggehen kann und wo an den Rändern vielleicht so etwas wie Leitplanken sind, die mich führen.

Ich lese, was Anselm Grün dazu schreibt. Der sollte es wissen, schließlich ist er nicht nur promovierter Theologe, sondern auch praktizierender Benediktinermönch. (Anselm Grün, Die Bibel verstehen, E-Book, ISBN – 978-3-451-33627-0, Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2010, Einladung).

Schon in seiner „Einladung“ zum Buch schreibt er, dass ich mich so fühlen soll, als würde Gott sich mit seinen Worten direkt an mich persönlich wenden.

Also, ich halte ja eine ganze Menge von mir, aber das ist wohl eine Hausnummer zu groß für mich, nämlich so zu tun, als würde Gott sich direkt an mich wenden.

Aber gibt es nicht auch das Gefühl, wo du dich unter Tausenden von Leuten befindest, auf der Bühne vor dir jemand redet und du denkst: „Donnerwetter, der schaut nur mich an, und meint wahrscheinlich auch mich?“

Und schon fängst du an, ihm zustimmend zuzunicken, ihm Mut zu machen, dass er etwas ganz Wichtiges von dort oben sagen würde.

Oder ich lese gerade das Buch des Extremsportlers Jan Frodeno.
Wenn er davon berichtet, wie hart es ist, sich jeden Tag zu überwinden, die Härte des Trainings auf sich zu nehmen, dann antworte ich ihm im Stillen: „Du, ich kenn‘ das, wenn ich morgens an der Bizepsmaschine sitze und ‚Null Bock‘ habe, anzufangen, aber ich fange trotzdem an.“

Solche Sachen sage ich zu mir und denke hinterher: „Na mein kleiner Dicker, wenn der deinen Bauch sehen würde, der würde dir kein Wort glauben.“

Egal, so jedenfalls muss das funktionieren mit dem persönlichen Wort, das nur an dich gerichtet ist.
Jedenfalls ist das eine der drei Haltungen, die der Benediktinermönch empfiehlt beim Lesen der Bibel einzunehmen. (Vgl. ebenda).

Außerdem empfiehlt er, „die Worte oder Bilder für mein Leben und als Bilder für Gottes Wirken an mir zu verstehen.“ (Vgl. ebenda)
Damit kann ich mich gut anfreunden.

Ich habe mal Jemandem gesagt, der mich gefragt hat, warum ich nicht an Gott glaube, dass ich vor allem an mich glauben würde.
In dem Fall wäre ja Gott in mir.

Damit kann ich leben, das ergibt Sinn für mich. Gott ist nicht nur über, er ist vor allem in mir.

Also kann ich seine Worte direkt auf mein ganz praktisches Leben beziehen, Kraft daraus ziehen. Nicht schlecht. Gefällt mir.

Und eine dritte Haltung beschreibt Anselm Grün so: „Die Worte der Bibel sind Worte des Lebens. Die Worte wollen… einladen, barmherzig und freundlich mit mir umzugehen.“ (Vgl. ebenda)
Da kann ich gar nicht anders, als zuzustimmen.

DIE FASZINATION WÄCHST
Je mehr ich mich an die unbekannten Texte herantaste, umso mehr üben sie einen Sog auf mich aus.

Mein Vater hat mich ein Leben lang anders erzogen, nämlich nicht an Gott zu glauben. Als ich einmal in Dresden nach Hause kam und ihm berichtete, dass ich mit einem Pfarrer gesprochen hätte, und ihn gefragt hatte, ob ich auch mal auf der Kanzel stehen könnte, da ist er bald ausgerastet.

Ich bin dann noch einmal in die Kirche gegangen, habe mich umgeschaut, zugehört. Aber das war’s schon.

Im vergangenen Jahr, da war mein Vater schon todkrank, er lag quasi auf dem Sterbebett, ausgerechnet in einem katholischen Krankenhaus.

„Die sind hier so gut zu mir, so freundlich und entgegenkommend, das glaubst du nicht“, sagte er zu mir.
Das Wort „barmherzig“ hätte hier gepasst, aber das widerstrebte ihm, es in den Mund zu nehmen.

DAS ERSTE KONSPEKT AUS DER STUTTGARTER ERKLÄRUNGSBIBEL
DIE REISE IN DIE BIBELWELT BEGINNT
Gestern war mein erster Urlaubstag und ich habe ihn damit begonnen, dass ich mich in die Bibel vertieft habe; besser in die ‚Stuttgarter Erklärungsbibel‘, die Luthers Bibelübersetzungen und Erläuterungen dazu enthält.

Es wird wohl mein letztes großes Projekt sein, dass ich auf diesem Erdball beginne, besser auf meiner kleinen Scholle, auf der ich mich befinde.

Ich will mich geistig nicht einengen, nicht abhängig sein von irgendwelchen Glaubenssätzen.

Und genau deshalb glaube ich daran, dass ich die Bibel lesen muss.
Werde ich dadurch gläubig?

Wohl nicht. Kann ich danach an Gott glauben?
Wohl kaum. Kann ich glauben, dass Gott in mir ist. Naja, schon eher.
Ich weiß nicht, wohin mich die Reise führen wird, aber ich finde sie enorm spannend.

Ich werde es ohne Hilfe nicht schaffen. Mein schönstes Geburtstagsgeschenk in der vergangenen Woche war die ‚Stuttgarter Erklärungsbibel‘.

Sie soll mir helfen, die oft schwierigen Zusammenhänge zu verstehen, damit ich so nah wie möglich an das Bibelwort herankomme.

Ich schreibe mit Tinte und Papier, besser, ich konspektiere mit der Hand, wenn es schwierig wird.

Ich weiß noch, wie ich das ‚Kapital‘ studiert habe. Die meisten, die darüber reden, haben es nie gelesen. Auch im Osten nicht. Ich habe mich da durch die vier Bände gequält.

Ich weiß also, welches Werk Marx da geschaffen hat, und wo er geirrt hat. Das ist etwas ganz anderes, als nur aus irgendeiner vermeintlichen ideologischen Ecke seinen ‚Senf‘ dazuzugeben, ohne wirklich zu wissen, worüber man spricht.

Ich will das Wort der Bibel auf mich wirken lassen und sehen, was ich damit anfangen kann.
Später kann ich es immer noch einordnen, ablehnen oder es endgültig zu lassen.

Klar, ich werde es nicht schaffen, alles zu verstehen, die geschichtlichen Zusammenhänge begreifen, die vor über 1000 Jahren aufgeschrieben wurden. Aber ehrlich, das macht es doch so interessant.

Das treibt mich, es zu erforschen und für meine Lebensphilosophie anzuwenden.

 

BEITRÄGE IN DER 7. KALENDERWOCHE 2021

BEITRÄGE IN DER WOCHE VOM 15.02. bis 21.02.2021
MONTAG, 15.02.2021
ALLTÄGLICHES (80)

FASZINATION BIBEL
Was ich der Bibel als Motivation für die Woche entnehme
https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/15/alltaegliches-80/
DIENSTAG, 16.02.2021
ALLTÄGLICHES (81)


WAS VOM TAG HÄNGEN BLEIBT
Eindrücke vom Tag – kurz und bündig
https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/16/alltaegliches-81/
MITTWOCH, 17.02.2021
ALLTÄGLICHES (82)

FASZINATION BIBEL
Was ich der Bibel als Motivation für den Tag entnehme
https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/17/alltaegliches-82/


DONNERSTAG, 18.02.2021
SCHREIB-ALLTAG (36)

Erfahrungen aus dem Schreiballtag, niedergeschrieben vor zwei Jahren, heute überarbeitet und aktualisiert
https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/18/schreib-alltag-36/


ALLTÄGLICHES 84
WAS VOM TAG HÄNGEN BLEIBT
https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/18/alltaegliches-84/

FREITAG, 19.02.2021
ANNA IST DEMENT (108)


https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/19/anna-ist-dement-108/
SAMSTAG, 20.02.2021
REDAKTIONSPLAN (KW 08)
PLANUNG BEITRÄGE FÜR WOCHE VOM 22.02.-28.02.2021

 

ANNA GAB SCHWEREN HERZENS IHR EINVERSTÄNDNIS, DASS IHRE POST AN LUKAS GESCHICKT WURDE

Es fiel Anna sehr schwer, das zu akzeptieren. Doch es ging nicht anders. Anna konnte nicht mehr unterscheiden, was von der Post wichtig war und was gleich in den Papierkorb konnte.

Werbebriefe, die nahm sie für bare Münze, dachte, sie müsse diese unbedingt beantworten.

Dort stand: „Liebe Frau Sturm, wir freuen uns auf Sie. Schicken Sie die die Rückantwort noch heute ab. Ein wunderschönes Gratis-Geschenk wartet darauf, von Ihnen in Empfang genommen zu werden, liebe Frau Sturm!“

Da musste man doch antworten“, meinte Anna. Und sie wurde böse, wenn man ihr nicht zustimmte.

KLARA ORGANISIERT VON BERLIN AUS DIE UMLEITUNG DER POST AN LUKAS
Klara ging in das Hauptpostamt in der Friedrichstrasse und schilderte ihre Situation.

„Meine Mutter gibt ununterbrochen Geld aus, kauft eine Bluse nach der anderen, weil ihr Gratisgeschenke suggeriert werden. Was soll ich nur tun?“

„Ich weiß genau, wovon Sie sprechen.“
Die Schalterangestellte zeigte viel Verständnis.

„Mein Vater hat die Post versteckt. Er hat keine Briefe, keine Mahnungen mehr geöffnet. Nur durch Zufall kamen wir dahinter.

Und das nur deshalb, weil uns der Stromanbieter informiert hat, dass sie den Strom bei ihm abstellen wollen“, erzählt sie von den Erfahrungen mit ihrem dementen Vater.

„Und was haben Sie daraufhin getan?“
„Wir haben uns von meinem Vater eine Vollmacht geben lassen, dass wir die Post zu uns umleiten können und ihm danach die Briefe aushändigen.“

„Was hat er gesagt?“
„Ihr wollt mich alle betrügen und ruinieren. Wenn das eure Mutter noch erlebt hätte! Schämt euch!“

Klara schaute die Mitarbeiterin ungläubig an.
„Das ist ja furchtbar.“

„War es auch. Schließlich aber hat mein Vater eingewilligt“, sagte die Mitarbeiterin am Schalter.

„Dann wollen wir das jetzt auch so machen und die Post zu meinem Bruder umleiten. Die Einwilligung meiner Mutter liegt vor“, sagte Klara.
Klara hatte sich die Vollmacht schriftlich geben lassen und zeigte sie nun der Mitarbeiterin.

ANNA STRÄUBTE SICH LANGE, IHRE EINWILLIGUNG ZU GEBEN
Das war gar nicht so einfach gewesen, die Vollmacht von Anna zu bekommen.

Während die Mitarbeiterin alles vorbereitete, schweiften Klaras Gedanken ab.

„Mutti, wir wollen dir helfen zu verstehen, was du für Post bekommst und dann gemeinsam entscheiden, was wir damit tun.“

„Warum?“

Anna wollte zuerst nicht verstehen.
„Ich lese dir doch die Post immer vor, abends, wenn ich anrufe.“

Klara konnte Anna nicht sagen, wie sehr sie genervt davon war, wenn ihre Mutter begann, die Briefe vorzulesen.

Erst einige Tage zuvor war es so gewesen. Anna hatte einen Brief bekommen, mit dem sie nichts anfangen konnte.
„Ihr Ansprechpartner: Frau Sammredt. Jetzt die Adresse…“

„Mutti!“, unterbrach Klara Anna beim Vorlesen.
„Du musst mir jetzt nicht alles vorlesen. Lies doch einfach die Betreffzeile vor.“

„Betreffzeile?“
„Ja. Dort steht doch irgendwo ‚Betreff‘, und den Text danach, den kannst du mir ja noch einmal vorlesen.“

„Ich finde das nicht!“
„Aber Mutti“, Klara war verzweifelt, „schau doch einfach die Zeilen von oben nach unten durch!“

Jetzt war Anna völlig durcheinander.
„Ich versteh‘ gar nicht, warum die mir diesen Scheiß schicken.“
Briefe mit behördlichem Inhalt oder von der Bank, ja das war wirklich ein Scheiß. Anna empfand das so.

Die andere Post, die mit den bunten Briefumschlägen, die war viel angenehmer.

Die schrieben so nett – „Liebe Frau Sturm, wir freuen uns…“
Ja, da freute sich Anna auch.

„So, jetzt geht die Post an Ihren Bruder“, riss die Mitarbeiterin Klara aus ihren Gedanken.

KLARA IST NICHT ZU ANNA GEFAHREN

WAS BISHER WAR:
Die Mitarbeiterin vom Pflegedienst hatte sich bei Lukas für den rauen Umgangston am Telefon entschuldigt. Es ist alles wieder im ‚Lot‘. Der Toaster ist neu und Lukas ist nach der Entschuldigung der Mitarbeiterin besänftigt.

Der Geburtstag von Klara neigte sich dem Ende zu. Der Kreis derjenigen, die am Kaffeetisch zusammensaßen, wurde immer kleiner.

Krümel war da und gratulierte ihrer Oma gleich frühmorgens am Bett.
„Happy birthday“ hatte sie mit ihrem dünnen Stimmchen geflüstert und Klara war glücklich.

„Machst du den Fernseher an?“, fragte Krümel Peter nach dem Frühstück.
„Du bekommst auch einen Goldklumpen“, sagte sie zu Peter und reichte ihm einen kleinen blauen Pappkarton.
Der ließ sich weichklopfen und nahm das großzügige Geschenk von Krümel an.

„Aber nur eine Folge“, sagte er zu Krümel.
Sie nickte und beide schauten anschließend den Trickfilm an.
Danach sagte Krümel von allein: „Opa, Fernseher aus“, erhob sich von der Couch und nahm Peter wieder den Pappkarton aus der Hand.

„Ich denke, das ist mein Goldklumpen“, rief ihr Peter hinterher.
„Nein, das ist kein Gold, das ist Pappe“, antwortete sie wie selbstverständlich beim Hinausgehen.

Anna hatte abends immer noch nicht angerufen.
Klara meldete sich bei ihr.

„Mutti, weißt du eigentlich, was heute für ein Tag ist“, sagte sie.
„Nein, woher soll ich das wissen“, antwortete Anna.
„Heute ist mein Geburtstag, der Tag, an dem du mich geboren hast, Mutti.“
„Nein, das gibt es doch nicht“, sagte Anna.
„Wie konnte ich das vergessen?“
„Das ist deine Krankheit, das ist doch nicht schlimm“, sagte Klara, obwohl sie schon sehr traurig darüber war.

ANNA BESCHLOSS ENDGÜLTIG, NICHT NACH STRALSUND ZU FAHREN

Der Schneefall wurde immer stärker und Klara überlegte, ob sie überhaupt nach Stralsund fahren konnte. Sie wollte eigentlich bei Anna nach dem Rechten sehen.

„Das ist zu gefährlich und vor allem mit einem zu hohen Risiko verbunden“, dass du nicht irgendwo auf der Fahrt mit dem Zug steckenbleibst.“

„Du hast recht“, sagte Klara.
„Ich fahre nicht, auch wenn ich ganz unruhig bin, wie es in der Wohnung von Anna aussieht.“

„Das sieht in zwei Wochen genauso aus“, sagte Peter trocken.
In der Nacht nahm der Schneefall zu, der Wind rüttelte an den Jalousien der Fenster und das Thermometer am Schuppen zeigte 8 Grad Minus an.

Peter erinnerte sich an den Winter 1978/1979, als er bei der Marine eine Truppe befehligte, die den Bahnhof in Sagard auf Rügen freischaufeln musste.

Seine Hände waren damals steif vor Kälte und die Matrosen warteten nur, dass er aufgab und in das Wärterhäuschen ging.

„Pause für zehn Minuten“ hatte er damals gesagt und erinnerte sich noch gut an die dankbaren Gesichter seiner Matrosen.
Aber das war schon lange her.

„Lass uns doch eine schöne Woche machen“, sagte Peter zu Klara, die zu ihm stumm herübernickte.

WAS VOM TAG HÄNGEN BLEIBT

Es sind nicht immer die großen Sachen, die dir in Erinnerung bleiben.
Nein. Es sind vielmehr die kleinen Dinge des Alltags, die banalen, alltäglichen Erlebnisse am Rande, die sich im Gedächtnis einnisten und festhaken. Was bei mir so gedanklich haften geblieben ist, das habe ich hier notiert, kurz und bündig.

DONNERSTAG, 11.02.2021
Es ist bereits kurz vor dem Mittagessen und ich habe nichts geschafft, fast nichts.

‚Wie schnell ist Nacht und nichts gemacht‘, sagt der Volksmund, und ich muss resigniert feststellen, dass da viel dran ist.
Woran liegt das nur?

Ich plane sehr genau. Doch dann schmeiße ich diese Planung um, weil irgendetwas dazwischenkommt, so wie heute die Bitte von einem Kunden, einen PR-Text zu schreiben.

„Das kriegen Sie doch mit Leichtigkeit hin!“, sagte der Kunde zu mir.
Was habe ich geantwortet?

„Ja, natürlich. Kein Problem.“
Kein Problem? Oh doch! Ich musste die anderen akribisch geplanten Arbeiten zurückstellen und mich an die Recherche für den neuen Text machen.

Aber was tut man nicht alles dafür, den Kunden zufriedenzustellen, noch dazu im Lockdown.

Ich schweife von der Arbeit ab, schaue aus dem Fenster und sehe, wie die Schneeflocken nach unten schweben. Was für ein phantastisches Wetter!

Wäre da nicht der Lockdown, die Unsicherheit was wird, ob wir es schaffen, uns weiterhin nicht anzustecken.

Schade, dass es mit der Impfstoffbeschaffung nicht geklappt hat.
Aber wie sagt der Norddeutsche? ‚Nicht schnacken, Kopf in Nacken‘.
Ich mach‘ weiter, obwohl ich keine Lust verspüre. Ich glaub‘, ich jammere zu viel.

14.25 Uhr
Ich suche seit zwei Stunden nach Unterlagen, die ich für einen Text brauche.
Ich habe dazu eine Schublade aufgezogen, in die ich sonst nie reinschaue.

Plötzlich halte ich das vordere Brett in der Hand, die Seitenwand war vorn ausgebrochen.
Klara kommt hoch und will mir helfen.

„Da warst du doch wieder dran, um Briefumschläge zu suchen“, sage ich zu ihr.
„Mach‘ doch deine Sachen alleine“, meint sie daraufhin und geht wieder nach unten.

Jetzt hab‘ ich den Salat. Ich muss das Brett vorsichtig wieder in die Nuten reinbringen.

Habe ich es mit einer Seite geschafft, dann rutscht die andere Seite wieder heraus.

„Du, kannst du mir bitte mal helfen“, sage ich zu Klara, die mich abweisend anschaut.

Schließlich lässt sie sich erweichen und wir schaffen es gemeinsam.
„Geht doch“, sage ich und Klara schweigt.

Es sind zwei Stunden vergangen, und ich habe wieder nichts geschafft. Der Stundenlohn ist heute gleich Null.

15.20 Uhr
Ich habe mit Hochdruck gearbeitet und eine ganze Menge geschafft. Der Text für Morgen –‚Anna ist dement‘ ist auf den letzten Metern doch noch fertig geworden.

Ich arbeite gern. Sage ich das jetzt, weil ich weiß, dass ich gleich eine Pause mache?
Vielleicht. Auf jeden Fall könnte ich mir nicht vorstellen, etwas Anderes zu tun, als das, was ich gerade tue.

Wie vielen Menschen geht es wohl so, dass sie in Jobs arbeiten, die ihnen keinen Spaß machen. Insofern bin ich irgendwie ein glücklicher Mensch.

17.40 Uhr
Ich habe meine geplanten Tagesaufgaben doch noch alle erledigen können.
Das ging nur, weil ich die letzten beiden Stunden noch einmal sehr konzentriert gearbeitet habe.
Und dann lockte mich die Vorstellung, dass ich heute Abend eine Flasche trinken wollte. Das motiviert; ist zwar erst Donnerstag, aber wer weiß, was Samstag ist. Also lieber heute den Rotwein aus dem Keller holen. Zur Not können wir ja am Wochenende noch eine Flasche hochholen.

TAGES-RESÜMEE
Ich habe in kürzerer Zeit mehr geschafft, als es der Plan vorsah.
Der Grund: Ich bin zeitlich unter Druck geraten, weil eine zusätzliche Aufgabe hereinkam.
Das habe ich kompensiert, indem ich konzentrierter gearbeitet habe und den Zeitverlust ausgleichen konnte.
Zwischendurch habe ich noch Krümel auf dem Video gesehen, wie sie heute Nachmittag im Schnee gespielt hat. Das war ein zusätzlicher mentaler Energieschub für mich.
Das Leben ist schön, auch wenn ich es am nächsten Tag vielleicht nicht mehr so unterschreibe.
Aber dieser Tag, ja, der war gut.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SIE MÜSSEN DEN TOASTER REPARIEREN

WAS BISHER WAR:
Peter hatte für Klara den Blumenstrauß zum Geburtstag besorgt, obwohl er es hasste, in Blumenläden zu gehen. Er verzichtete darauf, Klara weitere Vorschläge zur Restrukturierung ihrer Küchenabläufe zu machen. Klara wollte nach Stralsund, um nach ihrer Mutter zu sehen.

Das Telefon klingelte, während Peter über einem Text brütete. Nur unwillig hob er den Kopf und sah auf das Display. Es war die Nummer von Lukas aus Stralsund.

„Hast du einen Augenblick Zeit?“, fragte Lukas ihn.
„Oder hast du sehr viel zu tun?“, setzte er noch mit seiner Frage nach.
„Naja, es geht schon“, sagte Peter unwillig, aber nicht unfreundlich zu Lukas.

Er ging auch nicht auf Lukas‘ spöttischen Unterton ein, der da lautete: ‚Du bist doch Rentner und müsstest eigentlich Zeit genug haben.‘

Klar bekam er schon Rente, aber er arbeitete trotzdem weiter. Sie brauchten das Geld und Peter konnte sich nicht vorstellen, einfach nur herumzusitzen, um irgendwelchen Hobbys nachzugehen.

Peter kannte keine Hobbys, er kannte nur seine Arbeit. Der einzige Luxus, den er sich gönnte“ war, dass er die Pausen so legte, wie er es für richtig empfand und manchmal auch an einem ganzen Vormittag nur vor dem Fernseher verbrachte, weil für ihn spannende Nachrichten über den Bildschirm flimmerten.

„Gibt’s was Neues bei Anna?“
„Na ja, die Schwester hat mich gerade angerufen, weil bei Anna der Toaster kaputt war und sie keinen Kaffee gefunden hatte.“

Es war Schwester Marga, die Lukas mittags darüber informierte, nachdem sie morgens für Anna das Frühstück bereiten wollte.
Schwester Marga war hilfsbereit, energisch und ein herzlicher Mensch.

Sie sagte offen, was sie dachte, nahm dabei jedoch wenig Rücksicht darauf, ob sie damit vielleicht jemanden vor den Kopf stoßen würde.
Mit ihrer lauten Stimme, ihrer Körperfülle konnte sie schon einem anderen Menschen Angst einflössen.

Sie formulierte manchmal anklagend gegenüber den pflegenden Angehörigen die aus ihrer Sicht auffallenden Defizite.
„Formulieren Sie doch lieber eine Frage, als gleich mit der Tür ins Haus zu fallen“, hatte die Leiterin des Pflegedienstes sie bereits einmal ermahnt“, als eine Beschwerde von Angehörigen bei ihr eingegangen war.

Schwester Marga durfte man nicht im Weg stehen, wenn sie volle Fahrt aufgenommen hatte.
Es ging schnell zu, laut, aber auch herzlich.

„Stell dir vor, das ist ja alles nicht schlimm, aber der Ton, indem sie mir das gesagt hatte, der hat mich schon aufgebracht“, sagte Lukas.

„Wie war denn ihr Ton?“, fragte Peter.
„Sehr vorwurfsvoll, so als würden wir uns gar nicht kümmern“, antwortete Lukas.

„Dabei gehe ich jeden Tag dort hin. Klar, vielleicht übersehe ich ja auch mal was, aber mir gleich so zu kommen“, das finde ich nicht in Ordnung.

„Das lassen wir nicht auf uns sitzen. Wir rufen dort an und stellen die Schwester zur Rede.“
„Ja, aber lass uns erst einmal mit Klara darüber sprechen, bevor wir dort anrufen.“

„Hast du etwa Angst, dass ich jetzt gleich zum Hörer greife und die Chefin befrage, was das soll?“, fragte Peter.

„Nein, nein“, meinte Lukas.
Peter nahm ihm das nicht ab, denn er wusste, wie Lukas über ihn dachte, und dass der ihm zutraute, sehr schnell und sehr hart zu reagieren.

Dabei hatte Peter das gar nicht vor. Er würde lediglich klar fragen, warum die Schwester sich im Ton vergriffen hatte. Und Peter dachte, er würde Lukas damit helfen.

Doch der war schon wieder genervt davon, dass die Sache vielleicht höhere Wellen schlug, als er es selbst wollte.

„Ich werde das heute Abend erst einmal mit Klara besprechen, und danach wird Klara in Stralsund anrufen“, sagte Peter nach einer Weile.

Lukas stimmte ihm zu und er war erleichtert. Er wollte zwar, dass man was sagte, aber irgendwie wollte er es auch wieder nicht. Auf jeden Fall wollte Lukas keinen Ärger.

Aber den Ärger machten die anderen, indem sie Lukas unterstellten, dass er sich nicht richtig kümmern würde.

‚Sollen das doch Klara und Lukas unter sich ausmachen‘, dachte Peter, nachdem er den Hörer aufgelegt hatte.

Gerade erst gestern hatte er eine Kopie der Krankenkasse eingescannt und an den Pflegedienst geschickt, damit sie über den Leistungsumfang, innerhalb dessen sie sich bewegen konnten, informiert waren.

Peter hatte kurz bevor Lukas auflegte ihm noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es war, so etwas nicht auf sich sitzen zu lassen.

„Das haben wir ja nun alles besprochen“, meinte Lukas lakonisch.
Peter ärgerte sich über diese Reaktion. Hatte Lukas sich bei ihm gemeldet, oder umgekehrt?

Peter wusste selbst von sich, dass er bohrend, ja nervend sein konnte, wenn er die Dinge wiederholte, nur um sie dem anderen verständlich artikuliert herüberzubringen.

Vielleicht war das auch sein Fehler. Er beschloss, Klara anzurufen, sie in Kenntnis zu setzen und sich dann aus der ganzen Sache herauszuhalten.

 

SICH SELBST MOTIVIEREN MUSS MAN AUCH SELBST WOLLEN

Ich schreibe oft humorvoll, und so entsteht vielleicht bei manchem Leser der Eindruck, ich sehe die Probleme nicht, die uns in dieser Zeit von Lockdown und Pandemie bedrücken.

Doch ich lebe ja auch nicht auf irgendeinem Stern, wo mich die Dinge nicht berühren, die um mich herum vorgehen.

Könnte ich sagen, das Corona-Virus existiert nicht und darum schere ich mich nicht darum?

Das kann ich tun. Nur schert sich das Virus auch nicht um mein Denken.

Es ist da. So einfach ist es und so verheerend sind die Folgen.
Bin ich mit allem einverstanden, was in der Folge für die Bekämpfung des Virus getan oder unterlassen wird? Nein, auf keinen Fall.

Ist es mir egal, ob jemand neben mir in die Insolvenz geht, weil er nicht mehr sein Lokal finanziell halten kann? Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Es macht mich traurig.

Und so gibt es Tage, an denen du genügend Gründe vorfindest, gar nicht erst aus dem Bett aufzustehen.

Du solltest aber aufstehen, du solltest dich an deinen Schreibtisch setzen, deiner Arbeit nachgehen, überlegen, was du tun kannst, um nicht ins mentale Loch zu fallen.

Für mich ist es wichtig, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind.
Dazu gehören die guten Momente und die weniger guten.

Mein erster Schritt, mich selbst zu motivieren beginnt damit, mir einen Plan für den Tag zu machen.

Klar, du musst dich anstrengen – dich hinsetzen, ein Blatt Papier herausholen, skizzieren, was du tun willst.

Habe ich das getan, dann geht es mir schon besser. Ich kenne die Struktur des Tages, weiß, was ich schaffen will und was ich schaffen kann.

Freitags, zum Beispiel, da muss ich mich enorm überwinden, um zu saugen und zu wischen.

Ich habe es aber nun mal meiner Frau versprochen, die nicht wie ich durchweg im Homeoffice arbeiten kann.

Also motiviere ich mich, indem ich eine ganze To-do-Liste aufschreibe, was zu tun ist, und ich dann die einzelnen Punkte abhaken kann. Meine Frau verdreht dabei nur die Augen.

Aber für mich ist das klasse. Mit jedem Punkt, den ich streiche, steigt meine gute Laune.

Ein wichtiger Schritt bei mir ist in Bezug auf die Selbstmotivation, möglichst früh am Schreibtisch zu sitzen, zügig mit der Arbeit zu beginnen, etwas zu schaffen.

Und vielleicht noch ein Punkt, an den ich mich versuche zu halten.
Ich versuche dem Tag die guten Seiten abzugewinnen.

Wenn du nur darüber sprichst, was alles schlecht ist, wie unfähig die anderen Menschen um dich herum sind, warum das alles nicht gut gehen kann, ja dann bist du selbst schlecht drauf.

Ich denke zwischendurch zum Beispiel an etwas, was meine Enkelin mir gesagt hat, wann ich wieder in den Urlaub fahren kann, oder an das, was ich noch alles an Schreiberei vor mir habe.

Ich glaube, es gibt kein allgemeingültiges Rezept, sich selbst zu motivieren.

Nur eine Regel vielleicht: Du musst es wollen, dich selbst am Schopf zu packen und die Dinge tun, die zu tun sind.

BEITRÄGE IN DER 6. KALENDERWOCHE 2021

MONTAG, 08.02.2021
AUDIO-BEITRAG
MIT DER BIBEL IN DIE NEUE WOCHE
ALLTÄGLICHES (77)
Weisheitsliteratur, Weisheit - wie wichtig ist das noch heutzutage?
https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/08/alltaegliches-77/

 

DIENSTAG, 09.02.2021
SICH SELBST MOTIVIEREN 
ALLTÄGLICHES (78)
Selber wollen und selber tun – die beste Methode, sich zu motivieren 

https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/09/alltaegliches-78/

MITTWOCH, 10.02.2021
EINGEBUNGEN UND INSPIRATIONEN SOFORT FESTHALTEN
SCHREIB-ALLTAG (35)
AUDIO-BEITRAG
https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/10/schreib-alltag-35/

WAS VOM TAG HÄNGEN BLEIBT
ALLTÄGLICHES (83)
https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/17/alltaegliches-83/

DONNERSTAG, 11.02.2021
SIE MÜSSEN DEN TOASTER REPARIEREN
ANNA IST DEMENT (106)
LUKAS ERHÄLT EINEN RÜDEN ANRUF AUS DEM PFLEGEDIENST

https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/11/anna-ist-dement-106/
FREITAG, 12.02.2021
KLARA IST ZU ANNA GEFAHREN
ANNA IST DEMENT (107)
Klara will nach dem Rechten bei Anna sehen

https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/12/anna-ist-dement-107/
SAMSTAG, 13.02.2021
DIE ANZEICHEN VON DEMENZ BEI ANNA MEHREN SICH
ANNA IST DEMENT – FOLGE 4
Aufarbeitung von bisherigen Beiträgen

https://uwemuellererzaehlt.de/2021/02/13/folge-4/

 

 

BERTA HAT DIE MUSIK AUFGELEGT

Anna rief am nächsten Tag erneut an, vormittags. Sie wollte Klara sprechen, aber die war zur Arbeit.

Peter musste ebenfalls arbeiten, doch ihn konnte Anna wenigstens erreichen.

„Es war schön gestern bei der Diamantenen Hochzeit.“
„Hattet ihr denn auch Musik?“, fragte Peter.
„Ja, Berta hat aufgelegt.“ Berta und Anna waren seit ihrer Kindheit miteinander befreundet.

„Oh, Donnerwetter!“, staunte Peter und musste schmunzeln.
Aufgelegt – war das nicht ein Begriff, der längst vergangen war? Oder ist er gerade hip, wenn man an die heutigen Veranstaltungen denkt, wo der DJ auflegt?

Jedenfalls: Anna sprach und dachte modern.
Trotzdem: Wahrscheinlich war das ein ganz normaler Recorder, auf dem die Musik spielte und zwischendurch die CD’ s gewechselt wurden. Und das tat eben Berta.

„Waren denn Gäste da, die wir kennen?“, fragte Peter weiter. Anna überlegte kurz und sagte: „Nein, keine.“

Da war er wieder der Gedächtnisverlust. Peter und Klara kannten bestimmt über die Hälfte derjenigen, die bei der Veranstaltung Gäste waren.

„Wie heißt noch gleich die Tochter von Berta, ich komme einfach nicht drauf“, fragte Peter jetzt.

„Na, Cornelia, das musst du doch wissen?“, sagte Anna vorwurfsvoll.
Ja, Anna hatte Recht. Peter musste und konnte es wissen.
Anna konnte es im ersten Anlauf nicht wissen, dass es jemand war, den Peter und Klara kannten, und sie musste es vielleicht auch nicht mehr.

Peter verabschiedete sich von Anna, indem er ihr sagte, wie schön es wäre, dass sie am Vortag bei der Diamantenen Hochzeit dabei gewesen war, wieder eine Möglichkeit, unter Leuten zu sein.

 

IM WARTEZIMMER VON DR. SILBERFISCH
Klara plante, in der nächsten Woche nach Stralsund zu fahren. Sie wollte es ihrer Mutter nicht sagen.

Sondern: Sie wollte – gemeinsam mit ihrem Bruder Lukas – zu Dr. Silberfisch. Sie wollten ihn um Rat fragen, was sie tun könnten wegen ihrer Mutter Anna.

Dr. Silberfisch stand bei Anna hoch im Kurs.
Für Anna war es ein Höhepunkt, wenn sie zu ihm in die Praxis gehen konnte. Sie kannte sich dort aus. Früher war dort mal eine Drogerie drin. Anna hatte dort als Verkäuferin gearbeitet.

Und Anna kam immer noch ins Schwärmen, wenn Sie daran zurückdachte. Sie fing gleich im Wartezimmer an zu erzählen, was dort früher war und wie die einzelnen Räume aufgeteilt waren.

„Und da oben, da haben wir immer Mittag gemacht, Schwester.“
„Ach ja?“, sagte Schwester Erika und verdrehte die Augen verstohlen zu ihrer Kollegin.

Anna wusste nicht, dass sich die Schwestern heute Praxishelferinnen nennen. Und das störte sie auch nicht im Geringsten.

„Manchmal, da haben wir dort auch Kaffee getrunken und Kuchen gegessen“, fuhr Anna unbeirrt fort. „Ach, das war schön. Und die Kunden mochten uns“, meinte sie.

„Frau Sturm, der Doktor wartet jetzt auf Sie. Bitte gehen Sie doch durch.“
„Ja, das mach‘ ich doch glatt.“ Anna war im Arztzimmer verschwunden. „Sooo…“, sagte Schwester Erika – also die Praxishelferin Erika.

„Das hätten wir jetzt wieder.“

„Na ja, wer weiß, wie wir mal werden“, meinte ihre Kollegin.
„Meinst du?“

„Na ja“, seufzte Erika, „ich will‘ s nicht hoffen, dass wir dement werden.“
Aber wissen konnten sie es nicht, und das wussten sie auch.

 

 

 

PUTENGULASCH MIT SALZKARTOFFELN

WAS BISHER WAR:
Peter scheiterte an Klaras Unwillen mit seinem Versuch, die Ablauforganisation in der Küche neu zu strukturieren. Klara bereitete Peter auf ihre Abfahrt nach Stralsund vor.

Der Wecker des Telefons ging an und das Geräusch von Grillen bohrte sich in die Ohren von Peter und Klara, als wäre eine Kreissäge angesprungen.

„So früh‘“, schimpfte Klara, während sie sich wieder umdrehte und über Peters Angewohnheit stöhnte, immer noch ein bisschen früher aufzustehen.

Es war gerade mal 03.40 Uhr. Und bei Klara war auf dem Display 03.39 zu sehen. Sie war einfach nur empört über Peters Rücksichtslosigkeit.

Dabei wollte der nur alles in Ruhe angehen, sich rasieren, Tee aufsetzen, Kaffee vorbereiten und später noch die Eier in das kochende Wasser legen.

Gegen 04.15 Uhr sollte alles fertig sein und Peter freute sich dann darauf, danach die Zeitung auf dem iPad zu lesen. Er hatte eine Weile gebraucht, bis er sich an das Digitale gewöhnt hatte.

Manchmal rutschte ihm noch die Zeitung weg, die Zeilen wurden unmäßig groß, so dass sich eine Zeile über den gesamten Bildschirm erstreckte.

Aber er hatte sich eingewöhnt und war froh, dass er sich nicht mehr darauf verlassen musste, ob der Zeitungsträger kam und ob er vor allem kurz vor vier Uhr kam, einer Zeit, wo man selbst lieber noch im Bett lag.

Peter freute sich schon darauf, wenn der Tag wieder schneller begann, es früher hell wurde und er miterleben konnte, wie allmählich die Sonne aufging.

Er konnte sich aber genauso darüber freuen, wenn der den Sonnenuntergang beobachten konnte, wie es abends langsam dunkel wurde und er das Geschrei der Kinder hörte, die den verbliebenen Schnee dazu nutzten, darauf herum zu schlittern.

Peter saß am Schreibtisch und dachte darüber nach, womit er wohl den Tag beginnen sollte.

Was er zu tun hatte, das wusste er, aber er überlegte, ob es nicht eine Möglichkeit gab, den ungeliebten, aber dennoch überlebenswichtigen Aufgaben des Schreibens von PR-Texten zu entgehen.

Er klickte am Computer herum und öffnete schließlich die Datei, in der der Speiseplan für Anna Mittagessen abgespeichert war.

Seitdem sie den Service von ‚Essen auf Rädern‘ in Anspruch nahm, war das auch eine spannende Abwechslung für Klara und Peter.

Putengulasch mit Salzkartoffeln stand auf dem Plan und zum Dessert gab es Sahnepudding mit Schokosoße.

Peter würde am liebsten am Essen selber teilnehmen, obwohl er es besser lassen sollte. Er hatte wieder zugenommen, seit er nicht mehr in das Sportstudio konnte.

„Wir gehen in unserem nächsten Urlaub in Stralsund in die Gaststätte, die ebenfalls von der Firma für Essen auf Rädern betrieben wurde“, sagte Peter.

Er hatte dazu mehr Lust, als in ein Nobelrestaurant im Hafen zu gehen.

DU KANNST KEIN VERTRAUEN ERZWINGEN ODER GAR ERBETTELN – DU MUSST ES DIR HART ERARBEITEN

Ich habe in den vergangenen Jahren viel über die Freie Alten – und Krankenpflege e.V. in Essen berichtet.

Ich weiß aus meiner Berufserfahrung: Es gibt viele Menschen und Einrichtungen, die um Vertrauen werben. Das ist legitim, reicht aber nicht aus.

Erst wenn du Menschen mit Taten davon überzeugst, dass es so ist, wie du es vorher mit Worten angekündigt hast, dann beginnen sie, dir zu vertrauen.

Und aus diesem Grund: Die Freie Alten und Krankenpflege e.V. in Essen hat mein Vertrauen, gerade jetzt, in Zeiten der Pandemie und des Lockdowns.

Warum das so ist?

Weil dort Menschen arbeiten die nicht nur irgendetwas sagen, sondern die auch danach handeln, jeden Tag.

Mehr:

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/07/04/portraet-freie-alten-und-krankenpflege-e-v/

 

 

DIE GESCHIRRSPÜLMASCHINE WAR NICHT AUSGERÄUMT

WAS BISHER WAR:
Bei Klara, Lukas und Peter setzte sich immer mehr die Erkenntnis durch, Anna nicht mehr zu etwas zu bewegen, was sie überhaupt nicht mehr wollte, zum Beispiel sie zu Feiern mitzunehmen.

Krümel machte für alle den Alltag schöner, sie war stets präsent, und wenn auch oft nur in Gedanken.  Peter musste darüber nachdenken, was er Klara zum Geburtstag schenken wollte.

Es deutete sich an, dass Klara lediglich einen Blumenstrauß zum Geburtstag haben wollte. Sie hatte sich ihre Geschenke bereits vorher besorgt.
Aber der Blumenstrauß musste ja trotzdem noch besorgt werden.

Schade, dass Peter gerade Klaras Lieblingsblumenvase zerschmissen hatte. Die stand morgens im Weg, als Peter die Spülmaschine ausräumte.

Er hatte gerade das Sonntagsgeschirr in das Wohnzimmer gebracht. Peter war sauer, weil er das morgens machen musste, denn hätte er gewusst, dass die Maschine noch voll war, so hätte er es abends noch getan.

Aber Klara sagte nur: „Das musst du doch nicht machen.“
Wie stellte sie sich das eigentlich vor ? Dass er das Frühstück vorbereitete und unten die Spülmaschine voll war mit Geschirr?

Nein, das kam für ihn gar nicht infrage.
Das konnte er einfach nicht. Er war nicht so gestrickt, dass er das übersehen konnte.

Also stellte er die Tassen und Teller schlecht gelaunt auf den Wohnzimmertisch. Es war noch dunkel. Plötzlich stieß er mit dem Arm gegen etwas. Es rollte und krachte auf die Erde.
Es war die Blumenvase.

„Das war die schönste Vase, die wir hatten“, sagte Klara.
„Und das ist mit Abstand der schlechteste Beginn eines Tages“, sagte Peter.

„Ich weiß nicht, warum du so bist?“, sagte Klara.
„Ich weiß auch nicht, warum du nie abends alles für den Morgen vorbereitest“, entgegnete Peter.

Seine Schilddrüse schlug schon an und er war dabei, sich nicht mehr einzukriegen.
Was war geschehen? Das Auto kaputt, jemand die Treppe heruntergefallen, der Strom ausgegangen?

Nein, etwas viel Schlimmeres, der Geschirrspüler war noch voller Geschirr geräumt.

Das Frühstück verlief ruhig. Peter surfte in der neuesten Ausgabe der Berliner Zeitung.

Die Corona -Toten waren wieder mehr geworden.

‚Und du regst dich wegen so einer Kleinigkeit auf‘, dachte Peter.

Laut aber sagte er: „Das finde ich zwar nicht in Ordnung, dass du mich nicht unterrichtest, was in der Küche noch gemacht werden muss, aber lass uns jetzt nicht mehr streiten, die Vase ist ohnehin kaputt.“

Klara schwieg. Sie musste gleich in die S-Bahn, dann die kalte Straße im Zeitungsviertel entlanglaufen und der Dicke hier regte sich über so einen Mist auf.

‚Ach war das schön, als er noch Teams geführt hat und auch gut verdiente.‘

Das Leben war zwar stressiger, aber ihr Mann war abends wenigstens müde und hatte keine Kraft mehr, zu reden, geschweige denn in die Spülmaschine zu schauen.

Aber jetzt, wo er nur noch im Homeoffice saß, da wollte er den Haushalt führen, wie von einem Befehlsstand aus und er wunderte sich immer, dass Klara sich nicht an seine Anweisungen hielt, sondern nur sagte, er könne ruhig noch mehr machen, wenn er schon zu Hause war.

Das brachte Peter endgültig aus dem Häuschen. Er verkroch sich dann in sein Zimmer und arbeitete umso verbissener an seinen Marketingkonzepten.

An dem Tag rief Peter noch einen Kunden wegen einer Anzeige an.
„Das ist mir alles zu persönlich“, sagte der zu Peter.

„Zu persönlich? Sollte es denn unpersönlich sein in der Stellenanzeige sein.

Wollen Sie Menschen ansprechen, die sich für Sie und Ihr Unternehmen begeistern, oder wollen Sie Leute, die kalt und abstrakt im Pflegedienst wirken?“

Peter war rhetorisch kaum zu schlagen. Er siegte auch in dem Gespräch, aber er verlor den Kunden.

An dem Tag beschäftigte er sich nur noch mit den ausstehenden PR-Texten. Er fand sie wenig aussagekräftig und fad, und seine Laune sank auf den Nullpunkt.

Er ging in das Wohnzimmer, schaltete den Fernseher ein und schaute sich einen Film über die Seals in Afghanistan an. Die waren aufeinander eingespielt, die Kommandozentrale tickte wie ein Uhrwerk. Peter liebte diese Filme.

Vielleicht konnte er sich ja noch für die Organisation des Haushaltes etwas abschauen. Doch was stand denn bei ihm an? Nur eines: Blumenstrauß für Klara besorgen.

KLARAS GEBURTSTAG STAND BEVOR UND PETER MUSSTE BLUMEN BESORGEN

WAS BISHER WAR:
Peter hatte darüber nachgedacht, dass man sein Leben einfach leben sollte. Er dachte dabei vor allem an Krümel, die sich für alles interessierte, die Welt neugierig betrachtete und mit ihrer ungezwungenen und kindlichen Art es sogar noch schaffte, Anna am Telefon zum Lachen zu bringen.

„Wie wollen wir nächste Woche meinen Geburtstag feiern?“, fragte Klara Peter am Frühstückstisch am Samstagmorgen.

Peter antwortete nicht. Er war in sein iPad vertieft, auf dem er die Berliner Zeitung las.

Samstagmorgen war es für ihn am schönsten, dass Klara das Frühstück machte, er dann nach einer Weile die Treppe herunterkommen konnte und sich erst einmal hinsetzte, um zu lesen.

Klara mochte das eigentlich nicht. Denn sie wollte, dass sich Peter mit ihr unterhielt und nicht schon wieder irgendwelche Artikel las, um sie hinterher nach ihrer Meinung für diesen Aufsatz zu fragen, den sie selbst noch gar nicht gelesen hatte.

Das war aber für Peter das Signal, selbst erst einmal knapp den Inhalt des Artikels wiederzugeben und danach seine eigene Meinung darüber kundzutun.

„Das hast du den Schlamassel mit ‚Astrazeneca‘ und der EU“, hob er an.

Aber Klara unterbrach ihn gleich.
„Ich habe dich gefragt, wie wir meinen Geburtstag feiern wollen?“
„Jetzt geht das schon wieder los. Ich hab‘ kein Geschenk für dich.“
„Blumen würden mir reichen“, sagte Klara gleich.
„Und wo krieg‘ ich die her?“, brummte Peter gleich.

Er hasste es, Blumen zu besorgen, denn damit kannte er sich gar nicht aus. Meist kaufte er die, die nicht frisch genug waren oder sie waren zu teuer.

Klara bekam das natürlich sofort mit und machte nebenher ihre Bemerkungen dazu.

Aber wenn Peter ehrlich zu sich selbst wäre, dann müsste er sich eingestehen, dass er es generell nicht mochte, in Läden zu gehen.
Der Lockdown kam ihm in dieser Hinsicht nur zu recht.

Peter erinnerte sich daran, wie er im letzten Jahr in den Laden am Bahnhof ging, er mittendrin stand, sich keiner um ihn kümmerte und er nicht wusste, was er nehmen sollte.

Er war der Typ, der sich gern beraten ließ, dafür lieber teurer einkaufte, aber seine eigene Komfortzone nicht verlassen musste, zum Beispiel, um nach etlichen Alternativen zu fragen und dann noch die Preise zu vergleichen.

Dabei war er es gar nicht mehr, der das große Geld verdiente. Das tat Klara. Peter gab es nur aus, großzügiger als Klara, wenn er dachte, das müsse nun so sein.

„Du kannst ja nächsten Samstag die Blumen gemeinsam mit Laura kaufen“, meinte Klara.

„Ja, das ist eine gute Idee“, sagte er schnell.
Ob die Idee wirklich gut war, das wusste er nicht. Denn Laura kam gleich nach Klara.

Sie dirigierte ihn ebenso im Laden umher, wie es ihre Mutter mit ihm machte.

Aber Peter könnte den Umstand dafür nutzen, um mit Krümel und Laura gemeinsam in den Blumenladen zu gehen.

Laura könnte sich dann um den Blumenkauf kümmern und Peter würde aufpassen, dass Krümel nicht in der Zwischenzeit alle Pflanzen anfasst, nur eben jede zweite.

VON KRÜMEL LERNEN, DEN TAG EINFACH ZU LEBEN

WAS BISHER WAR
Klara, Peter und Lukas verstanden es immer besser, sich untereinander abzustimmen, was die Unterstützung für Anna anbetraf.
Und trotzdem, es blieb schwer, weil jeder in seinem eigenen Alltag mit seinen Ängsten, Hindernissen, aber auch kleinen Freuden zu tun hatte.

Der Alltag nahm seinen Lauf. Nur wie der von Klara, Peter oder Laura wahrgenommen wurde, das hing davon ab, wie sie sich selbst gerade fühlten, was am Tag geplant war und was tatsächlich passierte.

Wenn Peter und Klara morgens aufstanden, da hatten sie meist nur ein Thema, und abends ebenso – was Krümel wohl machte und vor allem, was sie schon alles gemacht hatte, worüber sie viel lachen mussten.

„Weißt du noch, wie Krümel auf der Seite der Couch herumturnte und ich sie mahnend anschaute?“, fragte Peter.

„Sie sagte zu mir ‚Opa, jetzt mal nicht oh, oh sagen, wenn ich hier meine Übungen mach‘, ja‘?“, das hat sie gesagt, fuhr Peter fort, ohne abzuwarten, was Klara sagte.

Klara hatte das alles ja selbst miterlebt und musste auch stets aufs Neue darüber lachen.

„Hättest du gedacht, dass wir so viel an Krümel denken würden, auch wenn sie nicht bei uns ist“, fragte Peter.

„Sie hat unser Leben verändert, es ist aufregender geworden, manchmal anstrengend, aber viel schöner als vor Krümels Geburt“, antwortete Klara.

„Gestern hat Laura angerufen und erzählt, dass Krümel der Erzieherin gesagt hätte, sie müsse mittags nicht mehr schlafen, denn das hätte ihre Mutter erlaubt“, schob sie noch hinterher.

„Ja, da werden wir noch viel lachen können“, meinte Peter, bevor er sich wieder seinem Schreibtisch zuwandte.

Krümel machte den Alltag schöner, sie ließ sich nicht von schweren Gedanken treiben, sondern sie nahm den Moment, den sie kriegen konnte und machte etwas daraus, spielte mit ‚Marshall‘, rief ‚Opa hat mich geärgert‘, wenn etwas nicht ganz nach ihrem Willen lief und sie konnte sich zu einem Stein auf der Straße freuen, den sie fand und aufsammelte.

Während Peter darüber nachdachte, wurde ihm klar, dass die Kindheit eben doch etwas ganz Wunderbares war, etwas, das nie wieder so, mit diesen Glücksmomenten aus dem Nichts, zurückkam.