Archiv der Kategorie: MEIN FREUND, DER ALLTAG

Kurzgeschichten

ALLTÄGLICHES (20)

GUTE LAUNE AUS DER TIEFKÜHLTRUHE

Manchmal, wenn es mir nicht so gut geht, oder ich depressiv bin, dann greife ich nach einem Trick, der mich am eigenen Schopf aus dem ‚Tal der Tränen‘ wieder nach oben ans Licht hievt.

Ich rufe Bilder ab, die ich in meinem Kopf gespeichert habe. Das ist ein nichts anderes, als würde ich eine Pizza aus der Tiefkühltruhe holen und sie aufwärmen.

Ich denke zum Beispiel an einen Tag, an dem ich im Wohnzimmer im Sessel sitze, meistens am Samstag, eine dicke Zeitung in der Hand halte und dabei noch umherschaue.

Auf dem Tisch steht eine Schale mit grünen Zweigen und mittendrin eine rote Weihnachtskerze. Im Garten liegt noch der Morgentau auf dem Gras, die Vögel streiten sich im Vogelhäuschen um das Futter und die Sonne zeigt sich mit ihren ersten hellen Strahlen.

Das weckt in mir die kreative Seite, ich bekomme Lust auf den Tag und fange mit Schwung an zu arbeiten. Diese Bilder hole ich aus der Gedankentruhe, und da kann es getrost regnen oder stürmen oder beides.

Ich jedenfalls bleibe gut gelaunt.

ALLTÄGLICHES (19)

ENDLICH DEZEMBER

Der November war dunkel, nass, neblig, ungemütlich. Nicht immer, aber meistens.

Heute Morgen ist es auch dunkel, und die Straßen sind feucht
Aber es ist der zweite Tag im Dezember und wir sind damit im Monat des Weihnachtsfestes angekommen.

Ich sehe durch die Dunkelheit hindurch die Weihnachtslichter, die bereits so früh in vielen Häusern leuchten und ich fahre nicht so schwermütig über die menschenleeren Straßen.

Aus dem Ungemütlichen wird das Gemütliche, Vorweihnachtsfreude eben.

Daran ändert selbst der Montag nichts.

JEEPY (41)

HEUTE WIEDER BLITZ BLANK

 

 

Hallo Krümel, hier ist wieder Jeepy.
Ich komme gerade aus der Badewanne, naja besser der Waschanlage.

Du hast mich ja am Mittwoch gesehen, wie ich da aussah.
Dein Opa hat dich doch aus der Kita abgeholt.

Und als du um die Ecke kamst, da hast mich sofort gesehen, obwohl du im Kinderwagen gesessen hast und die Regenplane über dir war, weil es so nass war und so rutschig – auf den Straßen.

‚Jeepiiiii!‘, hast du sofort gerufen, als ich in dein Blickfeld kam. Und ich habe mich geschämt, weil ich so schmutzig war.

Aber gestern, da waren wir ‚unter der Dusche‘ und jetzt grüßt dich dein super sauberer Jeepy und wünscht dir einen wunderschönen Tag in der Kita.

SCHREIB‘ UND DU LERNST DICH BESSER KENNEN

SCHREIB-ALLTAG (10)

Wenn manchmal mein Arbeitsleben an mir in Gedanken vorüberzieht und ich daran denke, mit welchen Brüchen es verbunden war, welche Chancen ich vertan habe oder sie erst gar nicht bekam, ja dann frage ich mich, welchen Sinn das alles hatte.

Ich habe vier Jahre das Fach ‚Schiffsmaschinenbetrieb‘ studiert und konnte dem nichts abgewinnen.

Wiederum später in Moskau habe ich mich mit dem ‚Kapital‘ von Marx herumgeschlagen. Was war das wert. Gut, ich könnte sagen, dass ich zu den wenigen Menschen gehöre, die die Bände nicht nur bis zum Schluss gelesen, sondern sogar verstanden haben.

Später habe ich mich wieder einem anderen Thema zugewandt, nämlich den Menschenrechten im KSZE-Prozess. Das alles liegt sehr lange zurück, es war drei Jahre vor der Wende.

Und dann war ich Verkaufsleiter, Manager, freiberuflicher Journalist.

Mir wird schon schwindlig, wenn ich das hier alles hintereinander aufschreibe. Aber welchen Sinn hatte das alles, und wo ist die inhaltliche Klammer, die das alles schließlich umspannt?

Darauf gibt es für mich nur eine Antwort. So sehr mich manches von den Brüchen schmerzt, für das Schreiben ist es nicht nur optimal, es ist ideal.

Indem ich schreibe, beschäftige ich mich mit mir selbst. Das klingt ziemlich egoistisch.
Aber es ist so, denn ich denke über das nach, was war, warum es so war und wie ich es heute sehe.

Schreibend taste ich mich vorwärts, versuche immer wieder hinter den Sinn des Ganzen zu kommen. Und ich merke dabei, dass ich viele Erinnerungen am liebsten in Geschichten packe, die ich dann erzähle.

Werde ich dadurch zum Schriftsteller? Nein, ich denke nicht. Doch ich spüre das Leben intensiver, spreche mit mir selbst, stehe ich in Gedanken mit in Widerstreit zu mir selbst.

Das alles ist natürlich anstrengender, als wenn du nur so durch den Tag gehst, Sport treibst und deine Arbeit verrichtest.

Selbst die kleinsten Alltagserlebnisse siehst du anders, wenn du schreibst. Wie das aussieht, ja darüber denke ich in der Folge (11) des Schreib-Alltags nach.

‚LOSER‘ UND ‚FOLTERKNECHT‘

50 KILO ABNEHMEN – (17)

Die beiden inneren Stimmen kehren zurück. 

Wieder Fitness-Studio, wieder zuerst das Laufband. Ich habe gestern 2,06 km in 30 Minuten absolviert. Das ist gar nicht so schlecht für mich, denn ich bevorzuge das schnelle Gehen, das Walken sozusagen.

Aber der Anlauf am gestrigen Tag insgesamt war schwierig. Wir waren zwei Tage zuvor in Dresden und ich habe ein Stück Schokoladentorte im Café an der Semperoper gegessen. Und abends noch dazu drei Gläser Wermut getrunken, eine Katastrophe für mein Abnahmeprogramm.

Außerdem war ich am Freitag davor nicht im Fitness-Studio. Also drei Tage kein Training, dafür schön ungesund gegessen und getrunken.

Das alles zusammengenommen traf mich wie ein Keulenschlag, als ich den ersten Tag in der neuen Woche versuchte, am alten Schwung anzuknüpfen.

Nach dem Laufband war ich am Rudergerät. Es schien, als würde ich mit jedem Zug versuchen, einen Güterwaggon in Bewegung zu setzen.

In dem Moment musste ich mich wieder an meine beiden inneren Stimmen erinnern – ‚Folterknecht‘ und ‚Loser‘.

„Los, mach‘ weiter und erhöhe die Schlagzahl“, schnarrte mir Folterknecht ins Ohr.

„Gönn‘ dir doch ruhig eine Auszeit. Schau mal‘, dein rechter Schnürsenkel ist außerdem geöffnet, so kannst du gar nicht weitermachen.

Du hörst einfach auf zu rudern, steigst aus den Pedalen des Rudergeräts und bindest erst einmal die Schnürsenkel am rechten Schuh wieder zu.

Danach setzt du dich auf das gemütliche Sofa dort am Rand und schaust den anderen zu, wie sie sich abquälen“, sagte Loser mit einschmeichelnder Stimme an meinem anderen Ohr.

Ich habe weitergemacht, trotz des locker gewordenen Schnürsenkels am rechten Turnschuh. Die Schlagzahl habe ich aber auch nicht erhöht.

ALLTÄGLICHES – (18)

ES GIBT EINFACH ZU VIELE ARGUMENTE GEGEN DAS AUFSTEHEN AM MORGEN

Es gibt tausend Gründe, am Morgen nicht aufzustehen.

Am Montagmorgen fallen dir noch weitere Tausend ein:
„Warum willst du die Woche so hektisch beginnen? Das Wetter ist schlecht und es ist dunkel – das schlägt aufs Gemüt. Wieso 03.50 Uhr aufstehen und nicht 06.50 Uhr? Ist doch gesünder, oder etwa nicht?!“

Dann aber gibt es einen einzigen Grund, der dich doch aufstehen lässt. Und den musst du allerdings auch noch suchen, in deinem müden Kopf kramen und ihn hervorzerren.

Außerdem stehen überall die Argumente gegen diesen einen Grund im Weg. Du schaffst es also nur mit ein wenig Überwindung, Anstrengung dein Motiv zu finden.

Ich hab‘ meinen Grund gefunden: Ich hole am Mittwoch meinen Krümel aus der Kita ab. Das Gute daran: Davon zehre ich auch noch Morgen und Übermorgen.

JEEPY (40)

AM NÄCHSTEN MITTWOCH HOLEN WIR DICH AUS DER KITA AB

 

 

Hallo lieber Krümel, hier ist wieder Jeepy, dein bester Freund, nach meinem Fahrer, der gleichzeitig dein Opa ist natürlich.

Mein Fahrer ist so aufgeregt, denn er kann dich nächste Woche aus der Kita holen, wenn du ausgeschlafen hast.

Deine Mama hat wieder eine Weiterbildung in der Nähe von Potsdam und sie schafft es nicht, dich rechtzeitig abzuholen.

Deshalb rief sie meinen Fahrer vor zwei Tagen an.
„Willst du Krümel am nächsten Mittwoch von der Kita abholen?“, fragte deine Mama ihn.

„Natürlich, immer gern!“, rief dein Opa laut. Dabei war er noch im Fitness-Center.

Da wird es nicht so gern gesehen, wenn die Handys klingeln und dann noch laut gesprochen wird.

Ein paar Leute drehten sich nach meinem Fahrer um und straften ihn mit missbilligenden Blicken.

Aber das war dem Fahrer egal. Er freute sich, dass er mal wieder mit dir umhertollen kann.

„Hoffentlich spielt das Wetter mit, und wir können noch ein bisschen über die Spielplätze streunen“, hat er zu mir gesagt.

Und ich? Ja, ich muss wieder in der Parklücke stehenbleiben. Aber ich hoffe ja, dass du auch noch zu mir kommst und dann wie immer laut ‚Jeepiiiii‘ rufst. Ja, dann freue ich mich natürlich auch ganz doll.

Deine Oma will ebenfalls mitkommen.
„Das lässt die sich doch nicht entgehen!“, sagt mein Fahrer zu mir.
Naja, mal ehrlich Krümel, sei froh, dass Oma mitkommt.

Dein Opa braucht doch sonst wieder ewig, bevor er alle Sachen gefunden hat.

Und wenn es nicht gut läuft, zieht er dir erst mal wieder die Hose und die Jacke vom Nachbarkind an und fährt anschließend mit dem falschen Kinderwagen aus der Kita.

Deswegen ist Oma lieber dabei und Opa, der freut sich ebenfalls, denn dann kann er sich nur darauf konzentrieren, mit dir möglichst viel Quatsch zu machen.

Also, bis nächsten Dienstag, lieber Krümel,
dein Jeepiiiiiii!

WAS IST MIT DEN ERINNERUNGEN AUS DER ZEIT VOR DER WENDE?

SCHREIB-ALLTAG (9)

Ein Freund rief an und holte mich zurück in eine Welt, die ich fast schon vergessen hatte. Was sollte ich damit anfangen – vielleicht aufschreiben?

Ich habe kürzlich einen alten Freund und Arbeitskollegen gesprochen. Er rief bei mir an, nannte seinen Namen. Ich musste zunächst innehalten, es war zulange her, seitdem wir uns gesehen und gesprochen hatten.

Aber gleich danach purzelten die Erinnerungen, so als würde eine Kiste im Regal umgestoßen. Und dann siehst du auf einmal wieder Dinge zum Vorschein kommen, die du ohne diesen Anstoß nie wieder gesehen hättest.

„Kennst du noch den Martin?“, fragte mich mein Freund.
„Ja, ich erinnere mich dunkel“, sagte ich.

„Der lebt nicht mehr, ist gestorben. Schon vor ein paar Jahren“, sagte er daraufhin.

„Aber der, den du nicht mochtest, weißt du, was aus dem geworden ist?“, bohrte er weiter.

„Was ist aus ihm geworden?“, setzte ich ungeduldig nach, obwohl ich es gar nicht so richtig wissen wollte.
„Du, der hat nach der Wende eine unglaubliche Karriere gemacht, ist viel im Ausland gewesen und kam zu unseren Treffen stets braungebrannt.“

Dann fragte er mich unvermittelt: „Warum kommst du eigentlich nicht, um ehemalige Gefährten zu treffen?“

Ich hatte keine Antwort darauf, schwieg und überlegte.
Ja warum eigentlich bin ich noch nie bei diesen Treffen dabei gewesen?

Ich wusste es nicht.
Zu lange her? Zu langweilig, um Gespräche über Vergangenes zu führen?

Alltägliche Sorgen, die mich umtrieben und noch heute umtreiben?
Vielleicht von jedem ein bisschen.

Trotzdem, diese Menschen, Freunde, Kollegen, sympathisch oder weniger sympathisch, gehörten mal zu meinem Leben.
Die Frage zwang mich zum weiteren Nachdenken:
„Was ist, wenn du davon etwas aufschreibst, festhältst?“, fragte ich mich.

Ich könnte mich zurückerinnern, an gute und an schlechte Tage, fröhliche Ereignisse und traurige.

Auf jeden Fall würde es mich beleben, meinen Alltag lebendiger machen.

Vielleicht sollte ich daraus kleine Geschichten machen – aus dem, was mal zu meinem Leben gehört hat. Ich werde darüber nachdenken.

LAUFBAND – DIE ERSTE TRAININGSEINHEIT

50 KILO ABNEHMEN – (16)
Es geht immer mit dem Laufband los. Eine halbe Stunde ist schnell rum, nur nicht, wenn du dich die ganze Zeit anstrengen musst.

Fitness-Studio in Berlin-Mitte.

Ich bin schon seit kurz vor sechs Uhr hier und habe gerade die halbe Stunde auf dem Laufband beendet.

„Oh Gott, wie soll ich das bloß durchhalten?“, dachte ich noch, bevor ich auf das Laufband stieg. Doch ich habe die Geschwindigkeit auf 2,0 gestellt, die ersten fünf Minuten jedenfalls. Das war mehr ein vor sich hinschleppen.

„Was wohl die Putzfrau von mir dachte, als sie mich sah, während sie selber um mich herum wischte? Auf jeden Fall ist sie unglaublich fleißig und flink noch dazu.

In der sechsten Minute habe ich damit begonnen, die Geschwindigkeit zu erhöhen, und zwar ab da jede neu angebrochene Minute ein bisschen mehr. Zum Schluss war ich bei der Geschwindigkeit 5,0 angelangt.

Das kann man mit sehr schnellem Walken vergleichen. 1,94 km zeigte das Display an, als ich fertig war. Wenn die magische Zahl 30‘ auftaucht, und ich auf ‚Stopp‘ drücke, kann ich es immer gar nicht glauben, dass die Zeit doch so schnell vergangen ist.

Und so war es an diesem Tag auch. Das liegt ganz sicher an der Musik, der ich mich anzupassen versuche, um mich rhythmischer zu bewegen, beschwingter eben.

Manchmal stellt sich ein junger Mann neben mich auf das Laufband, was an sich nichts Ungewöhnlich ist in einem Fitness-Studio. Doch dieser steigt auf das Laufband und fängt an zu laufen, als gäbe es kein Morgen mehr.

Wie im Vollrausch hämmert er seine Füße auf das Band und übertönt sogar die Musik, aber der Spuk ist nach 10 Minuten vorbei, Gott sei Dank.

Auf jeden Fall kann ich nicht so schnell laufen und da bewundere ich ihn auch, aber dafür halte ich die dreifache Zeit aus. Und ich weiß, dass es für mich darauf ankommt, meine Knie mit meinem Übergewicht nicht übermäßig zu belasten.

Nachdem ich vom Band gestiegen bin, hole ich mir ein Tuch, um die Stellen abzuwischen, die ich mit den Händen angefasst habe.

Der innere Motivationsschub signalisierte danach: „Die erste Trainingseinheit ist geschafft.“

Ich habe mich trotzdem damit nicht lange aufgehalten, sondern mich an die nächste Station begeben – zum Rudern.

MORGENS ERST MAL DEN ZEITUNGSBOTEN ERSCHRECKEN

ALLTÄGLICHES (17)

Es ist 03.45 Uhr und der Wecker vom iphone klingelt, besser die Grillen zirpen mal wieder. Mich trifft der Schlag, denn mir ist, als wäre ich gerade erst ins Bett gegangen.

Aber das Zirpen ist unerbittlich und so taste ich nach dem kleinen Störenfried, finde die Stopptaste und kann den Krach abstellen. Ich schwinge die Beine aus dem Bett und sitze auf der Kante.

„Es kann doch nicht wahr sein, dass ich wirklich aufstehen muss“, schießt mir durch den Kopf. Klara rührt sich nicht. Ich mache das Bett, so leise wie es geht.

Aber ich kann nicht leise sein, sagt Klara immer. Gut, dann eben nicht. Also haue ich zum Schluss mit der flachen Hand auf das Kissen, damit es schön flach liegt. Jetzt dreht sich Klara um, sagt aber nichts.

Ich gehe raus, rasiere mich. Mehr mach‘ ich morgens nicht, außer noch Zähneputzen. Wenn ich ins Fitness-Studio nach Berlin reinfahre, dann dusche ich mich erst, wenn ich zurück bin. Jetzt gehe ich hinunter und schaue nach, ob die Zeitung schon da ist.

Vorgestern habe ich dem Zeitungsboten einen großen Schrecken eingejagt . Er stand plötzlich vor mir, als ich die Haustür aufmachte und im Begriff war, in den Briefkasten zu schauen. Er zuckte panisch zusammen. „Nicht erschrecken“, sagte ich.

„Doch, ist bereits passiert“, meinte er, und wir mussten beide lachen.
Heute stelle ich den Tee zum Abkühlen auf die Gartenbank.
Es ist kalt. Der Tag ist wach und ich bin es nun auch.

JEEPY (39)

JEEPY’S GESUNDHEITS-WINTERCHECK

Guten Morgen lieber Krümel,
hier ist Jeepy‘s Fahrer.

Jeepy kann gerade nicht sprechen, er ist zum Gesundheitscheck. Naja, das ist ein bisschen übertrieben.

Aber du kennst das ja, wenn du mit deiner Mama zum Arzt gehst und der Doktor dann sagt: „Mund auf.“ Und wenn du ihn aufgemacht hast, steckt er dir einen Holzspachtel in den Mund und sagt: ‚Weiter aufmachen, noch weiter.“

Dabei hast du den Mund schon auf und kannst nur noch krächzen und die Augen sind auch weit aufgerissen.

Das passiert nun in der Werkstatt, nur diesmal mit Jeepy eben.
Wahrscheinlich prüfen sie gerade seinen Ölstand oder ziehen ihm die Schuhe aus, ich meine, drehen ihm die Räder ab.

Und ich sitze hier lieber Krümel, habe die Beine weit von mir gestreckt, direkt unter dem Tisch.

Also schreibe ich ein bisschen an dich, auf dem iPhone und erwische mit meinen dicken Daumen oft den falschen Buchstaben. Aber das ist nicht so schlimm.

Jeepy geht’s im Moment schlechter.
Der muss sich allerhand Untersuchungen gefallen lassen. Doch dann sind wir auf der sicheren Seite, wenn wir im Dezember zusammen an die Ostsee fahren, und wir gemeinsam das Lied „Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf mein‘ Fuß“ singen.

Ich kenne ja nur die erste Strophe. Danach muss deine Mama einspringen.

Zum Schluss sagst du dann: „Noch mal“.
Und spätestens dann versucht uns Jeepy zu entfliehen.

Kann er aber nicht, denn wir sitzen ja bei ihm drinnen und singen ungerührt weiter, aus voller Kehle. Das wird wieder lustig.
Bis bald mal, lieber Krümel, und schöne Grüße von ‚Jeepiii‘, der dir aus der Werkstatt winkt.

50 KILO ABNEHMEN (15)

DER KAMPF HAT NOCH GAR RICHTIG ANGEFANGEN


Ich habe mich ganz gut reingefunden, in das Fitness-Leben. Das ist ein wichtiger Meilenstein in dem Gezerre darum, soviel Gewicht zu verlieren.

Ich denke, ich muss noch mehr tun, was die Umstellung der Ernährung angeht.
Ich verstehe mich manchmal selbst nicht mehr.

Für jedes noch so kleines Projekt plane ich bis ins Detail, lege die Zwischenschritte fest und gleiche regelmäßig das Erreichte ab.
Aber in dem ‚Großprojekt‘ 50 Kilo abnehmen gehe ich ziemlich laienhaft vor.

Dabei könnte es so einfach sein. Aber einfach ist es eigentlich stets nur für den, der darüber nur redet oder nur schreibt. Das trifft auf mich natürlich zu.

Doch es kommt etwas Wichtiges hinzu: Ich muss das, was ich sage, auch noch selbst umsetzen. Und da hört die Freundschaft schon auf, denn das hat viel mit Schweiß, Verzicht und Disziplin zu tun.

Aber ich will nicht jammern. Nein, ich habe es ja selbst so gewollt. Ab heute werde ich aufschreiben, was ich zu mir nehme, um quasi eine Bestandsaufnahme zu erreichen.

Anschließend werde ich das alles analysieren, am besten am Wochenende, um danach Schlussfolgerungen zu ziehen. Hoffentlich die richtigen.

Jetzt noch mal ohne Analyse: Ich habe 800 Gramm in der vergangenen Woche abgenommen.

Sicher, das ist nicht viel, aber es geht vorwärts, und in dem Fall abwärts.

Es grüßt der Dicke, der die Hoffnung und den Kampf nicht aufgibt, kräftig Pfunde zu verlieren.

ALLTÄGLICHES (16)

DER ALLTAG BEGINNT MIT FITNESS

Eine alte Woche liegt hinter mir und eine neue ist gerade angebrochen. Das morgendliche Training im Fitness-Studio gibt mir viel Energie.

Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal jeden Morgen auf dem Laufband stehe, danach beginne zu rudern, anschließend die Beine hebe und senke und erst dann noch an 14 Geräten Übungen absolviere.

Unvorstellbar, wenn mir das jemand noch vor ein paar Jahren gesagt hätte. Doch nun stehe ich schon den fünften Monat morgens auf, bringe Klara nach Berlin-Kreuzberg zur Arbeit, drehe um und fahre im Prenzlauer Berg in die Tiefgarage.

Das ist schon zu einem Ritual geworden. Klara beschwert sich, dass ich bereits um 05.00 Uhr mit zu viel Power auf der Piste bin und versuche, in angeregte Gespräche zu verwickeln. Aber Klara kann um diese Zeit eisenhart schweigen.

Und trotzdem genießt sie es, dass ich sie fahre und sie nicht in den Vorortzug steigen muss, später in die S- und U-Bahn. Ist das alles so toll, und springe ich mit freudiger Erwartung aus dem Bett, wenn das iPhone klingelt, besser die Grillen zirpen?

Ja, vergiss es.
Und wenn ich in die Tiefgarage am Fitness-Center einbiege, aussteige und über mir das Stampfen und Rollen der Gewichte bereits zu hören ist, ja dann habe ich gar keine Lust. Aber nun gibt es kein Zurück mehr.

Ich setze ein Bein vor das andere, steige die Treppen hoch, ziehe die Karte für den Einlass ins Studio durch, kleide mich um und los geht’s. Dann stelle ich mich auf das Laufband, fange langsam an und stelle jede Minute die Geschwindigkeit etwas höher, bis ich in meinem Modus angelangt bin.

Ich schaue auf den Fernsehmonitor vor mir, höre die Musik und komme allmählich in den Rhythmus hinein. Auf der Straße hasten Leute umher, Autos brettern vorüber.

Ich spüre die Energie in mir hochsteigen und gute Laune aufkeimen. Den Tag habe ich auf diese Art jedenfalls geknackt. So war es die gesamte vergangene Woche. Und diese Woche wird es wieder so.

50 KILO ABNEHMEN (14)

MEIN ZIEL ZWISCHENDURCH ZU VERFEHLEN PASSIERT- MEIN ZIEL NICHT ZU KENNEN HINGEGEN DARF NICHT SEIN

Ich muss zurückdenken an den Tag, an dem ich den Entschluss fasste, mich auf das Abenteuer einzulassen, öffentlich darüber zu schreiben, dass ich insgesamt 50 Kilo abnehmen will. Das war der 03. Juli in diesem Jahr.

Manchmal kommen mir echte Zweifel, ob das überhaupt auf einen Blog gehört.

Doch dann sage ich mir wieder, dass ich nicht authentisch wäre, würde ich lediglich theoretisch über Lebensqualität im Alter schreiben.

Und im Kern generiert sich ja bekanntermaßen die Qualität im Leben vor allem durch die Gesundheit. Also: Was liegt näher, alles zu tun, damit die in der Vergangenheit gemachten Fehler nicht fortgeführt werden und das Übergewicht möglicherweise noch anwächst?

Ich wollte unbedingt einen Schlussstrich unter diese Art von Leben ziehen und sofort damit beginnen, meine auf dem Papier festgehaltenen Ziele in die Tat umzusetzen.

Wenn ich davon ausgehe, dass ich im Januar 2019 noch 131 kg wog und jetzt auf 122,8 kg herunter gekommen bin, dann finde ich das schon nicht schlecht.

Das sind rund 8 Kilo, die ich in zehn Monaten verloren habe.
So ganz zufrieden bin ich trotzdem nicht. Ich wollte schon unterhalb der 120 KILO Grenze sein.

Das Gute wiederum daran ist: Ich habe Ziele und ich kenne sie.
Ich ‚schwimme‘ also nicht mehr in einem Ozean und lasse mich treiben, ohne wirklich den Kurs zu kennen.

Das Ziel zu kennen, die Zahlen festzulegen – sie sind in diesem Zusammenhang ausschlaggebend für mich, damit ich dranbleibe, am Abnehmen und am Gesundbleiben.

50 KILO ABNEHMEN (13)

EIN SCHRITT NACH VORN – ABER MANCHMAL AUCH WIEDER ZWEI ZURÜCK

Sonntagmorgen. Ich fertige die Liste für den neuen Monat an – November 2019.

Vorher schaue ich auf das Ergebnis im Oktober. Ich bin ganz zufrieden, denn immerhin sind es 3,5 kg weniger, die ich seit Monatsbeginn auf die Waage bringe.

Am 07.10.2019 waren es 126,3 kg und nun am Monatsende sind es nur noch 122,8 kg.

Es fällt mir nicht leicht, davon zu berichten. Es ist, als würdest du irgendwie nackt dastehen. Doch es geht nicht anders.

Ich will zeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen. Aber nicht nur das. Ich möchte darüber schreiben, wie mühselig es ist, wie oft auf einen kleinen Schritt nach vorn zwei Schritte folgen, die in die andere Richtung gehen, nämlich rückwärts.

Aber wer glaubt auch schon, dass jemand mit 50 kg Übergewicht in wenigen Wochen wieder auf sein Normalgewicht zurückgelangt? Ich denke niemand.

Der Weg ist deshalb stets ein wenig das Ziel. Ich gehe jeden Wochentag ins Fitness-Studio im Prenzlauer Berg, ackere inzwischen zwei Stunden an den Geräten. Ich merke es, denn so langsam wachsen die Muskeln wieder.

Jetzt kommt es darauf an, noch mehr in Sachen Ernährung zu tun. Das ist bei mir der ‚Pferdefuß‘. Ich will es hier aus eigener Kraft schaffen und mich nicht in die Hand von Ernährungsberatern begeben.

Das heißt auf der anderen Seite, sich selbst schlau zu machen, zu lesen, zu analysieren. Seit heute notiere ich mir, was ich jeweils gegessen habe.

Ich tippe das sofort ins iPhone, denn das schleppe ich ja ohnehin überall mit mir rum. Am Wochenende werde ich das Ganze dann auswerten.

Es ist nicht nur physisch anstrengend, nein, es braucht genauso die mentale Kraft, die Geduld und den Biss, alles aufzuschreiben, die richtigen Schlüsse aus dem Protokollierten zu ziehen. Ich bleibe dran.

Am 04.12.2019 will ich bei 119,7 kg sein. Das wäre ein phantastisches Ergebnis. Doch das wird kein Spaziergang, es wird hart, durchzuhalten.

ALLTÄGLICHES (15)

WAS HEISST DAS – RUHESTAND GENIESSEN?

In den letzten Tagen habe ich viel darüber in Zeitungen und Zeitschriften gelesen, wie man seinen perfekten Ruhestand verlebt. Sicher, es gibt vieles, was man beachten muss, wenn dieser Zeitpunkt heranrückt.

„Jetzt können Sie endlich Ihren Ruhestand genießen“, „ab sofort brauchen Sie nie wieder früh aufzustehen“, das und anderes hörst du, wenn du sagst, du gehst in Rente, oder du bist es schon.
Aber will man diesen Bruch wirklich? Ich wollte ihn nicht, so jedenfalls nicht.

„Ja, du hast gut reden, du verdienst mit dem Schreiben dein Geld, musst ohnehin nicht aus dem Haus“, gaben mir Freunde und Bekannte zu verstehen, als ich sagte, dass ich weiterarbeiten würde, trotz oder gerade wegen des Ruhestands.

Das stimmt schon, aber es stimmt irgendwie auch nicht. Ich glaube der Unterschied liegt im Denken, darin nämlich, wie ich mein Leben weiter verbringen will. Leben ist nur lebenswert, wenn man nicht direkt auf das Abstellgleis geschoben wird, und wenn dort noch so ein komfortabler Lebensabendwaggon steht.

Ich will auf dem Hauptgleis bleiben, im Lebensfluss mit anderen Menschen. Und wenn du daran festhältst, weiter arbeitest, dann kannst du tatsächlich ein paar Vorzüge des Rentendaseins genießen. Zum Beispiel, dass ich jeden Morgen für zwei Stunden ins Fitness-Studio fahre und erst danach mit der Arbeit beginne.

Rentenzeit ist weiterhin Lebenszeit, auch wenn sie im letzten Drittel des Menschenalters liegt. Ich glaube fest daran, dass man sich selbst im Alter anstrengen sollte, weil man nur so fähig ist, wirklich zu genießen.

50 KILO ABNEHMEN (12)

DER SCHRITTZÄHLER

Am Wochenende kamen wir von einem Ausflug aus der Schorfheide.
„Papa, halt mal bitte am Drogeriemarkt an“, sagte Laura zu mir.

Ich habe angehalten, ohne groß nachzufragen.
Als wir wieder zuhause waren und Laura ihren Einkauf auspackte, da kam ein Schrittzähler zum Vorschein.

„Der ist für dich“, sagte Laura zu mir und zeigte mir ein kleines schwarzes Ding.

„Was ist das?“, fragte ich zurück.
„Ein Schrittzähler.“

„Ich stelle ihn dir noch nach deinem Schrittmaß ein und dann kannst du deine 10.000 Schritte am Tag gehen“, sagte sie zu mir.
„Kein Problem!“, meinte ich.

Ich wusste ja, dass ich bereits auf dem Laufband eine Menge an Schritten ‚abreißen‘ konnte.

Also steckte ich ihn mir nach dem Umziehen im Fitness-Studio an die Hose und stieg auf das Laufband. Als 30 Minuten vorbei waren, da hatte ich genau 2461 Schritte geschafft.

Ein wenig war ich ja enttäuscht, denn im Stillen hatte ich mit wesentlich mehr gerechnet.
Ich schrieb es trotzdem per WhatsApp stolz an Laura.

„Klingt doch gut … fehlen noch 7500“, schrieb sie zurück.
Das konnte einen niederschlagen. Immerhin müsste ich noch dreimal auf das Laufband, um die restlichen Schritte zu schaffen.

Ich drehte meine Runde an den Geräten und dann überlegte ich, was ich noch tun könnte.

Das Gerät für das Treppensteigen, das gefiel mir. Kurz entschlossen stieg ich rauf und drückte auf Start. Ich kam mir vor, wie ein Wasserträger, der von seinem Gefährten auch ein paar Krüge übergeholfen bekommen hatte.

Das war nichts für mich. Ich ging doch noch einmal auf das Laufband. Wieder 30 Minuten.

Inzwischen war es kurz nach 08.00 Uhr. Ich war bereits knapp zweieinhalb Stunden im Studio.

6302 zeigte der Zähler nun an. Das las sich schon gut.
Ich musste zurück, weil die Arbeit am Schreibtisch auf mich wartete.
Schließlich war ich an der Haustür, schloss auf und war froh, dass ich es geschafft hatte.

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich hatte Klara versprochen, dass ich sauge.
Am Wochenende waren wir nicht dazugekommen, da Krümel uns in Atem gehalten hatte.

Ich schleppte also die Teppiche runter, schüttelte sie aus, schmiss den Staubsauger an und saugte durch die gesamte Wohnung. Ich ging die Treppen rauf und wieder runter. Ich schüttete noch die Papierkörbe aus und war endlich fertig. Jetzt war ich gespannt.

Ich schaute auf den Schrittzähler. 6388 Schritte zeigte er an.
Das reichte ja immer noch nicht. 13.30 Uhr. Ich hatte ein wenig an den Pressetexten gearbeitet und konnte eine Pause gebrauchen.

Also zog ich die Strümpfe aus, machte die Haustür auf, damit noch mehr Sauerstoff hereinkam und stapfte die Treppen fünfmal rauf und runter.

Ich war danach bei 6980 und fix und fertig. Und das wollte ich jetzt wirklich jeden Tag machen?
Ich legte mir erst einmal eine Liste an und schrieb die bisher erreichte Schrittzahl auf.

Noch 3020 Schritte notierte ich in die letzte Spalte, die ich mit ‚bis 10.000‘ überschrieben hatte.

Wenn ich davon ausging, dass ich mit einmal die Treppen hoch – und runter 66 Schritte brauchte, dann musste ich ja nur noch knapp 46 Mal die Übung wiederholen.

Ich bekam schlechte Laune und konzentrierte mich erst einmal auf meine Arbeit.
7599 Schritte habe ich am Montag geschafft.

Immerhin, ich hatte angefangen.

ALLTÄGLICHES (13)

DU HAST WOHL ANGST, DASS DU NICHT ZURÜCKFINDEST?
(Teil 2)

Ich schaute auf die Uhr, kehrte auf dem Weg um und ging langsam zurück. Ich war lange nicht gelaufen und gestand mir deshalb eine Reihe von Kompromissen zu. Zuerst wollte ich eine Stunde laufen und deshalb nach einer halben Stunde umkehren.

Dann bin ich auf 50 Minuten heruntergegangen und wollte nach 25 Minuten den Rückweg antreten. Schließlich blieb ich bei 40 Minuten hängen und dann waren 20 Minuten erreicht. Ich konnte also umdrehen.

Als ich das Auto sah, schnallte ich die Stöcke ab und schlenderte die letzten Meter zurück.
Das tat ich besonders gern, weil ich dann noch einmal die Ruhe im Wald genießen konnte.

Klara war noch nicht zurück. Ich nahm mein Handy heraus und fing an in dem Notizteil zu schreiben. Inzwischen kam ich damit gut klar, auch wenn mein iPhone klein war und ich oft mit meinen Fingern auf den falschen Buchstaben tippte.
Plötzlich klingelte es.

„Kannst du mich sehen?“, fragte Klara mich.
„Ich kann dich nicht sehen!“, antwortete ich.

„Wo bist du denn?“
„Ja, wenn ich das wüsste“, sagte sie mit kläglichem Unterton.
„Ich hupe mal, vielleicht hörst du das ja“, schlug ich ihr vor.

Ich drückte auf die Hupe, aber sie hörte mich nicht.
„Dann musst du es eben so weiter versuchen, klarzukommen“, sagte ich zu ihr.

Sie sagte nichts weiter. Anfangs hatte sie mich noch spöttisch angesehen, dass ich nicht vom Weg abweichen wollte. Jetzt aber sah sie, dass dies nicht die schlechteste Idee war.

Es vergingen einige Minuten und ich sah in der Ferne eine Gestalt, die hin- und her schwankte.

Sollte sie das etwa sein? Ich fuhr das Auto von der Seite auf die Lichtung und machte das Scheinwerferlicht an.
Es musste Klara sein, auch wenn sie nicht winkte und nicht ans Handy ging.

Also fuhr ich ihr kurzentschlossen entgegen. Aber mir war nicht wohl bei dem Gedanken, denn eigentlich durfte der Waldweg nicht befahren werden.

Doch jetzt war das für mich eine Notsituation.
Schnell kam ich dem Schatten näher. Es war Klara.

„Gut, dass du mir entgegengekommen bist, ich kann nicht mehr“, sagte sie zu mir mit letzter Kraft.

In der Hand hielt sie den Korb, bis oben hin voll mit Pilzen.
Sollte ich jetzt also sagen: „Ja, du wolltest ja alles besser wissen und nicht auf mich hören. Nämlich, dass wir uns abstimmen, wo genau wir hingehen, und wann genau wir am Auto zurück sind.“
Das klang alles so spießig, auch wenn es vernünftig war.

„Du hast ja den Korb tatsächlich mit Pilzen voll bekommen“, sagte ich stattdessen und war stolz auf mich, dass ich es geschafft hatte, meine Belehrungen zu unterlassen.

ALLTÄGLICHES (12)

DU HAST WOHL ANGST, DASS DU NICHT ZURÜCKFINDEST?
(Teil 1)

Freitagabend. Klara fragte mich, ob wir noch einmal in die Schorfheide fahren wollten, um Pilze zu sammeln.

Ich verspürte wenig Lust dazu und würde mich lieber vor den Fernseher hocken und eine Talkshow aus der Mediathek aufrufen.
„Ich denke, du willst dich darüber nicht mehr aufregen, was die in den Runden von sich geben?

Komm‘ lieber mit in den Wald. Du musst ja keine Pilze sammeln, sondern nur nebenher spazieren gehen“, versuchte sie mich zu überreden.

„Nur nebenher laufen, das ist ja wie ein bisschen schwanger sein, nichts Richtiges und nichts Ganzes. Dann mach‘ ich lieber Nordic Walking“, sagte ich zu ihr.

Also packte ich die Stöcke ein und zog mir die Turnschuhe an. Ich versuchte es jedenfalls. Denn in dem Moment, wo ich den Schuhanzieher zwischen meinen rechten Hacken und den Sportschuh stecken wollte, kam mein Nachbar vorbei. Ich legte den Schuhanzieher auf die Gartenbank vor dem Haus und hüpfte auf einem Bein zu ihm hin.

‚Das Training im Fitness-Studio hatte also doch schon was gebracht‘, dachte ich bei mir. Der Nachbar hatte Zeit und formulierte seine Sätze gemächlich, ich schwankte indessen auf einem Bein hin und her und hinter mir wartete Klara darauf, dass ich endlich den zweiten Schuh anzog.

Schließlich gelang es mir doch, mich aus dem Gespräch zu lösen. Wir fuhren los und waren schnell am Ziel.

„Ich gehe den Weg entlang“, sagte Klara und zeigte auf einen mit Moos und Gras bewachsenen Pfad, der sich durch den Wald schlängelt.

„Ich bleibe hier auf dem geraden Weg, da finde ich auch wieder zurück“, entgegnete ich.
Klara lächelte milde und sagte: „Du hast wohl Angst, dass du nicht zurückfindest?“

„Naja, das geht schneller, als du denkst. Immerhin sind wir in der Schorfheide und
nicht im Stadtpark von Berlin-Hohenschönhausen“, sagte ich beleidigt.

Klara stapfte in Richtung ihres Weges und ich legte meine Stöcke an und lief ebenfalls los.

Eine Zeit lang hörte ich noch das Rauschen der Autos auf der Landstraße, dann ebbte es aber mehr und mehr ab. Es roch gut. Ja, es duftete förmlich nach Tannennadeln, die auf dem Boden verstreut waren.

Der Farn war am Rand inzwischen braun geworden. Die Sonne tauchte noch einmal auf und schien durch die Bäume hindurch. Es war still, nur ab und zu hörte ich ein Knarren, wahrscheinlich von einem hin-und her schwankenden Baum.

‚Gut, dass Klara so hartnäckig war und wir jetzt hier in der Schorfheide waren‘, dachte ich bei mir.

Ich tauchte gedanklich in eine neue Welt ein und merkte, wie der Stress von mir abfiel.

An der rechten Seite des Weges war ein Holzstapel zu sehen. An einem der Baumstämme war mit grüner Farbe die Zahl 191 825 vermerkt.

‚Die merkst du dir jetzt aber nicht‘, versuchte ich mir einzuhämmern.
Doch genau das Gegenteil passierte. Ich kriegte die Zahl nicht mehr aus meinem Kopf. Wahrscheinlich, weil ich mich von anderem unnötigen Gedankenballast befreit hatte und nun Platz war für neue Gedankenspiele.

Außerdem: Ich merkte mir Zahlen gern. Das klebte wie ein Fluch an mir, weil es Dinge waren, die keiner brauchte und wissen wollte.

Zum Beispiel das Autokennzeichen von unserem ersten Trabbi aus Dresden: ‚YE-78-44‘. Wer wollte das schon wissen.

Wenn ich das sagte, dann schauen mich meistens die anderen in der Runde an und dachten wohl: „Ja, der Dicke, mit dem geht es nun auch abwärts, seitdem er in Rente ist.“

JEEPY (36)

JEEPY KRIEGT WINTERSCHUHE

Hallo Krümel,
hier meldet sich dein bester Freund, nach ‚Bubba‘, deinem Opa und meinem Fahrer, selbstverständlich.

Wir wollen heute ins Autohaus. Ich kriege wieder Winterschuhe an, ich meine Winterreifen.

Die stehen dort seit einem halben Jahr im Regal und warten sehnsüchtig, dass sie ans Tageslicht dürfen. Ich muss deshalb meine Sommerschuhe abgeben, die ebenfalls bis nächsten Ostern im Regal verschwinden.

Der ‚Schuhwechsel‘ ist gar nicht so einfach. Ja du, du hockst einfach auf den Fußboden, hebst deinen kleinen Fuß in Mamas Richtung oder wenn dein ‚Bubba‘ da ist, eben in seine Richtung. Und den Rest kannst du getrost beobachten und abwarten. Aber du willst ja schon alles allein machen und bald beherrscht das Schuhe anziehen auch.

Doch ich, ich werde auf einer Bühne nach oben befördert, wenn an meinen ‚Schuhen‘ herumgeschraubt wird.

Und der Fahrer? Ja der, der wird sich wieder genüsslich im Autohaus umschauen, ob er nicht ein größeres Auto findet, mit einem größeren Kofferraum, wie er meint.

Das macht mich ganz traurig. Aber du Krümel, du bist ja auch noch da.
Also, wenn du mich das nächste Mal siehst, dann ruf‘ ganz laut: „Jeeeppiiii!“

Und dazu stampfst du vor Freude mit den Beinen auf, so wie du es das letzte Mal bei unserem Treffen getan hast. Ja, dann wird der Fahrer ganz weich und wird mich bestimmt nicht umtauschen.

Also Krümel, denk‘ dran: Du hast es in der Hand!
Bis bald mal, dein heimlich bester Freund „Jeepy“

ALLTÄGLICHES (11)

DIE WELT IST EIN DORF

Es war ein heißer Tag geworden. Und das, obwohl wir Mitte Oktober schreiben.
Klara war dabei die Hecke zu schneiden und ich ging zu ihr, um das abgeschnittene Grün zusammenzufegen.

Klara hielt mich für talentiert genug, diese Sache ordentlich zu erledigen.
Aber an die Hecke – nein, da ließ sie mich nicht ran.
Schließlich war sie mit dem Heckeschneiden fertig und es ging nur noch darum, ein paar Äste am Baum zu kürzen, die über die Hecke ragten.

„Kann ich auch mal?“, fragte ich schüchtern.
„Ja, na klar!“, antwortete Klara großzügig und kam von der Leiter herunter.

„Pass bloß auf, dass du nicht herunterfällst“, sagte sie noch, als ich mich bereit machte, die Leiter zu erklimmen.

„Zeigst du mir, welchen Ast ich abschneiden soll?“, fragte ich vorsichtshalber.

„Nein, das machst du schon“, meinte sie hingegen.
Also ging ich ans Werk und kappte den ersten Ast.
„Also der sollte eigentlich dranbleiben“, hörte ich Klara zu mir heraufrufen.

Ich störte mich nicht daran und kappte die Äste weiter.
„Oh Gott, warum hast du denn jetzt den gekürzt?“

„Warum nicht?“, fragte ich zurück.
„Das ist ein Fliederbaum, und du musst aufpassen, welchen Ast du kürzt“, sagte sie daraufhin.

„Dann mach‘ doch deine Arbeit alleine“, brummte ich und stieg wieder die Leiter hinab.

Wortlos kehrten wir noch Äste zusammen, packten alles ein und gingen zur anderen Seite des Hauses zurück.

Der Schweiß lief mir herunter. Ich hatte den dicken Pullover an. Ich hatte mich bereits auf Winter eingestellt und erwartete das gleiche jetzt vom Wetter.

Schließlich sank ich auf die Bank vor unserer Eingangstür und schaute schlecht gelaunt vor mich hin.
Da kam der Briefträger. Der, der immer mit dem Fahrrad kommt und spezielle Post verteilt.

Meist waren das die Rechnungen. Jetzt wieder. Er überreichte mir einen Brief von der Telekom, mit einer Rechnung natürlich.
„Oh, sammeln Sie auch Steine von der Ostsee?“, fragte der Postbote mich und zeigte interessiert auf die Rückseite der Carportwand.

Dort hingen Steine, die Klara an einem Band befestigt hatte.
„Ja, wir sind Ostseefans“, antwortete ich kurz, obwohl ich kaum Lust hatte, meinen Mund zu öffnen.

„Und wo fahren Sie da hin?“, hakte der Postbote weiter nach.
„Wir fahren nach Rügen, an den Jasmunder Bodden. Aber das werden Sie vielleicht nicht kennen.“

„Und in welchen Ort?“, fragte er.
„Polchow“, sagte ich und war der festen Überzeugung, dass er dieses kleine Dorf auf keinen Fall kennen konnte.

„Nein!“, rief er aus.
„Doch!“, sagte ich.
„Wir hatten da viele Jahre eine Laube, in der wir die Ferien verbrachten.“

„Und wo da genau?“, fragte er mich, so als würde er den Wahrheitsgehalt meiner Worte überprüfen wollen.

„Sie kennen ja die Kappstraße, oder?“
„Kenn‘ ich“, sagte er.
„Links geht es zum Wasser, rechts ins Dorf und geradeaus zu unserem geliebten Bungalow“, sagte ich.

Der Postbote schaute mich an, zückte seine Brieftasche, holte den Ausweis heraus und gab ihn mir.
Dort stand sein Geburtsort: Polchow!

„Nein“, rief ich jetzt.
„Oh doch“, antwortete der Postbote schmunzelnd.
„Meine Schwester wohnt dort heute noch.“

Als er uns ihren Namen verriet, da sagte Klara: „Ihre Schwester hat viele Jahre direkt in Sassnitz in unserem Haus gewohnt, eine Wohnung unter uns.

Wir verabschiedeten uns fröhlich und meine schlechte Laune war wie verflogen.

„Die Welt ist ein Dorf“, sagte ich zu Klara und biss herzhaft in den Streuselkuchen, den ich gar nicht mehr essen wollte.

ALLTÄGLICHES (10)

MEINE ART, ZUM GEBURTSTAG ZU GRATULIEREN – NICHT AUF DEN SONNTAG, SONDERN AUF DEN ALLTAG SCHAUEN

Ich habe heute Morgen einem Geschäftspartner zum Geburtstag gratuliert und ihm zum Schluss folgendes geschrieben: „Ihr größtes Geschenk in Ihrem Leben kann in der Erkenntnis liegen, dass der größte Reichtum tatsächlich nicht zwingend in den monetären Dingen zu finden ist, sondern in den kleinen Dingen und Widrigkeiten des Alltags – zum Beispiel, wenn man dem geliebten Hund hinterherpfeifen muss, weil selbst der seinen eigenen Kopf hat.“

50 KILO ABNEHMEN (11)

ICH WILL ABNEHMEN – UND TROTZDEM KEIN VORBILD SEIN

Letzter Freitag, vergangener Woche: Das war wieder ein guter Tag.
Ich kriege die ‚volle Dröhnung‘ an positiver Energie im Fitness-Studio.

Ein guter Freund sagte mir, dass ich für andere kein Vorbild bin, weil es beim Abnehmen mal vor und zurückgeht.
Aber will ich überhaupt ein Vorbild sein?

Ich denke nicht, denn mir geht es um etwas anderes.
Ich will zeigen, dass es kein Spaziergang ist, auf dem du nur einfach deine Übungen machen musst, die richtigen Ernährungstipps befolgen sollst, und schon klappt es.

Das ist wichtig, aber entscheidend ist, ob ich meine Einstellung zum Leben verändern kann.

Warum? Nun, weil ich über Jahrzehnte nachlässig mit meinem Körper, meiner Gesundheit umgegangen bin. Karriere, die Wende mit ihren gewaltigen Veränderungen im beruflichen Bereich bewältigen – es gibt viele Gründe, warum ich überhaupt so viel Übergewicht angesammelt habe.

Und wer würde mir schon abnehmen, dass es von nun an nur noch mit dem Gewicht abwärts geht?

Kein Mensch. Die Härte besteht darin, die Einsicht zu gewinnen, das ich etwas tun muss, damit beginne und schließlich nicht aufhöre. Meine inneren Motivationskräfte hochzuhalten, damit ich nicht ins alte Muster zurückfalle, das ist das Erfolgspotenzial.

Das wird mir klar, wenn ich an den Geräten bin und deshalb schreibe ich in den Pausen zwischen den einzelnen Trainingseinheiten darüber.

Indem ich aufschreibe, was ich gerade für eine Trainingseinheit absolviert habe, bekomme ich wieder gute Laune.

Montag geht es weiter, denn Punkt 06.00 Uhr steige ich auf das Laufband und danach absolviere ich weitere 10 Stationen. Und so klappt es auch mit dem Abnehmen.

Ich freu‘ mich drauf, auch wenn es kein Spaziergang wird. Aber nur so entsteht ja die nötige positive Energie.

SCHREIB-ALLTAG (8)

WARUM AUSGERECHNET DER ALLTAG?

Ich habe in den vergangenen Tagen noch einmal darüber nachgedacht, warum ich gerade den Alltag zur Vorlage für meine Texte nehme.

Und wie passt dazu zum Beispiel die Pflege?

Um mir selbst noch einmal zu verdeutlichen, warum gerade der Alltag im Fokus meines Schreibens steht, habe ich die Rubrik ‚WARUM ICH ÜBER DEN ALLTAG ERZÄHLE‘ überarbeitet und zum großen Teil neu gefasst:

Unser ganzes Leben besteht aus Alltäglichem – aus kleinen Sorgen und großen, aus Kummer, Liebe, Leidenschaft, fantastischen Erfolgen und schlimmen Niederlagen.

Der Sonntag oder der Feiertag, sie sind wichtig, dienen meistens dem Innehalten, aber unsere Energie, unsere Motivation stecken wir in den Alltag.

Diese ‚alltägliche Wirklichkeit‘ erlebt jeder anders, nimmt sie ganz individuell wahr.

Deshalb will ich keine allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten herausarbeiten, die man vielleicht im Alltag beachten sollte.

Nein, ich kann nur von meinem Erfahrungshorizont aus schreiben.
Darum wähle ich auch in den meisten Texten die ‚Ich-Erzählperspektive‘.

MEINE KERNTHEMEN SIND:
WEITERLESEN:
https://uwemuellererzaehlt.de/uwe-mueller-erzaehlt/mein-antrieb/

 

ALLTÄGLICHES (9)

DER ERSTE TAG NACH DEM URLAUB

Ich sitze heute das erste Mal nach dem Kurzurlaub wieder am Schreibtisch.

Heute Morgen bin ich 03.59 Uhr aufgewacht und wusste, dass in einer Minute der Wecker klingelt.

Ich habe nur gedacht: „Das kann doch nicht wahr sein.“

In schwierigen Situationen kann eine Minute richtig lang sein.
Doch heute war es, als wäre nur eine Sekunde vergangen. Ich habe mein Bein noch in die Decke eingekuschelt und so getan, als würde ich nichts hören.

Aber: 05.00 Uhr saßen wir dennoch im Auto. Nicht ganz, denn Klara hatte die Brille vergessen, wie gewöhnlich also.

Die Straßen waren ziemlich leer und ich kam sehr gut durch. Bis auf die Gegend um das Rote Rathaus, denn da ist viel gesperrt oder die Fahrbahnen sind eingeengt.

Ich dachte kurz daran, wie es wohl heute Mittag sein würde, wenn die Klimaaktivisten so richtig loslegten.

Ich finde es gut, wenn sich Menschen dafür einsetzen. Und trotzdem: es nervt.

Aber vielleicht geht es nicht anders, wenn sich wirklich etwas tun soll. Ich glaube nur, dass Hysterie auch nichts bringt.

Würden wir das alles bei dem Getöse konsequent zu Ende denken, so müssten wir sofort unsere Handys abgeben, Pferdefuhrwerke besteigen und auf diese Weise ins Zentrum fahren. Das wäre konsequent. Oder?

Abends dann im Wald Beeren sammeln und in einer Hütte aus selbstgeschnittenem Schilf übernachten.

Naja, jedenfalls war ich im Fitness-Studio, habe meine Übungen diszipliniert durchgezogen und bin motiviert zurückgefahren – ohne an Straßensperren von Klimaaktivisten vorbeizukommen. Der Berliner Norden und das Umland sind ja auch nicht so interessant für sie. Für mich ist das gut.

Auf jeden Fall habe ich mir schon ein kleineres Auto gekauft, nachdem ich jahrelang einen SUV-Mercedes gefahren bin und davor einen 7er BMW. Schande über mich.

Aber schön war es trotzdem.

 

50 KILO ABNEHMEN (10)

ZIEL NICHT ERREICHT – IM GEGENTEIL

Heute ist der Tag, an dem ich für den Monat September Bilanz ziehe.

Eine negative Bilanz: Mein Ziel war es, von 124,4 kg auf 117,8 kg zu kommen, also 6,6 kg weniger.

Das Gegenteil ist eingetreten, ich habe nämlich zugelegt: von 124,4 auf 125,3 kg.

Damit wiege ich am 30.09.2019 insgesamt 900 Gramm mehr, als ich am 01.09.2019 wog.

Das Gute daran: Ich weiß es, weil ich inzwischen jeden Tag auf die Waage steige.

Im Januar wog ich noch 131 kg. Jetzt also rund 6 Kilo weniger.

Trotzdem: Ich muss hier noch konsequenter vorgehen, weil ich es sonst nicht schaffe, selbst bei regelmäßigem Sport nicht.

Am Samstag hatten wir eine Feier zum 70. Geburtstag eines guten Freundes.

Da habe ich Sekt und Wein getrunken. Allein das war schon falsch.

Na gut, ich schaue nach vorn. Jetzt habe ich für ein paar Tage Urlaub.

Da denke ich auch nicht so sehr ans Abnehmen.

Wie auch immer: Ich mache weiter und werde mein Ziel, 50 Kilo abzunehmen, nicht aus den Augen verlieren.

SCHREIB-ALLTAG (7)

WAS ICH AN DER SCHREIBEREI IM ALLTAG ÄNDERN WILL

Die erste gute Nachricht ist: Ich bin von Morgen an im Urlaub, die ganze nächste Woche.

Es gibt genug zu tun, aber natürlich vor allem Erholung.
Ich habe nachgedacht, wie ich die ganze Schreiberei noch besser organisieren kann.

Natürlich lasse ich mich vor allem davon leiten, was interessant sein könnte.

Ich glaube, es sind weiterhin die kleinen Fäden, die man aufgreift, wenn man sie am ‚alltäglichen Boden‘ liegen sieht und daraus eine Geschichte spinnt, die inspiriert ist von den eigenen Erlebnissen.
Aber ich muss das alles in Einklang mit dem Geldverdienen bringen, ein Korsett, das jeder trägt.

Klar, ich bin nun schon Rentner, und manches ist leichter geworden, aber wenn du etwas produzieren und verkaufen willst, dann brauchst du die Zeit und Energie, um das wirklich umzusetzen.

Sicher, ich verdiene mit dem Schreiben mein Geld, und mit dem Schreiben erfülle ich meinen Traum davon, ein bisschen zu plaudern, über Dinge nachzudenken, wozu ich früher nicht gekommen bin, oder wo ich oft auch keine Lust zu hatte.

Also insofern geht es jetzt nur noch um die Schreiberei.
Trotzdem gibt es Unterschiede, denn das eine sind die sogenannten PR-Texte und das andere sind Texte, die aus persönlichen Motivation und Freude heraus entstehen.
Beides ist wichtig.

Damit ich noch effektiver werde, habe ich mir überlegt, über die Zeit von einer Woche ein Thema zu bearbeiten.

Ab dem 07. Oktober beginne ich damit, eine Woche lang Geschichten über ‚Anna ist dement‘ zu veröffentlichen.
Ich werde zu jeder Erzählung einen kleinen ‚Klappentext‘ schreiben, damit sofort klar wird, worum es geht. Dazu gebe ich den Link vom Blog an.

Und wen es interessiert, der geht auf den Blog und wen nicht, den will ich natürlich auch nicht langweilen. Ich lese ja ebenfalls nicht alles.

Was bleibt: Ich freue mich riesig über jeden Like, jeden Kommentar.
Das ist schon Motivation pur.

Ich zieh‘ das mal einen Monat durch.
Nach ‚Anna ist dement‘ kommen eine Woche lang Texte zu ‚50 Kilo abnehmen‘, danach zu ‚Alltägliches‘ und schließlich zu ‚Jeepy‘.

Meine Texte über den ‚Schreib-Alltag‘ veröffentliche ich nur auf dem Blog, denn ich glaube, dass dies die wenigsten Leser interessiert, vielleicht ein paar Freaks, die genauso wie ich an ihrem ‚Handwerk‘ feilen.

Also, auf geht’s. Erst mal in den Urlaub.
Bis bald.
Uwe

 

50 KILO ABNEHMEN (9)

DEIN WEG MUSS DEIN ZIEL BLEIBEN – SONST HÖRST DU IRGENDWANN AUF

Es ist fast wie ein Wunder für mich: Ich fahre nun bereits über zehn Wochen ins Fitness-Studio, und das nicht 2 oder 3 mal in der Woche.
Nein, jeden Tag, jeden Wochentag – Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag.

Wenn du jetzt denkst: „Will der uns hier veräppeln? Die Wochentage kennen wir selber“ – dann hast du natürlich recht.

Ich meine etwas anderes. Vor Jahren hätte ich mir nicht im Traum vorstellen können, dass ich jeden Tag in der Woche ins Fitness-Studio gehe.

Das ist so surreal, so unwirklich für mich. Es ist aber so.
Und das macht mich schon stolz. Doch ich weiß natürlich, dass nichts langweiliger ist als der Erfolg, die erledigte Zielstellung von gestern.

Darum versuche ich professionell vorzugehen. Ich sage bewusst, dass ich es versuche und längst nicht immer durchhalte.
Was meine ich?

Nun, ich habe unzählige Vorträge darüber gehalten, was es heißt, sich Ziele zu setzen und diese dann auch zu erreichen.

Dazu gehört, sich das aufzuschreiben, was man sich vornimmt.
Tue ich das? Ja, da bin ich ziemlich eisern. Aber es reicht ja nicht nur, das Ziel aufzuschreiben.

Du musst ja auch auf dem Papier festhalten, wie du es erreichen willst, welche Geräte du abarbeiten willst, wie viel Kilo die Gewichte ausmachen sollen, während du die Übung absolvierst.

Und das alles aufzuschreiben, was du an dem Tag jeweils erreicht hast, das ist schon nervig. Ich schreibe inzwischen alles Nötige ins iPhone, in den Pausen, bevor ich zu einer anderen Station gehe.

Mittlerweile kenne ich die Namen der einzelnen Geräte, weiß zum Beispiel, wie viel Kilo ich an der Bizepsmaschine einstellen kann, ohne mir einen Muskelriß zu holen. Ich halte mich außerdem an eine genaue Vorgabe, in welcher Reihenfolge ich die einzelnen Geräte absolvieren will.

Ich glaube, das ist bei mir noch heute so drin, weil ich es mal bei der Marine gelernt habe. Ich erinnere mich an einen Film, in dem auf einem amerikanischen Flugzeugträger die Piloten ihre Maschinen in die Luft brachten, präzise vorab geplant und in der Kommandozentrale mit farbigen Bauklötzern nachgestellt – einfach damit es für jeden sofort plastisch sichtbar wird, welcher Pilot startet, wer sich in der Luft befindet und wer zum Flugzeugträger zurückkehrt.

Das imponiert mir und so versuche ich auch in meiner Planung vorzugehen.
Gut, ich lasse die Bauklötzer weg und nehme stattdessen die Excelliste.

Trotzdem: Klara kann dem nichts abgewinnen. Sie meint dann: „Klein Uwi spielt mal wieder.“ Aber ich brauche das. Ich habe außerdem im iPhone für unterwegs eine Datei und notiere sofort nach der Übung, ob ich alles geschafft habe und ob ich eventuell die Anzahl der Trainingseinheiten erhöhen kann.

Woran es hapert ist dies: Komme ich wieder in mein Homeoffice, dann müsste ich alles auf meinem Computer speichern, damit ich es später ausdrucken kann.

Und ich müsste eine Gesamtauswertung vornehmen. Mach‘ ich aber meistens nicht, weil mich dann die geschäftlichen Aufgaben drücken. Es wird nie aufhören, dass du irgendwas nicht machst oder es lückenhaft tust.

Dafür sind wir alle Menschen mit unseren Schwächen, und gewappnet mit hervorragenden Ausreden, warum wir irgendwas in dem Moment nicht leisten können.

Darum sage ich: Ziele setzen und erreichen sind gut. Damit ich aber dabei die Lust nicht verliere, muss der Weg ins Fitness-Center ein Hauptziel bleiben, verknüpft mit der Freude, auch durch den Eingang zu gehen und einfach anzufangen.

Als ich heute Morgen wieder rauskam, da sah ich einen glutroten Streifen am Himmel, ein untrügliches Zeichen dafür, dass es hell wurde.

Wenn du dann schon knapp zwei Stunden trainiert hast, dann glaubst, die Sonne hätte auf dich gewartet, um dir einen schönen Tag anzukündigen.

Manchmal glaube ich, dass du das alles viel intensiver wahrnimmst und genießt, weil du dich vorher gequält hast. Ich werde morgen wieder dort sein und dann geht es von vorn los.
Der Weg ist eben das Ziel.

 

ALLTÄGLICHES – (8)

WENN NUR DIE VIELEN SERIEN AUF NETFLIX NICHT WÄREN

Eine Woche voller spannender Ereignisse geht zu Ende.
Geprägt war sie von meinen Anstrengungen, weiter im Fitness-Studio zu trainieren und vor allem in der Gewichtsabnahme meine Ziele zu erreichen.

Die Euphorie ist vorbei, die ich anfangs gespürt habe, und die mich vorangetrieben hat, vor allem im Sport.

Und jetzt muss ich mit meinen Ausreden kämpfen, die sich häufen.
Freitag zum Beispiel, da hatte ich gegen Mittag einen Zahnarzttermin.

„Oh, ich kann nicht morgens zum Sport fahren und mittags dann zum Zahnarzt gehen“, sagte ich zu Klara.
„Warum nicht?“, fragte Klara mich.
„Weil ich sonst meine Arbeit nicht schaffe“, sagte ich zu ihr.
„Das ist doch eine Ausrede“, meinte sie.
„Du bist doch nur zu faul, 04.00 Uhr aufzustehen und mit mir reinzufahren“, entgegnete sie.
„Also gut, in Gottes Namen, dann fahre ich eben mit dir“, gab ich nach.

Später, als ich mit dem Training fertig war, die Sonne morgens durchkam und ich aus Berlin Mitte zurückfuhr, zu mir ins Homeoffice, da kriegte ich richtig gute Laune. Ich hatte es wieder einmal geschafft, mich zu überwinden, gute Laune zu bekommen.

Mittags war ich dann beim Zahnarzt und wir haben davon geschwärmt, was wir nicht alles für die Gesundheit tun.

Und als ich wieder zu Hause war, so gegen halb zwei, da war genügend Zeit, um meine Arbeitsaufgaben zu erledigen.
Aber da war ja noch die Serie auf Netflix über das Drogenkartell in Kolumbien. Wie wird es weitergehen, und schafft es der DEA- Agent, das Kartell erfolgreich zu bekämpfen?

Ich musste da dran bleiben. Also ging ich schnell an den Schreibtisch, machte die Planung auf der Excelliste auf. Da war es ja: ‚Pressemitteilung schreiben‘.

Konnte ich das verlegen? Natürlich konnte ich das.
Ich musste es sogar tun, denn abends durfte ich die Serie ja nicht sehen. Klara war das alles zu grausam.

Ich strich mit meinen Finger auf der Tastatur entlang und tippte auf ’strg‘ und ‚x‘- ‚ausschneiden‘ und danach auf ‚strg‘ und ‚v‘- ‚einfügen‘. Und schwupp‘s war ich beim nächsten Tag angelangt. Alles erledigt, auf dem Papier sah es jedenfalls so aus.

Immerhin konnte ich mich nun meiner Serie in Ruhe widmen. Ich schaute sie voller Inbrunst.

Abends fragte Klara mich: „Du wolltest doch den Text fertigstellen, damit du die Rechnung einreichen kannst“, meinte sie.

‚Warum hast du ihr nur den Termin gesagt‘, schimpfte ich innerlich mit mir selbst.

„Ach du, das ist nicht so einfach, wie du vielleicht denkst. Das alles muss reifen“, sagte ich wie nebenher.

Klara schwieg und schaute mich misstrauisch an.
Ich zeigte keine Regung.

„Sag‘ mal“, setzte ich vielmehr an, „du hast doch noch zu tun heute Abend?“

„Ja, hab‘ ich.“
„Warum fragst du?“
„Och, dann kann ich ja noch eine Serie zu Ende schauen. Am Tag ist da ja nicht so viel Zeit für.“