Archiv der Kategorie: MEIN FREUND, DER ALLTAG

Kurzgeschichten

ICH BIN EIN SCHREIB-GESELLE

SCHREIB-ALLTAG – (12)

Schreiben kann man lernen, wenn man dranbleibt.

Schreiben ist vor allem eines: Handwerk. Das jedenfalls sagen diejenigen, die damit tagtäglich umgehen.

Klar, ohne Inspiration, ohne einen kreativen Einfall kannst du mit dem Handwerk auch nichts anfangen.
Selbst der Tischler muss eine Idee haben, welchen Stuhl oder Tisch er zimmern will.

Aber selbst bis zu diesem Punkt kannst du dich ‚durchackern‘, wenn dir rein gar nichts einfällt.

Ich schreibe jeden Morgen für 10 Minuten mit dem Bleistift auf dem Papier. Ich überlege dabei nicht, nein, ich schreibe, was mir in den ‚Stift hineinfällt‘.

Das bringt meine Gedankenwelt in Schwung und erst danach gehe ich an meine Tagesaufgaben.
Training ist wichtig: üben, schreiben, üben, lernen, das ist ein wiederkehrender Prozess.

Ist das die Garantie für Erfolg? Überhaupt nicht. Aber ich kann danach sagen, dass ich alles tue, eben in meinen Möglichkeiten alles gebe, um erfolgreich zu sein.

Ich war stets ein guter Redner. Doch reden ist etwas völlig anderes, als wenn ich das Gesagte aufs Papier bringen soll.
Beim Sprechen habe ich ein Gegenüber, ich kann sofort sehen, wie er auf meine Worte reagiert. Ich selbst kann mit Gesten, mit dem Tonfall meine Worte noch besser zur Geltung bringen.

Deshalb lerne ich stets aufs Neue, wie ich meine eigenen Gesten, die Mimik des Gesprächspartners in geschriebene Worte ummünzen kann.

Sicher, ich bin kein Schriftsteller, werde das auch nicht mehr, aber ich bin ein Schreibgeselle, der sein Handwerk ernst nimmt.
Ich übe weiter

ABSTINENZ VOM SPORT

50 KILO (23)

Eine Woche kein Laufband, keine Trizepsmaschine, kein Rückenstrecker... – das kann nicht gut sein.

Ich war über eine Woche nicht im Fitness-Studio. Klara war bei ihrer Mutter, schaute dort nach dem Rechten, und so brauchte ich sie nicht nach Mitte zur Arbeit zu bringen.

Ich merke jetzt, dass ich faul geworden bin, mehr gegessen habe, abends lange den Fernseher anhatte.

In dieser Woche habe ich zum ‚Pfad der Aufrechten‘ zurückgefunden.

Ich gehe wieder ins Fitness-Studio, esse abends weniger und fühle mich gleich besser.

Am Montag, also gestern, war ich wieder kurz vor 6 Uhr auf dem Laufband.

„Wie willst du das bloß heute durchhalten?“, habe ich bei mir gedacht, als ich anfangs so langsam  vor mir dahinschlurfte.

Doch dann wurde ich immer schneller und alles begann sich besser anzufühlen. Allerdings machte sich der Muskelkater ebenfalls nach anderthalb Wochen Nichtstun bemerkbar.

Aber heute, am Dienstag, ja da bin ich wieder drin, und meine gute Laune steigt.

50 KILO ABNEHMEN (22)

FITNESS-STUDIO – WIE JEDEN TAG EBEN

 

Mit dem Training anfangen, dafür musst du einiges an Willensstärke und Selbstmotivation aufbringen. 
Zwei Stunden weiter aber bist du zufrieden damit, dass du dich wirklich aufgerafft hast. Es macht dich auch stolz, ein bisschen jedenfalls.

Heute Morgen war ich kurz vor sechs Uhr im Fitness-Studio.
Eine Viertelstunde später habe ich mit dem Training begonnen – erst eine halbe Stunde Laufband, danach waren die einzelnen Geräte dran.

Zweieinhalb Stunden, so gegen halb neun war ich fertig – mit den einzelnen Trainingsstationen und physisch.

Als ich wieder aus der Tür des Studios rausging, da stiegen in mir Glücksgefühle hoch.

Das war mein Lohn für die Anstrengungen.

Morgen dreht sich das Rad von vorn – erst sich überwinden, sich umziehen, einfach beginnen, dann den Ablauf einhalten, sich auch quälen und schließlich mit einem zufriedenen und glücklichen Lächeln aus der Tür gehen.

ALLTÄGLICHES – (34)

EIN BÄCKERLADEN – DEN MAN GERN BESUCHT

Wie ein Gespräch mit dem Verkäufer vom Bäckerladen im Einkaufsmarkt in Basdorf nach dem Fitnesstraining gute Laune machen kann.

Freitag vor zwei Wochen
Ich war mit Klara nachmittags im großen Einkaufsmarkt von Basdorf. Klara kaufte dort das Brot, ein Heidebrot.

Und ein großes Stück Streuselkuchen. Am Wochenende genehmigten wir uns manchmal so ein Stück, obwohl ich eigentlich weiter an Gewicht verlieren wollte. Ich konnte noch so viel Sport treiben, ohne Reduzierung der Kalorien würde da nichts gehen.

„Bekommt Ihr Mann denn auch etwas von dem Kuchen ab?“, fragte der Verkäufer meine Frau.

„Ach, der isst doch am meisten davon“, antwortete sie prompt.
Ich schämte mich ein wenig. Sie hatte ja recht, aber musste sie das jetzt so sagen, wo ich doch um jedes Gramm weniger kämpfte.

„Dafür fahre ich aber auch jeden Morgen ab 5 Uhr ins Fitness-Studio nach Berlin rein“, verteidigte ich mich.
Der Verkäufer schaute mich prüfend an, ja er taxierte mich geradezu.

Sein Gesichtsausdruck sagte mir: „Ja, mein kleiner Dicker, du bist ganz bestimmt nicht jeden Tag im Fitness-Studio und schon gar nicht so früh – eh‘ du Fitness treibst, motiviere ich vorher eine Kuh zum Seilspringen“

Wir unterhielten uns noch ein wenig und ich erklärte ihm, dass meine Frau sehr früh in ihrer Behörde anfing zu arbeiten und dass wir deshalb das eine mit dem anderen verbanden.

Freitag vor einer Woche
Das Gespräch mit dem Verkäufer eine Woche zuvor ging mir nicht aus dem Kopf.
Klara riss mich jedoch aus meinen Gedanken:

„Holst du heute ein Brot aus dem Einkaufsmarkt, wenn du vom Sport kommst?“
„Na klar“, sagte ich. Vielleicht war ja der Verkäufer vom vergangenen Freitag da, denn dann würde ich ihn noch einmal ansprechen.

Ich rollte aus der Tiefgarage des Fitness-Centers in Mitte, war gut gelaunt wollte nun Klaras Auftrag abarbeiten.
Ich kam zügig voran, war schnell wieder in Basdorf und
stoppte am Einkaufsmarkt. Ich schnappte mir meine Tasche und steuerte zielstrebig auf den Bäcker im vorderen Teil des Gebäudes zu.

Tatsächlich: Der Verkäufer stand wieder hinter der Theke und bediente eine Kundin.

„Was darf’s denn für Sie sein?“, fragte er freundlich die Dame vor mir.
Überhaupt waren alle Mitarbeiter der Bäckerei freundlich, selbst wenn es am Freitagnachmittag voll und damit stressig wurde.

Solange ich wartete, überlegte ich, was ich alles kaufen wollte.
Das Brot schmeckte und der Kuchen auch. Der Streuselkuchen schmeckte sogar so gut, dass ich mit mir kämpfte, was ich tun sollte.

Ich wollte abnehmen und da passte der Kuchen nun gar nicht ins Konzept. Außerdem hatte ich bereits am vergangenen Freitag ‚gesündigt‘.

„Soll ich ein Stück Kuchen vom Bäcker mitbringen, wenn ich das Brot hole?“, hatte ich noch früh auf der Fahrt ins Fitness-Center gefragt.

„Das überlasse ich ganz dir“, antwortete sie.
Jetzt war der schwarze Peter bei mir. Ich konnte also nicht sagen, dass ich eigentlich keinen Kuchen mehr essen wollte, wenn alles aufgegessen war.

„Und was möchten Sie?“, holte der Verkäufer mich aus meinen Gedanken zurück an die Verkaufstheke.
„Ein Brot bitte.“
„Geschnitten?“
„Nein, danke.“
„Sonst noch etwas?“

Ich zögerte.
Doch dann sagte ich den Satz: „Ein Stück Streuselkuchen bitte“.
„Kann es gleich der hier oben sein?“, fragte der Verkäufer zurück.
„Ja, gern“, antwortete ich.

„Erinnern Sie sich eigentlich an unser Gespräch vom letzten Freitag in der vergangenen Woche?“, fragte ich ihn.

Der Verkäufer stutzte, doch dann sagte er: „Ja, Sie sind doch der, der immer um 5 Uhr früh ins Fitness-Center nach Berlin fährt.“
Donnerwetter, dass er sich das gemerkt hatte, dachte ich bei mir.

„Sie haben bestimmt gedacht: Der Dicke hier, kann mir viel erzählen, von wegen Sport, fit und schlank werden, oder?“, sagte ich.
„Um Himmelswillen nein, das habe ich nicht gedacht, sondern nur gestutzt, dass Sie so früh dort reinfahren“, antwortete er.

Ja, das war natürlich schwer zu vermitteln.
Was sollte ich dazu sagen? Dass ich Klara bis ins Zeitungsviertel hineinfuhr, dann wendete und auf das Fitness-Center zurückfuhr? Klara war froh, dass sie morgens nicht in die S-Bahn musste.

Oder dass ich ja auch noch am Tag arbeiten wollte und ich meistens keinen Sport mehr machte, wenn ich mich erst einmal am Schreibtisch festgebissen hatte?

„Ich mach‘ auch viel Sport und achte ebenfalls auf meine Ernährung. Ich habe in den letzten Wochen ein paar Kilo abgenommen, und ich werde wieder mit dem Sport anfangen“, sagte er zu mir.

Hinter mir stand eine Kundin, die schon ungeduldig wurde.
Eine angenehme Unterhaltung, dachte ich und freundliche Leute in dem Team, ja das waren sie.

„Aber wenn Sie morgens vom Sport kommen, dann können Sie doch hier eine Tasse Kaffee trinken“, meinte der Verkäufer noch. Ich überlegte, ob ich das sofort tun sollte, aber ich hatte beide Hände voll und wollte die Sachen nicht mehr ablegen.

„Das mache ich bestimmt mal“, antwortete ich und wandte mich endgültig zum Ausgang.

Bald ist wieder Freitag und Klara hat mich schon gefragt, ob ich ein Brot mitbringen würde, wenn ich aus der Stadt zurückkäme.
„Mach‘ ich“, gab ich zurück.
Ich freu‘ mich drauf.

50 KIL0 ABNEHMEN (21)

WIEDER MAL DIE EIGENEN REGELN GEBROCHEN

Die neue Woche läuft bereits, Montag ist schon vorbei und der Alltag hat mich wieder voll im Griff.

Und trotzdem: Ich hadere noch mit mir, dass ich mich am Wochenende nicht an das gehalten habe, was ich mir selbst an Regeln auferlegt habe.

Samstagabend gab es Wein, Sonntagnachmittag Kuchen – alles Dickmacher. Bereue ich, es getan zu haben?

Ja, weil ich dadurch wieder ein bisschen zugenommen habe.

Und nein, weil ich in dieser Woche wieder alles richtig machen kann und machen werde.

ANNA IST DEMENT (52)

VOM FLUCH DES VERGESSENS

Krümel ist krank und damit muss auch ihre Mama zuhause bleiben. Bisher war Krümel aufgrund ihres Fiebers noch nicht bereit, längere Gespräche oder gar Telefonate zu führen.

„Na, willst du denn mal den Opa am Telefon sprechen“, wurden von ihr kurz und knapp mit „ne“ beantwortet.
Jetzt geht es ihr wieder besser und nun reagiert und agiert sie auch wieder munterer.

„Wollen wir denn mal Uroma Anna anrufen?“, fragte Laura gestern.
„Ja“, sagte Krümel. Laura wählte die Telefonnummer und am anderen erklang die Stimme von Anna.

Dann war es eine Weile am Telefon still. Krümel hatte den Hörer in der Hand, aber sie sprach nicht. Wir kennen das schon, wenn wir mit ihr telefonieren. Ich singe dann einfach „la, la, la“, und Krümel stimmt ein.

Aber hier war es nun anders, Anna wartete darauf, dass sich jemand meldete, und Krümel dachte gar nicht daran auch nur ein Wort zu sagen.

„Ja, wer ist denn da?“, klang es nun schon ärgerlicher. Anna hatte keine Geduld. Sie hatte auf der Couch gelegen und ‚übergeschlafen‘, wie sie sagte.

Und das morgens um 09.00 Uhr. Aber Anna hatte überhaupt in den Vormittagsstunden Schwierigkeiten, sich zu aktivieren und ließ es schon gar nicht zu, wenn andere sie zu etwas überreden wollten.

„Oma ‚Kanna‘?“, fragte Krümel plötzlich. Sie konnte noch nicht Anna sagen.

„Ach du bist es, mein ‚Süssing‘, jetzt erkenne ich dich ja“, sagte Anna nun schon fast fröhlich.

„Wir ‚pielen‘“, sagte Krümel durch das Telefon und meinte, dass ihre Mama und sie am Tisch saßen und Blauklötze stapelten.

„Was macht ihr?“, fragte Anna.
„‘pielen‘“, meinte Krümel erneut.

„Ach weißt du Oma, Krümel ist krank, wir sind gerade zuhause und da dachten wir, dass wir dich mal anrufen“, mischte sich jetzt Laura ein.

„Das verstehe ich nicht“, sagte Anna.
„Was verstehst du nicht?“, hakte Anna nach. Und sie ergänzte: „Oma, Krümel ist krank und ich bin deshalb auch krankgeschrieben.“
„Wer ist Krümel?“, fragte Anna daraufhin.

ALLTÄGLICHES – (33)

MEIN ALBTRAUM HEUTE NACHT

Manchmal denke ich, dass ich noch einen weiteren kleinen Nebenjob beginnen sollte.
„Schieb‘ doch Krankenbetten im Krankenhaus hin -und her“, sagte Klara zu mir.

„Oh, das ist eine gute Idee, denn das habe ich beobachten können, als ich selbst im Krankenhaus lag“, antwortete ich begeistert.
Ich wurde von einem Hilfspfleger aus dem Krankenzimmer zum Operationssaal geschoben und nach der Operation wieder abgeholt.

Ich fand das toll. Man war bei dieser Tätigkeit in Bewegung und konnte ein wenig mit den Patienten plaudern.
„Aber warte, bis ich auch in Rente bin, dann komme ich mit“, sagte Klara noch.

„Warum?“, fragte ich sie.
„Weil du mit deinem Orientierungssinn sonst wo mit dem Bett landest, nur nicht dort, wo der Patient laut Anordnung hingefahren werden soll.“

Ich antwortete darauf nicht und schwieg lieber beleidigt.
Nachts träumte ich trotzdem von meiner vermeintlichen neuen Tätigkeit. Ich hatte die Arbeitskleidung eines Pflegers an und schob emsig Krankenbetten die Flure entlang.

Im Traum klingelte ständig mein Handy. Ich sollte mich beeilen, denn der OP wartete auf den Patienten.
„Wo muss ich entlang? Ich glaube, ich habe hier falsche Angaben bekommen“, sagte ich zu dem Anrufer.

„Rollen Sie das Bett immer den Gang entlang, bis ganz zum Ende des Flurs und dann kommen sie an eine Glastür. Die öffnen sie und fahren hindurch. Dann sind Sie da“, sagte die Stimme am Telefon.
Ich tat das, was der Anrufer mir gesagt hatte.

Ich war an der Glastür angekommen und drückte auf den Schalter an der rechten Seite. Die Tür öffnete sich.

„So jetzt haben wir es gleich geschafft“, sagte ich zu dem Patienten, der im Bett lag und alles ohne Worte ertragen hatte.
Als es plötzlich still wurde, keine Menschen auf dem Flur zu sehen waren, da wurde er laut.

„Um Gottes Willen, wo haben Sie mich nur hingefahren?“
„Kein Grund zur Beunruhigung“, entgegnete ich und suchte nach dem Eingang zum Operationssaal. Endlich entdeckte ich eine Schiebetür. Ich öffnete sie und im Raum waren zwei OP-Tische.
Auf dem einen Tisch schien bereits ein Patient zu liegen. Er war mit einem Tuch völlig abgedeckt.

„So, hier sind wir richtig“, sagte ich zum Patienten und half ihm dabei, aus dem Bett zu klettern und sich auf den kalten Tisch zu legen.
„Der Arzt kommt gleich“, sagte ich noch und begab mich aus dem Raum, um den nächsten Patienten abzuholen.
Als ich ein paar Meter gegangen war, hörte ich einen gellenden Schrei in meinem Rücken.

Ich lief zurück und sah meinen Patienten am ganzen Körper zitternd vor dem anderen OP-Tisch stehen. Er hatte das Tuch von dem anderen Patienten weggezogen. Der lag bewegungslos da und plötzlich schoss es mir wie ein Geistesblitz durch den Kopf. Ich war in der Pathologie gelandet und nicht im OP-Saal.

„Ist dir nicht gut?“, fragte mich meine Frau, die mich geweckt hatte.
„Warum?“
„Na, weil du entsetzlich aufgeschrien hast.“
„Nö, es ist nichts“, sagte ich kurz und drehte mich wieder auf die andere Seite.

Am nächsten Morgen sagte ich zu ihr:
„Du, das mit dem Nebenjob, das lass‘ ich erst einmal. Ich habe doch noch so viel mit der Schreiberei zu tun.“
Klara nickte und schmunzelte.

ALLTÄGLICHES – (32)

„…in Ruuuhe..“ – Teil (3)
Krümel hat Fieber und soll auf jeden Fall ihren Mittagsschlaf machen.

„Komm‘, wir gehen in dein Zimmer, suchen uns den Schlafanzug heraus und danach darfst du mal ausnahmsweise im Wohnzimmer Mittagsschlaf machen.“

Krümel nickte und fing sofort an in Richtung ihres Zimmers zu laufen. Als ich hereinkam, da hatte sie sich bereits auf ihr Bett geschmissen und den rosaroten Schlafanzug hervorgeholt. Ich war erleichtert, dass Krümel aktiv mitmachte. Sie zog von allein ihre Hosen aus und ich knöpfte in der Zwischenzeit den Schlafanzug auf.

„Wo ist hier eigentlich oben und unten Krümel?“, fragte ich sie.
„Mein Schlafanzug“, antwortete sie stattdessen.

„Und das soll auf jeden Fall so bleiben, denn Opa will zwar wieder ‚Modelmaße‘ durch sein Training bekommen, aber hier hinein, das werde ich wohl nicht schaffen“, sagte ich zu ihr.

Inzwischen versuchte ich, ihre Arme in den Schlafanzug zu zwängen.
„Arme, Opa“, sagte Krümel.

„Ja klar Arme“, sagte ich zu ihr und sah nun, dass ich versuchte ihre Arme da hineinzubekommen, wo ihre Füße reinsollten. Also alles noch einmal zurück. Ich drehte den Schlafanzug um, bugsierte ihre Hände Richtung Ärmel und hatte es endlich geschafft.

Jetzt musste ich nur noch die Druckknöpfe zubekommen. Als ich das geschafft hatte sah ich, dass die Knöpfe falsch zugeknöpft waren.

„Würde Monk so etwas hinnehmen?“, fragte ich mich im Stillen.
Ich liebte die Fernsehserie aus den USA. Nicht nur, weil die Figur so genial Kriminalfälle aufklärte, sondern weil sie fanatisch auf Ordnung bedacht war.

Obwohl Monk eigentlich in einer Serie ein Rennen beobachten wollte, kam ihm ein älterer Herr vor das Fernglas, dessen Jacke falsch zugeknöpft war. Monk drängte den älteren Herrn so lange, bis der entnervt seine Jacke aufknöpfte und wieder ordentlich zumachte. Daran musste ich nun denken. Also wieder alles bei Krümel aufknöpfen und von vorn beginnen. Krümel hatte kein Verständnis dafür und fing an zu weinen.

„Wir sind ja gleich fertig“, versuchte ich beruhigend auf sie einzuwirken, obwohl ‚gleich‘ in diesem Fall eher relativ gemeint war. Laura hätte in der Zeit sicherlich Krümel den Schlafanzug fünfmal ausgezogen, wieder angezogen und zugeknöpft. Aber ich war untrainiert. Überhaupt musste ich mich daran gewöhnen, dass der Anzug schräg zugeknöpft wurde.

Allein das war für mich schon eine Herausforderung. Ich war eben mehr für die geraden Sachen.
Mit dem Rest an Krümels Geduld war es nun endgültig vorbei. Sie schrie ihren Unmut laut hinaus. Ich fühlte mit der Hand an ihrer Stirn. Sie war heiß, als hätte sie eine Stunde in der glühenden Sonne gelegen.

Ich hob sie hoch, sie legte ihre Ärmchen um meinen Hals und ich trug sie ins Wohnzimmer, legte sie auf die Couch und versuchte sie zu beruhigen. Dann fiel mir ein, dass wir den Nuckel im Schlafzimmer vergessen hatten. Ich eilte über den Flur, griff im Vorbeigehen noch die Micky Maus und kam mit beiden Utensilien zurück.

Ich steckte Krümel den Nuckel in den Mund und drückte ihr die Stoffpuppe in die Hand. Sie legte die Puppe auf ihr Gesicht. Sie machte die Augen zu und schlief sofort ein.

Ich schaute sie erleichtert an. Zugegeben, ich war fertig, mit ‚Jack‘ und ‚Büx‘, aber ich war auch glücklich, als ich Krümel so friedlich schlafen sah.

„Werde wieder gesund“, sagte ich leise, legte mich auf die gegenüberliegende Seite der Couch und schlief ebenfalls sofort ein. Ohne Nuckel und Stoffpuppe.

Als wir aufwachten, stand Laura in der Tür.
Der Nuckel flog aus Krümels Mund, sie stürmte auf ihre Mutter zu. Laura nahm sie hoch und Krümel sah zufrieden aus, sehr zufrieden.

Da hast du als Opa keine Chance, und wenn du eine Rolle rückwärts machst und dabei ‚…kommt ein Vogel geflogen‘ zwitscherst.

ALLTÄGLICHES – (31)

„…in Ruuuhe..“ – Teil (2)


„Was willst du denn essen?“, fragte ich Krümel, nachdem sie den Kartoffelbrei mit Möhren abgelehnt hatte.
„Butter“, sagte Krümel. Für sie war alles Butter, ob ein Brot mit Butter, mit Käse oder auch Wurst drauf.

Also nahm ich ein Knusperbrot und beschmierte es mit Butter. Ich ging in das Wohnzimmer, setzte mich neben Krümel und reichte es ihr. Krümel biss einmal ab und gab es mir zurück. Sie würgte an dem einen Bissen und ich verdrückte neben ihr den Rest, den größten Teil des verbliebenen Knusperbrotes.

Dabei saßen wir nebeneinander und schauten einen Kinderfilm, in dem es um ein gestohlenes Passwort für ein wichtiges Computergeheimnis ging. Ob es Laura gutheißen würde, dass wir nicht in der Küche saßen, am Tisch, nebeneinander, so wie es sich gehörte? Egal. Krümel war krank und da sollte eine Ablenkung nur recht sein.

Wir schauten, und wir waren im Film drin, krochen nahezu gebannt fast in den Bildschirm hinein. Würde die Polizei den Dieb rechtzeitig fassen, um ein Unglück zu verhindern?

Krümel stand vom Sofa auf und ging direkt vor den Fernseher.
„Krümel nein, komm‘ wieder hierher zurück!“
„Ne“, sagte Krümel.
„Ne“ sagen, das hatte sie schnell gelernt, schneller, als auf das zu hören, was ich ihr in dem Moment sagte.
„Krümel, bitte“ wiederholte ich meine Aufforderung.
„In Ruuuuhe…!“, antwortete Krümel nun trotzig. Da war sie wieder die Ablehnung für etwas, was sie nicht tun wollte.

Ich musste etwas unternehmen, damit sie nicht länger vor dem Fernseher stand.
Ich drückte auf die Fernbedienung, der Bildschirm wurde dunkel und Krümel fing an zu weinen.

„Komm‘, Opa zieht dir den Schlafanzug an und dann schläfst du schön, damit wieder ganz gesund wirst“, sagte ich mit möglichst einschmeichelnder Stimme.

Jetzt ging Krümels Sirene so richtig an. Sie weinte noch stärker. Es war schon eher ein Plärren. Was sollte ich nur tun?

„Was willst du denn?“, fragte ich sie erneut.
„In Ruuuhe“, schleuderte sie mir entgegen.
Was sollte ich nur tun? Laura anrufen? Die wäre nur noch beunruhigter.

„Oh, oh“, sagte ich mit möglichster tiefer Stimme und hob meinen Zeigefinger.
Krümel lief weinend aus dem Wohnzimmer, über den Flur und warf sich im Kinderzimmer auf den Boden.
Ich saß ratlos daneben.

„Möchtest du einen Nuckel haben?“
„Ja“, antwortete sie sofort.
„Aber ich weiß nicht, wo der Nuckel ist.“
Krümel schaute mich sehr prüfend an, bereit, erneut in den passiven Widerstand zu gehen.

„Ruf mal nach dem Nuckel“, sagte ich zu ihr.
Und schon rief Krümel aus voller Kehle: „Nuckel, wo bist du?“ Donnerwetter, mit einem Mal konnte sie einen ganzen Satz bilden.
Ich zog den Nuckel aus der Hosentasche.

„Hier ist der Nuckel, er hat dich gehört.“
Krümel nickte und steckte ihn sofort in den Mund.
Gut, dass Laura dies alles nicht sah. Aber schließlich waren wir im Notstand, Krümel hatte hohes Fieber. Da musste ich Zugeständnisse machen.

„Willst du im Wohnzimmer bei mir auf der Couch liegen?“, fragte ich weiter.

„Ja“, sagte sie kurz und schmerzlos.
‚Na bitte, geht doch‘, dachte ich bei mir und hörte schon, wie Laura alle diese Regelverstöße auf eine Tafel mit quietschender Kreide schrieb. Aber das war nur so ein Tagtraum.
Jetzt kam die nächste Hürde. Ich musste Krümel den Schlafanzug als tolles Kostüm verkaufen.

ALLTÄGLICHES – (30)

„…in Ruuuhe“… – (Teil 1)

Kinder zeigen ihr ehrliches Gesicht, sie verbergen ihren Unmut, ihren Ärger nicht hinter einem freundlicheren oder undurchsichtigeren Ausdruck. Das ist toll. Aber wenn sie das sagen oder wenigstens in der Mimik ausdrücken, was sie denken und fühlen in dem Moment, dann ist es uns Erwachsenen manchmal auch nicht recht. Krümel sagt in Momenten, in denen sie etwas nicht möchte, zum Beispiel etwas nicht essen: „Lass mich in Ruhe, oder einfacher, weil sie es mit ihren zwei Jahren und drei Monaten noch nicht sagen kann „…in Ruhe“. Dabei zieht sie das ‚u‘ energisch auseinander und es kommt „…in Ruuuhe“ heraus. So auch mehrfach, als ich Krümel für zwei Tage betreute, weil sie Fieber hatte.

Seitdem ich in Rente bin, arbeite ich noch intensiver an meinen Projekten. So sehe ich das. Aber sehen das meine Freunde und Bekannten auch so? Nein, sie meinen eher das Gegenteil. „Na, warst Du schon mal im Historischen Museum?“, fragte mich jüngst ein Freund.

„Keine Zeit!“, antwortete ich knapp und erntete daraufhin einen verständnislosen Blick.

Es gibt eine Ausnahme, und zwar dann, wenn meine Tochter einen Hilferuf absetzt und ich auf Krümel aufpassen soll.
Dann schiebe ich alles beiseite, mach‘ den Computer aus und eile zu Krümel und Laura nach Hause, um zu helfen.
Das habe ich ja auch Klara versprochen, damit ich weiter an meinen Buchprojekten arbeiten kann, dafür aber Fahrdienste und Serviceleistungen jeglicher Art für die Familie auf mich nehme.

Erst kürzlich klingelte das Telefon, als ich gerade vom Fitness-Center zurück war und mich auf eine zweite Tasse Kaffee freute, bevor ich dann an den Schreibtisch wollte.

„Krümel hat fast 40 Grad Fieber, sie ist am ganzen Körper heiss, kannst du auf sie aufpassen?“, fragte Laura mich.
„Klar, kann ich“, antwortete ich, ohne zu zögern.
„Wo ist sie denn jetzt?“, fragte ich weiter.
„In der Kita, hier bei mir“, sagte Laura.
„Gut, ich komme, so schnell ich kann.“

Ich duschte mich kurz, verzichtete auf den Kaffee, stieg ins Auto und eilte in die Kita.
Krümel schaute mich mit einem erstaunten Blick an.
„Opa“, sagte sie leiser als sonst.

Ich bekam von Laura noch ein paar Instruktionen und schon war ich mit Krümel auf dem Weg in ihre Wohnung.
Sie lag still im Kinderwagen. Es war ungewöhnlich. Sonst sangen wir auf dem Rückweg solche Lieder wie „…kommt ein Vogel geflogen…“. Ich singe vor und Krümel wiederholt ein Wort aus der Liedzeile, „…auf mein ‚Fuuuuß‘“, zum Beispiel.
Dann geht es mit „la la“ munter weiter, bis wir nicht mehr können. Und meist kann ich zuerst nicht mehr.

Jetzt aber hörte man von Krümel gar nichts.
Endlich, wir waren Zuhause angekommen. Ich zog ihr schnell die Wintersachen aus und Krümel lief ins Wohnzimmer.
„Willst du einen Trickfilm sehen?“, fragte ich sie.
„Ja‘, sagte sie leise. Ich wusste nicht, ob es Laura recht war, aber ich wollte Krümel erst mal beschäftigen.

Ich ging in die Küche. Dort hatte Laura schon das Mittagessen vorbereitet. Im Mixer waren Kartoffeln und Möhren. Ich sollte noch ein bisschen Butter dazutun, ein wenig Salz und dann das Ganze verrühren.

Als alles fertig war, rief ich Krümel und füllte ihr einen kleinen Klecks davon auf den Teller.
Es war ulkig. Ich konnte diesen Brei nicht sehen und nicht riechen, obwohl alles frisch war.
„Krümel, komm‘ essen“, rief ich erneut und Krümel schlurfte den Flur entlang.

Als sie auf dem Stuhl saß und ich den Brei vor mir hatte, musste ich würgen und aufpassen, dass ich mich nicht übergab.
Krümel schaute mich aufmerksam an.

„’Leecker‘!“, rief ich. „Willst du einen Löffel haben?“, fragte ich danach schnell. Krümel sah auf den Löffel, dann auf mein Gesicht. Ich verzog es immer noch und würgte ein wenig.

Krümel hatte sich entschieden. „Nee!“, sagte sie entschieden und rutschte vom Stuhl.

„Probier‘ doch mal, Opa hat auch schon davon genascht“, sagte ich so salbungsvoll wie möglich.

Krümel hatte mich durchschaut, „in Ruuuhe…“, rief sie beim Rauslaufen aus der Küche. Ich konnte ihr nichts vormachen, aber was sollte ich ihr nun zu essen geben?
Ich musste mir was einfallen lassen.

ICH – ALS ICH – ERZÄHLER

ALLTÄGLICHES (29)

Über die subjektive Erzählperspektive des Ich-Erzählers

Will man Näheres zu diesem Thema erfahren, so sind die Ausführungen von James N. Frey in seinem Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ eine gute Informationsquelle, für mich auf alle Fälle (vgl. James N. Frey:  „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, Emons Verlag GmbH,  ISBN 978-3-89705-32-1,              S. 124 ff).

Ich habe bisher fast ausschließlich aus der Erzählperspektive des Ich-Erzählers geschrieben. Das bringt dir Sicherheit, wenn du kein erfahrener Romanautor bist, denn du bewegst dich auf einem Terrain, dass du kennst.

So scheint es zunächst. Auf jeden Fall schreibst du ja so, wie du den Alltag erlebst und aus deinem Blickwinkel siehst. Du bist faktisch in jeder Situation der Augenzeuge.

Das heißt aber auch, dass du praktisch alles wissen musst, über das du schreibst. Du kannst nicht über eine Gegend schreiben, in der du noch nie gewesen bist.

Außerdem: Wie kriegst du es hin, andere Figuren in deiner Erzählung authentisch darzustellen?  Du kannst ja nur beschreiben, wie die Figur spricht, wie sie sich gibt und was sie tut. Das ist schon nicht ganz einfach.

Und hier sehe ich auch die Grenzen dafür, eine Geschichte nur aus dem Blickwinkel des Ich-Erzählers zu schreiben.

Hinzukommt, dass es für den Leser langweilig werden kann, wenn du nur aus dieser Perspektive heraus eine Geschichte schreibst.

Ich habe auf meinem Blog bisher fast ausschließlich Geschichten aus der Ich-Perspektive erzählt. Bisher jedenfalls. Ich hoffe, ich habe damit keinen gelangweilt. Sicher bin ich mir allerdings nicht.

Deshalb suche ich mal weiter und beschäftige mich im nächsten Text mit dem sogenannten auktorialen Erzähler, (vgl. ebenda, S. 126 ff.), und prüfe, was ich daraus für mich mitnehmen kann.

WIE WEITER MIT ‚UWE MUELLER ERZAEHLT‘?

ALLTÄGLICHES (25)

Warum ich stärker aus der Perspektive des Geschichtenschreibers über den Alltag erzählen will

Freitag. Im neuen Jahr ist nun schon der 10. Tag angebrochen. Ich habe den Eindruck, als würden einem die Tage einfach so durch die Finger rieseln.

Im letzten Beitrag habe ich geschrieben, dass ich so weitermache, wie ich in 2019 aufgehört habe und mir keine prinzipiell neuen Ziele setze.

Vielmehr werde ich mit Energie an den bereits laufenden Vorhaben arbeiten.
Daran hat sich nichts geändert.

Nur: Ich muss ich unbedingt ‚eine Kohle zulegen‘.
Ich arbeite mit Hochdruck an meinem ersten Buchprojekt ‚Gespräche mit einer Prima Ballerina‘, das Ende Januar als E-Book bei Amazon erscheinen soll.

Da gibt es genügend zu tun.
Und trotzdem will ich den Beginn des neuen Jahres auch dafür nutzen, um zu überlegen, in welche Richtung ich weitererzählen will.

‚Uwe Mueller erzählt‘ – dieser Titel für meinen Blog ist ja bewusst von mir gewählt worden. Ich wollte keinen ‚Schnickschnack‘ drum herum machen, sondern sagen und schreiben, dass ich erzählen möchte.

Und zwar über den Alltag, über Menschen im Alltag und deren Geschichten, über meine eigenen täglichen Eindrücke auf der Straße, im Fitness-Studio, im Urlaub.

Der Reichtum und die Vielfalt der Erlebnisse sind hier unendlich.
Mitunter frage ich mich, warum ich diesen doch recht steinigen Weg gewählt habe.

Warum schreibe ich zum Beispiel nicht explizit zu politischen Ereignissen, analysiere sie als Politikwissenschaftler?
Habe ich dazu keine Lust mehr? Das kann man so nicht sagen. Aber ich denke, dass ich inzwischen von einer anderen Perspektive aus erzählen will.

Ich möchte näher an die Gefühle der Menschen ran, an ihre wahren Motive, die hinter ihren Taten oder ihrem Nichtstun stehen.
Zu Weihnachten schenkte mir meine Frau die Autobiografie von Gregor Gysi. Beim Durchblättern fiel mir ein Foto auf, das genau am 04. November 1989 während der großen Demonstration auf dem Alex gemacht wurde.

Ich bin darauf ebenfalls zu sehen.
Ich stand ziemlich weit vorn, fast unmittelbar vor der Rednertribüne. Das alles mag schon interessant klingen.

Viel interessanter für mich ist allerdings heute, mit welchen Gefühlen ich dort damals stand, was ich gedacht habe, als ich die mit viel Liebe und Humor gefertigten Plakate auf dieser ersten freien Demonstration in der damaligen DDR sah.

Das kann ich natürlich alles beschreiben, aber ob ich damit jemanden erreiche, das bezweifle ich.

Eine Figur allerdings, die ich in eine Geschichte in dieser Zeit einführe, die in ihren Handlungen zeigt, wie sie dachte, fühlte, Hoffnungen und Ängste hatte – die kann den Leser mehr berühren, kann authentisch sein, die Situation von damals besser skizzieren.

Das meine ich jedenfalls.
Also werde ich den Weg des belletristischen Schreibens weitergehen.

Ob ich beim Erzählen dabei bei der ‚Ich-Perspektive‘ bleibe, das weiß ich noch nicht. Ich muss mich da erst heranarbeiten. Mehr dazu in ‚Alltägliches – 26‘.

ZWISCHENDURCH ERZÄHLT

Montagfrüh. 06.10 Uhr.

Ich bin im Fitness-Center angekommen, habe mich umgezogen und stehe bereits auf dem Laufband.

Ich kann nicht glauben, dass das Wochenende schon wieder Geschichte ist.

Ich beginne mit dem Laufen schwerfällig und lustlos.
Anderthalb Stunden später: Ich bin im Fluss, kämpfe mich von Gerät zu Gerät.

Die Motivation ist gestiegen, die Laune auch. Jetzt Bauchpresse. Und es gibt viel zu pressen. Was soll’s, ich mach‘ einfach weiter.

ICH MACH‘ SO WEITER-WIE ICH AUFGEHÖRT HABE

ALLTÄGLICHES (24)

Einfach so weitermachen heißt aber nicht, dass nichts Neues entsteht, im Gegenteil.

Das neue Jahr ist sechs Tage alt.
Normalerweise ist das noch die Zeit, in der man alles unternimmt, um die eigenen Ziele im noch jungen Jahr mit Schwung in die Tat umzusetzen.

Ich mach‘ da keine Ausnahme.
Und trotzdem ist es diesmal anders.
Ich habe mir erst gar nichts vorgenommen.
Nichts Neues jedenfalls. Ich will da weitermachen, wo ich im vergangenen Jahr aufgehört habe.

Ich will abnehmen, weiter an Gewicht verlieren.
Das war in 2019 mit Rückschlägen verbunden, und es ging nicht so schnell voran, wie ich es vorhatte.

Doch ich habe nicht aufgehört, sondern bin trotz der Rückschläge den Weg einfach weitergegangen.
Das will ich auch dieses Jahr tun.

Weitergehen, nicht stehenbleiben, nicht umdrehen.
Das ist besser, als euphorisch nach Neujahr zu beginnen und dann aufzuhören, weil man doch nicht so vorankommt, wie man es wollte.
Und ich will mit dem Schreiben weitermachen.

Ich habe dabei gemerkt, dass es besser ist, wenn ich mich darauf konzentriere, nur eine Sache zu machen.
Ich hätte nie gedacht, dass es einmal der Alltag sein würde, wo ich die meisten Einfälle hätte.

Es sind sogar keine Einfälle nötig, denn die Geschichten fallen mir ja geradezu in den Schoss.
Allein wenn ich ins Fitness-Studio laufe, mich umziehe treffe ich auf Menschen, die sich unterschiedlich verhalten. Der eine grüßt dich, nimmt seine Sachen beiseite, damit du auch ein wenig Platz hast.

Ein anderer kommt, schmeißt seine Tasche auf die Bank, holt seine Schuhe heraus, laviert sie auch noch auf die Bank, schiebt deine Sachen beiseite, damit er sein Handy und seine designte Wasserflasche platzieren kann.

Und schon beginnen in meinem Kopf die Gedankenräder zu rattern.
Was ist der Eine für ein Mensch, der höflich grüßt, bescheiden ist und Rücksicht nimmt? Was wird er wohl beruflich machen? Studieren oder in einer Unternehmensberatung arbeiten?

Und der Zweite?
Ist er es gewohnt, dass ihm andere Platz machen? Wohnt er noch bei seinen Eltern und seine Mutter räumt ihm die Sachen nach? Hat er einen Beruf oder sein Studium abgebrochen?
Wie könnte ich diese beiden in einer Alltagsgeschichte unterbringen?

Da ist ein wenig Fiktion, Phantasie dabei. Du kannst sagen dazu, was du willst. Die Hauptsache bleibt – du schreibst über das, was du im Alltag erlebst, siehst.

Über den Faden nämlich, der zufällig auf dem Fußboden, den du aufhebst, um ihn ‚weiterzuspinnen‘.

Wie ich das im Detail tue, darüber denke ich viel nach.
Also gilt für mich in allen Bereichen: dranbleiben und nicht Neues erfinden, weitermachen. Und das kostet genügend Energie.

TSCHÜSS TANNENBAUM

‚Du musst dich mehr bewegen, nach den üppigen Feiertagen‘, sagte mir Klara am Telefon.

„Ich war im Fitness-Center“, gab ich zurück.
Das stimmte im Prinzip auch, allerdings hatte ich gestern etwas vergessen und musste zurückfahren, ohne Training.

„Dann kannst du ja wenigstens mal schon anfangen, den Tannenbaum abzurüsten“, sagte Klara nun.

Als hätte ich nichts zu tun und würde mich langweilen.
Das E-Book ‚Gespräche mit einer Prima Ballerina‘ muss im Januar fertig werden, neue Blog-Texte sind zu schreiben. Naja und der Korb mit den unerledigten Schriftstücken quillt nach den Feiertagen auch über.

Trotzdem: Ich wollte Klara eine Freude machen und begann, den Baum von seinem Schmuck zu befreien.

Ich ging systematisch vor. Zuerst die Kugeln, dann die Lichter und schließlich der Kleinkram, Weihnachtsketten und so was.
Das alles dauerte über eine Stunde.

Schließlich war ich soweit, ich konnte den Weihnachtsbaum aus dem Ständer herausheben.

Denkste, denn der saß so fest, dass ich es nicht schaffte.
Ich beschloss, den Baum samt Ständer nach draußen auf die Terrasse zu heben.

Dazu musste ich ihn ein wenig schräg halten, damit ich durch die Tür kam. Unten plätscherte es verdächtig. Das Wasser lief aus dem Ständer aus, direkt auf den hellen Teppichboden. Es bildete sich gleich ein großer Fleck.

Darum konnte ich mich nicht kümmern.
Ich fummelte an der Befestigung herum und bekam schließlich den Baumstamm aus dem Ständer heraus.

Jetzt nur noch die Sitze im Auto herunterklappen, den Baum hineinhieven, zum Ablageplatz fahren.

Auf dem Flur waren ebenfalls noch Zweige, die ich gleich mitentsorgte. Wie hatte das Klara nur all die Jahre vorher geschafft? Und ohne zu murren?

Ich hatte mich damit nie abgeben. Ich kaufte den Baum, half beim Aufstellen und das war es dann für mich. Ich kümmerte mich danach wieder um die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Versteht sich.

Jetzt wollte ich wieder ‚Boden gutmachen‘ und half, wo ich konnte. Gott sei Dank kann ich nicht viel.

Aber selbst das, was ich machte, das erschöpfte mich total. Lieber ins Fitness-Studio gehen und in Ruhe die Arme ab und zu bewegen.

Nachdem alles so einigermaßen im Lot war, ich die Zimmer auch noch staubgesaugt hatte, befasste ich mich mit dem Wasserfleck auf dem Teppichboden. Er war leicht braun gefärbt.

Wenn Klara das sah, dann fiel ihr Lob wahrscheinlich schmallippig aus.
Also rief ich Laura an, was man tun könnte, um den Fleck wegzukriegen.

„Papa, auf jeden Fall mit Tüchern trockentupfen.“
Ich tupfte eine Weile, dann hatte ich genug.

Ich holte den Fön aus dem Badezimmer, schloss ihn an und begann damit, den Wasserfleck systematisch trockenzulegen.

Ich kam soweit mit dem Fön nach unten, dass es schon verbrannt roch. Dann strich ich mit der Hand über den Boden, sodass ich besser an die Feuchtigkeit herankam.

Je mehr ich das tat, umso mehr hatte ich den Eindruck, dass es noch feuchter wurde.

Ich holte einen kleinen Hocker in die Ecke und legte eine Decke darauf. Auf die andere Seite stellte ich eine große Pflanze.
Jetzt probierte ich noch aus, wie ich das Licht so anstellte, dass es nicht zu hell war und der Fleck zu aggressiv zu sehen war.

„Freust du dich nicht?“, fragte ich Klara, als sie zur Tür hereinkam.
Sie schwieg, schaute sich um.

„Doch“, sagte sie einsilbig.
„Du glaubst nicht, was das für eine Arbeit war“, sagte ich.
„Glaube ich. Aber sag‘ mal, was ist das für ein Fleck auf dem Boden?“
Jetzt musste ich schnell und ohne vordergründig zu wirken, reagieren.

„Och, da ist ein bisschen Wasser aus dem Ständer herausgelaufen. Ich wollte den Fleck nicht bearbeiten, damit du es fachmännisch tun kannst“, erwiderte ich wie nebenbei.

„Und wieso ist das Wasser überhaupt ausgelaufen?“
„Der Ständer war so stark am Stamm befestigt“, sagte ich.

„Hast du denn das Schloss nicht zuerst gelöst?“
Wusste ich es doch. Irgendwas war da noch. Aber ich hatte keine Lust gehabt, mich unter den Baum zu bücken.

„Irgendwie habe ich den Eindruck, du freust dich gar nicht darüber, dass ich es allein geschafft habe“, antwortete ich.
Klara schwieg. Ich hatte mit meiner Vermutung ins Schwarze getroffen.

Ich zog mich in mein Arbeitszimmer zurück.
Nächstes Jahr, da kaufen wir einen Baum, der nicht größer ist, als 1,30 m. Dann stimmt der Preis auch, der angeschrieben ist –‚Jede Nordmanntanne nur 12,98 Euro‘– ja, wenn er nicht größer als 1,30 ist.

„Willst du noch was essen, ich habe noch schönen Kartoffelsalat von gestern“, sagte Klara.

„Also gut, heute esse ich noch mit, aber morgen, da geht es wieder anders rum“, sagte ich.

Beim Krimi dann bin ich eingeschlafen. Eigentlich wollte ich um die Zeit noch am Schreibtisch sitzen und arbeiten.

Naja, das richtige neue Jahr beginnt erst am Montag. Dazwischen sind noch der Samstag und der Sonntag, Gott sei Dank. Und dann schauen wir mal weiter, im neuen Jahr.

DER WEIHNACHTSBAUM STEHT – DACHTEN WIR (5)

ENDLICH GESCHAFFT

„So, hol den Baum wieder hoch“, sagte Klara.
Ich räumte die Bohrmaschine beiseite, fasste den Stamm an und hob ihn wieder auf.

„Du musst gucken, ob der Dorn jetzt in das Loch kommt, das ich gerade gebohrt habe“, schniefte ich.

„Ich seh‘ hier nichts“, sagte Klara, die am Boden hockte und versuchte, den Baumstamm von unten auf den Dorn zu bekommen.

Plötzlich rutschte der Stamm ein wenig, so als würde er nun auf dem Dorn sitzen.

„Jetzt mach‘ ich ihn schnell fest“, sagte ich zu Klara.
„Ja, und Wasser kippe ich auch noch rein.“

Der Baum stand wieder, machte einen stabilen Eindruck.

Nun half ich Klara noch, die Lichter wieder gerade zu rücken, die Kugeln, die heil geblieben waren, erneut anzuhängen.

Geschafft.

Ich ging ein Stück zurück und betrachtete unser Werk. Ich war zufrieden. Ich fand, er sah jetzt besser aus, als am Vortag. Klar, ich hatte ja diesmal die Kugeln mitangehängt.

„Saugst du noch mal durch?“, fragte Klara mich.
„Mach‘ ich“, sagte ich, obwohl ich dazu überhaupt keine Lust hatte. Vor allem die Nadeln, die direkt unter dem Baum lagen, die waren schwer zu erreichen.

Ich setzte mich deshalb auf den Boden, während ich in einer Hand den Stiel des Staubsaugers hielt. Ausgerechnet darauf setzte ich mich mit meinem ganzen Gewicht.
Ich schrie auf und Klara eilte ins Wohnzimmer zurück.

„Ist schon wieder etwas passiert?“, fragte sie.
„Nein, ich sitze nur mit meinem Gewicht auf dem Metallrohr des Staubsaugers.“

„Und?“, fragte Klara.
„Darunter ist mein Unterarm eingeklemmt.
Klara stöhnte nur, zog die Augen hoch und verließ das Zimmer.

Ich saugte zu Ende, stellte den Staubsauger weg, wozu ich wieder Klaras schwere Handtasche wegräumen musste.
Die stand irgendwie immer im Weg.

Jetzt ging ich ins Wohnzimmer, setzte mich still auf die Couch und schaute den Weihnachtsbaum an.

„Und?“, fragte Klara.

„Der Weihnachtsbaum steht, denke ich“, erwiderte ich.
Hoffentlich dachte ich da richtig.

Na dann fröhliche Weihnachten.

DER WEIHNACHTSBAUM STEHT – DACHTEN WIR (4)

DER BAUM KIPPTE AM NÄCHSTEN MORGEN SCHEPPERND UND KRACHEND UM

Klara brachte schon die Kugeln an.
Ich fand es herrlich. Ich saß auf der Couch und dirigierte Klara.

„Da kann noch eine Kugel hin“, sagte ich.

„Du kannst dich ruhig mal erheben und mitmachen“, sagte Klara.
„Nö, ich weiß nicht wie das geht“, antwortete ich.

Schließlich war der gesamte Festschmuck angebracht, der Baum strahlte und glänzte und wir machten es uns auf der Couch bequem, um die ganze Herrlichkeit noch ein wenig zu genießen.

Wir machten den Fernseher an, schauten einen Thriller und schliefen dabei ein.

Am nächsten Morgen gingen wir ins Wohnzimmer, freuten uns am schönen Weihnachtsbaum und begannen in der Küche zu frühstücken.

Plötzlich war ein Rauschen zu hören, ein leisen Knacken und ein Geräusch, als würde Glas zersplittern.
Wir sprangen auf und schauten nach.

Der Baum war umgekippt, Glaskugeln lagen in Scherben auf dem Teppich, die Lichter waren heruntergerutscht.

„Das kann doch nicht wahr sein“, schimpfte ich.
Dann kam mir die Erleuchtung.

„Wir haben vergessen, unten ein Loch in den Stamm zu bohren, damit er auf dem Dorn im Weihnachtsbaumständer richtig aufsitzen kann“, sagte ich.

„Dann müssen wir das jetzt nachholen. Gehst du in den Keller und holst das Werkzeug? Ich werde in der Zwischenzeit wieder den Baumschmuck herunternehmen, damit nicht noch mehr kaputtgeht“, sagte Klara noch.

„Ja, in Ordnung“, sagte ich.
Ich schleppte mich die Kellertreppe hinunter. Eigentlich wollte ich mich nach dem Frühstück schön in den Sessel am Fenster setzen und die Zeitung lesen.

Daraus wurde nun nichts.
Ich kramte meinen Werkzeugkoffer hervor. Dort war alles drin, was ich im Laufe der Jahre so gebraucht hatte.

Ich wollte ihn schon längst aufgeräumt haben, schob es aber immer wieder hinaus.

Das rächte sich nun.
„Verdammt, ich finde keinen Bohrer“, sagte ich zu Klara.
„Du hast doch so viele, sagst du immer!“
Klara schaute mich vorwurfsvoll an.

„Ich weiß überhaupt nicht, wieso hier die ganzen Tüten umherliegen, zwischen all dem Werkzeug“, sagte ich.

Ich hatte keine Lust, weiter zu suchen und nahm den einzigen Handbohrer, den ich fand und strich über die Spitze. Sie war mehr rund als spitz. Ich setzte am Baum an, rutschte ab und quälte mich.

Ich versuchte mit dem Bohrer in der Mitte zu bleiben. Aber auch das gelang nicht.

„Ich hole jetzt die Bohrmaschine raus. So wird das nichts“, sagte ich und spürte, wie mein Blutdruck langsam hochschnellte.

Wieder musste ich in den Keller, Tüten beiseite räumen, kleine Kisten, Werkzeug, das lose herumlag, um schließlich an die Bohrmaschine zu gelangen.

Er war groß und dafür gedacht, dicke Mauerwände zu durchbohren. Und genauso sahen auch die Bohrer aus.

Ich nahm einen, der wohl für Stahlbeton infrage kam.
Jetzt musste ich also nur noch den Schalter vom Zeichen ‚Schlagbohrer‘ auf das Zeichen ‚normaler Bohrer‘ umstellen.

Ich versuchte, den Schalter zu drehen, und von dem Zeichen mit dem Hammer zu dem einfachen Bohrer zu gelangen. Aber der Schalter bewegte sich nicht.

Ich gab es auf. Ich musste es so versuchen. Ich setzte mit dem stumpfen Bohrer an, schaltete die Maschine ein.

Die vibrierte und stampfte sofort los. Klara hielt den Stamm fest, und ich versuchte die Bohrmaschine wenigstens einigermaßen gerade zu halten.

Es klappte. Ich bohrte verbissen und schließlich hatte ich eine kleine Öffnung in das Ende des Baumstammes getrieben.

FORTSETZUNG-MONTAG, 23.12.

DER WEIHNACHTSBAUM STEHT – DACHTEN WIR (3)

GEFLÜGELSCHERE GEHT AUCH ZUM NETZAUFSCHNEIDEN

„Wir müssen ihn nun so aufstellen, dass er gerade steht“, sagte Klara.
„Ich halte den Baum und du drehst an der Kurbel“, sagte ich.

Ich musste an die DDR-Zeit zurückdenken, und was es manchmal für eine Quälerei war, den Baum gerade hinzustellen.

Mein Vater bohrte oft noch den Baumstamm an und befestigte Zweige daran, kann ich mich gut erinnern, als ich noch ein Kind war und den Baum vorher nicht anfassen durfte.

Die Nordmanntanne stand im Weihnachtsbaumständer.
„Fest?“, fragte ich knapp.
„Fest!“, antwortete Klara.

Ich ging ein Stück zurück und tatsächlich, er stand gerade. Wir drehten ihn noch ein wenig hin-und her, und schoben ihn ein Stück nach links. Sonst wäre das ja zu einfach gewesen.

Nun konnte das Netz, das noch den Baum gefangen hielt, losgetrennt werden.

„Hol mal bitte die Schere aus der Küche“, sagte Klara zu mir.
Ich holte die Schere und begann das Netz am Baum aufzuschneiden. Besser, ich versuchte es.

Die Schere war eigentlich zum Schneiden von Geflügel da.
Sie rutschte ständig vom Band herunter. Sollte ich etwa meine scharfe Schere aus dem Arbeitszimmer holen?“, überlegte ich.

Aber dazu müsste ich ja wieder die Treppen hochsteigen.
„Gib‘ mir mal die Schere“, sagte Klara, während ich noch nachdachte.

Sie schnitt das Netz ohne Probleme durch.
Wieso ging das nicht bei mir. Naja, es war halt so. Mit manchen Dingen hatte ich mich über die Jahre abgefunden.
Jetzt kamen die Lichter dran.

Klara hatte neue Lichter besorgt. Wir brauchten nun keine Schnur mehr zwischen den einzelnen Lichtern, sondern es kam in jedes einzelne Licht eine Batterie.

Also schraubten wir die Kapseln unten auf und steckten dort jeweils eine Batterie hinein.
Über eine Fernsteuerung konnten die Lichter nun aus und an gemacht werden. Ich staunte.

„Stell dir mal vor, wir hätten das schon in der DDR-Zeit gehabt, wir wären die Weihnachtskönige gewesen“, sagte ich. Klara hatte keine Zeit für meine nostalgischen Träumereien.

FORTSETZUNG – SONNTAG, 22.12.

DER WEIHNACHTSBAUM STEHT – DACHTEN WIR (2)

DIE NORDMANNTANNE, DIE NUR 12,98 EURO KOSTETE – DACHTE ICH

WEIHNACHTSGESCHICHTE

Es verlief alles ziemlich reibungslos, als es am Mittwochabend losging. Klara hatte den Weihnachtsbaumständer bereits aus dem Keller hochgeschleppt.

Das war eigentlich meine Arbeit, aber ich saß noch am Schreibtisch und wollte einen Text zu Ende schreiben.
„Du kannst jetzt den Baum von der Terrasse hereinholen“, sagte Klara zu mir.

Ich schlüpfte in die Straßenschuhe und ging zur Terrasse herum, wo der Weihnachtsbaum schon ein paar Tage auf mich wartete. Eine Nordmanntanne.

Ich dachte daran zurück, wie ich sie gekauft hatte.
„Nur 12,98 Euro für jede Nordmanntanne“, hatte auf dem Werbebanner gestanden.
Also suchte ich mir die schönste aus und fragte nach dem Preis.

„25,95 Euro“, sagte der Verkäufer.

„Wieso, ich denke, jeder Baum kostet nur 12, 98 Euro?“, fragte ich ihn.

„Ja, aber nur bis zu einer Höhe von 1,30 cm“, antwortete der.
„Und das steht auf der Werbeanzeige?“, fragte ich.

„Schauen Sie hier“, sagte der Verkäufer und zeigte mit dem Finger nach ganz unten. Dort stand in kleinen Buchstaben ‚bis 1,30 m‘.
„Hm“, brummte ich.

„Soll ich den Baum mit einem Netz versehen“, fragte der Verkäufer noch.

„Ja, bitte“, antwortete ich und war noch ein wenig verschnupft, dass der Baum nun doch teurer war.
Aber der Verkäufer hatte eigentlich nichts falsch gemacht.

Ich hätte nur das Kleingedruckte lesen müssen, wie so oft hatte ich das aber nicht getan.

Der Verkäufer brachte mir den Baum noch zum Auto und half mir, ihn zu verstauen.
„Hier sind 30 Euro“, sagte ich.
„Den Rest können Sie behalten.“

„Oh, vielen Dank, ein schönes Weihnachtsfest für Sie“, sagte der Verkäufer und ich nickte, stieg ins Auto und fuhr davon. Der erste Schritt war getan.

Jetzt hievte ich die Tanne hinein ins Wohnzimmer.

FORTSETZUNG – SAMSTAG, 21.12.

DER WEIHNACHTSBAUM STEHT – DACHTEN WIR (1)

MITTWOCHMORGEN – DER BAUM SOLL HEUTE ABEND AUFGESTELLT WERDEN

Klara hatte am Mittwoch, 18.12., ihren letzten Arbeitstag in diesem Jahr.
„Wir stellen heute Abend noch den Weihnachtsbaum auf“, sagte sie zu mir.

„Dann können wir am nächsten Morgen in Ruhe frühstücken und den Donnerstag, gemächlich angehen.“

„Klingt gut“, antwortete ich.
Vor allem, wir konnten mal richtig ausschlafen.
Mittwochmorgen mussten wir ja noch sehr früh aufstehen.
Wie immer hatte ich den Wecker auf 3.45 Uhr gestellt.

Als ich aufwachte und hochschreckte, da schaute ich auf Klaras Uhr und es war bereits Viertel nach 4.00 Uhr.

„Verdammt, dachte ich, du hast verschlafen.“
Trunken vor Müdigkeit rückte ich die Kissen und die Bettdecke zurecht, ging ins Bad, um mich zu rasieren und die Zähne zu putzen.

Ich trug  den Rasierschaum auf und schaute noch mal auf die Uhr. Es war inzwischen ‚zwanzig nach…‘. Aber Moment Mal, die Uhr zeigte vorn die Zahl 23 an.

War es etwa erst 23.15 Uhr?
Ich griff nach meinem Handy und schaute auf den Wecker.
Tatsächlich, er war noch nicht angegangen.
Wie konnte mir das passieren?

Waren das die Anfänge von Alzheimer oder war ich einfach von den letzten Tagen erschöpft?

Auf jeden Fall rasierte ich mich noch zu Ende und putzte die Zähne, wenn ich schon mal im Bad war – ging zurück ins Schlafzimmer, schmiss die Decke und einige Kissen wieder im hohen Bogen auf den Fußboden, wummerte mich ins Bett, zog die Decke hoch und war froh, wieder einschlafen zu können.

Wenig später, so kam es mir jedenfalls vor, schnarrte, das entsetzliche Grillen-Weckgeräusch vom Handy los und ich quälte mich erneut aus dem Bett. Diesmal fiel es mir noch schwerer.

Das konnte mir Gott sei Dank am nächsten Tag Donnerstagmorgen nicht passieren, denn da wollte ich ja bekanntlich ausschlafen. Also willigte ich ein, den Baum am Mittwochabend aufzustellen. Klare Sache.

FORTSETZUNG – FREITAG, 20.12.2019

 

SCHREIB-ALLTAG (11)

TRAINING GEHÖRT ZUM SCHREIBEN

Wenn ich auf mein Lieblingsthema, das Schreiben zu sprechen komme, dann stöhnen alle auf. Manche leise, Laura hingegen hörbar: „Ach Papa, nicht schon wieder“, sagt sie dann.

„Kannst du auch mal über etwas Anderes reden?“, schiebt Klara hinterher.

„Nein, kann ich nicht“, antworte ich und bin beleidigt. Logisch.

Dabei will ich nur sagen, wie mühevoll es ist, am Schreiben dranzubleiben, sich jeden Tag wieder neu aufzuschwingen, sich etwas ‚abzuquetschen‘.

Also gehe ich nach diesen Bemerkungen in die innere Emigration, schweige und beteilige mich auch nicht an den Gesprächen der anderen am Tisch.

Und ich hätte so viel darüber mitzuteilen, über das Schreiben.

Zum Beispiel das: Wenn du dich zwingst, wenigstens einmal am Tag für zehn Minuten ein Blatt weißes Papier zu nehmen, einen Bleistift anzuspitzen und einfach drauflos zu fabulieren, dann wirst du sehen, wie es deine Gedanken in Fahrt bringt. Wichtig ist, die Tastatur beiseite zu lassen. Sie stört, ist im Weg beim schnellen Schreiben, im Moment, wo es nicht um formvollendete Sätze ankommt.

„Kann ich noch mal kurz was zum ‚automatischen Schreibtraining‘ sagen?“, frage ich.

„Nein!“, schallt es mir wieder von allen Seiten ins Ohr.

„Na dann eben nicht“, sage ich und fange an mit Krümel Quatsch zu machen. Sie hört mir wenigstens zu.

„Wollen wir singen?“, frage ich sie.

„Ja“, sagt sie und ich beginne, eine Melodie zu brummen.

Das haben die anderen nun davon. Jetzt müssen sie eben das ertragen. Und Krümel gefällt’s. Sie klatscht in die Hände, singt ein klein wenig mit und dreht sich im Kreis.

Das ist noch besser, als über das Schreiben zu reden.

 

 

 

 

50 KILO ABNEHMEN (20)

ES LÄUFT – NUR DER BAUCH, DER MUSS NOCH WEG

Ich habe gestern mein Trainingsprogramm straff durchgezogen. Dabei hat es mich zu Beginn enorm viel Überwindung gekostet.

Besonders wenn ich aus der Umkleidekabine zum Laufband gehe, dann muss ich an einem Spiegel vorbei. Und da sehe ich das Grauen in voller Breite. Der Bauch, den ich im Spiegel erblicke, der ärgert mich.

Wieder habe ich nicht konsequent am Wochenende auf die Diät geachtet.

Also was bleibt? Weitermachen!

Ich stellte mich auf das Laufband und begann meine Füße zu bewegen, einen Fuß vor den anderen. Und ganz allmählich kam ich in Fahrt.

Ich staune immer wieder aufs Neue, wie schnell die Zeit vergeht. Eine halbe Stunde ist schnell rum. Ich glaube, es liegt daran, dass ich viel auf den Fernseher schaue, der direkt vor mir an der Wand aufgehängt ist. Da siehst du Videos von sportlichen Leuten, meine Güte.

Ein paar Jungs springen über Mauern, überwinden Häuserschluchten, rollen federleicht ab, wenn sie unten ankommen und laufen weiter.

„Junge, Junge, bin ich froh, dass ich hier nur laufen muss“, sage ich mir dann in Gedanken und so vergeht die Zeit eben. Plötzlich taucht die Zahl dreißig auf, ich kann auf die Stopptaste drücken, einen Schluck Wasser nehmen und weitergehen – zum Rudern. Naja, da hatte ich gestern auch keine Lust zu.

Was habe ich gemacht?
Ich habe mich auf den Sitz gesetzt, die Schnallen um die Schuhe gelegt, sie festgezurrt, und angefangen zu rudern.

Und so ging es gestern von Station zu Station.
Wird es heute anders sein? Nein, es geht wieder von vorn los.

Ich merke, dass ich allmählich Muskeln bekomme. Nur der Bauch, der muss noch verschwinden.

ALLTÄGLICHES – (22)

WARUM MIR AMSTERDAM GERADE VOR DEM 3. ADVENT SO GUT GEFÄLLT

Freitagnachmittag, vor dem 3. Advent. Einkaufen. Menschenmengen, die auf die Eingänge zu den Einkaufstempeln zurollen.

Samstagvormittag, vor dem 3. Advent. Einkaufen, drängeln, Parklücke suchen, über den langsamen Autofahrer vor mir fluchen, volle Körbe im kleinen Jeep verstauen, Körbe ausladen, Getränke in den Keller schleppen.

Schon mal an Morgen denken. Vormittags den Weihnachtsbaum aus dem Netz schneiden, ihn probehalber aufstellen, Nadeln aufsaugen.
Nachmittags auf der Couch bei brennenden Kerzen wegsacken, den Schlaf der Gerechten nachholen.

Montagfrüh auf die Waage, fluchen, weil der Stollen nicht hätte gegessen werden dürfen.

Ich träume von Amsterdam. Dort soll Weihnachten nicht so intensiv gefeiert werden.
Ich sehe mich durch die ruhige Stadt schlendern, vorbei an Grachten, die am Ufer vertäut sind und an deren Bordwand leise das Wasser herabplätschert.
Eine Melodie geht mir nicht mehr aus dem Kopf: „Tulpen aus Amsterdam…“.

Und bis Weihnachten? Oh, da geht noch was im Einkauf. Na dann erst einmal einen schönen 3. Advent.

JEEPY (43)

KAFFEE ALLE

Hallo Krümel,
hier ist Jeepy. Ich habe ja wieder was über meinen Fahrer gehört, das typisch für ihn ist.

Mein Fahrer, also dein Opa, und deine Oma haben dich besucht und du hast dich gefreut, dass sie dich vom Kindergarten abgeholt haben.

Während deine Oma später den Kaffeetisch deckte, hast du mit meinem Fahrer gespielt. Ihr habt bei Euch zuhause in der Küche gesessen.

Mein Fahrer sagte, er hätte auf der linken Seite des Tisches gesessen und du hast dich durch die Stühle hindurch zur rechten Seite hindurchgedrängelt und schließlich hat dir dein Opa noch hochgeholfen.

Anschließend holte dein Opa ein kleines Ponny hervor und führte es mit der Hand über den Tisch.

Dabei hat dein Opa immer ein bisschen gewiehert und er hat gesagt, dass du dem Ponny zuwinken sollst, was du auch emsig getan hast.

An der Tischkante hat mein Fahrer das Ponny fallen lassen, jedenfalls hat er so getan und zu dir gesagt:

„Ruf mal nach dem Ponny.“
„Pooonyyy!“, hast du gerufen und schwupp war es wieder auf dem Tisch.

Schließlich habt ihr alle zusammen Kaffee getrunken.
Mein Fahrer hat mir erzählt, dass du wohl schon ein paar Mal beobachtet hast, dass er stets den letzten Schluck aus der Kanne in seine Tasse gießt.

Das macht man ja nun wirklich nicht und so ist Oma stets böse geworden und hat gesagt: „Der Kaffee ist schon wieder alle. Hast du den letzten Rest bei dir eingegossen.“

Mein Fahrer tut in solchen Momenten so, als würde er schwer hören.

Das sagen ja alle zu ihm, also kann er ja mal tatsächlich nichts gehört haben.

Aber als du deinen Opa dabei beobachtest hast, dass er erneut den Rest des Kaffee‘s aus der Kanne in die Tasse gegossen hat, da hast ihn ganz empört angeschaut und mit deinem kleinen Finger auf die Kanne gezeigt.

„Opa, Kaffee alle!“
Zuerst hat mein Fahrer so getan, als würde er es ebenfalls nicht hören, dann aber musste er laut lachen und du hast trotzdem mit deinem kleinen Finger weiter auf die leere Kanne gezeigt.

„Weißt du Jeepy“, hat mein Fahrer später zu mir gesagt, „Krümel beobachtet alles ganz genau und mir war es ehrlich gesagt sogar ein bisschen peinlich, dass sie mich ertappt hat.

Das werde ich in Zukunft lassen, mir den Rest aus der Kaffeekanne einzugießen, ohne zu fragen.“

Siehst du Krümel, jetzt hast du deinen Opa schon ein wenig miterzogen.

Gut gemacht, lieber Krümel. Mit einer vollen Kaffeetasse auf der Motorhaube grüßt dich dein Jeepy.

ALLTÄGLICHES (21)

EIN KLEINER FRISEURLADEN IN SASSNITZ GANZ GROSS

Man sagt, demenzkranke Menschen können nicht mehr so denken, wie es vor ihrer Krankheit der Fall war.
Das ist wohl so. Doch sie können eines, nämlich mit dem Herzen sehen, fühlen, einfach wahrnehmen, ob ein Mensch es gut mit ihnen meint.

Und die Friseurin Ilka in dem kleinen Sassnitzer Friseurladen meinte es gut mit ihr.

Es sind oft nicht die großen Gesten, die uns berühren. Nein, es sind vielmehr die kleinen Dinge, die nur allzu oft im Gewirr des Alltags untergehen.
Umso wichtiger, dass wir auf sie aufmerksam werden, wenn sie uns geradezu in den Schoss fallen.
Gestern war so eine Gelegenheit.

Schwiegermutter hatte einen Termin beim Friseur, in Sassnitz, und nicht gerade um die Ecke für uns. Also ist meine Frau unruhig, ob alles klappt, ihre Mutter den Termin nicht vergisst, pünktlich im Friseurladen erscheint.

Das klingt nach ‚ist doch wohl normal, was ist da schon besonderes dran?‘ Im Prinzip ist das schon richtig. Doch was ist, wenn der Mensch, dem deine Fürsorge gilt, an Demenz erkrankt ist, und du selbst kannst das alles nur aus der Ferne gedanklich begleiten?

Na klar, meine Frau weiß, dass sie sich zu hundert Prozent auf ihren Bruder verlassen kann, der sich um seine Mutter liebevoll kümmert, wenn es sein muss, Tag und Nacht.

Und trotzdem weiss sie, dass jede alltägliche Unterbrechung für demenziell erkrankte Menschen Unruhe mit sich bringt.
An nichts hängen Demenzkranke mehr, als an einem möglichst gleichmäßig verlaufenden Tagesablauf. Jeder noch so kleine Termin bringt Unruhe und Unsicherheit.

Schwiegermutter kam trotz alledem zum geplanten Zeitpunkt im Friseurladen an und wurde gleich freundlich begrüßt.
Sie fühlte sich wohl in der Zeit, in der ihre Haare gewaschen, geschnitten, gefärbt und getrocknet wurden und die Friseurin sich noch mit ihr angeregt unterhielt.

Kurzum: Ilka schnitt und färbte nicht nur die Haare, sie tat mehr, sie betreute Schwiegermutter so, dass es für sie zu einem wirklich aktivierenden und angenehmen Aufenthalt wurde.

Abends schickte die Friseurin noch ein Foto von Schwiegermutter, mit der neuen Frisur.

Wir alle wissen nicht, was aus uns mal wird, wie wir in späteren Jahren zurechtkommen und vielleicht auch auf Hilfe und Fürsorge angewiesen sind.

Deshalb sind es diese kleinen Dinge, die Menschen untereinander brauchen  – Verständnis für den jeweils Anderen, die Empathie, auf ihn individuell einzugehen.

Gerade in der Zeit vor Weihnachten wird viel geredet über Nächstenliebe, Fürsorge, Unterstützung für die Hilfsbedürftigen.

Die Friseurin Ilka hat das einfach getan, ohne groß darüber zu reden, bescheiden und fast unbemerkt von uns.

Deshalb ist der kleine Friseurladen in Sassnitz für uns ganz groß.

Danke Ilka, danke liebes Team.

Die Angehörigen aus Sassnitz, Wandlitz und Berlin.

50 KILO ABNEHMEN (19)

VON NOVEMBER BIS DEZEMBER 2,4 kg WENIGER – DA GEHT NOCH MEHR

Der Monat November ist nun auch schon wieder Geschichte.

Am Montag, den 04.11.2019 habe ich 124,1 kg gewogen.

Am Mittwoch, den 04.12.2019 war als Zielmarke 119,7 angegeben. Das habe ich nicht geschafft, nicht ganz jedenfalls.

Aber ich war bei 121,7 kg, immerhin.
Das sind gegenüber dem Monatsanfang 2,4 kg weniger.

Von Anfang Januar bis Anfang Dezember habe ich insgesamt 7,5 Kilo abgespeckt (am 09.01.2019 wog ich 129,2 kg).

Gewiss, das selbst gesteckte Ziel habe ich verpasst.

Doch ich habe endlich den Weg ‚nach unten‘ einschlagen können und diesen Pfad werde ich auch nicht mehr verlassen oder gar umkehren.

Seit dem Sommer fahre ich jeden Tag ins Fitness-Center, jeden Wochentag.

Das Glas ist halbleer, weil ich das Ziel verfehlt habe, und es ist halbvoll, weil ich weitermachen werde.

50 KILO ABNEHMEN  (18)

DIE SACHE MIT DEM POSITIVEN DENKEN

MIT DEM KOPF GEGEN DIE GLASSCHEIBE RAMMEN UND DANN SOLLST DU AUCH NOCH POSITIV DENKEN

Es läuft gerade nicht so im Training, wie ich es mir vorstelle. Irgendetwas ist in meinem Kopf, das mich daran hindert, mich voll auszupowern.

Zum Beispiel in der vergangenen Woche, da war ich für ein paar Tage nicht im Studio.

Klara war krank und so bin ich auch nicht reingefahren.
Aber dann, den ersten Tag nach der Pause, da begannen die Schwierigkeiten so richtig.

Ich kam nicht in Gang und es fiel mir schwer, alle Übungen hintereinander zu absolvieren.

Meine inneren Stimmen mischten dabei wieder mächtig mit.
„Komm‘, lass doch mal eine Trainingseinheit ausfallen“, flüsterte mir ‚Loser‘ ins Ohr.

„Soll ich wirklich?“, fragte ich ‚Loser‘.
„Ja doch, kriegt keiner mit, sei nicht so pedantisch, werd‘ mal locker“, erwiderte ‚Loser‘.

Keine schlechte Idee, die ‚Looser‘ da hatte.
Aber sollte ich wirklich von meinem Programm abweichen?
„Von wegen, das kriegt keiner mit“, brüllte mir plötzlich ‚Folterknecht‘ ins Ohr.

„Der taucht aber auch überall auf, wo man ihn nicht haben will. Der kommt mir manchmal vor, wie die böse Tante in der Familie, die du auch nicht loswirst“, dachte ich bei mir im Stillen.
So war es eben mit ‚Folterknecht‘.

Aber hatte er nicht auch ein bisschen Recht?
„Denk‘ mal an den neuen Fitness-Trainer bei Hertha BSC. Den hat Klinsmann mitgebracht. Der sorgt jetzt dafür, dass die Jungs aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen.

Sie nennen ihn ‚Quälix‘. Und dieser ‚Quälix‘ für dich bin nun mal ich, der ‚Folterknecht‘“, setzte der noch nach.

‚Folterknecht‘ lag ja nicht so falsch, denn ich konnte mir nun mal keinen teuren Personalcoach leisten.

Nein, ich musste schon auf meine inneren Stimmen hören und den Kompromiss zwischen den beiden wählen.
Also machte ich weiter.

Als ich aus dem Studio rausging, da war ich glücklich, aber fertig.
Ich schleppte mich mehr raus, als ich ging.

Der Kopf war nach unten gesenkt, und so sah ich die Glastür nicht, knallte mit dem Kopf gegen die Scheibe und stieß gleichzeitig mit dem Knie gegen die Holzfüllung in der Tür.

„Ach du Armer“, jammerte ‚Loser‘.
„Denk‘ positiv, du hast alle Geräte absolviert“, sagte daraufhin ‚Folterknecht‘.

Ich konnte gar nicht denken, denn mir brummte der Schädel und die Kniescheibe tat mir weh.

JEEPY (42)

WIR SIND BEIDE KLEIN – DU WIRST GRÖSSER UND UNSERE FREUNDSCHAFT EBENFALLS

Hallo Krümel, schon wieder ist eine Woche vergangen, seitdem ich mich das letzte Mal bei dir gemeldet habe.

‚Wieder blitz blank‘ habe ich dir geschrieben. Jetzt bin ich schon wieder schmutzig, aber im Herbst und im Winter ist das nicht anders.

Krümel, ich freue mich ja so auf die Fahrt an die Ostsee.
Natürlich haben wir alle nicht so viel Platz bei mir im Innenraum, wie das bei ‚Bobby‘ der Fall war, dem großen und schweren SUV von Mercedes. Dein Opa hat ihn geliebt.

Aber weißt du, was der jetzt zu mir sagt?
„Es ist alles ein bisschen enger geworden, aber genauso fröhlich geblieben, und wir singen auf der Fahrt unsere Lieder. Diesel fahren wir auch nicht mehr Jeepy ist eben für uns alle unser kleiner ‚Großer‘.“

Krümel, du wirst wachsen, aber ich bleib‘ klein, und unsere Freundschaft wächst trotzdem, immer.

Es grüßt dich zum ‚Nikolaus‘ der kleine Jeepy – dein großer Freund.