Archiv der Kategorie: MENSCHEN IM ALLTAG

Über interessante Menschen erzählen – im Alltag, in Unternehmen, in ihrer Freizeit.

DAS BUCH DER SPRICHWÖRTER – FUNDGRUBE FÜR LEBENSWEISHEITEN

Die Bibel lesen ist anstrengend, aber es ist auch ein ganz besonderer Luxus, den man sich gerade im Alltag leisten sollte. Und wer sich in das ‚Buch der Sprichwörter‘ vertieft und sich dafür nur ein wenig interessiert, der wird nicht enttäuscht.

Ich hätte es vor einigen Jahren noch nicht für möglich gehalten, dass ich beim Lesen der Bibel laut auflachen müsste.
Der Grund: Weil die Bibelsprüche exzellent formuliert sind – kurz, bildhaft, locker.

Ein Beispiel:
„Wer eine Sache durch einen törichten Boten ausrichtet, der ist wie einer, der sich selbst die Füße abhackt und Schaden leidet.“ (Spr 26, 6)

Sicher, es ist eine Metapher, geschrieben in althergebrachten Worten.

Aber der Spruch hat schon noch seine Gültigkeit. Wem ist es nicht schon so gegangen, dass er jemanden beauftragt hat, eine Mitteilung zu überbringen, die dieser dann völlig verdreht hat?

Die Stuttgarter Erklärungsbibel bringt es auf den Punkt, wenn sie darüber schreibt, warum es sich lohnt, ‚Das Buch der Sprichwörter‘ ab und an zur Hand zu nehmen, darin zu lesen und Schlüsse für seinen eigenen Alltag daraus zu ziehen.

„Das Buch der Sprüche ist Zeugnis einer Lebensweisheit, deren Kenntnis und Überlieferung Israel mit seinen Nachbarvölkern verbindet und die uns auch aus ägyptischen Weisheitsschriften bekannt ist. Man bezeichnet diese ‚internationale‘ altorientalische Lebenskunde mit dem Begriff Weisheit und nennt die entsprechenden Schriften Weisheitsliteratur.“ (1)

An anderer Stelle heißt es: „Als ein weiser Mensch galt der gemeinsamen altorientalischen Weisheit, wer die Ordnungen des Lebens und der Welt kennt und sein Leben danach einrichtet. Erworben und gepflegt wurde dieses Wissen dadurch, dass man die Vielfalt der Lebenserfahrungen genau beobachtete und sammelte, sie auf gleichartige oder ähnliche hin untersuchte, sie in kurzen, einprägsamen Sätzen gültig aussprach und weitergab.“ (2)

Ich jedenfalls bin davon fasziniert.

(1)
DIE SPRÜCHE SALOMOS (DAS BUCH DER SPRICHWÖRTER)
EINFÜHRUNG, S.769; In: Stuttgarter Erklärungsbibel mit Apokryphen, DIE HEILIGE SCHRIFT NACH DER ÜBERSETZUNG MARTIN LUTHERS, MIT EINFÜHRUNGEN UND ERKLÄRUNGEN; DEUTSCHE BIBELGESELLSCHAFT.
ISBN 978-3-438-01123-7/Neuausgabe mit Apokryphen
© 2005 Deutsche Bibelgesellschaft, Zweite, verbesserte Auflage 2007, 10.2016
(2)
ebenda

WÜNSCHE FÜR 2021 – IN DER BIBEL BIN ICH FÜNDIG GEWORDEN

Im Brief an die Hebräer heißt es:
„…und lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsere Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.“
(Brief an die Hebräer, Bekenntnis der Hoffnung, Hebr 10.24-25)

Man könnte hier viel zu schreiben, zum Beispiel, nicht einfach den Tag an sich vorbeiziehen lassen, sondern bewusst den Moment wahrnehmen und genießen, auf den Menschen neben dir achten, sich für ihn interessieren, ehrlich und einfühlsam.

Aber es ist besser, wenn man sich dem Original widmet, es auf sich wirken lässt.
In diesem Sinne: Ein gutes Jahr 2021!

 

DANKE AN ALLE, DIE AUF MEINEM BLOG VORBEIGESCHAUT HABEN

Ich sage danke für das Interesse an meinen Texten, meinen Beiträgen und ich freue mich, wenn Ihr mir auch in 2021 die Treue haltet.

Gesundheit zuerst, Glück in der Familie, ein gutes Händchen im beruflichen Leben und die Kraft, das Schöne in den kleinen Dingen des Alltags zu sehen – das wünsche ich allen für das Jahr 2021.

Einen guten Rutsch, selbst wenn es etwas leiser zugehen sollte.
Uwe Müller

 

 

IANA SALENKO IM TELEFONINTERVIEW

Freitag, 11.00 Uhr. Iana Salenko antwortet auf meine Fragen, die ich ihr am Telefon stelle. Obwohl es ihr selbst noch nicht wieder hundertprozentig gutgeht, schafft sie es, gute Laune zu verbreiten. Ich stelle immer wieder fest – Iana ist ein Profi, vor allem aber ein wunderbarer Mensch.

Iana, wie geht es Euch in dieser Zeit, in der alles und alle unter Covid-19 zu leiden hat?
Uns geht es heute schon wieder viel besser. Vor vierzehn Tagen habe ich erfahren, dass ich mich mit dem Virus infiziert habe.

Hast Du Dich testen lassen?
Ja, und wenig später bekam ich die Nachricht, dass der Test positiv war.

Was hast Du in dem Moment gedacht, als Du von dem Ergebnis erfahren hast?
Naja, du erschrickst dich schon, bekommst Angst, weil du ja nicht weißt, wie der Verlauf deiner Krankheit sein wird.

Welche Symptome sind bei Dir aufgetreten?
Ich war vor zwei Wochen, noch bei den Proben und fühlte mich danach nicht so gut.

Ich hatte Muskelkater, der ganze Körper schmerzte und am nächsten Tag spürte ich, dass mir mal kalt und dann wieder heiß wurde.

Was hast Du dagegen unternommen?
Zunächst war mir noch nicht bewusst, dass ich überhaupt krank bin.
Ich dachte, es sei eine leichte Erkältung.

Ich bin ja sogar noch in die Sauna gegangen, um den Schnupfen und den Husten wieder loszuwerden.

Und, hat die Sauna geholfen?
Nein, natürlich nicht. Die Symptome wurde sogar noch stärker.
In der Nacht darauf hatte ich eine erhöhte Temperatur – 37,5 Grad zwar nur, aber es fühlte sich an, als hätte ich 39 Grad Fieber.

Gab es dafür einen besonderen Grund?
Ich glaube, dass das mit meinen starken Schmerzen im Rücken zu tun hat, die ich stets bekomme, wenn ich Fieber habe.

Wie ging es weiter?
Ich bin Zuhause geblieben, habe viel geschlafen, mich ausgeruht. Ich wollte keine Tabletten nehmen und gedacht, ich bekäme es so in den Griff.
Aber dann wurde der Husten stärker, ich hatte teilweise keinen Geschmack mehr, fühlte mich einfach schlapp.

In der Staatsoper wurden wir zweimal in der Woche getestet. Ich habe mich also auch nach einer Probe entsprechend vorsorglich testen lassen. Als ich das Ergebnis mitgeteilt bekam, da bin ich sofort in die Quarantäne gegangen.

Hat Marian diese Symptome auch gehabt?
Ja, er hatte tagelang Kopf- und Rückenschmerzen, seine Augen brannten und er war auch ständig müde.
Des Weiteren hatte er einen starken Husten und auch ein Brennen in der Nase.

Wie geht es Euch heute, 14 Tage, nachdem Du positiv getestet wurdest?
Es geht uns beiden schon sehr viel besser. Wir fühlen uns noch nicht wieder zu 100 Prozent fit, aber es geht merklich aufwärts.

Iana, ich weiß, dass Du mental ein sehr starker Mensch bist und Dich immer wieder selbst motivieren kannst. Gelingt Dir das in dieser Zeit ebenfalls?
Ja, schon.
Es gibt sogar etwas Positives, dass ich gar nicht missen möchte.
Nämlich, dass ich William ganz anders aufwachsen sehe.

Bei Marley war ich gleich nach der Geburt schon wieder sehr schnell in Auftritte eingebunden. Heute kann ich Zuhause bleiben und mich intensiver mit den Kindern beschäftigen.

Wie kommt Ihr beide miteinander klar. Gibt es Phasen, wo Ihr Euch wünschen würdet, dass Ihr nicht beide die ganze Zeit im Haus zusammen seid?
Uns geht es wie allen Menschen in dieser Situation.

Also gibt es auch mal Zeiten, wo wir uns lieber mal für eine Zeit aus dem Weg gehen oder eben eine Meinungsverschiedenheit austragen.
Aber überwiegend stärkt uns der Zusammenhalt in der Familie, weil wir viel miteinander reden und einfach Spaß haben.

Marian ist es ja gar nicht gewohnt, dass ich so viel Zuhause bin. Für ihn ist das eher ungewohnt. Er denkt manchmal, ich sei genervt von ihm, weil er nun so oft um mich herum ist.

Und ist das so?
Nein, überhaupt nicht. Ich genieße das richtig, auch mit den Kindern zusammen zu sein.

Ich sitze manchmal nur auf der Couch und beobachte William, wie er auf dem Fußboden herumkrabbelt. Das sind einfach schöne Momente.

Wie hältst Du Dich fit in dieser Zeit, und unter diesen ungewöhnlichen Bedingungen?
Ich trainiere sehr viel an der Sprossenwand im Arbeitszimmer, oder ich mache Bodenübungen. Yoga – und Pilatis Übungen kommen hinzu.

IANA AN DER SPROSSENWAND

Manchmal laufe ich mit William die Treppe hoch. Er mag das so sehr. Wir können ihn in seinem Alter nicht allein hochlaufen lassen und müssen schauen, dass ihm beim Klettern auf der Treppe nichts passiert.

Also machen wir das beste daraus und treiben gleich ein bisschen Sport. Das muss ja alles auch ein wenig Spaß machen.

Wie ist die Hausarbeit zwischen Euch aufgeteilt?
Marian kocht sehr gern. Er liebt das. Ich wasche meistens ab.
Ich stehe meistens sehr früh auf.

Dafür bereitet Marian wiederum die Flasche Milch für die Nacht für William vor. Morgens, da bekommt der Kleine Haferflocken und Marian kann weiterschlafen. Er rührt sich auch nicht.

Wie kommt Dein Mann insgesamt mit der Situation klar?
Marian versucht vor allem die positiven Seiten im jetzigen Alltag zu sehen.

Er beschäftigt sich viel mit den Kindern, genießt unser Zusammensein.

Iana, vielen Dank für das Telefoninterview

 

PFLEGEDIENST MARTINA LIPPERT – CORONA SCHWEISST UNS NOCH MEHR ZUSAMMEN

Martina Lippert gehört zu den Menschen in der Pflege, über die ich gern berichte. ‚Ja klar‘, wird mancher Leser jetzt denken, ‚Storytelling ist doch dein Metier, also warum erwähnst du das überhaupt?‘
Das stimmt, aber glaubwürdig im PR-Bereich zu bleiben, das heißt vor allem eines: authentisch bleiben, und das wiederum ist möglich, wenn ich über den Pflegedienst Martina Lippert schreibe.

Man könnte denken, Martina Lippert ist mit ihren 63 Jahren vielleicht ein wenig müde und langsamer geworden in dem, was sie tut.

Immerhin existiert ihr Unternehmen bereits 25 Jahre, und sie hat es in schwierigen Zeiten aufgebaut und auf die Erfolgsspur gebracht.
Aber von Müdigkeit will sie nichts wissen. Im Gegenteil.

„Wir wollen alles dafür tun, dass die in Corona-Zeiten vulnerablen Gruppen besonders geschützt, gepflegt und betreut werden. Nicht nur, weil dies inzwischen die Politik zu einer ihrer Kernaufgaben erklärt hat, sondern weil es für uns zu einer Herzensangelegenheit geworden ist, zu der wir uns bekennen“, sagt sie mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen.

„Wir müssen alle ins Boot holen, die Pflegebedürftigen und die pflegenden Angehörigen.
Vereinzelt verstehen die Angehörigen von Pflege- Hilfsbedürftigen erst dann die Botschaft, wenn man Klartext mit ihnen spricht, höflich und stets mit der gebührenden Wertschätzung, aber unmissverständlich. Es reicht nicht aus zu glauben, dass der zu pflegende Angehörige in dieser Zeit vielleicht nur einmal in der Woche gewaschen werden müsste. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht. Denn in Einzelfällen kommt das aufgrund von Corona erlassene Kontaktverbot dem einen oder anderen Angehörigen mitunter sogar gelegen – müssen sie doch ihre Besuche stark einschränken oder ganz darauf verzichten und sind so der Verpflichtung enthoben, moralisch und faktisch, sich intensiv um ihre Pflege- und Hilfsbedürftigen zu kümmern“, sagt Martina Lippert.“

Die Inhaberin des Pflegedienstes versteht natürlich, dass es zu Kontaktbeschränkungen kommen muss und trotzdem die Schwächsten in der Gesellschaft nicht allein gelassen werden dürfen. Konsequente Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln und gleichzeitig das Nötige für die zu Pflegenden tun, so kann man das Herangehen des Pflegedienstes zusammenfassen.

„Ich habe auch schon Informationsblätter verfasst, in denen die für uns wichtigen Regeln und Inhalte festgehalten werden“, sagt sie, wohlwissend, dass es hier keine Atempause geben kann.

Martina Lippert empfiehlt ihrem Team darauf zu achten, dass die Zimmer bei den zu Pflegenden gelüftet werden, bevor die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Pflege und Betreuung durchführen.

„Corona hängt wie ein Damoklesschwert über uns. Wichtig ist, dass wir auf die Masken achten“, sagt Martina Lippert.
Sie weist darauf hin, dass es aktuell für die Pflege- und Hilfsbedürftigen nicht gut bestellt ist, da sie nur noch wenig aus der Wohnung herauskommen.

„Früher sind sie noch regelmäßig einkaufen gefahren. Das ist jetzt stark eingeschränkt.
Oder die Teilnahme an Selbsthilfegruppen kann ebenfalls nicht stattfinden. Man muss also aufpassen, dass man nicht ‚kopflastig‘ wird.“

KONTINUITÄT UND ERNEUERUNG – KEINE GEGENSÄTZE IM TEAM DER GESCHÄFTSFÜHRUNG
Martina Lippert überlässt mehr und mehr in der Geschäftsführung das Feld ihrer Tochter, Anne-Christine Lippert.

„Sie ist ohnehin die fachlich und organisatorisch versiertere Fachkraft.

Das hat was damit zu tun, dass sie sich in den letzten Jahren sehr gut in die Funktion der Geschäftsführung eingearbeitet und fachlich sehr viel für ihre Weiterbildung getan hat“, sagt Martina Lippert.

„Und seit einigen Monaten ist sie ebenfalls voll für die Pflegedienstleitung zuständig“, ergänzt sie.
Bei allen Anstrengungen hat es Anne-Christine Lippert noch geschafft, ca. 400 Masken gegen das Corona-Virus zu nähen.

„Das macht ihr Spaß, aber sie freut sich vor allem, wenn sie damit helfen kann“, sagt ihre Mutter.

Man merkt Martina Lippert an, dass es ihr trotz alledem nicht leichtfällt, loszulassen. Immerhin ist der Pflegedienst ja ‚ihr Baby‘, den sie quasi mit der ‚Flasche hochgepäppelt‘ hat.

JUNG UND ALT – KEINER KANN AUF DEN ANDEREN VERZICHTEN
Blickt man in die Zukunft, so will keiner so recht in die Vergangenheit zurückblicken.

Das sei ‚vergossene Milch‘, so hört man es zum Teil, wenn es darum, die aktuellen Herausforderungen und die der Zukunft zu bewältigen.

Und doch lohnt ein Innehalten.
Künftige Aufgaben bewältigt man dann am besten, am effizientesten, wenn man bei Gelegenheit auf die Erfahrungen zurückgreift, die bereits von Menschen zwanzig, dreißig Jahre zurück gemacht wurden.

Nicht nur, weil dadurch klar wird, wie schwierig manches zu bewältigen war, wieviel Hürden es gab, um zu einer Position zu gelangen, die heute als selbstverständlich vorausgesetzt wird.

Es gibt noch einen weitaus wichtigeren Aspekt. Indem mutige und kreative Menschen ihren beruflichen Weg selbst in die Hand genommen und gestaltet haben, konnten sie sich ein ganzes Netzwerk aus Erfahrungen, Wissen und Können aneignen, das als Ausgangsposition bei jeder neuen Situation auf der ‚Haben-Seite‘ verbucht werden kann.

Dieses ‚Pfund‘ wird vor allem dann effizient nutzbar, wenn junge und alte Menschen, ausgereifte Konzepte, bewährte Strategien mit neuen frischen Ideen zusammengebracht werden.

Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter braucht heute unabdingbar die Wertschätzung für seine Arbeit, und zwar jetzt, wenn sie jung sind, und auch dann, wenn sie älter geworden sind und jüngere nachrücken.

Dieses einander verstehen, sich austauschen, das sich darauf verständigen, dass das, was zu bewahren ist, auch als etwas zu Bewahrendes anzuerkennen, und nicht auf den Müll zu kippen, nur weil es alt ist, und umgekehrt, nicht Altes mitzuschleppen, was nicht mehr in die Zeit passt – das ist der ‚Code‘, der Schlüssel für einen Erfolg, der dauerhaft ist, weil er ständig bewahrt, verändert und neu erkämpft werden muss.

Das ist ein Grund, warum man sich für die Biographie von interessanten Menschen begeistern sollte. Nicht, um demjenigen zu huldigen, nein, um selbst für sich, für die eigene Zukunft zu lernen.

Wer wissen will, warum es so schwer war, vor über zwanzig Jahren eine Festanstellung als Krankenschwester zu bekommen, wen es interessiert, was es als Frau bedeutete, den Anforderungen im Beruf, in der Familie, bei den Kindern zu entsprechen und sich dann noch ein Stück selbst zu verwirklichen, der sollte einen Blick auf die Interviews mit Martina Lippert werfen, die ich mit ihr geführt habe.

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/08/21/interview-mit-martina-lippert/

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/09/01/interview-mit-martina-lippert-im-august-2017/

https://uwemuellererzaehlt.de/2019/03/29/interview-mit-martina-lippert-2/

Oft wird die moralische Kategorie der Dankbarkeit ins Spiel gebracht, die doch vor allem die jüngere Generation haben müsse, wenn es um die Leistungen der älteren Generationen ginge.

Ich glaube, dass diese Kategorie zwar ehrenwert ist und durchaus zum Leben dazugehört, vor allem, wenn es um den zwischenmenschlichen Bereich geht, sowohl privat als auch im geschäftlich.

Aber sie trifft nur unzureichend auf das zu, was wirklich notwendig ist. Einzusehen ist vielleicht folgende Erkenntnis: Für die Jüngeren gibt es einen leichteren Zugang zu Wissen, Können, zu Erfahrungen, wenn man die Älteren um Rat fragt.

Und für die Älteren ist es eine ungeheure Motivation, etwas weiterzugeben, was sie selbst mit viel Energie und oft auch unter Schmerzen erworben haben. Sie geben in diesem Kommunikationsprozess nicht nur Erfahrungen weiter, nein, sie lernen in dem Moment auch neu hinzu.

Dieser Austausch, gleichberechtigt, ohne Vorurteile – das ist die größte Energie- und Wissensquelle für die Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen auf höchstem Niveau.

LOSLASSEN LÄSST NEUEN SOG ENTSTEHEN – FÜR ALLE SEITEN
Martina Lippert gehört nicht zu denen, die sich an etwas klammern müssen.

Sie findet andere Felder, die ihr ebenfalls Spaß machen und die es ihr erlauben, eine andere Sicht auf die aktuellen Probleme und Herausforderungen einzunehmen.

„Ich fotografiere sehr gern Heimathäuser in Lingen. Das macht mir Spaß. Vor allem dann, wenn diese sehr gepflegt sind und die Häuser ebenfalls für ein reges kulturelles Leben genutzt werden.“
Martina Lippert hat Freude daran, anderen Menschen eine Freude zu machen.

Sie versteht es, leckeres Rotwein Gelee herzustellen.
„Die Idee dazu ist mal am Rande einer Klausurtagung entstanden und zur Verkostung mitgenommen habe ich den Rotwein Gelee dann zur nächsten Fraktionssitzung.
Mit einem Toast, Butter und anschließend Rotweingelee darauf, schmeckt das hervorragend.“

Martina Lippert kam damit gut an, auch wenn es manch einer lieber trockener in einer Klausurtagung mag.

Aber wer erfährt, dass sich die Fraktion der SPD in der Stadt Lingen auch mal so etwas leistet, und damit irgendwie auch bürgernah agiert, nicht verklemmt an Themen herumnagt, nur den erzieherischen Finger hebt, der zieht Bürger an, Wähler, Menschen, denen das gefällt und die dann auch mehr über Inhalte wissen wollen.

„Man muss nicht gleich eine Maß Bier wie in Bayern trinken, aber eine bisschen lockere Atmosphäre bringt uns alle weiter, menschlich, mental, emotional, inhaltlich“, sagt sie in diesem Zusammenhang.

Martina Lippert will sich weiter für die Verbesserung der Pflegebedingungen einsetzen, daran mitwirken, dass die Leistungen stärker wertgeschätzt werden, nicht nur im ethischen, sondern auch im monetären Bereich.

Die Räume im Pflegedienst sind bereits weihnachtlich geschmückt – in braun und weiß von Anne-Christine Lippert in Szene gesetzt.
„Jetzt kommen noch die traditionellen Farben rot und grün, sowie Gegenstände aus dem Erzgebirge hinzu“, sagt Martina Lippert.

 

 

 

 

INTERVIEW MIT KERSTEN STEINIGER

Kersten Steiniger ist der 1. Vorsitzende des Tanzclubs Schwarz Silber Wandlitz e.V.
Ich habe ihn vor fast einem Monat im ‚Ballhaus Wandlitz‘ in Stolzenhagen getroffen.
Wenn man von Kersten Steiniger etwas lernen will, dann das, nämlich nie aufzuhören, an seinen Traum zu glauben und ihn mit Beharrlichkeit zu verfolgen. Wer das nachfolgende Interview mit ihm bis zum Schluss liest, der merkt, dass es hier nicht um einen Menschen geht, der eine ‚glattgebügelte Biographie‘ vorzuweisen hat.
Vielmehr ist er ein Mensch – so wie ‚du und ich‘, der hingefallen ist, sich die ‚Knie aufgeschlagen hat, aufgestanden ist‘, und der trotz alledem immer weitergemacht hat.
Was ich aus dem Gespräch mitnehme ist, dass das Tanzen nicht nur Spaß machen kann. Nein, es übt einen Sog auf Menschen aus, im Moment glücklich zu sein, sich mit anderen zusammenzutun, um daraus wiederum genügend Energie für das eigene Leben zu schöpfen - in der heutigen Zeit im Grunde nahezu alternativlos.
Das ‚Ballhaus Wandlitz‘ zieht nach Schönwalde um, neben Bambus Dreams.
Der Verein hat das Potenzial in Wandlitz zu einem sozio-kulturellen Zentrum zu werden, das seinen Sog entfaltet – für mehr Lebensfreude, ein gesünderes Leben, einfach für den Spaß am Tanzen.
Davon hat mich das Gespräch mit Kersten Steiniger überzeugt.
Hier das Interview mit ihm:

 

BERUFLICHER WERDEGANG

Herr Steiniger, können Sie uns etwas zu Ihrem beruflichen Werdegang sagen?

Ich bin ein gelernter Bankkaufmann und habe lange Zeit in der Berliner Bank gearbeitet, bis 2001.

Womit haben Sie sich beschäftigt?
Ich habe hauptsächlich Finanzierungen gemacht.
Baufinanzierungen, Firmenkredite, alle Fragen in der Vermögensberatung – das war mein Metier.
Das war damals in Tegel. Durch eine Umstrukturierung bin ich dann zum Baufinanzierer Schwäbisch Hall gegangen, weil ich dort eine Chance sah, mich als selbstständiger Finanzierungsberater zu verwirklichen. In dieser Funktion habe ich die Filialen der Volksbank betreut. Das lief bis zum Jahr 2006 ganz gut.

Warum nur bis 2006?
Ja, danach begann die Baufinanzierungsparte Schwäbisch Hall ebenfalls umzustrukturieren und so brachen 75 % meines bisherigen Geschäftes weg.
Ich sah mich also genötigt zu überlegen, wie meine eigene berufliche Entwicklung weitergehen sollte.

Wie sahen diese Überlegungen für einen beruflichen Werdegang aus?
Nun, man legte mir nahe, in die Schiene der Altersvorsorge zu wechseln. Das war aber ‚nicht meins‘.
Also war die Zeit gekommen, einen radikalen Schnitt zu machen. Ich habe mich zunächst arbeitslos gemeldet.

Ich musste in mich gehen und überlegen, was ich in meinem Leben noch erreichen wollte. Ich war inzwischen 40 Jahre alt.
Ich habe etwa zwei Jahre gebraucht, um zu wissen, was ich wollte.
Die ersten Überlegungen liefen stets auf das Gleiche hinaus.

Worauf?
Darauf, dass ich etwas mit Zahlen machen wollte.
Aber ich habe dann doch wieder weiterüberlegt und zunächst erst einmal bei REWE Regale eingeräumt. Ich bin dann sogar zum Teamleiter aufgestiegen. Das habe ich von 2006 bis 2008 gemacht.
In dieser Zeit habe ich auch mit dem Tanzen angefangen.

LEIDENSCHAFT TANZEN

Sie sprechen mit viel Leidenschaft vom Tanzen. Wie kamen Sie überhaupt dazu?
Meine Tochter Josephine hat 1999 mit dem Tanzen begonnen und ich habe sie zu den Kursen begleitet, weil sie ja zu dem Zeitpunkt noch klein war.

Sie hat richtigen Tanzsport betrieben. Leider macht sie es heute nicht mehr, weil der Tanzpartner damals aufgehört hatte.
Sie fand danach keinen neuen Tanzpartner mehr, der auf dem Niveau ihres Vorgängers getanzt hätte.

Ich habe stets zugeschaut und je länger man das tut, umso mehr versteht und lernt man natürlich auch
Deshalb habe ich bei mir gedacht: „Verdammt noch mal, jetzt musst du das selbst mal probieren.“

Wie ging das los?
Ich absolvierte einen richtigen Anfängerkurs.
Das Ganze fand in Tegel statt. Mein Trainer hatte zuvor auch meine Tochter trainiert.

Ich war sehr ehrgeizig, wollte immer mehr lernen. Aber meine damalige Tanzpartnerin hatte nach dem Kurs keine Lust mehr, weiterzumachen.

Ich hatte danach eine Tänzerin, die mir aber für mich zu jung erschien. Sie war Anfang zwanzig und ich Anfang vierzig. Das passte irgendwie nicht, so jedenfalls sagte mir das mein Gefühl. Hinzukam, dass ich in der Zwischenzeit von Tegel nach Bernau gezogen bin.

Der zeitliche Aufwand nach Tegel zum Tanzkurs zu fahren war ziemlich hoch. Es hat sich für mich einfach nicht mehr gelohnt, weiter in Tegel an den Tanzkursen teilzunehmen.

Was haben Sie dann gemacht?
Ich bin nach Bernau in eine neue Tanzschule gegangen und habe dort eine neue Partnerin gesucht. Ich war in der Einrichtung, die sich direkt am Bahnhof befindet und habe dort im Büro nachgefragt, ob sie eine neue Tanzpartnerin für mich hätten. Sie sollte schon über ein wenig Erfahrung verfügen.

Eine Woche später kam ein Anruf, dass sie eine Partnerin für mich gefunden hätten.
Als ich in die Tanzschule kam, stand sie vor mir. Ich war sofort fasziniert von ihr.

Ich werde nie vergessen, wie Jana During das erste Mal vor mir stand. Das war am 27.01.2008.
Vorher hoffte noch ich im Stillen, dass meine Tanzpartnerin wenigstens ein bisschen nett sei.

Meine Erwartungen wurden übertroffen, in allem. Meine Tanzpartnerin war nicht nur nett, sie war sehr attraktiv und konnte auch noch gut tanzen.

Es passte alles, das spürten wir beide von Anfang.
Meine Partnerin wollte tanzen und ich wollte es auch. Irgendwann spürten wir, dass da mehr war, als nur die Liebe zum Tanzen.

Ich habe mich deshalb fair mit meiner Freundin ausgesprochen und wir haben uns getrennt.

Haben Sie diesen Schritt jemals bereut?
Nein, ganz im Gegenteil, ich bin sehr glücklich, die Frau für ein gemeinsames Leben gefunden zu haben.

Sie strahlt heute nicht nur mit ihrer Schönheit und mit ihrer Anmut für mich. Sie ist zugleich zu einer tollen Lebenspartnerin und Beraterin an meiner Seite geworden.

Was hat Ihre Tanzpartnerin damals gedacht?
Sie fand mich auch sympathisch. Sie glaubte, dass sie viel von mir lernen könne, weil ich ja die Theorie kannte und schon eine gewisse Praxis hatte.

Ich konnte also direkt die Führung beim Tanzen übernehmen. Und der Rest hat sich mit der Zeit ergeben.

Wie waren Ihre weiteren Pläne?
Mein Ziel war damals noch der Turniersport. Ich dachte: wenn schon, dann gleich richtig. Meine Tanzpartnerin wollte das aber zu dem Zeitpunkt noch gar nicht.

Sie wollte gut tanzen und sich in einer Gesellschaft entsprechend bewegen können, einfach Spaß an der Sache haben. Tanzen hat viel mit Kommunikation zu tun – damit, sich auszutauschen, soziale Kontakte zu pflegen.

Kurzum, der Kurs vermittelt viel mehr, als nur Tanzschritte, nämlich die Fähigkeit, das Leben im Moment zu genießen, selbstbewusster zu werden, sich und andere Menschen im Alltag zu motivieren. Und es galt, beruflich neue Entscheidungen zu treffen.

Welche?
Nun, das Job-Center kam auf mich zu und fragte mich, ob ich an einem bundesweiten Programm teilnehmen wollte, das auf Leute im Alter um die 50 zugeschnitten war.

Es ging um eine Qualifizierung, bei der ich auch hätte reisen müssen.
Ich wollte das nicht. Also überlegte ich, was ich tun könnte.
Und da kam mir die Idee, meine Tanzlehrerin zu fragen, ob ich bei ihr ein Praktikum absolvieren könnte.

Sie war ja gleichzeitig die Inhaberin der Tanzschule.
Ich durfte das Praktikum machen und habe auch einen Schein dafür bekommen.

Sogar ein kleines Entgelt war mich drin.
Vor allem: Ich war damit aus dem Programm des Job-Centers raus.
Außerdem habe ich bei REWE Regale eingeräumt. Ich konnte also davon leben und zudem noch meinen Traum leben.

Wie lief es denn für Sie als Tanzlehrer am Anfang?
Mich hat überrascht, wie gut ich als Tanzlehrer klarkam, wie souverän ich auf dem Tanzboden stand und mein Wissen weitergeben konnte.

Das Handwerk beherrschen ist ja nur die eine Seite, es zu vermitteln, eine noch ganz andere.
Man muss nicht nur die Herrenschritte beherrschen, sondern auch noch geistig auf die Damenschritte umschalten.

Und das dann auch noch den Leuten so nahebringen, dass sie es ebenfalls verstehen – das ist schon eine besondere Herausforderung. Das hat aber alles sofort funktioniert. Für mich war das ein riesiges Geschenk.

Es gehört ja doch eine Menge Mut dazu, dass zu tun, was man mag.
Ich habe das bis 2010 durchgezogen, habe die Ausbildung bei der Tanzlehrerin absolviert, sodass ich unterrichten konnte. Jetzt bin ich freier Tanzlehrer.

Was war danach?
Ich habe dann an der Tanzschule in Bernau unterrichtet.
Einige Zeit später sprach mich ein Freund an, ob ich nicht für ihn arbeiten wolle.

Er hatte vor, eine Tanzschule zu eröffnen und wollte mich als Tanzlehrer engagieren. Der Freund versprach mir ein gutes Gehalt, sodass ich davon auch hätte leben können.

Ich sah in dieser Aufgabe, nämlich das neue Tanzstudio mit Leben zu füllen, eine große Chance und auch eine Möglichkeit, mich in dem Bereich zu etablieren.

Ich habe im Grunde genommen von Null angefangen. Ich war damals Anfang 40 und habe mich sehr intensiv mit all den Anforderungen beschäftigen müssen.

DER EIGENE WEG

Was für ein monatliches Salär hat Ihnen denn Ihr künftiger Geschäftspartner angeboten?
Ca. 1600,00 Euro. Das war für mich in meiner Situation eine ansprechende Summe.

Außerdem: Ich überlegte, dass ich ja zusätzlich noch ein paar private Stunden geben könnte – als selbstständiger Tanzlehrer

Sie sind also auf das Angebot eingegangen?
Ja, es war lukrativ für mich. Wir haben, nachdem wir uns einig waren, voller Tatendrang das Gebäude in Wandlitz hergerichtet, in der die Tanzkurse stattfinden sollten.

Mein Freund war Malermeister und ich habe mich als ‚Handlanger‘ betätigt.
2011 haben wir das Tanzstudio dann eröffnet.

Das hörte sich gut an, oder?
Naja, wenn alles so gekommen wäre, dann schon.

Was kam anders?
Mein Freund zögerte plötzlich mit meiner Honorarzahlung in voller Höhe.
Er zahlte mir tatsächlich lediglich ein Gehalt auf dem Niveau eines Minijobs, anstelle der zugesagten 1600,00 Euro.
Das war natürlich hart für mich, eine herbe Enttäuschung, die einen tiefen Riss in unserer Freundschaft hinterließ.

Wie sind Sie im Weiteren damit umgegangen?
Ich habe zunächst weitergemacht, was blieb mir auch übrig?
Die Tanzstunden an sich, die machten schon Spaß, der Austausch mit meinen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern.

Schließlich bekam ich von den Tanzschülern ein positives Feedback und das hat mich gestärkt, weiter an meinem Vorhaben dranzubleiben.

Zugleich gab mir das Schicksal einen ‚kleinen Schubs‘ in die richtige Richtung, einfach weiter nach meinem eigenen Weg zu suchen.

Was meinen Sie?
Wissen Sie, auf der einen Seite war ich glücklich damit, mit dem Tanzen meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Auf der anderen Seite blieben da stets die Existenzängste, die Sorge darum, wie es weitergehen würde. In dieser Situation kam mein Geschäftspartner erneut auf mich zu.

Was wollte er?
Anfang 2013 lief der Mietvertrag für unser Tanzstudio aus. Mein Freund musste sich also rechtzeitig vorher entscheiden, ob er weitermachen wollte oder doch lieber kündigen sollte.

Er fragte mich deshalb, ob ich nicht das Tanzstudio übernehmen wollte.
Was haben Sie gedacht, als er Ihnen dieses Angebot machte?
Naja, ich habe schon überlegt. Aber die Frage war ja, warum er so plötzlich alles an mich übergeben wollte, wo er doch auf ein gutes Geschäft gehofft hatte.

Zum Glück bin ich ja gelernter Bankkaufmann und habe in diesem Beruf auch ein paar Jahre gearbeitet. Ich konnte also durchaus die Wirtschaftlichkeit des Geschäftes einschätzen.
Mein Partner war ja der Meinung, dass die Kunden ihm ‚die Bude einrennen‘ würden und er davon gut leben könne. Die Zahlen sagten allerdings etwas anderes aus.

Ich konnte sehen, dass die Einnahmen mal gerade so die Ausgaben deckten. Ich habe meinen Geschäftspartner danach gefragt, wovon ich leben sollte, wenn ich die gesamte kaufmännische Verantwortung allein tragen sollte.

Darauf konnte er mir natürlich keine Antwort geben, die mich zufriedengestellt hätte.
Mir war ohnehin schon klargeworden, dass sich dieses Geschäft nur langsam entwickeln würde, gepaart mit viel Herzblut und in einem adäquaten wirtschaftlichen Rahmen.

Die Übernahme des Tanzstudio in der Form kam für Sie also nicht in Frage?
Nein. Aber als ich über alles das nachdachte kam mir die Idee, etwas Eigenes aufzumachen, etwas, was ich selbst steuern konnte und wo meine eigene Philosophie auch einer künftigen Entwicklung zugrunde lag. Meine Partnerin unterstützte mich in diesem Gedanken.

„Die Leute hängen an dir und nicht am Geschäftsführer“, stärkte sie mich in meinem Vorhaben. Also habe ich überlegt, wie ich an die Sache herangehen konnte.

Sie wollten demnach einen eigenen Verein gründen?
Ja, genau – das habe ich überlegt.
Ich wusste, dass ich für die Gründung des Vereins 7 Leute brauchte.
Die hatte ich schnell zusammen, Freunde, Teilnehmer aus den Tanzkursen, Geschäftsleute, die an die Idee glaubten.

Es ist erstaunlich, wieviel Knowhow in so einer Tanzgruppe steckt.
Am 01.11.2012 wurde aus der Idee Wirklichkeit – wir hatten unseren Verein.

Wir haben die Vereinsgründung beim Notar beim Amtsgericht eingereicht und haben danach auch die Gemeinde informiert.

Was hat Ihr Geschäftspartner dazu gesagt?
Ich habe ihm ganz offen kundgetan, dass ich ab 01.11.2012 nicht mehr für ihn arbeiten würde.

Er war entsetzt.
„Du bist schuld, wenn das hier alles untergeht“, sagte er zu mir.
Vielleicht hätte ich mich anders entschieden, wenn er von Anfang an mit mir fair umgegangen wäre.

Und jetzt wollte ich das alles nur noch hinter mir lassen, nach vorn schauen und meinen eigenen Weg gehen.

Was war, nachdem Sie den Verein gegründet hatten?
Danach habe ich bei der Gemeinde angefragt, ob sie uns bei der Suche nach einem geeigneten Raum unterstützen würden.
Die Gemeinde verwies uns an den Kreissportbund.

Die haben uns wiederum angeboten, zu bestimmten Zeiten die Turnhalle in Wandlitz zu nutzen. Wir waren von 2012 – 2014 in der Sporthalle im Gymnasium in Wandlitz.

Von der Größe war die Halle für uns zunächst völlig ausreichend. Wir waren damals ca. 50 Mitglieder. Für den Start war das alles hervorragend.

Wie sind Sie eigentlich an Ihre ersten eigenen Kursteilnehmer gekommen?
Nachdem ich den Verein gegründet hatte, gemeinsam mit meinen Freunden, da musste ich nur noch organisieren, dass meine ehemaligen Tanzschüler vielleicht ebenfalls mit mir weiter trainieren wollten.

Und, wollten Sie?
Ja, fast alle ehemaligen Tanzschüler sind zum ersten Training in die Turnhalle gekommen.

Die Bindung an den Geschäftsführer war ja nicht so stark, wie die an mich, denn ich war ja derjenige, mit dem sie bei den Trainings zusammen waren und da war natürlich eine ganz wunderbare feste Bindung zwischen uns entstanden.

Die Kosten für den Verein waren noch nicht so hoch und so konnten wir zunächst gut davon leben und uns entwickeln.

Wie kam es dazu, dass Sie wieder nach Stolzenhagen gegangen sind, dorthin, wo Sie mit Ihrem ehemaligen Geschäftspartner begonnen hatten?
Es wurde zunehmend schwieriger, die Tanzstunden in der Turnhalle zu organisieren.

Zum Beispiel machte die Turnhalle sechs Wochen im Sommer zu. Vorher war es so, dass die alte Reinigungsfirma die Turnhalle sauber gehalten hat. Da konnte ich mich noch an die Planung anpassen und habe für zwei Wochen Urlaub genommen.

Aber als die Reinigungsfirma wechselte und die Halle sechs Wochen geschlossen wurde, da bekam ich das mit meinen Planungen nicht mehr hin. Wir waren inzwischen von 50 Mitgliedern auf 100 gewachsen.

Damit hatten wir auch ein entsprechendes Einkommen für den Verein. Meine Frau kam auf die Idee, die alte Einrichtung zu nutzen.
Wir haben also einen neuen Mietvertrag abgeschlossen und alles erneut renoviert.

Alle haben geholfen. Das schöne ist, dass man die Location rund um die Uhr nutzen kann, wenn man selber den Pachtvertrag hat.

Damit konnten wir viel mehr Veranstaltungen machen – freie Workshops, Tanzabende, Bälle.

Ab da rechnete es sich für uns als Verein auch.
Ab dem 01.08.2014 hieß unser Verein dann „Tanzclub Schwarz Silber Wandlitz.“

DIE IDEE VOM UMZUG NACH SCHÖNWALDE NIMMT GESTALT AN

Jetzt wollen Sie den nächsten Schritt gehen und mit dem Ballhaus Wandlitz nach Schönwalde, neben ‚Bambus Dreams‘, umziehen?

Ja, darauf freuen wir uns sehr.
Der neue Vermieter in Schönwalde kommt uns entgegen.
Die Investitionskosten, die wir brauchen für die Renovierung, die können wir stemmen, weil wir über die Sparkasse Barnim finanzieren, über Vereinsmitglieder und der Vermieter erlässt uns für die nächsten drei Jahre die Miete.

Die Investitionskosten werden für uns mit der Miete verrechnet, sodass wir drei Jahre mietfrei sind.

Was sagt Ihr Vermieter dazu, wie Sie Ihr Projekt angehen?
Der Vermieter sieht was Niveauvolles und was Langfristiges und das ist auch unser Plan.

Wir wissen, dass das kein Selbstläufer ist. Man muss sich bewegen.
Neue Ideen haben, zum Beispiel Tanzfahrten organisieren.

Wir sind inzwischen auf 150 Leute angewachsen.
Aufgrund der Raumverhältnisse waren wir in Wandlitz vor Corona immer mehr gezwungen, uns zeitlich genau einzugrenzen.

Also brauchten wir ohnehin Alternativen und die haben wir in Schönwalde gefunden. Hinzukommt, dass die Lage dort unmittelbar an der B 109 für sich spricht.
In der Nähe befinden sich zum Beispiel zwei Discounter, eine Apotheke, ein Getränkemarkt, also genügend Ansatzpunkte, um auf uns aufmerksam zu machen.
Außerdem: Ich kann als ehemaliger Bankkaufmann ganz gut einschätzen, ob sich das letztlich rechnen wird. Hier kommt auch enorm vieles an Potenzial und Netzwerk zusammen.

Was macht für Sie Glück im Leben aus?
Wenn ich morgens aufwache, dann weiß ich, dass ich die Arbeit, die ich jetzt tue, mit Liebe und voller Hingabe tue. Es macht mir einfach Spaß. Man kann in diesem Beruf unheimlich viele Menschen glücklich machen. Und, man kann sogar davon leben.

Natürlich gehört zu meinem persönlichen Glück ganz entscheidend das Leben mit meiner Partnerin dazu. Sie hat großen Anteil daran, dass wir uns so gut entwickeln konnten – privat und geschäftlich.

Die Freiheit, zu leben, und nicht schauen zu müssen, wann der nächste Urlaub ist, um der ungeliebten Arbeit zu entfliehen, das ist doch das, was die meisten Leute umtreibt.

Und ich kenne nur noch das Gefühl, dass ich meine Arbeit wirklich gern tue. Heute interessiert es mich nicht einmal mehr, ob Wochenende ist. Ich stehe hier sonntags und mache Workshops.

Jeder Tag ist für mich im übertragenen Sinne ein Wochenende.
Sieht das Ihre Frau genauso?
Inzwischen ja. Sie ist sehr auf Sicherheit bedacht. Sie wollte früher noch, dass ich das nebenbei mache und ansonsten tagsüber festangestellt bin.

Können Sie das Sicherheitsbedürfnis Ihrer Frau nachvollziehen?
Absolut. Ich habe ja zwischendurch auch wieder im Büro gearbeitet und war in Bernau dafür zuständig, die Hundesteuer ordnungsgemäß zu verwalten.

Wie lange haben Sie das gemacht?
Das habe ich ein halbes Jahr durchgehalten. Aber nach der Probezeit bin ich da wieder ausgestiegen und habe mich dann mit Feuereifer auf das Tanzen gestürzt.

Meine Frau hat gesehen, dass das, was ich mache, was bringt, auch für sie. Sie ist im Verein angestellt, weil sie als gelernte Verwaltungsangestellte viel für den Verein tun kann.

Man sollte trotzdem das Sicherheitsbedürfnis, das Bedürfnis nach finanzieller Stabilität, einer berechenbaren Perspektive nicht ablegen.

Wie meinen Sie das?
Man hebt dadurch nicht ab, wird nicht übermütig, sondern überprüft ständig das Machbare und stellt die möglichen Risiken dagegen.

Generell bin ich allerdings der Meinung, dass man die größte Sicherheit aus sich selbst heraus generiert.

Ist Ihre Frau glücklich damit, so wie es jetzt läuft?
Ja, ich denke schon.
Wir sind viel zusammen während des Unterrichts, können uns austauschen.
Und dann hat jeder von uns auch seine eigenen Verpflichtungen, Begegnungen, Freundschaften.

Nehmen Sie an Turnieren teil?
Ja, das machen wir.
Wir tanzen, trainieren und nahmen auch an Turnieren teil.
Die Turniere werden deutschlandweit ausgeschrieben.

Es gibt Vereine, die so etwas veranstalten.
Wenn offene Termine deklariert werden und wir Lust und Zeit haben, dann nehmen wir teil.

Außerdem gib es wie im Sport Meisterschaften.
In Berlin gibt es zum Beispiel ein großes Turnier – das ‚Blaue Band der Spree‘, international besetzt.

Haben Sie schon was gewonnen?
Ja, wir haben zweimal den ersten Platz beim ‚Blauen Band der Spree‘ gemacht und zudem bei weiteren Turnieren vordere Plätze belegt.
Solange es Spaß macht und die Gesundheit es zulässt, solange wollen wir das auch weitermachen.

Beim Turniersport sollte man nicht nur die Leistung sehen, sondern auch den Spaß am Tanzen. Wenn man so herangeht, dann ist man auch erfolgreich.

Anfänglich waren wir jedes Wochenende unterwegs. Heute gehen wir da anders ran.
Es ist besser, wenn wir ein bis zweimal in einem halben Jahr an einer Sache teilnehmen, denn dann ist es schöner.
Der Sog entsteht ja nun mal von innen heraus und da ist ein zu großer Ehrgeiz fehl am Platze.
Gibt es Leistungsklassen im Tanzsport?
Ja. Es die Klassen D, C, B und A.
Und es gibt die Sonderklasse ‚S‘. Wir sind kurz vor der Sonderklasse.

Wie geht es weiter mit dem neuen Objekt in Schönwalde?
Ich bin dem Vermieter zunächst dankbar, dass wir genügend Überlegungen anstellen konnten, was es noch so für Potenzial bei der Nutzung der Räume gibt.

Was haben Sie für Ideen?
Wir wollen den Kindertanz ausbauen. Wir haben da eine junge Trainerin, die das sehr engagiert angehen will.
Yoga, Pilatis sind weitere Aktivitäten, die wir anbieten wollen.
Es soll ein richtiges Zentrum für Tanz – und Bewegungsfreudige werden.

Wie wird der Name der Einrichtung sein?
‚Ballhaus Wandlitz‘. Den Namen habe ich mir sichern lassen.
Ich bin selber schon ein bisschen aufgeregt, wenn ich daran denke, was wir alles vorhaben.

Woher nehmen Sie den Mut, die Energie, diese Herausforderungen zu bewältigen?
Meine Frau unterstützt mich in all meinen Vorhaben sehr.
Sie ist an meiner Seite und sie ist überhaupt mein Sonnenschein.
Zusammen sind wie eine perfekte Einheit.
Alle Mitglieder im Verein ziehen an einem Strang, unterstützen mich.

Eine große Motivation ist das Tanzen selbst.
Was gibt es Schöneres, als das die Leute sagen: „Hey, ich freue mich auf heute Abend, auf den Tanzkurs.

Dieser Teamspirit, das Kommunikative, das Soziale, all das, was durch das Zusammensein entsteht, das ist ein unschätzbarer Wert an sich.
Tanzen schweißt zusammen, gibt den Teilnehmern ein Gefühl von Glück. Und dafür lohnt es sich, sich anzustrengen.

Herr Steiniger, vielen Dank für das Gespräch.
Mehr über den Tanzclub Schwarz Silber Wandlitz e.V. im Firmenporträt.

https://uwemuellererzaehlt.de/2020/12/04/tanzclub-schwarz-silber-wandlitz-e-v/

TANZCLUB SCHWARZ SILBER WANDLITZ e.V.

TANZCLUB SCHWARZ SILBER WANDLITZ e.V.
Das ‚Ballhaus Wandlitz‘ hat seinen Sitz in der Dorfstrasse 45 in 16348 Wandlitz, Stolzenhagen.
Der 1. Vorsitzende des Vereins ‚Tanzclub Schwarz Silber Wandlitze e.V. ist Kersten Steiniger.
Im nächsten Jahr wird das Ballhaus Wandlitz in Schönwalde, neben Bambus Dreams zu finden sein.
Einen ersten Überblick über das vielfältige Angebot liefert der nachfolgende Flyer.

FLYER © TANZCLUB SCHWARZ SILBER WANDLITZ e.V.
Text Flyer - © Tanzclub Schwarz Silber Wandlitz e.V.
"Das Ballhaus Wandlitz zieht um!
Nach erfolgreich abgeschlossenem Umbau möchten wir Sie Anfang des Jahres 2021 
in unseren neuen Räumlichkeiten in Schönwalde begrüßen.
Es wird ein breites Angebot an Tanz-und Sportmöglichkeiten geben.
Für Jeden ist etwas dabei, egal ob Jung oder Alt, Anfänger oder Fortgeschrittener.
Kommen Sie einfach vorbei und wir finden gemeinsam das für Sie passende Angebot..."

... Gesellschaftstanz, Kindertanz, Streetdance, Hip Hop, 
Seniorentanz, Zumba fitness, Tango Argentino
Rückenfit, Bauch-Beine-Po u.m.
Turniertanz - Latein und Standard."

„Unsere geplanten Angebote für Sie:
– Gesellschaftstanz
– Kindertanz
-Seniorentanz
– Hip Hop/Streetdance
-Tango Argentino
-Salsa
Discofox
-Zumba Fitness
-Tanzveranstaltungen.“

Informationen unter:
Ballhaus Wandlitz, Dorfstr. 45
16348 Wandlitz
Telefon: 033397-6038 36
Mobil: 0152 28 78 67 56
Web: www.tc-wandlitz.de

Zum Interview mit Kersten Steiniger, 1. Vorsitzender des Tanzclubs Schwarz Silber e.V.:
https://uwemuellererzaehlt.de/2020/12/04/menschen-im-alltag-15/

 

 

SENIORENHILFE GOTHA BEWÄHRT SICH GERADE IN SCHWIERIGEN ZEITEN

Die aktuellen Herausforderungen sind geprägt durch die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen in der Gesellschaft.
Pflege- und Hilfsbedürftige gehören zu der Risikogruppe, die in dieser Zeit einem ganz besonderen Schutz bedürfen.
Dabei schnellt die Nachfrage nach Pflege- und Betreuungsleistungen ohnehin schon in die Höhe, selbst ohne diese besonderen Ansprüche in einer besonders schwierigen Zeit.
Pflegedienste und vor allem Pflegekräfte sind dabei längst an die Grenze ihrer Belastbarkeit gestoßen.

„Wir arbeiten rund um die Uhr und versuchen, das Unmögliche trotzdem möglich zu machen, nämlich nicht nur die gestiegenen Anfragen von Klienten zu bewältigen, sondern auch noch auf die Qualität, die individuelle Herangehensweise an unsere Aufgaben nicht aus dem Auge zu verlieren“, sagt Kathrin Dölle, Inhaberin des Pflegedienstes Seniorenhilfe in Gotha.

PFLEGE- UND HILFSBEDÜRFTIGE NIE AUS DEM FOKUS VERLIEREN – AUCH NICHT IN SCHWEREN ZEITEN – DAS PASSIERT NICHT IM SELBSTLAUF
Wenn es um die Sorgen und Nöte der Pflegedienste geht, dann wird vor allem über den Mangel an Pflegefachkräften gestritten.

Schließlich sind sie es, die den Betrieb am Laufen halten, sich vor Ort um die zu Pflegenden kümmern.

Das bestreitet natürlich niemand, aber mit der bloßen Anzahl von mehr Fachkräften ist es auch nicht getan.

Die Einstellung, ja der Wille, wirklich alles zu geben für das Wohl derer, um die es geht, nämlich die Pflege- und Hilfsbedürftigen, sie ist und bleibt neben der fachlichen Komponente eine der wichtigsten Hebel, um die Qualität im Pflege- und Betreuungsprozess voranzubringen.

Einer der Slogan, der in diesem Kontext häufig benutzt wird, ist der, dass der Mensch im Mittelpunkt des Geschehens stehen solle.
Nun könnte man fragen, wo sonst sollte der Mensch denn stehen, wenn nicht im Brennpunkt der Aufmerksamkeit der Pflegenden?
Etwa am Rande?

Das würde niemand schreiben oder behaupten, wenn er in der Pflege- und Betreuungsbranche ernst genommen werden will.
Und trotzdem ist mit dem einfachen Postulieren dieses marketingtechnischen bereits ausgehöhlten Begriffes nichts gesagt.

Vielmehr muss man einen Blick auf diejenigen werfen, deren Handeln auf das Wohl der zu pflegenden Menschen ausgerichtet ist – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegediensten.

Hier kommen Kathrin Dölle, Pflegedienstinhaberin, und ihr Team ins Spiel, die sich auch im 22. Jahr ihres Bestehens der individuellen Pflege und Betreuung verschrieben haben und sich den damit verbundenen Rahmenbedingungen immer wieder stellen.

„Natürlich ist es nicht einfach, das alles im Blick zu behalten, wenn die Pandemie uns an den Rand des menschlich Machbaren drückt. Wir glauben aber, dass wir selbst in diesen Zeiten nicht nachlassen sollten, die Standards zu überprüfen und an deren Weiterentwicklung zu feilen“, sagt sie.

Vernetzt denken und handeln, Netzwerke für eine gute Zusammenarbeit nutzen, das sind Erfahrungen, über die sie bereits vor drei Jahren in ihrem Interview für diesen Blog gesprochen hat.
Sie machte dort deutlich, was für sie individuelle Pflege und Betreuung wirklich heißt, nämlich unter anderen kurzfristig besondere Wünsche von Pflege- und Hilfsbedürftigen und deren Angehörigen zu realisieren.

Mehr: https://uwemuellererzaehlt.de/2017/06/23/kathrin-doelle-im-interview/

RECHTZEITIG UM DEN NACHWUCHS KÜMMERN
Kathrin Dölle geht regelmäßig in Schulen, und hier vor allem in die 7. und 8. Klassen, um diejenigen für den Beruf der Altenpflegerin oder des Altenpflegers zu begeistern, die dabei sind, die Weichen in Richtung Ausbildung zu stellen.

„Selbst wenn wir einen riesigen Bedarf in den nächsten Jahren und Jahrzehnten im Bereich der Pflege und Betreuung haben, so dürfen wir in unseren Gesprächen mit den Jugendlichen nicht verschweigen, wie anstrengend dieser Beruf ist, körperlich und mental“, sagt sie in diesem Zusammenhang.

„Wir brauchen auch nicht irgendjemanden, der vielleicht woanders keine Lehrstelle bekommen würde. Nein, wir brauchen möglichst die Besten, die sich dem Beruf verschreiben, sich das Fachwissen mit Begeisterung aneignen, und die auch nicht vor den schwierigen, eher nicht so schönen Seiten in der Pflegepraxis fürchten“, ergänzt sie.

Sie weiß, wovon sie spricht. Sie hat nach der Wende faktisch von Null wieder angefangen, nachdem sie vorher ihr Abitur gemacht hat, den Beruf der Gärtnerin erlernte und später noch Gartenbau studierte.

„Alles ist machbar und erlernbar, wenn man den Willen und das Interesse dafür aufbringt“, sagt sie heute.

Und Kathrin Dölle interessierte sich dafür, wie sie älteren Menschen helfen konnte.

Sie sieht darin eine ihrer tiefergehenden Motivation, wenn sie darüber nachdenkt, warum sie den Beruf noch heute gern ausübt.

Kontakt
Kathrin Dölle – Seniorenhilfe Ambulanter Pflegedienst
Lutherstraße 8, 99867 Gotha
Telefon: 03621 / 21 96 40
Telefax: 03621 / 21 96 39
E-Mail: info@seniorenhilfe-gotha.de
http://www.seniorenhilfe-gotha.de

AUF HOMO FICTUS ODER HOMO SAPIENS BEIM ERZÄHLEN ZURÜCKGREIFEN?

In Geschichten, die erzählt werden, sind die darin vorkommenden Figuren in der Regel fiktional angelegt.
Das heißt, sie sind nicht im Verhältnis 1:1 mit den real existierenden Menschen im tatsächlich stattfindenden Leben gleichzusetzen.

Na klar, es ist immer so, dass die Hauptfigur oft Züge von aus im realen Leben vorkommenden Menschen in sich vereint.

Wenn ich in „Anna ist dement“ über die Figur des Peter schreibe, dann finden sich dort zum Teil autobiographische Ereignisse wieder oder es sind Charakterzüge wiederzuerkennen, die auch mich auszeichnen.

Nur so kann ich authentisch und lebensnah schreiben.
Aber bin ich deshalb zu 100 Prozent der Peter? Nein, auf gar keinen Fall.

Der Reiz, künstliche Figuren zu erschaffen, homo fictus eben, besteht für mich darin, dass ich meine Phantasie und meine lebensechten Erfahrungen mit einfließen lassen kann.

Es gibt noch ein weiteres Motiv, warum ich nicht nur ‚Storytelling‘ betreibe, sondern auch fiktionale Geschichten erzähle.

Indem ich über einen Protagonisten erzähle, den ich fiktiv erschaffen habe, befasse ich mich sehr tiefgründig mit dem Wesen von Menschen, damit, warum sie sich in bestimmten Situationen so verhalten und nicht anders.

Das wiederum hilft mir bei meiner Arbeit, über reale Menschen im Alltag zu erzählen.

 

MENSCHEN AUS DEM ALLTAG – OHNE SIE FUNKTIONERT STORYTELLING NICHT

Menschen aus dem Alltag, Alltagshelden, sie sind die entscheidende Zutat, damit eine lebendige Geschichte erzählt werden kann.

Dabei spielt es für mich zunächst überhaupt keine Rolle, über wen ich schreiben will – ob über den selbstständigen Handwerker einer Bauschlosserei, die Inhaberin eines Küchenstudios oder den Protagonisten in einer fiktionalen Geschichte.

James N. Frey hat das in Hinsicht auf die Helden in einem Roman so zusammengefasst:
„Figuren sind für den Romancier was Holz für den Schreiner ist und was Ziegelsteine für den Maurer sind. Figuren sind der Stoff, aus dem der Roman gemacht wird.“
(James N. Frey: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ © 1993 Emons Verlag GmbH / © 1987 bei James N. Frey
ISBN 978-3-89705-32-1, Seite 17)

Sie sind für mich aber vor allem die Alltagshelden, für die ich mich interessiere, und wie ich weiß, meine Leser ebenfalls, und sie sind es, über die ich schreiben will.

Das ist das Hauptmotiv, warum ich mir immer wieder Anregungen, Tipps, Hinweise von den Großen im Metier des Schreibens hole – Tag für Tag, im Schreib-Alltag eben.

STORYTELLING LEBT AUCH VON BESCHREIBUNGEN UND STIMMUNGSBILDERN

Wenn ich einen runden -Text über ein Unternehmen schreiben will, so komme ich gar nicht umhin, Elemente zu verwenden, die auch in belletristischen Erzählungen angewendet werden.

Ich will ja im Storytelling nicht nur ein paar Fakten schildern, die dem Firmenporträt einfach nur angeheftet werden.

Nein, mir geht es auch schon darum, die Stimmung einzufangen, in der ich Gespräche führe, oder, in der ich die zu Interviewenden antreffe.

Das ist nicht immer ganz so einfach, wie ich es hier aufschreibe – zum Beispiel die Atmosphäre mit Worten zu skizzieren, die ich wahrnehme, bevor mein eigentliches Interview überhaupt beginnt.

Kürzlich hatte ich einen Termin in einem kleinen Ort im Barnimer Landkreis.

Mir blieb noch ein wenig Zeit und so hielt ich auf einem Parkplatz an, mitten in der Schorfheide.

Es roch nach den Kiefernzweigen, die sich leicht im Wind bewegten.
Die Ruhe, die sie ausstrahlten, die ging auf mich über.

Und obwohl ab und an ein paar Meter entfernt von mir Autos auf der Straße vorbeirauschten, hatte ich das Gefühl, ich könnte den Stress des Tages hinter mir lassen.

Als ich wieder ins Auto stieg und auf den kleinen vor mir liegenden Ort zusteuerte, da kam Freude in mir hoch, dass ich in dieser schönen und etwas abgelegenen Gegend gleich auf einen interessanten Menschen treffen würde.

Am Ortseingang sah ich kleinere Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten.

Alles schien in Ruhe und Ausgeglichenheit gegossen. Ein paar Meter weiter standen Spaziergänger an einem Gartenzaun.

Sie unterhielten sich mit einem älteren Mann, der sich auf seine Harke gestützt hatte und trotzdem noch aus den Augenwinkeln die herannahenden Autos beobachten konnte.

„Wir sind hier ein ruhiger Ort, mit sehr ruhigen Menschen. Bei uns zählt, dass man einander vertrauen kann. Und das ist enorm wichtig für mein Geschäft. Ich selbst bin hier geboren, groß geworden und habe hier meine Familie gegründet“, begann die Unternehmerin zu erzählen.

Das Bild, das ich mir von dem Menschen machen wollte, bekam mehr und mehr Konturen.
Angefangen hatte das alles schon vorher – nämlich als ich in den Ort hineinfuhr.

DIETLINDE HOKE – ENGAGIERTE UNTERNEHMERIN MIT VIEL HERZ

Dietlinde Hoke hat einen entbehrungsreichen Weg hinter sich – von der angestellten Küchenverkäuferin hin zur selbstständigen Unternehmerin.
Es ist faszinierend ihre Geschichte zu hören und zu erfahren, was ein Mensch zu bewältigen in der Lage ist, wenn er auf sich allein gestellt ist und sich trotzdem eine sichere Zukunft aufbauen will. Ich habe Dietlinde Hoke in ihrem Küchenstudio getroffen.
Wir saßen uns gegenüber, getrennt durch eine durchsichtige Scheibe, um uns vor Corona zu schützen. Wir tranken Kaffee und Dietlinde Hoke begann zu erzählen.
Als ich mich nach knapp drei Stunden von ihr verabschiedete fühlte ich, dass ich einen wertvollen Menschen kennengelernt hatte. Jemand, der vor allem sehr bescheiden ist, zu wenig an sich denkt und sich umso mehr um seine Kunden kümmert.
„Ich habe in den letzten Jahren so viel lernen müssen, mehr als in den vergangenen Jahrzehnten zusammengenommen“, beginnt sie zu erzählen.

DER WEG VON DIETLINDE HOKE
Dietlinde Hoke kommt aus einfachen Verhältnissen. Ihr Vater hat im Tiefbau gearbeitet, später in der LPG und ihre Mutter war in der Gärtnerei beschäftigt.

Nach dem Abschluss der Schule hat sie 1977 eine Ausbildung zur Milch-Industrielaborantin begonnen. Die Molkerei war in Wriezen, aber gelernt hat sie in Flemsdorf, einem Ort zwischen Angermünde und Schwedt. Ihre theoretische Ausbildung war allerdings in Güstrow.

„An diese Zeit erinnere ich mich ganz besonders gern zurück. Das Internat war sehr schön, wir waren jung und unternehmenslustig. Ein bis zweimal im Jahr trafen wir uns mit Lehrlingen aus anderen Ausbildungseinrichtungen und feierten gemeinsam. Das wurde von den Verantwortlichen der jeweiligen Einrichtungen organisiert und fand großen Anklang bei uns.
Wir waren ja eine reine Mädchengruppe und so war es natürlich schön, wenn wir bei diesen Gelegenheiten Jungen aus anderen Ausbildungsstätten kennenlernten.
Die Feiern fanden in Krakow am See statt. Und dort habe ich auch meinen späteren Mann kennengelernt, der in dieser Zeit zum Funkmechaniker ausgebildet wurde.“

Im Anschluss an die Ausbildung war sie bis 1989 als Facharbeiterin in einem Labor in Wriezen tätig.
Dietlinde Hoke hat geheiratet und bekam zwei Kinder. Ihr Sohn ist heute in Nordhausen Ingenieur für regenerative Energietechnik, Ihre Tochter hat Tourismusmanagement studiert und arbeitet jetzt in Berlin. Dietlinde Hoke hat insgesamt vier Enkel, die sie innig liebt und auf die sie sehr stolz ist.
Sie ist 1989 zur damaligen Gebäudewirtschaft in Wriezen gewechselt und war als Sachbearbeiterin tätig.

„Woran ich mich sehr gut erinnere ist, dass ich dort Schreibmaschine schreiben gelernt und im Februar 1989 noch den Führerschein für LKW gemacht habe. Das war sehr anstrengend, denn es musste alles nach der Arbeit am Abend passieren. Aber ich war froh, dass ich durchgehalten habe.“

1993 wechselte Dietlinde Hoke von der Wohnungsbaugesellschaft zu einer Sanitärfirma, für sechs Stunden. Sie wollte einfach mehr Zeit für ihre Kinder haben.  Sie arbeitete dort von 1993 bis 1995 als Sachbearbeiterin.

„Die Arbeit hat mir gut gefallen, aber als ich eines Morgens nach einer vierwöchigen Kur in die Firma zurückkam und wie gewohnt mit Energie und guter Laune an mein Tagewerk gehen wollte, stand plötzlich mein Chef hinter mir. Er schaltete wortlos den vor mir stehenden Computer aus und legte vor mir einen Briefumschlag hin, ebenfalls ohne Worte.
Das war mein Kündigungsschreiben. Ich war schockiert, denn ich stand faktisch von einem Tag auf den anderen ohne Arbeit da. Das hat mich sehr getroffen, und ich habe eine Weile gebraucht, um damit fertig zu werden. Meine Kollegen waren ebenfalls sehr geknickt, als sie davon erfuhren. Sie verstanden einfach nicht, warum ihr und mein ehemaliger Chef so gehandelt hatte.“

VOM BEGINN MEINES ABENTEUERS ALS ANGESTELLTE KÜCHENVERKÄUFERIN

„Ich war bereits über neun Monate arbeitslos, als ich durch Zufall davon erfuhr, dass eine Firma von außerhalb jemanden für ein gerade neu eröffnetes Küchenstudio in Wriezen suchte. Die Inhaber hatten zu dem Zeitpunkt Probleme mit der Verkäuferin. Ich ergriff diese Chance und fing im Januar 1996 in diesem Studio als neue Küchenverkäuferin an.“

Dietlinde Hoke hatte keinerlei Vorkenntnisse, wusste nicht, wie sie eine Küche zeichnen sollte, wie das Aufmaß zu nehmen war, also alles, was eine versierte Küchenverkäuferin im Grunde genommen hätten wissen müssen.

„Ich habe damit begonnen, Küchen auf dem Papier zu zeichnen, denn einen Computer hatte ich noch nicht. Aus der Hauptfiliale kam zur Unterstützung eine Kollegin, die mich einweisen sollte.
Sie war sehr nett, sehr sympathisch und wir verstanden uns gut. Sie hat mir dabei sehr geholfen, mich einzuarbeiten. Doch sie war ja nur acht Wochen bei mir und danach musste ich allein klarkommen. Also bin ich irgendwie doch ins kalte Wasser geschmissen worden. Ich habe nachts davon geträumt, wie ich eine Küche aufbaue.“

Die Leute kauften bei ihr Küchen, und zwar von Anfang an. Später bekam sie einen Computer und konnte daran arbeiten. Sie zeichnet bis heute auf Papier, wenn sie mit Kunden im Erstgespräch ist.

„Das ist einfach anschaulicher, wenn ich mit Bleistift, Lineal und Radiergummi vor den Augen der Kunden agiere, sie auf diese Weise hautnah miterleben können, wie der Grundriss ihrer zukünftigen Küche entsteht.“

VON DEN ANFÄNGLICHEN ÄNGSTEN UND ZWEIFELN
Dietlinde Hoke musste erst einmal ihre Ängste überwinden, die sie ganz zu Anfang hatte, wenn ein Kunde oder eine Kundin das Küchenstudio betrat.

„Ich erinnere mich, wie ich einen Samstag allein im Küchenstudio war. Ich bekam Angst, wusste nicht, was ich tun sollte, wenn jemand tatsächlich zur Tür hereinkommen würde. Ich habe also innerlich gebetet, dass die Leute am Küchenstudio vorbeigehen. Aber sie kamen herein. Für diesen Fall hatte mein Chef mir gesagt, dass er telefonisch in der Hauptfiliale erreichbar sei. Und genau diese Unterstützung hätte ich auch dringend gebraucht.
Da waren zum Beispiel Kunden, die genau wissen wollten, wie das mit der Dunstabzugshaube funktionierte, wo für die Abluft die Öffnung in der Wand hinkam.
Ich rief also in der Filiale an. Doch niemand meldete sich.“

Insgesamt war Dietlinde Hoke fünf Jahre fest angestellt, von 1996 bis 2001.

„Gearbeitet habe ich damals schon wie eine Selbstständige. Ich habe alles allein gemacht – von der Planung bis zum Schreiben der Rechnung.“

Im Jahr 2001 wurde Dietlinde Hoke krank und fiel für eine längere Zeit aus.

AUF EIGENEN FÜSSEN STEHEN – LEICHT GESAGT UND NUR MIT VIEL ANSTRENGUNG GETAN
Manchmal denkt Dietlinde Hoke an die Zeit zurück, als sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Nachdem sie zur Kur in Davos war, ging es ihr gesundheitlich wieder besser und sie begann zu überlegen, wie es weitergehen sollte.

Ihr Mann riet ihr damals: „Mach‘ dich doch selbstständig. Du hast doch alle Erfahrungen, warst ohnehin auf dich allein gestellt, selbst als angestellte Küchenverkäuferin.“

Damals waren sie noch zusammen, Dietlinde Hoke und ihr Mann, und so wagte sie den Schritt, obwohl sie stark an sich zweifelte, nicht den Glauben an sich hatte, das alles zu schaffen.

Sie nahm all ihren Mut zusammen und handelte mit dem neuen Eigentümer des Hauses einen Mietvertrag aus. Am 01. Oktober 2003 eröffnete sie ihr eigenes Küchenstudio.

„Anfangs war es natürlich für mich eine Katastrophe, ich wusste nicht, wie ich es anpacken sollte, obwohl ich ja bereits fünf Jahre zuvor als Küchenverkäuferin gearbeitet hatte.“

Heute kann sie sich nicht mehr vorstellen, in einer anderen Form zu arbeiten, obwohl sie alles allein machen muss, angefangen vom Saubermachen, Planen über Rechnungen schreiben bis hin zur Reklamationsbearbeitung.

DIETLINDE HOKE LIEBT IHRE ARBEIT, AUCH WENN ES NIE LEICHT IST
Dietlinde Hoke ist eine Kümmerin. In der Beratung geht es ihr zunächst darum zu erfahren, welche Vorstellungen ihre Kunden von der Küche haben, die zu ihnen passen soll.
Sie hört sich das an, stellt schon im Kopf die Küche zusammen.

„Die Leute sollten am besten ins Studio kommen, ein paar Fronten ansehen, grobe Maße mitbringen, wo das Wasser, Abwasser, die Steckdosen oder das Fensterbrett sind. Dann zeichne ich es in Gegenwart der Kunden auf das Papier, berücksichtige dabei ihre Vorstellungen. Und nur darum frage ich so viel. Manchmal sagen Kunden dann: ‚Was Sie nicht alles wissen wollen.‘
Ich antworte in solchen Fällen darauf, dass ich ihnen nur ein gutes Angebot machen kann, wenn ich ihre Vorstellungen und Wünsche genau kenne, zum Beispiel, ob es eine einfache Spüle sein soll oder eine aus Granit. Oder wieviel Personen im Haushalt leben, denn das ist wichtig, um den richtigen Geschirrspüler auszusuchen.“

Am liebsten hat sie die Kunden danach noch einmal am Tisch, damit alles endgültig besprochen werden kann.

„Das ist dann auch alles ein bisschen persönlicher und wirkt sich positiv auf die Qualität der finalen Erstellung des Angebotes und schließlich des Vertrages aus, wenn Einzelheiten noch einmal individuell abgestimmt werden können, bis hin zum Preis.“

Der Aufbau der Küche bei den Kunden vor Ort ist im Preis miteinbegriffen.

„Das finde ich wichtig und sage oft, dass die Kunden nicht am falschen Ende sparen, sondern gerade beim Aufstellen der neuen Küche auf professionelle Unterstützung und Erfahrungen zurückgreifen sollten.“

An einer Wand im Küchenstudio stehen die Worte des französischen Meisterkochs Georges Auguste Escoffier: „Das Fundament allen Glücks ist eine gute Küche.“

„Diesen Spruch fand ich so treffend für meines kleines und irgendwie doch sehr feines Studio.
Ich habe ihn im Internet recherchiert. Meine Tochter hat mir dann die entsprechende Folie dazu besorgt und den Spruch an der Wand angebracht.“

Dietlinde Hoke ist im Moment zufrieden, wenn sie daran denkt, wie sie in den Jahren immer besser mit ihrem Studio von den Kunden in und um Wriezen angenommen wurde.

„Es ist interessant, dass ich Generationen von Kunden habe, von Opa und Oma, den Eltern, bis hin zu den Kindern oder alle gemeinsam. Es ist schön, wenn ich zum Beispiel von den Enkeln erfahren, dass Oma und Opa zur Küche was dazugegeben haben und wie glücklich jetzt alle mit dieser Anschaffung sind. Neue Küchen können natürlich nicht den Lauf der Welt verändern, aber sie können ein kleines bisschen Glück in die Herzen der Leute bringen und das freut mich dann sehr. Das Vertrauen, das in dieser Zeit entsteht, das ist mir wichtig.
Es drückt die gegenseitige Wertschätzung aus, die wir brauchen, um die Arbeit, das Leben als alltäglichen Reichtum zu begreifen, und daraus wiederum Kraft zu schöpfen.“

ICH BIN GLÜCKLICH GESCHIEDEN
Dietlinde Hoke hat viel mit ihrem Mann gemeinsam aufgebaut. Später hat er sie in den Anfängen ihrer selbstständigen Arbeit im Küchenstudio unterstützt.
Doch mit den Jahren wurde ihr Verhältnis zueinander schwieriger, und ihre Ehe belastete sie von Tag zu Tag mehr.

„2007 habe ich mich von meinem Mann getrennt und von da an allein gearbeitet.
Der Scheidungsprozess lief über viele Jahre, bis 2017. Aber nun bin ich froh, dass ich alles hinter mir lassen konnte. Jetzt fühle ich mich wohl. Ich bewohne eine kleine Wohnung in der Nähe des Küchenstudios.“

DEN WILLEN AUFBRINGEN, LOSZULASSEN
Dietlinde Hoke kann sich nur schwer von ihrer Arbeit lösen.
Und trotzdem versucht sie inzwischen mehr Zeit mit ihren Kindern, Enkeln und ihrem Partner zu verbringen.

„Das alles miteinander in Einklang zu bringen, das Leben in all seinen Facetten zu genießen – das sehe ich heute als meinen eigentlichen Reichtum an.“

GLÜCKLICH SEIN, DAS KOSTET KRAFT
Glück ist für Dietlinde Hoke, am Kreisverkehr von Wriezen ihr Küchenstudio zu haben, mit einem verlässlichen Handwerker zusammenzuarbeiten, den Kunden ihren Traum zu erfüllen, zu erleben, wie sie sich über ihre Wunschküche freuen.

„Wenn ich mich noch einmal entscheiden müsste, ob ich den Weg wieder gehen würde, dann würde ich es mit großer Sicherheit wieder tun“, beschließt sie ihre Geschichte.

FIRMENPORTRÄT:

https://uwemuellererzaehlt.de/2020/11/12/firmenportraet-ihr-kuechenpartner/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

WARUM DETAILS IM STORYTELLING WICHTIG SIND



Im letzten Beitrag ging es darum, dass das Storytelling, das Schreiben generell ein System braucht.
Mehr dazu: https://uwemuellererzaehlt.de/2020/11/08/schreib-alltag-21/.
In diesem Beitrag will ich der Frage nachgehen, warum Details in einer Geschichte so wichtig sind. Das können natürlich nur Anregungen sein, vor allem Erfahrungen, die ich selbst beim Schreiben gemacht habe. 

Kürzlich fragte mich die Inhaberin eines kleinen Unternehmens, warum ich sie soviel fragen würde, zum Beispiel, wo genau sie aufgewachsen ist, wie alt ihre Schwester sei und was sie alles in der Freizeit treibt, womit sie sich in der wenigen für Sie verbleibenden Zeit beschäftigt, wenn sie nicht mit ihrem Business befasst ist.

„Wozu soll das gut sein, wenn ich das alles beantworte“, entgegnete sie mir.
Ja, warum? Kann ich nicht einfach ein paar Fakten aufschreiben, ein kurzes Leistungsportfolio der Dienstleistungen und Produkte zusammentragen und anschließend Ruhe geben?

Natürlich kann ich das tun, doch was hätte das mit Storytelling zu tun, damit, dass ich einen Menschen, sei es nun beruflich oder privat vorstellen wollte?

Wer würde das lesen wollen? Vermutlich keiner.
Wenn ich beispielsweise schreibe, dass einer Unternehmerin kaum Zeit für die eigenen Enkel bleibt, dann ist das sicher erst einmal ein Fakt, den der Leser hinnimmt.

Aber wie wäre es damit?
„Anne rieb sich die Augen. Im Büro war es dunkel, ihre Mitarbeiter waren längst gegangen.
Sollte sie sich noch einen Espresso machen? Oder doch lieber die Sachen packen, das Büro abschließen, nach Hause fahren und direkt ins Bett fallen.
Sie könnte ja am nächsten Tag weitermachen. Aber sie hatte ihrer kleinen Enkelin versprochen, dass sie morgen zu ihrem Geburtstag ganz bestimmt anwesend sein würde.
‚Oma, ich freu‘ mich. Bringst du mir was Schönes mit‘, hatte sie heute noch auf der Mail-Box ihres iPhones gehört. Sie konnte ihre Enkelin nicht enttäuschen. Sie musste einfach mit am Geburtstagstisch sitzen.
Und was war mit dem Angebot? Es musste bis fertigwerden, neben den vielen Besprechungen, die am nächsten Tag anstanden.
Anne seufzte, erhob sich aus dem Sessel, schlurfte auf Strümpfen zum Kaffeeautomaten.
Ihre Schuhe hatte sie längst unter den Schreibtisch geschoben.
Irgendwie musste das alles anders werden. Nur wie, das wusste sie nicht, als sie mit dem Espresso am Schreibtisch zurück war und sich erneut in das Angebot vertiefte.“

Ganz sicher kann man das noch besser ausfeilen, prägnanter, ausführlicher beschreiben.

Aber es zeigt schon in der Fassung folgendes: Menschen und das, was sie umtreibt müssen in den Einzelheiten beschrieben, vorgestellt werden. Wie auch sonst soll der Leser an der Situation teilhaben, sich in die Nöte und Freuden von Anne, der Unternehmerin hineinversetzen können?

Es geht gar nicht darum, alles bis in die letzte ‚Fuge‘ hinein breitzuwalzen. Aber nur, indem ich echte authentische Details verwende, kann ich Anteilnahme hervorrufen, letztlich Vertrauen beim möglicherweise späteren potenziellen Kunden schaffen.
Details zu beschreiben, das will geübt sein. Mir gelingt es mal gut und manchmal gar nicht.

In jedem Fall nutze ich nahezu jede Möglichkeit, mich darin zu üben.
Fahre ich mit meiner Frau zum Einkaufen, so beobachte ich die Menschen um mich herum.
Zuhause am Schreibtisch zurück, notiere ich meine Beobachtungen.

Oft genug tippe ich sie auch gleich in mein Handy.
Keiner von uns, lebt in ‚großen Bögen‘, hält tagsüber überschwängliche Reden oder artikuliert lediglich gestanzte Worthülsen.

Nein, jeder arbeitet am Tag hunderte Einzelheiten ab, nimmt unzählige Details von Menschen und Sachen auf, wird Zeuge von Emotionen, unterliegt selbst Gefühlsregungen, kurzum lebt einfach. Dieses Leben zu beschreiben, darum geht es. Und das funktioniert, indem man die Details, die Einzelheiten berücksichtigt.

FREIBURGER PFLEGESERVICE – KREATIV UND ENGAGIERT

Patrick Bolanz ist der Inhaber des Freiburger Pflegeservice und ein kreativer Kopf, wenn es darum geht, die Qualität der individuellen Pflege in seinem Wirkungsbereich zu halten und weiterauszubauen.
Er sieht sich dabei als Teamplayer und Dienstleister für seine Mitarbeitenden, denn sie sind es, die den ausschlaggebenden Beitrag dafür leisten, dass der Freiburger Pflegeservice so gut angesehen ist – bei den Hilfs- und Pflegebedürftigen und deren Angehörigen. 
Deshalb fällt es mir leicht, diesen Pflegedienst immer wieder mal in den Fokus der verdienten Aufmerksamkeit zu rücken.
DAS TEAM DES FREIBURGER PFLEGESERVICE

Patrick Bolanz hatte eine Vision, als er sein eigenes Unternehmen gründete. Er wollte für seine Klienten eine persönliche Pflege und Betreuung, die nicht auf kurzfristige Zeitabstände angelegt ist, sondern die sich kontinuierlich fortsetzt.

An diesem Gedanken hat er bis heute festgehalten, ihn weiterentwickelt und damit eine Qualität in einen Prozess gebracht, die sich sehen lassen kann – bei seinen Klienten, den Angehörigen und auch seinen Mitarbeitenden.

„Wir wollen Menschen vor allem darin unterstützen, sich selbst besser zu helfen, die eigene Selbstständigkeit zuhause möglichst lange zu bewahren“, sagt Patrick Bolanz auf den Kern der individuellen Pflege und Betreuung angesprochen.

Diese konsequente Ausrichtung hat dem Team großen Zuspruch gebracht, der sich auch in der gestiegenen Nachfrage nach Pflege und Betreuung manifestiert.

„Das ist aktuell unsere größte Herausforderung, die wir zu bewältigen haben“, sagt Patrick Bolanz.

„Wir brauchen hier die Ideen und das Engagement des gesamten Teams. Aber genau das ist es auch, was uns alle fordert, zusammenschweißt, motiviert, kurz um – uns einen riesigen Spaß bereitet.“

GEHALT – WERTMÄSSIGES ÄQUIVALENT FÜR SELBSTBEWUSSTES UND VERANTWORTUNGSVOLLES HANDELN

Bei den Gehaltszahlungen orientiert sich der Pflegedienst an den Arbeitsrichtlinien (AVR) der beiden großen privaten Arbeitgeber – Diakonie und Caritas-Verband.

„Wir sind mit unseren Gehaltszahlungen vergleichsweise im oberen Drittel dieser AVR angesiedelt. Mit einem angemessenen Gehalt drücken wir unsere Wertschätzung für die geleistete Arbeit unserer Mitarbeitenden aus“, sagt Patrick Bolanz.

„Wir haben vor kurzem gerade einen zusätzlichen Bonus, steuerfrei, in Höhe von 1500, 00 Euro an jedes Teammitglied ausgezahlt, um die besonderen Leistungen und Anstrengungen in der Zeit der Corona-Pandemie zu würdigen“, ergänzt er an der Stelle.

SPASS AN DER ARBEIT – FÜR PATRICK BOLANZ KEIN LIPPENBEKENNTNIS

Das Klima im Unternehmen ist gut. Wichtige Arbeitsabläufe und Prozesse sind digitalisiert.
An dieser Strategie wird weitergearbeitet. Ein wichtiger Punkt, um Abläufe nicht nur effizienter zu gestalten, sondern auch, um Wege und Anstrengungen für die Mitarbeitenden zu reduzieren.

„Mir kommt es besonders darauf an, dass wir mit echtem Spaß unsere Arbeit verrichten. Immerhin ist es ein Großteil unserer Lebenszeit, die wir mit dieser Tätigkeit verbringen“, so P. Bolanz.

Mehr lesen:

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/19/kurzportraet-patrick-bolanz/

DER INHABER DES FREIBURGER PFLEGESERVICE

Pflege war für Patrick Bolanz nicht von Anbeginn seiner Entwicklung der Traumberuf, den er anstrebte.
Er absolvierte zunächst eine kaufmännische Ausbildung und hat später in einem großen Konzern im Einkauf gearbeitet.

Seine Vorstellung von Selbstverwirklichung im Leben brachte ihn jedoch darauf, noch einmal eine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger zu beginnen.

„Ich wollte mehr mit Menschen zu tun haben, mit denen ich nicht nur kommunizieren, sondern ihnen auch in lebenswichtigen Bereichen nachhaltig helfen konnte“, erinnert er sich zurück.

Der Entschluss, sein eigenes Pflegeunternehmen zu gründen, reifte in ihm, nachdem er im Anschluss an seine Ausbildung viele Erfahrungen in der Pflege und Betreuung gesammelt hatte.

„Rückblickend erkenne ich wie in einem Brennglas: Alle meine bisherigen beruflichen Stationen hatten ihren Sinn – gelernter und examinierter Altenpfleger, gepaart mit Ausflügen in das Eventmanagement, Handelsvertreter in einem internationalen Unternehmen für die Bereiche Organisation, Marketing und Verkaufsstrategien.

Das alles gibt mir die Kraft und ein gerütteltes Maß an Erfahrungen, um den Anforderungen an einen Pflegedienstinhaber in der heutigen Zeit gerecht zu werden“, so P. Bolanz heute.

Mehr lesen:

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/19/interview-mit-patrick-bolanz/

DIE LEISTUNGSSPANNE DES FREIBURGER PFLEGESERVICE

Der Freiburger Pflegeservice ist in der Gartenstadt Haslach, einem Stadtteil von Freiburg, zuhause.

Von dort aus betreut das Team um Patrick Bolanz seine Klienten im gesamten Stadtgebiet, viele darunter, die in Haslach leben.
Das Team versorgt ca. 120 Klienten.
Von den über 25 Mitarbeitende sind 13 examinierte Fachkräfte in der Pflege tätig.

12 Mitarbeitende arbeiten in der Betreuung, in der Hauswirtschaft und helfen mit, die Pflege nach Kräften zu verbessern.
Zwei Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind für die Verwaltung, für Personal und Managementaufgaben zuständig.

Die Leistungen reichen von der Grund- und medizinischen Behandlungspflege, der Verhinderungspflege, Betreuungsleistungen bis hin zur Rund-um-Betreuung (‚Pflegeservice 24 h- zu Hause bleiben‘) und der ausserklinischen Intensivpflege.

Der Inhaber, Patrick Bolanz, ist examinierter Altenpfleger und besitzt die Qualifikation zur Pflegedienstleitung. Er fühlt sich auch privat mit seiner Familie in der Gartenstadt wohl.

Mehr im Firmenporträt:
https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/17/freiburger-pflegeservice-stellt-sich-vor/

Kontakt:
Freiburger Pflegeservice
Inhaber: Patrick Bolanz
(examinierter Altenpfleger – staatlich geprüfte Pflegefachkraft)
Fichtestraße 31
79 115 Freiburg – Haslach
Telefon: 0761-4799633
Telefax: 0761-4799634
E-Mail: info@freiburger-pflegeservice.de
www.freiburger-pflegeservice.de

GERHARD NEUMANN – VERSIERTER KENNER VON NATUR UND LANDWIRTSCHAFT, UNTERNEHMER, SCHRIFTSTELLER

GERHARD NEUMANN

„Ich bin von Natur aus ein Optimist, …Ich habe versucht, diese Lebensphilosophie an meinen Sohn weiterzugeben…glaube zuerst AN DICH SELBST. Dann kannst Du auch an andere Menschen glauben.“ 

Das hat der Mann geschrieben, dem ich an einem sonnigen Samstag im September 2020 begegnete. Fast am Ende des Buches „MEIN WEG ZUM PARADIES“ findet man dieses Zitat. (Vgl. Gerhard Neumann, MEIN WEG ZUM PARADIES, ISBN 978-3-86557-457-2, © NORA Verlagsgemeinschaft (2019), S. 304/305)

Der Satz ist so markant, wie der Autor, Gerhard Neumann, selbst.
Ich treffe oft auf interessante Menschen, ja ich suche sie geradezu.

In ‚Neumann‘s Erntegarten‘ traf ich auf so jemanden: Gerhard Neumann, versierter und begeisterter Obstbauer, Unternehmer und Schriftsteller.

Das ich ihn kennenlernte, war eher zufällig und nicht geplant.

Wir wollten mit unserer Tochter und Krümel etwas unternehmen, wenn die beiden schon bei uns zu Besuch waren.

„Lass uns doch mal zum Selbstpflücken auf einen Bauernhof fahren, sagte meine Frau zu mir.

„Hm, keine schlechte Idee“, antwortete ich.

„Wir waren doch schon mal auf so einem Hof vor Jahren, erinnerst du dich noch?“, fragte meine Frau.

„Ja, ich weiß, das war in der Nähe von Potsdam“, antwortete ich.

„Ich schau‘ mal im Internet nach“, meinte ich noch.

Abends recherchierte ich und suchte etwas Passendes für uns.
‚Neumann’s Erntegarten und Hofladen‘, stand da plötzlich.

Ich scrollte ein wenig auf der Web-Site hin – und her und erblickte den Unternehmer auf einem Foto.

Er kam sympathisch rüber, ja er hatte charismatische Gesichtszüge. Ich klickte mich durch die Unterseiten und blieb da hängen, wo zwei Bücher von Gerhard Neumann aufgeführt waren.

„Schriftsteller ist der also auch noch“, dachte ich.
‚Donnerwetter, das musste ein Mensch sein, der über viel Energie und Visionen verfügte.

Mir gefiel die Idee zunehmend besser, dort auf den Hof zu fahren. Vielleicht ergab sich ja sogar die Gelegenheit zu einem Gespräch.
Wir fuhren am Samstag dorthin und wir waren voller Vorfreude auf den Tag.

Als wir auf dem Parkplatz ausgestiegen waren, und wir uns in Richtung des Hofladens begaben, da sah ich den Obstbauern stehen.

Er war mitten im Geschehen, beobachtete die Leute und sprach ab und an mit einem Besucher, der sich an ihn wandte.

Wir nahmen unsere Körbe und gingen zu den Feldern, wo die Erdbeeren standen, und auch eine riesige Plantage mit Himbeeren war.

Es war herrlich für uns. Krümel pflückte begeistert mit und plapperte ununterbrochen vor sich hin. Ich blickte auf und sah in der Ferne eine kleine Kirche. Vor uns waren die Sträucher gerade gewässert worden und so dufteten sie noch intensiver nach dem Grün und dem Obst.

In dem Buch stand was von Paradies – der Autor musste das hier vor Augen gehabt haben.

Wir gingen weiter und kamen an eine Apfelplantage.
Ich pflückte einen Apfel vom Ast, um zu sehen, ob er schmeckte.

Ich biss hinein. Ich aß im Grunde wenig Äpfel, aber der hier schmeckte so gut, dass nur der Stiel zum Schluss übrigblieb.

„Die müssen wir mitnehmen“, sagte ich zu Klara und wir machten uns daran, die Äpfel in die mitgebrachten Eimer zu füllen.

„Wollen wir zurück zum Hofladen?“, fragte ich Klara und Laura.
„Ja, Opa“, antwortete stattdessen Krümel. Voller Stolz hielt sie das kleine Körbchen, angefüllt mit herrlichen Himbeeren, in ihren kleinen Händen.

Also machten wir uns auf den Rückweg.
Plötzlich hörte ich Stimmen und sah einen SUV in einem Seitenarm stehen, direkt neben einem alten Traktor.
Das musste der Chef sein.

„Soll ich ihn einfach mal ansprechen?“, überlegte ich.
Wie würde er reagieren. Plötzlich tauchte er in der Tür des Schuppens auf.

Ich gab mir einen Ruck und spazierte schnurstracks auf ihn zu.
„Darf ich Sie mal kurz stören und etwas fragen?“
Der Bauer stutzte, schaute mich an und sagte: „Ja, bitte“

„Ich führe einen Blog, online, und ich schreibe über interessante Menschen, so wie Sie einer sind.

Der schaute mich prüfend an und sagte nach einigem Zögern: „Hm, und was haben Sie davon?“

Ja, was hatte ich eigentlich davon, außer dass ich meine Frau, meine Tochter und meine Enkelin mal wieder hatte stehenlassen, um einer interessanten Spur zu folgen.

Dabei wollte ich ihn gar nicht ansprechen, weil ich wusste, was da für Arbeit auf mich zukam.

„Ich interviewe Leute, die ich interessant finde und den Blog refinanziere ich über kleinere Werbungen“, sagte ich.
Er schaute mich noch einmal prüfend an und sagte: „Ich bezahle gar nichts.“

„Da bin ich aber froh, dass Sie mir das so sagen, denn fast hätte ich Ihr Buch bei Amazon gekauft“, konterte ich.

Aber davon mal abgesehen: Dieser Unternehmer und Schriftsteller hatte etwas, was mich faszinierte, und deshalb war es beschlossene Sache, dass ich wenigstens einen Artikel für den Blog über ihn verfasste.

„Sie schreiben über mich und mein Buch“, sagte er plötzlich.
„Träum‘ weiter“, dachte ich. Andererseits: Das klang schon interessant, obwohl ich noch zögerte.

„Also gut, ich schenke Ihnen ein Buch und Sie schauen mal, ob es für Sie interessant genug ist, dass Sie etwas darüber schreiben wollen.“

„Ok“, antwortete ich sofort. Ich bekam ein Buch geschenkt, lernte bei der Gelegenheit einen interessanten Menschen kennen – das passte doch alles.

„Darf ich fragen, wie alt Sie sind?“
„Ich bin am 24.12.1938 geboren, also 1938 Jahre nach der Geburt Christi.“

Der Satz gefiel mir.
„Ich beschäftige mich gerade sehr intensiv mit der Bibel, obwohl ich früher mal Marxist war“, sagte ich.

„Und ich bin heute noch Marxist“, antwortete er.
Das imponierte mir. Das war ehrlich, einfach authentisch.

Hatte er so das Buch geschrieben? Wenn ja, dann war es auf jeden Fall spannend für mich.

Ich beschloss, gleich zu Hause in sein Buch hineinzuschauen.
Im Hofladen signierte er den Band noch.

„MEIN WEG ZUM PARADIES“, steht auf dem Buchdeckel.
„Es ist nie zu spät so zu werden, wie man eigentlich ist“, schrieb er in die Innenseite.

Nicht schlecht, fand ich. Und sofort überlegte ich, ob er mich damit meinte.
Naja, irgendwie traf das schon auf jeden von uns zu, nämlich das zu sein, was man wirklich von innen auch ist.

„Werde einfach der, der du wirklich bist“, habe ich mal von einem Jesuitenpfarrer gehört.

Wir aßen noch eine Kleinigkeit, Krümel begann, sich auf den Boden zu werfen, weil sie nicht das durfte, was sie wollte: auf den Sitzen mit Schuhen herumtollen.

Es wurde Zeit, dass wir uns nach Hause begaben.
Ich nahm mir eigentlich vor, mir noch ein paar Tage zu geben, um in Ruhe das Buch durchzublättern, ja auch durchzulesen.

Aber ich war zu neugierig, um zu warten.
Ich schaute gleich ins Buch, als ich in meiner Liege im Garten lag.
„…und im Frühjahr 1942, als die Gartenarbeit begann, half ich kräftig mit….Mit diesen Gartenarbeiten wurde die Grundlage für mein späteres Leben gelegt.“ (Vgl. ebenda, S. 16)

Das war also der Anfang des Weges, den Gerhard Neumann in Sachen Erntegarten ging.

Ein harter Weg. Das wird dir klar, wenn du dich in das Buch hineinbegibst, und damit in das Leben von Gerhard Neumann.

Es gäbe viel zu berichten – über spannende Erlebnisse, über seine Art, Privates und Berufliches zu schildern.

Wer wissen will, was ein Mensch schaffen kann, wenn er sich mit seinem Weg identifiziert, wenn er kämpft bis fast zum Umfallen, wenn er immer wieder aufsteht nach einer erlittenen Niederlage, für den ist das Buch ein wahrer Fundus.

Mir gefällt, wie authentisch er schreibt, dass ihn zum Beispiel manche Liebe im Leben fast zerrissen hat, und wie er doch noch seine Frau gefunden hat, die alles mit ihm teilt.

Gut, dass ich Gerhard Neumann auf der Obstplantage angesprochen habe.

ALDELHEID ALDINGER – EIN AUSSERGEWÖHNLICHER MENSCH

ADELHEID ALDINGER FEIERT HEUTE IHREN 60. GEBURTSTAG - EIN BESONDERER TAG FÜR EINEN BESONDEREN MENSCHEN

Ich bin Adeldheid Aldinger vor sechs Jahren begegnet. Da war ich auf der Suche nach einer guten Geschichte für ein Stadtmagazin in Altlandsberg. Und die fand, als ich mich nämlich mit Lutz Wagner und Adelheid Aldinger traf, beide sehr engagiert für den Verein „Helfen hilft e.V.“ in Altlandsberg.

Der Verein kümmert sich um Bedürftige, die auf Lebensmittel, Obst, Gemüse oder Kleidung angewiesen sind. Ich habe damals schon gestaunt, mit wie viel Herzblut sich die beiden für Menschen engagieren, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Später habe ich Adelheid noch einmal getroffen, als sie eine Frauentagsfeier ausrichtete und ich ein paar kleinere Geschichten vorgelesen habe. Adelheid hatte keine leichte Kindheit, und sie hat es trotzdem geschafft, ihre schlechten Erfahrungen zu verarbeiten und positiv in die Welt zu schauen.

Adelheid ist ein kluger Mensch, und sie tut vor allem eines: Sie denkt mit dem Herzen. Im April 2018 erhielt sie die Medaille des Brandenburger Landtages „…zur Anerkennung von Verdiensten für das Gemeinwesen.“

Die hat sie sich hart erarbeitet und verdient, im Team mit denen, die sie täglich unterstützen. Ich schreibe schon eine Weile über Menschen im Alltag, über diejenigen, die nicht viel Aufhebens machen, um ihre Person, die einfach helfen.

Das fasziniert mich an ihr. Sie hat eine große Familie, verschenkt Liebe, erteilt Ratschläge, wenn sie gefragt wird und kann herzlich lachen über die Dinge des Alltags.

Sie liest meine Beiträge fast täglich, und ehrlich: Das erfüllt mich mit Stolz. Herzlichen Glückwunsch, liebe Adelheid zu deinem 60. Geburtstag, auch wenn du zwanzig Jahre jünger wirkst.

Mach‘ einfach so weiter, und hoffentlich noch lange, bleib‘ stark. Deine Freunde mögen dich, deine Familie liebt dich und ich ziehe meinen Hut vor dir.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Adelheid zu deinem 60. Geburtstag!
Uwe

MARTINA LIPPERT – EIN LEBEN FÜR DIE PFLEGE

MENSCHEN IM  ALLTAG (8)
Martina Lippert ist im 63. Lebensjahr, hat vor über 25 Jahren ihr Unternehmen allein aufgebaut und ist heute stolz auf ihr Team, und auf das, was sie erreicht hat.
Wenn man sich mit ihr unterhält, so wirkt sie jung und energiegeladen.
Sie ist heute bereit, Verantwortung auf breitere Schultern zu verteilen, talentierten Pflegekräften eine Chance in deren eigenen Entwicklung zu geben.
Sie will abgeben, loslassen, aber nicht, um sich auf das „Altenteil“ zurückzuziehen.
Sie möchte in eine andere Rolle schlüpfen, in die des Coaches, der Ratgeberin.
Das sieht sie als einen Prozess an, der langsam, allerdings stetig angestoßen werden muss.

„Die Corona-Krise hat uns alle vor unendlich hoch erscheinende Herausforderungen gestellt, die es zu meistern galt, und die wir immer noch meistern müssen.

Das erfordert einen starken Zusammenhalt aller im Pflegeteam, Aufbruchsgeist und Beständigkeit im Ablauf der einzelnen Pflege- und Betreuungsvorgänge“, sagt Martina Lippert.

Ich habe in den vergangenen Jahren mehrfach mit ihr über ihr Leben, ihren Berufsweg, ihre Ideale und Konflikte gesprochen.

Es lohnt sich, den Menschen Martina Lippert näher kennenzulernen, zu erfahren, was sie in welchen Lebenssituationen gedacht und unternommen hat.

Die mit ihr geführten und hier auf dem Blog veröffentlichten Interviews sind eine gute Möglichkeit, das nachzuvollziehen.

Liest man nach, wie schwer sie es hatte, in eine Festanstellung als Krankenschwester zu kommen, dann kann man das angesichts der heutigen Nachfrage nach qualifizierten Pflegekräften gar nicht mehr nachvollziehen.

Für Martina Lippert ist ihre Biographie zugleich eine Erinnerung daran, demütig zu bleiben, wenn man etwas im Leben erreichen will, zu Veränderungen beitragen möchte.

Nicht zuletzt deshalb ist sie heute gesellschaftlich sehr aktiv und sitzt als gewählte Vertreterin im Rat der Stadt Lingen.

BERUF, FAMILIE, KINDER UND DAS STREBEN NACH SELBSTVERWIRKLICHUNG – VOR VIER JAHRZEHNTEN ALLES ANDERE ALS EINE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT
Martina Lippert durchlief in den Jahren von 1976 bis 1979 eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Sie hat nicht einen Tag gefehlt, obwohl sie in dieser Zeit schwanger war und ihr erstes Kind bekam.

Nachdem sie 1979 mit ihrem späteren Ehemann nach Lübeck gezogen war, arbeitete sie dort ein halbes Jahr lang in einem Diakonissenkrankenhaus.

Im Gespräch hat Martina Lippert mir gesagt, dass sie sich besonders gern daran erinnert, wie sie in einer Facharztpraxis für Psychiatrie und Psychologie tätig war.

„Ich habe dort viel darüber gelernt, Menschen zu verstehen, die nicht in das allgemein anerkannte gesellschaftliche Bild passten, sondern davon abwichen, anders funktionierten“, sagt sie rückblickend.

Wenn Martina Lippert heute darüber spricht, mit wieviel Unwägbarkeiten sie klar kommen musste, wie oft sie den Ort gewechselt hat, um einfach den Ansprüchen an die Familie gerecht zu werden, insbesondere an die Kinder, an die beruflichen Herausforderungen ihres damaligen Ehemannes und nicht zuletzt ihre eigenen Vorstellungen von einer sinnvollen und finanziell auskömmlichen Arbeit unter einen Hut zu bringen, dann staunt sie selbst manchmal, wie sie das letztlich alles geschafft hat.

Sie zog 1983 mit ihrem Mann nach Kiel und war dort viel auf sich alleingestellt – in einer Zeit, in der sie erneut hochschwanger war. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter ging ihr Mann dienstlich nach München.

Im Oktober 1983 zog Martina Lippert nach Lingen, ins Emsland, und1986 begann sie als Aushilfe in einer Ambulanten Krankenpflege.

Das war in einer Diakonie in Lingen, eine Tätigkeit, die auf Stundenbasis beruhte. Die Teilzeitarbeit war auch der Grund, weshalb sie kein Dienstauto zugeteilt bekam. Das hätte sie aber dringend gebraucht, um zu ihren Patienten zu gelangen.

„Ich hätte das alles nicht getan, wenn ich damals nicht 16 Patienten zu versorgen hatte, die an unterschiedlichen Orten untergebracht waren und die auch zu unterschiedlichen Zeiten aufgesucht werden mussten“, so Martina Lippert.

Martina Lippert bekam zwar später ein Auto, aber erst nach einem langen unendlich scheinenden Ringen.
Vor allem jedoch wollte sich Martina Lippert nicht damit abfinden, dass sie keine Festanstellung erhielt.

„Zu Beginn war das für mich sogar in Ordnung, aber später habe ich sehr darum gekämpft, in ein festangestelltes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden“, sagt sie.

Was Martina Lippert auch unternahm, sie erhielt kein festangestelltes Arbeitsverhältnis.
Die Begründungen ähnelten sich in ihren Aussagen und liefen darauf hinaus, dass Martina Lippert ja verheiratet sei und auch drei Kinder hätte.

DER GEDANKE VON DER SELBSTSTÄNDIGKEIT ALS EINZIGE ALTERNATIVE, DEN EIGENEN UNTERHALT ZU SICHERN
Nach vielen Versuchen und ausdauernden Bemühungen reifte in Martina Lippert der Gedanke heran, sich selbstständig zu machen.
Doch auch hier stieß sie zunächst auf Unverständnis.

Die Krankenkasse lehnte zum Beispiel ihren Antrag auf einen Pflegedienst ab, weil sie in den zwei Jahren zuvor nicht in einem Krankenhaus in Vollzeit gearbeitet hätte.

Mit Unterstützung der damaligen Frauenbeauftragten der Stadt Lingen gelang es Martina Lippert die Hürden, aufgestellt durch die Ungleichbehandlung von Mann und Frau, erfolgreich zu überwinden.

Nachdem Martina Lippert ihren eigenen Pflegedienst eröffnet hatte, rang sie beharrlich um Kunden.

Sie stellte sich bei Ärzten in Lingen vor, erklärte sich bereit, auch abends und am Wochenende Patienten zu betreuen.

Sie baute ihr betriebswirtschaftliches Fundament auf, lernte weiter, bildete sich fort und übernahm selbst alle Pflege- und Betreuungsaufgaben.
„Ich betrieb faktisch eine Art Selbstausbeutung“, sagt sie heute.

MARTINA LIPPERT HAT IHRE ARBEIT NIE ALS EINEN BLOSSEN BROTERWERB GESEHEN – FÜR SIE WAR ES VON ANFANG AN BERUFUNG
Bei allem Stress war es für Martina Lippert wichtig, von Anfang an den Pflege- und Hilfsbedürftigen genügend Zeit zu widmen.
„Man musste auch mal zuhören können, wenn die Patienten etwas erzählen wollten, selbst schon wieder weitere Herausforderungen auf mich warteten“, sagt sie heute.

Mittlerweile ist ihr Team für sie eine gute Stütze in allen Fragen geworden, die die Pflege und Betreuung ihrer Pflege- und Hilfsbedürftigen anbetrifft.

„Wir achten sehr auf die Verständigung der Generationen untereinander. Wir wollen, dass die Jüngeren von den Älteren lernen, deren Erfahrungen in der praktischen Pflege- und Betreuungsarbeit berücksichtigen.

Genauso wichtig ist es aber, dass unsere jungen Pflegekräfte Verantwortung übernehmen, spüren, dass sie mit ihren Talenten, ihrem Wissen und Können gebraucht werden.

Nur wenn wir es schaffen, dass sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen selbst entwickeln können, haben wir eine Chance, den Pflegedienst zukunftsfähig zu machen“, sagt Martina Lippert.

Ihre Tochter, Anne-Christine Lippert, ist für Martina Lippert zu einer wichtigen Partnerin im Unternehmen geworden.

„Sie ist als ausgebildete Krankenschwester und Mitgesellschafterin ein Organisationstalent, einfach ein Mensch, auf den ich mich zu 100 Prozent verlassen kann“, sagt Martina Lippert.

„Die Herausforderungen bleiben, und sie werden nicht kleiner, im Gegenteil. Gerade in der aktuellen Zeit von Corona gilt es immer wachsende Qualitätsansprüche, die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln in der Pflege und Betreuung zu beachten und flexibel auf ungewohnte Situationen zu reagieren.

Auch wenn die Organisationsaufwände riesig sind, werden wir das auch in den nächsten Wochen und Monaten bewältigen müssen, und wir werden es bewältigen“, sagt Martina Lippert abschließend.

GEDANKEN ÜBER DEN TOD

MENSCHEN IM ALLTAG (7)

Wir hatten am Samstag eine befreundete Familie eingeladen und ein paar schöne Stunden miteinander verbracht. Wir kennen uns sehr lange und wir nehmen Anteil an den Sorgen und an den Erfolgen des jeweils anderen.

Unsere Freunde sind noch jung, überaus erfolgreiche Künstler, und sie genießen es, ihre Kinder aufwachsen zu sehen.
Der jüngste ist gerade mal ein Jahr alt. Ich erinnere mich noch gut daran, wie unsere Freundin schwanger mit ihm war.

Jetzt steht er schon bei uns auf der Terrasse, hat einen Gartenschlauch in der Hand und bespritzt seinen großen Bruder mit Wasser, und er lacht dabei aus vollem Herzen.

Es ist pures Lebensglück für den Kleinen. Oft haben uns das unsere Kinder und Enkel voraus, sie genießen nämlich den Augenblick, finden das schön, was sie unmittelbar vor ihrer Nase und vor ihren Augen haben.

„Was wird eigentlich, wenn du hier auf der Terrasse eines Tages tot umfällst?“, fragte mich mein Freund plötzlich.
„Was soll sein, dann hat meine Frau ein riesiges Problem, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie muss nämlich die Feuerwehr rufen, damit die mich hier heraushieven können“, antwortete ich.

Meine Frau und die Frau meines Freundes schauten sich entsetzt an.
„Was haben die für Themen?“, schienen ihre Blicke zu sagen.
Zugegeben, es mag für einen Außenstehenden makaber klingen, aber im Prinzip hatte mein Freund ein Thema angesprochen, über das ich mir natürlich ebenfalls Gedanken machte – den Tod.

Wie kommt es eigentlich, dass wir im Verdrängen dieses Themas so große Meister sind?
Ich erinnere mich noch an das vergangene Jahr, als ich meinen Vater besuchte, kurz bevor er starb.

„Ich versuche jetzt an das andere Ufer zu kommen. Bin ich schon drüben, oder lebe ich noch?“, fragte er mich.

„Du lebst noch!“, versuchte ich ihn zu beruhigen. Aber er wollte nicht beruhigt werden, er wollte sterben, weil er wusste, dass seine Zeit gekommen war.

„Für mich schließt sich ein Kreis“, sagte er noch.
Wenige Stunden später war er tot.

Ich hatte mit meinem Vater nicht nur gute Zeiten erlebt. Aber ich merkte in den letzten Tagen bei ihm eine gewisse innere Einkehr, und er schien etwas zu sehen, was ich nicht sah. Er war glücklich, dass er seine Familie noch einmal an seinem Bett hatte und er in Ruhe gehen konnte.

„Natürlich macht der Tod mir Angst“, sagte ich zu meinem Freund, nachdem ich aus meinen Gedanken zurück war, am Kaffeetisch auf unserer Terrasse.

„Aber keiner weiß genau, wann er stirbt, wie lange er zu leben hat“, sagte ich noch.

Mein Freund schaute mich mit schreckgeweiteten Augen an. Er war dermaßen in dem Gedanken verfangen, dass ich ja 30 Jahre älter war, als er selbst, und natürlich ich der erste sein müsste, der auf der Terrasse umfällt. Oder vielleicht doch im Bett liegt und nicht mehr aufwacht.

Erst durch meine Bemerkung wurde ihm wahrscheinlich klar, dass es keine festgelegte Reihenfolge im Leben gab, nach der die Menschen wieder vom Erdball verschwinden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich vor meinen Freunden gehen würde, die war natürlich sehr hoch. Zumal sie als Tänzer vielmehr auf ihre Gesundheit achteten, noch mehr Sport trieben, als ich es schon in den letzten Jahren getan hatte, und sie einfach viel jünger waren.

„Wir sollten es schaffen, den Tag hier heute zu genießen“, sagte ich.
„Wie meinst du das?“, fragten meine Freunde mich.

„Naja, der Tod hat nicht nur eine schlimme Seite, die wir vor allem sehen. Er bringt uns auch dazu zu erkennen, wie unwiederbringlich jeder Moment des Lebens ist“, antwortete ich.

„Du hast recht, wir sollten viel mehr darüber nachdenken, was wir heute schön finden und nicht so viel jammern, warum alles so schlecht läuft“, sagte nun mein Freund.

„Lass uns darauf anstoßen“, sagte ich und hob mein Sektglas an.
„Auf das Leben“, prostete ich meinen Freunden und meiner Frau zu.

DAS GROSSE HERZ EINER SCHAMANIN MIT RUSSISCHEN WURZELN

MENSCHEN IM ALLTAG (6)

Margarita Stasiuleviciene ist jemand, die zuhören kann, die dich anblickt und du spürst, dass sie dich ernst nimmt, ja sie in dem Moment deines Gespräches mit ihr – ganz dir gehört.
Ich habe unlängst mit ihr ein Interview geführt, viel über ihr Leben erfahren.

Wir fanden es beide spannend – ich, der die Fragen stellte und sie, die erst gründlich nachdachte, bevor sie antwortete.
Wir spürten ein Interesse füreinander, für das Leben, das Schicksal des jeweils anderen.

Einige Tage später habe ich ihr noch ein paar Hinweise gegeben, wie sie manches an ihren Texten auf ihrer Web-Site optimieren könnte.
Sie hat nicht nur das getan, nein, sie hat mir auch noch spontan etwas Großartiges geschenkt – einen Füllfederhalter, einen Tintenschreiber und ein kleines Buch dazu.

Einfach nur so, aus Dankbarkeit. Ich war gerührt und ich bin schlecht darin, so etwas gleich zu zeigen. Die Freude kam einige Zeit später.
Wie konnte sie wissen, dass ich es liebte, mit dem Füller zu schreiben, obwohl ich blindlings auf der Tastatur mit zehn Fingern agiere?

Hatte sie es auf meinem Cover von Schreiballtag erkannt?
Vielleicht hatte ich ihr auch gesagt, dass das Schreiben mit dem Bleistift oder noch besser einem schönen Füller dich dazu bringt, dass du tiefer in einen Gedanken einsteigst, oder wie man heute formuliert, dass du dadurch entschleunigst.

Ich rede seit vielen Jahren mit Menschen, die mich interessieren, deren Leben mich fasziniert und die aus den Erfahrungen des Alltags heraus etwas zu sagen haben.

Liebe Margarita, ich verstehe nicht viel davon, was eine Heilpraktikerin tut, welche Methoden sie anwendet, aber ich weiß eines ganz sicher: Wenn solche Menschen wie du, mit Herz, klugem Verstand und Feingefühl in diesem Metier agieren, dann ist es ein Glück für diejenigen, die mit dir zu tun haben.

Danke für die Geschenke, danke, dass ich dir – der Seelentrainerin mit russischen schamanischen Wurzeln begegnen durfte.
Uwe

INTERVIEW MIT MARGARITA STASIULEVICIENE

MENSCHEN IM ALLTAG

Margarita Stasiuleviciene ist als Seelentrainerin und Yogalehrerin tätig.
Sie lebt und arbeitet im nördlichen Berliner Umland. 

Margarita, du bist 1967 in Nowgorod (Russland) geboren, und dort liegen auch deine schamanischen Wurzeln. Kannst du das etwas näher erläutern?
Naja, eigentlich komme ich aus Litauen, habe aber russische Wurzeln.

Meine Mutter ist mit 20 Jahren aus dem Haus gegangen und ist zu ihrer Oma und ihrer Großtante nach Staraja Russia, in der Nähe von Nowgorod gezogen.

Dort hat sie dann auch meinen Vater kennengelernt.
Der war gerade von der Armee zurückgekommen. Meine Uroma war sehr streng, und so durften meine Eltern nur bei ihr wohnen, wenn sie sich beide bereiterklärten zu heirateten.

Ist das nicht ein glücklicher Zufall, dass sich deine Mutter und dein Vater in Russland gefunden haben?

Ja, stimmt, das war eine Vorherbestimmung.
Sie stammten beide aus Litauen und sind in Russland ein glückliches Paar geworden.

Zuerst ist meine Mutter zu ihrer Oma nach Staraja Russia gereist. Ein paar Wochen später ergab es sich, dass mein Vater sein Elternhaus verlassen wollte, und so ist er dann ebenfalls nach Russland gegangen, nach Nowgorod.

Wie kam es, dass dein Vater ebenfalls von seiner Familie wegzog?
Mein Vater war zuhause sehr aufsässig gewesen und so schmiss ihn mein Opa raus.

Also beide, sowohl meine Mutter als auch mein Vater mussten ja irgendwo wohnen, und sie wollten auch zusammenbleiben.

Das ist ja wirklich einer der großen Zufälle im Leben, oder?
Ich nenne es Schicksal. Mein Vater hatte sich bereits in Litauen in meine Mutter verliebt.

Sie haben sich dort einige Male getroffen. Und als meine Mutter nach Russland ging, da begann mein Vater, meine Mutter fieberhaft zu suchen. Sie war ja plötzlich verschwunden, ohne ihm etwas zu sagen.

Aber für meinen Vater war klar: Er wollte meine Mutter finden, und er wollte sie unbedingt wiedersehen. Da kamen ihm die Auseinandersetzungen mit seinem Vater, meinem Opa, eigentlich zur rechten Zeit, denn nun hielt ihn im Elternhaus gar nichts mehr.

Warum sind dir diese Begebenheiten so wichtig?
Ich denke als Seelentrainerin mit schamanischen Wurzeln sehr oft darüber nach, warum manche Menschen etwas tun, und was dann die Folge daraus ist.

Nachdem sich meine Eltern in Russland wiedergefunden hatten, kam ich ja einige Zeit später zur Welt.
Ich denke, es war meine Bestimmung, dass ich in Russland geboren wurde, meine Uroma so geliebt habe.

Woher rührte deine innige Beziehung zu deiner Uroma?
Als ich 1967 geboren wurde, da konnte meine Mutter mich nicht auf dem Arm halten, weil ich ununterbrochen schrie.

Meine Uroma hat mich in solchen Momenten in ihren Arm genommen und ein paar magische Worte gesprochen. Sie war eine russische Zauberfrau.

Ich denke, da liegen meine schamanischen Wurzeln. Meine Uroma war eine sehr starke Frau, sie ging nicht in die Kirche, sondern sie lebte nach ihren eigenen Vorstellungen

Sie sprach Weisheiten aus, die keiner kannte und wo keiner wusste, woher meine Uroma sie hatte. Ich war in dieser Zeit von meiner Wurzel abgeschnitten.

Wie meinst du das?
Meine Beziehungen zu meiner Uroma waren stärker als die zu meinen Eltern. Und so fühlte ich mich von meinen eigenen Wurzeln irgendwie isoliert. Das geschah vor allem auf der Ebene des Unterbewusstseins.

Meine Uroma war eher die Mutter für mich, und das galt auch für deren Schwester, meine Großtante. Ich habe beide sehr geliebt.
Dreieinhalb Jahre nach meiner Geburt gingen wir zurück nach Litauen, nach Kaunas.

Das ist ein kleines Städtchen, das in der damaligen Zeit aus militärischen Gründen geschlossen war. Aber ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.

Was waren deine Eltern von Beruf?
Sie haben beide als Schweißer in der Fabrik gearbeitet.
Mein Vater hat sich später noch einen Traum erfüllt.

Welchen?
Er wollte unbedingt zur See fahren.

Und, hat er seinen Traum verwirklicht?
Ja, er ist Politoffizier auf einem großen Fischtrawler geworden.

Wie sah deine berufliche Entwicklung aus?
Würde ich auf alles eingehen, so sprächen wir wahrscheinlich noch Morgen darüber.

In Kürze: Ich bin zehn Jahre zur Schule gegangen und habe danach in einer Fabrik für Radioelektronik gearbeitet.
Parallel habe ich ein Technikum im gleichen Fach besucht. Das war eine harte Zeit für mich.

Warum wolltest du in dieser Spezialisierung nicht weitermachen?
Der Funke ist irgendwie nicht übergesprungen.

Warum nicht?
Ich wollte mit Menschen arbeiten.

Wie bist du dahingekommen?
Das war ein langer Weg, aber ein Weg, der gleichzeitig zu mir selbst führte.

Ich habe vieles, was ich heute als russischen Schamanismus bezeichne, von meiner Uroma mitbekommen.
Und viele Jahre später traf ich dann einen Schamanen in Deutschland.
Das war eine faszinierende Begegnung für mich.

Was hat dich begeistert?
Der Schamane trommelte und sang und in mir kamen Bilder hoch, die ich längst als verlorengegangen glaubte.
Ich konnte wieder intensiver fühlen, mehr erfahren über mich.

Das klingt interessant.
Ja, darüber kann ich heute schon ein Buch schreiben. Im Kern geht es darum, dass du zu dir selbst findest, hin zu deiner eigentlichen Bestimmung im Leben.

Margarita, hast du Familie?
Ja, ich habe zwei Töchter, 31 und 27 Jahre alt. Eine lebt in Berlin und die andere in Litauen, als schwedische Staatsbürgerin.

Bist du heute glücklich?
Ja, sehr. Ich habe wieder einen ganz anderen Zugang zu meinen Gefühlen, kann heute Menschen helfen, ihre eigenen Ziele, ihre Bestimmung im Leben zu finden.

Und ich begleite sie dabei auf diesem Weg.

Margarita, vielen Dank für das Gespräch.

KONTAKT:
MARGARITA STASIULEVICIENE
Seelentrainerin mit Wurzeln aus dem russischen Schamanismus
Telefon: 033397-209729
Mobil:    0177-742 66 53
E-Mail: info@seelen-schamanismus.de
Web-Site: https://seelen-schamanismus.de

 

 

 

EIN KLEINER FRISEURLADEN IN SASSNITZ GANZ GROSS (2)

MENSCHEN IM ALLTAG (4)

Willst du wissen, was Menschen wirklich ausmacht, dann solltest du nicht nur auf die großen Dinge schauen, auf die, die vielleicht in der Zeitung stehen, über die in Talkshows gesprochen wird.
Im Alltag, im scheinbar gleichförmigen Leben nimmst du oftmals Geschichten mit, die von Begegnungen und Erlebnissen erzählen, die dich berühren, ja in dir ein Gefühl der Dankbarkeit dafür hervorrufen, dass es diese Menschen gibt.

Diese Protagonisten, diese stillen Helden wollen oft gar nicht, dass du über sie sprichst oder sie erwähnst.

„Das ist doch selbstverständlich“, sagen sie oft entschuldigend.

Ist es eben nicht. Nichts ist einfach und selbstverständlich. Für all das Normale, das Selbstverständliche bist du sehr häufig auf Menschen angewiesen, die sich engagieren. Das ist eine weitere Geschichte über einen Friseurladen auf Rügen, in Sassnitz, in der Hauptstrasse.

Ein Laden, der nicht auffällt im Alltagsgewühl, es sei denn, du schaust näher hin.
MUTTI MUSS WIEDER ZUM FRISEUR

„Mutti geht heute zum Friseur“, sagte meine Frau am Montag zu mir.
Sie war gerade für ein paar Tage in Sassnitz gewesen, aber mit dem Friseurtermin, das wollte ihr Bruder regeln.

Klara hatte noch einen Tag freigenommen, nachdem sie wieder hier in Basdorf war. Und so konnten wir endlich das erledigen, worüber ich schon seit Jahren sprach, nämlich für mich eine neue Brille anfertigen lassen.

Also waren wir auf dem Weg in den Wedding, in Klaras Lieblings-Einkaufscenter. Klara traute mir nicht zu, dass ich mir allein die richtige Brille aussuchte, vor allem nicht vom Design her.

„Ich will eine Brille mit runden Gläsern, wo ich gut durchschielen kann“, meinte ich zu ihr. Doch sie war in diesen Angelegenheiten nicht zu Scherzen aufgelegt, sondern behielt lieber die Kontrolle über alles.

Trotzdem kreisten ihre Gedanken auf unserem Weg ins Einkaufscenter erst einmal um ihre Mutter und den Friseurtermin.
„Hoffentlich geht das alles gut“, hakte Klara noch einmal nach und seufzte dabei.

„Wenn nicht, dann können wir trotzdem nicht nach Sassnitz, wir sind hier im dicksten Verkehr in Berlin“, sagte ich.
Klara schwieg.

„Ilka macht das schon, die kann gut mit deiner Mutter“, versuchte ich weiter beruhigend auf sie einzureden.

Seit ihre Mutter an Demenz erkrankt war, da konnten sich die kleinsten Hürden im Alltag zu riesigen Bergen auftürmen.

„Wieso muss ich zum Friseur? Ich will da nicht hin, ich weiß gar nicht, was ich da soll, und wieso muss das gerade heute sein?“

Das waren nur einige der wiederkehrenden Fragen, die ihre Mutter immer wieder stellte, und die abliefen, als hätte man eine alte Schallplatte aufgelegt, die inzwischen einen Sprung hatte und sich dadurch in der Endlosschleife bewegte. Das zerrte an den Nerven, vor allem an Klaras und an denen ihres Bruders.

„Wir können deiner Mutter keine Vorwürfe machen, wir können nur professionell damit umgehen – mit ihr und den wiederkehrenden Sätzen deiner Mutter“, sagte ich im Auto zu Klara.

„Ja, du hast gut reden, du erlebst das ja meist nicht hautnah mit, wie sie reagiert“, antwortete Klara. Sie wusste, dass ich Recht hatte, aber ich nervte sie zusätzlich mit den Sätzen aus der ‚liegengebliebenen Schatulle eines Oberlehrers‘.

Klara liebte ihre Mutter und sie wollte, dass es ihr gutging, sie noch gepflegt aussah, selbst wenn sie kaum noch auf die Straße ging.
„Ich weiß ja, dass sie gut im Friseursalon in der Hauptstrasse aufgehoben ist“, sagte Klara nun.

„Mein‘ ich doch“, antwortete ich knapp. Ich steuerte auf das riesige Parkdeck im Wedding zu.

Wir mussten uns nun auf unseren Termin, den beim Optiker, konzentrieren.

Abends, als ich erschöpft auf der Couch saß, besser hing, schaute ich auf das Handy, ob es noch irgendwelche Nachrichten für uns gab.

„Du, Ilka hat Bilder von Mutti geschickt. Sie sieht toll aus mit ihrer neuen Frisur. Was das ausmacht!“, sagte ich.

„Zeig‘ mal!“, sagte Klara in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete.

„Nö“, antwortete ich.
„Ach bitte, ich möchte doch auch sehen, wie Mutti mit der Frisur ausschaut“, sagte sie nun.
„Geht doch“, antwortete ich und leitete die Fotos an ihr Handy weiter.

„Mutti sieht ja wie ausgewechselt aus“, strahlte Klara.
„Eben, sag‘ ich doch, die sind Profis, und machen es noch mit Freude“, antwortete ich.

„Naja, hoffentlich ist alles drumherum gutgegangen.“
„Wie meinst du das?“, fragte ich Klara.
„Du weißt schon… was Mutti eben so alles von sich gibt.“

„Ach, wenn ich Ilka richtig verstanden habe, ging alles gut. Im Gegenteil, deine Mutter hat sich noch darum gesorgt, dass Ilka den ganzen Tag den Mundschutz tragen müsse. Das sei nicht gesund.“
Klara musste schmunzeln.

„Aber denk‘ mal dran, wie der Optiker heute hinter seinem Mundschutz geschwitzt hat, als er meine Augen ausgemessen hat“, sagte ich zu Klara.

„Und immer wenn der Optiker mich fragte, ob ich was sehen würde, hab‘ ich ihm geantwortet: ‚Ich seh‘ nichts, weil durch meinen Mundschutz laufend die Brille beschlägt‘“, ergänzte ich noch.

„Aber wir sind gesund, Ilka und dem Team im Friseurladen geht es offensichtlich ebenfalls gut und deine Mutter kann mit der Frisur zum Wiener Opernball gehen“, sagte ich.

„Du nun wieder“, meinte Klara und schaute sich noch einmal die Fotos von ihrer Mutter mit der neuen Frisur auf dem Handy an.
Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Hast du dich auch ordentlich bei Ilka bedankt?“, fragte Klara.
„Wofür?“, fragte ich.
„Dafür, dass sie sich immer so gut um Mutti kümmert und nicht nur eine schöne Frisur zaubert.“

„Nö“, meinte ich.
Ich konnte nicht anders, ich musste Klara erst einmal ein bisschen ärgern.
„Na klar, habe ich das gemacht. Was denkst du von mir?“, sagte ich zu Klara.

Die schaute mich von der Seite an, und dachte wohl darüber nach, ob sie mir trauen konnte. Doch sie wusste schon, dass mir die Sache ebenso wichtig war.

Hätten wir früher so viel über einen normalen Friseur-Termin geredet?
Wohl kaum.

Aber in diesem kleinen Laden in der Hauptstrasse arbeiten nicht nur Menschen, die ihr Handwerk verstanden. Das konnte man zweifellos den Fotos mit Klara’s Mutter drauf entnehmen.

Nein, es war mehr. Sie muntern mit jeder kleinen Geste, jedem freundlich gesprochenen Wort Menschen auf, die das gerade in sich hineinsaugen, Menschen, weil sie sich aufgrund ihrer Demenzerkrankung nicht mehr so verständlich machen können und trotzdem am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen.

Und deshalb sind diese kleinen Alltagsbegebenheiten keine Nebensächlichkeiten, im Gegenteil. Man muss sie herausnehmen aus dem scheinbar Nebensächlichen, muss sie bewusst würdigen, stets aufs Neue.

Sie machen unser Zusammenleben aus, das nämlich, was manchmal in einer Millionenmetropole unterzugehen scheint.

Danke Ilka, danke liebes Team aus dem kleinen Friseurladen in Sassnitz.

 

SO HABE ICH NEB-MITARBEITER*INNEN ERLEBT – HILFSBEREIT, HERZLICH

Ich schreibe seit geraumer Zeit auf diesem Blog über den Alltag, die Menschen im Alltag, ihre Träume, Sehnsüchte, Konflikte und Erlebnisse, und ich werde oft gefragt, warum ich mich ausgerechnet solchen banalen Erzählungen widme.

Der Reiz einer Geschichte liegt für mich im Alltag, weil wir hier die überwiegende Zeit unseres Lebens verbringen, hier die auf den ersten Blick unscheinbaren, und deshalb scheinbar nicht erwähnenswerten Dinge stattfinden.

Beschäftigst du dich aber mit diesem Banalen, dann siehst du, mit welcher stillen Herzlichkeit Menschen handeln, sie oft nicht darüber reden, gar nicht auf diesen Gedanken kämen, sondern einfach ihrer Arbeit nachgehen.

Was wären wir ohne unsere Hilfsbereitschaft, ohne unsere Ehrlichkeit und ohne unser Mitgefühl für andere?
Ich berichte seit Jahren darüber, wie aufopferungsvoll sich Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen um pflege- und hilfsbedürftige Menschen kümmern.

Die meisten von ihnen machen darum keine großen Worte.
Ein weiterer Grund für mich, es an ihrer Stelle, für sie zu tun.
Dieses Mal erzähle ich von einer Begebenheit, die ich kürzlich selbst erlebt habe.
Der Kern der Geschichte ist schnell erzählt:
Ein Mitarbeiter der Niederbarnimer Eisenbahn findet die Tasche meiner Frau. Sie hat sie auf dem Weg zur Arbeit im Zug liegengelassen, mit einem wichtigen Notizbuch und Geschäftspost von mir.
Der Mitarbeiter meldete sich bei uns und gab später die Tasche in der NEB-Stelle in Basdorf ab.
Normal? Ja, sagen die meisten.
Banal? Auf den ersten Blick, oberflächlich betrachtet.
Aber wenn du näher hinschaust, dann erkennst du hier einen Menschen, der hilfsbereit und ehrlich gehandelt hat.
Das ist Service, den man voraussetzen kann, würde manch einer an dieser Stelle sagen.
So einfach sind die Dinge aber nicht. Nichts ist einfach im Leben, in der Arbeit. Nur, wenn du Menschen hast, die gewillt sind, anderen zu helfen, die ihnen im Alltag etwas Gutes tun wollen, für sie da sein möchten, einfach so, ohne große Worte, fast unbemerkt – ja dann kriegt der oftmals zur Worthülse verkommene Begriff ‚Service‘ einen tieferen Sinn, eine ethische Komponente.
Das ist meine Geschichte.

Mittwochfrüh, 5.00 Uhr.
Ich brachte meine Frau K. zum Bahnhof, wie jeden Tag eben.
K. hatte meist zwei Taschen bei sich, von denen sie eine stets umgehängt trug.

Und dorthinein steckte sie ihr Frühstück, ihre persönlichen Utensilien, wie zum Beispiel den roten kleinen Kalender mit persönlichen Notizen und wichtigen Telefonnummern.

K. hatte auch noch einen geschäftlichen Brief von mir in diese Tasche gepackt. Ich hatte sie gebeten, ihn mit Rückschein nachmittags bei der Post aufgeben.

Wir unterhielten uns noch einen Augenblick und dann stieg K. aus, um ihren Zug zu erreichen.

„Vergiss deine Tasche nicht“, sagte ich zu ihr, als sie die Autotür auf ihrer Seite schließen wollte.

„Ja“, sagte sie. Ihre Stimme klang genervt und gequält.
Sie beugte sich nach vorn und nahm den Beutel an sich.
„Ich mein‘ ja nur“, sagte ich zu ihr, um nicht den ‚Oberlehrer‘ herauszukehren.

Schließlich vergaß ich ja selbst oft genug etwas. Kleine Dinge, die ich danach schmerzlich vermisste.

Ich fuhr zurück und setzte mich wenig später an meinen Schreibtisch, um meinen Tagesaufgaben nachzugehen.

Gegen 06.00 Uhr klingelte das Telefon. Eine Handynummer. Ich stutzte und überlegte, ob ich rangehen sollte.

Zu oft wurde ich in der Arbeit unterbrochen und hatte es mit Werbeanrufen zu tun. Aber gegen sechs Uhr ein Werbeanruf? Wohl kaum. Also nahm ich den Hörer ab.

„Hier ist die Niederbarnimer Eisenbahn, mein Name ist P.“, erklang eine ruhige und freundliche Stimme am Telefon.
„Ihre Frau hat ihre Tasche bei uns im Zug liegenlassen“, sagte er weiter.

„Oh, das ist aber sehr nett, dass Sie die Tasche mitgenommen haben und sich gleich melden“, antwortete ich und freute mich, dass der Mitarbeiter gleich bei mir angerufen hatte.

„Ich kann Ihre Frau nicht erreichen“, setzte Herr P. nach.
„Das kriegen wir hin. Ich werde sie anrufen und sie bitten, dass sie sich bei Ihnen meldet“, antwortete ich.

Herr P. gab mir noch die Telefonnummer vom Kundendienst durch, ich bedankte mich und legte auf.

Erst jetzt bekam ich einen richtigen Schreck.
Ich wollte natürlich nicht, dass persönliche Notizen und Briefe von uns verloren gingen.

„Du hast die Tasche vergessen“, sagte ich K., als ich sie anrief.
„Was hab‘ ich?“, fragte K. mich.
„Du ‚haaast‘ deine Tasche vergessen!“

Die Verbindung war schlecht, K. saß gerade in der S-Bahn.
‚Das kann nicht wahr sein, sie vermisst noch nicht mal ihre Tasche‘, dachte ich.

„Ruf‘ mich bitte vom Festnetz an, wenn du auf Arbeit bist“, versuchte ich ihr mit deutlicher Stimme zu sagen.

„Ja, mach‘ ich“, sagte sie und beendete das Gespräch.
Eine halbe Stunde später rief K. wieder an, diesmal von ihrer Arbeit.

„Hast du gar nicht mitbekommen, dass du nicht mehr zwei Taschen bei dir hast“, fragte ich sie vorwurfsvoll und ärgerte mich gleich über meinen belehrenden Ton.

„Ach Gott, das fehlt mir noch“, rief sie.
„Na mir auch“, konnte ich mir nicht verkneifen.

„Und was nun, wo ist die Tasche jetzt?“
„Gute Frage“, erwiderte ich trocken. Ich wollte sie wenigstens für einen Augenblick zappeln lassen.

„Sag‘ schon“, meinte K.
„Keine Sorge, ich hatte einen Anruf von Herrn P. von der NEB, der hat deine Tasche gesichert und du kannst sie abholen, wenn du heute Abend ankommst“, sagte ich.
K. atmete hörbar auf.

Wir legten die Hörer auf und K. rief danach sofort Herrn P. zurück.
Nachmittags erhielt ich einmal einen Anruf aus der Zweigstelle der NEB in Basdorf.

„Ich wollte Sie nur informieren, dass die Tasche Ihrer Frau hier bei uns angekommen ist“, sagte eine freundliche Mitarbeiterin.
„Wenn Sie einverstanden sind, dann kann ich auch die Tasche abholen“, bot ich ihr an.

Sie war einverstanden. Ich setzte mich ins Auto und fuhr zum Bahnhof in Basdorf.
‚Wie schön doch jetzt das Gebäude aussieht, in dem früher eine Gaststätte war‘, dachte ich bei mir.

Ich klingelte zunächst an dem neuen Gebäude.
Dort meldete sich aber keiner, ich musste eine Tür weitergehen, so wie die Mitarbeiterin es mir gesagt hatte. Aber sie konnte nicht wissen, dass ich mich grundsätzlich im Eingang vertat.

An der richtigen Tür angekommen, öffnete die Mitarbeiterin die Tür und schaute mich an.
„Wir hatten gerade telefoniert und sie sagten, ich könnte die Tasche abholen“, meinte ich zu ihr.
„Ja gern, bitte hier ist sie“, sagte die Mitarbeiterin und übergab mir den Beutel.
„Herzlichen Dank“, antwortete ich.

Wieder zuhause angekommen, sah ich nach, ob alles noch in der Tasche war. Es war alles da. Ich fischte noch ein Brötchen heraus und ließ es mir schmecken.
Abends, als K. von der Arbeit zurück war, sagte ich zu ihr: „Du, Strafe muss sein. Ich habe dein Frühstücksbrötchen aufgegessen.“

„Ich denke, du machst Intervallfasten?“, antwortete sie.
„Ja, aber jetzt ist das Intervall, wo ich was essen kann“, legte ich einfach fest.

„Na dann hättest du auch das zweite Brötchen essen können, was in der Tasche außerdem ist“, sagte K. zu mir.

„Mist, und ich hatte gerade zu der Zeit so einen Hunger.“
K. lachte und wir waren beide froh, dass die Sache für uns so gut ausgegangen war.

Hatten die Mitarbeiter ‚nur‘ ihren Job gemacht?
Dann wäre es wirklich zu einfach.

Aber es gibt nichts, was einfach ist, im Vorbeigehen geschieht.
Hätte Herr P. nicht auch an der Tasche vorbeigehen können?

Na klar. Später hätte er vielleicht gesagt, dass er nichts gesehen hat, dann wenn sich meine Frau gemeldet hätte.
Aber Herr P. dachte anders, handelte anders. Er wollte helfen.

Danke.

EIN KLEINER FRISEURLADEN IN SASSNITZ GANZ GROSS

EIN KLEINER FRISEURLADEN IN SASSNITZ GANZ GROSS

Man sagt, demenzkranke Menschen können nicht mehr so denken, wie es vor ihrer Krankheit der Fall war.
Das ist wohl so. Doch sie können eines, nämlich mit dem Herzen sehen, fühlen, einfach wahrnehmen, ob ein Mensch es gut mit ihnen meint.

Und die Friseurin Ilka in dem kleinen Sassnitzer Friseurladen meinte es gut mit ihr.

Es sind oft nicht die großen Gesten, die uns berühren. Nein, es sind vielmehr die kleinen Dinge, die nur allzu oft im Gewirr des Alltags untergehen.
Umso wichtiger, dass wir auf sie aufmerksam werden, wenn sie uns geradezu in den Schoss fallen.
Gestern war so eine Gelegenheit.

Schwiegermutter hatte einen Termin beim Friseur, in Sassnitz, und nicht gerade um die Ecke für uns. Also ist meine Frau unruhig, ob alles klappt, ihre Mutter den Termin nicht vergisst, pünktlich im Friseurladen erscheint.

Das klingt nach ‚ist doch wohl normal, was ist da schon besonderes dran?‘ Im Prinzip ist das schon richtig. Doch was ist, wenn der Mensch, dem deine Fürsorge gilt, an Demenz erkrankt ist, und du selbst kannst das alles nur aus der Ferne gedanklich begleiten?

Na klar, meine Frau weiß, dass sie sich zu hundert Prozent auf ihren Bruder verlassen kann, der sich um seine Mutter liebevoll kümmert, wenn es sein muss, Tag und Nacht.

Und trotzdem weiss sie, dass jede alltägliche Unterbrechung für demenziell erkrankte Menschen Unruhe mit sich bringt.
An nichts hängen Demenzkranke mehr, als an einem möglichst gleichmäßig verlaufenden Tagesablauf. Jeder noch so kleine Termin bringt Unruhe und Unsicherheit.

Schwiegermutter kam trotz alledem zum geplanten Zeitpunkt im Friseurladen an und wurde gleich freundlich begrüßt.
Sie fühlte sich wohl in der Zeit, in der ihre Haare gewaschen, geschnitten, gefärbt und getrocknet wurden und die Friseurin sich noch mit ihr angeregt unterhielt.

Kurzum: Ilka schnitt und färbte nicht nur die Haare, sie tat mehr, sie betreute Schwiegermutter so, dass es für sie zu einem wirklich aktivierenden und angenehmen Aufenthalt wurde.

Abends schickte die Friseurin noch ein Foto von Schwiegermutter, mit der neuen Frisur.

Wir alle wissen nicht, was aus uns mal wird, wie wir in späteren Jahren zurechtkommen und vielleicht auch auf Hilfe und Fürsorge angewiesen sind.

Deshalb sind es diese kleinen Dinge, die Menschen untereinander brauchen  – Verständnis für den jeweils Anderen, die Empathie, auf ihn individuell einzugehen.

Gerade in der Zeit vor Weihnachten wird viel geredet über Nächstenliebe, Fürsorge, Unterstützung für die Hilfsbedürftigen.

Die Friseurin Ilka hat das einfach getan, ohne groß darüber zu reden, bescheiden und fast unbemerkt von uns.

Deshalb ist der kleine Friseurladen in Sassnitz für uns ganz groß.

Danke Ilka, danke liebes Team.

Die Angehörigen aus Sassnitz, Wandlitz und Berlin.

MARTINA LIPPERT – UNTERNEHMERIN IM PFLEGEBEREICH

MENSCHEN IN DER PFLEGE (15)

Es gibt Menschen, mit denen redest du einfach gern. Nicht nur deshalb, weil sie engagiert sind, Leidenschaft und Energie für ihr Tun mitbringen.

Der Grund ist vielmehr: Sie sind Jahrzehnte in der Branche tätig, genauer gesagt in der Pflege und Betreuung von Pflege-und Hilfsbedürftigen – und sie haben sich ihre Neugier bewahrt, sind offen für Neues, tauschen sich aus, ja saugen das auf, was sie und das Team in der Arbeit weiterbringen.

Martina Lippert gehört genau zu diesen Menschen, denen du deshalb vertraust, gerade in einem solchen sensiblen Bereich wie den der Pflege.

Dazu gehört, dass sie in ihren Anfängen und auch später genügend Niederlagen verkraften, Rückschritte akzeptieren, immer wieder neue Kraft entwickeln musste, um an ihr Ziel zu gelangen.

Als sie 1994 mit dem Pflegedienst begann, da wollte keiner so recht daran glauben, dass sie lange überleben würde.

Sie hat nicht nur geschäftlich überlebt, entgegen so mancher Voraussagen aus der damaligen Krankenkasse.

Im Gegenteil: Sie ist vielmehr mit ihrer Firma, der ‚Martina Lippert GmbH‘ zu einer Marke geworden, die für das Vertrauen spricht, das ihr die Pflege- und Hilfsbedürftigen, die Angehörigen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegedienstes entgegenbringen.

Am 01.10.1994 erhielt sie ihre Zulassung und am 01.11.1994 hat sie ihren Pflegedienst eröffnet, fast genau auf den Tag vor 25 Jahren.

Sie erinnert sich noch lebhaft daran, wie ein Jahr später die Pflegeversicherung begann, die Finanzierung für die ambulante Versorgung der Versicherten zu übernehmen.

Oder zum Beispiel als mit der Einführung der DIG, der sogenannten diagnosebezogenen Fallgruppen, die Liegezeiten in der stationären Behandlung in den Krankenhäusern verkürzt wurden.

Die ambulante Pflege übernahm ab diesen Zeitpunkt mehr Verantwortung für die Pflege und Betreuung für die frisch aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten.

Martina Lippert hat nie abgehoben agiert. Das habe ich immer wieder in den mit ihr geführten Interviews feststellen können.
„Es gibt keine Alleskönner“, hat sie mal gesagt und gemeint, dass man auf die Stärken und das Wissen von Kollegen zurückgreifen sollte.

Heute hat sie ein starkes Team an ihrer Seite und kann auf die soziale und fachliche Kompetenz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen.

„Ich bin sehr froh, dass meine Tochter an meiner Seite ist. Anne-Christine hat sich zur PDL qualifiziert und betriebswirtschaftlich weitergebildet.

Inzwischen ist sie für mich unentbehrlich, wenn es um die Organisation des Pflegealltags geht, die Steuerung des Teams und viele andere Aufgaben“, sagt Martina Lippert in diesem Zusammenhang.

Martina Lippert setzt sich sehr für die Ausbildung von neuen Pflegekräften ein

„15 Auszubildende haben inzwischen nach einer dreijährigen erfolgreichen Ausbildung ihren Abschluss als Altenpflegerin oder als Altenpfleger erhalten“, sagt sie nicht ohne Stolz und will auch künftig in diesem Bereich ihren Beitrag leisten.

„25 Jahre Kompetenz in Sachen Pflege“ – das bleibt das Hauptanliegen des Pflegedienstes, auch in den neuen Räumen, ab November 2019.

Wir wollen weiterhin unsere Pflege-und Hilfsbedürftigen und deren Angehörige zuverlässig beraten, betreuen, pflegen, und zwar in deren gewohnten Umgebung“, sagt Martina Lippert zum Schluss.

Wer mehr über den Menschen Martina Lippert erfahren möchte, über ihre Philosophie in der Pflege, der sollte die Interviews lesen, die ich mit ihr geführt habe –
https://uwemuellererzaehlt.de/2017/09/01/pflegedienst-lippert-stellt-sich-vor/

Kontakt
Pflegedienst Lippert GmbH
Ab 01.11.2019 in neuen Geschäftsräumen:
Haselünner Str. 55
49808 Lingen (Ems)
Bürozeiten: Mo.-Fr. 08.00 – 13.00 Uhr
E-Mail: info@pflegedienst-lingen.de
http://www.pflegedienst-lingen.de
Telefon: 0591 – 80740 99-0
Telefax: 0591- 676 74
Notfallhandy: 0171 – 549 74 98

PFLEGEDIENST GEHRMANN – ZWEIEINHALB JAHRZEHNTE AN DER SEITE SEINER KLIENTEN

MENSCHEN IN DER PFLEGE (8)

Der Pflegedienst Gehrmann geht in das 25. Jahr seines Bestehens. Das ist umso beachtlicher, wenn man den guten Ruf mit in Betracht zieht, den die Einrichtung in und um Brandenburg von Anfang an genießt.

Ich schreibe über den Pflegedienst und seine angeschlossenen Tagespflegen seit über fünf Jahren. Klar ist, man bleibt ein Außenstehender, einer, der beobachtet, der nach dem gesprochenen und geschriebenen Wort geht.

Ich kann deshalb nicht sagen, dass ich den Pflegedienst Gehrmann exzellent kenne. Nein, das ist nicht der Fall. Aber ich habe mich unzählige Male damit beschäftigt, was der Pflegedienst auf seiner Homepage sagt, was ich im Interview gehört habe.

Als jemand, der selbst seit drei Jahrzehnten mit Menschen im Dienstleistungssektor zu tun hat, entwickelst du ein untrügliches Gespür dafür, wer sich in den Vordergrund schieben will und wer einfach seine Arbeit macht, dafür lieber auf das Wohl seiner Klienten achtet.

Das Team vom Pflegedienst Gehrmann macht auf mich bis heute einen eher zurückhaltenden, ja bescheidenen Eindruck.

Manchmal denke ich darüber nach, in wessen Hände ich mich begeben würde, müsste ich zum Beispiel einen Pflegedienst beanspruchen. Beim Pflegedienst Gehrmann GbR hätte ich da ein gutes Gefühl, naja, eigentlich ein sehr gutes.

Sommer 1994 – der Beginn einer Erfolgsgeschichte, unaufgeregt aber stetig
Der Pflegedienst wurde am 01. Juli 1994 als Sozialstation eröffnet und ist seitdem in Brandenburg, genauer in Oranienburg und Umgebung tätig.

„Unsere Schwerpunkte in der Dienstleistung sind die ambulante Pflege, die Hauskrankenpflege, die Tagespflege und die hauswirtschaftliche Versorgung“, so Antje Gehrmann.

Besonders stolz ist das gesamte Team auf die beiden Tagespflegen – „Süd“ und „Kolibri“. Die ältere von beiden ist die Tagespflege „Süd“. 2017 kam die Tagespflege „Kolibri“ hinzu.

Plätze sind für jeweils 28 Gäste in den Einrichtungen vorhanden. Krankenschwestern, Altenpflegerinnen, eine Heilpädagogin und eine Physiotherapeutin sind für die Pflege- und Hilfsbedürftigen da, kümmern sich um deren Wohl und bereiten ihnen im Alltag gemeinsam schöne Stunden.

Die Details können vom interessierten Leser auf der Blogseite  nachgeschlagen werden.

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/10/14/pflegedienst-gehrmann-stellt-sich-vor/

Antje Gehrmann, stille Macherin mit Herz
Antje Gehrmann zieht die Fäden im Hintergrund, ist Mitglied der Geschäftsleitung, kennt die Sorgen der Pflege – und Hilfsbedürftigen und deren Angehörigen sehr gut und ist vor allem eines: ein Mensch, dem man wirklich vertrauen kann.

Wer sieht, wie Antje Gehrmann heute in der Geschäftsleitung agiert, der käme nicht auf den Gedanken, dass sie jemals etwas Anderes in ihrem Leben getan hätte.

Dabei hat sie einmal in einem ganz anderen Bereich ihren beruflichen Weg begonnen. Ihr Großvater zeigte ihr von klein auf, wie man mit Bienen umgeht. Das war ihre große Leidenschaft, sie hat es quasi von der Wiege an mitbekommen.

Ihr Großvater vererbte Antje Gehrmann ein ganzes Bienenhaus, ca. 30 Bienenvölker. Sie kamen leider fast alle um, bei einer schweren Bombendetonation im Jahr 1992 und der daraufhin ausgelösten Druckwelle.

Auf den ersten Blick wird nicht gleich sichtbar, welche Gleichnisse es gibt, zwischen ihrer Liebe zur Bienenzucht und ihrem heutigen Beruf. Das erfährt man, wenn man sich näher mit dem Menschen Antje Gehrmann beschäftigt.

Sich mit Bienenzucht zu befassen erfordert viel Leidenschaft, Sensibilität, große Ausdauer und ein solides fachliches Wissen. Antje Gehrmann verfügt über genau diese Eigenschaften und deshalb war es ganz und gar nicht umsonst, dass sie mal so begonnen hat.

Später hat sie sogar ein Studium im Fach Agraringenieurswesen für Bienenwirtschaft angefangen. Die Schule wurde nach der Wende aufgelöst und Antje Gehrmann kehrte zurück Oranienburg.

Was seit 1994 für Antje Gehrmann mehr und mehr zur Berufung wurde – das ist die Pflege und Betreuung von pflege- und hilfsbedürftigen Menschen.

Ihre Mutter, Christine Gehrmann, gründete nämlich im Juli 1994 einen eigenen Pflegedienst.

Hier war Antje Gehrmann von Anfang an mit tätig, half ihrer Mutter und dem gesamten Team den Pflegedienst zu profilieren, lernte dabei selbst ständig hinzu, wuchs quasi in die Pflege hinein.

1999 wurde aus „Schwester Christine“ der „Pflegedienst Gehrmann GbR“, indem Antje Gehrmann seitdem in der Geschäftsleitung mitwirkt.

Wie es weiterging was Antje Gehrmann wichtig an Erfahrungen noch heute wichtig ist, das kann man am besten in ihrem Interview auf dem Blog nachlesen.

Mehr:

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/06/03/antje-gehrmann-im-interview/

PFLEGEKRÄFTE ZWISCHEN HERAUSFORDERUNGEN UND SELBSTZWEIFELN

Wer heute in der Pflege tätig ist, den packen mitunter Zweifel, ob er das Richtige tut, ob er selbst richtig ist in der Branche. Besonders jüngeren Pflegekräften kommen diese Selbstzweifel: 'Mach ich das alles so, wie es vorgeschrieben ist? 
Nehme ich genügend Rücksicht auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse des Pflegebedürftigen, bei dem ich gerade bin? Wo will ich eigentlich in zehn Jahren sein?'

Das ist nur ein Ausschnitt dessen, was mir Mitarbeiter erzählen, wenn sie von ihren Erlebnissen, Ihren Zweifeln an der Richtigkeit ihrer Berufswahl sprechen.

Jeder von uns kennt solche Gedanken und sie werden auch solange in uns sein, wie wir arbeiten.

Es gibt keine generellen Rezepte, wie man die sogenannte Balance für sich findet.

Geschrieben wird darüber viel.

Aber: Es gibt genügend Literatur, in der mal mehr und mal weniger gute Ratschläge erteilt werden.

Mir kommen in diesem Zusammenhang drei Gedanken:

ERSTER GEDANKE: Sich nicht permanent unter Druck zu setzen, sich selbst überfordern – im Pflegealltag ist wichtig.

Professionell agieren heißt auch,  fundiertes Selbstmanagement und  professionelle Selbstmotivation zu betreiben

Klar ist aber auch: Es gibt niemanden auf diesem Erdball, der alles kann, alles weiß und nichts mehr in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung tun muss.

Insofern: Ein Stück Distanz zu den Dingen, die am Tag passieren und vielleicht auch mal nicht gelingen, das hilft.

ZWEITER GEDANKE:
Unsere Vorhaben sollten dergestalt sein, dass wir sie auch erreichen können.  Nichts demotiviert mehr, als Ziele, die von vornherein zu hochgesteckt sind.

DRITTER GEDANKE:
Trau‘ dir ruhig etwas zu, denke also nicht zu klein.

Nimm deine Pflegedienstleitung oder den Inhaber des Pflegedienstes mit ins Boot – in dein Boot, denn in seinem hältst du dich ja den ganzen Tag auf.

Was heißt das? Sprich über das, was du erreichen willst, wann du wo sein willst und welche Hilfe du dafür brauchst.

Wenn du nicht fragst, dann hast du auch nicht die Chance, deine Ziele zu erreichen oder wirst vielleicht sogar scheitern.
Teamwork ist wichtig.

Das heißt aber auch: Du hast deinen Platz im Team und einen moralischen und faktischen Anspruch auf Hilfe – jeder im Pflegedienst hat letzlich was davon.

Friedrich Nietzsche schreibt: „Ein Beruf ist das Rückgrat des Lebens.“
(Quelle: 2012 Anaconda Verlag GmbH, Köln, S. 339)

Also stärke dein Rückgrat.

FACHKRÄFTEMANGEL IN DER PFLEGE – BEÄNGSTIGENDE DIMENSIONEN

Die Zahlen der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Juni 2017 alarmieren: Die sogenannte durchschnittliche Vakanzzeit für examinierte Altenpflegekräfte beträgt 167 Tage.

Nahezu ein halbes Jahr dauert es, bis eine freie Stelle neu besetzt werden kann.

Das liegt mit 67 Prozent über der durchschnittlichen Vakanzzeit, bezogen auf alle Berufe.

32 Arbeitssuchenden stehen im Pflegebereich 100 gemeldete Stellen gegenüber.

Oder in absoluten Zahlen:
Auf 10.100 freie Stellen kommen 3200 Arbeitssuchende.
Nicht gerechnet sind hier die Stellen für Zeitarbeit.

Die Zahlen schrecken auf – angesichts der Tatsache, dass bis 2030 sogar noch über 500.000 Pflegekräfte zusätzlich für den wachsenden Bedarf benötigt werden.

Quelle: 
https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Fachkraeftebedarf-Stellen/Fachkraefte/BA-FK-Engpassanalyse-2017-06.pdf, abgerufen: 14.07.2017, 05.15 Uhr

 

MIT DEMENZ UMGEHEN

Was mich im Vortrag von Prof. Godemann[1] bewegte: Er sprach davon, wie schwer es sei, die Veränderungen zu akzeptieren, die in der Mutter, dem Vater oder aber dem Ehepartner vorgehen, die ja nun mal mit der Krankheit Demenz einhergehen.

Eines ist klar: Man kann diesen Prozess nicht zurückdrehen, und: Er wird tödlich enden. Das ist brutal.

Doch es ist die Wahrheit. Manchmal hilft es am Anfang zu verdrängen, einfach nicht mit dem Angehörigen darüber zu sprechen.

Mir erzählte eine Angehörige, ihre Mutter hätte immer gern Tomaten auf ihrem Balkon gehabt. „Und, hast du schon deine Tomaten gepflanzt“, fragt die Tochter.

„Welche Tomaten“, fragte ihre Mutter zurück.

Und weiter: „Ich habe noch nie Tomaten angepflanzt! Wie kommst du darauf?“

Solange sich die Tochter zurückerinnert – ihre Mutter schwärmte immer von den Tomatenpflanzen; sie waren ihr ein und alles. Die Tochter ist entsetzt, sie ärgert sich.

Doch sind das die richtigen Reaktionen? Sie sind auf jeden Fall verständlich.

Ich denke, zu akzeptieren, dass sich die Persönlichkeit eines nahestehenden Menschen verändert, das ist wohl das, was am schwersten fällt.

Die Situation annehmen, den Menschen in seiner veränderten Persönlichkeitsstruktur weiter zu respektieren, das ist die einzige Alternative aus der Sicht, zu helfen, weiter für den Menschen da zu sein.

[1] Im Mai fand das 14. Pankower Gerontopsychiatrische Symposium statt. Das Motto: „(Selbst-) Fit im Pflegen bleiben – Entlastung, Unterstützung und Zusammenhalt.“ Veranstalter war das Alexianer St. Joseph-Krankenhaus, Berlin- Weißensee unter der Leitung von Prof. Dr. med. Frank Godemann, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und verhaltenstherapeutische Medizin.

 

WARUM EIN INTERVIEW VIEL ÜBER EINEN MENSCHEN AUSSAGEN KANN – ANSTELLE VON VIELEN DATEN UND FAKTEN 

Was macht die Sogwirkung aus, wenn Menschen Geschichten über sich erzählen?

Menschen nehmen natürlich Fakten zur Kenntnis. Geschichten aber über Menschen, die überzeugen sie, sprechen sie auf der Gefühlsebene an.

Interviews fallen einfach auf im Dickicht der Informationsflut, sie wecken Emotionen.

Ein Leser erinnert sich besser an das Erzählte,  er spinnt sozusagen den Faden mit.

Die Personen,  die im Interview darüber berichten, wie sie zum Beispiel zur Pflege kamen,  was sie für Motive umtreibt und warum sie sich heute noch engagieren, das interessiert die Angehörigen.

Sie wollen, dass der Pflegedienst nicht nur auf der Homepage schreibt: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.“

Vielmehr: Sie wollen, dass sich genau der Mensch ihrer Pflegebedürftigen annimmt, dem sie vertrauen können und der sie mit seiner Biografie, seinem Wissen und Handeln überzeugt.

Interviews bleiben auf dem Portal, können immer wieder aufgerufen werden.

Und sie erhöhen damit gleichzeitig die Sichtbarkeit des jeweiligen Unternehmens bei Google.

Die Suchmaschine von Google verknüpft die Informationen miteinander und der Leser wird auf der Suche nach einem geeigneten Pflegedienst zielgerichteter zu ihm geführt.

Außerdem: Pflegedienste werden in ihrem Ort gefunden. Es spielt also keine Rolle, ob dieser in einem Dorf in Bayern sein Zuhause hat oder in Berlin-Mitte.

Interviews geben eine erste Auskunft darüber, wie der gesuchte Pflegedienst „tickt“, ob er interessant für denjenigen ist, der  Unterstützung für seinen Angehörigen sucht.