Archiv der Kategorie: MEIN FREUND, DER ALLTAG

Kurzgeschichten

ALLTÄGLICHES (5)

EIN FLYER, DEN MAN ALS WANDLITZER LESEN SOLLTE

Freitagmorgen. Ich sitze an meinem Schreibtisch und habe gerade mit meiner Arbeit begonnen. Meine Frau kommt herein und legt mir einen Flyer auf den Tisch.

„Hier, das wird dich interessieren“, sagt sie und deutet mit dem Finger auf das Foto auf dem Deckblatt.
„Sympathisch“, sage ich knapp.
„Und weiter?“
„Was weiter?“
„Na, lies mal den Namen: Oliver Borchert, der ist doch auf zahlreichen Plakaten abgebildet.“

Als meine Frau das sagte, fiel es mir auch auf.
Aber war das ein Grund,  diesen Flyer nun auch noch zu lesen?

Eigentlich nicht. Ich hatte kaum Interesse an diesem Wahlgetöse.

Mir reichte ohnehin die Diskussion in den Medien, die oft nicht mehr substanziell war, wo vielfach Worthülsen, oder ‚vorgestanzte‘ Formulierungen gebraucht wurden, um den politischen Wettbewerber niederzumachen und sich so selbst besser ins rechte Licht zu rücken.

Schon deshalb schaue ich mir die Menschen, über die ich schreibe, lieber persönlich an.
Also blättere ich lustlos im Flyer umher. Und dann nimmt mich das Geschriebene doch gefangen.

Das klingt entschlossen, man spürt beim Lesen förmlich die Tatkraft des Protagonisten.

8 Punkte sind aufgeführt, detailliert genug, um meine Vorstellungen anzuregen.

Da steht zum Beispiel etwas darüber, wie es weitergehen soll, mit dem Verkehrskonzept:“… die Ausweitung … des Halbstundentaktes der Regionalbahn bis Klosterfelde…“

Die Parkplatzsituation in Basdorf soll damit gleichzeitig verbessert werden.
Kleine Dinge? Ja, aber solche, die dir als Einwohner unter den Nägeln brennen.

Und: die ganz sicher großer Kraftanstrengungen bedürfen, wenn sie Wirklichkeit werden sollen. Du brauchst Menschen mit Energie, Entschlusskraft dafür, um den auf dem Papier formulierten Visionen tatsächlich Leben einzuhauchen.

Ich glaube, der Oliver Borchert ist so einer, der diese Fähigkeiten mitbringt.

Kann ich das genau sagen? Nein. Ich kenne ihn gar nicht. Aber warum habe ich ihn nicht längst schon einmal angerufen, einen Termin vereinbart, um ihm ein paar Fragen zu stellen?

Keine Ahnung. Warum macht man vieles im Leben nicht?
Auf jeden habe ich schon mal das Faltblatt in der Hand.

„Wandlitz ist Entwicklungsachse – aber auch Naturgemeinde!“, lese ich weiter.
Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.

Ich denke zurück, als ich das erste Mal nach Wandlitz kam. Das war im Jahr 1993. Damals war ich bei der Firma Adams& Partner Wohnungsbau GmbH angestellt und sollte nach Wandlitz fahren, um mich mit dem Gebiet vertraut zu machen und später den Verkauf der noch zu errichtenden Immobilien zu organisieren.

Ich schlief in Wandlitz in einem Hotel und fuhr morgens mit meinem kleinen Auto über holprige Straßen.

Meine Familie wohnte in Stralsund. Dort waren wir nach der Wende hingezogen, weil ich einen Job als Dozent bekommen hatte.
Dann zog es mich aber  in die ‚große, weite Welt‘, in den Westen.

So wohnte ich zu dem Zeitpunkt in einer kleinen Wohnung in Essen. Und nun fuhr ich in Wandlitz umher.

„Ich bin ‚am Arsch der Welt‘“, dachte ich und war so unglücklich wie ich es nur sein konnte.

Ein paar Jahre später zog ich mit meiner Familie nach Basdorf. Das mit dem ‚Arsch‘ konnte ich nicht zurücknehmen. Also taufte ich das Gesagte um, in einen ‚schönen Arsch‘ eben.

Mein Chef sagte mir damals, dass wir mit den Bauten in Basdorf den Ort Wandlitz überholen würden. Das haben wir nicht geschafft. Aber das war ja auch nicht nötig. Heute gehört alles zu Wandlitz.

Und deshalb finde ich die Strategie von der ‚Entwicklungsachse‘ gut.

Außerdem: Ich liebe den Liepnitzsee. Ich laufe dort sehr gern, auch wenn mich schon mal der Dackel des Försters vor Jahren in das Knie während des Nordic Walkings gezwickt hat.

Warum schreibe ich das eigentlich auf? Ich weiß es nicht genau. In der Regel erstelle ich einen sogenannten Plot von dem, was ich später veröffentliche.
Das hier tippe ich spontan herunter. Ist das ein gutes Zeichen? Ja, auf jeden Fall.

Ich freue mich einfach, dass wir hier im Ort so tolle Menschen haben.

Kann der Oliver Borchert Bürgermeister? Mein Bauchgefühl sagt ja.

Und ich habe einen großen Bauch.

50 KILO ABNEHMEN(6)

ZIEL FÜR JULI VERFEHLT -URLAUBSLAUNE EINGETRÜBT

Morgen ist für Juli die Abrechnung fällig. Ich bin mit 127, 0 kg in den Monat gestartet.

Das Ziel: um 3,2 das Gewicht reduzieren, auf 123,8 kg.
Ich bin heute aber bei 126,0 kg. Also habe ich mein Ziel verfehlt, und zwar krachend.

Ich könnte ja jetzt sagen: Gut, immerhin habe ich mein Anfangsgewicht von 131 kg im Januar auf 126 kg im Juli vermindert.

Doch ich wollte weiter sein. Jeden Tag 100 Gramm, das ist doch nicht schwer, habe ich mir gesagt.

Ist es auch nicht. Aber was ist noch leichter?
100 Gramm wieder draufzukriegen.

Am Wochenende zum Beispiel, da war Laura bei uns.
Sie hat geholfen, meinen Computer wieder auf Vordermann zu bringen.

Vor lauter Freude habe ich abends dann eine ganze Flasche Sekt ausgetrunken, mit Erdbeeren. Allein. Die Frauen wollten nicht, umso besser.

Ach, es war herrlich. Am nächsten Tag bin ich gar nicht auf die Waage gegangen.

Und Montag? Da hatte ich den ‚Salat‘ – 127,3 kg.
Am vergangenen Donnerstag waren es noch 124,8 kg.

Was mache ich nun? Damit leben, weitermachen.
Gestern und heute habe ich im Fitness-Studio geackert. Doch abends, was war da?

Ja, da waren noch Reste vom Sonntagsessen.
Herrliche Knödel mit Gulasch.
Und vorher? Eis vom Sonntag, mit Früchten, nur zum Nachmittagskaffee.  Lecker.

Heute Morgen? Schnauze voll. Ich kann es nicht anders sagen.
Was wird heute, am vorletzten Tag? Fasten.

Ich habe heute kurz vor 5 Uhr gefrühstückt. Sonst streikt meine Galle.

Aber weiter gibt es nichts. Wirklich nicht? Wirklich nicht! Nur Wasser und Zitrone und ein konzentriertes Vitamingetränk, das ich mir leiste.

Wir wollen mal sehen, wie es morgen früh aussieht.
Wahrscheinlich werde ich es am Mittwoch, den 31.08. wiederholen, das mit dem Fasten.

Vielleicht kann ich ja noch ein paar Gramm loswerden, trotz Urlaubsfeeling.

JEEPY (33)

JEEPY UND FIATINE BEREITEN SICH AUF DAS VERKAUFSGESPRÄCH VOR

 

„Hallo Fiatine, heute geht’s los. Heute schreiben wir uns auf, wie wir dich am besten beim Inhaber des Einkaufsmarktes anpreisen.“

„Ach Jeepy, ich bin so froh, dass du mir hilfst“, flötete Fiatine fröhlich.
„Aber weisst du, ich habe gar kein gutes Gefühl dabei, wenn du sagst, du willst mich anpreisen. Das klingt, als würdest du ein besonders schmackhaftes Steak für den Grill anbieten.“

„Fiatinchen…“, hob Jeepy an.
„Nenn‘ mich bitte nicht Fiatinchen. Schliesslich sind wir nicht miteinander verwandt“, ging Fiatine sofort dazwischen.

„Also willst du jetzt raus, aus dem Autohaus, oder nicht?“, fragte Jeepy und hüpfte ungeduldig mit seinen Vorderreifen hin- und her.

„Ja, schon“, sagte Fiatine nun kleinlaut.
„Pass auf, wir erarbeiten einen richtigen Gesprächsleitfaden, so wie das mein Fahrer getan hat, wenn er seinen Kunden Immobilien verkaufen wollte.“

„Und hat er das dann abgelesen?“, fragte Fiatine. Sie war noch skeptischer geworden.

„Nein, natürlich nicht. Er hat sich nur ein paar Stichpunkte notiert und wenn er das aufgeschrieben hatte, dann war es auch in seinem Kopf.

„Oh Gott“, seufzte Fiatine.
„Ja und die Einwände, die sind ganz wichtig.“
„Ja, ein Einwand ist stets ein Kaufsignal.“
„Kaufsignal?“

„Ja“, Jeepys Wangen, äh Türen, wurden noch röter vor Eifer, als sie es ohnehin schon waren.

„Wenn der interessierte Kunde sagt, dass du pottenhässlich bist, dann zeigt er damit sein Inteteresse.“
Fiatine fing an zu weinen.

„Ich soll hässlich sein?“
„Das ist doch nur ein Beispiel. Natürlich bist du wunderschön“, schob Jeepy eilfertig hinterher.

„Aber wie wäre es damit: Fiatine hat eine Klimaanlage, einen Lautsprecher, Leichtmetallfelgen und ein höherverstellbares Lederlenkrad?“

„Ach, das klingt alles so technisch, so lieblos“, sagte Fiatine und ihrer Stimme war dabei die Enttäuschung anzumerken.

„Dann mach‘ du doch selbst einen Vorschlag, was du sagen würdest“, sagte nun Jeepy und war leicht eingeschnappt.

„Pass mal auf. Ich würde folgendes sagen: Sie sind der Inhaber eines Einkaufsmarktes und gehen tagaus und tagein durch die Türen Ihres Einkaufscenters, schwitzen und plagen sich mit Bestellungen rum und mit Reklamationen.“

„Und was hat das jetzt mit dem Verkaufsgespräch zu tun?“, entgegnete nun Jeepy spöttisch.

„Warte ab!“, sagte Fiatine.
„Der interessierte Käufer wird aufstöhnen und meine Fragen bestätigen.“

„Und dann?“, drängelte Jeepy
„Dann frage ich ihn, ob er den italienischen Spielfilm ‚Dolce Vita‘ kennt.“

„Was ist, wenn er ihn nicht kennt?“, fragte Jeepy skeptisch weiter.
„Ich frage ihn auf jeden Fall nach Sonne, Meer, italienischer Pasta und herrlichem Wein, einfach nach dem Lebensgefühl.“

„Nach Wein und Pasta?“
„Jetzt stell‘ dich doch nicht so an“, sagte Fiatine.
„Ich sag‘ jetzt gar nichts mehr!“

Jeepy war endgültig beleidigt.
„Ein offenes Verdeck, blau-weiß gestreift, herrliche Meerluft, aus dem Radio tönen schöne Melodien, das ist Dolce Vita, und das verkörpere ich, Fiatine.“

„Das ist mir noch gar nicht so aufgefallen“, sagte Jeepy jetzt.
„Aber wenn ich dich so anschaue, kann das hinkommen. Und du meinst also, da ist was dran, an so einer Art Präsentation, das will der Kunde hören?“, fragte Jeepy, immer noch ein wenig zweifelnd.

„Aber klar!“.
„Komm‘, wir fahren zum Verkäufer und fragen ihn, wie er das Gespräch führen würde“, rief Fiatine fröhlich.

„Na meinetwegen“, brummte Jeepy und war immer noch verschnupft.

Er wollte doch noch vor Fiatine mit den technischen Details glänzen, die er sich vorher auf eine Karteikarte geschrieben hatte.
Aber Fiatine hatte ihn mal wieder mit ihrer fröhlichen Art um den Finger gewickelt.

 

 

SCHREIB-ALLTAG (6)

SCHREIBEN IST WIE LIEGESTÜTZEN MACHEN

Es ist so einfach. Du nimmst dir einen Stift oder greifst dir die Tastatur und los geht’s.

Wirklich?
Wenn es so einfach wäre, dann hätten wir so viele und wahrscheinlich in der Mehrheit auch gute Texte.

Aber die Wahrheit lautet anders: Du musst dich  nämlich ziemlich überwinden.

Irgendwie kriegst du im Leben nichts hin, ohne dich wirklich anzustrengen, oder?

Willst du Liegestütze machen, dann musst du dich auf den Boden legen. Und dann brauchst du nur noch die Arme strecken. Nur? Dieses ’nur‘ kostet dich viel Überwindung. Aber wenn du es getan hast, dann bist du stolz auf dich.

Beim Schreiben ist es ähnlich.
Es gibt einen Trick, den ich dabei anwende.
Ich schreibe einfach los. Zum Beispiel, wenn ich im Fitness- Studio bin. Du fängst beim Tippen automatisch an zu denken.

Aber es ist auch ein bisschen wie ‚mal sehen, wo es mich ‚hinschreibt‘.
Doch das wirft den Gedankenmotor an. Ich sitze gerade im Studio an der ‚Beinpresse‘.

Neben mir liest jemand ein kleines Büchlein – zwischen den einzelnen Übungen – die er absolviert.
Ich schreibe eben in der einen Minute Pause, die ich mir nach 15 Wiederholungen gönne.
Was ist der Trick? Du schreibst sofort los. Besser, ich tippe los. Auf dem iPhone.
Mit dem rechten Daumen. Die Herausforderung ist, nicht zwei Buchstaben auf einmal zu erwischen. Vor allem, wenn der Daumen so dick ist, wie meiner.

Wäre ich an meinem Schreibtisch, dann würde ich mit dem Füller erst einmal einen groben Arbeitsinhalt skizzieren. Danach würde ich das Blatt einscannen. Umständlich.

Anschließend: den Rohentwurf schreiben, wieder mit dem Füller.
Warum mit Füller?
Weil zwischen meinen Gedanken und meinem Blatt nichts weiter ist, mental jedenfalls nicht.
Aber mit dem iPhone schreibt es sich auch sehr gut.
Du hältst mit der einen Hand das Handy und mit der anderen Hand tippst du auf die Buchstaben. Manche schreiben ja mit beiden Händen. Ich kann das nur mit meinem rechten dicken Daumen, zwar mit den bekannten Nebenwirkungen, aber immerhin erreiche ich beachtliche Tippgeschwindigkeiten.

Korrigieren kann ich später immer noch.
Ich hänge im Studio gerade etwas unbequem an der Beinpresse mit dem rechten Fuß fest. Wird mich das aufhalten, weiterzuschreiben? Nein.
Das kann Leben kann so schön sein. Vorausgesetzt, du findest es  schön, so wie es ist.

 

50 KILO ABNEHMEN (5)

DIE NEUE WAAGE IST SCHULD

Gestern habe ich morgens die neue Waage benutzt, um mich zu wiegen. Ich habe mich schon ein paar Tage nicht mehr gewogen.

Es war zu viel Trubel und so habe ich das alles beiseitegeschoben. Und dann ging noch die alte Waage kaputt. Ich fühlte mich wie im Blindflug.

Als wir die neue hatten, da wussten wir erst einmal nicht, wie wir sie bedienen sollten. Du kannst den Fettanteil messen und den Muskelanteil auch.

Aber wie? Die Bedienungsanleitung war klein gedruckt, in viele Sprachen übersetzt und unübersichtlich angeordnet. Was nützt der ganze technische Schnick- Schnack, wenn die Anleitung für Softwareingenieure geschrieben ist?

Ich machte mich an den praktischen Teil und drückte solange auf die einzelnen Button, bis das Zeichen für kg erschien. Das war das Signal, um alles so zu lassen. Ich stieg mit beiden Beinen drauf und schaute nach unten.

Die Zahlen sausten, ich schwankte auf der Waage hin – und her. Schließlich blieb die Anzeige bei 126,0 stehen. Ich müsste eigentlich bei 124,8 sein.

„Die Waage ist ja anders geeicht“, beschwichtigte Klara gleich.
Gott sei Dank war also nicht der Sekt mit Erdbeeren am Samstagabend schuld, oder die Spaghetti Bolognese, nein, die Waage muss sich erst an uns gewöhnen und wir uns an sie.

Aber morgen, ja morgen, da geht‘s wieder ins Fitness-Studio, und dann bin ich bald wieder bei 124,8 – trotz neuer Eichung.

Doch wahrscheinlich müsste ich dann schon bei 123,8 sein. Aber darüber mach ich mir Gedanken, wenn es soweit ist.
Wir finden schon einen Schuldigen.

ALLTÄGLICHES (4)

DIE GUTEN GEDANKEN KOMMEN SELTEN VON ALLEIN

Diesen Text schreibe ich schon heute, am Sonntag.
Bestimmt ist er allerdings für morgen, Montag, den Beginn des Alltags. Wie werde ich mich wohl fühlen, wenn ich wieder 4 Uhr aufstehe?

Die Laune ist um die Zeit nicht nur auf dem Nullpunkt. Sie ist im Minusbereich. Ich werde alle Kraft aufbieten müssen, um nicht laut aufzuschreien: „Mist, ich habe keinen Bock, lasst mich doch einfach zufrieden.“

Aber was ist es dann, was mich dennoch antreibt, was Menschen überhaupt dazu bringt etwas zu tun, wozu sie eigentlich gar keine Lust haben?

Irgendwie steckt wohl in jedem von uns so etwas wie ein Pflichtgefühl. Deine innere Stimme sagt dir: „Komm‘, reiß dich zusammen und schwing‘ die Beine aus dem Bett.“

Und mit einmal stehst du mit beiden Füßen neben deinem Bett, machst die ersten Schritte.

Es ist wie auf dem Laufband, auf das ich trete und zunächst bei Tempo 1 beginne. Schließlich wirst du schneller und plötzlich bist du drin, im Tag, erst zögerlich, schleppend, dann immer schneller, munterer, energievoller.

Ich versuche es noch mit einem anderen Trick. Ich stelle mir vor, was der Tag an Schönem bereithält.

Da muss ich nur eine Kleinigkeit beachten. Das Gehirn schickt mir nicht automatisch die guten Nachrichten, wie zum Beispiel, dass ich heute Krümels fröhliche Stimme am Telefon höre.

Nein, zuerst kommt: „Du musst noch die Steuerunterlagen fertig machen, Druckerpapier kaufen, das Auto waschen, den Rasen mähen, Kunden hinzugewinnen.

Es ist, als würdest du an der Essensausgabe stehen und auf eine köstliche Mahlzeit warten und plötzlich ruft dir aus der Küche jemand zu: „Wenn du essen willst, dann hilf gefälligst mit, die Kartoffeln zu schälen.“

Und genauso ist es mit den guten Gedanken, mit denen, die dich in einen guten Zustand versetzen sollen, sodass du ganz von selbst die Beine aus dem Bett schwingst.

Du musst dich um sie bemühen, sie mit Energie in die vorderen Schubfächer deines Gehirns ziehen.
Ich werde mich also anstrengen müssen, etwas Positives für mich zu finden, selbst am Montag.

Wie wäre es damit: Du siehst gleich im Fitness-Studio motivierte Leute, du hörst die Musik, nimmst ihren Takt auf und läufst dich auf dem Laufband so langsam frei?

Du gehst danach aus dem Studio, fühlst dich gut. Zuhause wartet dein Schreibtisch auf dich und du kannst den ganzen Tag kreativ sein.

Und zu guter Letzt ist Krümel am Telefon und plappert fröhlich mit ihren knapp zwei Jahren: „Haha, ‚auiwi’“, oder so ähnlich. Ich fühle mehr, was sie damit meint.

Lohnt es sich für all das am Montag aufzustehen?
Auf jeden Fall!

ALLTÄGLICHES (3)

‚SPREEGOLD‘ – DAS WAHRE GOLD STECKT IM TEAM
‚Spreegold-fresh food and events‘, so heißt das Lokal in der ‚Stargarder‘ im Prenzlauer Berg, in dem ich am Mittwochmorgen war.
‚Spreegold‘ allein, das klingt schon verheißungsvoll. Ich bin kein Gourmet, kein Restauranttester. Was ich sagen kann, das ist, dass ich mich lange nicht mehr so wohl in einem Restaurant gefühlt habe.

Warum?
Weil das Team, die Menschen, die in dem Lokal arbeiten, und denen ich am Morgen begegnet bin, das wirkliche Gold sind.
Ich muss ein bisschen ausholen, um das zu erklären.

Ich war morgens im Fitness-Studio. Vorher habe ich Klara zur Arbeit nach Kreuzberg-Mitte gebracht.
Wir waren 4 Uhr aufgestanden und 5 Uhr losgefahren. 05:58 Uhr löste ich das Ticket für das zweite Parkdeck in der Tiefgarage und die Schranke hob sich.

Routiniert steuerte ich auf meinen Stammplatz zu.
Lustlos und noch mitgenommen von den Erlebnissen am Vortag schlich ich die Treppen hoch.

Einen Tag zuvor war meine Mutter 90 Jahre alt geworden. Mein Vater war eine Woche zuvor gestorben. Und so gaben wir uns Mühe, die Feier zu Mutters 90-igstem trotzdem mit Liebe zu gestalten.

Am nächsten Morgen, kam das alles in mir noch einmal hoch. Ich schlich förmlich auf dem Laufband. Mehr war es nicht. Um mich herum waren sämtlich motivierte Leute, zumindest taten sie so. Die meisten wohl jünger als ich, und so bekam ich allmählich Lust, mich mehr in die Übungen hineinzuhängen.

Schließlich war ich an den Geräten fertig. Es war kurz vor 8 Uhr. Was sollte ich machen?

Zurückfahren, mich umziehen und mich danach erneut in den Prenzlauer Berg zu begeben, nur um beim Friseur zu sein?
Das war doch Quatsch, fand ich.

Doch was würde Klara sagen, wenn sie erfuhr, dass ich in den Trainingsklamotten zum Friseur wollte?

Würde sie dem zustimmen? Auf keinen Fall. Sollte ich sie also anrufen und nachfragen, was ich tun sollte? Um Gottes Willen.

Der Friseur würde ja 8 Uhr seine Pforten öffnen, spätestens aber 9 Uhr, glaubte ich.

Also machte ich mich auf den Weg, direkt in den Prenzlauer Berg. In der Schönhauser stellte ich das Auto erneut in einer Tiefgarage ab, schnappte mir meine Tasche und schlürfte los, in Richtung Friseurladen, dem Hairwork-Shop.

Wer sagt heute noch ‚Friseur‘? Höchstens ich, ich alter Sack. ‚Hairwork-Shop‘ heißt der Laden wohl richtig.

Es dauerte nicht lange und ich stand davor. Vor verschlossenen Türen. Der ‚Hairwork-Shop‘ öffnete nämlich erst 10 Uhr.
Ich wollte es nicht glauben. Meine Laune sank wieder auf den Null-Punkt.

Was sollte ich machen? Ein zweites Frühstück wäre jetzt gut. So etwas mit Rühreiern und einem Pott Kaffee.

Verstieß das gegen meine selbst auferlegten Regeln zur Gewichtsabnahme?

Ja, eindeutig. Was machte ich mit dieser Regel?
Ich deklarierte sie zur absoluten Ausnahme um.
Also auf ging’s.

Ich überquerte die Straße und sah ein Lokal, dessen Türen aufstanden. Es schien doch nicht alles verloren, im Prenzlauer Berg.
Ich ging hinein, es war gegen halb neun.

Ein fröhliches ‚Guten Morgen‘ erscholl mir von einer jungen Frau entgegen, die vor der Verkaufstheke stand. Sie schien zum Team dazuzugehören.

„Guten Morgen“, erwiderte ich.
„Moin!“, sagte die andere Mitarbeiterin, die hinter der Theke stand.
Moin, das gefiel mir. Es klang nach Norden. Woher war sie? Vielleicht aus Schleswig-Holstein?

Ich jedenfalls war in Schwerin aufgewachsen, bevor ich später nach Dresden ‚verschleppt‘ und mit dem Sächsischen gequält wurde.

Die sympathische Mitarbeiterin hieß Kim, wie ich später erfuhr.
„Das gibt’s doch nicht, hier im Prenzlauer Berg scheinen alle noch zu schlafen“, sagte ich.

Kim schaute mich fragend an, die Mitarbeiterin vor der Theke ebenfalls.

„Naja, ich wollte zum Friseur. Und der hat noch geschlossen.“
„Wer geht schon so früh zum Haareschneiden?“, fragte Kim.
„Ich!“, entgegnete ich.

Wir mussten lachen und ich bekam sofort gute Laune.
Kim wirkte sehr selbstbewusst auf mich. Sie hatte Humor, wusste, wie man mit einem Gast redet.

Was mir besonders gefiel: Es wirkte nichts aufgesetzt, sondern es kam von innen, diese Herzlichkeit, ohne sich bei mir anzubiedern, oder mich etwa auszulachen.

Ich hatte sofort das Gefühl, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Ich brauchte diese gute Laune, besonders nach dem gestrigen Tag.

„Was möchten Sie denn bestellen?“, fragte Kim mich.
„Haben Sie Rühreier und einen Pott Kaffee?“
„Haben wir. Mit ‚bacon‘?“

Nachdem ich verstanden hatte, dass sie gebratenen Schinken meinte, bejahte ich das Ganze heftig mit dem Kopf.

„Sie können sich schon hinsetzen. Ich bringe Ihnen den Kaffee“, sagte Kim.

Der Kaffee kam schnell und ich hatte noch einen Chip bekommen, der aufblinken sollte, wenn das Rührei fertig war. Ich schaute mich im Raum um.

Er war bis auf wenige Gäste leer. Noch! Wenige Stunde später, da steppte hier der Bär. Das hatte ich jedenfalls schon mehrfach beim Vorbeilaufen sehen können.

Ich war froh, dass ich reingegangen war. Gott sei Dank hatte der Friseur noch geschlossen.

Ein junger Mann kam zu meinem kleinen Tisch und sagte: „Geben Sie mir ruhig schon den Chip. Ich bringe Ihnen das Essen.“

Ich freute mich darüber, denn ich hatte mich gerade auf die Lederbank vor dem Fenster gesetzt und verspürte wenig Lust, noch einmal aufzustehen.

Die Rühreier kamen. Dazu herrlich duftendes Brot.
Italienisches Brot, wie ich später in der Speisekarte las.

Hätte mich in dem Moment jemand gefragt, wo ich sein wollte, damit es mir gut ginge, ich hätte geantwortet: „Hier, und nur hier“, ohne Zögern.

Der junge Mann kam wieder vorbei. Ich vermutete, dass es der Chef war. Er fragte mich, ob alles in Ordnung wäre.

„Bestens“, meinte ich.
Später nannte er mir seinen Namen, nachdem ich ihn danach gefragt hatte.

„Thomas“, meinte er freundlich und blieb beim ‚Sie‘, obwohl ich ihn gleich geduzt hatte. Dabei war ich sonst eher distanziert, machte es einem anderen nicht gleich leicht, mich zu duzen.

Diesmal war es also anders herum und auch das gefiel mir. Ich war im Sportzeug, wollte die Zeit überbrücken, ein zweites Frühstück genießen.

Das war eigentlich alles. Was ich aber bekam, das war viel mehr als nur ein paar kleine Köstlichkeiten und einen gut riechenden Pott Kaffee.

Es war ein Service, der unverkennbar zeigte, dass ich es mit Profis zu tun hatte. Aber was mich wirklich umhaute, das war diese herzliche Art, diese Botschaft: „Sei willkommen, fühl‘ dich wohl, wir kümmern uns um dich.“

Ich beobachte seit vielen Jahren Menschen, schreibe über das, was ich sehe. Du kannst alles lernen. Aber diese Leidenschaft, die musst du mitbringen.

Kim, Thomas, die Mitarbeiterin, deren Namen ich nicht erfragt habe, sie alle leben genau das, und zwar mit ganzem Herzen. Ich habe wieder ein Stück mehr Lust auf das Leben bekommen.

Danke Kim, danke Thomas, danke liebes Team für die mir erwiesene Gastfreundschaft.

50 KILO ABNEHMEN (4)

AUF DEM LAUFBAND

Die Euphorie ist verflogen. Jetzt schleppe ich mich morgens mehr oder weniger die Treppen von der Tiefgarage hoch, um zum Eingang des Fitness-Studios zu gelangen.

Ich gehe danach langsam den Gang entlang, hin zur Umkleidekabine, so als könnte ich noch Zeit rausschinden vor der ‚Hinrichtung‘.
Schließlich habe ich mich umgezogen, halte eine Flasche Wasser in der Hand und habe um den Hals ein Handtuch geschlungen.

Ich beginne zunächst mit dem Laufband.
Anfangs bin ich Fahrradergometer gefahren. Aber mir scheuerte das Hinterteil und ich habe mich nicht wohl gefühlt.
Beim Laufband ist es anders. Das erinnert mich an das Nordic Walking, was ich sonst immer mache.

Aber nun, da steige ich auf das Laufband, lege das Handtuch auf die Seite, stelle die Flasche Wasser ab und drücke die Starttaste.
Das Laufband beginnt sich in Bewegung zu setzen. Zunächst ganz langsam. Und ich habe es nicht eilig, die Geschwindigkeit hochzudrehen.

Eine junge Frau besteigt das Laufband neben mir. Sie macht es an, und fängt sofort an zu laufen.
Ein Stück weiter von mir entfernt hat ein junger Mann das Laufband schräg gestellt, sodass er nach oben laufen muss.

Da soll sich bloß keiner einbilden, dass ich so einen Quatsch auch anfange. Dafür ist mein Gewicht zu groß und die Belastung auf den Kniegelenken wäre zu hoch.

Meine eine innere Stimme, der ‚Loser‘ bestärkt mich sofort: „Um Gottes Willen, fang langsam an, mach es dir erst einmal bequem auf dem Band. Steigern kannst du dich immer noch.“

Also laufe ich und schaue dabei auf die Straße. Ich beobachte die Leute. Gerade geht eine Frau vorbei. Sie hat ein enormes Übergewicht.

Sofort meldet sich meine zweite innere Stimme, ‚Schweinehund‘: „Na, da siehst du wie es ist, wenn du dich nicht anstrengst. Du siehst genauso aus wie die Frau und wirst auch so bleiben, wenn du nicht anfängst, die Geschwindigkeit hochzustellen.“

„Jetzt bleib‘ mal ganz ruhig. Immerhin stehe ich wenigstens auf dem Laufband und zeige Einsatz, um weiter mein Gewicht zu reduzieren“, sage ich zu ‚Schweinehund‘.

Aber ich fange trotzdem an, die Geschwindigkeit systematisch hochzudrehen. Das Band wird schneller und ich beginne darauf zu hin- und her zu schwanken.

Das Band quietscht laut. Wahrscheinlich denken die anderen, dass der ‚Dicke‘ zu schwer ist für das Gerät.
Schließlich schaue ich auf den Fernsehapparat, der an der Wand angebracht ist.

Dort trainieren Hochleistungssportler ihre Muskeln. Das motiviert mich. Ich drehe die Geschwindigkeit weiter hoch. Außerdem höre ich auf den Takt der Musik und passe mich in meinen Laufbewegungen daran an.

Ich bin drin, fühle mich als Teil des Trainingsteams im Studio, laufe leichter, beginne zu schwitzen.
Ich krieg‘ gute Laune.

SCHREIB-ALLTAG (5)

WIE DIE FIGUR DES ‚MANFRED GERBER‘ MIR HILFT, DIE TRAUER UM MEINEN VATER ZU BEWÄLTIGEN

Ich will künftig mittwochs weitere Texte zu „ANNA IST DEMENT“ veröffentlichen.

Wer meinen letzten Beitrag zum Redaktionsplan gelesen hat, der weiß, dass ich den schon wieder ein klein wenig verändert habe.
Dafür ‚Asche auf mein Haupt‘. Aber das kommt, weil ich zur Zeit intensiv darüber nachdenke, wie ich Ruhe und Kontinuität in die Sache bringe.

Und dann kommt oft genug das Gegenteil von dem raus, was ich will. Ich hoffe aber, kein Chaos.

Deshalb wird es jetzt so sein, dass ich montags den Platz für „Alltägliches“ reserviere, dienstags für „50 KILO ABNEHMEN“, mittwochs für „ANNA IST DEMENT“, donnerstags kommen Texte zum „SCHREIBALLTAG“ und freitags halte ich den Platz für Geschichten über „JEEPY“ frei.

Samstags und sonntags spanne ich am Pool im Garten aus. Ich meine damit das Planschbecken für Krümel.
Das hätte ich also geklärt.

Aber wie nun weiter mit meiner Geschichte?
Ich merke immer mehr, dass ich nicht umhin komme, meine Figuren sorgfältiger und ausführlicher zu charakterisieren.
Gestern rief mich meine Schwester an und fragte mich, ob ich nicht ein paar Worte am Grabe meines Vaters sagen wollte.

Will ich. Hoffentlich schaffe ich das emotional.
Weshalb kommt mir das gerade jetzt in den Sinn?

Naja, mein Vater ist eben einer der Protagonisten in „ANNA IST DEMENT.“

Bisher habe ich nicht viel über ihn geschrieben.
Die Geschichte soll ja fiktional bleiben. Aber es sind natürlich an den Figuren Züge von Menschen zu erkennen, die ich zum Vorbild nehme, wenn ich bestimmte Handlungsstränge weiter vorantreiben will.

Und das kann ich nicht immer aus dem Hut zaubern.
Nein. Ich werde um ausführliche Charakterskizzen nicht herumkommen.
Ich fange mit der Figur des ‚Manfred Gerber‘ an und werde dabei an meinen Vater denken.

Es wird mir helfen, mit meiner Trauer fertig zu werden.

 

ALLTÄGLICHES (2)

REDAKTIONSPLAN WIEDER EINMAL UMGESTOSSEN

Je mehr ich schreibe, desto intensiver denke ich zugleich darüber nach, in welcher Reihenfolge ich die einzelnen Themenfelder am besten bearbeite und die entsprechenden Artikel danach veröffentliche.

Ich möchte, dass diejenigen, die regelmäßig bei mir auf den Blog schauen auch wissen, was sie täglich erwartet.
Und vielleicht interessiert den einen Leser mehr das Alltägliche, einen anderen wiederum, wie ich mich beim Abnehmen quäle.

Die wenigsten werden alles lesen wollen, manch einer möchte vielleicht gar nichts mehr lesen, wenn er meine Texte studiert hat. Das ist das Leben.

Und so soll es ab jetzt sein:
montags ist Alltägliches dran; kleine Erzählungen aus dem Alltag, was mir durch den Kopf geht, was ich sehe und erlebe;

dienstags schreibe ich über meine Quälerei, um 50 Kilo abzunehmen;
Halleluja, das bleibt spannend, zumindest für mich;

mittwochs ist eine Familiengeschichte am Start; ich erzähle in kleinen Häppchen darüber, was passiert, wenn Familienangehörige von Demenz betroffen sind, wie das Leben trotzdem nicht nur von Kummer und Leid geprägt ist, sondern auch von Humor.


donnerstags lasse ich mich im Schreib-Alltag über meine Erfahrungen aus, wenn ich den Stift in die Hand nehme, auf die Tastatur der Schreibmaschine haue oder eben gleich meine Ideen und Phantasien über die Computertastatur eingebe, welches Handwerkzeug ich für meine Erzählungen benötige;

freitags gibt Jeepy in Form von kleinen Geschichten sein Bestes,

und samstags und sonntags halte ich die Füße hoch.
Und danach geht alles wieder von vorn los mit meinem Freund, dem Alltag.

JEEPY (31)

JEEPY LÄDT FIATINE EIN, MIT AN DIE OSTSEE ZU KOMMEN

Fiatine ist traurig. Jeepy hat nicht Wort gehalten.
Er hatte ihr versprochen, dass er sie ins Fitness-Center mitnehmen wollte.

Aber Jeepy hat den Kopf voll. Er musste seinen Fahrer nach Dresden fahren, und zwar viele Male. Nächste Woche wieder.

„Fiatine, sei nicht traurig. Bald fahren wir in den Urlaub und vielleicht kannst du ja mit uns mitkommen.“

„Au ja, wohin fahrt ihr denn?“
„Wir wollen an die Ostsee. Wir nehmen Krümel mit und ihre Mama“, sagte Jeepy.

„Geht ihr denn richtig baden?“, fragte Fiatine.
„Natürlich, was für eine Frage. Alle gehen rein.“
„Du auch?“

„Nein, Autos dürfen nicht ins Wasser.“
„Warum nicht?“
„Weil sonst das Wasser schmutzig wird. Und stell dir vor, hinterher badet Krümel darin.“

„Ja, du hast Recht. Aber können wir nicht was anderes in der Zeit machen?“, fragte Fiatine.
Jeepy überlegte.

„Naja, wir könnten in die Waschanlage fahren und uns in der Zeit mal eine Abkühlung holen. Und danach müssen wir uns nicht einmal abtrocknen.
Wir werden trocken gefönt.“

„Das machen wir“, rief Fiatine.
„Und hast du schon jemand, der mich kaufen will?“, fragte sie noch.
„Ja, ich habe da einen Mann im Auge. Der leitet einen großen

Einkaufsmarkt. Ich glaube, der interessiert sich für einen kleinen Fiat mit einem himmelblauen Kleid.“

„Oh bitte, bitte, frag‘ ihn“, bettelte Fiatine.
„Ja gut, ich werde mal sehen, was sich machen lässt“, antwortete Jeepy.

 

50 KILO ABNEHMEN (3)

ZWEI SCHRITT VORWÄRTS, EINER ZURÜCK

Manchmal stehst du morgens auf und du möchtest am liebsten gleich wieder nach hinten umfallen.

Das habe ich auch getan. Also war Klara eine Stunde später auf Arbeit und ich auch, nur ich nicht auf Arbeit, sondern im Fitness-Center.

Ich bin im Studio den Gang hinuntergelaufen. Und ich habe mich gefragt, ob ich gleich wieder umdrehe und gehe. Ich hab‘ genau das getan. Ich glaub‘ es selber nicht, was ich für eine Flasche heute war.

Ich denke ununterbrochen an meinen Vater, der nun nicht mehr ist und ich habe gleich keinen Antrieb mehr. Also bin ich zurückgefahren, nach Hause und habe erst einmal die Zeitung gelesen.

Ich dachte, ich würde den Tod meines Vaters besser verkraften, denn ich wusste es ja bereits seit längerem, dass es mit ihm zu Ende geht.

Aber dann tritt es ein und du fragst dich, was eigentlich noch wichtig ist im Leben. Gestern Abend habe ich ein Glas Rotwein getrunken und an meine Kindheit gedacht.

Heute Morgen wog ich 200 Gramm mehr als es gestern der Fall war. Da waren es noch 124, 2 und heute sind es schon wieder 124,4 Kilo.

So schnell geht das, wenn du dich hängen lässt. Ich werde die ‚Kurve‘ wieder kriegen, werde weitertrainieren, mich an Krümel freuen, wieder abnehmen, damit ich noch möglichst lange mit Krümel auf dieser Erde Quatsch machen kann.

50 KILO ABNEHMEN (2)

DIE MÜHEN DER EBENE HABEN BEGONNEN

Am vergangenen Mittwoch wog ich 123,0 Kilo.
Das war für mich ein toller Erfolg, waren es doch am 29.06.2019 noch 127 Kilogramm.

Aber ich habe das Gewicht nicht halten können.
Heute am Montag, den 08.07.2019, sind es bereits wieder 125,2 kg.

Was ist schief gelaufen?
Ich bin leichtsinnig geworden, habe mal Abendbrot gegessen, obwohl ich das nicht mehr wollte und auch Kekse zum Kaffee gegessen.

Am Wochenende dann war ich in Dresden, bei meinem Vater. Es geht ihm sehr schlecht. Die Ärzte sagen, dass es zu Ende geht. Das alles hat mich so mitgenommen, dass ich abends zwei Gläser Rotwein getrunken habe.

Und schon waren die 123,00 Kilo wieder hin.
Es gibt in diesem Zusammenhang trotzdem etwas Positives:

Ich habe mein Ziel erreicht, denn ich will jeden Tag 100 Gramm abnehmen.

Heute sind als Soll 126,1 kg notiert.
Tatsächlich bin ich aber bei 125,2 kg, also bereits 1,8 kg unterhalb dessen, was ich laut meiner Liste wiegen darf.

Allerdings sehe ich mal wieder, wie schnell es auch wieder in die andere Richtung gehen kann.

Diese Woche will ich das Gewicht halten, nicht über 125,5 Kilo kommen – denn das ist mein Listenziel, wenn ich weiter davon ausgehe, täglich 100 Gramm abzunehmen.
Optimal wäre es, wenn ich bis nächsten Montag unter 125,0 kg komme.

Hier meine Liste, auf der ich täglich den Verlauf notiere. Ich will sie einfach einhalten, kein Schnickschnack, damit ich morgens schon mit Bleistift die Daten notieren kann.

ALLTÄGLICHES (1)

WIEVIEL FREUNDE HAT MAN IM LEBEN WIRKLICH?

Wer kennt das nicht, dass jemand so nebenher hinwirft: „Ich habe da einen guten Freund.“
In Wirklichkeit meint er vielleicht: „Wen ich den frage – ja, der hilft mir sofort. Von dem bekomme ich das ganz leicht.“

Oder solche Sätze: „Freunde von mir sagen…“
Ich bin da misstrauisch. Meine Erfahrung im Leben ist eine andere.
Ich hatte im Leben immer sehr wenige Freunde.

Klar, ich hatte stets gute Bekannte, Verwandte, zu denen ich ein ausgesprochenes freundschaftliches Verhältnis pflege.

Mein Schwager zum Beispiel ruft mich manchmal an und wir tauschen uns aus, wie wirkliche Freunde.

Oder natürlich: Meine Frau ist mein bester Freund.
Sie gibt wenig Ratschläge, redet sparsam, aber was sie sagt, das ist nicht ausgefeilt, doch es hat „Hand und Fuß“, wie der Volksmund sagt.

Aber außerhalb der Familie, da habe ich nur einen einzigen Freund.
Mit dem habe ich mich gerade richtig gefetzt.

Es ging um Ansichten darüber, wie man trainiert, wie man über die Jahre zu Höchstleistungen kommt, und wie man auf dem Boden bleibt, wenn man es geschafft hat.

Er sagte zu mir: „Das ist bei dir nicht schwer, am Boden zu bleiben, denn du hast das richtige Gewicht dafür.“
Das hat mich getroffen. Vor allem weil er ja recht hat mit meinem Übergewicht.

Also habe ich ihm zurückgeschrieben, dass mir manchmal seine Attitüden auf die Nerven gehen. Klara sagt: „Du kannst alles sagen und schreiben, aber leg‘ den Vorschlaghammer weg. Sonst ist hinterher keiner mehr am Leben, den du deinen Freund nennen kannst.“

Sie hat natürlich ins Schwarze getroffen, auch wenn ich keinen Vorschlaghammer genommen habe.
Nur einen schweren Säbel, während der andere ein Florett in der Hand hielt.

Ich sehe das immer alles ein, hinterher. Wie gesagt, wenn der Freund schwer getroffen wurde.
Erst dann werde ich wieder weich.

Schrecklich. Ich hasse diese Schwäche an mir. Aber wie gesagt, erst hinterher, leider.

Gibt es daran auch was Gutes?
Ja. Ich glaube nämlich, dass Freundschaft etwas ist, was nicht aus flüchtigen Umarmungen besteht.

Ich habe meinen Freund und seine Familie in einer Zeit kennengelernt, in der es mir nicht gut ging.
Trotzdem war er für mich da, hat geholfen.
Und ich war für ihn da.

Erst so wurde überhaupt eine Freundschaft daraus.
Sie ist mit Schweiß und Tränen in so manchen Stein gemeißelt.
Deshalb kann mein Freund heute zu mir sagen, was er will. Ja, er kann mir die Freundschaft kündigen. Ich nehme das einfach nicht an.
Manchmal verletzt man sich gerade dann tiefer, weil man sich eben näher steht.

Wichtig ist, dass man wieder auf einander zugeht.
Und dann merke ich umso mehr, wie wichtig mir dieser eine Freund ist.

JEEPY (30)

JEEPY IST GENERVT VOM FITNESS-CENTER

„Hallo Jeepy, wie geht es dir?“, ruft Fiatine schon von weitem, nachdem sie ihn im Autohaus entdeckt hat.

„Och, ganz gut“, murmelt Jeepy. Er wirkt erschöpft.
„Geht es dir wirklich gut?“, fragt Fiatine erneut.
„Ja, ich bin nur gerade ein wenig aus der Puste, weil ich mit dem Fahrer im Fitness-Studio war.“

„Du warst im Fitness-Studio?“, Fiatine kann es nicht glauben.
„Naja, mein Fahrer bringt morgens seine Frau zur Arbeit, nach Berlin-Mitte.“

„Und dann?“, fragt Fiatine.
„Dann, ja dann…“, hebt Jeepy bedeutungsvoll die Stimme und fährt fort: „Dann düsen wir zurück, aber nur ein kleines Stück. Wir fahren durch den Autotunnel am Alex, danach über die Kreuzung und biegen wieder nach links ab, um dann gleich in die Tiefgarage zu fahren.“

„Oh, wie spannend“, quietscht Fiatine vor Vergnügen.
„Spannend, was ist da spannend dran?“, fragt Jeepy.
„Was du alles erlebst, das ist doch wunderbar.“

„Was ich erlebe?“, fragt Jeepy.
Und weiter: „Jetzt pass mal auf – mein Fahrer bugsiert mich um die Ecken und fährt stets eine Ebene tiefer, sodass ich jedes Mal Angst habe, dass ich mit meinem zarten Autokörper an einer Wand entlangschramme, oder mir eine Beule hole.“

„Hast du das denn schon mal dem Fahrer gesagt?“
„Ach der, der sagt, wir müssten stets an der gleichen Stelle stehen, denn dann würden wir uns an die Kurven gewöhnen und wüssten, wie wir einparken müssen.“

Fiatine ist eine Weile still und sagt: „Gar nicht so doof, dein Fahrer.“
„Und was passiert dann?“, hakt Fiatine weiter nach.
„Was soll schon sein? Der Fahrer holt seine Tasche raus, geht nach oben, und ich, ja ich muss fast zwei Stunden auf ihn warten.“

„Das ist ja langweilig!“, sagt Fiatine empört.
„Vielleicht kannst du ja mal mitkommen“, meint Jeepy.
„Oh ja, das müssen wir machen“, ruft freudig Fiatine.
Jeepy schmunzelt.

„Warum lachst du?“, fragt ihn Fiatine.
„Nein, ich musste nur daran denken, dass mein Fahrer heute erzählt hat, dass das Laufband so geknarrt hat, als er darauf war. Das war ihm peinlich, denn mit seinen vielen Kilos tanzt er bestimmt darauf wie ein dicker Bär.“

„Lach‘ ihn nicht aus, denn deswegen ist er ja im Fitness-Center.“, nimmt da Fiatine den Fahrer in Schutz.

„Und manchmal, da spielt die Musik so laut, dass ich sie sogar auf der zweiten Ebene der Tiefgarage höre“, sagt Jeepy.
„Und was machst du dann?“, fragt Fiatine.

„Ich hebe meine Vorderräder an und tanze hier unten mit.“
„Das will ich auch. Lass mich das nächste Mal mitbekommen“, ruft da Fiatine begeistert.

„Ja, dann ist es bestimmt auch nicht so langweilig“, sagt Jeepy und fährt wieder aus dem Autohaus heraus.
Fiatine winkt ihm hinterher. Sie ist ein wenig traurig, denn sie ist ja noch nicht verkauft und muss deshalb im Autohaus bleiben.

SCHREIB-ALLTAG (4)

MEIN NEUER REDAKTIONSPLAN

Ich habe mir eine Struktur in der Veröffentlichung meiner Texte gegeben.
Warum?
Weil ich mich selbst mehr erziehen will.
Klingt gut, oder?

Wozu eigentlich? Na, zu mehr Disziplin.
Und: Weil ich denjenigen, die auf dem Blog oder bei Facebook regelmäßig vorbeischauen, einen besseren Überblick verschaffen will.

Manch einer interessiert sich vielleicht nur für das Alltägliche, also das, was mir förmlich auf der Straße in die Hände fällt, und was ich dann nur ‚noch‘ aufschreiben muss.

Das will ich montags tun. Dienstags und mittwochs schreibe ich über meinen Kampf, 50 Kilo abzunehmen.
Dazu zählen die Erlebnisse im Fitness-Center oder meine ‚Sünden‘ in der Ernährung, einfach meine Rückschläge und Erfolge.
Donnerstags ist ‚ANNA IST DEMENT‘ dran.

Das ist eine Geschichte. Ich erzähle über die täglichen Sorgen, das Weinen und Lachen einer ganz normalen Familie, die Erinnerungen darüber, wie es früher war und das Leben heute.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht ‚Anna‘, die an Demenz erkrankt ist, die ihre Familie auf Trab hält und trotzdem von Liebe und Fürsorge umgeben ist.

Die Personen und die Szenen sind frei erfunden, fiktional, wie der Autor wohl sagt. Und trotzdem haben sie einen realen Hintergrund.
Es geht nicht darum, irgendwelche Personen nachzuzeichnen, damit sie von anderen Menschen erkannt werden.

Nein, es geht zunächst um die Unterhaltung beim Lesen, aber auch darum, wie vielen Menschen es so ergeht, dass sie sich um dementiell erkrankte Familiengehörige kümmern müssen, nicht den Humor darüber vergessen und einfach auch mal oder gerade deshalb lachen können.

Es geht stets um Wertschätzung. Doch es geht ebenso darum, die Härte dieses Alltags zu beschreiben, wie die Krankheit oft schon alles infiltriert und wie die Erinnerungen und Erfahrungen aus der Vergangenheit der Familie in die Gegenwart geholt werden, sie ein Stück bestimmen.

Am Freitag schreibe ich über meinen Alltag beim Schreiben, was ich so beachten muss, was ich plane, zum Beispiel, so wie heute den Redaktionsplan.

Ich will gleichzeitig zeigen, dass sich Texte leicht lesen lassen müssen, dass sie einfach formuliert sind, und ich schreibe darüber, wie schwer mir das manchmal fällt.

Das ist sicher nicht für jeden etwas, aber manch einer, der sich selbst quält, der will natürlich wissen, wie es andere Schreiber hinkriegen oder ‚versemmeln‘.

Schreiben lernt man nur durch schreiben.
Richtig? Auf jeden Fall. Ich lerne aber das Schreiben auch dadurch, dass ich viel über das Schreiben anderer Autoren lese und lerne.
Vielleicht ist das nicht so interessant.

Trotzdem will ich es hier mit unterbringen, denn manch einen Leser interessiert es vielleicht doch.

Samstags beschließe ich die Woche mit ‚JEEPY‘, einer kleinen Kindergeschichte, natürlich ebenfalls gern für Erwachsene.
Das soll künftig der Plan sein.

Gibt es Ausnahmen?
Na klar. Wenn ich zum Beispiel über die Gespräche mit der Prima Ballerina berichte. Ich war ja gerade bei ihr und sie hat mir von der Geburt des kleinen Williams erzählt – von ihren Schmerzen und ihren Glücksmomenten.

Kann auch mal gar nichts erscheinen?
Ja, wenn ich durch mein Abnahmeprogramm morgens vor Hunger geschwächt aufwache und die Tastatur nicht anheben kann oder vorher meinen Füller nicht aufgedreht bekomme.

Oder ich habe mir einen Kreuzbandriss im Fitness-Center zugezogen. Vielleicht bin ich ja auch im Urlaub, meistens auf Rügen, meiner Lieblingsinsel, in Sassnitz, meiner Lieblingsstadt, und ich einfach lieber auf die See schaue, die Seele baumeln lasse.

Das geht da oben am besten.
Wie auch immer. Ich freue über jedes Interesse, jeden Kommentar, jeden Like von euch. Glaubt mir.

Wir können das meiste auf dieser Welt wenig, nur ganz schwer oder gar nicht beeinflussen. Aber gerade darum ist der eigene Alltag so wichtig, ihn selbst zu schätzen, daraus sein Glück zu ziehen, sich nicht unterkriegen zu lassen und einfach nie das Lachen zu vergessen.

Das ist das Ziel meines Schreibens, der Sinn meines Alltags. Und wenn wir nur einmal innehalten, ein paar Zeilen überfliegen, schmunzeln, weitermachen, dann ist alles erreicht.

50 Kilo ABNEHMEN – (1)

DAS WOHL SPANNENDSTE ABENTEUER MEINES LEBENS BEGINNT JETZT

Ich kann es nicht glauben, dass ich mich dazu durchgerungen habe, mein Gewicht um ganze 50 Kilo zu reduzieren.

Kann ich das schaffen? Ja, kann ich. Ich hab’s bergauf geschafft und 50 Kilo auf mein Normalgewicht gepackt und nun muss ich den Weg eben umgekehrt gehen.

Das wird genauso funktionieren.
Wirklich? Man sagt ja, der Abwärtsstieg ist oftmals komplizierter und gefährlicher, als eben in der umgekehrten Richtung.
Den Entschluss abzunehmen, hatte ich bereits im Januar gefasst.
Also so, wie man es macht, zu Beginn des Jahres.

Da wog ich 131 Kilo bei einer Körpergrößer von 178 cm.
Es schaudert mich, wenn ich allein diese Zahlen aufschreibe. Und ehrlich: Ich schäme mich auch.

Der Schrecken bekommt hier ein konkretes Gesicht.
Meine Frau hat mich gefragt, warum ich das öffentlich machen will und mich dadurch freiwillig scheinbar unnötigem Druck aussetze?
Ich habe ihr anfangs zugestimmt und nicht damit begonnen, darüber zu schreiben.

Aber es ging danach nicht so wirklich vorwärts.
Das Gewicht schwankte zwischen 131 und 128 Kilo.
Dann entschied ich mich, ins Fitness-Center zu gehen.
Dort war ich zur Einweisung und anschließend auf der sogenannten Fett-Waage.

Auf dem Display erschien, dass ich vom Geburtsalter her 66 Jahre alt bin, vom biologischen Alter her aber 77 Jahre. Das hat mich umgehauen.

Viele haben mir gesagt, dass ich viel jünger aussehe, als es in meinem Ausweis steht.
Und nun biologisch nicht jünger, sondern 10 Jahre älter?
Das war eine rote Linie, unsichtbar bisher, aber brutal ans Tageslicht gezerrt.

Das war der letzte Anlass, mich selbst mehr unter Druck zu setzen, mich zu motivieren.
Ich bin danach runter von 128 auf 127 Kilo.
Dann war wieder ein bisschen ‚Funkstille an der Abnahmefront‘.
In dieser Woche habe ich es geschafft, auf 123,2 kg
zu kommen. Für mich ein gewaltiger Erfolg.

Es geht also. Ich merke es an meinem Bauch, der etwas dünner geworden ist.
Und nun will ich das alles systematisch forcieren.
Hab‘ ich vor, zu hungern? Nein.

Will ich mit Macht abnehmen? Auch nein.
Was dann?
Ich werde es kontinuierlich betreiben.

Wie sieht mein konkretes Ziel aus?
Ich werde das Gewicht jeden Monat um 3 Kilo reduzieren.
Im August nächsten Jahres will ich 36 Kilo weniger wiegen. Als Ausgangswert nehme ich die 131 kg vom Anfang des Jahres.
Am 31. 08.2020 beträgt mein Gewicht dann 95 Kilo. Am 31.12.2020 will ich es geschafft haben und nur noch 81 KILOGRAMM WIEGEN.

Ich werde keine Diäten befolgen, nur gesünder essen, weiter Sport treiben.
Und: Ich will es schaffen durch ein Mentaltraining, deren Inhalte ich mir selbst erarbeite.

Darüber schreibe ich hier auf dem Blog, und zwar ehrlich, humorvoll, immer mit einem kritischen Seitenblick auf mich selbst.
Meine Begleiter werden meine beiden inneren Stimmen sein, die auch im Fitness-Center stets den Ton angeben, nämlich ‚Loser‘ und ‚Folterknecht‘.
Loser ist vor allem für die Ausreden zuständig, Folterknecht hat die Peitsche in der Hand.

Dazwischen bin ich und muss mich stets neu entscheiden, wem ich mein Ohr mehr leihe.

Aber es sind nur meine ‚Berater‘, nervig und lustig zugleich. Nur entscheiden muss ich mich selbst.

Das wird die spannendste Reise meines Lebens.
Ich habe ein wenig Angst davor und ich freue mich auf dieses Abenteuer.

Was macht mich so sicher, dass ich es schaffen werde?
Scherzhaft habe ich als Untertitel ‚probehalber‘ dazugeschrieben.
Aber es ist kein ‚Probealarm‘!

Nein, es ist mir bitterernst.
Den Ausschlag werden meine Gedanken geben, meine innere Stimme wird mich nach vorn treiben. Sie alle werden mir die Kraft verleihen, die ich auf dem Weg benötige.

Meine eigene Motivation wird mich tragen.
Diese, meine Motivation ist das, was macht, das ich, der ich kann, auch noch will und darum alles tu‘.

Ich freue mich über jeden Tipp, über jedes ‚Schulterklopfen‘, und ich hoffe, Ihr habt‘ auch ein wenig Spaß daran, mich auf diesem, meinem inneren ‚Jakobsweg‘ zu begleiten.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (72)

MEIN ERSTER SELBST ZUBEREITETER TOMATENSALAT

„Willst du nun wissen, wie du den Salat zubereitest, oder nicht?“, rief Klara aus der Küche zu mir ins Wohnzimmer herüber.

„Natürlich will ich das!“, antwortete ich entschlossen. Ich rührte mich aber erst einmal nicht. Ich sah gerade eine Serie über den Kokain-Vertrieb in Montreal.

Es war so spannend, wie die Mafia, die Biker und andere Gangster um die Vorherrschaft des Hafens in Montreal kämpften.
Da konnte ich doch nicht so einfach aufstehen, oder?

„Was ist denn jetzt?“. Klara wurde ungeduldig.
Ich drückte die Stopptaste und quälte mich aus dem Sessel hoch.

„So, du nimmst diese Schüssel und tust einen kleinen Löffel Zucker hinein, dann noch eine Prise Salz und schließlich vermengst du das mit Öl.“

„Hm“, antwortete ich. Was sollte ich auch sagen.
Bis jetzt war es ja ziemlich unspektakulär.

„Jetzt schälst du eine halbe Gurke ab, aber nur die Hälfte.“
„Was die Hälfte von der halben Gurke?“, fragte ich vorsichtshalber nach.

„Nein, du schälst eine halbe Gurke!“
In Klaras Stimme war eine leichte Schärfe gekommen.

„Lass mich das machen. Ich schäle die Gurke.“
„Ja gut“, sagte Klara.
„Hier ist der Schäler. Du musst ihn von oben nach unten führen, ganz lang.“

Ich rutschte ein paar Mal ab. Dann arbeitete ich nach, schließlich sollte die Gurke ja sauber sein. Die Feinarbeiten regten Klara auf und sie schaute mich ungeduldig an.

„Messer!“, sagte ich zu Klara, so wie es der Chirurg ja auch im OP-Saal macht.

„Du, ich bin hier nicht deine Assistentin“, begehrte nun Klara auf.
Ich schnitt jetzt die Gurke durch, so wie ich es oft in Koch-Shows gesehen hatte. Die Fingerkuppen gekrümmt, sodass das Messer sie nicht verletzen konnte.

Klara ging das offensichtlich auf die Nerven. Sie wollte nichts Neues lernen, schon gar nicht von mir.
Anschließend waren die Tomaten dran. Ich schnitt akribisch das Grüne aus den Hälften heraus, so wie es eben jemand macht, der auf Genauigkeit achtet.

Zum Schluss kam der Schafskäse dran.
„Nicht zu viel davon“, sagte Klara.
Langsam kam ich mir wie ein Müllschlucker auf wandelnden Beinen vor, dem stets per Knopfdruck verboten wurde, weiter zu schlucken.
Schließlich war der Salat fertig und er schmeckte köstlich.

Am nächsten Tag war Klara weg.
Jetzt konnte ich zeigen, dass ich es drauf hatte.
Ich machte es genauso, wie es Klara mir am Vortag demonstriert hatte.

Zu guter Letzt salzte und pfefferte ich das alles noch einmal kräftig von oben. Das war Klaras Manko. Sie war eher sparsam mit dem Salz und mit dem Pfeffer.

Ich nahm die Schüssel, füllte den Salat um in einen flacheren Teller und freute mich nun auf meine eigene Schöpfung.
Ich begann zu essen. Der Salat schmeckte komisch.
Irgendwie war zu viel Salz dran.

Ich aß trotzdem weiter. Ich aß alles auf. Das wäre ja noch schöner, meinen eigenen gezauberten Tomatensalat zu verachten.

Anschließend lag ich auf dem Sofa flach. Der Hals und der Mund brannten, Schweiß war auf der Stirn und ich hatte keine Lust, wieder an den Schreibtisch zu gehen.
Was, um Gottes Willen, sollte daran nun gesund sein?

MEIN FREUND, DER ALLTAG (71)

SCHLUSS MIT FRUCHTSAFT, VERSETZT MIT ROTWEIN, SCHLUSS MIT KEKSEN

Klara ist zu ihrer Mutter nach Stralsund gefahren.
Vorher habe ich sie gebeten, mich in die Zubereitung eines Tomatensalates einzuweisen, mit Gurken und Schafskäse versetzt.

Den wollte ich mittags essen, und dann nichts mehr.
Ich war unvorsichtig gewesen in letzter Zeit, hatte Fruchtsaft getrunken und Rotwein drunter gemischt, Kekse zum Kaffee gegessen.

Am Freitag war Klara zu Hause und so habe ich noch ein schönes Mittagessen bekommen. Sollte ich etwa ’nein‘ sagen?
Natürlich nicht.
Ich habe ‚ja‘ gesagt, und das zweimal, mit Nachschlag eben.

Das rächte sich bitter, die Anzeige auf der Waage kannte kein Mitleid.
Alles war wieder drauf, was ich mir im Fitness-Studio abtrainiert hatte.

Am Donnerstag war ich zum Abschluss noch 15 Minuten auf dem Laufband gelaufen und hatte dadurch 70 Kalorien verloren.
Die sollten nicht zurückkommen. Kamen sie aber. Und sie brachten eine Menge ihrer Freunde noch zusätzlich mit, die es sich rund um meinen ohnehin schon dicken Bauch gemütlich machten.

Damit sollte nun Schluss sein. Kein Alkohol mehr, auch nicht mit Kirschsaft verdünnt.
Keine Kekse, und wenn sie noch so verführerisch dufteten.

Ich beneide Menschen, die in einen Keks hinein beißen und dann wieder aufhören können. Ich kann das nicht. Die Maßvollen nehmen meist nur einen Keks, mit zwei Fingern, mit den Fingerspitzen. Dann führen sie ihn zum Mund und knipsen mit ihren Vorderzähnen ein Stückchen ab, ein kleines Stückchen.

Die Kultivierten spreizen zudem noch den kleinen Finger dabei.
Ich bin anders. Wenn Klara noch am Herd steht und den Kaffee von der Kaffeemaschine herunterholt, greife ich schon mal in die Keksdose, mit der ganzen Hand, versteht sich.

Manchmal nehme ich auch gleich zwei heraus. Den einen lege ich auf dem Teller ab und den anderen schiebe ich mir in den Mund hinein.
Dann breche ich den Keks mit meinen Zähnen, halte mich nicht lange mit dem Kauen auf, sondern schlucke alsbald alles runter, wie ein Hai seine Beute.

„Du wolltest doch abnehmen“, sagt dann Klara.
Wollte ich. Doch nun waren ja verdammt noch mal die Kekse auf dem Tisch.

Also lange ich wieder hin, während Klara den Deckel auf die Dose drückt, so dass meine Finger fast dazwischen eingeklemmt werden.
Ich lasse von meiner Beute ab und erkläre Klara die neuesten Entwicklungen in der Politik.

„Ich wollte eigentlich mal zur Ruhe kommen und lesen“, sagt sie dann.

Das alles soll nun anders werden.
Klara weist mich in die Zubereitung des Salates ein. Ich habe eigentlich keine Lust dazu, aber Opfer müssen nun mal gebracht werden. Das sage ich meist zu den anderen.
Doch nun war ich dran und ich war bereit.

SCHREIB – ALLTAG (3)

WIEVIEL EIGENE SCHWÄCHE SOLL ICH PREISGEBEN?

Ich schreibe über den Alltag so, wie ich ihn erlebe, ihn persönlich wahrnehme.

Das kann ich am besten, indem ich aus der Ich-Perspektive erzähle.
Ich schreibe dabei nicht nur über dritte Personen, nein, ich schließe mich in diese Erzählungen mit als Person ein, schreibe also auch über mich selbst.

Doch wer schreibt schon gern über seine eigenen Schwächen? Wohl kaum jemand.
Trotzdem glaube ich, dass es richtig ist, dem Leser nicht irgendetwas zu suggerieren, was im realen Leben, im Alltagsgeschehen auch nicht so stattfindet.

Klar: Wenn ich eine Alltagsgeschichte über Protagonisten schreibe, die ich selbst erschaffen habe, so ist das noch wieder etwas Anderes. Da kann ich übertreiben, weglassen und den Figuren bestimmte Stärken andichten.

Wenn ich aber über mich selbst schreibe, dann fühle ich mich am wohlsten, wenn ich sehr nahe an der Realität bin.
Ich fahre zum Beispiel tatsächlich ins Fitnessstudio und trainiere dort, um meinen Bauch wegzubekommen, das Gewicht zu reduzieren und ich mache meine Anstrengungen wiederum zunichte, weil ich manchmal am Wochenende über die Stränge schlage, konkreter: mir den Bauch voll haue.

Soll ich das weg lassen? Könnte ich.
Aber ich glaube fest daran, dass es authentischer ist, wenn ich die ganze Wahrheit schreibe. Das heißt nicht, dass ich alles schreibe. Nein, das nicht.

Was ich sagen will: Meine Schreibkraft oder besser, meine Schreiblust beruht entscheidend darauf, dass ich mich selbst mit meinen Schwächen ‚auf den Arm‘ nehmen kann.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (70)

MIT ‚LOSER‘ UND ‚FOLTERKNECHT‘ IM FITNESSSTUDIO

Montag. Das Parkticket zeigt 05.58 Uhr an, als ich in die Tiefgarage einbiege. Ich stelle mich im zweiten Untergeschoß auf den Platz, auf dem ich schon mehrfach geparkt habe. Das bringt Routine und das macht mich ruhiger.

Mir fehlt heute der Spirit, die Begeisterung am Wochenanfang.
Ich schleppe mich die Treppen hoch, lustlos und keuchend.
Im Studio ist es eher ruhig. Es sind nur weniger Besucher da und die verteilen sich auf den gesamten Raum. Ich ziehe mich um und erwische das Fach 135, so wie am Freitag.

Klara hat mir neue Trainingssachen gekauft, ein neues T-Shirt und Shorts. Ich sehe stylischer aus. Der Bauch macht den guten Eindruck wieder zunichte. Ich beiße die Zähne zusammen und absolviere die Übungen, so wie ich es gewohnt bin.

Die Bauchmaschine ist an der Reihe. Ich stelle die Gewichte ein – auf 35 kg. Der Vorgänger hatte sie auf 70 kg justiert.
Dann klemme ich die Beine hinter die Rolle und greife mit beiden Armen nach den Griffen über mir.

Ich ziehe sie runter und bewege zur gleichen Zeit die Beine nach oben. Mein Bauch wird zusammengepresst, die Beine schmerzen und die Arme auch. Ich schließe die Augen. Dann fällt es mir leichter, die Bewegungen auszuführen.

Seit heute begleiten mich zwei innere Stimmen. Beim Training sitzen diese in Form von kleinen Kobolden auf meinen Schultern.
‚Loser‘ ist der eine und ‚Folterknecht‘ der andere. Mittendrin bin ich und muss mich entscheiden, was ich tue.

„Mensch lass es doch ruhig angehen“, flüstert mir Loser ins linke Ohr.
„Du hast ein schweres Wochenende hinter dir. Krümel war da, Laura auch. Du musstest so viel essen, dich auf der Liege ausruhen, Krümel im Sitzen beim Spielen im Sandkasten beobachten. Nur mit Mühe konntest du dich hochhieven, um Krümel wenigstens den Wasserhahn aufzudrehen, damit sie ihre kleine Gießkanne füllen konnte“, flüstert er weiter weich und sanft.

„Jetzt ist aber mal genug“, röhrt mir da Folterknecht auf der anderen Seite ins Ohr.
„Kneif‘ doch die Arschbacken zusammen und zieh‘ deine Übungen durch. Den Sangria hast du doch auch bis zum letzten Tropfen ausgetrunken und dich nicht beschwert“, brüllt er weiter.

Eine unangenehme Stimme, die von Folterknecht, so unwirsch, so erbarmungslos.
Gott sei Dank sitzt Loser auf der anderen Seite.

„Komm, mach‘ ein ‚Päuschen‘“, flüstert er.
„Kommt gar nicht infrage. Du bist erst bei Übung Nummer 11 und 15 Mal musst du die Beine und Arme bewegen. Dann kannst du eine kleine Pause von einer Minute machen. Danach geht es von vorn los!“, mischt sich Folterknecht ein.

„So ein unhöflicher und ungehobelter Klotz, der Folterknecht“, zischt Loser beleidigt.

„Lass ihn doch selbst entscheiden, was er will“, sagt er weiter.
„Ich mach‘ weiter“, sage ich, um den Streit zu schlichten.
„Sehr gut!“, brüllt mir gleich Folterknecht ins Ohr.

Woran erinnert der mich nur?

Ach ja, an die Marinezeit.
Wenn wir morgens 06.00 Uhr auf den Fluren antreten mussten und uns noch schlaftrunken an die Wand lehnten, da erscholl die gleiche Stimme:
„Die Wand steht von allein. Raustreten zum Frühsport, aber im Laufschritt, und das Ganze ein bisschen schneller!“

Loser und Folterknecht streiten sich weiter.
Ich höre nicht mehr hin. Anstelle von insgesamt 45 Dehnungsübungen habe ich 90 gemacht.

„Siehst du, mit Einfühlungsvermögen kommt man viel weiter“, sagt daraufhin Loser.
„Das ich nicht lache, nur Härte und Kampfeswille haben ihn bis hierher gebracht“, schnieft Folterknecht.

Ich gehe zum Abschluss noch zum Laufband und laufe im Rhythmus zur Musik.

Es ist die abschließende Trainingseinheit. Langsam steigt Freude in mir hoch und ich laufe automatisch schneller, motivierter. Loser und Folterknecht schweigen. Die Woche wird gut.

 

MEIN FREUND, DER ALLTAG (69)

DER RÜCKSCHLAG IM ZÄHEN KAMPF UMS ABNEHMEN

Gestern war Krümel bei uns zu Besuch.
Wir haben mit ihr gemeinsam den kleinen Sandkasten eingeweiht. Schaufeln und Eimer hatte Klara im Schreibwarenladen in Basdorf eingekauft.

Damit ging Krümel auch gleich zu Werke und verteilte den Sand gleichmäßig auf unserer Terrasse.
Irgendwie hatten wir das schon befürchtet.

Als ich schließlich sagte, „Krümel, nein!“, da war die Hölle los und ich für kurze Zeit nicht mehr der beste Opa.
Schließlich hatte sie sich wieder beruhigt und sich einem anderen Abenteuer zugewandt, dem Wasser.

Sie goss mit ihrer kleinen Gießkanne die Blumen, und zwar immer die gleichen.
Schließlich kriegten wir sie dazu, dass sie im kleinen ‚Swimmingpool‘ plantschte. Wir hatten ihn unter großen Anstrengungen und mit dicken Backen aufgepustet.

Wenn Krümel und Laura uns besuchen, dann gerät unsere kleine, organisierte Welt meist aus den Fugen.
Ich vergesse, dass ich darum kämpfe, das Gewicht zu reduzieren, kurzum: abzunehmen. Vergessen trifft es nicht ganz.
Ich ignoriere einfach meine Vorhaben. In der Woche hatte ich durch maßvolles Essen und ziemlich angestrengtes Training im Fitnessstudio erreicht, dass ich anderthalb Kilo weniger auf die Waage brachte.
Am Samstag aber, da war mir alles egal.
Ich habe mittags ins Essen reingehauen, als gäbe es kein Morgen mehr, und ich habe mich gefreut, dass Krümel am Tisch saß und ihre oft noch unverständlichen Laute von sich gab.

Nachmittags gab es Eis mit Erdbeeren. Die volle Portion. Danach war ich bereit für zwei Gläser ‚Sangria‘.

Ich habe mich auf der Terrasse gefühlt wie auf Mallorca.
Sonntagmorgen kam das böse Erwachen. 1,5 kg hatte ich in der Woche abgenommen und zwei wieder an nur einem Tag draufbekommen. War das gerecht?

Was sollte ich machen? Heulen?
Ich habe nachmittags noch einmal Eis mit Erdbeeren genossen. Frustessen.

Aber Montagfrüh, da geht es wieder los, ins Fitness-Studio.
Und nächstes Wochenende, da ist Krümel nicht da.
Die Zeichen stehen gut, die Rückschläge wieder auszugleichen.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (68)


ICH MUSSTE MIR IN DIESER WOCHE MEIN GLÜCK ERSCHWITZEN

Eine Woche Fitness-Training ist rum. Ich kann es noch gar nicht glauben: Ich bin jeden Tag, wirklich jeden Tag nach Mitte gefahren, bin die Treppen in der Tiefgarage hinaufgestapft, um anschließend durch die Eingangstür des Studios zu gehen, die dunklen Musikbässe zu hören, die ersten ‚Leidensgefährten‘ an den Geräten zu sehen, mich umzuziehen und zu Beginn auf den Crosstrainer zu steigen.

Erst wollte ich nur drei Tage trainieren, dann war der Donnerstag als der Tag im Gespräch, den ich auslassen wollte. Und jetzt bin ich doch 5 Tage am Stück dort gewesen.

Gestern war ich erschlagen. Ich habe trainiert, ein weiteres Gerät mit in meine Übungsreihe aufgenommen und war anschließend schweißnass. Die warmen Temperaturen, und das schon am Morgen, taten ihr Übriges.

Der ‚Bauchstrecker‘ hat mich gefordert.
‚Hör auf, das reicht‘, sagte meine innere Stimme. Ich habe weitergemacht, die Augen geschlossen, damit ich den Schmerz besser ertragen konnte, und ich habe die vorgegebene Anzahl von dreimal 15 Übungen eingehalten. Und das an jedem Gerät.

Zwei Stunden vergehen wie im Flug, wenn du hintereinander die einzelnen Stationen absolvierst. Zum Schluss war ich auf dem Laufband.

Neben mir jagte jemand über das Band, als wäre die Drogenmafia hinter ihm her. Ich habe mich davon nicht stören lassen. Ich bin im Nordic Walking Stil gelaufen. Schließlich hatte ich mich auf die Musik eingestellt und wurde von allein schneller.

Ich habe für kurze Zeit die Augen geschlossen und mich gefragt, warum ich mich gerade so freue?

Weil ich durchgehalten habe, weil draußen die Straßenbahn vorbeifährt, die Autos nach unten in Richtung Alex jagen und ich im selben Moment was für meine Gesundheit tue. Dieses Glück kannst du kaum mit jemanden teilen.

Aber wenn du hinterher, kurz bevor du zurückfährst, dich in die Sofaecke am Eingang lümmelst, die Füße von dir streckst, deine Flasche Wasser austrinkst, und du weißt, dass du das Beste am Tag gerade erlebt hast, ja dann weißt du auch, dass du nicht vielmehr brauchst.

Vielleicht Krümel, die ich morgen früh hole und mit der ich den Sandkasten im Garten einweihen will. Wenn sie dann wegläuft, werde ich wohl kaum hinterherkommen. Ich habe Muskelkater, ich ‚habe Rücken‘ und ich habe verdammt viel Glück, dass ich das alles erleben kann.

Ich bin völlig aus meinem Arbeitsrhythmus raus und habe in dieser Woche fast nichts geschafft, jedenfalls nicht viel.

„Ich gehe ins Bett“, habe ich gestern Abend zu meiner Frau gesagt. Da war es halb acht. Kurz vor acht schlief ich fest ein und bin erst heute Morgen gegen 04.00 Uhr aufgewacht.

Dann hieß es wieder: Duschen, Tasche schnappen, Klara zur Arbeit fahren und vorbei am Axel-Springer-Haus wieder in Richtung Mitte düsen, das Fitness-Center fest im Visier.

Was ist meine Erkenntnis in dieser Woche: Du bekommst deine guten Gefühle nicht geschenkt, sie kommen nicht einfach so, meistens jedenfalls nicht. Nein. Du musst dich anstrengen, sie ‚erschwitzen‘. Der Lohn ist fantastisch. Nächste Woche geht es wieder von vorn los.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (67)

JEDER EINZELNE TAG IST WERTVOLL

Ich war wieder im Fitness-Studio. Für mich ist das inzwischen eine Sache, bei der sich Routine einstellt.

Die Geräte werden mir vertrauter, ich probiere weitere Übungen aus und schwitze, weil es ohnehin warm in den Räumen ist.

Wenn ich darüber nachdenke, warum ich mir das alles antue, dann ist die Antwort klar: Ich will abnehmen.

Es gibt aber noch etwas, was mir klar wird, während ich Pausen mache, meist nicht länger als eine Minute.

Ich schaue dann nach draußen, sehe wie die Autos auf den Alex zurasen, die Radfahrer aus dem Prenzlauer Berg angesaust kommen.

Das alles sieht nach viel Stress aus, einfach danach, dass keiner mehr so richtig Zeit hat.
In Wirklichkeit haben wir ja alle die gleiche Zeit. Wir meinen nur, wir könnten dem Anderen sagen, wir hätten eben doch keine Zeit dafür.

Dabei ist Sport nicht nur etwas für die eigene Fitness.
Es hilft auch, zu sich zu finden.

Ich schnaufe während der Übungen, weil sie mir schwerfallen.
Und wenn sie mir leichter fallen werden, dann steigere ich die Schlagzahl, langsam natürlich.

Das bleibt also. Was sich nur ändert, das ist das Denken.
Du fühlst dich unter Menschen zuhause, die alle schon am frühen Morgen etwas Gutes tun, für sich, für ihre Laune und damit auch für andere.

Ich fahre stets mit einem positiven Gefühl aus der Tiefgarage heraus, selbst wenn ich nicht gleich in Richtung Prenzlauer Berg abbiegen kann, sondern noch ein Stück wieder auf den Fernsehturm zufahren muss.

Woher kommt dieses gute Gefühl? Da gibt es sicher viele Gründe für, physische und psychische.

Mir gehen in dem Zusammenhang noch andere Dinge durch den Kopf. Zum Beispiel, warum ich mir früher nie ausreichend Zeit dafür genommen habe.
Das aber ist vergangen, nicht zurückzuholen.
Was ich noch vor mir habe ist die Erkenntnis, dass jeder Tag
was Besonderes sein kann.

Das klingt ein wenig nach Guru-Satz.
Was ich meine ist dies: Die Fitness bringt mich dazu, den Alltag als das Ereignis überhaupt anzusehen, nicht zu viel in die Ferne zu träumen, sondern lieber die mentale Kraft aufzubringen, das schön zu finden, was man gerade tut.

Du musst dazu weder in Berlin sein, noch ein tolles Auto fahren, sondern diese Gedanken einfach nur zulassen.

Kraft geben dir die Dinge, die du selbst vor der Nase hast. Es ist so einfach, du musst  es dir trotzdem immer wieder klarmachen. Der Trubel im Studio hilft mir dabei.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (66)

EINWEISUNG IM FITNESS-CENTER -3

Bei der Einweisung an den Geräten zeigte sich das ganze Können und die Erfahrung des Trainers. Das strahlte er aus und das zeigte er mir. Ich ließ mich gern beeindrucken, zum Schluss machte ich ja doch, was ich wollte.

„Wir fangen mit dem Crosstrainer an“, sagte er zu mir.
„Steig‘ mal drauf“, meinte er weiter.

Also tat ich, was er sagte und stieg in die Pedalen, besser in die Fußabdrücke des Crosstrainers. Das fühlte sich leicht an, ich trat schneller durch.

„Wir machen mal Stufe 10 an“, sagte der Trainer.
„Dann hast du ein Gefühl dafür, wie es sich anfühlt, wenn du mit der größten Belastung umgehen musst.“

Ich nickte und merkte, wie meine Oberschenkel anfingen zu schmerzen.

Dagegen war Nordic Walking das reinste Ausflugvergnügen.
Ich hatte genug und stieg einfach ab.

„Geht klar“, sagte ich, „hab‘ verstanden, wie es geht.“
Der Trainer wollte noch etwas sagen. So was wie durchhalten, anhaltend trainieren. Ich kam ihm zuvor.

„Ich trete erst einmal zehn Minuten bei Belastungsstufe 5 durch“, sagte ich.
Das fand er wohl in Ordnung und nickte.

„Lass uns mal zur Ruderzugmaschine gehen, da muss ich ans Wasser denken, insbesondere die Ostsee“, meinte ich.

Er nickte zustimmend, obwohl sein Gesichtsausdruck sagte, dass er die Ansagen machen wollte.

„Wenn ich die Geräte mitaussuchen kann und danach die Fragen gezielt stelle, fühle ich mich wohler, verstehe mehr und werde deine Ratschläge alle hinterher berücksichtigen“, tröstete ich ihn. Der Trainer stellte sich nun auf mich und meine Art ein. Das fand ich stark.

Zum Schluss ging es noch auf Waage, diejenige, die den Fettanteil ausmisst.
Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Wir verabschiedeten uns, ich ging schnurstracks in die Tiefgarage, stieg ins Auto und fuhr eine Straße weiter zum Alex. Dort wartete Klara.

Ich war nun ein vollwertiges Mitglied im Fitness-Club.

Am nächsten Tag fuhr ich kurz vor 06. 00 Uhr wieder in die Tiefgarage ein, stieg aus, nahm meine Tasche, ging schwungvoll die Treppen rauf und schon war ich erneut im Fitness-Center.

Es war unglaublich. Ich war nicht der erste. An den Geräten strampelten sich bereits eine Reihe „Fitness-Bekloppter“ ab.
Dazu gehörte ich nun auch.

Man sah es von außen noch nicht. Mein Bauch ließ eher darauf schließen, dass ich nur mal gucken wollte.

Aber innerlich, ja da schwang ich schon am Reck. So wie der auf dem Fernsehbild, gegenüber vom Tresen. Na gut, ich wollte es erst einmal ruhig angehen lassen.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (65)

EINWEISUNG IM FITNESS-CENTER -2

Ich meldete mich am Tresen und fragte nach der Einweisung.
Der Mitarbeiter schaute nach und sagte: „Du stehst heute nicht im Kalender.“

„Wenn du Donnerstag aufschlägst, dann findest du mich auch. Heute ist nicht Freitag“, entgegnete ich, denn ich hatte ihn beim lustlosen Blättern im Kalender beobachtet.

„Stimmt“, sagte er.
Nachdem alles geklärt war, begab ich mich in die Umkleidekabine. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich das obligatorische Handtuch vergessen hatte.

Also musste ich ersatzweise die zweite Trainingshose nehmen, denn ein Handtuch auf die Sitze aufzulegen, das war Pflicht.
Eigentlich eine gute Sache, denn ich wollte mich ja auch nicht gerade im Fitness-Center mit Viren infizieren.

16.00 Uhr, es war soweit und der Trainer kam zu mir in die Ecke, in der eine Couch stand. Er setzte sich zu mir und fragte mich, was ich mit dem Training erreichen wollte.

„Bauch weg, Muskeln aufbauen, mehr Beweglichkeit“, sagte ich.
„Das wollen alle“, meinte er.
„Das ist gut möglich und wahrscheinlich, denn hier wird wohl kaum einer das Ziel haben, sich zur Prima Ballerina im Ballett zu entwickeln“, meinte ich.

Jetzt sah er mich genauer an. Offensichtlich konnte er mit meiner Antwort nicht viel anfangen.
Ich wollte ihm helfen. „Mein wichtigstes Ziel ist es, das Übergewicht drastisch zu reduzieren und etwas als Ausgleich zum Sitzen zu finden.

Ich denke, das kann ich hier ganz gut verwirklichen.“
Jetzt wurde der Trainer aktiv und begann mir einige Übungen und Geräte zu erläutern.

„Wir sollten auf ein ganzheitliches Training gehen. Natürlich musst du vor allem etwas in der Ernährung tun, sonst können wir hier machen, was wir wollen, aber wir werden wenig erreichen.“
Das leuchtete mir ein und ich gab ihm Recht.

„Genau das ist meine Achillesferse“, pflichtete ich ihm bei.
‚Wenn der wüsste, wie viel Achillesfersen ich tatsächlich habe, dann würde der eine ganze Armee dahinter vermuten‘, dachte ich im Stillen.

„Wollen wir mal zu den Geräten gehen?“, fragte er mich.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (63)

WIR WAREN PFINGSTSONNTAG AN EINEM DER SCHÖNSTEN ORTE AUF DIESER WELT

Pfingsten kannst du auch schon wieder im Kalender streichen.
Früher sind wir um diese Zeit nach Polchow auf Rügen gefahren, und zwar mit Sack und Pack.

Das war aufregend, anstrengend, aber es war vor allem schön.
Wir waren zwar müde, wenn wir ankamen, alles ausgepackt hatten und das Auto endlich unter dem Carportdach stand, das von wilden Weinreben verziert wurde.

Aber zum Ausruhen war keine Zeit.
Es wurde alles rausgeräumt, Tische, Stühle, Hollywoodschaukel.
Anschließend kümmerte sich Klara um den Haushalt, den Garten und das Essen.

Ich mähte in der Zeit den Rasen, trimmte die Kanten. Abends saßen wir auf der Terrasse und waren hundemüde. Zwei Tage später packte Klara alles wieder ein, wir fuhren Richtung Berlin und standen spätestens auf der A 11 im Stau.

Am nächsten Tag stürzten wir uns erneut in die Arbeit und berichteten den Kollegen davon, dass wir an der Ostsee waren, im eigenen Bungalow.

„Wow“, riefen die dann meistens und für kurze Zeit überstrahlte in diesen Situationen meine stolz geschwellte Brust den darunter hängenden Bauch.

Dass wir erschöpft waren, am liebsten nach Hause gegangen wären, um uns auf Sofa zu hauen, dass der Rücken schmerzte von der Gartenarbeit und dem stundenlangen Sitzen im Auto – davon sagten wir nichts.

Und heute ist das sowieso vergessen.
Wenn wir von Polchow sprechen, dann nur in den höchsten Tönen.
Laura spazierte dort durch die Gärten, hatte gute Freunde, fühlte sich wie im Paradies.

An diesem Pfingstsonntag waren wir nun nicht an der Ostsee. Nein, wir waren in Berlin – Hohenschönhausen unterwegs.
Krümel hatte uns mit vor Freude quietschenden Tönen und strampelnden Beinen an der Fahrstuhltür zu Lauras Wohnung empfangen.

Wir machten uns wenig später zu einem Spaziergang auf und schoben Krümel auf ihrem Dreirad vor uns her. Sie strahlte Lebensfreude pur aus.

Nach einer Weile setzte ich mich auf eine Parkbank. Krümel kam zu mir gelaufen und kletterte mit meiner Hilfe auf mein Bein, rutschte von da aus auf den freien Platz neben mir und schaute zufrieden zu Klara und Laura.

Schließlich machte sie solange Lärm, bis sich die beiden ebenfalls zu uns gesetzt hatten. Laura sollte sich ausgerechnet zwischen uns setzen – Krümel und mir.

Laura saß erst einmal auf meinem rechten Bein, bis Krümel zur Seite rutschte, ein Stückchen wenigstens. Dann sah sie Klara ankommen und wollte, dass die sich rechts von ihr hinsetzte.

Krümel rutschte noch einmal von der Bank und holte das Dreirad, das noch auf dem Weg stand, ebenfalls zu uns heran.

Danach saßen wir alle nebeneinander. Auf der Bank, im grünen Park von Hohenschönhausen, weit weg vom Meer, von Rügen und von Polchow.

Und trotzdem, wir waren glücklich, denn wir hatten den Eindruck, dass Krümel fand, sie wäre an einem der schönsten Orte auf dieser Welt und dann noch mit ihrem „Rudel“ an ihrer Seite, das sie energisch und zielbewusst mit ihren kleinen Fingerchen und ihren unverwechselbaren Lauten dirigierte.

JEEPY (29)

ENDLICH, DIE SCHATZSUCHE BEGINNT

Die Kinder und Erwachsenen treffen sich auf dem Parkplatz in der Schorfheide.
Von da aus geht es direkt in den Wald, zwischen die Kiefern, vereinzelte Birken und Buchen.
Der Waldboden ist übersät mit Wurzeln, Kienäpfeln, Laub aus dem vergangenen Herbst.
„Passt auf, dass ihr nicht stolpert“, sagt der Fahrer gleich zu Beginn.
Alle sind aufgeregt, auch die Erwachsenen. Sie plappern durcheinander.
„Bitte mal alle herhören“, ruft da der Fahrer.
„Die Teilnehmer an der Schatzsuche teilen sich in zwei Gruppen auf:

Zur ersten Gruppe gehören Jeepy, ich als sein Fahrer und die Kinder Ameli, Jana, Denny, Darian, Otto und Dietmar, der Vater von Ameli.

In die zweite Gruppe gehören Fiatine, der Verkäufer und die Kinder Lina, Lou, Dimitri, Peter und eine Mutter, Margarete. Ihr müsst jetzt direkt durch den Wald laufen.“

Und weiter erläutert der Verkäufer: „Fiatine, du stehst an der ersten Station und stellst deine beiden Fragen, die du dir ausgedacht hast. Der Gewinner bekommt einen kleinen Preis. In Ordnung?“
„Ja“, rufen da alle.

„Dann geht es jetzt los, viel Spaß beim Suchen nach der Schatzkiste. Schaut auf die Karten, die beide Gruppen haben und orientiert euch an den Pfeilen und Bändern an den Bäumen, an denen ihr vorbeikommt“, erläutert noch der Fahrer.

Die beiden Gruppen sind losgelaufen. Jeppy ist zu seiner Station gefahren und Fiatine auch. Es sind die wichtigsten Abschnitte, die jeweils eine Gruppe passieren muss.

An der ersten Station steht Fiatine und wartet aufgeregt auf die Gruppe. Plötzlich hört sie Stimmen und da kommen die Kinder und Dietmar auch schon zwischen den Bäumen hervor.

„War es leicht, mich zu finden?“, fragt Fiatine.

„Naja, ich weiß ja nicht, wer die Karte gemalt hat, aber derjenige hat wohl nicht viel mit dem Zeichnen und der Geographie am Hut“, sagt da Dietmar.

„Das war der Fahrer von Jeepy“, antwortet Fiatine.

„Na der kann froh sein, dass er ein Navigationsgerät im Auto hat. Müsste der nach seiner Karte fahren, würde Jeepy nie am Ziel ankommen“, ergänzt Dietmar.

Der Verkäufer stand ruhig und schmunzelte vor sich hin.

‚Der Verkäufer hätte mal was dagegen sagen können‘,  denkt Fiatine. Sie findet, dass Dietmar nur meckert. Beim Kartenzeichnen war der jedenfalls nicht dabei.

Aber laut sagt sie: „Kinder, lieber Dietmar, ich stelle euch jetzt zwei Fragen. Wenn ihr sie richtig beantwortet, bekommt ihr schöne Preise.“

Fiatine schaute in die Runde, in die erwartungsvollen Gesichter.

„Also, es geht los: Welcher Baum kommt am häufigsten in Brandenburg vor?

A)Die Birke oder B)die Eiche oder C) die Kiefer?“

Die Finger der Kinder schnellen in die Höhe.

„Das ist die Kiefer“, sagt Ameli, die als erste den Arm gehoben hat.

„Och, das war ja ‚piepeleicht‘“, sagt da Denny aus der Gruppe.

„Richtig. Achtung, jetzt kommt die zweite Frage: Welche ist die zweithäufigste Baumart in Brandenburg?

A) Die Birke oder B) die Buche oder C) Die Eiche?“, fragt Fiatine.

„Das ist wohl eine Frage für mich“, sagt Dietmar.

„Und welche Antwort ist deiner Meinung nach die richtige?“, hakt Fiatine nach.

„Ich denke A, die Birke.“

„Falsch, falsch“, rufen da die Kinder.

„Denny, was meinst du?“, fragt Fiatine.

„Na die Eiche ist richtig. Das weiß ich von meinem Großvater, der ist Jäger“, sagt Denny stolz.

„Prima, das ist richtig“, sagt Fiatine und überreicht ihm ein Päckchen mit Malstiften.

Und an Dietmar gewandt: „Du würdest wohl keine Jägerprüfung bestehen, mit deinen Kenntnissen. Das hätte der Fahrer von Jeepy aber gewusst.“ Sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Dietmar schwieg betreten.

„Für euch noch zur Erläuterung, Dietmar und liebe Kinder: Die Eiche kommt auf einem Waldgebiet von insgesamt 70.000 Hektar vor, gefolgt von der Buche auf ca. 34.600 Hektar.“

Sie hatte sich gut auf das Rätsel vorbereitet und einiges über den Baumbestand in Brandenburg und insbesondere in der Schorfheide gelesen.

Während sich die Gruppe wieder auf den Weg macht, sind auf der anderen Station die Kinder um den Fahrer und Margarete angekommen.

Jeppy erwartete sie schon.

„So, passt gut“, sagt Jeepy, holt tief Luft und stellt seine Fragen:

„Wie viel Waldeigentümer gibt es in Brandenburg?

A) 100.000 oder B) 1000 oder C) 100?“

Lina hebt die Hand.

„Lina, was meinst du?“, fragt Jeepy sie.

„Vielleicht 100?“

„Nein, das ist falsch.“

„1000″, sagt da Dimitri.

„Nein, es sind 100.000 Waldeigentümer“, klärt Jeepy die Gruppe auf.

„Och, so viele“, staunen die Kinder.

„Ja, das hatte ich vorher auch nicht gewußt, wenn der Fahrer es mir nicht gesagt hätte und der hat es vorher gegoogelt“, erklärt Jeepy.

Die Kinder nicken und finden es gut, dass Jeepy so ehrlich ist.

„Und nun zu der zweiten Frage: Was glaubt ihr, wie viel Prozent der gesamten Waldfläche den privaten Waldeigentümern gehört:

  1. A) 61% oder B) 20 % oder C) 10 %?“

„Wahrscheinlich gehört den Waldeigentümern der größte Anteil, also A“, sagt Margarete.

„Richtig“, stimmt Jeepy zu.

„61% gehören privaten Eigentümern, 26% dem Land Brandenburg, 7 % kommunalen Einrichtungen und 6 % dem Bund“, liest Jeepy vom Zettel ab.

„Und hier sind eure Preise“, ruft Jeepy.

Es gibt ein kleines Planschbecken, einen Wasserball und kleine Früchtekörbe für unterwegs.

Die Kinder sind begeistert und ziehen weiter.

Fast gleichzeitig kommen die beiden Gruppen an der Stelle an, an der die Schatzkiste vergraben sein muss.

„Schaut mal in die Nähe der beiden Holzbänke“, raunt jetzt Jeepy den Kindern zu.

Die suchen fleißig weiter.

Da ruft Darian: „Hier ist eine weiche Stelle. So als ob jemand ein Loch ausgehoben hat und ein Deckel darauf liegt.“

Die Kinder und die Erwachsenen kommen schnell zu der Stelle.

Der Fahrer und der Verkäufer schauen sich an und schmunzeln.

„Na dann macht doch einfach mal den Sand weg“, sagt der Verkäufer.

Eifrig beginnen die Kinder mit den Händen den Sand wegzuwischen. Sie nehmen die Holzplatte weg und entdecken die Kiste.

„Hier ist sie!“, rufen sie aufgeregt.

„Wartet, wir heben sie aus dem Loch“, sagt der Fahrer.

Und da stand sie nun, die Kiste.

„Wir haben ein letztes Rätsel. Wir verbinden einem Kind die Augen und es muss erraten, was es gerade isst. Wenn es richtig ist, darf diejenige oder derjenige die Kiste öffnen. Wer möchte das?“

„Ich, ich auch“, rufen da alle Kinder.

„Gut, wer hat heute noch nicht mitgeraten?“, fragt der Fahrer.

„Ich“, sagt Otto. „Ich habe auch noch nichts erraten“, ruft Jana.

„Gut, Jana, dann binden wir die Augen zu. Und du musst erraten, welches Obst du gerade schmeckst.“

„Gut“, sagt Jana.

Der Fahrer nimmt eine Kiwi aus dem Korb, schält sie schnell ab und gibt sie Jana.

„Das ist eine Kiwi“, ruft Jana sofort.

„Donnerwetter, das ging ja schnell“, sagt da der Fahrer. Er hätte nicht gedacht, dass Jana so schnell das Rätsel löst.

„So, Jana, dann mach den Deckel auf.“

„Jana hebt den Deckel an und zum Vorschein kommen die Goldstücke. Sie glitzern in der Sonne.“

„Oh, das ist ja wie ein richtiger Schatz“, rufen die Kinder.

„Ja, und in Wirklichkeit ist es Schokolade, die ihr essen könnt.“

„Au ja“, freuen sich die Kinder.

„Aber bitte nicht alles auf einmal“, sagt der Fahrer, während er und der Verkäufer die Goldtaler verteilen.

„Zum Abschluss lade ich euch alle zum Grillen in den Wildpark ein“, sagt noch der Fahrer.

Alle sind begeistert und streben dem Eingang zum Wildpark zu.

„War das nun ein richtiges Abenteuer?“, fragt der Fahrer den Verkäufer.

„Naja, vielleicht kein richtiges Abenteuer, aber ein Tag mit viel Spaß und ein bisschen hinzugelernt haben wir auch alle.“

Der Fahrer nickt zufrieden.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (62)

DAS ERSTE FITNESSTRAINING

Ich hab’s getan.  Gestern früh, 06.07 Uhr, habe ich das Fitness-Center in Mitte betreten.

Das war gar nicht so einfach, denn ich musste mich zunächst in allem zurechtfinden.

Wir sind gestern Morgen kurz nach 05.00 Uhr losgefahren. Es war schon eine Menge Bewegung in Richtung Stadtzentrum. Nach 26 Minuten war ich im Zeitungsviertel Kreuzberg-Mitte angekommen.

Klara wollte, dass ich sie direkt vor einer Bäckerei absetze. Sie schwärmte von den türkischen Süßwaren, die es dort gibt.

„Das ist aber nicht gut für die Figur“, musste ich loswerden, als sie noch mit einem Bein im Auto war und mit einem Bein, jedenfalls mental, schon in der Bäckerei.

Klara wünschte mir viel Spaß im Sportstudio und ich düste zurück, in Richtung Alex. Es ist schön, morgens den Fernsehturm zu sehen, das Rote Rathaus, die vielen neuen Hochhäuser.

Mich inspiriert das, auch wenn ich danach wieder ins Dorf fahre und mich vor meinen Computer hocke und der Bauch sich über die Schreibtischplatte schiebt.
Nicht mehr lange.

Aber erst einmal musste ich in die Tiefgarage einbiegen. Nachdem ich ausgestiegen war, irrte ich im Parkhaus umher, weil ich den Eingang ins Fitnesscenter nicht fand. Schließlich stand ich im Fahrstuhl und fuhr nach oben.

Ich sah mich im Spiegel, von der Seite.
„Oh, Dicker, es wird höchste Zeit“, sagte ich in den Spiegel hinein.
Als ich den Eingang passiert hatte, sah ich die ersten Sportler an den Geräten schwitzen.

Ich schaute sie mir an und mir war klar:  Ich war mit Sicherheit nicht nur der Älteste, ich war auch der Dickste in der Runde.

Ich seufzte, ging nach unten, verstaute meine Tasche im Fach und lief immer noch motiviert die Treppen hinauf.
Ich suchte ein Fahrradergometer und schwang mich sofort in die Pedalen.

Nach der ersten Minute sprach mir mein kleiner Schweinehund, der auf der linken Schulter saß, ins Ohr: „Hör auf, es ist heute nur der Anfang. Du kannst noch so oft hier radeln, ohne vom Fleck zu kommen.“

Der rechte Kobold auf meiner Schulter aber brüllte mir ins Ohr: „Du willst schon aufgeben? Du Lusche! Willst du frühzeitig im Rollstuhl sitzen, dich nicht mehr bewegen können?“
Nein, das wollte ich auf keinen Fall.

Ich drehte die Belastung eine Stufe höher und trat in die Pedale.
Nach zwei Minuten sagte ich zu mir: „Komm, Dicker, dreh wieder eine Stufe zurück, fahr langsamer, aber halte zehn Minuten durch.“
Ich hielt durch und stieg erleichtert vom Ergometer.

„Wo stellt man das Gerät ab?“, fragte ich eine junge Frau, die neben mir radelte.
„Gar nicht“, sagte die.
„Die stellen sich von allein ab.“

Ich bedankte mich und dachte nur: umso besser.
Die nächste Station war ein Gerät auf dem man sich mit dem Bauch legte und dann fast auf den Boden fiel. Aber man konnte seine Füße hinter zwei gepolsterte Stangen klemmen und blieb so in der Haltung vornüber hängen.

„Wozu ist das gut?“, fragte ich meinen Nachbarn.
„Für den Rücken“, ächzte der, während er den Oberkörper nach oben bewegte.

Er hatte zusätzlich noch ein Eisengewicht in den Händen, 25 kg.
Das holte ich auch, schwang mich in die Ausgangsposition und kam nicht wieder hoch. Das Gewicht war zu schwer.

Ich schleifte das Gewicht zurück zum Regal und holte mir nun eine 5 kg schwere Scheibe. Das ging und ich machte dreimal 20 Übungen. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, es würde mir gleich die Luft abgeschnürt. Ich hielt durch.

Danach war ich an verschiedenen Geräten. Plötzlich wurde mir schwindlig.
Meine Wasserflasche hatte ich nicht am Mann, sondern unten in der Garderobe.
Ich schleppte mich runter und trank die Flasche fast in einem Zug aus.

Fast anderthalb Stunden waren nun vergangen.
Das Studio füllte sich. Ich packte meine Tasche und ging nach draußen. Gehen ist nicht der richtige Ausdruck. Ich schleifte immer ein Bein nach, während das andere nach vorn trudelte.

Ein Fensterputzer sah mich an und musste schmunzeln.
Wahrscheinlich ging ich doch nicht als gestylter Fitnesstrainer durch.

Schließlich saß ich im Auto, aß eine Banane und die Kräfte kehrten zurück.
Ich hätte nun Bäume ausreißen können. Es war ein traumhaftes Gefühl.
Warum hatte ich damit solange gewartet?

MEIN FREUND, DER ALLTAG (61)

MORGEN GEHT’S INS FITNESSCENTER

Was ist da Besonderes dran?
Nichts.

Naja, für mich schon. Das letzte Mal war ich vor 7 Jahren dort.
Inzwischen hat der Betreiber gewechselt.
Gestern habe ich mich erst einmal angemeldet.

Ich habe lange gebraucht, um mich zu entschließen, dort wieder aufzutauchen. Eine junge Mitarbeiterin am Tresen fragte mich, was ich mir für Ziele gestellt hätte. Sie schaute mich von oben bis unten an und hat wohl eher Ausreden als fundierte Antworten erwartet.

„Beweglich bleiben, Bauch weg, Muskeln aufbauen, Spaß haben, mehr Power für die Arbeit bekommen“, das sagte ich ihr.

„Oh, perfekt!“, quietschte sie freudig.
Perfekt hieß schwitzen, sich quälen. Deshalb habe ich ihre Antwort lieber nicht kommentiert.

Es ging alles sehr schnell und ich musste nicht einmal eine Aufnahmegebühr zahlen, weil ich ja bereits bei dem vorhergehenden Anbieter angemeldet war.

„Willst du gleich anfangen?“, fragte mich die Mitarbeiterin.
Sie sah gut aus und posierte ein wenig mit ihrer Figur vor mir. Sie fand mich wohl lustig, wahrscheinlich sogar schrullig

Also fand ich sie nicht lustig, vorsichtshalber.

„Ich schau‘ mich erst einmal um“, sagte ich.
„Und am Mittwoch komme ich dann wieder.“

„Mach‘ das!“, sagte die Mitarbeiterin.
Ich ging umher und fragte einen muskelbepackten jungen Mann, wo die Toiletten seien.

„Da hinten, links“, antwortete der respektvoll.
Wahrscheinlich hatte er in dem Moment das Bild seines Großvaters, im besten Fall seines Vaters vor Augen.

Nachdem ich wusste, wo man austreten kann, bin ich schnurstracks zum Ausgang gelaufen.

Ich brauchte erst einmal Abstand, um das alles zu verarbeiten.
Im Auto angekommen rief ich Klara an.

„Alles bestens, am Mittwoch geht’s los und eine Woche drauf habe ich dann eine Einweisung durch einen Personaltrainer“, sagte ich zu ihr am Telefon, während ich mich durch die vollen Straßen im Prenzlauer Berg per ‚stop and go‘ quälte.

„Hast du was zu trinken mit?“, fragte Klara als erstes.
„Ja“, sagte ich knapp.

„Und hast du das gute Handtuch wieder eingepackt?“
„Ich hab’s gar nicht ausgepackt.

„Warum nicht, brauchtest du das nicht zum Training?“
„Doch schon, aber ich fange am Mittwoch an. Heute habe ich erst einmal die Toiletten, die Duschen und die Umkleidekabinen besichtigt. Und an den Geräten bin ich vorbeigelaufen.“

„Hm“, sagte Klara. Sie konnte nicht verstehen, dass ich fast bis zum Alex fuhr und dann nicht wenigstens auf einem Laufband war.

„Hast du gar nichts weiter gemacht?“
„Doch, ich war noch am Eingang der Tiefgarage, damit ich weiß, wo ich reinfahren muss.“

Klara schwieg. Sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, mich weiter zu nerven.

„Ich fahr‘ jetzt in den Einkaufsmarkt und kaufe für Krümel einen Sandkasten.“

„Aber nur einen eckigen“, sagte sie.
„Und wenn die nur runde haben?“
„Dann kaufst du keinen“, sagte Klara entschieden.
„Das kann ich nicht versprechen!“, meinte ich lakonisch.

Klara antwortete nicht. Es brachte sie auf die Palme, wenn ich mich scheinbar nicht an das hielt, was sie sagte.
Es gab die eckigen. Ich habe vorsichtshalber noch ein Foto auf ihr Handy geschickt.

Das schlimmste war, den 25 kg Sack mit Spielsand anzuheben.
Ich fluchte. Ich hätte schon früher mit dem Muskelaufbau beginnen sollen.

Aber bald, da schmiss ich den wahrscheinlich nur so durch die Luft.
Aber nun musste ich erst einmal schleppen, in gebeugter Haltung, keuchend und mit heraushängendem Hemd und herunterrutschender Hose.

Schließlich hatte ich alles verstaut.
Es war inzwischen Mittagszeit. Die Sonne gleißte und das Thermometer zeigte 34 Grad Celsius im Auto an.
Ich machte noch im Schreibwarenladen halt und kaufte mir mehrere dicke Farbstifte.

„Viel Spaß beim Basteln“, sagte der Verkäufer.
‚Ja hatte der nicht alle an der Latte?‘, fragte ich mich.
Sah der etwa nicht, dass ich schwer am Schreibtisch schuftete und ich nur eine kleine Pause eingelegt hatte, um für Nachschub zu sorgen?

Ich musste mich damit abfinden, dass er mich wohl überhaupt nicht so sah. Aufklären wollte ich ihn auch nicht, zumal ich mich ja heute offensichtlich vor dem ‚Schuften‘ drückte.

Ich kaufte an einem Stand noch ein halbes Hähnchen in sengender Sonne, fuhr nach Hause, duschte mich und knallte mich vor den Fernseher, um auf ‚Netflix‘ beim Hähnchenschmaus einen Thriller zu sehen.

So einen Film, den Klara nicht mochte – auf der Jagd nach dem Auftragsmörder von der Drogenmafia.

Ich biß genussvoll in das Hähnchen, bedauerte die Elitepolizisten aus dem SWAT-Team, die im Film agierten, schossen, über Zäune sprangen und Karateverrenkungen machten.
Bald, ja da konnte ich da auch mit einsteigen.

Denn am Mittwoch geht es los. Erst fahre ich Klara um 05.00 Uhr nach Kreuzberg-Mitte zur Arbeit und dann tauche ich auf dem Rückweg in die Fitness im Prenzlauer Berg ein.

Danach würde der Tag beginnen. Hoffentlich war ich dann noch in der Lage, auf die Tastatur zu hauen. Aber ich würde schon auf mich aufpassen. Jaja, das würde ich tun.

Achtsamkeit höre ich immer von den verschmusten Work-Life-Balance-Coachen.

Und heute, ja heute, da wollte ich mich noch vorbereiten auf die Herausforderungen, nur mental, versteht sich.