SO HABE ICH NEB-MITARBEITER*INNEN ERLEBT – HILFSBEREIT, HERZLICH

Ich schreibe seit geraumer Zeit auf diesem Blog über den Alltag, die Menschen im Alltag, ihre Träume, Sehnsüchte, Konflikte und Erlebnisse, und ich werde oft gefragt, warum ich mich ausgerechnet solchen banalen Erzählungen widme.

Der Reiz einer Geschichte liegt für mich im Alltag, weil wir hier die überwiegende Zeit unseres Lebens verbringen, hier die auf den ersten Blick unscheinbaren, und deshalb scheinbar nicht erwähnenswerten Dinge stattfinden.

Beschäftigst du dich aber mit diesem Banalen, dann siehst du, mit welcher stillen Herzlichkeit Menschen handeln, sie oft nicht darüber reden, gar nicht auf diesen Gedanken kämen, sondern einfach ihrer Arbeit nachgehen.

Was wären wir ohne unsere Hilfsbereitschaft, ohne unsere Ehrlichkeit und ohne unser Mitgefühl für andere?
Ich berichte seit Jahren darüber, wie aufopferungsvoll sich Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen um pflege- und hilfsbedürftige Menschen kümmern.

Die meisten von ihnen machen darum keine großen Worte.
Ein weiterer Grund für mich, es an ihrer Stelle, für sie zu tun.
Dieses Mal erzähle ich von einer Begebenheit, die ich kürzlich selbst erlebt habe.
Der Kern der Geschichte ist schnell erzählt:
Ein Mitarbeiter der Niederbarnimer Eisenbahn findet die Tasche meiner Frau. Sie hat sie auf dem Weg zur Arbeit im Zug liegengelassen, mit einem wichtigen Notizbuch und Geschäftspost von mir.
Der Mitarbeiter meldete sich bei uns und gab später die Tasche in der NEB-Stelle in Basdorf ab.
Normal? Ja, sagen die meisten.
Banal? Auf den ersten Blick, oberflächlich betrachtet.
Aber wenn du näher hinschaust, dann erkennst du hier einen Menschen, der hilfsbereit und ehrlich gehandelt hat.
Das ist Service, den man voraussetzen kann, würde manch einer an dieser Stelle sagen.
So einfach sind die Dinge aber nicht. Nichts ist einfach im Leben, in der Arbeit. Nur, wenn du Menschen hast, die gewillt sind, anderen zu helfen, die ihnen im Alltag etwas Gutes tun wollen, für sie da sein möchten, einfach so, ohne große Worte, fast unbemerkt – ja dann kriegt der oftmals zur Worthülse verkommene Begriff ‚Service‘ einen tieferen Sinn, eine ethische Komponente.
Das ist meine Geschichte.

Mittwochfrüh, 5.00 Uhr.
Ich brachte meine Frau K. zum Bahnhof, wie jeden Tag eben.
K. hatte meist zwei Taschen bei sich, von denen sie eine stets umgehängt trug.

Und dorthinein steckte sie ihr Frühstück, ihre persönlichen Utensilien, wie zum Beispiel den roten kleinen Kalender mit persönlichen Notizen und wichtigen Telefonnummern.

K. hatte auch noch einen geschäftlichen Brief von mir in diese Tasche gepackt. Ich hatte sie gebeten, ihn mit Rückschein nachmittags bei der Post aufgeben.

Wir unterhielten uns noch einen Augenblick und dann stieg K. aus, um ihren Zug zu erreichen.

„Vergiss deine Tasche nicht“, sagte ich zu ihr, als sie die Autotür auf ihrer Seite schließen wollte.

„Ja“, sagte sie. Ihre Stimme klang genervt und gequält.
Sie beugte sich nach vorn und nahm den Beutel an sich.
„Ich mein‘ ja nur“, sagte ich zu ihr, um nicht den ‚Oberlehrer‘ herauszukehren.

Schließlich vergaß ich ja selbst oft genug etwas. Kleine Dinge, die ich danach schmerzlich vermisste.

Ich fuhr zurück und setzte mich wenig später an meinen Schreibtisch, um meinen Tagesaufgaben nachzugehen.

Gegen 06.00 Uhr klingelte das Telefon. Eine Handynummer. Ich stutzte und überlegte, ob ich rangehen sollte.

Zu oft wurde ich in der Arbeit unterbrochen und hatte es mit Werbeanrufen zu tun. Aber gegen sechs Uhr ein Werbeanruf? Wohl kaum. Also nahm ich den Hörer ab.

„Hier ist die Niederbarnimer Eisenbahn, mein Name ist P.“, erklang eine ruhige und freundliche Stimme am Telefon.
„Ihre Frau hat ihre Tasche bei uns im Zug liegenlassen“, sagte er weiter.

„Oh, das ist aber sehr nett, dass Sie die Tasche mitgenommen haben und sich gleich melden“, antwortete ich und freute mich, dass der Mitarbeiter gleich bei mir angerufen hatte.

„Ich kann Ihre Frau nicht erreichen“, setzte Herr P. nach.
„Das kriegen wir hin. Ich werde sie anrufen und sie bitten, dass sie sich bei Ihnen meldet“, antwortete ich.

Herr P. gab mir noch die Telefonnummer vom Kundendienst durch, ich bedankte mich und legte auf.

Erst jetzt bekam ich einen richtigen Schreck.
Ich wollte natürlich nicht, dass persönliche Notizen und Briefe von uns verloren gingen.

„Du hast die Tasche vergessen“, sagte ich K., als ich sie anrief.
„Was hab‘ ich?“, fragte K. mich.
„Du ‚haaast‘ deine Tasche vergessen!“

Die Verbindung war schlecht, K. saß gerade in der S-Bahn.
‚Das kann nicht wahr sein, sie vermisst noch nicht mal ihre Tasche‘, dachte ich.

„Ruf‘ mich bitte vom Festnetz an, wenn du auf Arbeit bist“, versuchte ich ihr mit deutlicher Stimme zu sagen.

„Ja, mach‘ ich“, sagte sie und beendete das Gespräch.
Eine halbe Stunde später rief K. wieder an, diesmal von ihrer Arbeit.

„Hast du gar nicht mitbekommen, dass du nicht mehr zwei Taschen bei dir hast“, fragte ich sie vorwurfsvoll und ärgerte mich gleich über meinen belehrenden Ton.

„Ach Gott, das fehlt mir noch“, rief sie.
„Na mir auch“, konnte ich mir nicht verkneifen.

„Und was nun, wo ist die Tasche jetzt?“
„Gute Frage“, erwiderte ich trocken. Ich wollte sie wenigstens für einen Augenblick zappeln lassen.

„Sag‘ schon“, meinte K.
„Keine Sorge, ich hatte einen Anruf von Herrn P. von der NEB, der hat deine Tasche gesichert und du kannst sie abholen, wenn du heute Abend ankommst“, sagte ich.
K. atmete hörbar auf.

Wir legten die Hörer auf und K. rief danach sofort Herrn P. zurück.
Nachmittags erhielt ich einmal einen Anruf aus der Zweigstelle der NEB in Basdorf.

„Ich wollte Sie nur informieren, dass die Tasche Ihrer Frau hier bei uns angekommen ist“, sagte eine freundliche Mitarbeiterin.
„Wenn Sie einverstanden sind, dann kann ich auch die Tasche abholen“, bot ich ihr an.

Sie war einverstanden. Ich setzte mich ins Auto und fuhr zum Bahnhof in Basdorf.
‚Wie schön doch jetzt das Gebäude aussieht, in dem früher eine Gaststätte war‘, dachte ich bei mir.

Ich klingelte zunächst an dem neuen Gebäude.
Dort meldete sich aber keiner, ich musste eine Tür weitergehen, so wie die Mitarbeiterin es mir gesagt hatte. Aber sie konnte nicht wissen, dass ich mich grundsätzlich im Eingang vertat.

An der richtigen Tür angekommen, öffnete die Mitarbeiterin die Tür und schaute mich an.
„Wir hatten gerade telefoniert und sie sagten, ich könnte die Tasche abholen“, meinte ich zu ihr.
„Ja gern, bitte hier ist sie“, sagte die Mitarbeiterin und übergab mir den Beutel.
„Herzlichen Dank“, antwortete ich.

Wieder zuhause angekommen, sah ich nach, ob alles noch in der Tasche war. Es war alles da. Ich fischte noch ein Brötchen heraus und ließ es mir schmecken.
Abends, als K. von der Arbeit zurück war, sagte ich zu ihr: „Du, Strafe muss sein. Ich habe dein Frühstücksbrötchen aufgegessen.“

„Ich denke, du machst Intervallfasten?“, antwortete sie.
„Ja, aber jetzt ist das Intervall, wo ich was essen kann“, legte ich einfach fest.

„Na dann hättest du auch das zweite Brötchen essen können, was in der Tasche außerdem ist“, sagte K. zu mir.

„Mist, und ich hatte gerade zu der Zeit so einen Hunger.“
K. lachte und wir waren beide froh, dass die Sache für uns so gut ausgegangen war.

Hatten die Mitarbeiter ‚nur‘ ihren Job gemacht?
Dann wäre es wirklich zu einfach.

Aber es gibt nichts, was einfach ist, im Vorbeigehen geschieht.
Hätte Herr P. nicht auch an der Tasche vorbeigehen können?

Na klar. Später hätte er vielleicht gesagt, dass er nichts gesehen hat, dann wenn sich meine Frau gemeldet hätte.
Aber Herr P. dachte anders, handelte anders. Er wollte helfen.

Danke.

GUTE WORTE UND GUTE GEDANKEN HELFEN – FÜR DEN MOMENT

ANNA IST DEMENT (65)

Anna fröstelte, obwohl es ein warmer Maiabend war. Sie stand auf dem Balkon und konnte so das Treiben im Stralsunder Hafen und auf dem Wasser beobachten.

Es war einer jener Momente, in denen sie alles klar sah, sogar Zusammenhänge gedanklich herstellen konnte.

Sie grübelte. Warum musste Wilhelm nur so früh sterben und sie allein zurücklassen?

Anna fühlte sich einsam, wurde depressiv und fand nichts Schönes mehr an dieser Welt.

An jenem Abend dachte sie an ihre Kinder und es wurde ihr warm ums Herz, so wohlig, dass sie schon weniger fror.

„Ach, es ist schön, dass Lukas mich so oft besucht und fragt, wie es mir geht“, dachte sie.

„Wie gut hatte sich der Junge nur entwickelt, so fleißig und zuverlässig, wie er jetzt war, einfach schön.

Und dann hat er ja noch diese ‚Scheißarbeit‘ mit den vielen Ferienwohnungen in Stralsund und auf Rügen.“

Anna seufzte, als sie im Stillen an ihn dachte.

Ja, Anna hatte Glück gehabt mit ihren Kindern und die auch mit ihrer Mutter.

Das machte es für Klara und Lukas so schwer, die richtigen Worte ihr gegenüber zu finden, und manchmal auch etwas energischer aufzutreten.

Anna fühlte es, dass Klara und Lukas ihr halfen. Nur was sie taten, das vergaß sie regelmäßig.

„Lukas kommt ja so gern zu mir und er mag es, für mich einzukaufen“, erzählte sie Klara kürzlich am Telefon.

Anfangs hatte Klara noch etwas darauf entgegnet, wie schwierig es war, von ihr einen Einkaufszettel zu bekommen.

Es klingelte und Anna ging vom Balkon ins Wohnzimmer.

Klara war am Telefon: „Hallo Mutti, wie geht es dir?“

„Naja, wie soll’s mir schon gehen“, sagte Anna mit einem traurigen Unterton in der Stimme.

„Warst du nicht auf dem Balkon? Es ist doch so schön heute gewesen“, versuchte Klara sie aufzumuntern.

„Ach, es ist war ja so herrlich, ich komme doch gerade vom Balkon. Du glaubst ja nicht, wie schön es hier bei mir ist.“

Klara glaubte es ihr aufs Wort, denn Lukas hatte vor ein paar Tagen Blumen für ihren Balkon besorgt, alles aufgeräumt und die Stühle hingestellt.

„Mutti, was siehst du denn heute von deinem Balkon?“

Anna begann mit Eifer zu erzählen, Klara hatte sie dazu gebracht, dass sie aufstand, während sie erläuterte, wie toll doch alles aussah. Und die Aussicht erst.

Morgen würde wieder Lukas kommen, nach ihr schauen, etwas zu trinken hochholen, den Einkaufszettel durchgehen und abends, da war Klara wieder am Telefon.

 

 

 

 

SCHREIBEN GEHÖRT ZUM LEBEN

ALLTÄGLICHES (48-9)

Schreiben ist nichts Elitäres, nein, es hilft dir im Alltag, dich besser zu fühlen, fokussierter zu werden.

Schreiben ist nicht nur auf eine kleine Gruppe von Menschen beschränkt, die vielleicht damit auch noch ihr Geld verdienen, mal mehr oder meist weniger.

Nein, Schreiben gehört zum Leben, wie das Essen, Trinken oder die Arbeit. Ich beginne oft morgens damit, auf einem Blatt Papier loszuschreiben und komme so in den Tag, weiß danach, wo ich die Schwerpunkte in der Arbeit setzen will.

Außerdem trainiert es mich, lebendiger zu schreiben.
Und: Lebendig zu schreiben, das ist nicht nur was für andere Menschen, zum Beispiel, diejenigen, die den Text gerade lesen.
Es ist vielmehr: Wenn ich schreibe, spreche ich nämlich mit mir selbst.

Man könnte das als Tagebuch ansehen. Ich glaube, dass es wichtig für das eigene Verständnis ist, weil ich ansonsten keine Botschaften aussenden kann, an mich selbst und an andere mir wichtige Menschen.

Im Laufe meines Lebens habe ich erfahren, wie wichtig es ist, sich über seine Gedanken und Gefühle klar zu werden. Und das geht am besten, wenn du die Dinge aufschreibst.

Du kannst am See sitzen, über das Wasser schauen und über deinen Alltag nachdenken. Das ist eine gute Sache.

Willst du aber tatsächlich etwas verändern, so musst du es konkret machen. Das kriegst du aber nur hin, wenn du schreibst, deine Gedanken ordnest, Vereinbarungen mit dir selber triffst.

STELLENANZEIGE – PFLEGEDIENST MARTINA LIPPERT

Wir suchen Pflegefachkräfte - examinierte Krankenschwestern und Krankenpfleger, Altenpflegerinnen und Altenpfleger.
Des Weiteren suchen wir Pflegehelferinnen und Pflegehelfer,
Hauswirtschaftskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Betreuung.

Wir sind ein Unternehmen, das familienfreundlich ausgerichtet ist.
Wir setzen auf Menschen, die Spaß daran haben, anderen Menschen zu helfen, die sich weiterentwickeln wollen und gern in einem Team arbeiten, in dem sie sich selbst verwirklichen können und gleichzeitig Verantwortung übernehmen.

Die Vergütung ist an die Tarife des öffentlichen Dienstes angelehnt.
Wir zahlen leistungsabhängige Zulagen.
Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, sprechen Sie mit uns oder schreiben Sie uns – wir melden uns in jedem Fall bei Ihnen zurück.

Kontakt:
Pflegedienst Lippert GmbH
Martina Lippert
Geschäftsführende Gesellschafterin
Lindenstraße 1a
49808 Lingen
Tel.: 0591 / 80740990
Fax: 0591 / 67674
E-Mail: info@pflegedienst-lingen.de
http://www.pflegedienst-lingen.de

 

 

LEISTUNGEN DES PFLEGEDIENSTES MARTINA LIPPERT

Leistungen:
 - Grund- und medizinische Behandlungspflege,
- Verhinderungspflege,
- Betreuungsleistungen,
- Schulung von Angehörigen im häuslichen Umfeld und Wohnraumberatungen.
Kontakt:
Pflegedienst Lippert GmbH
Martina Lippert
Geschäftsführende Gesellschafterin
Lindenstraße 1a
49808 Lingen
Tel.: 0591 / 80740990
Fax: 0591 / 67674
E-Mail: info@pflegedienst-lingen.de
Web-Site: http://www.pflegedienst-lingen.de

 

WOCHENBILANZ – FASTEN

50 KILO ABNEHMEN (5-28)

Zum Ergebnis: 
Ich habe 1,8 kg geschafft, gemessen von Freitag zu Freitag.
Am 15.05.2020 wog ich 123,7 kg und am 22.05.2020 121,9 kg.

Hätte ich noch mehr schaffen können?
Ja, hätte ich.

Woran lag’s?
Zum einen habe ich nicht immer konsequent die 16:8 Regel eingehalten, also 16 Stunden fasten und 8 Stunden etwas essen.

Und zum anderen habe ich dann, wenn ich essen durfte, zu viel auf einmal in mich hineingestopft – vorsorgen für die Zeit danach.

Insgesamt: Weniger Ausreden, mehr auf die Regeln achten, disziplinierter sein.

‚EMMA NICHT SCHULD, PAULINE SCHULD‘

MAL SCHNELL ERZÄHLT
Krümel war bei ihren Großeltern Klara und Peter auf dem Dorf zu Besuch, zusammen mit ihrer Mama Laura. Der richtige Name von Krümel war Emma Pauline, aber so nannte sie kaum jemand.

Peter sprach Emma Pauline fast ausschließlich mit Krümel an.
Das hatte sich in seinem Kopf festgesetzt, und die anderen Familienmitglieder nannten sie ebenfalls so, bis auf die Ausnahmen, wenn es etwas Ernsteres zu besprechen gab.

Aber so viel gab es mit Krümel nicht zu besprechen, noch nicht. Meistens reichte ein erhobener Finger oder ein ‚oh, oh‘ Emma, das darfst du nicht‘, oder etwa ein strenger Blick, der Emma davon abhielt, den Knopf von der Spülmaschine umzudrehen.

Krümel war mal wieder aus dem Zimmer in die Küche gelaufen, hatte den Stuhl an den Kühlschrank gestellt und versuchte, die Tür zu öffnen.

Sie wollte ein Eis essen und damit nicht bis nach dem Mittagsschlaf warten.
Deshalb beobachtete sie mit wachen Augen, wie Klara schon mal das Eis aus dem Gefrierschrank holte und von da aus in den Kühlschrank legte.

Klara nahm Krümel an die Hand und ging mit ihr ins Wohnzimmer, bevor Laura sie nach oben zum Schlafen brachte. Aber Krümel hatte anderes vor. Sie lief noch einmal von allen unbemerkt in die Küche und schaute wie gebannt am Kühlschrank hoch.

Jetzt musste sie also nur noch die Kühlschranktür aufbekommen. Sie schob ihren kleinen Hocker ran, sodass sie gerade so an den Griff der Tür gelangte.

Doch plötzlich verlor sie dabei ihr Gleichgewicht, der Stuhl begann zu wackeln und kippte schließlich nach hinten. Es polterte lautstark und ihre Oma und ihr Opa schossen wie elektrisiert aus ihren Sesseln hoch und hasteten in die Küche.

Krümel war zum Glück nicht auf dem Hinterkopf gelandet. Sie weinte nicht, hielt ihr Stangeneis in der Hand, dass sie noch greifen konnte, bevor sie stürzte. Sie schaute Klara und Peter schuldbewusst an.

Vor dem Kühlschrank lag die Butterdose auf dem Boden und aus einer heruntergefallenen Packung tropfte langsam Milch auf die Fliesen.

„Emma, bist du das gewesen?“, fragte ihr Opa sie mit strengem Blick, und war insgeheim froh, dass seinem geliebten Krümel nichts passiert war.

„Opa, nein, ‚ich nicht war'“, sagte Emma.
„Aber wer war es dann?“, hakte ihr Opa nach und versuchte weiter grimmig zu schauen.

Die Zweieinhalbjährige guckte ihn mit unschuldigen Augen an und wiederholte: „Emma nicht, ‚Pauline war‘“.

Ihr Opa schaute sie verdutzt an?
„Wer?“

„Papa, Pauline ist ihr zweiter Vorname! Hast du das vergessen?“
Jetzt brach es aus ihrem Opa heraus, er lachte und konnte sich nicht mehr halten.
„Jaha Opa, Pauline, mhm!“, Emma nickte zur Bekräftigung mit ernster Miene.

„Sprich du noch mal mit ihr“, sagte Peter zu Laura, ich kann jetzt nicht ernst bleiben“, meinte er.

Emma hatte inzwischen die Situation gut analysiert und wandte sich zielsicher an das mental schwächste Glied, ihre Oma.
„Eis, ja Oma?“, fragte sie Klara und hielt das leicht zerdrückte Stangeneis fragend nach oben.

Laura wollte gerade mit einer erzieherisch notwendigen Ansprache an Emma beginnen.

Da kam ihr Klara zuvor: „Hier hast du ein neues Eis, meine Süße.“
Emma nahm es, sagte höflich danke zu ihrer Oma und verschwand ruhigen Gewissens aus der Küche.

Pauline, ja, die konnte sich vielleicht was anhören, während Emma in Ruhe am Eis leckte.

ICH BIN EIN SCHÜLER DES SCHREIBENS

SCHREIB-ALLTAG (3)

Von den schwierigen Anfängen beim Schreiben eines Schulaufsatzes, vom Unterschied zwischen Reden und Schreiben, und von der Qual und zugleich der Sucht, immer wieder zum Bleistift, zur Tastatur zu greifen.

Ich glaube, wenn es um das Schreiben geht, so wird jeder bestätigen, dass jeder von uns irgendwas Vernünftiges zu Papier bringen kann.
Klar, die Fähigkeiten sind hier unterschiedlich ausgeprägt. Dem einen fließt es direkt aus der Feder aufs Papier, von der Tastatur auf den Bildschirm, andere quälen sich stärker.

DIE ANFÄNGE – AUFSATZ SCHREIBEN

Jeder kennt das, wenn du in der Schule einen Aufsatz schreiben solltest und gar nicht wolltest, egal, ob nun in Ost oder West sozialisiert – du hattest dabei den Bleistift angeknabbert, deine Hände mit Tinte beschmiert, und alles nur aus einem Grund: Du wusstest nicht, wie du beginnen solltest.

Später, als ich meine Diplom-Arbeit im Fach ‚Schiffsmaschinenbetrieb‘ schrieb, da konnte ich mich noch hinter Zahlen, Diagrammen und Kurven verstecken.

Im Fach Volkswirtschaft wurde es schon schwieriger, es ging ja nicht nur darum, komplexe Vorgänge zu beschreiben, sondern ebenfalls schon erste analytische Schlussfolgerungen aufs Papier zu bringen.

Die schwierigste Zeit des wissenschaftlichen Schreibens begann für mich in der Wendezeit. Ich schrieb zur Rolle der Menschenrechte im KSZE-Prozess und was sie in Bezug auf die Erhaltung des Friedens und einer stabilen Demokratieentwicklung für eine Rolle spielten.

DER UNTERSCHIED ZWISCHEN REDEN UND SCHREIBEN

Ich hatte gute Lehrer, die mir sagten: „Rede nicht, fang an zu schreiben!“
Und wenn du an dem Punkt selbst schon einmal warst, wird dir klar, worüber ich gerade rede, besser schreibe.

Es gibt diesen gewaltigen Unterschied zwischen dem Reden und der Fähigkeit, Worte aufs Papier zu bringen, schreibend einen Satz an den anderen zu reihen.

Ich war stets ein guter Redner, ein Dozent, der seine Zuhörer mitreißen konnte. Oft haben mir Freunde gesagt: „Schreib‘ doch mal auf, was du heute erzählt hast, das war so interessant.“

Willst du es dann tatsächlich umsetzen, dann starrst du aufs Papier oder auf deinen Computer.
Du redest dir ein, dass du erst einmal in deine E-Mail schauen musst, könnte ja sein, du verpasst etwas.

Schnell wird dir klar: Zwischen dem Schreiben wollen und dem Schreiben können klafft ein riesiges Loch, und wenn du nicht etwas dagegen unternimmst, dann fällst du genau da hinein.
Das hört sich nach ein bisschen jammern an. Zugegeben, ist es auch.

DU SIEHST BEIM SCHREIBEN DEINEN LESER NICHT

Mir geht in solchen Momenten durch den Kopf, woran es wohl liegt, dass es einem stets aufs Neue so schwerfällt, etwas zu Papier zu bringen.

Ein Grund ist, dass du nicht siehst, wie der, der deine Zeilen liest, reagiert.
Oder er sagt vielleicht: „So ein Schmarrn, langweil‘ mich nicht mit deinem Gelaber.“

An der Mimik desjenigen, dem du etwas erzählst erkennst du sofort, was er denkt, ob es ihn interessiert, oder ob er gerade nebenbei an sein leckeres Mittagessen vom Vortrag denkt.

Es muss dir also beim Schreiben gelingen, deinen ‚Zuhörer‘ zu motivieren, am Blatt zu bleiben, obwohl du nicht deine Mimik, deine Stimme miteinsetzen kannst.

Ich glaube, jeder der sich mit der Schreiberei herumplagt, steht jeden Tag erneut vor dieser Herausforderung.
Dabei sehe ich mich nicht einmal als Schriftsteller, der über genügend Erfahrung verfügt, um seinen Leser immer wieder neu an sich zu binden.

DER WEG DES SCHREIBENS – MEIN ZIEL UND MEIN STÄRKSTES MOTIV

Ich bin ein Schreiber, der Erlebnisse aus dem Alltag festhält, aus der Gegenwart oder aus der Vergangenheit.
Nur, da muss ich ja auch die Konflikte, die Emotionen von Menschen möglichst genau beschreiben.

Oder gestern, am Vatertag. Da saß ich auf der Terrasse, schrieb mit einem Bleistift auf Papier und fand es unglaublich schön, genau das zu tun.

Aber wie kann ich das ausdrücken? Dass die Vögel zwitscherten, im Hintergrund sich Nachbarn gedämpft unterhielten es nach frischen Blumen duftetet, die Klara gerade eingepflanzt hatte, und dass sich der große und schwere Sonnenschirm knarrend bewegte, so dass du dachtest, du wärst bei einer leichten Brise auf einem Segelboot unterwegs?

Da muss ich noch üben, weiterschreiben, wieder üben und wiederum: schreiben!
Das hört wohl nie auf. Aber es ist ja auch schön. Es muss was dran sein, am Spruch, dass der Weg gleichzeitig dein Ziel sein sollte.

WENN WIR TRAURIG SIND, WIRD’S AUCH NICHT BESSER

ANNA IST DEMENT (64)

Samstagmorgen.
„Endlich, die Woche ist geschafft.“

Peter atmete hörbar aus, als er das sagte. Klara war noch dabei, das Frühstück auf den Tisch zu stellen, während sich Peter bereits hingesetzt hatte und dabei war, die Füße auf den zweiten Korbstuhl hochzuhieven.

„Wovon bist du denn so kaputt?“, fragte Klara.
„Du bist doch nicht einmal mit der S-Bahn nach Berlin reingefahren“, setzte sie noch nach.

„Ja, das stimmt schon, aber ich habe doch hier am Schreibtisch gesessen und wie verrückt geplant.“

Klara sagte nichts darauf, denn sie fürchtete, dass Peter ihr sofort einen längeren Vortrag darüber halten wollte, wie schwer es sei, von Zuhause aus zu arbeiten.

„Ach, du arbeitest von Zuhause aus?“, hatte Anna ihn schon oft gefragt. Das klang für Peter immer so, als wäre das in ihren Augen keine richtige Arbeit.

Dabei war es oft intensiver am eigenen Schreibtisch zu sitzen und zu arbeiten, als es in einem Bürojob der Fall wäre. Die Ablenkungen sind Zuhause nicht so groß, weil keiner da war, der stören konnte.

Nur Peter selbst konnte das tun, was er auch mehr als einmal am Tag tat.
Peter hatte aber auch keine Lust, dieses Thema erneut zu diskutieren. Seit Corona hatte er ohnehin den Eindruck, dass die Leute der Arbeit im Homeoffice mehr Beachtung schenkten.

„Wie geht es eigentlich Anna?“, fragte Peter stattdessen.
„Ach, alles wie immer“, sagte Klara. Sie klang bedrückt.
„Ist wirklich alles in Ordnung oder ist irgendwas?“, hakte Peter noch einmal nach.

„Ja, es macht einen irgendwie traurig, wenn du erlebst, wie Anna zusehends verfällt, geistig und auch körperlich“, sagte Klara nun doch.

„Aber jetzt stell‘ dir mal vor, wie es Lukas ergeht. Er hat nahezu täglich mit Anna zu tun und es bleibt ja trotzdem seine Mutter. Wenn du es direkt im Gegenüber siehst, dann fühlst du dich ganz anders“, versuchte Peter Klara aufzumuntern.

„Das ist es ja, dass wir nicht viel tun können, eigentlich gar nichts, um die Krankheit aufzuhalten“, sagte Klara.

„Was bringt es uns, wenn wir die ganze Zeit traurig sind?“, fragte Peter.
Klara nickte stumm.

„Wir werden das alles nicht aufhalten, aber wir können etwas für den Moment tun, für Anna und auch für uns.“

Klara wusste, was Peter meinte. Sie fühlte, dass es besser war, selbst in diesen Zeiten glücklich zu sein, das Leben zu genießen und ein Stück dieses guten Gefühls an Anna weiterzugeben.

„Die Demenz ist da, Anna vergisst immer mehr, aber sie hat auch ihre lichten Augenblicke. Und dann sollten wir sie zum Lachen bringen, auch wenn es schwerfällt. Und wir können auch selbst über Annas kuriosen Antworten lachen, denn wir lachen sie ja nicht aus“, sagte Peter.

„Das stimmt, es ist besser, sich auf das Gute zu konzentrieren, denn die Krankheit bleibt so oder so. Und auf diese Weise können wir meine Mutter vielleicht ebenfalls ein wenig glücklicher machen, antwortete Klara.

„Das meine ich doch.“ Peter hatte die Füße vom Stuhl genommen.
„Lass uns den Tag genießen“, sagte Peter und goss Klara Kaffee in die Tasse.

Das Telefon klingelte.
Laura kündigte ihren Besuch an. Sie wollte in zehn Minuten mit Krümel gemeinsam am Bahnhof im Dorf ankommen. Peter biss in das Brötchen, nahm noch einen Schluck Kaffee, verbrannte sich dabei die Zunge und eilte zum Bahnhof.

Wenig später stiegen Krümel und Laura aus dem Zug aus.
Krümel hatte ihren Sturzhelm auf und auf dem Rücken ihren kleinen Rucksack.

„Opa, ich ‚pomme‘“, rief sie schon von Weitem.
‚Das wird ein schöner Tag‘, dachte Peter und fing Krümel auf, die auf ihn zustürzte.

 

DIE WOCHE BEGANN BEI MIR MIT EINEM FASTENTAG


50 KILO ABNEHMEN (28-4)
INTERVALLFASTEN (4)

Seitdem ich mit dem Intervallfasten begonnen habe, spüre ich immer mehr, dass ich wacher und aufmerksamer bin, mich insgesamt besser fühle, wenn ich mal mit dem Essen für eine geraume Zeit aussetze.

Montagfrüh gab es bei mir lediglich Tee zu trinken, und es gab nichts zu essen. Muss ich mich anstrengen, das bis dienstagfrüh durchzuhalten? Ja, schon, alles andere zu behaupten, das wäre unehrlich von mir.

Aber ich habe gute Gründe, das nach dem letzten Wochenende zu tun. Ich habe mal wieder über die Stränge gehauen, Kuchen mit Schlagsahne gegessen, mittags und abends kräftig zugelangt.

Krümel und Laura hatten uns unverhofft besucht und da sitzt man in gemütlicher Runde um den Tisch, ist weniger streng zu sich selbst. Deshalb bin ich am Montagmorgen gar nicht erst auf die Waage gestiegen, sondern ich habe mir sofort die Beschränkung im Essen für den gesamten Tag auferlegt.

Damit ich mich zusätzlich besser motivieren kann, habe ich mir das Kapitel ‚Die heilsame Wirkung des Fastens von der Antike bis heute‘ von Prof. Andreas Michalsen vorgenommen.
(Vgl. dazu: Prof. Dr. Michalsen: ‚Mit Ernährung heilen. Besser essen, einfach fasten, länger leben. Neuestes Wissen aus Forschung und Praxis‘, Inselverlag; Kapitel: ‚Die heilsame Wirkung des Fastens von der Antike bis heute‘, E-Book;)

Es ist unglaublich für mich, wie lange es alle diese Erkenntnisse schon gibt, und ich sie trotzdem ignoriert oder wenigstens nicht in genügendem Maße berücksichtigt habe. Mark Twain hat bereits darübergeschrieben, dass manchmal das Fasten die besten Arzneien und Ärzte ersetzen kann.
(Vgl. ebenda)

Andreas Michalsen erläutert für mich gut nachvollziehbar, dass die Methode des Fastens in der Geschichte der Menschheit weit zurückreicht.

Das Wechseln von Nahrungsaufnahme hin zum Verzicht auf Essen, das reicht über 100 000 Jahre zurück.

Erst mit dem sich entwickelnden Ackerbau und der Viehzucht vor ca. 12 000 Jahren wurde regelmäßiger Nahrung aufgenommen. Und trotzdem, der Stoffwechsel des Menschen hat sich ja kaum verändert, und das seit über Einhunderttausend Jahren.
(Vgl. ebenda)

Mit den aufstrebenden Industrieländern in der Mitte des letzten Jahrhunderts veränderten sich unsere Ernährungsgewohnheiten gravierend, und das nicht zum Besen, wie ich selbst am eigenen Leib verspüre.

Da bin ich ‚Täter und Opfer‘ in einer Person.
Warum? Nun, weil ich natürlich über Jahre und Jahrzehnte der verführerischen Seite des genussvollen Essens erlegen bin, und andererseits, weil sich die Gene und der Stoffwechsel des Menschen ja kaum verändert haben.
(Vgl. ebenda)

Das bringt natürlich die Krankheiten mit sich, die eine moderne Zivilisation aufzubieten hat – Übergewicht, Bluthochdruck zum Beispiel.

Fasten stärkt die Gesundheit. Darüber sind sich die Experten einig. Wie man es am besten anstellt, eine Weile zu hungern, nichts zu essen, zu welchen Zeiten man das tun sollte, und wie man Nahrungsverzicht auf der einen Seite mit gesunder Ernährung auf der anderen Seite verknüpft, das kann man meiner Meinung nach in der ‚Fasten- und Ernährungsfibel‘ von Prof. Michalsen sehr gut nachlesen.

Ich lese weiter darin, und ich arbeite daran, dass das Wissen bei mir nicht ‚totes Kapital‘ bleibt.

LERNE DICH SELBST BESSER KENNEN

ALLEIN MIT MEINEN INNEREN STIMMEN

‚Warum willst du uns eigentlich ständig bei dir haben?‘, fragen mich manchmal meine inneren Stimmen ‚Draufgänger‘, ‚Sensibler‘ und ‚Theoretiker‘.

‚Das ist gar nicht so leicht zu beantworten‘, sage ich dann.
Und weiter: ‚Ihr seid ja ohnehin bei mir, egal, was ich über euch denke‘.

‚Das stimmt schon‘, meint Theoretiker, ‚aber es muss doch einen Grund dafür geben.‘

‚Theoretiker‘ hat recht. Meine inneren Stimmen machen schon zu einem großen Teil auch meine Individualität aus.

Sind wir nicht ständig dabei, zu messen und zu vergleichen, unsere Normen an andere anzulegen?

Gibt es überhaupt eine objektive Beurteilungsmöglichkeit für andere Menschen?

Sicher, wenn man zum Beispiel die Werte und Normen, die die Gesellschaft vorgibt, zugrunde legt.

Und trotzdem: Ich beurteile einen Menschen, der mir etwas sagt, stets danach, wie ich die Dinge einordne, was ich fühle, und was ich glaube.

Ich denke, wenn wir andere Menschen kennenlernen wollen, so legen wir zuallererst unsere eigenen subjektiven Maßstäbe an. Wie auch können wir entscheiden, ob uns jemand sympathisch ist oder eben auch nicht?

Das kannst du nur aus der eigenen individuellen Natur heraustun.
Kennt man sich also selbst sehr gut, geht man sicherlich mit anderen Menschen in bestimmten Situationen nachsichtiger um.

Im Straßenverkehr werde ich oft wahnsinnig, wenn jemand vor mir mit 40 km/h fährt, anstatt dass er wenigstens auf die 50 km/h hochgeht. Das ist meine innere Stimme ‚Draufgänger‘, die mich dann nervt und nach vorn peitscht.

‚Sensibler‘ hingegen sagt zu mir: ‚Reg‘ dich doch nicht auf. Vielleicht hat der Fahrer vor dir ein persönliches Problem, das an ihm nagt, oder er ist generell nicht von der schnellsten Sorte. Gib‘ ihm den Freiraum, den er braucht, um sicher fahren zu können. Du hast auch was davon.“

Und nur weil ich weiß, wie ‚Sensibler‘ reagiert, kann ich an mir halten und verurteile den Menschen vor mir nicht vorschnell, fälle kein ungerechtes Vorurteil.

„Also, ‚Sensibler‘, ‚Theoretiker‘ und auch ‚Draufgänger‘, je besser ich euch kennenlerne, wie ihr reagiert, lerne ich, auch andere Menschen besser einzuschätzen, mit ihnen besser umzugehen.“

‚Na hoffentlich!‘, schallt es mir von allen drei Stimmen gemeinsam entgegen.

WAS MICH AM SCHREIBEN ÜBER DEN ALLTAG BEGEISTERT (TEIL 1)

SCHREIB – ALLTAG (1)

Ich schreibe schon lange, eigentlich schon mein ganzes Leben.

Aber zum Geschichtenerzählen komme ich erst so richtig in letzter Zeit, und da bin ich auch noch ganz am Anfang.

Ich schreibe vor allem Geschichten, die mit dem Alltag zu tun haben.

Bin ich deshalb ein Schriftsteller?
Nein, sicher nicht.

Aber ich muss mich natürlich trotzdem an die Regeln des Schreibens halten, und deshalb muss ich sie mir auch aneignen. Auf jeden Fall ist das ein stetiger Prozess des Lernens, Übens und Schreibens.

Mehr und mehr stelle ich mich dabei den Anforderungen an das belletristische Schreiben. Das ist für mich wie ein Abenteuer, eine Reise in ein unbekanntes Land.

Ich schreibe in dieser Rubrik darüber, was mir am Alltag ‚über den Weg läuft‘, wie ich es verarbeite, und , wie ich das Handwerk des Schreiben trainiere und was es mir bringt.

Ich will dem Leser Menschen aus dem Alltag  näherzubringen, ihre Konflikte, ihre Hoffnungen, Sehnsüchte und die Schwierigkeiten zeigen, mit denen sie in ihrem Umfeld zu tun haben.
Mich reizt das Banale, das, was wir am Tag erleben, eben das, was wir oftmals nicht aufmerksam genug hinterfragen.

Dabei gibt es viel mehr schöne Dinge als hässliche Erlebnisse im Alltag, humorvolle Episoden, die es lohnt, festzuhalten.

Sicher ist es ja auch interessant, quasi den Weg des Schreibens zu dokumentieren – mein handwerkliches Verständnis davon, die Erfolge und Niederlagen, die Fehler und vor allem die Motive, warum ich weitermache.

Schreiben und verwerfen, wieder schreiben, lesen und dann wieder schreiben. Eintönig?
Ja, irgendwie schon. Anstrengend? Und wie.
Trotzdem: Es bleibt faszinierend.

 

WAS MICH AM SCHREIBEN ÜBER DEN ALLTAG BEGEISTERT (TEIL 2)

SCHREIB – ALLTAG (2)

Das Faszinierende am Schreiben ist für mich: Ich kann Menschen in alltäglichen Situationen beobachten, ich bin an wechselnden Schauplätzen, es gibt stets neue Ausgangssituationen, und ich schreibe zu vielfältigen, sich abwechselnden Themen.

Manchmal fragt mich meine Frau, warum ich mir das alles antue. Eine richtige schlüssige Antwort kann ich ihr darauf nicht geben.

Das Schreiben hat auf mich eine ungeheure Anziehungskraft, es frisst dich mit ‚Haut und Haaren.“

Natürlich fahre ich beispielsweise nicht zuerst ins Fitness-Center, um Menschen beim Training zuzusehen und anschließend darüber zu schreiben, sondern um selber Sport zu treiben, fit zu bleiben, vorausgesetzt, das Center bleibt nicht mehr lange wegen Corona geschlossen.

Ich beobachte gern, was um mich herum passiert.

Was könnten nun ein Leser daran interessant finden? Ich kenne natürlich nicht die genauen Motive jedes Lesers.

Jedoch glaube ich fest daran, dass jeder von uns bestimmte eigene Erlebnisse in Alltagssituationen wiedererkennt und sich freut, dass es anderen genauso ergangen ist.

Manch einer will vielleicht auch nur unterhalten werden, für einen Moment aus seiner Realität aussteigen und in den Alltag des Erzählers eintauchen.

Für mich als Autor ist es eine spannende Sache, wenn ich mich in meine Gedankenwelt begebe und sie abgleiche mit dem, was ich gerade erlebt und gesehen habe.

Ich denke, wir alle können mehr glücksbringende Momente in alltäglichen Situationen entdecken, als wir es für möglich halten.

Mark Twain war es wohl, der sinngemäß formulierte, dass es vor allem zwei Tage im Leben eines Menschen sind, die für ihn eine Bedeutung haben – nämlich der Tag der Geburt und der Tag, an dem er weiß, warum er auf der Welt ist.

Jeder wird diese Frage anders beantworten. Ich denke, dass dies die wirklichen mentalen Anker im Leben sind.

Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich einiges vollbracht habe, weil ich intensiv studiert habe, um mir möglichst viel Wissen anzueignen.

Dann kam die Wende und ich hatte das Gefühl, ich stünde beruflich vor dem Nichts.

Und wieder versuchte ich, meinem Leben einen neuen Sinn zu geben, Anerkennung durch Leistungen in einer neuen, anderen Welt zu bekommen.

Wirklich glücklich bin ich aber erst, seitdem ich erkannt habe, dass ich mich selbst so nehmen muss, wie ich bin und ich Kraft aus meiner neuen Gelassenheit ziehe.

Hat das was mit dem Alter zu tun?

Ich glaube schon.

Und mit dieser inneren Ruhe ziehe ich in meine neuen Abenteuer, dem Schreiben über das Alltägliche, über Menschen im Alltag.

 

ORLI UND BERLINGA (2)

ORLI UND BERLINGA (2)

Hallo Krümel,

ich erzähle weiter über Orli und Berlinga. Orli, das ist ein BMW. Ich fuhr ihn vor vielen Jahren.

„Ein BMW kann doch nicht sprechen“, wirst du jetzt denken. Stimmt. Aber wir tun einfach mal so, als ob der 7er BMW es kann. Und dann ist da noch Berlinga, der kleine Renault. Orli hat sich ein bisschen in Berlinga verliebt, aber die will von Orli nichts wissen.

Bis zu dem Tag, wo Berlinga hinten ein Reifen platzte, sie halten mussten und Orli vorbeikam, anhielt und seinen Fahrer, in dem Fall mich, um Hilfe für Berlinga bat.

Was blieb Orlis Fahrer also übrig?
Orlis Fahrer ging zum Auto zurück und setzte sich auf den hinteren Sitz und nahm das Telefon aus der Mittelkonsole heraus. Du musst wissen, Krümel, vor fast 20 Jahren, da gab es noch nicht so schöne Handys, wie wir sie heute haben. Ich meine zum Beispiel das Smartphone von deiner Mama.

Das also, womit du versuchst immer abzuhauen, um durch die ganze Wohnung zu laufen, bis Mama dem schließlich ein Ende bereitet und du dich lautstark beschwerst. Naja, später wirst du das alles besser verstehen. Aber ich schreibe das schon jetzt mal für dich auf.
Zurück zu Orli.

Orlis Fahrer wählte eine Telefonnummer und hoffte darauf, den Abschleppdienst zu erwischen oder noch besser einen Service, der beim Reifenwechsel half.

„Der hat doch nur Angst, dass er sich schmutzig machen könnte“, dachte Orli bei sich.
„Warum machst du das eigentlich nicht selbst und hilfst dem Fahrer von Berlinga?“, fragte Orli seinen Fahrer.

Der schwieg. Er wusste, wenn er jetzt keine Hilfe heranholen konnte, dann musste er wohl selbst mit Hand anlegen. Und das, obwohl er im weißen Hemd und Schlips im Auto saß.
„Wir müssen weiterfahren, ich habe einen Termin“, sagte nun Orlis Fahrer.

„Das kommt gar nicht infrage“, antwortete Orli.
„Du machst, was ich dir sage, und wenn ich den Zündschlüssel umdrehe, dann springst du an und fährst los.“
„Warum?“, fragte Orli.
„Weil du das Auto bist, und ich bin der Fahrer!“

Orli antwortete nicht darauf.
„Dann geht eben mein Motor nicht an“, dachte Orli und schaute, was seine Freundin Berlinga machte. Die stand immer noch schief. Berlingas hinterer Reifen war ja platt.

Plötzlich sah Orli ein gelbes Auto, das sich von hinten annäherte. Sein Gesicht hellte sich auf und er rief: „Berlinga, deine Hilfe kommt gleich. Halte durch.“
Berlinga lächelte gequält, denn ihr taten die Hacken, ich meine die hinteren Reifen, weh.

ORLI UND BERLINGA

JEEPY (2)

ORLI UND BERLINGA (1)

Der Fahrer von Jeepy erzählt Krümel von seinen Abenteuern mit Orli, dem BMW.

Guten Morgen Krümel,

hier ist Jeepi, dein bester Freund. Naja, auf jeden Fall einer deiner besten Freunde. Ich steh‘ hier draußen, unter dem Carport, und ich friere mir die Reifen ab.

Damit ich mich aufwärme, erzähle ich dir ein bisschen von meinem großen Bruder, Orli.

Orli war ein großer Lulatsch. Seine richtige Bezeichnung war 7-er-BMW. Orli, der ist überall hingefahren, zum Beispiel nach Bad Hersfeld.

Da hat ihn sein Fahrer, dein Opa, immer in eine große Tiefgarage gestellt. Er musste manchmal stundenlang dort stehen. Und so hat er sich eine Freundin angelacht. Die hieß Berlinga und war eine Französin.

Orli hat morgens schon geschaut, wo Berlinga bleibt und dann hat er gehofft, dass sie genau neben ihm parkt.

Am Anfang hat Berlinga stets ein bisschen die Nase hochgetragen.

Sie wollte von Orli nichts wissen. Der war ihr zu lang und ihrer Meinung auch zu träge.

„Du bist viel zu langsam für mich“, sagte sie eines Tages zu ihm. Da war Orli ganz traurig. Bis er Berlinga auf der Autobahn wiedertraf.

Orli sah ganz weit vor ihnen die Heckscheibe von Berlinga.

„Jetzt erlaub‘ mir doch mal, die Reifen durchzudrehen“, sagte Orli zu seinem Fahrer. Aber der dachte gar nicht daran. Der wollte schön gemütlich fahren, leise Musik hören und vor sich hindösen.

Plötzlich blieb Berlinga auf dem rechten Seitenstreifen der Autobahn stehen. Ein Reifen war geplatzt.

Orli war ganz aufgeregt.

„Wir müssen halten und Berlinga helfen“, rief Orli zu seinem Fahrer.

Der aber reagierte nicht. Da hörte Orli einfach auf, seine Räder zu drehen.

„Orli, du wirst jetzt sofort wieder schneller laufen“, sagte der Fahrer.

„Werde ich nicht. Ich muss mal halten. Ich habe Durst. Ich brauche Wasser“, sagte Orli da störrisch.

„Also gut, wir halten auf dem nächsten Parkplatz“, sagte der Fahrer.

„Nein, ich kann nicht mehr. Bitte halte sofort.“

„Wo?“

„Na hier, wo der Renault steht.“

„Ok“, sagte der Fahrer.

Er bremste und fuhr auf die rechte Standspur.

„Eigentlich darf ich hier gar nicht halten“, sagte er noch.

Aber Orli war das egal, er hatte nur Augen für Berlinga, die hinten rechts ein wenig stief stand. Sie guckte gequält.

„Können wir helfen?“, fragte Orlis Fahrer, in der Hoffnung, dass Berlinga’s Fahrer ablehnte.

„Oh ja, Sie kommen wie gerufen“, antwortete jedoch der Fahrer von Berlinga.

„Was kann ich tun?“

„Könnten Sie den Pannendienst rufen, ich habe kein Telefon dabei.“

„Das kann ich machen“, sagte Orlis Fahrer und zwinkerte Berlinga zu.

Die lachte gequält zurück, denn ihr hinterer Fuß, äh Reifen, tat ihr weh.

„Wird schon“, sagte da Orli zu ihr. Jetzt schaute sie schon etwas freundlicher.

 

 

FASTEN BEGINNT MICH ZU FASZINIEREN

INTERVALLFASTEN
50 KILO ABNEHMEN (28-3)Fasten, Intervallfasten im Besonderen, zieht mich immer mehr in seinen Bann.
AKTUELLER STAND VON FREITAG, 15.05.2020: 
123,7 kg. 
Montag waren es noch 126,1 kg. Das sind also 2,4 kg weniger gegenüber dem Wochenanfang. Aber die große Bewährungsprobe kommt noch: das Wochenende. Doch jetzt bin ich erst einmal glücklich, dass ich durchgehalten habe.

Als ich in der vergangenen Woche damit erneut begann, war ich vorher auf der Waage. Ich hatte wieder zugenommen.
Das war schon ein Schock für mich, denn ich war ja bereits vor einem Jahr viel weiter gewesen.

Doch nun muss ich nach vorn schauen.
Ein Weg, mit dem ich mich selbst ‚überliste‘ ist, dass ich anfange, mich in Literatur zu diesem Thema ‚einzugraben‘. Es wird viel geschrieben, und es gibt eine Menge an Büchern dazu.

Das ist nicht erstaunlich, wenn du dich näher mit diesem Phänomen befasst, denn gefastet wird seit Jahrhunderten, noch dazu in allen Glaubensrichtungen.

Warum also beginne ich so spät damit, mich intensiver mit dieser hochinteressanten Thematik zu beschäftigen?

Ein wichtiger Grund ist, dass ich eben in der Zeit von Corona wieder enorm zugelegt habe. Ich sitze faktisch noch mehr am Schreibtisch als jemals zuvor, und ich fahre morgens nicht mehr ins Fitness-Center.

‚Du kannst noch weiter herumjammern oder du fängst endlich an, etwas zu tun‘, würde meine innere Stimme Draufgänger sagen.
Draufgänger hat recht. Und so habe ich einfach angefangen, ohne groß zu überlegen. Erst einmal halte ich die 8:16 Regel ein, also 8 Stunden etwas essen und 16 Stunden eben nichts.

Und so merke ich, dass ich mich schon schlanker fühle. Gut, dieses Gefühl ist sofort wieder verschwunden, wenn ich mich seitlich im Spiegel betrachte.

Aber ich merke, dass ich wacher bin, energiegeladener. Und irgendwie macht mich das Intervallfasten demütiger. Ich will noch so viel schaffen, schreiben, mit Krümel herumtoben.

Doch was nützen deine Vorhaben, wenn du vorher vom Stuhl fällst oder der unter deinem Gewicht zusammenbricht? Das muss ich verhindern. Ich bleib‘ dran.

#Anzeige

FÜR MICH EIN GUTER LEITFADEN
MIT ERNÄHRUNG HEILEN
Von Prof. Dr. Andreas Michalsen
BESSER ESSEN, EINFACH FASTEN, LÄNGER LEBEN
NEUESTES WISSEN AUS FORSCHUNG UND PRAXIS
INSEL VERLAG

https://amzn.to/2yRMQA8

 

 

SCHNAPSTORTE HAT NICHTS MIT FASTEN ZU TUN

INTERVALLFASTEN
50 KILO ABNEHMEN (28-2)
Kurz vor dem Wochenende, sagte Klara zu mir, dass sie gern mal wieder ein Stück Schokoladentorte essen würde. „Oh ja, am liebsten Schnapstorte", sagte ich daraufhin. Als wir am Freitag vom Einkaufen kamen, da packte Klara zwei Tortenböden aus.

„Wofür sind die?“, fragte ich sie.
„Na ich denke, du willst Schnapstorte haben?“

Ja, wollte ich, wenn ich ehrlich war. Aber wie passte das in mein Abnahmeprogramm, wo ich doch ohnehin soweit hinterherhing?
Also gut, ich freute mich auf die Torte. Als Klara Schnaps auf den Tortenboden gießen wollte, fragte ich, ob ich das tun könnte.
Klara reichte mir die Flasche.

„Nur ganz wenig“, meinte sie noch. Zu spät, ich war schon dabei, den Tortenboden kräftig mit Schnaps zu tränken.

Als die Torte fertig und Klara sie am Samstag nachmittags zum Kaffee auf den Tisch stellte, da sah sie phantastisch aus. Und sie schmeckte genauso, wie sie aussah.

Am Montag stieg ich auf die Waage. Das Grauen bekam ein Gesicht – über ein Kilo an Gewicht zugelegt.

Was hatte das mit dem Heilfasten, das ich gerade so emsig im Buch eines Experten nachlas?

Naja, nicht viel. Aber hatte der Autor nicht irgendwo geschrieben, dass man am Wochenende ruhig ein Stück Kuchen essen könnte?

Ich musste diese Seite finden. Gut, dass ich natürlich vorher nach Kräften mich an das Fasten hätte halten müssen, das setzte der Autor natürlich voraus.

Irgendwie bestimmen ja doch die Ausnahmen die Regeln.
Aber nun musste Schluss sein, mit Schnapstorte und anderen Ausnahmen.

JEEPY – WIE ALLES BEGANN

JEEPY
Der Beginn der Geschichte über Jeepy: Der Fahrer von Jeepy erzählt Krümel, warum er kleinere Geschichten über das Auto schreiben will. Und darüber, was er mit Jeepy für Abenteuer erlebt.

BRIEF AN KRÜMEL VOR EINEM JAHR

Lieber Krümel, während ich hier an dich einen Brief schreibe, da tobst du noch im Kindergarten herum.

Vielleicht schläfst du ja auch noch. Es ist gerade Mittag. Oder bist du schon wach? Bald holt deine Mama dich ab, und du wirst juchzen vor Glück, wenn du sie siehst.

Weißt du noch, als ich dich abgeholt habe? Wie wir mit dem falschen Kinderwagen losgefahren sind und ich deine Hose und deine Schuhe mit denen vom Nachbarkind verwechselt habe?

Aber du hast in der Situation gemächlich an deinem Kuchen herumgekaut und ich musste vor lauter Verzweiflung die kleinen Stücke, die du gleichmäßig auf den Boden gestreut hast aufheben und schnell in meine Hosentasche stopfen.

Manchmal finde ich ein paar Krümel davon noch heute. Aber das macht nichts. Ich denke dann sofort an dich und wie du mich umarmt hast, in dem Moment, wo ich dich auf die Wickelkommode gehievt habe, um dir deine Hose besser anzuziehen.

Jetzt ist mir wieder etwas eingefallen, was ich längst tun wollte. Nämlich kleinere Geschichten zu erzählen, die wir mit „Jeepy“ erlebt haben und noch erleben werden. ‚Jeepy‘ ist unser kleiner Geländewagen, der hier draußen unter dem Carport steht und friert. Den Namen hat er von deiner Mama bekommen.

Weißt du früher, da habe ich immer für deine Mama, Laura, kleinere Geschichten über unsere Autos geschrieben. Die hatten ja alle Namen. Nur der Trabbi nicht. Wir dachten damals, das müsste nicht sein, denn wir würden ohnehin bis ans Lebensende nur diesen einen Wagen fahren.

Dafür habe ich ihn von innen mit schöner Latexfarbe gestrichen, also nur den Kofferraum. Denn am nächsten Tag fuhren wir in den Urlaub nach Thüringen. Da sollte alles frisch renoviert sein. Ich kann mich noch erinnern, wie deine Oma aufschrie und dann schrill kreischte. „Das kann doch nicht wahr sein!“ Doch, war es aber.

Gut, die Farbe war nicht ganz trocken geworden und so blieb etwas davon an den Koffern kleben, als sie diese im Kofferraum unterbringen wollte.

Oma sah mich an, als wollte sie mich auf der Stelle umbringen. Aber du siehst, ich lebe noch und kann dir davon erzählen.

Später kam dann ‚Flippi‘, der Lada, den wir aus Moskau mitbrachten. Danach war ‚Orli‘ an der Reihe, der lange BMW. Davon berichte ich dir später noch. Da war in der Mitte ein Telefon eingebaut. Und ich habe mich hinten rechts hingesetzt, um wie ein Generaldirektor zu fahren und währenddessen zu telefonieren. Das klappte aber nur, wenn ich auf dem Parkplatz stand. Ich hatte ja keinen Chauffeur.

Schließlich war ‚Bobby‘ dran. Mit dem sind wir 15 Jahre gefahren. Das war ein großer Geländewagen, sehr gemütlich und robust. Damit bin ich sogar noch nach Buch gefahren, um dich nach deiner Geburt zu begrüßen. Doch zuvor, in der Nacht, da sind wir über die menschenleeren Straßen gesaust – deine Mama, Oma und ich.

Du warst noch im Bauch deiner Mama. Am nächsten Morgen hörten wir die ersten Schreie von dir und nachmittags haben wir dich dann in der großen Wiege gesehen. Das Bett war eigentlich nur ein kleines ‚Bettchen‘. Aber du warst noch kleiner. Das hat Bobby alles miterlebt. Er stand immer in deiner Nähe, auf dem Parkplatz in Buch.

Jetzt fährt er wahrscheinlich in Afrika umher, auf unbefestigten Straßen und verflucht mich. Wenigstens wird ihn keiner mehr anpöbeln.

Manchmal bekam er verachtende Blicke, weil er ein Diesel war und die Menschen, nur vereinzelt, natürlich,  ihn deshalb beschimpften. Na ja besser gesagt, mich. Aber ich habe meine Ohren zugeklappt.

Und nun also ‚Jeepy‘. Wieder ein Geländewagen. Ein Benziner. Nur kleiner eben. Damit sind wir schon gemeinsam bis zur Ostsee in den Urlaub gefahren. Das weißt du nicht mehr. Du hast meist geschlafen, während ich über die Autobahn gedüst bin. Irgendwie muss ich deine Mama noch davon überzeugen, dass sie mir mal ein schönes Bild von ‚Jeepy‘ macht. Naja, das kriegen wir schon alles hin.

Später, wenn du größer bist und lesen kannst, dann liest du die Geschichten hoffentlich. Und vorher lese ich sie dir eben vor, oder Mama macht das.

Wenn es gut läuft, dann machst du vielleicht die Sirenen von deinem Feuerwehrauto an, und außerdem das Heulen dazu, von der Dampflokomotive – unserem Weihnachtsgeschenk für dich.

Glaub‘ mir, in dem Moment ist es wirklich egal, was wir sagen. Es hört ja doch keiner mehr etwas.

DACKEL HANNA WILL NICHT ZU KURT INS AUTO

ALLTÄGLICHES (50-2)

HERTA UND KURT (2)

Kurt hat zusammen mit Hanna das Auto erreicht. Ein Stück weiter ab standen Arthur und Sieglinde und winkten.

„Die können es nicht abwarten, bis sie dich los sind“, sagte Kurt, während der Dackel ihn immer noch anknurrte. Kurt hatte die beiden gebeten, nicht bis zum Auto mitzukommen, damit ihnen der Abschied nicht so schwerfiel.

Außerdem wollte Kurt den Hund als ‚warm-up‘ allein ins Auto bugsieren.

„Nun geh‘ doch schon rein“, brummte Kurt. Dabei lächelte und winkte er Sieglinde freundlich zurück. Die hatte inzwischen ein Taschentuch gezückt, das sie ständig zu ihren Augen führte.

„Jetzt sei mal für einen Augenblick eine ganz brave Hanna. Zeig‘ deinem Frauchen, wie lieb du in Wirklichkeit bist und lass dich von mir in das Auto heben“, sagte Kurt zum Dackel, während der ihn mit unvermindertem Hass anknurrte.

„So, jetzt rollen wir dich hier in die Decke ein und schon bist du auf dem Sitz von Jimmy.“

Hanna bellte nun noch lauter. „Sollen wir dir nicht doch helfen, wenigstens beim Einsteigen?“, riefen Arthur und Sieglinde.

‚Das fehlte noch‘, knurrte Kurt. Das hörte sich jetzt schon genauso wie Hannas Hassgebell an, nur eben leiser.

„Nein danke, alles gut“, rief Kurt laut zurück. Dann erinnerte er sich an die dunkelblaue Decke, die im Kofferraum lag. Sie war mal ein Gratisgeschenk, das Kurt in einer Tankstelle ergatterte. Herta hatte die Decke anschließend an den Seiten zusammengenäht, damit sie darin die Fahrräder im Kofferraum des Autos transportieren konnten.

Sie hatten mit den Jahren eine ausgefeilte Technik entwickelt, wie das jeweilige Fahrrad in die Öffnung der Decke zu bugsieren war. Morgens, um fünf Uhr, war Hertas Fahrrad dran und später dann das von Krimi, Hertas und Kurts Tochter.

Krimi hieß eigentlich Kriemhild, doch dass mochte keiner sagen. Es war Kurts Einfall, sie so zu nennen. Herta wollte ihre Tochter eigentlich Kalinka nennen, denn sie waren gerade von ihrem vierjährigen Aufenthalt aus Moskau zurückgekehrt.

Das fand Kurt auch gut, aber er wollte einen Namen, der ausgefallen war. Heute sagte keiner mehr Kriemhild zu ihr, sondern der Name stand nur noch im Personalausweis, und den würde sie am liebsten auch noch ändern lassen.

Aber jeder kannte sie ohnehin nur als Krimi. Krimis Tochter Emma, die Enkelin von Herta und Kurt,  rief ihre Mutter mit ihren zweieinhalb Jahren manchmal ‚Kiiimi‘, was aber wie ‚Kiwi‘ klang.

Kurt schreckte aus seinen Gedanken hoch, denn Hanna stand noch immer vor der geöffneten Autotür und bellte, was das Zeug hielt. Kurt eilte nun kurz entschlossen nach hinten, öffnete die Hecktür und holte die blaue Decke heraus.

Er machte sie auf, legte sie auf den Boden vor Hanna hin und griff mit beiden Händen nach dem Dackel, der von dem blitzartigen Überfall überrascht wurde.

Kurt kullerte Hanna in die Decke, hob sie mitsamt Decke  mit einem Schwung hoch, und endlich – Hanna landete auf dem Sitz. Sie war nicht mehr zu hören.

Als Kurt die Decke öffnete, um sie herauszuholen, schnappte sie sofort nach seiner Hand. Kurt riss seine Hand vor Schreck und Schmerzen zurück und schaute Hanna verdutzt an, und die blickte wiederum ihn mit ihren großen hübschen Augen an.

Sie hatte aufgehört zu bellen. Sie zuckte ängstlich, in der Erwartung, dass sie wohl einen Hieb bekam. Das musste tief in ihr drinsitzen. Kurt wusste von Arthur und Sieglinde, dass Hanna von ihren Vorbesitzern sehr stark misshandelt worden war und sich deshalb vor allem Männern gegenüber sehr misstrauisch zeigte.

„Also, das war jetzt aber nicht sehr lieb von dir, Hanna“, sagte Kurt, nachdem sie ihn immer noch anschaute, was nun passieren würde. „Wir sind jetzt quitt. Ich hab‘ dich mit der Decke in einem Schwung auf den Sitz befördert und du hast mir dafür deine Fleischerzähne in meine Schreibhand gehauen“, sagte Kurt und staunte selbst, dass er so ruhig blieb.

„Komm‘ Jimmy, lass uns los düsen, auf nach Basdorf“, sagte Kurt, so als würde Jimmy nicht starten, wenn Kurt nicht vorher mit ihm geredet hatte. Kurt kurbelte das Fenster runter, winkte noch einmal zu Arthur und Sieglinde und dann brauste er mit Jimmy davon.

Hanna lag zusammengerollt auf der Decke und von ihr war nur noch ein weinerliches Jaulen zu hören. Kurt drehte den Radioknopf an, ‚Radio B2, Schlagerradio‘.

‚Wir fahren gemeinsam ins Glück, komm‘ lass uns Freunde sein…‘ trällerte eine piepsige Stimme und Kurt summte die eingängige Melodie mit.

Doch Hanna kläffte dagegen sofort an.

„Ist ja gut, wir werden schon noch Freunde, die Frage ist nur, wann“, sagte Kurt zu ihr und schaute dabei in den Rückspiegel.

Hannas misstrauischer Hundeblick verriet, was sie von alledem hielt, was Kurt in ihre Richtung sagte.

DAS WOHL SPANNENDSTE ABENTEUER MEINES LEBENS BEGINNT JETZT

INTERVALLFASTEN
50 KILO ABNEHMEN (29-1)
Ich kann es nicht glauben, dass ich mich dazu durchgerungen habe, mein Gewicht um ganze 50 Kilo zu reduzieren.
Diesen ersten Satz habe ich vor ca. einem Jahr geschrieben. Inzwischen habe ich es geschafft, 7 Kilo von meinem Gewicht herunterzubekommen. Doch das reicht natürlich nicht. Ich will jetzt damit beginnen, mich mit der Verbindung von Ernährung und Heilfasten zu beschäftigen, und meine Erkenntnisse auch im Alltag zu berücksichtigen.

Kann ich das schaffen? Ja, kann ich. Ich hab’s bergauf geschafft und 50 Kilo auf mein Normalgewicht gepackt und nun muss ich den Weg eben umgekehrt gehen.

Das wird genauso funktionieren.
Wirklich? Man sagt ja, der Abwärtsstieg ist oftmals komplizierter und gefährlicher, als eben in der umgekehrten Richtung.
Den Entschluss abzunehmen, hatte ich bereits im Januar gefasst.
Also so, wie man es macht, zu Beginn des Jahres.

Da wog ich 131 Kilo bei einer Körpergrößer von 178 cm.
Es schaudert mich, wenn ich allein diese Zahlen aufschreibe. Und ehrlich: Ich schäme mich auch.

Der Schrecken bekommt hier ein konkretes Gesicht.
Meine Frau hat mich gefragt, warum ich das öffentlich machen will und mich dadurch freiwillig scheinbar unnötigem Druck aussetze?
Ich habe ihr anfangs zugestimmt und nicht damit begonnen, darüber zu schreiben.

Aber es ging danach nicht so wirklich vorwärts.
Das Gewicht schwankte zwischen 131 und 128 Kilo.
Dann entschied ich mich, ins Fitness-Center zu gehen.
Dort war ich zur Einweisung und anschließend auf der sogenannten Fett-Waage.

Auf dem Display erschien, dass ich vom Geburtsalter her 66 Jahre alt bin, vom biologischen Alter her aber 77 Jahre. Das hat mich umgehauen.

Viele haben mir gesagt, dass ich viel jünger aussehe, als es in meinem Ausweis steht.
Und nun biologisch nicht jünger, sondern 10 Jahre älter?
Das war eine rote Linie, unsichtbar bisher, aber brutal ans Tageslicht gezerrt.

Das war der letzte Anlass, mich selbst mehr unter Druck zu setzen, mich zu motivieren.
Ich bin danach runter von 128 auf 127 Kilo.
Dann war wieder ein bisschen ‚Funkstille an der Abnahmefront‘.
Heute wiege ich 123,7, von den ‚up‘ and ‚downs‘ zwischendurch mal abgesehen.

Es geht also. Ich merke es an meinem Bauch, der etwas dünner geworden ist.
Und nun will ich das alles systematisch forcieren.
Hab‘ ich vor, zu hungern? Nein.

Will ich mit Macht abnehmen? Auch nein.
Was dann?
Ich werde es kontinuierlich betreiben.

Ich werde keine Diäten befolgen, nur gesünder essen, weiter Sport treiben.
Und: Ich will es schaffen durch ein Mentaltraining, deren Inhalte ich mir selbst erarbeite.

Darüber schreibe ich hier auf dem Blog, und zwar ehrlich, humorvoll, immer mit einem kritischen Seitenblick auf mich selbst.

Das wird die spannendste Reise meines Lebens.
Ich habe ein wenig Angst davor und ich freue mich auf dieses Abenteuer.

Was macht mich so sicher, dass ich es schaffen werde?
Scherzhaft habe ich als Untertitel ‚probehalber‘ dazugeschrieben.
Aber es ist kein ‚Probealarm‘!

Nein, es ist mir bitterernst.
Den Ausschlag werden meine Gedanken geben, meine innere Stimme wird mich nach vorn treiben. Sie alle werden mir die Kraft verleihen, die ich auf dem Weg benötige.

Meine eigene Motivation wird mich tragen.
Diese, meine Motivation ist das, was macht, das ich, der ich kann, auch noch will und darum alles tu‘.

 

 

 

 

ICH WILL STERBEN

ANNA IST DEMENT (63)

Der Tag begann mit herrlichem Wetter, die Sonne fing an zu scheinen, die Baumwipfel bewegten sich leicht und verdeckt von den grünen Zweigen der Bäume und Büsche waren die Vögel mit ihrem fröhlichen Gezwitscher zu vernehmen.

Anna war auf den Balkon gegangen und schaute von da aus auf den Strelasund. Auf dem Wasser waren Boote zu sehen und Segelschiffe, die langsam über die Wellen glitten.

Anna sah das alles, doch sie nahm es nicht wirklich wahr.
Ihr Gesicht schien regungslos und die Mundwinkel zeigten nach unten, so als ob es ganz furchtbar sei, an diesem schönen Tag auf dem Balkon zu stehen.

Es klingelte und Anna ging vom Balkon zurück in das Wohnzimmer und von da aus steuerte sie im Flur auf die Wohnungstür zu. Sie drehte den Schlüssel um, und noch bevor sie die Türklinke heruntergedrückt hatte, ertönte die Klingel ein zweites Mal.

Es war Lukas, der nach Anna sehen wollte.
„Du hast ja solange gebraucht, um die Wohnzimmertür zu öffnen“, sagte er.

„Ach, ich war auf dem Balkon“, sagte Anna.
„Und, schön über das Wasser zu gucken?“, fragte er Anna.
„Was soll denn daran schön“, fragte Anna mürrisch zurück.
„Mutti, wie viele Einwohner von Stralsund haben eine so schöne Wohnung mit einem phantastischen Ausblick auf den Strelasund?“
Anna antwortete nicht.

„Geht es dir nicht gut, Mutti?“, fragte Lukas besorgt.
Weißt du, ich will sterben!“

Lukas erschrak, obwohl es nicht das erste Mal war, dass Anna diese Satz sagte.

Sie äußerte sich vor allem dann so, wenn sie in einer depressiven Phase war, und sie den Eindruck bekam, dass sie sich nichts mehr merken konnte und zum Teil sogar in der eigenen Wohnung die Orientierung verlor.

„Warum willst du denn sterben?“, fragte Lukas mit leiser Stimme nach.

„Mir macht nichts mehr richtig Spaß und ich vergesse ja sowieso alles“, antwortete Anna. Ihr Gesicht hatte einen weinerlichen Ausdruck angenommen.

„Aber Mutti, wir sind doch alle für dich da und ich will für dich ja heute auch noch einkaufen. Soll ich dir Eis mitbringen?“
Lukas schaute Anna fragend und zugleich erwartungsvoll an.

„Das wird doch wieder alles schlecht im Kühlschrank“, sagte Anna knapp und trotzig.

Lukas ging, kaufte für Anna ein, brachte ihr Eis mit und verabschiedete sich traurig von ihr.
Am nächsten Tag rief Klara bei Anna an.

„Hallo Mutti, wie geht es dir?“
„Mir geht es gut, ich sitze gerade auf dem Balkon und schaue auf das Wasser. Weißt du eigentlich, wie schön es hier ist?“, fragte Anna fröhlich.

„Ja Mutti, das weiß ich, denn du wohnst ja immerhin dort schon seit über 60 Jahren.“

„Da hast du recht, aber ich wollte es nur noch einmal sagen.“
„Mutti, das ist doch wunderbar, und ich freue mich, dass es du heute gut drauf bist“, sagte Klara.

„Wieso heute? Mir geht es immer gut“, sagte Anna.
Klara rief später Lukas an und erzählte ihr von diesem Telefonat. Sie mussten beide lachen, obwohl ihnen nicht so richtig danach zumute war.

POLCHOW – UNSER RÜCKZUGSORT

Du brauchst einen Rückzugsort, jeden braucht ihn.
Am besten ist, du dir einen solchen Ort im Kopf einrichten. Ich tue das, und damit ich ein noch besseres Gefühl habe, entstehen schöne Bilder vor meinem inneren Auge.

Sie stammen aus der Gegenwart oder auch aus Erinnerungen der vergangenen Jahre.
Eine Erinnerung, eine sehr starke, verbindet mich mit Polchow auf Rügen. Wir hatten dort 25 Jahre unseren Rückzugsort.

Dieser Morgen war sonnig und klar. Es war die schönste Zeit, wenn alle noch schliefen und ich im Bademantel, mit einem Handtuch bewaffnet, vom Bungalow aus zum Hafen am Bodden hinunterging.

Vom Hafen selbst war nicht viel übriggeblieben, und gerade das machte ihn so anziehend. Schon von weitem sah ich einige Holzpfähle, die man in den Boden des Boddens gerammt hatte, um den Hafeneingang vor Sturm zu schützen.

Sie waren im Laufe der Zeit morsch geworden, manche Pfähle ragten nur noch wie abgebrochene Streichhölzer aus dem Wasser.

Auf ihnen saßen kreischende Möwen, so als würden sie sagen wollen, dass nur sie dort zuhause wären und kein anderer. Rechts und links des Hafengeländes wogte Schilf im Wind und es roch nach Tank.

Eine frische Brise wehte herüber, sanft genug, um sie tief einzuatmen, sich dabei gleichsam zu strecken und die Stille ringsherum in sich aufzunehmen.

Auf dem Wasser waren kleine Schaumkronen zu sehen, die auf den Strand zutrieben. Ich ging zum Bodden hinunter, um zuerst die Badehose auszuziehen und dann ins Wasser zu gleiten.

Vorher schaute ich mich noch um, ob wirklich kein Mensch zu sehen war. Etwas weiter weg, über die Straße rüber, am Ostseestrand, da war die Sache klar. Es gab faktisch keinen Textilstrand, sondern die Badenden liefen fast ausnahmslos nackt ins Wasser.

Hier an der Boddenseite aber, da war es etwas anders. Es ging ‚gesitteter‘ zu und die wenigsten waren Anhänger der Freikörperkultur.

Ich schon, aber nur, wenn ich in den frühen Morgenstunden allein hier unten war. Doch ich war vorsichtig. Manchmal lugte ja hinter dem Schilf plötzlich noch eine ältere Dame hervor und wackelte auf den Strand zu, direkt dorthin, wo mein Handtuch lag.
Splitterfasernackt rief sie mir schon von weitem ein fröhliches ‚Guten Morgen‘ zu.

„Warum kann hier nicht mal eine Meerjungfrau aus dem Wasser steigen?“, fragte ich mich in diesen Momenten.

Heute war keiner zu sehen, die ältere Dame auch nicht. Also streifte ich zügig die Badehose ab, lief mit schnellen Schritten ins Wasser, um mich dann kopfüber gänzlich hineinzustürzen und hastig los zu schwimmen, mich dann sofort auf den Rücken umzudrehen und heftig mit den Beinen zu strampeln, in der Hoffnung, ich würde die Kälte nicht mehr so spüren.

Ich hielt es aber nie lange aus und eilte aus dem Wasser, um mir mit dem Handtuch den Rücken abzurubbeln. Erst wenn ich wieder im Bademantel eingehüllt war, ließ ich den Blick über das Wasser, die eingerahmten Pfähle, das Schilf schweifen.

Bis hin zum gegenüberliegenden Ufer, an dem in Sommerabenden ‚Störtebeker‘ aufgeführt wurde und zum Schluss das Feuerwerk den Hafen erhellte.

Bücher, solche, die ich mag, lassen ebenfalls schöne Bilder vor meinem Auge erstehen und ein gutes Gefühl. Und darauf kommt es an.

DIE MÜHEN DER EBENE HABEN BEGONNEN

INTERVALLFASTEN
50 KILO ABNEHMEN (29-2)
Probezeit wirklich vorbei? Oh ja, ganz gewiss ist das so. 
Und sie halten bis heute an, die Mühen der Ebene. 
Ich habe mal nachgelesen, was ich dazu im Juli 2019 geschrieben habe. 

Protokoll -Juli 2019

Am vergangenen Mittwoch wog ich 123,0 Kilo.
Das war für mich ein toller Erfolg, waren es doch am 29.06.2019 noch 127 Kilogramm.

Aber ich habe das Gewicht nicht halten können.
Heute am Montag, den 08.07.2019, sind es bereits wieder 125,2 kg.

Was ist schief gelaufen?
Ich bin leichtsinnig geworden, habe mal Abendbrot gegessen, obwohl ich das nicht mehr wollte und auch Kekse zum Kaffee gegessen.

Am Wochenende dann war ich in Dresden, bei meinem Vater. Es geht ihm sehr schlecht. Die Ärzte sagen, dass es zu Ende geht. Das alles hat mich so mitgenommen, dass ich abends zwei Gläser Rotwein getrunken habe.

Und schon waren die 123,00 Kilo wieder hin.
Es gibt in diesem Zusammenhang trotzdem etwas Positives:

Ich habe mein Ziel erreicht, denn ich will jeden Tag 100 Gramm abnehmen.

Heute sind als Soll 126,1 kg notiert.
Tatsächlich bin ich aber bei 125,2 kg, also bereits 1,8 kg unterhalb dessen, was ich laut meiner Liste wiegen darf.

Allerdings sehe ich mal wieder, wie schnell es auch wieder in die andere Richtung gehen kann.

Diese Woche will ich das Gewicht halten, nicht über 125,5 Kilo kommen – denn das ist mein Listenziel, wenn ich weiter davon ausgehe, täglich 100 Gramm abzunehmen.
Optimal wäre es, wenn ich bis nächsten Montag unter 125,0 kg  käme.

Soweit der Bericht vom 08. Juli 2019.

Gewicht am 11. Mai 2020: 126,1 kg

Im Kreis gedreht? Ja.

Aber damals kannte ich die Methode des Intervallfastens noch nicht.

AKTUELLER NACHTRAG: Freitag, 15.05.2020: 123,7 kg. In dieser Woche habe ich also 2,4 Kilo verloren. Ich bin glücklich, fühle mich gut, weil ich am 11.Mai 2020 wieder begonnen habe, mich dem Sport und dem Intervallfasten regelmäßig zu widmen. Ich muss weiterlesen, mich motivieren, aber vor allem: durchhalten!

 

 

DACKEL HANNA – DER VERKAPPTE KAMPFHUND

ALLTÄGLICHES (50 -1)

HERTA UND KURT (1)

„Kannst du für eine Woche auf unseren lieben Hund aufpassen?“
Für eine Weile sagte Kurt gar nichts.
„Hat es dir die Sprache verschlagen?“, ertönte es am anderen Ende der Telefonleitung.

„Naja, ein bisschen schon!“, brummte Kurt.
‚Ihr habt sie ja nicht alle! Soll‘ ich wirklich auf diese Töle aufpassen? Wie hieß sie noch? Hanna, richtig‘, schoss es Kurt durch den Kopf.

„Hanna freut sich auf dich, und du weißt ja, sie ist ein bisschen schüchtern und verängstigt“, flötete Sieglinde mit süßer Stimme.
‚Hanna schüchtern und verängstigt? Bissig, hässlich und knurrig, das waren die richtigen Merkmale von Hanna‘, dachte Kurt und schwieg noch immer.

„Was habt ihr denn vor?“, fragte Kurt jetzt.
„Ach wir wollen uns mal ein paar Tage eine Auszeit gönnen, raus aus der Corona-Isolation und den Kopf freikriegen“, sagte Sieglinde weiter.

„Arthur hat da was entdeckt, wo wir schnell hinfahren können, trotz Urlaubssperre.“

‚Was das wohl für ein Ort war, und warum mussten sie nun schon wieder verreisen? Dabei waren sie doch noch kurz vor der Corona-Krise aus Südtirol zurückgekommen.‘

Aber Kurt konnte es egal sein, er wollte nur auf keinen Fall die bissige und knurrige Hanna an seinem Bein kleben haben.
„Meint ihr wirklich, wir wären die richtigen Aufpasser für die Tö… eh, ich meine für die süße Hanna?“

„Auf jeden Fall, Kurt, du schaffst das schon.“
„Naja, Sieglinde, du weißt, ich sitze von morgens bis abends am Schreibtisch über meinen Texten.“

Kurt war bereits Rentner. Doch das war für ihn kein Zustand. Er legte Wert darauf, dass er noch freiberuflich tätig war. Herta ging noch arbeiten und Kurt wollte nicht nur der sein, der sie morgens zum Zug brachte und abends wieder von da abholte.

„Na gut, dass du das erwähnst, denn auf deinen letzten Umsatz-Abrechnungen ist nichts davon zu merken, dass du noch arbeitest“, antwortete Sieglinde.

Sie war seine Steuerberaterin und sah, dass für seine PR-Kampagnen kaum etwas hereinkam.
Sieglinde hatte recht. Trotzdem ärgerte sich Kurt im Stillen, jedoch sagte er nichts daraufhin.

„Wann wollt‘ ihr denn los?“
„Weißt du, morgen schon. Es wäre also schön, wenn wir Hanna bereits heute bringen könnten“, sagte Sieglinde.

„Gut, ich komme gleich vorbei, dann haben wir es hinter uns“, sagte Kurt. Er glaubte es nicht, dass er so schnell eingeknickt war.

Er hatte eben doch einen zu weichen Kern. Außerdem waren Sieglinde und Arthur sehr gute Freunde, die auch halfen, wenn es darauf ankam. Es kam nicht darauf an, Kurt und Herta fragten einfach nicht.

Kurt ging aus der Haustür zum Carport, zu seinem Jeep. Den mit Kulleraugen vorne dran.
‚Since 1941‘, konnte man im Innenraum lesen, direkt neben dem Lenkrad aufgedruckt.

Kurt liebte sein Auto, obwohl es von hinten so klein aussah.
„Wie ein Renault – Twingo, da musst du dich nicht wundern, dass dich jeder überholen will“, sagte er oft zu Herta. Die schwieg dazu.

„Es passt aber in unser Budget“, antwortete sie, wenn Kurt gar nicht mehr aufhörte, darüber seine Witze zu machen.

Kurt sagte: „Du Jimmy, wir kriegen Besuch, also zeig‘ dich von deiner besten Seite. Und wenn die Töle bei dir reinpinkelt, keine Sorge, wir legen die dunkelblaue Decke auf deinen Rücksitz.“

Jimmy antwortete nicht, konnte er auch nicht, er war ja ein Jeep. Aber das störte Kurt nicht im Geringsten.
Im Gegenteil, er liebte es, wenn er keine Widerworte bekam.

Kurt bog von der Dorfstraße auf die Hauptstraße ab, in Richtung Schönwalde.
Als er in Schönwalde in die Siedlung einbog, da erkannte er schon von Weitem Sieglinde und Arthur.

Ganz unten, zu ihren Füßen, war Hanna angeleint.
Als Kurt den Motor von Jimmy abstellte und aus dem Wagen stieg, da schlug ihm ein herzliches Knurren und Bellen entgegen. Hannas Schnauze schäumte und sie zerrte an der Leine, dass Sieglinde Mühe hatte, sie an ihrer Seite zu halten.

„Na, wer ist denn da? Ist das die liebe Hanna, mit den krummen Beinchen? Du bist ja ein aufgeweckter Dackel, na, wir werden bestimmt viel Spaß miteinander haben!“, sprach Kurt Hanna an. Sein ironischer Unterton blieb Sieglinde und Arthur nicht verborgen.

„Das ist nur am Anfang so. Mit der Zeit wandelt sie sich, du wirst schon sehen“, sagte nun Arthur.

„Ja, wenn ihr wiederkommt, dann wird sie euch ihr wahres Wesen zeigen!“, entgegnete Kurt.
„Nicht wahr, du kleiner verkappter Kampfhund“, setzte er noch in Richtung von Hanna nach.

Die war auf einmal still und schaute ihn zum ersten Mal mit neugierigen Augen an.
„Reicht täglich eine Tracht Prügel, oder muss ich auch noch Hundefutter besorgen“, fragte Kurt nun Sieglinde.

Wenn das Herta wüsste, wie Kurt hier redete. Sie würde vor Scham in den Erdboden versinken. Aber sie war ja nicht da, sie war arbeiten.

Und dass sie ab heute einen Abendgast hatten, der noch dazu eine Woche blieb, das wusste sie auch noch nicht.
Arthur kannte Kurt und nahm es ihm nicht krumm, wenn der so redete.

Er wusste, dass Kurt ein gutes Herz hatte, und es meist hinter seinen Sprüchen zu verstecken suchte.

„Na, dann komm‘ mal du kleiner Regenpinscher“, sagte Kurt und übernahm die Leine von Sieglinde.

Hanna versuchte sich zu wehren, mit allen Kräften. Sie stellte sich auf die Hinterpfoten und versuchte mit dem Maul ihre Leine loszuwerden.

Aber Kurt zog sie in Richtung von Jimmy. Hanna lief nicht mit, nein, sie wurde bis zum Auto geschleift.

Arthur und Sieglinde beobachteten das alles mit schreckgeweiteten Augen. Man sah ihnen an, dass sie bereits bereut hatten, Kurt überhaupt anzusprechen.

„So, nun sag‘ schön guten Tag zu ‚old Jimmy‘, das ist nämlich mein bester Freund. Und es kann durchaus auch deiner werden, vorausgesetzt, du pinkelst ihm nicht die Sitze voll“, sagte Kurt zu Hanna. Die fing nun an in Richtung Sieglinde zu jaulen. Sieglinde zitterte leicht und hatte Tränen in den Augen.

„Na komm‘, heute Abend lernst du Herta kennen. Ja, die wird sich freuen, wenn sie kurz vor dem zu Bettgehen noch einmal mit dir vor die Tür darf. Ach, das wird fein.“

BEI DIESEM BUCH BIN ICH FÜNDIG GEWORDEN

INTERVALLFASTEN

 E-Book, Prof. Dr. Andreas Michalsen, ‚MIT ERNÄHRUNG HEILEN, BESSER ESSEN, EINFACH FASTEN, LÄNGER LEBEN, NEUESTES WISSEN AUS FORSCHUNG UND PRAXIS, Insel Verlag. 
Andreas Michalsen ist seit über zehn Jahren als Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin tätig und er arbeitet außerdem als Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité.

Schon seit geraumer Zeit überlege ich, wie ich mehr Kontinuität in meine Aktivitäten zur Gewichtsreduktion bekomme. Eine Freundin gab mir bereits vor einem Jahr den Tipp, es mit Intervallfasten zu versuchen.

Ich war begeistert, aber ich war nicht hartnäckig genug darin, durchzuhalten.

Vor einiger Zeit entdeckte ich dann das Buch von Prof. Dr. Andreas Michalsen „Mit Ernährung heilen, besser essen, einfach fasten, länger leben.“

Was mir an dem Buch sofort gefallen hat ist die Tatsache, dass der Autor sich nicht ins ‚wissenschaftliche Weltall‘ verflüchtigt, sondern mit dem Leser auf gleicher Augenhöhe kommuniziert.

So beschreibt er im Vorwort, dass es für ihn eine Zeit gab, in der nicht auf gesunde Ernährung geachtet hat, sich zum Beispiel mit Fast-Food während der Schichtdienste im Krankenhaus begnügte. (Vgl. ebenda, Vorwort)

Bis er selbst merkte, dass er etwas gegen einen zu hohen Blutdruck und seine schlechten Blutfettwerte tun musste.

Das kommt mir bekannt vor, nur dass er es mit Anfang 30 bemerkt hat und sein Leben diesem Thema widmete, während ich im 68. Lebensjahr damit anfange, mich intensiv mit dieser Problematik auseinanderzusetzen und so mein Ziel, nämlich 50 Kilo abzunehmen, tatsächlich erreiche.

Ich bin ein Mensch, der die Dinge lesen und Zusammenhänge begreifen muss – vor allem dann, wenn sich in meinem Denken und später auch in meinem Handeln etwas nachhaltig ändern soll.

Am liebsten konspektiere ich solche Bücher sogar, zumindest die für mich wichtigen Inhalte.

Erst dann ‚sickern die Sachverhalte allmählich in mein Gehirn ein‘, bis sie mich schließlich nicht mehr loslassen.

Der Autor hat es bereits geschafft, dass ich mit dem Buch schlafen gehe, es im Liegestuhl im Garten lese.

Im Kern geht es ihm in seiner inhaltlichen Darstellung darum, Ernährung und Heilfasten miteinander zu verbinden.

Bereits im Vorwort unterstreicht er, dass sich diese beiden Elemente sehr gut miteinander verknüpfen lassen und einander gut ergänzen.

„Fasten und Essen ergänzen sich ideal. Die beeindruckenden Erkenntnisse und die Heilungserfolge an Tausenden von Patienten der Fasten-Forschung legen nahe, dass die Kombination aus regelmäßigem Fasten und gesundem Essen das Beste ist, was wir unserem Körper geben können.“ (Vgl. ebenda, Vorwort)

Wahrscheinlich werde ich nicht alles lesen, sicher auch nicht in der aufgeführten Reihenfolge. Aber es steht schon jetzt fest: Dieses Buch wird mein Leitfaden für meine nicht leichte Reise, auf der ich 50 Kilo verlieren will.

 

 

 

DIE SACHE MIT DER PERSPEKTIVE AM MONTAG

 Als ich heute früh hochschreckte und mich aufrichtete, um die Uhr bei Klara deutlicher zu sehen, da hoffte ich inständig, dass es noch nicht vier Uhr sein sollte.

Es war tatsächlich noch nicht soweit. Der Wecker zeigte nämlich ‚erst‘ 3.59 Uhr an.

In einer Minute würde er losklingeln.

„Das kann doch nicht wahr sein“, fluchte ich laut und Klara musste lachte, denn sie war ebenfalls bereits wach.

Ich schwang die Füße hoch und blieb noch eine Weile auf dem Bett sitzen.

Jetzt kamen mir all die Gedanken, die ich zu Wochenbeginn gar nicht haben wollte: Ich musste heute die Autowerkstatt anrufen und die Überweisung von knapp 800 Euro für die neuen Reifen zur Bank bringen.

Überhaupt wurde mir klar, dass ich nach dem Frühstück und nachdem ich Klara zum Zug gebracht hatte, spätestens 6. Uhr am Schreibtisch sitzen musste. Meine Laune war auf dem Tiefpunkt.

Als Klara in die Küche kam, da sagte sie: „Der Radiomoderator hat gesagt, dass es erwiesen ist, dass der Montag definitiv ein Grund ist, warum man so schwer aus dem Bett kommt und nicht die beste Laune hat.“

„Du, das war mir auch ohne den Moderator klar, das sitzt mir quasi in den Genen, die schlechte Laune zu Wochenbeginn“, antwortete ich.

Als ich zum Briefkasten ging, um die Zeitung herauszuholen, und diese nicht da war, rutschte meine Motivationskraft auf den Tiefpunkt.

Später, gegen 07.00 Uhr las ich im ersten Kapitel von Bronnie Ware. „Perspektivwechsel“ (1), so war es überschrieben.

Sie beschreibt, wie sie beim Einkaufen auf eine Frau trifft, die vor ihr stark gebeugt geht.

Bronnie Ware erfasste Mitleid mit dieser Frau.

Später schreibt sie: „Aber dann dachte ich an… die Sache mit der Perspektive“.  (2)

Was meinte sie damit?

Es kommt ja immer darauf an, aus welchem Blickwinkel du die Dinge betrachtest. Für mich war es am Montagmorgen schrecklich, vier Uhr aufzustehen und sechs Uhr anfangen zu arbeiten.

Aber konnte ich mich nicht glücklich schätzen, dass ich von Zuhause aus arbeiten durfte, in bequemer Kleidung am Schreibtisch saß? Und zwischendurch lief ich auch noch am Liepnitzsee. Ich tat etwas für die Gesundheit, wozu andere in der Arbeitszeit gar nicht kamen.

Ich habe die Autorin so verstanden, dass es nur darauf ankommt, die eigene Sicht zu verändern und das Leben neu zu betrachten.

Bronnie Ware schreibt: „Es ist ganz egal, wie beschwerlich das Leben zuweilen ist. Wenn wir die Perspektive wechseln, sieht alles gleich ganz anders aus.“

Ich habe gleich bessere Laune und schreibe auf ‚Hochtouren.‘

(1)Bronnie Ware: „Leben ohne Reue. 52 Impulse, die uns daran erinnern, was wirklich wichtig ist.“ Wilhelm Goldmann Verlag, München, 5. Auflage, Taschenbuchausgabe September 2016 Kapitel 1 Perspektivwechsel, S. 21ff)
(2) ebenda, S. 22

VORLESEN FÜR KRÜMEL – DAS PASST IN DIE ZEIT

MAL SCHNELL ERZÄHLT
Wir wollen wieder mehr für Krümel tun, per Skype, Video und Whats App. Aber was? Vorlesen!

Genau darüber wird viel gesprochen und geschrieben in letzter Zeit. Ich sah mehrere Berichte darüber im Fernsehen. Spontan habe ich mit Laura telefoniert.

„Ich übernehme das Vorlesen bei Krümel. Wenn ihr wollt, dann werde ich Krümel Geschichten vorlesen – Märchen, vielleicht eigene Erzählungen, Kinderbücher“, sagte ich zu Laura. Sie findet das gut.

Allerdings, als ich das letzte Mal bei ihr war, vor den Schutzmaßnahmen für Corona, da habe ich mit Krümel probehalber in einem Buch geblättert, in dem verschiedene Dinge abgebildet waren – eine Tomate zum Beispiel, eine Gießkanne oder ein Sandkasten.

Krümel hat einen Augenblick mitgespielt. Dann hat sie mir kurzerhand das Buch weggenommen, es zugeklappt und stattdessen den Schakal aus Stoff, den mit den hässlichen Ohren, zum Trinken genötigt, und zwar durch die Nasenlöcher.

Naja, ich muss eben Geduld haben.
Ich habe vor einigen Jahren schon einmal als Vorleser fungiert – in der örtlichen Bibliothek. Meist waren es Märchen, die von den Kindern gewünscht zum Vorlesen gewünscht wurden.

Da ist mir noch einmal so richtig deutlich vor Augen geführt worden, wie grausam einzelne Inhalte sind: bei ‚Aschenputtel‘ wird bei dem einen Mädchen hinten ein wenig vom Hacken weggenommen, damit der Schuh passt, ‚Der Struwwel-Peter‘ verhungert, weil er zulange Fingernägel hat.

Das Vorlesen ist noch mal eine Aufgabe, die mir viel Spaß machen wird.

Wir können nicht nur immer die Welt retten, indem wir über die großen Katastrophen reden. Das ist notwendig, ja unabdingbar. Natürlich. Wir können aber auch was im Kleinen tun – Lesen ist enorm wichtig. Damit fängt alles an.

Internet, digitale Medien – da wird Krümel ihre Mutter Laura überholen und mich sowieso.

Aber das kann sie umso schneller, je besser sie lesen kann, je mehr sie weiß, je intensiver ihr Verstand geschult wird. Also verknüpfen wir mal digitale Technik mit etwas sehr Nützlichem, dem Vorlesen.
Ich fange mal mit dem Buch ‚Tilda Apfelkern‘ an.

WAS KRÜMEL JETZT WOHL MACHT? (FORTSETZUNG)

MAL SCHNELL ERZÄHLT
Krümel hatte Fieber und sollte  auf jeden Fall ihren Mittagsschlaf machen.

„Komm‘, wir gehen in dein Zimmer, suchen uns den Schlafanzug heraus und danach darfst du mal ausnahmsweise im Wohnzimmer Mittagsschlaf machen.“

Krümel nickte und fing sofort an in Richtung ihres Zimmers zu laufen. Als ich hereinkam, da hatte sie sich bereits auf ihr Bett geschmissen und den rosaroten Schlafanzug hervorgeholt.

Ich war erleichtert, dass Krümel aktiv mitmachte. Sie zog von allein ihre Hosen aus und ich knöpfte in der Zwischenzeit den Schlafanzug auf.

„Wo ist hier eigentlich oben und unten Krümel?“, fragte ich sie.
„Mein Schlafanzug“, antwortete sie stattdessen.

„Und das soll auf jeden Fall so bleiben, denn Opa will zwar wieder ‚Modelmaße‘ durch sein Training bekommen, aber hier hinein, das werde ich wohl nicht schaffen“, sagte ich zu ihr.

Inzwischen versuchte ich, ihre Arme in den Schlafanzug zu zwängen.
„Arme, Opa“, sagte Krümel.

„Ja klar Arme“, sagte ich zu ihr und sah nun, dass ich versuchte ihre Arme da hineinzubekommen, wo ihre Füße reinsollten. Also alles noch einmal zurück. Ich drehte den Schlafanzug um, bugsierte ihre Hände Richtung Ärmel und hatte es endlich geschafft.

Jetzt musste ich nur noch die Druckknöpfe zubekommen. Als ich das geschafft hatte sah ich, dass die Knöpfe falsch zugeknöpft waren.
„Würde Monk so etwas hinnehmen?“, fragte ich mich im Stillen.

Ich liebte die Fernsehserie aus den USA. Nicht nur, weil die Figur so genial Kriminalfälle aufklärte, sondern weil sie fanatisch auf Ordnung bedacht war.

Obwohl Monk eigentlich in einer Serie ein Rennen beobachten wollte, kam ihm ein älterer Herr vor das Fernglas, dessen Jacke falsch zugeknöpft war. Monk drängte den älteren Herrn so lange, bis der entnervt seine Jacke aufknöpfte und wieder ordentlich zumachte.

Daran musste ich nun denken. Also wieder alles bei Krümel aufknöpfen und von vorn beginnen. Krümel hatte kein Verständnis dafür und fing an zu weinen.

„Wir sind ja gleich fertig“, versuchte ich beruhigend auf sie einzuwirken, obwohl ‚gleich‘ in diesem Fall eher relativ gemeint war. Laura hätte in der Zeit sicherlich Krümel den Schlafanzug fünfmal ausgezogen, wieder angezogen und zugeknöpft. Aber ich war untrainiert.

Überhaupt musste ich mich daran gewöhnen, dass der Anzug schräg zugeknöpft wurde. Allein das war für mich schon eine Herausforderung. Ich war eben mehr für die geraden Sachen.

Mit dem Rest an Krümels Geduld war es nun endgültig vorbei. Sie schrie ihren Unmut laut hinaus. Ich fühlte mit der Hand an ihrer Stirn. Sie war heiß, als hätte sie eine Stunde in der glühenden Sonne gelegen.

Ich hob sie hoch, sie legte ihre Ärmchen um meinen Hals und ich trug sie ins Wohnzimmer, legte sie auf die Couch und versuchte sie zu beruhigen.

Dann fiel mir ein, dass wir den Nuckel im Schlafzimmer vergessen hatten. Ich eilte über den Flur, griff im Vorbeigehen noch die Micky Maus und kam mit beiden Utensilien zurück.

Ich steckte Krümel den Nuckel in den Mund und drückte ihr die Stoffpuppe in die Hand. Sie legte die Puppe auf ihr Gesicht. Sie machte die Augen zu und schlief sofort ein.

Ich schaute sie erleichtert an. Zugegeben, ich war fertig, mit ‚Jack‘ und ‚Büx‘, aber ich war auch glücklich, als ich Krümel so friedlich schlafen sah.

„Werd‘ wieder gesund“, sagte ich leise, legte mich auf die gegenüberliegende Seite der Couch und schlief ebenfalls sofort ein. Ohne Nuckel und Stoffpuppe.

Als wir aufwachten, stand Laura in der Tür.
Der Nuckel flog aus Krümels Mund, sie stürmte auf ihre Mutter zu. Laura nahm sie hoch und Krümel sah zufrieden aus, sehr zufrieden.

Da hast du als Opa keine Chance, und wenn du eine Rolle rückwärts machst und dabei ‚…kommt ein Vogel geflogen‘ zwitscherst.

WAS KRÜMEL JETZT WOHL MACHT ? (FORTSETZUNG)

MAL SCHNELL ERZÄHLT
„Was willst du denn essen?", fragte ich Krümel, nachdem sie den Kartoffelbrei mit Möhren abgelehnt hatte.

„Butter“, sagte Krümel. Für sie war alles Butter, ob ein Brot mit Butter, mit Käse oder auch Wurst drauf.

Also nahm ich ein Knusperbrot und beschmierte es mit Butter. Ich ging in das Wohnzimmer, setzte mich neben Krümel und reichte es ihr.

Krümel biss einmal ab und gab es mir zurück. Sie würgte an dem einen Bissen und ich verdrückte neben ihr den Rest, den größten Teil des verbliebenen Knusperbrotes.

Dabei saßen wir nebeneinander und schauten einen Kinderfilm, in dem es um ein gestohlenes Passwort für ein wichtiges Computergeheimnis ging.

Ob es Laura gutheißen würde, dass wir nicht in der Küche saßen, am Tisch, nebeneinander, so wie es sich gehörte? Egal. Krümel war krank und da sollte eine Ablenkung nur recht sein.

Wir schauten, und wir waren im Film drin, krochen nahezu gebannt in den Bildschirm hinein. Würde die Polizei den Dieb rechtzeitig fassen, um ein Unglück zu verhindern?

Krümel stand vom Sofa auf und ging direkt vor den Fernseher.
„Krümel nein, komm‘ wieder hierher zurück!“

„Ne“, sagte Krümel.
„Ne“ sagen, das hatte sie schnell gelernt, schneller, als auf das zu hören, was ich ihr in dem Moment sagte.

„Krümel, bitte“ wiederholte ich meine Aufforderung.
„In Ruuuuhe…!“, antwortete Krümel nun trotzig. Da war sie wieder die Ablehnung für etwas, was sie nicht tun wollte.

Ich musste etwas unternehmen, damit sie nicht länger vor dem Fernseher stand.

Ich drückte auf die Fernbedienung, der Bildschirm wurde dunkel und Krümel fing an zu weinen.

„Komm‘, Opa zieht dir den Schlafanzug an und dann schläfst du schön, damit wieder ganz gesund wirst“, sagte ich mit möglichst einschmeichelnder Stimme.

Jetzt ging Krümels Sirene so richtig an. Sie weinte noch stärker. Es war schon eher ein Plärren. Was sollte ich nur tun?

„Was willst du denn?“, fragte ich sie erneut.
„In Ruuuhe“, schleuderte sie mir entgegen.

Was sollte ich nur tun? Laura anrufen? Die wäre nur noch beunruhigter.

„Oh, oh“, sagte ich mit möglichster tiefer Stimme und hob meinen Zeigefinger.

Krümel lief weinend aus dem Wohnzimmer, über den Flur und warf sich im Kinderzimmer auf den Boden.

Ich saß ratlos daneben.
„Möchtest du einen Nuckel haben?“

„Ja“, antwortete sie sofort.
„Aber ich weiß nicht, wo der Nuckel ist.“

Krümel schaute mich sehr prüfend an, bereit, erneut in den passiven Widerstand zu gehen.

„Ruf mal nach dem Nuckel“, sagte ich zu ihr.
Und schon rief Krümel aus voller Kehle: „Nuckel, wo bist du?“ Donnerwetter, mit einem Mal konnte sie einen ganzen Satz bilden.

Ich zog den Nuckel aus der Hosentasche.
„Hier ist der Nuckel, er hat dich gehört.“
Krümel nickte und steckte ihn sofort in den Mund.

Gut, dass Laura dies alles nicht sah. Aber schließlich waren wir im Notstand, Krümel hatte hohes Fieber. Da musste ich Zugeständnisse machen.

„Willst du im Wohnzimmer bei mir auf der Couch liegen?“, fragte ich weiter.

„Ja“, sagte sie kurz und schmerzlos.
‚Na bitte, geht doch‘, dachte ich bei mir und hörte schon, wie Laura alle diese Regelverstöße auf eine Tafel mit quietschender Kreide schrieb. Aber das war nur so ein Tagtraum.

Jetzt kam die nächste Hürde. Ich musste Krümel den Schlafanzug als ein tolles Kostüm verkaufen.
Fortsetzung (48-6)

WAS KRÜMEL JETZT WOHL MACHT?

MAL SCHNELL ERZÄHLT
Ich denke jetzt mehr an Krümel, als ich es in normalen Zeiten getan habe. Wahrscheinlich, weil es schmerzt, dass ich sie nicht in den Arm nehmen kann, oder sie einfach im Vorbeilaufen an meinem Sessel auf den elektrischen Knopf drückt und dann meine Beine beim Lesen nach oben schnellen.
Also lehne ich mich im Sessel zurück und denke weiter an unsere Enkelin, die wir in Corona-Zeiten eben nicht sehen können.
Was mich fasziniert ist, dass Kinder ihr ehrliches Gesicht zeigen, sie nicht ihren Unmut, ihren Ärger hinter einem freundlichen oder undurchsichtigen Ausdruck verbergen. Das ist toll. Aber wenn sie das sagen oder wenigstens in der Mimik ausdrücken, was sie denken und fühlen in dem Moment, dann ist es uns Erwachsenen manchmal auch nicht recht. Krümel sagt zum Beispiel in Momenten, in denen sie was nicht möchte: „Lass mich in Ruhe, oder einfacher, weil sie es mit ihren zweieinhalb Jahren noch nicht sagen kann „…in Ruhe“. Dabei zieht sie das ‚u‘ energisch auseinander und es kommt „…in Ruuuhe“ heraus. So auch mehrfach, als ich Krümel für zwei Tage betreute, weil sie Fieber hatte.

„Keine Zeit!“, sage ich knapp, wenn ich arbeiten will und erntet daraufhin oft einen verständnislosen Blick von meiner Frau oder meinen Freunden.

Es gibt eine Ausnahme, und zwar dann, wenn meine Tochter einen Hilferuf absetzt und ich auf Krümel aufpassen soll.
Dann schiebe ich alles beiseite, mach‘ den Computer aus und eile zu Krümel und Laura nach Hause, um zu helfen.

Erst kürzlich klingelte das Telefon, als ich gerade vom Sport zurück war und mich auf eine zweite Tasse Kaffee freute, bevor ich dann an den Schreibtisch wollte.

„Krümel hat fast 40 Grad Fieber, sie ist am ganzen Körper heiß, kannst du auf sie aufpassen?“, fragte Laura mich.

„Klar, kann ich“, antwortete ich, ohne zu zögern.
„Wo ist sie denn jetzt?“, fragte ich weiter.
„In der Kita, hier bei mir“, sagte Laura.

„Gut, ich komme, so schnell ich kann.“
Ich duschte mich kurz, verzichtete auf den Kaffee, stieg ins Auto und eilte in die Kita.

Krümel schaute mich mit einem erstaunten Blick an.
„Opa“, sagte sie leiser als sonst.

Ich bekam von Laura noch ein paar Instruktionen und schon war ich mit Krümel auf dem Weg in ihre Wohnung.

Sie lag still im Kinderwagen. Es war ungewöhnlich. Sonst sangen wir auf dem Rückweg solche Lieder wie „…kommt ein Vogel geflogen…“. Ich singe vor und Krümel wiederholt ein Wort aus der Liedzeile, „…auf mein ‚Fuuuuß‘“, zum Beispiel.

Dann geht es mit „la la“ munter weiter, bis wir nicht mehr können. Und meist kann ich zuerst nicht mehr.

Jetzt aber hörte man von Krümel gar nichts.
Endlich – wir waren Zuhause angekommen. Ich zog ihr schnell die Wintersachen aus und Krümel lief ins Wohnzimmer.

„Willst du einen Trickfilm sehen?“, fragte ich sie.
„Ja‘, sagte sie leise. Ich wusste nicht, ob es Laura recht war, aber ich wollte Krümel erst mal beschäftigen.

Ich ging in die Küche. Dort hatte Laura schon das Mittagessen vorbereitet. Im Mixer waren Kartoffeln und Möhren. Ich sollte noch ein bisschen Butter dazutun, ein wenig Salz und dann das Ganze verrühren.

Als alles fertig war, rief ich Krümel und füllte ihr einen kleinen Klecks davon auf den Teller.

Es war ulkig. Ich konnte diesen Brei nicht sehen und nicht riechen, obwohl alles frisch war.

„Krümel, komm‘ essen“, rief ich erneut und Krümel schlurfte den Flur entlang.

Als sie auf dem Stuhl saß und ich den Brei vor mir hatte, musste ich würgen und aufpassen, dass ich mich nicht übergab.
Krümel schaute mich aufmerksam an.

„’Leecker‘!“, rief ich. „Willst du einen Löffel haben?“, fragte ich danach schnell. Krümel sah auf den Löffel, dann auf mein Gesicht. Ich verzog es immer noch und würgte ein wenig.

Krümel hatte sich entschieden. „Nee!“, sagte sie entschieden und rutschte vom Stuhl.

„Probier‘ doch mal, Opa hat auch schon davon genascht“, sagte ich so salbungsvoll wie möglich.

Krümel hatte mich durchschaut, „in Ruuuhe…“, rief sie beim Rauslaufen aus der Küche. Ich konnte ihr nichts vormachen, aber was sollte ich ihr nun zu essen geben?

Ich musste mir was einfallen lassen.