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AMAZON-ANGEBOTE – ICH STÖBERE GERN DARIN (11)
Ich frag‘ mal Klara, was sie von Intervallfasten hält.
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Sonntag, kurz nach sieben Uhr. Es ist Wochenende und ich freue mich, weil ich schon aufgestanden bin.
Nicht, weil ich musste, nein, weil ich wollte.
Und morgen ist sogar noch ein Feiertag, der 1. Mai.
Aber ich denke weiter und überlege, wie ich mich am Dienstag, dem neuen Wochenbeginn, fühlen werde.
Kommt die schlechte Laune in mir hoch, weil es mit dem Wochenende vorbei ist?
Warum ist der erste Tag zu Wochenbeginn eigentlich so ein „Arschlochtag“?
Ich weiß es auch nicht. Jedenfalls kriegst du dieses Gefühl nicht aus dir heraus, das von ‚och, ich hab‘ keinen Bock‘, selbst dann nicht, wenn der Montag ein Feiertag war.
Meine Gefühlswelt bekomme ich einigermaßen in den Griff, wenn ich gleich zum Wochenbeginn anfange zu laufen.
Ich will eine neue Strecke ausprobieren. Die in der Schönower Heide.
Mal sehen. Jedenfalls: Während des Nordic Walkings stellen sich gute Gefühle ein.
Ich denke dann: „Jetzt überleg‘ mal, wer sich das leisten kann, am Vormittag zu laufen!“
Aber selbst ohne das Nordic Walking werde ich künftig wieder morgens nach dem Aufstehen überlegen, warum jeder Alltag schön ist, selbst zu Wochenbeginn.
Ich denke, weil das Leben schön ist, und ich mehr nach winzigen Momenten suchen sollte, die es mir schwermachen, schlecht gelaunt zu sein.
Ich gehe an meinem Bücherschrank vorbei, direkt vor der Tür zum Arbeitszimmer.
Dort hängen Fotos von Krümel. Sie lacht mich an, klatscht in die Hände, so als wollte sie sagen: ‚Opa, komm‘ lass uns ‚Restooorant‘ spielen.“
Der Dienstag kann kommen.
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Ich sitze in der Bäckerei, im REWE in Basdorf, im Café – auf einer Sitzbank, den Rücken an die Wand gelehnt.
Vor mir steht eine große Tasse mit Cappuccino.
Klara hat ihn bestellt und ein Verkäufer hat ihn zum Tisch gebracht.
Klara hat mich sozusagen hier ‚geparkt‘, damit sie gut einkaufen gehen kann, und ich nörgele dabei nicht herum, so von wegen, sie solle das Ganze strukturierter angehen.
Für mich sind das mit die schönsten Momente, wenn ich hier herumlümmele.
Ich kann sitzen, ein wenig schreiben, die Leute beobachten.
Du hast den Eindruck, dass es am Freitag lockerer zugeht, das Gefühl von Frühling in der Luft liegt, die Leute sind gut drauf und die meisten werden sich wohl auf das verlängerte Wochenende freuen.
Ich schaue durch die Fensterscheiben und sehe, wie die Bäume grün werden, zu blühen anfangen.
Tief in mir steckt noch die Zeit bei der Marine. Warum ich das jetzt denke?
Nun, zu den einzelnen Jahreszeiten wurden die Bezüge der Mützen gewechselt. Am ersten März kam der blaue Bezug auf die Mütze.
Das schönste kam aber am ersten Mai in jedem Jahr – da war nämlich der weiße Mützenbezug dran.
Und sofort mit diesem Wechsel hattest du das Gefühl, dass der Frühling endgültig da ist und der Sommer nicht mehr weit weg.
„Am Montag ist der weiße Mützenbezug dran“, habe ich zu Klara im Auto gesagt.
Sie hat nicht geantwortet, nur geschmunzelt.
Das ist so ein Sprechritual von mir, ohne dass es irgendwie tiefgründiger erörtert würde.
Manchmal kommt mir doch noch was in den Sinn: Ich muss nachts nicht mehr auf See raus, ich kann in meinem Bett liegen, ohne dass ich aus der Koje ruckartig herausspringen muss, die Wände zittern nicht, so wie auf dem Schiff, und ich renne nicht mit einem flauen Gefühl im Magen herum, nur weil es draußen stürmt und der Schiffsbug tief ins Wasser eintaucht, um sich danach knirschend und ächzend daraus wieder emporzuheben.
Würde ich wollen, dass ich das noch einmal durchleben müsste?
Nein, ich glaube nicht.
Aber es hat mich irgendwie auch hart gemacht, selbst wenn die Stürme des Lebens erst richtig nach meiner Marinezeit begannen.
Glück ist für mich, die Erinnerungen daran wachzuhalten, die Anstrengungen nicht zu vergessen, die schönen Momente im Kopf und im Herzen wachzuhalten.
Wie gesagt, Montag ist der ‚Weiße Mützenbezug‘ dran.
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Vier Wochen nach dem Umzug in die Stadt, es ist ein wenig ruhiger geworden. Die Kartons sind in der neuen Wohnung ausgepackt, die Möbel stehen dort, wo wir sie hinhaben wollten.
Die Bücher sind eingeräumt.
Der Bücherschrank aus dem Arbeitszimmer steht jetzt im Flur, direkt im Eingangsbereich.
Die Bücher, die ich wahrscheinlich nicht mehr so schnell anfassen, die habe ich ganz unten einsortiert. Du kannst sie auch nicht gleich erkennen, denn da müsstest du in die Knie gehen.
‚Das wird wohl nicht passieren‘, dachte ich.
Zudem: Da unten habe ich das ‚Kapital‘ von Marx einsortiert.
‚Dafür interessiert sich keine Sau mehr“, habe ich zu Klara gesagt.
Da war auch so, bis Krümel uns das erste Mal besuchte.
Sie jagte den Flur entlang, versuchte so weit wie möglich beim Schlittern voranzukommen. Es lagen ja noch keine Teppiche dort, die sie hätten bremsen können.
Ich musste an dem Tag weg, zu einer Trauerfeier, auf der ich eine Rede halten sollte.
Als ich wiederkam, da lag in meinem Arbeitszimmer ein Band vom ‚Kapital‘.
Ich teile mir das Zimmer mit Krümel. Wenn sie bei uns ist, dann schläft sie dort auf der Couch, die Klara hergerichtet hat.
Es stehen Puppen herum, wo früher stapelweise Bücher waren und Stofftiere lümmeln auf der Liege.
Dazwischen lag ein Buch, so als ob es nicht dahingehörte.
„Wer hat das ‚Kapital‘ hier hingelegt?‘, rief ich in den Flur.
Krümel kam angerannt.
„Opa, das ist für mich. Das ist ein Vorschulbuch. Guck, hier steht es“, sagte sie und fuhr mit ihrem kleinen rechten Zeigefinger den Schriftzug auf der Vorderseite entlang.
„Karl Marx, Das Kapital, Erster Band“, stand dort in goldenen Lettern.
Krümel konnte noch nicht lesen.
Aber das machte ihr nichts aus.
„Ich hab‘ dich lange nicht darin lesen sehen“, sagte sie und ich meinte, einen Vorwurf aus ihrer Stimme herauszuhören.
Klara stand hinter uns und lachte.
„Krümel hat sich gleich auf den Bauch geschmissen und ist an der unteren Bücherwand entlanggekrochen.
‚Oma, hier stehen die Bücher für die Kinder im Vorschulalter‘, hat sie mir zugerufen und dabei einzelne Bücher herausgezerrt“, erklärte Klara mir.
„Opa, wir Kinder müssen wissen, was da drinsteht“, meldete sich Krümel wieder.
Ja gut, wenn Krümel das sagt, dann muss ich darüber nachdenken, ernsthaft, natürlich.
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WIR ZIEHEN UM – VOM DORF IN DIE STADT
Als ich heute morgen aufgewacht bin, da habe ich mich mühsam im Bett aufgerichtet. Und lustlos war ich auch noch.
Wir sind mitten im Umzug, von Basdorf nach Bernau. Vom Dorf in die Stadt.
Es ist nirgends mehr gemütlich, in der alten Wohnung nicht, da, wo ich mich jetzt aus dem Bett quälen will und in der neuen Wohnung auch nicht.
Dort ist alles schön und neu, Fussbodenheizung, hochwertiges Bad, mit zwei Duschen, zwei Stellplätze vor der Tür, mit E-Anschluss.
Ich könnte noch mehr aufzählen. Aber kriege ich dadurch gute Laune? Nein.
Mir graut davor, mein altes Arbeitszimmer auszuräumen.
Klara hat die Lenin-Bände schon eingepackt.
„Wir schmeissen die alle weg“, hatte ich gesagt.
Ich dachte, dass es an der Zeit damit wäre, sich davon zu lösen.
Aber das kam für Klara nicht infrage.
Die erinnerten uns beide an die Studienzeit in Moskau.
Klara hat sie nicht gelesen, ging ja auch nicht, denn sie sind sämtlich auf Russisch.
Ich habe sie fast alle durchgelesen, fünfundfünzig an der Zahl. Die Briefe, die Lenin geschrieben hat, und wo er erklärt, warum Stalin auf keinen Fall der erste Mann im Staat sein sollte.
Vielleicht war es ja an der Zeit, mich ihrer zu entledigen, jetzt, wo dieser furchtbare Krieg gegen die Ukraine tobte.
Aber irgendetwas sträubte sich in mir. Sollten wir alles über Bord werfen, alles verurteilen, was nur irgendwie mit Russland zu tun hatte?
Dazu konnte ich mich nicht entschliessen, denn dafür waren die Menschen, die ich in Moskau kennengelernt hatte, mir viel zu sehr ans Herz gewachsen.
Ausserdem verband ich mit den Büchern die Bilder, die mich daran erinnerten, dass ich auf einmal mit zwei Dritteln der 55 Bände in die Metro gestiegen bin.
Ich hatte sogar noch einen Duschvorhang gekauft.
Auf dem Weg nach unten, tief hinunter in den Metroschacht, hatte ich die Taschen mit Büchern einfach auf die Rolltreppe gestellt.
Die Taschen hakten unten angekommen fest, ich verursachte einen Stau auf der Treppe und hinter mir haute mir einer die Faust in den Rücken.
Die Aufsichtshabende in der Metrostation, zu der ich empört hinüberblickte, die rief mir zu: „Geh‘, sonst kriegst du von mir ebenfalls einen Tritt.“
So hatte ich mir die deutsch-sowjetische Freundschaft nicht vorgestellt.
Und Klara verband damit ihre eigenen Erinnerungen, schließlich war sie ja all die Jahre an meiner Seite gewesen.
Es war wohl gut so, dass die Bücher mitkamen, in die neue Wohnung und dort wieder ihren Platz fanden. Schließlich gehörten sie zu meinem Alltag, und der war ja mein Freund, in guten, wie eben in schwierigen Zeiten.
Ich saß immer noch auf dem Bett, während ich nachgrübelte, was der Tag wohl bringen würde. Ich seufzte und stieß mich endgültig von der Bettkante ab und schlurfte ins Bad.
Der Tag hatte begonnen, und ich musste freundlich zu ihm sein, damit ich auch von ihm etwas hatte.
„Du kannst heute deine Sachen aus der Bücherwand räumen“, rief Klara von unten.
Ich brummte nur, was als Zustimmung von ihr gewertet werden konnte, aber von mir ihr gegenüber auch noch als Ablehnung ausgelegt werden konnte.
Mir fiel der gestrige Tag ein, an dem wir einen neuen Fernseher gekauft hatten, so ganz spontan. Jetzt wusste ich, warum ich so kaputt war.
„Fahren wir heute noch ein paar Sachen in die neue Wohnung?“, rief Klara von unten.
Ich tat, als hörte ich sie nicht und drehte lustlos die Zahnpastatube auf.
Meine Erkenntnisse: Lieber mal vom Schreibtisch aufstehen, einen Schritt zurücktreten, wenn einem die Aufgaben über den Kopf zu wachsen scheinen; den Plan überarbeiten, in einer To-do-Liste die zeitliche Abfolge und die Prioritäten der einzelnen Aktivitäten festlegen; Energie durch Nordic-Walking speichern, im Freien, im Wald, am See die Dinge neu durchdenken, sortieren, Klarheit verschaffen, um dann zielgerichteter weiterzumachen.
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Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. Denn „wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes: er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn steht wider die, die Böses tun.“ (Psalm 34,13-17) 1 Petrus, 3, 8-12 Meine Erkenntnis aus dem Bibelspruch: Lieber einmal mehr überlegen oder auch einfach gar nichts sagen, bevor man es hinterher bereut.
Was nehme ich noch mit?
Die Sprüche richten sich an die Christen, an ihr Verhalten im Alltag.
Ich fühle mich davon angesprochen, und ja, auch angezogen.
Denn wie oft sage ich etwas Böses zu einem Freund, meiner Frau oder einem Fremden, ohne gross nachzudenken.
Bereue ich es hinterher? Ja, fast immer.
Also, was nehme ich mit?
Sich im Zaum halten, Gesagtes von anderen Menschen aushalten, nicht gleich reagieren, lieber schweigen und nachdenken.
Wird mir das künftig gelingen?
Ich glaub‘ schon.
Ich werde mich in jedem Fall bemühen.
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RÜCKBLICKE-16.01.2023
VERA TOMASCHEWSKI – EIN MENSCH, DEM MAN IM ALLTAG GERN BEGEGNET
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https://uwemuellererzaehlt.de/2022/12/10/alltaegliches-10-12-2022/
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Es war am vergangenen Donnerstag, zwischen Weihnachten und Neujahr.
Wir saßen im Auto und fuhren in Richtung Berlin, um Krümel und ihre Mama wieder nach Hause zu bringen.
Krümel fragte mich, während sie hinten angeschnallt saß und kaum zu sehen war:
„Opa, kannst du mir die Geschichte erzählen, wie du Oma kennengelernt hast?“
Ich war erstaunt.
‚Was die Kleine alles so mit ihren knapp fünf Jahren wissen wollte?‘, ging mir durch den Kopf.
„Also, ich habe vor vielen, vielen Jahren deine Mama kennengelernt, als ich Silvester in der Fabrik feiern wollte, in der Oma auch arbeitete. Ich hatte Karten für die Tanzveranstaltung besorgt und bin da hingegangen.“
Ich machte eine kleine Pause.
„Erzähl weiter, Opa“, drängte Krümel.
„Naja, da sah ich auf einmal deine Oma an einem Tisch sitzen und ich fand sie sehr hübsch.“
„Hm“, bestätigte Krümel nun.
„Ich setzte mich an einen anderen Tisch und beobachtete Oma“, erzählte ich weiter.
„Wie konnte ich nur an sie herankommen?“, fragte ich mich.
„Warum bist du nicht einfach hingegangen, Opa?“, wunderte Krümel sich.
„Ja, du hast recht, meine süsse Maus, aber ich habe mich nicht getraut.“
„Und dann?“ Krümel liess nicht locker.
„Dann habe ich meinen Tischnachbarn gefragt, ob er das Mädchen kennen würde?
Er hat ‚ja‘ gesagt und ist ein wenig später aufgestanden und hat mit Oma getuschelt.
Jetzt war ich erst recht verunsichert.“
„Was heißt ‚verunsichert‘?“, hakte Krümel nach und hatte Schwierigkeiten, dieses Wort auszusprechen.
„Verunsichert heißt, ich wusste nicht, was Oma wohl sagen würde, wenn ich Oma zum Tanzen auffordern würde.“
„Was hat Oma gesagt?“
„Sie hat ‚ja‘ gesagt und mit mir getanzt.“
„Und habt ihr euch dann geküßt?“, fragte Krümel weiter.
„Nein, so schnell ging das nicht damals“, sagte ich.
„Aber warum nicht?“, fragte sie weiter.
„Weil wir dachten, dass sich das nicht gehört.“
Ich merkte, wie ich ins Schwitzen kam.
„Oma wollte nicht, dass ich sie bis nach Hause begleite. Sie wollte schon, dass ich an der Brücke auf dem Weg zu ihrer Wohnung in eine andere Richtung abbiege.
Ich bin aber nicht abgebogen. Ich habe gesagt: ‚Ich bringe dich direkt vor die Haustür‘. Ich wollte ja Oma wiedersehen.“ Krümel lachte, denn es gefiel ihr, dass ich an Oma drangeblieben war.
„Erzähl‘ weiter, Opa“, drängelte Krümel.
Krümel war so interessiert an dem, was ich von mir gab, dass sie vergaß, mich darum zu bitten, das Radio anzustellen und Lieblingssong ‚Dein Casanova liebt dich nicht‘, abzuspielen.
Ich erzählte weiter.
„Ich habe Oma dann noch zur Haustür gebracht und wir haben uns für den nächsten Tag verabredet. Das war Neujahr.
Und ab da waren Oma und ich unzertrennlich.“
„Und wann habt ihr euch geküsst?“
„Das hat noch ein wenig gedauert, aber dann kam der Tag, an dem ich Oma geküsst habe.“
Krümel lächelte glücklich.
„Kannst du mir ,Casanova‘ anmachen, Opa?“
Ich nickte und spielte den Schlager ab.
Krümel sang mit ihrer leisen Stimme mit.
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Es ist Dienstagmorgen, der 27.12.2022, 03.45 Uhr.
Das Fest ist vorüber und ich denke, dass ich mental in ein Loch falle. Keine opulenten Mahlzeiten mehr, nicht stundenlang auf der Couch liegen. Morgen und übermorgen habe ich gleich zwei Interviews.
Die erste Woche im neuen Jahr muss ich schon meine erste Rede halten. Wie komme ich blokß wieder runter, auf das normale Level?
Ich hantiere am Handy lustlos herum und finde einen Text, den ich genau vor einer Woche beim Bäcker getippt habe.
Er ist kurz, aber so schön banal, so alltäglich, so wie ich es gewohnt bin:
DIENSTAG – NUR NOCH DREI TAGE BIS HEILIGABEND
Ich sitze beim Bäcker, im Rewe-Markt.
Klara ist gerade in den Gängen unterwegs und ich habe einen Horror davor.
Der Bäcker schaut um die Ecke und ich fühle mich dazu aufgefordert, etwas zu bestellen.
„Einen Kaffee bitte“, sage ich und ich merke seinem strengen Blick an, dass es die richtige Entscheidung war.
„Hier sitzen und nichts bestellen, das geht eigentlich nicht“, schien sein Blick zu sagen.
„Waren Sie nicht vor geraumer Zeit bei der Trauerfeier dabei und haben meine Rede mitangehört?“, frage ich ihn.
„Ohja“, antwortet der Bäcker.
„Ich habe Sie gleich wiedererkannt“, sagt er weiter.
„Und, wie hat die Rede Ihnen gefallen?“
„Sehr gut, das hat mich berührt.“
Die Antwort von ihm klang ehrlich, und so freue ich mich auch ehrlich.
Es ist ein wirklich gutes Gefühl, wenn du Menschen insofern noch eine Freude bereiten kannst, dass du den Abschied für einen Angehörigen würdig hinbekommst.
Ich liebe inzwischen meine Tätigkeit als Trauerredner, insbesondere, weil ich das Leben eines Menschen noch einmal in Worten dokumentieren und die Angehörigen mit meiner Wertschätzung trösten kann.
Ich lege den Text weg und denke, dass des Alltag doch schön ist, weil wir einen Sinn bekommen durch das, was wir tun, es uns irgendwie reicher macht.
Heute abend kommt Krümel. Ich freue mich darauf, mit ihr zu toben.
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Am 1. Weihnachtsfeiertag war noch einmal Bescherung – als Krümel uns besuchte.
Wir haben von Laura ‚Alexa‘ geschenkt bekommen.
Ich erinnere mich noch, als ich vor vielen, vielen Jahren meiner Oma eine Kaffeemaschine geschenkt habe.
Sie beäugte sie misstrauisch, denn sie war es gewohnt, die Maschine vor der Brust oder ‚der Böst‘, wie sie es nannte, zu haben und mit der Kurbel per Hand zu drehen.
So erging es uns gestern auch.
Einerseits waren wir sehr überrascht von dem großzügigen Geschenk. Andererseits haben wir ängstlich auf das Gerät geschaut und gedacht: „Das können wir ja doch nicht bedienen.“
Aber heute morgen, als Krümel uns anrief, wir sie auf dem Bildschirm sahen, und sie rief: „Oma, Opa, ich möchte zu euch“, da fanden wir das ganz schön, was wir gestern geschenkt bekamen.
Ich habe nach dem Aufstehen schon das Gerät getestet. Klara war in der Küche.
„Alexa, frag‘ mal, ob das Frühstück schon fertig ist!“
„Ich bin mir nicht sicher“, antwortete Alexa.
„Aber ich bin sicher, dass du runterkommen und mithelfen kannst, dann weißt du auch, wann das Frühstück fertig ist“, rief Klara die Treppe hoch, so ganz analog, so schnöde.
Ich habe nicht geantwortet und so getan, als hörte ich schwer.
Das stimmt ja auch, manchmal jedenfalls.
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ANNA IST DEMENT – PETER ERINNERT SICH (8)
Was bisher war:
Die Wohnung von Oma Heide war am Heiligabend brechend voll. Alle waren gekommen so wie es die Tradtion seit Jahren, ja seit Jahrzehnten verlangte.
Oma Heide nahm die Decke vom Tisch, die sie über die Geschenke auf den Tisch gelegt hatte.
Oma Heide schenkte Peter dicke Socken, selbstgestrickt. Peter liebte diese Socken, und er trug sie noch Jahre, nachdem Oma Heide längst gestorben war.
Peter saß auf der gelben Couch, direkt an der Wand. Neben ihm hatte Opa Wolf auf einem Stuhl Platz genommen.
Wolf trug die Marinehose, die ihm Peter vor einigen Jahren geschenkt hatte, und die er von da an zu jedem Anlass anzog, der feierlich genug war.
Opa Wolf schien abwesend. Er schmunzelte vor sich hin und genoss die Atmosphäre, ohne sich zu Wort zu melden. Laura kroch gerade unter den Tisch und Peter ermahnte sie, nicht so doll zu toben.
„Ach nun lass sie doch“, sagte Oma Heide.
„Du weißt doch, wie schnell es damit vorbei ist.“
Peter gab ihr im Stillen recht, aber er wollte nach aussen wenigstens gespielte Härte zeigen, sozusagen als Zeichen dafür, dass Klara und er sich schon um die Erziehung von Laura kümmerten, woran aber ohnehin keiner zweifelte.
Also schmiss Klara ihm einen Blick zu, der da heißen sollte: ‚Spiel dich nicht so auf.“
„Peter, kannst du nicht ein bisschen singen?“, fragte Oma Heide ihn.
Wilhelm Sturm, Peters Schwiegervater, schaute grimmig zu ihm herüber.
Es passte ihm nicht, dass Oma Heide ihn so lobte.
Aber Oma Heide mochte sich nicht davon nicht abhalten lassen, ihm zu sagen, dass er wie Prinz Andrew aussah.
Sie kam darauf, weil sie ihn im Alltag in der Uniform eines Marineoffiziers sah und da käme er ja dem Prinzen vom Aussehen sehr nahe.
Peter belustigte das eher. Er kannte Prinz Andrew damals nicht. Aber die Royals wurden ihm irgendwie sympathischer.
„Oma Heide, ich kann singen, doch ich fürchte, dass wir dann bald hier alleine sitzen“, sagte Peter.
„Ja, das lass mal lieber sein“, dröhnte es von der anderen Seite. Es sollte wohl humorvoll von Wilhelm rüberkommen, aber es klang in seinen Ohren eher höhnisch.
„Na, wenn du aufstehst, dann würde ich ja glatt anfangen zu singen“, erwiderte Peter und bekam sofort einen Stoß in die Seite.
Neben ihm saß Klara und die hatte ihn gebeten, keinen Streit mit seinem Schwiegervater anzufangen.
„Wie kommst du überhaupt darauf, dass ich es bin, der laufend irgendetwas sagt?“, fragte Peter sie, während sie noch zu Hause waren.
Klara kannte ihren Vater, aber sie brachte es nicht fertig, sich auf die Seite von Peter zu stellen, egal was Wilhelm seinem Schwiegersohn an den Kopf warf.
„Hast du mitbekommen, was dein Vater zu mir gesagt hat?“, fragte Peter sie dann hinterher und Klara schwieg beharrlich, verweigerte ihm darauf eine Antwort.
Später, wenn sie alle etwas getrunken hatten, dann wurde die Runde lockerer und Wilhelm und Peter verstanden sich prächtig miteinander.
Die Geschenke waren ausgepackt. Laura war mit ihren fünf Jahren im Schlafzimmer von Oma Heide und Opa Wolf und kroch dort auf dem Fußboden umher.
Der Tisch war inzwischen von den Geschenken befreit und Oma Heide begann damit, Tassen und Kuchenteller aufzudecken.
In die Mitte kam ein großer Teller, auf dem ein gedeckter Apfelkuchen lag, der bereits in kleinere Stücke zerteilt war.
Peter mochte diesen Kuchen, obwohl er für ihn irgendwie doch ein Teufelswerk war, weil er zu gut schmeckte, und er sich beim Essen nicht bremsen konnte.
„Es reicht ja wohl, denn du hast dritte Stück in den Mund genommen, raunte ihm Klara von der Seite zu.
„Ich hab‘ nur ein Stück im Mund. Die anderen beiden habe ich längst runtergeschluckt“, antwortete Peter leise und leicht wütend.
Klara hatte ihn erwischt und das passte ihm gar nicht.
Der Abend mit viel Alkohol zu Ende. Die Frauen nippten an ihren Sektgläsern, während die Männer in vollen Zügen Bier tranken oder wie Peter Wein.
Die Wangen von Oma Heide glühten vor Aufregung und Erschöpfung zugleich.
Peter unterhielt sich lautstark mit Wilhelm, sodass Klara neben ihm nicht verstand, was ihr ihre Tante von der anderen Seite zurief.
„Oma Heide, wir kriegen drei Tausend DM von der Steuer wieder“, sagte Peter.
Klara rammte ihm erneut den Arm in die Seite und Peter war gebremst, bevor er noch mehr ausplauderte.
„‘Nöö‘“, staunte Oma Heide und Peter lehnte sich stolz zurück.
„Musste das sein?“, flüsterte ihm Klara zu.
„Nein, aber es macht Spaß das Gesicht von deinem Vater zu sehen.“
„Du bist nicht besser und ein Angeber noch dazu“, sagte Klara.
Peter verstummte, er wusste, dass Klara recht hatte, wieder einmal.
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WAS BISHER WAR: Peter hatte Anna angerufen: „Hallo Anna, wie geht es dir?“, raspelte Peter mit leicht singender Stimme, so dass Klara die Augen verdrehte. „Ach, mir geht es gut“, sagte Anna, nachdem es eine Weile am Telefon still gewesen war. Anna riss sich zusammen, sie konzentrierte sich mehr auf das, was Peter sagte oder sie fragte. Nachdem er eine Weile mit Anna über Belangloses gesprochen hatte, sagte er, bevor er den Hörer auflegte: „Bei uns hat es geschneit…Auf den Dächern liegt Schnee und die Hecke im Garten sieht auch weiss aus.“ Anna hörte sich das an, aber sie antwortete nicht.
Obwohl Peter wusste, dass Anna nur noch in bestimmten Momenten geistig hellwach war und merkte, wo sie war, machte es ihn traurig.
Es war vom Verstand her zu begreifen, dass es jeden Tag ein Stückchen schlechter wurde mit der Erinnerung, aber im Herzen wollte Peter es nicht wahrhaben.
Er mochte Anna immer sehr, und mag sie auch heute noch.
Klara frass die Dinge in sich hinein, aber Peter musste darüber sprechen.
„Weißt du noch, wie deine Mutter früher vor Weihnachten zugesehen hat, dass alles im Haus war?“, fragte Peter sie beim Frühstück.
Klara nickte.
„Papa hat ja so viel besorgt – Schinken, Lachs, Apfelsinen, Mandarinen, Gurken, geräucherte Gänsebrust, alles, was es nicht so im Laden gab. Und er hat auch noch Aal geräuchert, in seinem Garten, erinnerst du dich?“
Peter nickte jetzt ebenfalls.
Das alles gab es am 1. Weihnachtsfeiertag. Doch einen Tag zuvor, da gingen sie alle zu Oma Heide in die kleine Wohnung, am Hafen von Stralsund.
Peter dachte nun daran, wie es gewesen war, wenn sie Heiligabend nach dem Essen zu Klaras Oma gingen.
Wilhelm, Klaras Vater mochte es nicht, an diesem Tag aus dem Haus zu gehen.
Er war schon als Kind durch die Stadt gezogen, mit Koffern und Säcken, um die Verwandten zu besuchen und Geschenke zu verteilen, aber auch in Empfang zu nehmen.
Deshalb wollte Wilhelm nicht mehr Heiligabend losziehen, denn er hatte aus dieser Zeit eine Abneigung dagegen entwickelt.
Peter aber, der liebte es, abends durch die Stadt zu gehen, denn er kannte diese Tradition von Zuhause her nicht.
Seine Oma war manchmal mutterseelenallein in Schwerin und die Familie aber in Dresden.
Heiligabend, da erinnerte sich Peter besonders gern an Stralsund. An die engen Gassen, das Steintor, auf dem Schnee lag.
Wenn die Dunkelheit anbrach und der Schnee unter den Füssen knirschte, dann fühlte es sich wirklich heimatlich an.
Ein Gefühl, dass Peter nie so hatte, wenn er in Berlin wohnte, oder in Brandenburg.
Sicher, inzwischen war das Dorf auch zu seiner Heimat geworden.
Aber Heiligabend, das war etwas Besonderes, da kamen die Erinnerungen hoch und darüber wollte Peter mit Anna sprechen.
‚Buddel mit dem Baggerhuhn‘ Baggerhuhn Anette Kuhn – Krümel liebt dieses Buch: „Mein kleiner Fahrzeugspass: Buddeln mit dem Baggerhuhn: Lustiges Reimebuch mit Klappen in Autoform – ab 18 Monaten. Pappbilderbuch Wenn sie bei uns zu Besuch ist, dann muss ich es ihr vorlesen. Sie liegt dann in meinen Armen und bevor ich die dicke Pappseite umblättern darf, klaubt sie noch das kleine Fenster in der Mitte der Seite auf. Auf ‚ansehen‘ klicken und zum Buch von Katharina Wieker gelangen.
„Denkst du manchmal daran, wie wir uns immer alle bei Oma Heide und Opa Wolf getroffen haben?“
„Ja, und wie Papa schon Tage vorher schlechte Laune hatte, weil er Weihnachten nicht aus dem Haus gehen wollte.“
Es war, als hätten sich Klara und Peter gleichzeitig daran erinnert.
„Stimmt“, bestätigte Peter.
„Dabei fand ich es immer schön, wenn wir alle in der kleinen Stube sassen.“
Peter versank in Gedanken.
Er sah die Wohnung vor sich, wie sie in den engen Flur kamen und durchgingen, bis sie in der Wohnstube waren, in der meistens schon alle Verwandten aus Klaras sassen.
Peters Familie war ja in Dresden. Aber er vermisste sie nicht. Er war lieber in Stralsund.
Am Fenster stand ein Tisch, auf dem ein grosses Tuch lag, das über den Geschenken ausgebreitet war.
Wenn alle sassen, dann nahm Oma Heide die Decke vom Tisch und die Geschenke kamen zum Vorschein.
Es war der schönste Moment für Oma Heide, wenn sie jedem der Anwesenden ein kleines Paket in die Hand drückte.
„Das ist für dich, Peter“, sagte Oma Heide.
Peter knotete die Schleife auf und zog das Geschenkpapier vom eigentlichen Geschenk ab.
Zum Vorschein kamen Socken, die Oma Heide selbst gestrickt hatte, und die Peter besonders liebte.
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VON DER TECHNISCHEN ASSISTENTIN ZUR LEITERIN EINER SENIORENWOHNGEMEINSCHAFT
„Ich bin nicht alt, nur schon sehr lange jung“
(Alexandra Reinwarth)
Du bist so alt, wie du dich fühlst
„Lebenskunst macht Glück: Wie Sie gelassen und voller Energie wirksam werden“ (Stefan Reutter) Botschaft des Buches: Mit stressigen Situationen gelassener umgehen
FÜR MEHR LEBENSQUALITÄT – TROTZ MUSKELERKRANKUNG PFLEGEDIENST GEGRÜNDET
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Es ist an einem Tag, mitten in der Woche, und es ist arschkalt. Ich steige ins Auto.
Ich will zu einer Trauerfeier, eine Rede halten. Als ich den Schlüssel umdrehe und den Motor anlasse, erscheint im Display sofort das Symbol für Glatteis.
Ich fasse das Lenkrad an und ich denke für einen Augenblick, dass ich mit den Händen daran kleben bleibe.
Innerlich bin ich angespannt. Es wird eine grosse Rede werden. Die Familie ist sehr gross und weitverzweigt.
Ich habe tagelang am Text gefeilt. Schliesslich habe ich noch eine Excel-Tabelle angefertigt, um bei den Namen durchzusehen. Es ist wichtig, dass die Details stimmen.
Das ist meine Art, meine Wertschätzung gegenüber der Familie auszudrücken. Trauer ist für die Angehörigen eine andere Form der Liebe, die fortgeführt wird, nur dass sie nun noch von viel Schmerz begleitet wird.
Über das Leben von Wolfgang Kohlhaase: "Um die Ecke in die Welt: Über Filme und Freunde"
Wenn ich mit den Hinterbliebenen ins Gespräch gekommen bin, dann offenbaren sie mir viele Details, und es ist, als würden sie die Geschichte ihrer Familie erzählen.
Sie merken, dass ich interessiert zuhöre. Ich bekomme das Gefühl, dass sie nun ihren Schmerz ein wenig kanalisieren können, und er dadurch für einen Moment vielleicht in den Hintergrund gerät.
„Die Rede ist das eine, aber Sie sollten viel über Ihren Vater sprechen, sich an die kleinen, die lustigen Episoden erinnern“, habe ich der Familie gesagt.
Mir wird in solchen Augenblicken selbst klar, dass es nie die grossen Dinge sind, die letztlich eine Familie ausmachen, sondern die kleinen Erinnerungen.
Die Erinnerungen an einen geliebten Menschen mitteilen zu können, zu merken, dass ein anderer sich dafür auch interessiert, das mag wenig sein – für den schwierigen Moment der Trauer ist es aber viel, und zwar für alle am Gespräch Beteiligten.
Ich muss los und steuere in Richtung der Trauerfeier. Ich bin angespannt und beseelt von dem Gedanken, es gut hinzubekommen, den Angehörigen einen würdigen Abschied für den Verstorbenen zu bereiten.
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ANNA IST DEMENT – PETER ERINNERT SICH (6)
WAS BISHER WAR: Peter war Sonntagmorgen aufgewacht, wollte aufstehen und war dann doch liegengeblieben. Aber er war nicht mehr so richtig müde und so träumte er von einer Wagenburg, in der glaubte, leben zu wollen. Nach dem Frühstück setzte er sich in den Sessel an der Ecke des Wohnzimmerfensters und wollte mit Anna telefonieren. Aber Klara war schneller gewesen und sprach bereits mit Anna. Schließlich reichte sie ihm den Hörer.
„Hallo Anna, wie geht es dir?“, raspelte Peter mit leicht singender Stimme, so dass Klara die Augen verdrehte.
Gerade hatte er noch gedacht, dass man so eine offene Frage Anna nicht stellen sollte, aber nun hatte er das im Eifer des Telefonats vergessen.
„Ach, mir geht es gut“, sagte Anna, nachdem es eine Weile am Telefon still gewesen war.
Anna riss sich bei Peter mehr zusammen, sie konzentrierte sich mehr auf das, was Peter sagte oder sie fragte.
„Bei dir versucht Anna das alles zu vertuschen, was sie an Gebrechlichkeiten mit sich herumschleppt“, sagte Anna dann und
Peter kam es vor, als würde sie darüber leicht verschnupft sein.
„Das ist mein natürlicher Charme, der Anna motiviert“, sagte Peter dann.
„Na dann kannst du ja mit deinem natürlichen Charme in die Apotheke gehen und Wegwerfwindeln kaufen?“, sagte Klara.
„Wieso, ist da Krümel nicht aus dem Alter raus?“, fragte Peter verduzt.
„Ich meine die Einlagen gegen Inkontinenz für deine Schwiegermutter“, sagte Klara in solchen Momenten spitz.
„Achso“, entgegnete Peter.
„Ne, das mach‘ du mal, da kenn‘ ich mich nicht aus“, wehrte Peter dann ab.
„Ja klar, wie sollst du dich auch auskennen, wenn du alles mir überläßt.“
Klara war dann schon mal genervt über Peters Art, die Dinge gar nicht an sich heranzulassen.
„Was du machst du eigentlich?“, fragte Anna ihn nun und riß Peter aus seinen Gedanken.
‚Donnerwetter, sie interessiert sich für meine Arbeit‘, dachte er.
Sollte er ihr davon erzählen, dass er nun Reden hielt, auf Trauerfeiern?
Peter hatte Angst, dass sie das verstörte, wenn er das sagte.
„Ich schreibe noch viel und führe Interviews“, sagte er stattdessen.
Anna antwortete nicht.
„Hat es bei euch geschneit?“, fragte er nun, um zu einem anderen Gesprächsthema mit ihr zu kommen.
„Woher soll ich das wissen?“
„Ja siehst du denn nicht nach draussen?“
Peter verstand nicht, dass sie so gar nicht wusste, wie es draussen aussah.
„Bei uns hat es geschneit“, sagte Peter weiter. Auf den Dächern liegt Schnee und die Hecke im Garten sieht auch weiss aus.“
Anna hörte sich das an, aber sie antwortete nicht.
„Naja, jetzt gibt es bald Mittag“, versuchte Peter das Gespräch wieder in Gang zu bekommen.
„Wir haben schon gegessen.“
„Jetzt schon?“, wunderte er sich.
„Warum nicht?“, sagte Anna und man merkte eine leichte Gereiztheit in ihrer Stimme.
„Anna, es ist jetzt 10.58 Uhr und noch keine Mittagszeit“, ertönte eine energische Stimme. Es war die diensthabende Pflegemitarbeiterin.
„Wo sitzt du eigentlich?“, fragte Peter sie.
Normalerweise sassen viele Bewohner in der Küche. Sie blieben nach dem Frühstück einfach sitzen.
„Wir sind hier im Schlafzimmer“, sagte Anna, während Peter im Hintergrund ein Messer krachend auf ein Holzbrett rhythmisch niedersausen, so als würde jemand Petersilie hacken.
Anna wohnte so herrlich. Sie hatte einen fantastischen Blick auf den Stralsunder Bodden.
Und alle Pflegebedürftigen wohnten in gemütlich eingerichteten Zimmern.
Aber was nützte das, wenn man es nicht wirklich mehr wahrnehmen konnte?
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Wenn Krümel bei uns übernachtet und wir morgens gemeinsam frühstücken, dann geht es hoch her. Oder anders gesagt, es ist nicht so still, wie sonst.
Krümel eilt morgens schon die Treppen zur Küche runter und ruft: „Oma, ich bin schon unten. Kommst du auch?“
Klara muss ihr dann ziemlich schnell erst einmal ein kleines Brötchen geben.
Sowie der Kaffee fertig ist, da stürmt sie wieder die Treppe zu mir hoch, ins Arbeitszimmer und ruft: „Opa, du musst kommen, das Frühstück ist fertig.“
„Ich komme gleich“, sage ich dann.
„Nein, sofort Opa!“, erwidert Krümel und wartet solange, bis ich vom Schreibtisch aufstehe und mit ihr runtergehe.
Unten angekommen nehmen wir Platz und Krümel wartet, bis ich den Kaffee eingegossen habe. Sie macht dann die Milch rein und fängt wild an, den Löffel in der Tasse herumzurühren. Meist geht etwas daneben, auf den Kaffeeteller.
Mich nervt das eigentlich.
„Komisch, dass du bei Krümel nichts sagst“, meint Klara in solchen Momenten zu mir.
„Oma, wir haben beide einen roten Eierlöffel“, sagte Krümel kürzlich begeistert.
„Und Oma, wir sind deshalb Freundinnen, jaha.“
„Aber Opa, es tut mir leid, du hast nur einen gelben Löffel.“
Ja, dann bin ich natürlich raus.
Aber ganz zum Schluss, da komme ich wieder ins Spiel.
Dann nämlich, wenn sie bei mir raufkrabbelt und sagt: „Opa, erzähl‘ mir von der Scheune.“
Ich sitze am Sonntagmorgen am Schreibtisch, neben mir steht ein kleiner Tannenbaum, der leuchtet und etwas vorweihnachtliche Stimmung verbreitet.
Es ist noch nicht so richtig hell geworden, obwohl es bereits nach zehn Uhr morgens ist. Auf den Dächern der gegenüberliegenden Häuser liegt Schnee und ich bin froh, dass ich hier drinnen sein kann.
Wie wird es mir wohl einen Tag weiter ergehen, am Montag?
Werde ich da auch so gut gelaunt sein, obwohl es draußen ziemlich düster aussieht?
Ich lege mir schon heute etwas zurecht, warum ich am Wochenanfang motiviert sein werde.
Mir hilft das Schreiben dabei, auch wenn es anstrengend ist, laufend etwas in die Tasten zu hauen. Aber wenn du ‚schwarz auf weiß‘ machen kannst, wie es mal Maupassant gesagt hat, dann sieht die Welt schon weniger fürchterlich aus, selbst am Montag.
Ich muss beim Schreiben genauer darüber nachdenken, was mir an dem Tag alles gefallen wird.
Klar, mir fällt sofort ein, was alles nicht gut ist, und was mir auf die Nerven gehen wird.
Denke ich morgen nach dem Aufstehen darüber nach, so fällt mir gleich ein: „Das wird ein Scheißtag, ich habe keine Lust!“
Oder: Klara will am Montag mit mir in zwei Möbelhäuser fahren, obwohl ich am Dienstag ein Vorgespräch habe, auf das ich mich vorbereiten muss.
Also sitze ich heute und habe bereits schlechte Laune, weil ich noch fertig werden muss, mit meinen Vorbereitungen für das Gespräch, denn Morgen geht es ja nicht – da ist Möbel anschauen gefragt.
Doch am Montag kann ich mich wieder freuen, weil ich ja bereits gestern, so werde ich einen Tag weiterdenken, bereits das Vorgespräch strukturiert habe.
Das ist Dialektik. Gut, dass ich darin so gründlich ausgebildet bin.
Dem Alltag mehr positive Energie abringen - darüber schreibt der Autor Max Krone in seinem Buch 'Positive Psychologie für ein glückliches Leben'
Aber die blöde Dialektik, denn gleich fällt mir wieder ein, warum ich viel zu viel Bücher in meinem Leben gelesen habe und weniger irgendetwas gemacht habe, womit man auch Geld verdienen kann.
Nach der Wende, da dachte ich, ich gebe den ganzen kapitalistischen Kram mit dem Verkauf von Immobilien auf und widme mich nur noch dem Schreiben.
Ja, und was ist dabei herausgekommen? Ich bin fast Pleite gegangen und muss heute noch als Rentner arbeiten.
Aber der Dialektik sei Dank, ich tue das, was ich jetzt mache, nämlich Reden auf Trauerfeiern halten, unheimlich gern.
Es bringt meine ganzen Fähigkeiten in einem Punkt zusammen – ich verdiene Geld, ein bisschen wenigstens, ich berühre Menschen, spende ihnen Trost, ich kann meine rhetorischen Talente ausreizen und Anerkennung bekomme ich auch noch.
Also ist es wirklich gut, die Dinge von zwei Seiten zu betrachten.
Bei einer dieser Seiten ist zwar stets etwas dabei, was ich nicht so gut finde, dafür aber ist die andere wiederum hervorragend. Auf jeden Fall tue ich dann alles, dass wenigstens die eine Seite heller erstrahlt, als die andere.
Gut, dass ich in Dialektik geschult bin.
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ICH SUCHE BÜCHER, DIE ICH MIT IN DEN URLAUB NEHMEN KANN:
‚DEUTSCH FÜR PROFIS‘- IST EIN KLASSE BUCH, WENN ES UM DAS SCHREIBEN GEHT – DAS BLEIBT AUF DEM SCHREIBTISCH LIEGEN.
Wolf Schneider: „Deutsch für Profis“ Für mich ist der Autor ein Vorbild in Sachen ‚Deutsch‘. Schade, dass es ihn nicht mehr gibt. Sein Buch aber, das werde ich weiter in meiner Arbeit nutzen.BETTINA TIETJENS BUCH - BLEIBT AUCH DA - IST ABER INTERESSANT, WENN MAN SICH IN DEN ALLTAG VON DEMENZKRANKEN HINEINDENKEN WILL, UM DARAN NICHT ZU ZERBRECHEN
BETTINA TIETJEN: ‚Unter Tränen gelacht: Mein Vater, die Demenz und ich‘SCHREIBEN, DAS HELFEN SOLL, GESUND ZU BLEIBEN - NEHME ICH MIT IN DEN URLAUB
Prof. Dr. med. Silke Heimes hat ein Programm entwickelt, indem es um das Schreiben geht, darum, dass man sich gesund schreibt: „ich schreibe mich gesund – Mit dem 12-Wochen-Programm zu Gesundheit und Ausgeglichenheit“![]()
DIESES BUCH KOMMT AUF JEDEN FALL NIMMT, DENN KRÜMEL FÄHRT JA MIT IN DEN URLAUB.
Buchempfehlung: Baggerhuhn Anette Kuhn – Krümel liebt dieses Buch. Wenn sie bei uns zu Besuch ist, dann muss ich es ihr vorlesen. Sie liegt dann in meinen Armen und bevor ich die dicke Pappseite umblättern darf, kriegt sie noch das kleine Fenster in der Mitte der Seite auf. Auf ‚Ansehen‘ klicken zum Buch von Katharina Wieker gelangen: „Mein kleiner Fahrzeugspass: Buddeln mit dem Baggerhuhn: Lustiges Reimebuch mit Klappen in Autoform – ab 18 Monaten. Pappbilderbuch
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Ich denke an die vergangene Woche zurück, suche nach starken, aufmunternden Momenten.
Ich habe eine große Rede vor über 100 Leuten auf einer Trauerfeier gehalten. Viele haben sich danach bei mir bedankt.
Am Samstag kam ein Brief von einem Mann, für dessen Frau ich zwei Wochen zuvor eine Rede gehalten habe. Er schreibt mir, wie dankbar er war, dass ich das Leben seiner Frau so gewürdigt habe.
„Ich wünsche Ihnen weiterhin die Gabe, menschliche Lebensleistungen so zu würdigen“, stand in dem Brief.
Das ist mir fast mehr Wert, als der monetäre Lohn, den ich dafür erhalten habe.
Ich denke daran zurück, wie wir am Samstag mit Krümel auf dem Weihnachtsmarkt in Basdorf waren.
Sie ist mit den Karussels gefahren, hat einen Luftballon bekommen, der wie ein Pferdchen aussieht. Krümel ist glücklich, ich bin es auch.
Am Donnerstag muss eine weitere Rede fertigsein. Ich will sie noch mit der Familie abstimmen, damit die Details stimmen.
Jeden Tag Nordic Walking – das pusht mich sehr.
Los geht’s, in die neue Woche.
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ALLTÄGLICHES-26.11.2022
RÜCKBLICKE – ANNA VERGISST DIE NAMEN IHRER ENGSTEN FREUNDINNEN
'Unnützes Wissen Kalender 2023. Der beliebte, aber überflüssige Abreißkalender: Skurrile Fakten, die kein Mensch braucht.'
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EINEN SATZ NACH DEM ANDEREN SAGEN
Sonntagabend.
Klara hatte noch einmal bei Anna angerufen. Sie wollte nicht, dass ihre Mutter nun vielleicht durcheinander war, weil Laura ihr am Telefon nicht richtig erklärt hatte, dass sie unverhofft aus Berlin zu Besuch gekommen war.
Es war für keinen leicht, mit der Demenz von Anna umzugehen. Nicht für Klara, für Peter nicht und auch nicht für Laura.
BETTINA TIETJEN: ‚Unter Tränen gelacht: Mein Vater, die Demenz und ich‘
„Du musst mit Oma gehirngerecht kommunizieren.“
„Papa, was ist das für ein Quatsch?“, protestierte Laura.
„Ja, wahrscheinlich hast du Recht. Was ich damit sagen will: Oma kann nicht mehrere Informationen gleichzeitig verarbeiten. Das verwirrt sie.“
„Was meinst du?“, fragte Laura.
„Nun, du gehst an unser Telefon. Für Oma müsste jetzt Mama am Hörer sein. Stattdessen hört sie deine Stimme. Für sie wohnst du in Berlin und bist jetzt auch in Berlin.
Wir wiederum sind für sie da, wohin sie jetzt auch anruft, im Dorf in der Nähe von Berlin. Also solltest du erst einmal sagen, dass du bei uns spontan zu Besuch bist, in Brandenburg.“
„Spontan zu Besuch?“, fragte Laura dazwischen.
„Das versteht sie doch erst recht nicht.“
„Aber stell dir vor, du würdest die Informationen per Rohrpost versenden – ein Satz folgt auf den anderen, und sie gehen alle in die gleiche Richtung.
Da kannst du ja auch nicht mit dem letzten Satz anfangen, sondern du schiebst den ersten Satz zuerst durch.“
„Na gut Papa, das ist mir zu blöd.“ Peter schwieg. Laura lag vermutlich richtig.
Er war eben auch nicht trainiert auf die Kommunikation mit demenzkranken Menschen.
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Wolf Schneider starb vor wenigen Tagen.
Ich kannte ihn nicht persönlich, dafür umso mehr sein 1982 erschienenes Buch „Deutsch für Profis.“
Ich habe selten so etwas Profundes darüber gelesen, wie man als Journalist, Autor, Texter Sätze formulieren sollte, nämlich: kurz und prägnant.
Wer irgendwie mit Sprache zu tun hat, in Wort oder Schrift, der sollte dieses Buch kennen.
Es ist unterhaltsam geschrieben. Aber auch anstrengend, weil du dich wirklich beim Lesen anstrengen musst.
Wolf Schneider: „Deutsch für Profis“ Für mich ist der Autor ein Vorbild in Sachen ‚Deutsch‘. Schade, dass es ihn nicht mehr gibt. Sein Buch aber, das werde ich weiter in meiner Arbeit nutzen.
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