Archiv der Kategorie: SCHREIB-ALLTAG

SCHREIB‘ UND DU LERNST DICH BESSER KENNEN

SCHREIB-ALLTAG (10)

Wenn manchmal mein Arbeitsleben an mir in Gedanken vorüberzieht und ich daran denke, mit welchen Brüchen es verbunden war, welche Chancen ich vertan habe oder sie erst gar nicht bekam, ja dann frage ich mich, welchen Sinn das alles hatte.

Ich habe vier Jahre das Fach ‚Schiffsmaschinenbetrieb‘ studiert und konnte dem nichts abgewinnen.

Wiederum später in Moskau habe ich mich mit dem ‚Kapital‘ von Marx herumgeschlagen. Was war das wert. Gut, ich könnte sagen, dass ich zu den wenigen Menschen gehöre, die die Bände nicht nur bis zum Schluss gelesen, sondern sogar verstanden haben.

Später habe ich mich wieder einem anderen Thema zugewandt, nämlich den Menschenrechten im KSZE-Prozess. Das alles liegt sehr lange zurück, es war drei Jahre vor der Wende.

Und dann war ich Verkaufsleiter, Manager, freiberuflicher Journalist.

Mir wird schon schwindlig, wenn ich das hier alles hintereinander aufschreibe. Aber welchen Sinn hatte das alles, und wo ist die inhaltliche Klammer, die das alles schließlich umspannt?

Darauf gibt es für mich nur eine Antwort. So sehr mich manches von den Brüchen schmerzt, für das Schreiben ist es nicht nur optimal, es ist ideal.

Indem ich schreibe, beschäftige ich mich mit mir selbst. Das klingt ziemlich egoistisch.
Aber es ist so, denn ich denke über das nach, was war, warum es so war und wie ich es heute sehe.

Schreibend taste ich mich vorwärts, versuche immer wieder hinter den Sinn des Ganzen zu kommen. Und ich merke dabei, dass ich viele Erinnerungen am liebsten in Geschichten packe, die ich dann erzähle.

Werde ich dadurch zum Schriftsteller? Nein, ich denke nicht. Doch ich spüre das Leben intensiver, spreche mit mir selbst, stehe ich in Gedanken mit in Widerstreit zu mir selbst.

Das alles ist natürlich anstrengender, als wenn du nur so durch den Tag gehst, Sport treibst und deine Arbeit verrichtest.

Selbst die kleinsten Alltagserlebnisse siehst du anders, wenn du schreibst. Wie das aussieht, ja darüber denke ich in der Folge (11) des Schreib-Alltags nach.

WAS IST MIT DEN ERINNERUNGEN AUS DER ZEIT VOR DER WENDE?

SCHREIB-ALLTAG (9)

Ein Freund rief an und holte mich zurück in eine Welt, die ich fast schon vergessen hatte. Was sollte ich damit anfangen – vielleicht aufschreiben?

Ich habe kürzlich einen alten Freund und Arbeitskollegen gesprochen. Er rief bei mir an, nannte seinen Namen. Ich musste zunächst innehalten, es war zulange her, seitdem wir uns gesehen und gesprochen hatten.

Aber gleich danach purzelten die Erinnerungen, so als würde eine Kiste im Regal umgestoßen. Und dann siehst du auf einmal wieder Dinge zum Vorschein kommen, die du ohne diesen Anstoß nie wieder gesehen hättest.

„Kennst du noch den Martin?“, fragte mich mein Freund.
„Ja, ich erinnere mich dunkel“, sagte ich.

„Der lebt nicht mehr, ist gestorben. Schon vor ein paar Jahren“, sagte er daraufhin.

„Aber der, den du nicht mochtest, weißt du, was aus dem geworden ist?“, bohrte er weiter.

„Was ist aus ihm geworden?“, setzte ich ungeduldig nach, obwohl ich es gar nicht so richtig wissen wollte.
„Du, der hat nach der Wende eine unglaubliche Karriere gemacht, ist viel im Ausland gewesen und kam zu unseren Treffen stets braungebrannt.“

Dann fragte er mich unvermittelt: „Warum kommst du eigentlich nicht, um ehemalige Gefährten zu treffen?“

Ich hatte keine Antwort darauf, schwieg und überlegte.
Ja warum eigentlich bin ich noch nie bei diesen Treffen dabei gewesen?

Ich wusste es nicht.
Zu lange her? Zu langweilig, um Gespräche über Vergangenes zu führen?

Alltägliche Sorgen, die mich umtrieben und noch heute umtreiben?
Vielleicht von jedem ein bisschen.

Trotzdem, diese Menschen, Freunde, Kollegen, sympathisch oder weniger sympathisch, gehörten mal zu meinem Leben.
Die Frage zwang mich zum weiteren Nachdenken:
„Was ist, wenn du davon etwas aufschreibst, festhältst?“, fragte ich mich.

Ich könnte mich zurückerinnern, an gute und an schlechte Tage, fröhliche Ereignisse und traurige.

Auf jeden Fall würde es mich beleben, meinen Alltag lebendiger machen.

Vielleicht sollte ich daraus kleine Geschichten machen – aus dem, was mal zu meinem Leben gehört hat. Ich werde darüber nachdenken.

SCHREIB-ALLTAG (8)

WARUM AUSGERECHNET DER ALLTAG?

Ich habe in den vergangenen Tagen noch einmal darüber nachgedacht, warum ich gerade den Alltag zur Vorlage für meine Texte nehme.

Und wie passt dazu zum Beispiel die Pflege?

Um mir selbst noch einmal zu verdeutlichen, warum gerade der Alltag im Fokus meines Schreibens steht, habe ich die Rubrik ‚WARUM ICH ÜBER DEN ALLTAG ERZÄHLE‘ überarbeitet und zum großen Teil neu gefasst:

Unser ganzes Leben besteht aus Alltäglichem – aus kleinen Sorgen und großen, aus Kummer, Liebe, Leidenschaft, fantastischen Erfolgen und schlimmen Niederlagen.

Der Sonntag oder der Feiertag, sie sind wichtig, dienen meistens dem Innehalten, aber unsere Energie, unsere Motivation stecken wir in den Alltag.

Diese ‚alltägliche Wirklichkeit‘ erlebt jeder anders, nimmt sie ganz individuell wahr.

Deshalb will ich keine allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten herausarbeiten, die man vielleicht im Alltag beachten sollte.

Nein, ich kann nur von meinem Erfahrungshorizont aus schreiben.
Darum wähle ich auch in den meisten Texten die ‚Ich-Erzählperspektive‘.

MEINE KERNTHEMEN SIND:
WEITERLESEN:
https://uwemuellererzaehlt.de/uwe-mueller-erzaehlt/mein-antrieb/

 

SCHREIB-ALLTAG (6)

SCHREIBEN IST WIE LIEGESTÜTZEN MACHEN

Es ist so einfach. Du nimmst dir einen Stift oder greifst dir die Tastatur und los geht’s.

Wirklich?
Wenn es so einfach wäre, dann hätten wir so viele und wahrscheinlich in der Mehrheit auch gute Texte.

Aber die Wahrheit lautet anders: Du musst dich  nämlich ziemlich überwinden.

Irgendwie kriegst du im Leben nichts hin, ohne dich wirklich anzustrengen, oder?

Willst du Liegestütze machen, dann musst du dich auf den Boden legen. Und dann brauchst du nur noch die Arme strecken. Nur? Dieses ’nur‘ kostet dich viel Überwindung. Aber wenn du es getan hast, dann bist du stolz auf dich.

Beim Schreiben ist es ähnlich.
Es gibt einen Trick, den ich dabei anwende.
Ich schreibe einfach los. Zum Beispiel, wenn ich im Fitness- Studio bin. Du fängst beim Tippen automatisch an zu denken.

Aber es ist auch ein bisschen wie ‚mal sehen, wo es mich ‚hinschreibt‘.
Doch das wirft den Gedankenmotor an. Ich sitze gerade im Studio an der ‚Beinpresse‘.

Neben mir liest jemand ein kleines Büchlein – zwischen den einzelnen Übungen – die er absolviert.
Ich schreibe eben in der einen Minute Pause, die ich mir nach 15 Wiederholungen gönne.
Was ist der Trick? Du schreibst sofort los. Besser, ich tippe los. Auf dem iPhone.
Mit dem rechten Daumen. Die Herausforderung ist, nicht zwei Buchstaben auf einmal zu erwischen. Vor allem, wenn der Daumen so dick ist, wie meiner.

Wäre ich an meinem Schreibtisch, dann würde ich mit dem Füller erst einmal einen groben Arbeitsinhalt skizzieren. Danach würde ich das Blatt einscannen. Umständlich.

Anschließend: den Rohentwurf schreiben, wieder mit dem Füller.
Warum mit Füller?
Weil zwischen meinen Gedanken und meinem Blatt nichts weiter ist, mental jedenfalls nicht.
Aber mit dem iPhone schreibt es sich auch sehr gut.
Du hältst mit der einen Hand das Handy und mit der anderen Hand tippst du auf die Buchstaben. Manche schreiben ja mit beiden Händen. Ich kann das nur mit meinem rechten dicken Daumen, zwar mit den bekannten Nebenwirkungen, aber immerhin erreiche ich beachtliche Tippgeschwindigkeiten.

Korrigieren kann ich später immer noch.
Ich hänge im Studio gerade etwas unbequem an der Beinpresse mit dem rechten Fuß fest. Wird mich das aufhalten, weiterzuschreiben? Nein.
Das kann Leben kann so schön sein. Vorausgesetzt, du findest es  schön, so wie es ist.

 

SCHREIB-ALLTAG (5)

WIE DIE FIGUR DES ‚MANFRED GERBER‘ MIR HILFT, DIE TRAUER UM MEINEN VATER ZU BEWÄLTIGEN

Ich will künftig mittwochs weitere Texte zu „ANNA IST DEMENT“ veröffentlichen.

Wer meinen letzten Beitrag zum Redaktionsplan gelesen hat, der weiß, dass ich den schon wieder ein klein wenig verändert habe.
Dafür ‚Asche auf mein Haupt‘. Aber das kommt, weil ich zur Zeit intensiv darüber nachdenke, wie ich Ruhe und Kontinuität in die Sache bringe.

Und dann kommt oft genug das Gegenteil von dem raus, was ich will. Ich hoffe aber, kein Chaos.

Deshalb wird es jetzt so sein, dass ich montags den Platz für „Alltägliches“ reserviere, dienstags für „50 KILO ABNEHMEN“, mittwochs für „ANNA IST DEMENT“, donnerstags kommen Texte zum „SCHREIBALLTAG“ und freitags halte ich den Platz für Geschichten über „JEEPY“ frei.

Samstags und sonntags spanne ich am Pool im Garten aus. Ich meine damit das Planschbecken für Krümel.
Das hätte ich also geklärt.

Aber wie nun weiter mit meiner Geschichte?
Ich merke immer mehr, dass ich nicht umhin komme, meine Figuren sorgfältiger und ausführlicher zu charakterisieren.
Gestern rief mich meine Schwester an und fragte mich, ob ich nicht ein paar Worte am Grabe meines Vaters sagen wollte.

Will ich. Hoffentlich schaffe ich das emotional.
Weshalb kommt mir das gerade jetzt in den Sinn?

Naja, mein Vater ist eben einer der Protagonisten in „ANNA IST DEMENT.“

Bisher habe ich nicht viel über ihn geschrieben.
Die Geschichte soll ja fiktional bleiben. Aber es sind natürlich an den Figuren Züge von Menschen zu erkennen, die ich zum Vorbild nehme, wenn ich bestimmte Handlungsstränge weiter vorantreiben will.

Und das kann ich nicht immer aus dem Hut zaubern.
Nein. Ich werde um ausführliche Charakterskizzen nicht herumkommen.
Ich fange mit der Figur des ‚Manfred Gerber‘ an und werde dabei an meinen Vater denken.

Es wird mir helfen, mit meiner Trauer fertig zu werden.

 

ALLTÄGLICHES (2)

REDAKTIONSPLAN WIEDER EINMAL UMGESTOSSEN

Je mehr ich schreibe, desto intensiver denke ich zugleich darüber nach, in welcher Reihenfolge ich die einzelnen Themenfelder am besten bearbeite und die entsprechenden Artikel danach veröffentliche.

Ich möchte, dass diejenigen, die regelmäßig bei mir auf den Blog schauen auch wissen, was sie täglich erwartet.
Und vielleicht interessiert den einen Leser mehr das Alltägliche, einen anderen wiederum, wie ich mich beim Abnehmen quäle.

Die wenigsten werden alles lesen wollen, manch einer möchte vielleicht gar nichts mehr lesen, wenn er meine Texte studiert hat. Das ist das Leben.

Und so soll es ab jetzt sein:
montags ist Alltägliches dran; kleine Erzählungen aus dem Alltag, was mir durch den Kopf geht, was ich sehe und erlebe;

dienstags schreibe ich über meine Quälerei, um 50 Kilo abzunehmen;
Halleluja, das bleibt spannend, zumindest für mich;

mittwochs ist eine Familiengeschichte am Start; ich erzähle in kleinen Häppchen darüber, was passiert, wenn Familienangehörige von Demenz betroffen sind, wie das Leben trotzdem nicht nur von Kummer und Leid geprägt ist, sondern auch von Humor.


donnerstags lasse ich mich im Schreib-Alltag über meine Erfahrungen aus, wenn ich den Stift in die Hand nehme, auf die Tastatur der Schreibmaschine haue oder eben gleich meine Ideen und Phantasien über die Computertastatur eingebe, welches Handwerkzeug ich für meine Erzählungen benötige;

freitags gibt Jeepy in Form von kleinen Geschichten sein Bestes,

und samstags und sonntags halte ich die Füße hoch.
Und danach geht alles wieder von vorn los mit meinem Freund, dem Alltag.

SCHREIB-ALLTAG (4)

MEIN NEUER REDAKTIONSPLAN

Ich habe mir eine Struktur in der Veröffentlichung meiner Texte gegeben.
Warum?
Weil ich mich selbst mehr erziehen will.
Klingt gut, oder?

Wozu eigentlich? Na, zu mehr Disziplin.
Und: Weil ich denjenigen, die auf dem Blog oder bei Facebook regelmäßig vorbeischauen, einen besseren Überblick verschaffen will.

Manch einer interessiert sich vielleicht nur für das Alltägliche, also das, was mir förmlich auf der Straße in die Hände fällt, und was ich dann nur ‚noch‘ aufschreiben muss.

Das will ich montags tun. Dienstags und mittwochs schreibe ich über meinen Kampf, 50 Kilo abzunehmen.
Dazu zählen die Erlebnisse im Fitness-Center oder meine ‚Sünden‘ in der Ernährung, einfach meine Rückschläge und Erfolge.
Donnerstags ist ‚ANNA IST DEMENT‘ dran.

Das ist eine Geschichte. Ich erzähle über die täglichen Sorgen, das Weinen und Lachen einer ganz normalen Familie, die Erinnerungen darüber, wie es früher war und das Leben heute.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht ‚Anna‘, die an Demenz erkrankt ist, die ihre Familie auf Trab hält und trotzdem von Liebe und Fürsorge umgeben ist.

Die Personen und die Szenen sind frei erfunden, fiktional, wie der Autor wohl sagt. Und trotzdem haben sie einen realen Hintergrund.
Es geht nicht darum, irgendwelche Personen nachzuzeichnen, damit sie von anderen Menschen erkannt werden.

Nein, es geht zunächst um die Unterhaltung beim Lesen, aber auch darum, wie vielen Menschen es so ergeht, dass sie sich um dementiell erkrankte Familiengehörige kümmern müssen, nicht den Humor darüber vergessen und einfach auch mal oder gerade deshalb lachen können.

Es geht stets um Wertschätzung. Doch es geht ebenso darum, die Härte dieses Alltags zu beschreiben, wie die Krankheit oft schon alles infiltriert und wie die Erinnerungen und Erfahrungen aus der Vergangenheit der Familie in die Gegenwart geholt werden, sie ein Stück bestimmen.

Am Freitag schreibe ich über meinen Alltag beim Schreiben, was ich so beachten muss, was ich plane, zum Beispiel, so wie heute den Redaktionsplan.

Ich will gleichzeitig zeigen, dass sich Texte leicht lesen lassen müssen, dass sie einfach formuliert sind, und ich schreibe darüber, wie schwer mir das manchmal fällt.

Das ist sicher nicht für jeden etwas, aber manch einer, der sich selbst quält, der will natürlich wissen, wie es andere Schreiber hinkriegen oder ‚versemmeln‘.

Schreiben lernt man nur durch schreiben.
Richtig? Auf jeden Fall. Ich lerne aber das Schreiben auch dadurch, dass ich viel über das Schreiben anderer Autoren lese und lerne.
Vielleicht ist das nicht so interessant.

Trotzdem will ich es hier mit unterbringen, denn manch einen Leser interessiert es vielleicht doch.

Samstags beschließe ich die Woche mit ‚JEEPY‘, einer kleinen Kindergeschichte, natürlich ebenfalls gern für Erwachsene.
Das soll künftig der Plan sein.

Gibt es Ausnahmen?
Na klar. Wenn ich zum Beispiel über die Gespräche mit der Prima Ballerina berichte. Ich war ja gerade bei ihr und sie hat mir von der Geburt des kleinen Williams erzählt – von ihren Schmerzen und ihren Glücksmomenten.

Kann auch mal gar nichts erscheinen?
Ja, wenn ich durch mein Abnahmeprogramm morgens vor Hunger geschwächt aufwache und die Tastatur nicht anheben kann oder vorher meinen Füller nicht aufgedreht bekomme.

Oder ich habe mir einen Kreuzbandriss im Fitness-Center zugezogen. Vielleicht bin ich ja auch im Urlaub, meistens auf Rügen, meiner Lieblingsinsel, in Sassnitz, meiner Lieblingsstadt, und ich einfach lieber auf die See schaue, die Seele baumeln lasse.

Das geht da oben am besten.
Wie auch immer. Ich freue über jedes Interesse, jeden Kommentar, jeden Like von euch. Glaubt mir.

Wir können das meiste auf dieser Welt wenig, nur ganz schwer oder gar nicht beeinflussen. Aber gerade darum ist der eigene Alltag so wichtig, ihn selbst zu schätzen, daraus sein Glück zu ziehen, sich nicht unterkriegen zu lassen und einfach nie das Lachen zu vergessen.

Das ist das Ziel meines Schreibens, der Sinn meines Alltags. Und wenn wir nur einmal innehalten, ein paar Zeilen überfliegen, schmunzeln, weitermachen, dann ist alles erreicht.