Archiv der Kategorie: SCHREIB-ALLTAG

Schreiben hat eine sehr positive Wirkung auf den eigenen Alltag – es führt zu tieferen Einsichten in das eigene Leben; Worte können heilen – seelisch und körperlich.

ES KOMMT NICHT DARAUF AN, WORÜBER DU SCHREIBST, SONDERN WIE DU ES SCHREIBST

Ich schreibe Texte über das ‚Alltägliche‘, weil ich mich für den Alltag interessiere, für die Menschen, die ich im Alltag treffe und die mir ihre Welt beschreiben.

Eine Welt, in der wir uns alle zuerst einmal aufhalten und von da aus in die große Welt hinausschauen.

Ob im ‚Storytelling‘ oder in der ‚Familiengeschichte‘ verpackt – es sind Themen aus der ‚kleinen Welt‘, die auch immer für die ganz großen Schreiber der Ausgangspunkt für ihre philosophischen oder belletristischen Einlassungen waren.

Schreibe ich authentisch, glaubwürdig, mit genügender Sachkenntnis ausgestattet und einer ‚leichten Feder‘, so glaube ich, dass ich am ehesten den Verstand und das Herz meiner Leser erreiche.

Ich quäle mich oft damit, was ich für den Leser an aktuellen Themen aussuche und worüber ich dann auch schreiben will.

Das mag auf den ersten Blick nicht gleich nachvollziehbar sein, weil ja eigentlich aktuelle Nachrichten, Ereignisse in der Welt einen Überfluss an dem bieten, was man zu Papier bringen kann und was dann auch noch interessant genug ist, vorausgesetzt, man verdichtet es ausreichend und versieht es mit eigenen Schlussfolgerungen.

Das stimmt schon alles. Ich blättere zum Beispiel oft in der Bibel umher oder lese beim Philosophen Friedrich Nietzsche nach. Manchmal reicht es auch schon, nur einen Blick in die Berliner Zeitung zu werfen.

Und trotzdem: Es fehlt irgendetwas, so als hätte ich ein selbstzubereitetes Essen, nicht genügend gewürzt.
‚Ich koche lieber meine Gerichte ganz selbst.‘

Was heißt das?

Ich nehme mir die älteste Binsenweisheit des Schreibens zu Herzen: Ich schreibe über das, was ich kenne, meine Familie, meine Umgebung, mein unmittelbares Zuhause.

Schaut man hinter die Kulissen selbst der ganz großen Schreiber, so sind deren Texte ebenfalls von ihrer ‚kleinen Welt‘ geprägt, die sie unmittelbar wahrgenommen haben.

Und so will ich es ebenfalls in Zukunft halten – hier von den Großen zu lernen, das ist glaube ich, keine Schande.

Ob es nun Texte aus dem ‚Alltäglichen‘ sind – über den Lockdown und die kleinen und großen politischen Geschehnisse, oder ob es die in der Familiengeschichte verarbeiteten Themen des Alltags sind – es sind Texte, die ich zutiefst verinnerlicht habe, und die nur so an den Verstand und vielleicht das Herz des Lesers gelangen können.

TÄGLICH SCHREIBEN HEISST, SICH TÄGLICH ÜBERWINDEN, ABER ES LOHNT SICH

Schreiben hilft beim Analysieren der Aktivitäten im Alltag und auch beim Vordenken kommender Ereignisse.

Schreiben ist zu etwas geworden, was mir hilft, tägliche Ereignisse besser einzuordnen. Es beginnt mit dem Tagebuch.

Dort stehen die Erlebnisse und Aktivitäten einfach nebeneinander, aufgereiht, oftmals ohne irgendeinen Bezug zueinander.

Und so lese ich zum Beispiel: „In der Bibel geblättert, anschließend einige der Sprichwörter Salomos konspektiert.“

Das reicht natürlich nicht für das, was ich täglich tue. Wenn es nämlich für den Leser interessant werden soll, dann muss ich noch einen Schritt weitergehen.

Es wäre also wichtig, vom Auflisten einzelner Geschehnisse hin zur Geschichte zu kommen, darzustellen, dass es nicht darum geht, Ereignisse hintereinander aufzureihen, sondern Haltungen und Denkweisen, Motive herauszustellen, die uns im Innern antreiben und die letztlich ganz entscheidend unser Tun prägen.

Beim Konspekt der Sprüche aus der Bibel habe ich beispielsweise viele Gleichnisse gefunden, die mir helfen, besser im täglichen Umgang mit Menschen zu kommunizieren.

Das alles kostet Zeit, Energie, ja und auch viel Disziplin. Der Lohn ist ein gutes Gefühl für den Tag zu bekommen – für den, den ich gerade erlebe und für den, den ich Morgen erleben werde.

Es hilft vor allem ganz entscheidend mit, die eigenen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, und wenn doch, dann wieder mit aller Kraft darauf zuzusteuern.

DANKE AN ALLE, DIE AUF MEINEM BLOG VORBEIGESCHAUT HABEN

Ich sage danke für das Interesse an meinen Texten, meinen Beiträgen und ich freue mich, wenn Ihr mir auch in 2021 die Treue haltet.

Gesundheit zuerst, Glück in der Familie, ein gutes Händchen im beruflichen Leben und die Kraft, das Schöne in den kleinen Dingen des Alltags zu sehen – das wünsche ich allen für das Jahr 2021.

Einen guten Rutsch, selbst wenn es etwas leiser zugehen sollte.
Uwe Müller

 

 

BESCHREIBUNG VON MENSCHEN IM REALEN UND IM FIKTIVEN ALLTAG – GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE

Über Menschen, die im Arbeitsalltag stehen, eine Geschichte zu erzählen oder in einem Roman eine Figur mit Worten auszukleiden – das ist nicht so einfach gleichzusetzen.

Die Hauptfigur in einer Erzählung unterliegt einem gewissen Rollenspiel, spiegelt nur das in seinem Wesen wider, was für den Autor von Interesse ist, um seinem Konzept zu folgen.

Was man von einer belletristischen Erzählweise lernen kann ist die Kunst, die für die Charakteristik einer Person wichtigsten Züge herauszuarbeiten, diejenigen Handlungen eines Protagonisten zu beschreiben, die für sein Wesen typisch sind.

Der Autor James in Frey fasst das in seinem Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, so zusammen:

„Wenn ein Schriftsteller das Leben einer Romanfigur beschreiben will, muss er darauf achten, nur die Eindrücke, Gedanken, Reflexionen, Wahrnehmungen, Gefühle, Wünsche usw. aufzunehmen, die für die Motive, die Entwicklung der Figur und für Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, von Bedeutung sind – Eigenschaften, die charakteristisch dafür sind, wie die Figur mit den Schwierigkeiten fertig wird, die die Geschichte für sie bereithält… Homo fictus ist eine Abstraktion, die das Wesen, aber nicht die Gesamtheit des homo sapiens wiedergeben soll.“
(Vgl. James N. Frey: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ © 1993 Emons Verlag GmbH / © 1987 bei James N. Frey
ISBN 978-3-89705-32-1, S. 18)

Was kann ich daraus mitnehmen für mein Storytelling:
Dass ich genau auf die Eindrücke, Gedanken, Emotionen achte, die das Wesen des Menschen im wirklichen Leben ausmachen und die ich auch mit einem entsprechenden Text wiedergeben will.

Natürlich, es gibt gravierende Unterschiede zwischen der belletristischen Erzählweise und dem Storytelling. Was sie eint ist die Tatsache, dass man sein Handwerk in beiden Fällen erlernen und beherrschen sollte.

AUF HOMO FICTUS ODER HOMO SAPIENS BEIM ERZÄHLEN ZURÜCKGREIFEN?

In Geschichten, die erzählt werden, sind die darin vorkommenden Figuren in der Regel fiktional angelegt.
Das heißt, sie sind nicht im Verhältnis 1:1 mit den real existierenden Menschen im tatsächlich stattfindenden Leben gleichzusetzen.

Na klar, es ist immer so, dass die Hauptfigur oft Züge von aus im realen Leben vorkommenden Menschen in sich vereint.

Wenn ich in „Anna ist dement“ über die Figur des Peter schreibe, dann finden sich dort zum Teil autobiographische Ereignisse wieder oder es sind Charakterzüge wiederzuerkennen, die auch mich auszeichnen.

Nur so kann ich authentisch und lebensnah schreiben.
Aber bin ich deshalb zu 100 Prozent der Peter? Nein, auf gar keinen Fall.

Der Reiz, künstliche Figuren zu erschaffen, homo fictus eben, besteht für mich darin, dass ich meine Phantasie und meine lebensechten Erfahrungen mit einfließen lassen kann.

Es gibt noch ein weiteres Motiv, warum ich nicht nur ‚Storytelling‘ betreibe, sondern auch fiktionale Geschichten erzähle.

Indem ich über einen Protagonisten erzähle, den ich fiktiv erschaffen habe, befasse ich mich sehr tiefgründig mit dem Wesen von Menschen, damit, warum sie sich in bestimmten Situationen so verhalten und nicht anders.

Das wiederum hilft mir bei meiner Arbeit, über reale Menschen im Alltag zu erzählen.

 

MENSCHEN AUS DEM ALLTAG – OHNE SIE FUNKTIONERT STORYTELLING NICHT

Menschen aus dem Alltag, Alltagshelden, sie sind die entscheidende Zutat, damit eine lebendige Geschichte erzählt werden kann.

Dabei spielt es für mich zunächst überhaupt keine Rolle, über wen ich schreiben will – ob über den selbstständigen Handwerker einer Bauschlosserei, die Inhaberin eines Küchenstudios oder den Protagonisten in einer fiktionalen Geschichte.

James N. Frey hat das in Hinsicht auf die Helden in einem Roman so zusammengefasst:
„Figuren sind für den Romancier was Holz für den Schreiner ist und was Ziegelsteine für den Maurer sind. Figuren sind der Stoff, aus dem der Roman gemacht wird.“
(James N. Frey: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ © 1993 Emons Verlag GmbH / © 1987 bei James N. Frey
ISBN 978-3-89705-32-1, Seite 17)

Sie sind für mich aber vor allem die Alltagshelden, für die ich mich interessiere, und wie ich weiß, meine Leser ebenfalls, und sie sind es, über die ich schreiben will.

Das ist das Hauptmotiv, warum ich mir immer wieder Anregungen, Tipps, Hinweise von den Großen im Metier des Schreibens hole – Tag für Tag, im Schreib-Alltag eben.

WIE GUT UND INTERESSANT SCHREIBEN?


Geschichten, sei es im realen Leben oder im fiktionalen Bereich, sind dann interessant, wenn wenigstens über einen Menschen, einen Protagonisten, berichtet wird, der nicht einfach durchs Leben geht, ohne irgendwelche Widerstände überwinden zu müssen.

Vielmehr geht es dem Leser ja darum zu erfahren, mit welchen Hindernissen diejenige Figur zu kämpfen hat, über die berichtet wird.

Nichts ist unglaubwürdiger, als wenn ich nur über die Erfolge eines Menschen schreibe.

Manchmal höre ich im Interview, dass dies alles zu persönlich sei und keiner erfahren solle, mit welchen Schwierigkeiten der Interviewte auf seinem Weg zum Erfolg zu kämpfen hatte.

Es ist natürlich das gute Recht eines jeden, den ich frage, die Antwort darauf zu verweigern.
Aber mit jedem Detail, das weggelassen wird, mit jedem Konflikt, der unerwähnt bleibt, wird die Geschichte, das Interview blutleerer.

Zu lernen, wie man gute Geschichten schreibt, das ist wichtig.
Dabei ist es zunächst tatsächlich nicht von Belang, ob ich über eine wahre Begebenheit, eine Unternehmerpersönlichkeit schreibe oder eine fiktionale Geschichte erzähle.

James N. Frey hat in seinem Bestseller „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ bereits in der Einleitung den Kern des interessanten und spannenden Schreibens auf den Punkt gebracht:

„Ein ‚verdammt guter Roman‘ ist eindringlich, und das kann er nur sein, wenn er spannend ist. Zu einem spannenden Roman gehören die folgenden Merkmale: im Mittelpunkt steht eine Hauptfigur, der Protagonist, der mit seinem Dilemma konfrontiert wird; das Dilemma weitete sich zu einem Konflikt aus; der Konflikt verdichtet sich aufgrund einer Reihe von Komplikationen zu einem Höhepunkt; auf dem Höhepunkt wird der Konflikt gelöst.“
(Vgl. James N. Frey: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, © 1993 Emons Verlag GmbH / © 1987 bei James N. Frey,
ISBN 978-3-89705-32-1, S. 15).

PROFESSIONELLES SCHREIBEN GANZ OHNE HANDWERKLICHE KENNTNISSE IST SCHWIERIG



Ich schreibe nicht darüber, wie viel man wissen sollte, bevor man anfängt, einen Roman zu schreiben. Das ist nicht mein Thema und generell auch nicht mein Anliegen.
Ich bin eher im ‚Geschäft des Storytellings‘ unterwegs.

Aber auch da, oder ich sage, erst recht hier, sollte man sich Grundkenntnisse im Erzählen von Geschichten aneignen.

Ich bleibe da auf jeden Fall dran, mal mit mehr Energie, mal mit etwas weniger.

Es beruhigt mich, wenn ich erfahre, dass selbst die ganz Großen eine recht ausführliche Recherche betrieben, wie es ‚handwerklich‘ hinter einem Drama aussah, bevor sie selber an ihr Werk gingen.

Das ist gut zu wissen, denn man hat den manchmal den Eindruck, dass diese Menschen nur aus ihrem Genie heraus ihre Feder führten.

Im Vorwort zum Buch von James N. Frey „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, heißt es dazu so treffend:

„In Deutschland herrscht noch immer ein Vorurteil, das in den großen Aufbruchjahren unserer Literatur in der früheren Goethezeit wurzelt: Dichtung entsteht ohne weitere Voraussetzungen, sobald die Muse das Genie küsst. Goethes Götz und sein Werther, Schillers Räuber, alle im Schaffensrausch hingeworfen, scheinen da unwiderlegbare Beweise zu sein. Dabei wird leicht übersehen, dass Goethe, als er den Götz in wirklich erstaunlich kurzer Zeit hinschrieb, voll mit der Dramentradition vertraut war, dank der französischen Besetzung Frankfurts während des Siebenjährigen Krieges sogar mit der Klassischen Französischen Bühnenpraxis, dass er beim Schreiben des Werthers über die Technik der Brieferzählung bestens informiert war…“ (Vgl.: James N. Frey: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, © 1993 Emons Verlag GmbH / © 1987 bei James N. Frey, ISBN 978-3-89705-32-1, Vorwort von Volker Neuhaus, S. 11).

Die gute Nachricht dabei: Wenn es die Großen nie verlernt haben, zu lernen, dann sollten wir es recht nicht tun.

Die weniger gute lautet: Du musst dranbleiben, ununterbrochen.

STORYTELLING LEBT AUCH VON BESCHREIBUNGEN UND STIMMUNGSBILDERN

Wenn ich einen runden -Text über ein Unternehmen schreiben will, so komme ich gar nicht umhin, Elemente zu verwenden, die auch in belletristischen Erzählungen angewendet werden.

Ich will ja im Storytelling nicht nur ein paar Fakten schildern, die dem Firmenporträt einfach nur angeheftet werden.

Nein, mir geht es auch schon darum, die Stimmung einzufangen, in der ich Gespräche führe, oder, in der ich die zu Interviewenden antreffe.

Das ist nicht immer ganz so einfach, wie ich es hier aufschreibe – zum Beispiel die Atmosphäre mit Worten zu skizzieren, die ich wahrnehme, bevor mein eigentliches Interview überhaupt beginnt.

Kürzlich hatte ich einen Termin in einem kleinen Ort im Barnimer Landkreis.

Mir blieb noch ein wenig Zeit und so hielt ich auf einem Parkplatz an, mitten in der Schorfheide.

Es roch nach den Kiefernzweigen, die sich leicht im Wind bewegten.
Die Ruhe, die sie ausstrahlten, die ging auf mich über.

Und obwohl ab und an ein paar Meter entfernt von mir Autos auf der Straße vorbeirauschten, hatte ich das Gefühl, ich könnte den Stress des Tages hinter mir lassen.

Als ich wieder ins Auto stieg und auf den kleinen vor mir liegenden Ort zusteuerte, da kam Freude in mir hoch, dass ich in dieser schönen und etwas abgelegenen Gegend gleich auf einen interessanten Menschen treffen würde.

Am Ortseingang sah ich kleinere Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten.

Alles schien in Ruhe und Ausgeglichenheit gegossen. Ein paar Meter weiter standen Spaziergänger an einem Gartenzaun.

Sie unterhielten sich mit einem älteren Mann, der sich auf seine Harke gestützt hatte und trotzdem noch aus den Augenwinkeln die herannahenden Autos beobachten konnte.

„Wir sind hier ein ruhiger Ort, mit sehr ruhigen Menschen. Bei uns zählt, dass man einander vertrauen kann. Und das ist enorm wichtig für mein Geschäft. Ich selbst bin hier geboren, groß geworden und habe hier meine Familie gegründet“, begann die Unternehmerin zu erzählen.

Das Bild, das ich mir von dem Menschen machen wollte, bekam mehr und mehr Konturen.
Angefangen hatte das alles schon vorher – nämlich als ich in den Ort hineinfuhr.

WARUM DETAILS IM STORYTELLING WICHTIG SIND



Im letzten Beitrag ging es darum, dass das Storytelling, das Schreiben generell ein System braucht.
Mehr dazu: https://uwemuellererzaehlt.de/2020/11/08/schreib-alltag-21/.
In diesem Beitrag will ich der Frage nachgehen, warum Details in einer Geschichte so wichtig sind. Das können natürlich nur Anregungen sein, vor allem Erfahrungen, die ich selbst beim Schreiben gemacht habe. 

Kürzlich fragte mich die Inhaberin eines kleinen Unternehmens, warum ich sie soviel fragen würde, zum Beispiel, wo genau sie aufgewachsen ist, wie alt ihre Schwester sei und was sie alles in der Freizeit treibt, womit sie sich in der wenigen für Sie verbleibenden Zeit beschäftigt, wenn sie nicht mit ihrem Business befasst ist.

„Wozu soll das gut sein, wenn ich das alles beantworte“, entgegnete sie mir.
Ja, warum? Kann ich nicht einfach ein paar Fakten aufschreiben, ein kurzes Leistungsportfolio der Dienstleistungen und Produkte zusammentragen und anschließend Ruhe geben?

Natürlich kann ich das tun, doch was hätte das mit Storytelling zu tun, damit, dass ich einen Menschen, sei es nun beruflich oder privat vorstellen wollte?

Wer würde das lesen wollen? Vermutlich keiner.
Wenn ich beispielsweise schreibe, dass einer Unternehmerin kaum Zeit für die eigenen Enkel bleibt, dann ist das sicher erst einmal ein Fakt, den der Leser hinnimmt.

Aber wie wäre es damit?
„Anne rieb sich die Augen. Im Büro war es dunkel, ihre Mitarbeiter waren längst gegangen.
Sollte sie sich noch einen Espresso machen? Oder doch lieber die Sachen packen, das Büro abschließen, nach Hause fahren und direkt ins Bett fallen.
Sie könnte ja am nächsten Tag weitermachen. Aber sie hatte ihrer kleinen Enkelin versprochen, dass sie morgen zu ihrem Geburtstag ganz bestimmt anwesend sein würde.
‚Oma, ich freu‘ mich. Bringst du mir was Schönes mit‘, hatte sie heute noch auf der Mail-Box ihres iPhones gehört. Sie konnte ihre Enkelin nicht enttäuschen. Sie musste einfach mit am Geburtstagstisch sitzen.
Und was war mit dem Angebot? Es musste bis fertigwerden, neben den vielen Besprechungen, die am nächsten Tag anstanden.
Anne seufzte, erhob sich aus dem Sessel, schlurfte auf Strümpfen zum Kaffeeautomaten.
Ihre Schuhe hatte sie längst unter den Schreibtisch geschoben.
Irgendwie musste das alles anders werden. Nur wie, das wusste sie nicht, als sie mit dem Espresso am Schreibtisch zurück war und sich erneut in das Angebot vertiefte.“

Ganz sicher kann man das noch besser ausfeilen, prägnanter, ausführlicher beschreiben.

Aber es zeigt schon in der Fassung folgendes: Menschen und das, was sie umtreibt müssen in den Einzelheiten beschrieben, vorgestellt werden. Wie auch sonst soll der Leser an der Situation teilhaben, sich in die Nöte und Freuden von Anne, der Unternehmerin hineinversetzen können?

Es geht gar nicht darum, alles bis in die letzte ‚Fuge‘ hinein breitzuwalzen. Aber nur, indem ich echte authentische Details verwende, kann ich Anteilnahme hervorrufen, letztlich Vertrauen beim möglicherweise späteren potenziellen Kunden schaffen.
Details zu beschreiben, das will geübt sein. Mir gelingt es mal gut und manchmal gar nicht.

In jedem Fall nutze ich nahezu jede Möglichkeit, mich darin zu üben.
Fahre ich mit meiner Frau zum Einkaufen, so beobachte ich die Menschen um mich herum.
Zuhause am Schreibtisch zurück, notiere ich meine Beobachtungen.

Oft genug tippe ich sie auch gleich in mein Handy.
Keiner von uns, lebt in ‚großen Bögen‘, hält tagsüber überschwängliche Reden oder artikuliert lediglich gestanzte Worthülsen.

Nein, jeder arbeitet am Tag hunderte Einzelheiten ab, nimmt unzählige Details von Menschen und Sachen auf, wird Zeuge von Emotionen, unterliegt selbst Gefühlsregungen, kurzum lebt einfach. Dieses Leben zu beschreiben, darum geht es. Und das funktioniert, indem man die Details, die Einzelheiten berücksichtigt.

STORYTELLING BRAUCHT SYSTEM


STORYTELLING, SCHREIBEN IST WIE PROJEKTMANAGEMENT – ES BRAUCHT MÖGLICHST EIN SYSTEM

„Du schreibst doch gern!“, das höre ich oft von Freunden und Kollegen, wenn ich mit Begeisterung über meinen Blog, das Schreiben überhaupt spreche.

Aber schreibe ich wirklich so gern?

Nein, das wäre unehrlich, und ich würde auch die Augen vor den Widerständen verschließen, die das Schreiben, das Dranbleiben mit sich bringen.

Wer sich im Storytelling, im Erzählen von Geschichten über Unternehmen, Menschen in den Unternehmen, ganz einfach über Menschen im Alltag berichten will, der muss eine Menge Energie und sehr viel Zeit aufwenden.

Es spielt im Grunde keine Rolle, ob ich mich an eine fiktive Geschichte mache oder ob ich über einen Unternehmer, eine Unternehmerin erzähle, die ich in der realen Welt kennengelernt habe.

Das Rüstzeug, mein „Handwerkskoffer“, der ist universal ausgelegt, um mit dem Schreiben zu beginnen. Ich muss nur wissen, wie ich zum Beispiel das in einem Interview gesammelte Material ordne, daraus ein Konspekt fertige, als nächstes ein Exzerpt schreibe, einen Rohentwurf erstelle und so schließlich ein Entwurf vor mir liegt, der redaktionell bearbeitet werden kann.

Das braucht eine Menge Ausdauer, Fleiß und manchmal auch viel Kraft, um die eventuell an einem bestimmten Tag nicht so gute Laune niederzuringen, oder sie einfach nicht über meinen Schreibwillen obsiegen zu lassen.

Ich fange das am besten auf, indem ich stets gleich vorgehe, eine Struktur in meine Geschichte bringe, die Details sichte und überlege, wie ich einen guten Anfang und einen guten Schluss in den Text hineinformuliere.

Wie ich daran arbeite, warum für mich die Einzelheiten einer Story so wichtig sind, darüber will ich im nächsten Beitrag schreiben.

SCHREIBEN HAT MICH NICHT REICH GEMACHT, ABER ZUFRIEDENER

Nichts in meinem Leben hat mir weniger Geld gebracht als das Schreiben, aber nichts hat mich auch glücklicher gemacht, als die Beschäftigung mit dem Schreiben.

Jeder von uns ist ein Schreiber. Mal mehr und mal weniger.
Keiner kommt durchs Leben, ohne jemals einen Stift in die Hand genommen oder auf der Tastatur herumgeklappert zu haben.
Nur, es ist uns nicht bewusst, wie sehr wir auf das Schreiben angewiesen sind.

Das Schreiben bringt unsere Gedanken in bestimmte Bahnen.
Manchmal wache ich morgens auf und bin panisch, weil ich nicht weiß, wie ich das alles schaffen soll, was mir gerade durch den Kopf gegangen ist.

Indem ich einen Zettel nehme und notiere, was ich am Tag alles machen will, ja dann strukturiere ich nicht nur das, was vorher als kaum durchführbar erschien, sondern der Stress verschwindet nach und nach aus meinem Kopf.

Aber es ist nicht nur das, was ich meine, wenn ich davon spreche, dass das Schreiben zufriedener, vielleicht auch glücklicher macht.

Wenn ich von dem Schreiben rede, das ich meine, dann denke ich daran, dass ich alles, was ich erlebe, und über das ich dann berichten will, zweimal durchlebe. Einmal, wenn es passiert und dann noch einmal, wenn ich das Erlebte erneut durchdenke und überlege, was das Besondere daran war. Und dann muss ich es zudem noch in die richtigen Worte ‚gießen‘, damit es für den Leser erlebbar, nachvollziehbar wird.

Das kostet Überwindung, keine Frage. Aber wenn du es tust, dann erfährst du eine Genugtuung, die kaum zu toppen ist.
Mir jedenfalls geht es so.

Ich war nie glücklicher, als ich es jetzt bin, selbst in Zeiten dieser Einschränkungen und gesundheitlichen Risiken.

Wie oft bin ich im Leben der Karriere wegen dem Geld hinterhergerannt, der Anerkennung durch Vorgesetzte? Oft genug, zu oft.

Ich war darin nicht so ganz erfolglos, keine Frage. Und hinzukam auf der anderen Seite, dass es mit dem Verdienst steil bergab ging, als ich mit dem professionellen Schreiben begann.

Es gab eigentlich überhaupt keinen Grund, mit dem Schreiben weiterzumachen, Texte auf meinen Blog zu bringen, für die du kaum eine Anerkennung erfährst.

Und trotzdem, ich habe weitergemacht. Weil ich keinen Zustand in meinem Leben kenne, der mich zufriedener in der Arbeit gemacht hat, als dieses Ringen um Worte, um Formulierungen, um Botschaften.

Bin ich deshalb bedingungslos glücklich? Nein, das nicht. Aber ich sehe mehr, seitdem ich schreibe. Ich erkenne nicht nur, dass ich viele Fehler in der Vergangenheit gemacht habe.

Nein, ich kann diesen Fehlern sogar noch etwas sehr Gutes abgewinnen, nämlich: Ich kann über sie schreiben, weil sie zu meinen Erfahrungen gehören. Was kann mir in meinem Leben Besseres widerfahren?

Hinzugekommen ist die Zufriedenheit, dass ich täglich mit dem Stift umgehen kann, Gedanken formuliere, und wenn es mich noch so viel Kraft oder Energie kostet.

Am Schluss siehst du die Welt klarer, mit deinen Augen und mit deinen Gedanken, die du auf deinem Stück Papier stehen.

TAGEBUCH IST DER ANFANG FÜR ERNSTHAFTE VERÄNDERUNGEN

Ich lese gern in Ratgeberbüchern, was ich so alles tun kann, um mein Leben zu verbessern, glücklicher und gesünder durch den Alltag zu kommen.

„Fünf Tipps, die dein Leben reicher machen“, steht da zum Beispiel auf dem Cover eines Buches.

Ich kaufe mir oft solche Literatur und berücksichtige auch manche der dort erteilten Ratschläge. Und dann komme ich wieder darauf zurück, dass ich es selbst in der Hand habe, vieles besser zu machen, herauszufinden, was mir als nützlich erscheint.

Du kommst in dem Fall nicht um ein Tagebuch herum, um ein paar schriftliche Gedanken, in denen du selbst, mit eigener Hand deinen Weg zu mehr Freude im Alltag festhältst.
Ich höre schon die Stimmen, die mir entgegenschallen.

„Du kannst leicht reden. Steh mal morgens auf, versorg‘ die Kinder, hetze zur Arbeit und mach‘ abends noch den Haushalt!“
Das stimmt schon. Doch es gibt keinen Weg daran vorbei, etwas aufzuschreiben, wenn man wirklich etwas nachhaltig verändern will.

Was sollte man also tun?
Ich würde ganz klein anfangen. Und wenn es ein Satz ist, den ich am Tag aufschreibe, möglichst in das gleiche Heft.

Ich schreibe inzwischen alles ins iPhone. Das hat nur einen Grund: Ich trage es stets bei mir.

Beim Schreiben wird dir erst einmal bewusst, was du so alles leistest, was du schon geschafft hast, und wo du weiter dranbleiben solltest.

DIE FORMELEMENTE DES SCHREIBENS

Schreiben heißt beschreiben, begründen, Motive für bestimmte Handlungen von Personen zu liefern.

Manchmal vergesse ich in der Hektik des Tages, meinen Text noch einmal gründlich durchzusehen.

Wer kennt das nicht, dass er keine Zeit mehr findet für die Dinge, die eigentlich das ‚Salz in der Suppe‘ sind?

Ein Beispiel: Es ist für mich natürlich viel einfacher zu schreiben, dass ich sauer bin.

Wenn ich noch eine weitere Zeile darauf verwende, dann schreibe ich: „Ich bin sauer, weil die Zahnarztpraxis meinen Termin verschoben hat.“

Jetzt ist wenigstens das Motiv klar, worüber und auch im Ansatz, warum ich mich geärgert habe.

Reicht das?
Ich glaube nicht. Der Leser will wahrscheinlich mehr wissen, er möchte eine Begründung geliefert bekommen, warum die Figur, ob nun real oder fiktional, sauer ist.

Also was ist es, warum ich wirklich sauer war?
Ich beschreibe und begründe also den Umstand:

„Können Sie am Dienstag kommen, gegen 13.30 Uhr?“, fragt mich die Helferin, als ich einen neuen Termin in der Praxis nach der Behandlung vereinbare.

„Naja, eigentlich habe ich da einen Termin“, sage ich zu ihr.

Sie schaut mich an, so unter dem Motto: Du bist doch schon im Rentenalter! Was kannst du noch für Termine haben, außer vielleicht, dass du zu uns kommen musst, um deine Zähne durchsehen zu lassen?
Also stell‘ dich gefälligst nicht so an, und sag‘ einfach ja“, wird sie gedacht haben.

„Ich habe da einen wichtigen Interviewtermin, den ich vor Wochen festgemacht habe. Der Kunde ist viel unterwegs und ich weiß nicht, ob ich das hinkriege. Aber ich werde mit ihm reden. Also gut, schreiben Sie es so ein“, sage ich zur Zahnarzthelferin.

„Ja, wunderbar, Herr Dr. Müller, dann halten wir das so fest.“
Eine Woche später ruft mich die gleiche Helferin an: „Wir haben leider ein kleines Problem mit unserem Labor. Könnten Sie nicht zwei Stunden später kommen, also erst 15.30 Uhr anstelle von 13.30 Uhr?“

„Zwei Stunden?“ Das geht nicht, ich habe jetzt den Interviewtermin um einen Tag verschoben. Wie stehe ich vor dem Kunden da?“, frage ich zurück.

„Ja, es tut uns so leid, Herr Dr. Müller“, sagt sie zu mir.
Wirklich? Tut es ihr leid? Ich glaube nicht, ihre Stimme sagt jedenfalls etwas anderes.

So in der Art wie: „Zier‘ dich nicht so lange, blas dich nicht so auf und sage einfach, dass es klar geht mit der Terminverschiebung. Ich habe noch andere Patienten, deren Termine ich verschieben muss.“

„Was soll ich machen? Zustimmen?“, geht mir durch den Kopf.
Dann muss ich alles wieder umschmeißen, den Kunden davon überzeugen, dass wir doch den ursprünglichen Termin nehmen.

„Und wir können da nichts machen?“, frage ich deshalb noch einmal vorsichtshalber nach.

„Nein, das Labor hat es uns so gesagt.“
„Was gibt denn das Labor für Gründe an?“, frage ich zurück.

Ich warte auf eine Antwort. Die kommt nicht. Stattdessen: „Das wissen wir auch nicht!“

Warum habe ich mich also so geärgert? Weil ich mehr Energie, mehr Engagement in mein eigenes Terminmanagement gelegt habe, als es das Praxisteam tat. Dabei habe ich vor einem Jahr unterschrieben, dass ich für einen nicht wahrgenommenen Termin in der Zahnarztpraxis 50,00 Euro bezahlen soll, weil ja in so einem Fall dafür kein anderer Patient an meiner Stelle behandelt werden konnte.

Was ich sagen will: Jetzt weiß der Leser Bescheid, warum ich mich aufrege.

Vielleicht sagt er: „Kann ich gut verstehen“, oder: „Reg‘ dich doch nicht über so eine ‚Pille Palle‘ auf.“

Wie auch immer, er kann sich eine Meinung bilden, weil ich nicht nur geschrieben, sondern die Situation auch beschrieben, begründet habe, und zudem die Motive klargeworden sind.

Ist das einfach? Scheint so.

Aber es macht schon ein wenig mehr Mühe, als nur einen Satz aufs Papier zu werfen, der lautet: „Ich habe mich geärgert.“
Also mehr abmühen, im Schreib-Alltag eben.

SCHREIBEN BLEIBT IM SELBSTCOACHING EIN WICHTIGES INSTRUMENT

SCHREIB-ALLTAG (7)
Schreiben soll eine heilende Wirkung besitzen.
Ich habe davon noch nichts gespürt. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich diese Tätigkeit eher als ein berufliches Handwerk ansehe.

Wovon ich allerdings überzeugt bin: Mit dem Schreiben kommst du zu klaren Schlüssen, was dein Leben anbetrifft, sei es in der Rückbetrachtung oder auch mit Blick auf die kommenden Jahre.

Ich glaube fest daran, dass es nicht gelingen kann, wesentliche Veränderungen in seinem Leben herbeizuführen, ohne dass man es schriftlich fixiert, sozusagen die Gedanken strukturiert.

Ich überlege, wie ich den Schreibprozess noch besser dafür einsetzen kann, gesünder zu leben. Ich habe zum Beispiel vor Wochen damit begonnen, meine tägliche Ernährung zu protokollieren, um Schlussfolgerungen daraus abzuleiten – warum es gelungen ist, das Gewicht zu reduzieren und woran es gelegen hat, wenn es wieder mehr Kilos auf der Waage geworden sind.

In jedem Fall: Es lohnt allemal zum Stift zu greifen.
Was bleibt ist die Tatsache, dass du dich dazu überwinden musst.

Aber es gibt nun mal wenige positive Veränderungen in deinem Leben, die ohne Energieeinsatz, ohne Engagement gelingen.

Ich werde wieder mehr darauf achten, täglich wichtige Gedanken zu protokollieren, um danach effektiver meine eigenen Zielsetzungen umzusetzen.

Es bleibt also spannend, wenn es darum geht, durch Schreiben das eigene Coaching voranzutreiben.

 

ÜBER EINFACHE ALLTAGSTHEMEN SCHREIBEN IST NICHT EINFACH, ABER SPANNEND (FORTSETZUNG)

SCHREIB-ALLTAG (6)
BISHER:
Ich glaube, dass es für mich nur so möglich ist, authentisch zu bleiben, indem ich über meine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse schreibe. Das ist ein Grund, warum ich inzwischen regelmäßig ein Tagebuch führe. 
Ich beginne damit schon morgens, wenn ich im Fitness-Center bin. Ich kann darüber nur berichten, wenn ich unmittelbar erlebe, wie es ist, sich zu überwinden, die Übung an einem Trainingsgerät wieder und wieder zu absolvieren. Oder die Tatsache, dass jemand mit seinem Handtuch einen Platz blockierte, selbst aber an einem völlig anderen Gerät trainierte.
„Stell‘ dir nur mal vor, das würde jeder so machen und zwei Plätze blockieren. Was glaubst du, wieviel hier trainieren könnten?“

Er hat mich verdutzt angesehen und dann hat er mich angeschnauzt.
Ich habe ihm einfach den Rücken zugedreht und bin zu einem anderen Gerät gegangen.

Aber in Wirklichkeit war das Training für mich an diesem Tag gelaufen, so hatte ich mich innerlich aufgeregt. Ich war so sauer, dass ich diese Auseinandersetzung nicht auf dem Notizblock meines Handys festgehalten habe.

Und jetzt, wo die Emotion verraucht ist, da klingt der Bericht banal, trocken, gibt nicht das wieder, was ich in dem Moment an Wut und Enttäuschung über das unfaire Verhalten des ‚Sportfreundes‘ empfunden habe.

Also dieser ganz spezielle, unverwechselbare Moment, den hätte ich sofort notieren müssen.

Es ist nicht leicht, jeden Tag zu schreiben. Das gebe ich gern zu. Ich muss mich ständig überwinden, es zu tun. Auf der anderen Seite fließen aus mir nur so die wirklichen Ideen raus, die, die ich dann in einer Geschichte gebrauchen und umsetzen kann.

‚Du musst aus ‚Anna ist dement‘ eine richtige Familiengeschichte machen. Nicht nur über Anna oder Lukas berichten, nein, über alle, die an der Betreuung von Anna teilhaben‘, denke ich manchmal. Aber nur denken, das reicht nicht.

Damit allein entsteht auch nichts. Viele sagen mir, sie hätten keine Zeit zum Schreiben.

Sie meinen aber: Sie finden nicht die Kraft, sich zu überwinden. Und diese Ehrlichkeit, die versuche ich manchmal ebenfalls zu umgehen, indem ich allerlei Ausflüchte finde, was ich noch alles tun will und was ich zu tun habe, bevor ich anfangen kann, aus ‚Anna‘ die echte Familiengeschichte zu erschaffen.

Alles Ausreden.
Ich weiß das, aber es sich einzugestehen, das ist ein wichtiger Meilenstein, auf dem Weg, der ja gleichzeitig mein Ziel ist – regelmäßig schreiben.

Ich glaube, nein, ich bin überzeugt, dass man sich seiner eigenen Situation, seiner eigenen Position im Leben erst richtig bewusst wird, wenn man anfängt, sie aufzuschreiben.

Denn vorher muss man die Gedanken ordnen, sie strukturieren.
Ich habe von Frauen gelesen, die den ganzen Tag mit dem Haushalt, den Kindern und ihrer Versorgung beschäftigt waren und die sich mittags an den Küchentisch gesetzt haben, um zu schreiben.

Ehrlich gesagt, ich würde wohl dabei einschlafen. Ich helfe meiner Frau am Freitag damit, dass ich beide Etagen sauge und wische. Und danach bin ich total fertig, muss mich in den Sessel setzen und schlafe oft ein. Von Schreiben ist dann keine Spur.

Also, diese Frauen, sie sind mein echtes Vorbild. Ich weiß übrigens erst seit den Jahren meiner Arbeit im Home-Office, wie schwer es, Haushalt, Kindererziehung und kreative Arbeit unter einen Hut zu bringen.

Als ich mich im vergangenen Monat mit meiner Nachbarin darüber unterhielt, wie schwer es ist, in Corona-Zeiten zuhause am Computer diszipliniert zu arbeiten, da habe ich ihr gestanden: „Ich bereite mich seit über zehn Jahren auf diese Krisenzeit vor, und ich habe noch heute Probleme, den Rasen zu mähen, einzukaufen, meine Frau zur Arbeit zu bringen, den Teppich zu saugen und dann noch gute Texte zu schreiben.“

Was ich ihr nicht gesagt habe ist, dass ich bis heute nicht begreife, wie meine Frau das alles geschafft hat, ohne sich auch mit einem Wort über ihre Situation zu beklagen.

Drei Gedanken am Schluss:
Zum Einen:
Ich bin nur dann gut, wenn ich über das schreibe, was ich wirklich kenne, was ich erlebt habe, oder worüber mir ein anderer berichtet. Ich kann nicht über die Betreuung einer an Demenz erkrankten Angehörigen schreiben und dabei die Position eines Pflegedienstinhabers oder einer Pflegedienstinhaberin zu 100 Prozent einnehmen.

Ich muss schon aus meiner eigenen Sicht schreiben. Und ich kann die Sicht einer Pflegekraft in einem Interview detaillierter wiedergeben, wenn ich meine Erfahrungen in den Schreibprozess miteinfließen lasse.

Manchmal überlege ich, was den Leser wohl interessiert, wenn er auf Texte auf meinem Blog anklickt. Ich kann es nur ahnen. Aber ich wecke auf keinen Fall sein Interessen nicht , wenn der spürt, dass es nicht ehrlich ist, worüber ich schreibe, wenn er merkt, dass mich der Inhalt eigentlich gar nicht interessiert.

Zum Zweiten:
Ich werde anfangen für die Familiengeschichte ‚Anna ist dement‘ mehr in meinen Erinnerungen zu kramen. Kürzlich habe ich mir Fotos angesehen, die ich von meinem im vergangenen Jahr verstorbenen Vater erhalten habe.

Schaue ich auf irgendeines dieser Bilder, dann kommen die Erinnerungen ganz von allein. Also werde ich weiter kramen, alte Tagebuchaufzeichnungen hervorholen.

Zum Dritten:
Die Interviews mit Menschen aus dem Alltag geben mir interessante Einblicke in das Leben von Pflegekräften, Unternehmern, Kreativen. Genauso wichtig ist es, dass, dass meine Fragen die zu Interviewenden dazu anregen, selbst über sich nachzudenken, wo sie stehen, was sie wollen, wovon sie sich lösen sollten und wo sie vielleicht noch hinwollen.

ÜBER EINFACHE ALLTAGSTHEMEN SCHREIBEN IST NICHT EINFACH, ABER SPANNEND

SCHREIB-ALLTAG (5)

Ich habe auf meinem Blog mit einfachen Themen angefangen und die will ich auch beibehalten. Ich schreibe über das, was ich kenne, was mich ausmacht, was ich beobachte und was ich in Gesprächen aufnehme. Natürlich gibt es auch Texte, die aus meiner Phantasie, der Fiktion, entstanden sind, oder sich mit der Realität mischen.

Aber ich kann nur sagen, dass nichts interessanter ist, als das, was direkt vor meinen Füßen liegt, und wenn es nur ein Faden ist, den jemand verloren hat.

Ich kenne nicht viele Werke von Theodor Fontane. Ich erinnere mich nur, dass ich in meiner Abiturzeit im Dresdner Gymnasium über Effi Briest sprechen musste, über ihre Sicht auf ihre Ehe, ihre Liebe. Erst viel später habe ich erfahren, dass sogar Fontane eine Ehe in seiner unmittelbaren Umgebung beobachtet hat, und das Erlebte in seinem Werk verarbeitet hat.

Ich habe in der Wendezeit viel über Menschenrechte geschrieben, davor und später auch.

Das war spannend, sehr spannend sogar. Aber dieses Prickeln, das dich überkommt, wenn du etwas ganz Einmaliges beobachtest, tief eindringst in das Wesen von bestimmten Vorgängen – das habe ich vor allem gespürt, wenn ich über alltägliche Dinge geschrieben habe, über die Menschen, die ich unmittelbar erkennen, analysieren, einschätzen konnte.

Nur auf diese Weise kommst du auch einem Menschen wirklich nahe. Du kannst einen PR-Text schreiben, über einen Pflegedienstinhaber zum Beispiel.

Doch so richtig sein Wesen erkennen, schreiben über das, was ihn ausmacht, das kannst du nur, wenn du seinen Lebensweg mit den möglichen Brüchen kennst, wenn du ein Stück an sein Herz gelangst.

Und nur so ist es möglich, einem pflegenden Angehörigen oder einer Pflegekraft glaubhaft zu vermitteln, mit welchem Inhaber eines Pflegedienstes sie es wirklich zu tun bekommen, auf wen sie sich einlassen wollen.

Ich glaube, dass es für mich nur so möglich ist, authentisch zu bleiben, indem ich über meine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse schreibe. Das ist ein Grund, warum ich inzwischen regelmäßig ein Tagebuch führe.

Ich beginne damit schon morgens, wenn ich im Fitness-Center bin. Ich kann darüber nur berichten, wenn ich unmittelbar erlebe, wie es ist, sich zu überwinden, die Übung an einem Trainingsgerät wieder und wieder zu absolvieren.

Oder die Tatsache, dass jemand mit seinem Handtuch einen Platz blockierte, selbst aber an einem völlig anderen Gerät trainierte.

„Stell‘ dir nur mal vor, das würde jeder so machen und zwei Plätze blockieren. Was glaubst du, wieviel hier trainieren könnten?“
Fortsetzung in Schreib-Alltag (6)

DEN KLEINSTEN AUGENBLICK ZUM SCHREIBEN NUTZEN

SCHREIB-ALLTAG (4)

Ich stehe vor der Waschanlage in meinem Dorf und habe mich in den Schatten gestellt, direkt unter einen Baum. Hinter mir ist der Friedhof, vielleicht deshalb diese Ruhe.

Ich verstehe es immer besser, die Momente der Ruhe, die sich mir bieten, für das Schreiben zu nutzen. Wenn du immer auf den perfekten Moment für dich wartest, dann wirst du ihn wahrscheinlich nie bekommen.

Und ich habe gelernt, überall zu schreiben. Jetzt zum Beispiel habe ich keinen Tisch, keinen Zettel, keinen Stift. Nein, ich schreibe im Stehen. Ich habe lange gebraucht, damit ich das hinbekomme. Ich schreibe auf einem iPhone 6S, ein Handy, das noch dazu nicht allzu groß ist.

Also nehme ich das Handy quer, halte es zwischen den den beiden Händen, tippe mit den Daumen auf die Buchstaben der Tastatur. Das geht gut.

Aber nur deshalb, weil ich unendlich viele Übungen absolviert habe, mich bis zum Erbrechen vertippt und allmählich weniger und weniger Fehler gemacht habe.

Ich beobachte, was um mich herum so passiert. Da stehen zwei Monteure, die zu mir herüberschauen, rauchen und erzählen.
Oder da kommt ein LKW an und der Fahrer steigt aus, sieht sich um, geht in die Tankstelle hinein.

Ich trainiere auf diese Weise von unterwegs aus meine Beobachtungen und Erlebnisse schriftlich festzuhalten, um sie später zu verwenden – für eine kleine Geschichte vielleicht.

Das Tor zur Waschanlage geht hoch, es quietscht fürchterlich.

Ich bin der nächste, der in die Anlage reinfahren kann, also setze ich drei Punkte und klappe den Lederdeckel vom iPhone zu.

Banal? Ja, sicher, aber mir macht es Spaß, selbst so kleine Nebensächlichkeiten festzuhalten.
Ich schreibe morgen weiter.

ICH BIN EIN SCHÜLER DES SCHREIBENS

SCHREIB-ALLTAG (3)

Von den schwierigen Anfängen beim Schreiben eines Schulaufsatzes, vom Unterschied zwischen Reden und Schreiben, und von der Qual und zugleich der Sucht, immer wieder zum Bleistift, zur Tastatur zu greifen.

Ich glaube, wenn es um das Schreiben geht, so wird jeder bestätigen, dass jeder von uns irgendwas Vernünftiges zu Papier bringen kann.
Klar, die Fähigkeiten sind hier unterschiedlich ausgeprägt. Dem einen fließt es direkt aus der Feder aufs Papier, von der Tastatur auf den Bildschirm, andere quälen sich stärker.

DIE ANFÄNGE – AUFSATZ SCHREIBEN

Jeder kennt das, wenn du in der Schule einen Aufsatz schreiben solltest und gar nicht wolltest, egal, ob nun in Ost oder West sozialisiert – du hattest dabei den Bleistift angeknabbert, deine Hände mit Tinte beschmiert, und alles nur aus einem Grund: Du wusstest nicht, wie du beginnen solltest.

Später, als ich meine Diplom-Arbeit im Fach ‚Schiffsmaschinenbetrieb‘ schrieb, da konnte ich mich noch hinter Zahlen, Diagrammen und Kurven verstecken.

Im Fach Volkswirtschaft wurde es schon schwieriger, es ging ja nicht nur darum, komplexe Vorgänge zu beschreiben, sondern ebenfalls schon erste analytische Schlussfolgerungen aufs Papier zu bringen.

Die schwierigste Zeit des wissenschaftlichen Schreibens begann für mich in der Wendezeit. Ich schrieb zur Rolle der Menschenrechte im KSZE-Prozess und was sie in Bezug auf die Erhaltung des Friedens und einer stabilen Demokratieentwicklung für eine Rolle spielten.

DER UNTERSCHIED ZWISCHEN REDEN UND SCHREIBEN

Ich hatte gute Lehrer, die mir sagten: „Rede nicht, fang an zu schreiben!“
Und wenn du an dem Punkt selbst schon einmal warst, wird dir klar, worüber ich gerade rede, besser schreibe.

Es gibt diesen gewaltigen Unterschied zwischen dem Reden und der Fähigkeit, Worte aufs Papier zu bringen, schreibend einen Satz an den anderen zu reihen.

Ich war stets ein guter Redner, ein Dozent, der seine Zuhörer mitreißen konnte. Oft haben mir Freunde gesagt: „Schreib‘ doch mal auf, was du heute erzählt hast, das war so interessant.“

Willst du es dann tatsächlich umsetzen, dann starrst du aufs Papier oder auf deinen Computer.
Du redest dir ein, dass du erst einmal in deine E-Mail schauen musst, könnte ja sein, du verpasst etwas.

Schnell wird dir klar: Zwischen dem Schreiben wollen und dem Schreiben können klafft ein riesiges Loch, und wenn du nicht etwas dagegen unternimmst, dann fällst du genau da hinein.
Das hört sich nach ein bisschen jammern an. Zugegeben, ist es auch.

DU SIEHST BEIM SCHREIBEN DEINEN LESER NICHT

Mir geht in solchen Momenten durch den Kopf, woran es wohl liegt, dass es einem stets aufs Neue so schwerfällt, etwas zu Papier zu bringen.

Ein Grund ist, dass du nicht siehst, wie der, der deine Zeilen liest, reagiert.
Oder er sagt vielleicht: „So ein Schmarrn, langweil‘ mich nicht mit deinem Gelaber.“

An der Mimik desjenigen, dem du etwas erzählst erkennst du sofort, was er denkt, ob es ihn interessiert, oder ob er gerade nebenbei an sein leckeres Mittagessen vom Vortrag denkt.

Es muss dir also beim Schreiben gelingen, deinen ‚Zuhörer‘ zu motivieren, am Blatt zu bleiben, obwohl du nicht deine Mimik, deine Stimme miteinsetzen kannst.

Ich glaube, jeder der sich mit der Schreiberei herumplagt, steht jeden Tag erneut vor dieser Herausforderung.
Dabei sehe ich mich nicht einmal als Schriftsteller, der über genügend Erfahrung verfügt, um seinen Leser immer wieder neu an sich zu binden.

DER WEG DES SCHREIBENS – MEIN ZIEL UND MEIN STÄRKSTES MOTIV

Ich bin ein Schreiber, der Erlebnisse aus dem Alltag festhält, aus der Gegenwart oder aus der Vergangenheit.
Nur, da muss ich ja auch die Konflikte, die Emotionen von Menschen möglichst genau beschreiben.

Oder gestern, am Vatertag. Da saß ich auf der Terrasse, schrieb mit einem Bleistift auf Papier und fand es unglaublich schön, genau das zu tun.

Aber wie kann ich das ausdrücken? Dass die Vögel zwitscherten, im Hintergrund sich Nachbarn gedämpft unterhielten es nach frischen Blumen duftetet, die Klara gerade eingepflanzt hatte, und dass sich der große und schwere Sonnenschirm knarrend bewegte, so dass du dachtest, du wärst bei einer leichten Brise auf einem Segelboot unterwegs?

Da muss ich noch üben, weiterschreiben, wieder üben und wiederum: schreiben!
Das hört wohl nie auf. Aber es ist ja auch schön. Es muss was dran sein, am Spruch, dass der Weg gleichzeitig dein Ziel sein sollte.

WAS MICH AM SCHREIBEN ÜBER DEN ALLTAG BEGEISTERT (TEIL 1)

SCHREIB – ALLTAG (1)

Ich schreibe schon lange, eigentlich schon mein ganzes Leben.

Aber zum Geschichtenerzählen komme ich erst so richtig in letzter Zeit, und da bin ich auch noch ganz am Anfang.

Ich schreibe vor allem Geschichten, die mit dem Alltag zu tun haben.

Bin ich deshalb ein Schriftsteller?
Nein, sicher nicht.

Aber ich muss mich natürlich trotzdem an die Regeln des Schreibens halten, und deshalb muss ich sie mir auch aneignen. Auf jeden Fall ist das ein stetiger Prozess des Lernens, Übens und Schreibens.

Mehr und mehr stelle ich mich dabei den Anforderungen an das belletristische Schreiben. Das ist für mich wie ein Abenteuer, eine Reise in ein unbekanntes Land.

Ich schreibe in dieser Rubrik darüber, was mir am Alltag ‚über den Weg läuft‘, wie ich es verarbeite, und , wie ich das Handwerk des Schreiben trainiere und was es mir bringt.

Ich will dem Leser Menschen aus dem Alltag  näherzubringen, ihre Konflikte, ihre Hoffnungen, Sehnsüchte und die Schwierigkeiten zeigen, mit denen sie in ihrem Umfeld zu tun haben.
Mich reizt das Banale, das, was wir am Tag erleben, eben das, was wir oftmals nicht aufmerksam genug hinterfragen.

Dabei gibt es viel mehr schöne Dinge als hässliche Erlebnisse im Alltag, humorvolle Episoden, die es lohnt, festzuhalten.

Sicher ist es ja auch interessant, quasi den Weg des Schreibens zu dokumentieren – mein handwerkliches Verständnis davon, die Erfolge und Niederlagen, die Fehler und vor allem die Motive, warum ich weitermache.

Schreiben und verwerfen, wieder schreiben, lesen und dann wieder schreiben. Eintönig?
Ja, irgendwie schon. Anstrengend? Und wie.
Trotzdem: Es bleibt faszinierend.

 

WAS MICH AM SCHREIBEN ÜBER DEN ALLTAG BEGEISTERT (TEIL 2)

SCHREIB – ALLTAG (2)

Das Faszinierende am Schreiben ist für mich: Ich kann Menschen in alltäglichen Situationen beobachten, ich bin an wechselnden Schauplätzen, es gibt stets neue Ausgangssituationen, und ich schreibe zu vielfältigen, sich abwechselnden Themen.

Manchmal fragt mich meine Frau, warum ich mir das alles antue. Eine richtige schlüssige Antwort kann ich ihr darauf nicht geben.

Das Schreiben hat auf mich eine ungeheure Anziehungskraft, es frisst dich mit ‚Haut und Haaren.“

Natürlich fahre ich beispielsweise nicht zuerst ins Fitness-Center, um Menschen beim Training zuzusehen und anschließend darüber zu schreiben, sondern um selber Sport zu treiben, fit zu bleiben, vorausgesetzt, das Center bleibt nicht mehr lange wegen Corona geschlossen.

Ich beobachte gern, was um mich herum passiert.

Was könnten nun ein Leser daran interessant finden? Ich kenne natürlich nicht die genauen Motive jedes Lesers.

Jedoch glaube ich fest daran, dass jeder von uns bestimmte eigene Erlebnisse in Alltagssituationen wiedererkennt und sich freut, dass es anderen genauso ergangen ist.

Manch einer will vielleicht auch nur unterhalten werden, für einen Moment aus seiner Realität aussteigen und in den Alltag des Erzählers eintauchen.

Für mich als Autor ist es eine spannende Sache, wenn ich mich in meine Gedankenwelt begebe und sie abgleiche mit dem, was ich gerade erlebt und gesehen habe.

Ich denke, wir alle können mehr glücksbringende Momente in alltäglichen Situationen entdecken, als wir es für möglich halten.

Mark Twain war es wohl, der sinngemäß formulierte, dass es vor allem zwei Tage im Leben eines Menschen sind, die für ihn eine Bedeutung haben – nämlich der Tag der Geburt und der Tag, an dem er weiß, warum er auf der Welt ist.

Jeder wird diese Frage anders beantworten. Ich denke, dass dies die wirklichen mentalen Anker im Leben sind.

Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich einiges vollbracht habe, weil ich intensiv studiert habe, um mir möglichst viel Wissen anzueignen.

Dann kam die Wende und ich hatte das Gefühl, ich stünde beruflich vor dem Nichts.

Und wieder versuchte ich, meinem Leben einen neuen Sinn zu geben, Anerkennung durch Leistungen in einer neuen, anderen Welt zu bekommen.

Wirklich glücklich bin ich aber erst, seitdem ich erkannt habe, dass ich mich selbst so nehmen muss, wie ich bin und ich Kraft aus meiner neuen Gelassenheit ziehe.

Hat das was mit dem Alter zu tun?

Ich glaube schon.

Und mit dieser inneren Ruhe ziehe ich in meine neuen Abenteuer, dem Schreiben über das Alltägliche, über Menschen im Alltag.

 

BLOG – BEITRÄGE NUR NOCH EINMAL IN DER WOCHE

Das dachte ich noch bis vor einigen Tagen. 
Ich denke jetzt, das war ein Fehler.
Warum?
Nun, ich merke, dass ich jeden Tag einen Text schreiben sollte,  und wenn der noch so klein ist.
Also, es gibt wieder jeden Tag einen Text, montags bis samstags.
Warum das gut ist, das habe ich ja schon hier beschrieben, und daran hat sich auch nichts geändert.

Wenn mir etwas wichtig ist, so schreibe ich es zunächst mit Hand. Der Nachteil daran ist, dass ich es danach meist noch abschreiben muss.

Aber da ich das im 10-Finger-Schnell-Tipp-Modus erledige, hält sich der Aufwand in Grenzen, zeitlich zumindest.
Der riesige Vorteil für mich liegt darin, dass ich ‚durch die Hand hindurch denke‘.

Quasi vom Bleistift direkt ins Gehirn und umgekehrt.
Warum das so ist, darüber sind unendlich viele Abhandlungen geschrieben worden. Für mich ist es einfach eine Gewohnheit, die ich mir zunutze mache.

Ich denke, die meisten, die viel schreiben kennen das.
Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Jetzt zum Beispiel, da schreibe ich den Text sofort auf dem Computer und schaue auf den Bildschirm, wie sich die Buchstaben aneinanderreihen.

Es ist übrigens nach wie vor ein Phänomen für mich, dass ich nach einer bestimmten Anzahl von Zeilen wie von selbst auf den Computer umsteige.

Irgendwie ist das so, dass du anfängst zu gehen, dann schneller wirst und plötzlich läufst du einfach.

Die Idee dahinter: Ich will mich genau auf diese Themen konzentrieren. Sie haben alle eine gemeinsame Klammer, meinen Alltag, meine Gedanken, Erlebnisse, die ich niederschreibe.

Bis bald.

 

 

SCHREIB-ALLTAG (16)

CORONA – ALLTAG STELLT VIELES IN FRAGE

Das Schreiben in der kontaktarmen Zeit von Corona
kann ich auch als Chance begreifen.

Die Bilder im Fernsehen über das Fortschreiten der Pandemie jagen mir einen Schauer über den Rücken.

Ich weiß, dass es kaum ein Entrinnen gibt, auch für mich nicht. Und trotzdem, ich hoffe, dass ich wenigstens glimpflich davonkomme. Das wünsche ich meiner Frau, meiner Tochter, meiner Enkelin, im Grunde genommen allen Menschen. Einfach, dass es irgendwie an uns vorüberzieht.

Aber wird es so sein? Mein Bauchgefühl sagt mir das Gegenteil.
Was soll ich tun? Nur am Schreibtisch sitzen und darüber philosophieren?

Nein. Ich ordne mein Leben neu, gedanklich jedenfalls.
Ich will weiterschreiben. Es gehört einfach zu mir dazu.
Gestern Abend, da lag ich auf der Couch und ließ mich von einem mittelklassigen Thriller berieseln.

„Eigentlich brauchtest du doch nur noch ein wenig Sport machen, lesen und das Schreiben ganz wegfallen lassen. Dafür gehst du eben arbeiten, aufwischen zum Beispiel und das reicht dann.“

Ich finde den Gedanken gut. Und ein paar Stunden hält sich diese Stimmung auch. Aber dann schlägt sie wieder um.
Was will ich wirklich? Was macht mein Leben aus?

Es ist genau das, worüber ich sehr oft fluche, nämlich das Schreiben.
Wie kann ich das attraktiver gestalten, was gibt es für Chancen, trotz der Corona-Krise, oder gerade wegen ihr?

Ich werde mich auf das belletristische Schreiben konzentrieren. Etwas Anderes kann ich jetzt ohnehin nicht tun.
Also schreibe ich, Blogbeiträge, Texte für E-Books.
Ich merke immer stärker, dass ich noch nicht fokussiert genug an die Sache herangehe.

Bisher habe ich überlegt, wie ich dem Leser gefallen kann.
Die großen Marketingexperten sagen dir das.
„Interessiere dich für deine Zielgruppe, schreibe darüber, was sie interessiert.“

Das habe ich nun lange genug gemacht. Obwohl ich auf Keywords bei der Recherche geachtet und mir Themen gesucht habe, die leserfreundlich sind, hat das alles nichts genützt.

Jetzt in dieser aktuellen Zeit werde ich mich neu aufstellen.
Zum einen mache ich mich nicht mehr abhängig davon, ob ich ein E-Book verkauft bekomme oder nicht.

Und: Ich schreibe ausschließlich kleine Geschichten, die aus dem Alltag sind, so wie ich es schon längst wollte.

Wie ich das nun wirklich mal intensiver voranbringe, darüber denke ich im nächsten Beitrag nach.

SCHREIB-ALLTAG (15)

WIE AM BESTEN SACHVERHALTE UND THEMEN EINDRUCKSVOLL SCHILDERN?
Sachverhalte lassen sich besser erhellen, wenn man sie nicht nur trocken beschreibt, sondern Figuren mit ins Spiel bringt und Situationen detaillierter schildert.

„Es regnete, als der Mann aufstand und zur Arbeit ging“, ist eine Möglichkeit, einen einfachen Sachverhalt wiederzugeben.

Besser: „Er kam mit Mühe aus dem Bett. Und als er schließlich vor die Tür trat, da schauderte es ihn zum zweiten Mal an diesem Morgen. Der Regen prasselte auf das Vordach des Hauses. Er schlug den Kragen des Mantels hoch und trat ins Freie. Im Nacken spürte er vereinzelt Regentropfen und seine Füße wateten durch die Pfützen. Er hätte im Bett bleiben sollen.“

Sicher, nicht immer ist die Zeit da, so ausführlich zu schreiben, aber wenn ich mir zum Beispiel Themen der Pflege vornehme, dann reicht es für mich nicht zu sagen: „Die Pflege und Betreuung von Demenzkranken verlangt den pflegenden Angehörigen alles ab.
Nein, ich will Situationen schildern, in denen das besonders deutlich wird.

„Anna vergaß alles“ ist eine Möglichkeit, den Zustand eines an Demenz erkrankten Menschen zu beschreiben.
„Anna rief heute zum sechsten Mal bei Lukas an, und zwar im halbstündlichen Takt nach acht Uhr abends“, eine andere; eine Möglichkeit, die nicht nur Annas Zustand verdeutlicht, sondern auch zeigt, wie pflegende Angehöriger davon betroffen sind.

SCHREIB-ALLTAG-14

DER ALLWISSENDE AUKTORIALE ERZÄHLER

Der allwissende auktoriale Erzähler lässt den Leser in die Köpfe aller Figuren hineinschauen. Besonders häufig wurde diese Art des Erzählens im sogenannten viktorianischen Roman angewandt (vgl. James N. Frey, „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, Emons Verlag GmbH, ISBN 978-3-89-705-32-1, S. 126 ff).

Der Leser sollte ein möglichst detailgetreues Abbild der damaligen Gesellschaft erhalten.
Beispiel: Jo traute seinen Augen nicht, als er das Buch in den Händen hielt. Er hatte es durchgeblättert und sofort erkannt, dass er auf dem Foto mitabgebildet war.
Er musste unwillkürlich die 30 Jahre zurückdenken. (Perspektive von Jo).

Klara blieb still und freute sich, ohne es groß nach außen zu zeigen. (Perspektive von Klara).

In diesem Fall sind es nur zwei Figuren. Der Nachteil aber bei vielen Figuren besteht darin, dass der Autor in jeden Kopf hineinschlüpft, die Gedanken und Gefühle jeder einzelnen Figur beschreibt.
Das macht es für den Leser nicht gerade, sich mit einer dieser Figur wirklich nachhaltig zu identifizieren.

Die moderne Form ist der sogenannte eingeschränkte auktoriale Erzähler.
Dazu mehr im nächsten Beitrag.

SCHREIB-ALLTAG (13)

WAS IST SPANNEND AM SCHREIBEN?

Mir tut mein Nacken weh vom Schreiben, mein Rücken auch. Trotzdem ist das Schreiben wie eine Droge.

Selbst wenn du Schmerzen hast, machst du weiter.
Oder wenn du doch mal längere Zeit aussetzt, willst du wieder weiterschreiben.

Was ist faszinierend an diesem Schreibprozess?

Auf den ersten Blick gar nichts, auf den zweiten siehst du die Anstrengungen. Und erst dann, langsam begreifst du, dass du viel intensiver über dein Leben nachdenkst, über Sinn und Unsinn von vielen Dingen.

Du musst viel sensibler beobachten, dich selbst und auch andere.
Du kannst nicht über den Kopf von jemandem hinwegschreiben, du musst durch seinen Kopf hindurch, in die Gedanken deines Protagonisten rein. Ich glaub‘, das ist das Spannende am Schreiben.

ICH BIN EIN SCHREIB-GESELLE

SCHREIB-ALLTAG – (12)

Schreiben kann man lernen, wenn man dranbleibt.

Schreiben ist vor allem eines: Handwerk. Das jedenfalls sagen diejenigen, die damit tagtäglich umgehen.

Klar, ohne Inspiration, ohne einen kreativen Einfall kannst du mit dem Handwerk auch nichts anfangen.
Selbst der Tischler muss eine Idee haben, welchen Stuhl oder Tisch er zimmern will.

Aber selbst bis zu diesem Punkt kannst du dich ‚durchackern‘, wenn dir rein gar nichts einfällt.

Ich schreibe jeden Morgen für 10 Minuten mit dem Bleistift auf dem Papier. Ich überlege dabei nicht, nein, ich schreibe, was mir in den ‚Stift hineinfällt‘.

Das bringt meine Gedankenwelt in Schwung und erst danach gehe ich an meine Tagesaufgaben.
Training ist wichtig: üben, schreiben, üben, lernen, das ist ein wiederkehrender Prozess.

Ist das die Garantie für Erfolg? Überhaupt nicht. Aber ich kann danach sagen, dass ich alles tue, eben in meinen Möglichkeiten alles gebe, um erfolgreich zu sein.

Ich war stets ein guter Redner. Doch reden ist etwas völlig anderes, als wenn ich das Gesagte aufs Papier bringen soll.
Beim Sprechen habe ich ein Gegenüber, ich kann sofort sehen, wie er auf meine Worte reagiert. Ich selbst kann mit Gesten, mit dem Tonfall meine Worte noch besser zur Geltung bringen.

Deshalb lerne ich stets aufs Neue, wie ich meine eigenen Gesten, die Mimik des Gesprächspartners in geschriebene Worte ummünzen kann.

Sicher, ich bin kein Schriftsteller, werde das auch nicht mehr, aber ich bin ein Schreibgeselle, der sein Handwerk ernst nimmt.
Ich übe weiter

SCHREIB-ALLTAG (11)

TRAINING GEHÖRT ZUM SCHREIBEN

Wenn ich auf mein Lieblingsthema, das Schreiben zu sprechen komme, dann stöhnen alle auf. Manche leise, Laura hingegen hörbar: „Ach Papa, nicht schon wieder“, sagt sie dann.

„Kannst du auch mal über etwas Anderes reden?“, schiebt Klara hinterher.

„Nein, kann ich nicht“, antworte ich und bin beleidigt. Logisch.

Dabei will ich nur sagen, wie mühevoll es ist, am Schreiben dranzubleiben, sich jeden Tag wieder neu aufzuschwingen, sich etwas ‚abzuquetschen‘.

Also gehe ich nach diesen Bemerkungen in die innere Emigration, schweige und beteilige mich auch nicht an den Gesprächen der anderen am Tisch.

Und ich hätte so viel darüber mitzuteilen, über das Schreiben.

Zum Beispiel das: Wenn du dich zwingst, wenigstens einmal am Tag für zehn Minuten ein Blatt weißes Papier zu nehmen, einen Bleistift anzuspitzen und einfach drauflos zu fabulieren, dann wirst du sehen, wie es deine Gedanken in Fahrt bringt. Wichtig ist, die Tastatur beiseite zu lassen. Sie stört, ist im Weg beim schnellen Schreiben, im Moment, wo es nicht um formvollendete Sätze ankommt.

„Kann ich noch mal kurz was zum ‚automatischen Schreibtraining‘ sagen?“, frage ich.

„Nein!“, schallt es mir wieder von allen Seiten ins Ohr.

„Na dann eben nicht“, sage ich und fange an mit Krümel Quatsch zu machen. Sie hört mir wenigstens zu.

„Wollen wir singen?“, frage ich sie.

„Ja“, sagt sie und ich beginne, eine Melodie zu brummen.

Das haben die anderen nun davon. Jetzt müssen sie eben das ertragen. Und Krümel gefällt’s. Sie klatscht in die Hände, singt ein klein wenig mit und dreht sich im Kreis.

Das ist noch besser, als über das Schreiben zu reden.

 

 

 

 

SCHREIB-ALLTAG (10)

SCHREIB UND DU LERNST DICH BESSER KENNEN

Wenn manchmal mein Arbeitsleben an mir in Gedanken vorüberzieht und ich daran denke, mit welchen Brüchen es verbunden war, welche Chancen ich vertan habe oder sie erst gar nicht bekam, ja dann frage ich mich, welchen Sinn das alles hatte.

Ich habe vier Jahre das Fach ‚Schiffsmaschinenbetrieb‘ studiert und konnte dem nichts abgewinnen.

Wiederum später in Moskau habe ich mich mit dem ‚Kapital‘ von Marx herumgeschlagen. Was war das wert. Gut, ich könnte sagen, dass ich zu den wenigen Menschen gehöre, die die Bände nicht nur bis zum Schluss gelesen, sondern sogar verstanden haben.

Später habe ich mich wieder einem anderen Thema zugewandt, nämlich den Menschenrechten im KSZE-Prozess. Das alles liegt sehr lange zurück, es war drei Jahre vor der Wende.

Und dann war ich Verkaufsleiter, Manager, freiberuflicher Journalist.

Mir wird schon schwindlig, wenn ich das hier alles hintereinander aufschreibe. Aber welchen Sinn hatte das alles, und wo ist die inhaltliche Klammer, die das alles schließlich umspannt?

Darauf gibt es für mich nur eine Antwort. So sehr mich manches von den Brüchen schmerzt, für das Schreiben ist es nicht nur optimal, es ist ideal.

Indem ich schreibe, beschäftige ich mich mit mir selbst. Das klingt ziemlich egoistisch.
Aber es ist so, denn ich denke über das nach, was war, warum es so war und wie ich es heute sehe.

Schreibend taste ich mich vorwärts, versuche immer wieder hinter den Sinn des Ganzen zu kommen. Und ich merke dabei, dass ich viele Erinnerungen am liebsten in Geschichten packe, die ich dann erzähle.

Werde ich dadurch zum Schriftsteller? Nein, ich denke nicht. Doch ich spüre das Leben intensiver, spreche mit mir selbst, stehe ich in Gedanken mit in Widerstreit zu mir selbst.

Das alles ist natürlich anstrengender, als wenn du nur so durch den Tag gehst, Sport treibst und deine Arbeit verrichtest.

Selbst die kleinsten Alltagserlebnisse siehst du anders, wenn du schreibst. Wie das aussieht, ja darüber denke ich in der Folge (11) des Schreib-Alltags nach.