
ÜBER EINE TRAUERREDE EINFACH NUR ERZÄHLEN IST DAS EINE – SIE ERARBEITEN ABER IST ETWAS GANZ ANDERES
Mehr lesen: Auf das Cover klicken

Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Von der Energie, ziemlich früh aufzustehen, sich in die Sportklamotten zu schmeißen, loszulaufen und den Tag mit vielen Glücksgefühlen zu beginnen.
„Du bist zu dick, das machen deine Gelenke nicht mehr lange mit, wenn du so weiterläufst“, sagte mir vor über zehn Jahren meine Lieblingsärztin.
Genauer: Es war die Botschaft, die hinter ihren Worten stand, und die sie anders verpackte:
„Herr Dr. Müller, Sie sollten überlegen, ob Sie nicht eine andere Möglichkeit finden, um einen Sport zu treiben, der etwas gelenkschonender ist.“
Ich verstand und ich fand eine neue Variante – die mit den Stöcken eben.
Seitdem laufe ich vornehm – ich ‚walke‘.
Jetzt im Hochsommer, da sehe ich gefährlich aus, in meiner Montur.
Ich ziehe mir im Keller die Wander-Stiefel an, denn ich kann mich darin am besten bewegen.
Ich habe jetzt sogar eine App, die mir sagt, wenn die Gefahr, umzuknicken, zunimmt.
Mich nervt das, denn eine andere Stimme schaltet sich ein, um mich vor zu großer Lautstärke bei den Kopfhörern zu warnen.
„Du bist gläsern“, sagt Klara dann, wenn ich ihr davon erzähle.
Heute nun, genau zehn Minuten vor sechs Uhr, da bin ich losgelaufen, von zu Hause aus.
Nicht, ohne dass ich meine Wasserflasche ins Auto gepackt habe, um danach schnell etwas zu trinken.
„Weißt du noch, was du für mich bist?“, dringt die Stimme der Amigos aus den Kopfhörern.
„Noch ja“, antworte ich für mich.
Ich halte an einer Ampel an, auf dem Weg zum Park.
Und ich bewege die Beine, während ich auf ‚grün‘ warte.
So wie die Jogger es immer tun, so athletisch.
Aus dem Auto, das auch an der Ampel warten muss, da grinst mich eine junge Frau.
Nicht so: „Oh, war für ein toller Typ“.
Eher: „Na, du nasser, alter Sack, du kriegst ja deine Beine gar nicht mehr so richtig hoch! Und: Du siehst fürchterlich aus.“
Oder ist es nur Einbildung und sie beneidet mich, dass ich schon so früh Sport treibe.
Ich glaube, es ist eher die erste Gedankenvariante.
Die Ampel schaltet auf ‚grün‘ und ich bewege mich schnell über die Strasse.
Endlich, ich bin am Park angekommen.
Ich laufe los, jetzt mit den umgeschnallten Stöcken.
Ich sehe die Sonne durch die Blätter schimmern, als ich auf dem Berliner Wall entlanglaufe.
Ich fühle mich gut, beschleunige die Gangart und nach einer Stunde und zehn Minuten habe ich mein Ziel erreicht.
Der Schrittzähler zeigt mir 7897 Schritte an.
Ich bin stolz auf mich. Und, dass ich mich überwunden habe, zu laufen, die große Anzahl an Schritten absolviert habe.
Die Woche hat gut begonnen, und ich gehe bestens gelau
#ANZEIGE – WAS IM ALLTAG GUT TUT (RATSCHLÄGE VOM MÖNCH EINER BENEDIKTINERABTEI)
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Ich bin in meiner mehr als fünf Jahrzehnten andauernden Tätigkeit vielen Menschen begegnet. Als Coach wurde mir häufig die Frage gestellt, was man denn tun sollte, um besser zu werden. Den meisten hätte ich am liebsten in solchen Situationen gesagt: ‚Am besten, du wirst der, der du schon immer sein wolltest.“ Auf Nancy Schmidt trifft das nicht zu. Würde sie mich um Rat fragen, dann käme auf jeden Fall eine andere Antwort, nämlich: Bleib‘ so, wie du gerade bist, denn das ist es, was dich zu einem ganz besonderen Menschen macht, einen, dem man unwillkürlich Respekt entgegenbringt.

Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
MEIN FREUND, DER ALLTAG (8/24)

Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
KRÜMEL HÖRT AUFMERKSAM ZU, WENN WIR UNS AM TISCH UNTERHALTEN.
IHR ENTGEHT NICHTS, MIT IHREN SECHS JAHREN

Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Ich schrecke aus dem Schlaf hoch und schaue zur Uhr.
Es ist kurz nach drei Uhr.
‚Um Gottes Willen, jetzt bloß nicht schon aufstehen‘, sagt meine innere Stimme.
Ich drehe mich um und versuche einzuschlafen, aber es klappt nicht.
‚Stell dir vor, du ringst dich durch, doch aufzustehen, was könntest du nicht alles schaffen‘, sagt wieder die innere Stimme.
‚Jetzt halte endlich die Klappe und schlaf wieder ein‘, meldet sich eine andere Stimme.
Ich gebe mir einen Ruck, ungeachtet meiner inneren Haltung, schnelle mit den Füßen aus dem Bett, fast automatisch, ohne nachzudenken.
Ich schlurfe ins Bad, drehe den Wasserhahn auf, halte die Hand unter das kalte fließende Wasser und werfe mir ein paar Tropfen ins Gesicht.
Es schüttelt mich, aber ich bin ein wenig munterer, nachdem ich mich mit dem Handtuch abgetrocknet habe.
Zwanzig Minuten später halte ich einen Becher mit Tee in der Hand und begebe mich ins Arbeitszimmer.
Ich beginne sofort mit dem Sprechtraining und nehme dazu für fünf Minuten einen Korken in den Mund und sage die Sätze auf, die ich immer aufsage, wobei mir der Korken das Sprechen maximal das Sprechen erschwert.
Zum Schluss sage ich noch das ‚Vater unser‘ auf, immer noch mit dem Korken im Mund.
Jetzt bin ich endgültig munter.
Ich fange unverzüglich damit an, das Protokoll aus dem letzten Vorgespräch zu erstellen.
Danach beginne ich mit dem Rohentwurf der nächsten Rede.
Ich arbeite fast unterunterbrochen durch.
Nur zwischendurch stehe ich auf, mach die Balkontür auf und lausche dem fernen Rauschen der S-Bahn.
„Was hast du heute vor“, fragt Klara mich beim Frühstück.
Es ist inzwischen kurz vor halb neun Uhr.
„Ich bin mit dem Tagessoll fertig, der Rohentwurf der Rede steht.
Was hältst du davon, wenn ich mich in Sportsachen umziehe, dich zum Markt fahre und ich im Stadtpark laufe?“, frage ich Klara.
„Das wäre toll“, willigt sie sofort ein.
Der Tag wird schön, aber ein bisschen Überwindung hat es heute morgen schon gekostet.
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Denken kann ich am besten mit dem Stift in der Hand
Montagmorgen, ziemlich früh.
Es ist kurz vor vier Uhr, und ich sitze am Schreibtisch, bin noch müde.
Ich halte den Bleistift in der Hand und beginne damit, erste Gedanken zu formulieren – in Vorbereitung auf einen Gesprächstermin heute Vormittag.
Ist es nicht komisch?
Ich beherrsche das Tippen auf der Tastatur faktisch im Schlaf, oder du kannst mir die Augen zuhalten, ich schreibe trotzdem schnell und meist auch fehlerfrei.
Und trotzdem: Wenn ich beginne, etwas Kreatives zu erarbeiten, einen Text für eine Rede, einen Beitrag auf meinem Blog, muss ich zunächst mit dem Bleistift anfangen zu schreiben.
Es ist wie bei Krümel, meiner sechsjährigen Enkelin.
Wenn sie etwas begreifen will, dann sagt sie zu mir: „Opa, kann ich das haben, gibst du es mir?“
Wir berühren etwas und unser Gehirn beginnt zu arbeiten.
Ich bewege den Stift auf dem Papier und ich fange an zu denken, zu strukturieren.
Oder wie es Kant vor über dreihundert Jahren formulierte:
„Die Hand ist das Fenster zum Geist.“
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Ich war gegen 04.30 Uhr wach und bin aufgestanden.
Ich wollte möglichst viel schaffen heute – eine Rede vorbereiten, mittags eine Rede auf einer Trauerfeier halten.
Also war ich erst einmal froh, dass ich mich überwunden hatte und senkrecht auf den Beinen stand.
Doch dann meldete sich meine innere Stimme: „Was ist los, Dicker? Ich denke, du wolltest jetzt endlich anfangen, regelmäßig Sport zu machen?“
„Ja, schon gut“, dachte ich.
Ich konnte ja auch noch heute Nachmittag laufen.
„Glaubst du wirklich daran? Heute Vormittag sitzt und schreibst du, trainierst die Rede.
Dann erledigst du die Steuersachen, die schon lange herumliegen.
Nachmittags, nach der Rede, da bist du kaputt.
Die Couch wird ziehen, danach der Kaffee und anschließend sitzt du am Schreibtisch, schon wieder.“
Meine innere Stimme ließ mir keine Ruhe.
„Ich kann mich doch gleich umziehen, wenn ich zurück bin, und danach sofort loslaufen“, dachte ich.
„Deine Worte höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“, sagt die innere Stimme wieder.
Sie wurde mir lästig.
„Ich laufe jetzt nicht, basta!“
Die innere Stimme war weg, aber wie von Geisterhand habe ich mich umgezogen, die Sportschuhe zugeschnürt, habe die Nordic Walking Stöcke aus dem Keller geholt und bin anschließend losgelaufen.
Mit Lampe auf dem Kopf, weil es ja noch dunkel war.

‚Na siehste‘, dröhnt die innere Stimme.
Ich habe nicht mehr geantwortet, nur geschmunzelt.
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Wenn ich eine Rede gehalten habe, die etwas abgewichen ist vom Standard, einfach weil ich den Text intensiver ausgearbeitet habe, das Vorgespräch mit den Hinterbliebenen sehr ausführlich war und ich sehr viel Emotionen am Tag der Trauerfeier hineingegeben habe, ja dann fühle ich mich hinterher wie ausgebrannt.
Es überkommt mich eine gewisse Leere im Kopf und in der Seele.
Ich kenne nicht die Menschen, über deren Leben ich spreche. Sie sind bereits verstorben.
Also sollte man glauben, dass es einen nicht so berührt, was man aufschreibt, und was man sagt.
Manchmal ist es auch so. Du sprichst mit den Hinterbliebenen.
Sie sagen dir: „Bloss keine ausführliche Rede“.
Du fängst trotzdem an darüber nachzudenken, wie du einen guten Text hinbekommst.
Aber es bleibt bei dir nicht im Herzen hängen.
Ganz anders, wenn du alles gibst, du deine Gefühle, deine Energie in den Text hineingibst, dann bist du danach erschöpfst.
Nicht nur körperlich.
Nein, auch mental.
Was tue ich dagegen?
Ich versuche es mit Selbstdisziplin und Geduld.
Ich stelle mir genaue Pläne auf, was ich am Tag tun muss.
Ich arbeite die Steuerunterlagen auf, doch da wird die Laune noch schlechter.
Also schreibe ich auf, was mir durch den Kopf geht, wie ich meine schöpferische Krise überwinde.
Ich habe oft gelesen, dass es Schriftstellern ähnlich geht.
Aber ich bin kein Schriftsteller, vielleicht ein Autor, der ab und zu etwas zu Papier bringt.
Was mir genauso hilft, dass ist der Trainingsplan für das Nordic Walking.
Es kostet mich Überwindung loszulaufen, ja.
Aber wenn ich in Schwung bin, dann ist es, als würde mir die Energie wieder zufliegen.
Ich kann danach den Tag wieder ganz anders nutzen.
Ich laufe inzwischen im Stadtpark, vormittags.
Ich sehe ältere Menschen auf der Bank sitzen, Kinder spielen im Sandkasten auf dem Spielplatz, der in den Park integriert ist.
Aus der Ferne höre ich die Sirenen eines Krankenwagens, vermute ich jedenfalls.
All diese Geräusche und trotzdem die Ruhe, die lassen mich Energie tanken.
Und wenn ich dann zurück bin, geduscht habe, dann gehe ich an die nächsten Termine.
So wie heute, denn ich habe ein neues Vorgespräch.
Ich lerne neue Menschen mit interessanten Geschichten kennen.
Und das motiviert mich, auch wenn der Anlass immer gleich ist: Es ist ein Mensch gestorben.
Aber ich kann viel tun, die Hinterbliebenen zu trösten – mit ihnen gemeinsam eine Brücke der Erinnerungen für ihren Liebsten bauen.
Ich bin bereit, die Leere aus dem Kopf ist raus, und ich beginne neue Ideen zu entwickeln.
Mehr lesen: Auf das Cover klicken

IANA UND MARIAN FREUEN SICH ÜBER DIESE EHRE
Iana über die Ankündigung der Verleihung des Titels
‚Berliner Kammertänzerin‘:
„Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich diesen deutschen Ehrentitel erhalte. Und ich bin stolz darauf, dass mein Mann Marian und ich das gegenwärtig einzige Kammertänzerpaar sind. Der Preis beflügelt mich, neue Höhepunkte in meiner Karriere anzunehmen. Ich freue mich auf weitere aufregende tänzerische Momente.“ (Zitiert aus der Mitteilung des Staatsballetts Berlin, offizielle Facebook-Seite: https://www.facebook.com/share/4oFKJLdoeznV24tY/?mibexid=WC/Ne
Iana mit ihrem stolzen Papa nach der Verleihung des Ehrentitels. Er hat sie auf ihren ersten Schritten begleitet, ist mir ihr gemeinsam nach Donezk gefahren, damit sie in der Ballettschule ihren Traum leben konnte.
Ich kenne wenige Menschen, die so hart an sich arbeiten, Tag für Tag. Und: Ich kenne nur wenige Tänzerinnen, die mit einer solchen Leichtigkeit ihre Figuren ausführen, und die trotzdem nie ihre Bodenhaftung verlieren. Marian ist ein Grund dafür.
Liebe Iana, lieber Marian, wir kennen uns nun schon über anderthalb Jahrzehnte. Deshalb kann ich wohl mit Fug und Recht sagen: Ihr beide seid nicht nur großartige Künstler, nein, ihr seid vor allem großartige Menschen, voller Humor, Tatkraft, ausgestattet mit dem eisernen Willen, stets weiterzumachen, sich neue Ziele zu setzen, und sie vor allem auch zu erreichen.![]()
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
AUDIO
Es war Samstagmittag. Laura und Krümel waren bei uns zum Mittagessen eingeladen.
Das kam nicht oft vor, aber wenn alle um den Tisch herumsaßen, dann war das ein ganz besonders schönes Gefühl.
Wir aßen, lachten, erzählten aus dem Alltag und waren guter Dinge.
Krümel war nun schon 6 Jahre alt. Wie doch die Zeit verging.
In der vergangenen Woche war ich im Klinikum in Buch und ich musste an dem Storch vorbei, wo im Oktober 2017 der Name von Krümel auf der Tafel stand, die immer die neuesten Geburten von Kindern anzeigte.
Jetzt nun saß sie schon mit am Tisch und hörte aufmerksam zu, wie wir uns unterhielten.
„Papa, du musst endlich lernen, die Probleme an deinem Computer selber in den Griff zu bekommen“, sagte Laura zu mir.
„Du hast hier gar nichts zu sagen“, entgegnete ich in nicht ganz ernst gemeintem Tonfall.
Krümel hörte diesen Unterschied nicht heraus.
Sie schaute mich an und fragte unvermittelt: „Das sagst du zu meiner Mama?“.
Dabei blickte sie mich mit einem vorwurfsvollen Gesichtsausdruck an.
Es war, als würde sie sich schützend vor ihre Mutter stellen.
Ich war für einen Augenblick verblüfft und prustete dann vor Lachen los.
Klara schmunzelte ebenfalls.
Ich staunte, wie selbstbewusst Krümel geworden war und wie aufmerksam sie zugehört hatte.
Jetzt war es mir peinlich, dass ich Laura vor den Augen und Ohren von Krümel, ihrer Tochter und meiner Enkelin, zurechtgewiesen hatte.
Insgeheim aber war ich sehr stolz auf Krümel, die so ihre Mutter verteidigte, und auf Laura, die ihre Tochter zu einem selbstbewussten Menschen herangezogen hatte.
Damit konnte ich gut leben.
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
MEIN FREUND, DER ALLTAG (55)
Einen Cappuccino im Café des Discounters trinken, Leute beim Einkaufen beobachten, sich freuen, dass man vorher eine halbe Stunde im Wald gelaufen ist – das gibt Energie und der trübe Alltag wird doch irgendwie schön.
Das Wetter ist trüb.
„Es könnte Frühling werden“, sagt die Verkäuferin an der Bäckertheke.
Ich habe mir gerade eine Tasse Cappuccino bestellt, damit ich das Recht habe, mich an einen der kleinen Tische zu setzen.
Sonst schauen mich die Mitarbeiterinnen schief an. Ihre Blicke sagen dann: „Du hast hier gar nichts zu suchen, die Plätze sind für unsere Gäste da.“
Vielleicht denke ich das auch bloss, denn ausgesprochen hat das noch keiner.
„Man arrangiert sich mit dem Wetter“, antworte ich der Verkäuferin, während sie mir die Tasse rüberschiebt.
Ich bin gut drauf.
Im Wald war es herrlich, ganz ruhig und unter meinen Schuhen knirschte der Schnee.
Es sind die schönsten Momente für mich, denn ich kann durchatmen, komme auf neue Ideen für das Schreiben.
Wie schön das Nordic Walking ist, das fällt mir aber meist erst hinterher ein.
Bevor ich loslaufe, muss ich mich mächtig überwinden.
Ich muss mich umziehen, in den Keller gehen, die Laufschuhe anziehen.
Das ist schon beschwerlich, weil mir der Bauch im Weg ist.
Ich klappe im Keller einen Stuhl auf, den ich schon über 40 Jahre habe.
Er ächzt wie ich, wir sind eben beide alte Säcke.
Doch nun ist das alles vergessen, jetzt sitze ich ja auch im Café, die Füße von mir gestreckt und und freue mich, dass ich mit meinen dicken Daumen auf der Tastatur des Telefons die Buchstaben eintippen kann.
Klara taucht an der Kasse des Discounters auf. Ich schlürfe den Rest des Cappuccinos aus, erhebe mich und helfe ihr, die Taschen aus dem Einkaufswagen zu nehmen.
Klara ist froh, wenn sie mich an der Bäckerei ‚abgeben‘ kann, und ich bin froh, wenn ich nicht mit durch die Gänge zwischen den Einkaufsregalen hindurchschlurfen muss.
Der Tag ist schön.
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Ich habe mit den beiden Geschäftsinhabern Ralf König und Michael Tress vor ziemlich genau zwei Jahren ein Interview geführt – zwei tolle Unternehmerpersönlichkeiten, Menschen mit Herz und einem guten Team an ihrer Seite.
Ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie auch in den nächsten 10 Jahren ihre Kunden so gut betreuen und mit prima Essen versorgen.
Ich bin inzwischen selbst Bernauer und werde ganz sicher auf diesen Service gemeinsam mit meiner Frau zurückkommen.
Alles Gute in den nächsten Jahren, liebes Team vom ‚Mittagstisch‘!
Uwe Müller
Mehr lesen: Auf das Cover klicken

MANCHMAL FINDE ICH AUF GOOGLE-MAPS KURZE EINSCHÄTZUNGEN DAZU, WIE KUNDINNEN ODER KUNDEN MEINE REDEN FANDEN. DER EIGENTLICHE LOHN FÜR MEINE ARBEIT, MEIN GANZ PERSÖNLICHER REICHTUM. ICH SAGE AUS GANZEM HERZEN DANKE DAFÜR!







NOCH NICHTS FERTIGES, HALTBARES, – EHER FÜR DEN PAPIERKORB






Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Ich bin völlig aus der Übung.
Früher habe ich täglich geschrieben, gleich morgens.
Es trainiert dich, wenn du sofort zum Bleistift greifst, dir ein weißes Blatt Papier nimmst und beginnst drauflos zu kritzeln.
Du schreibst, ohne dass du groß nachdenkst, ohne dass du einen Widerstand spürst.
Es kommt nicht auf den Inhalt an, nein.
Es geht nur darum, dass du hintereinander weg schreibst.
Aber du musst dich überwinden, anzufangen.
Von wie vielen Leuten höre ich, dass sie schreiben wollen.
Ich frage mich dann aber im Stillen, warum sie es dann nicht einfach tun.
Ich ahne es: Das kostet dich ja trotzdem ein bisschen Überwindung.
Du musst dich nämlich hinsetzen, den Bleistift in die Hand nehmen und anfangen.
Ich werde das jetzt wieder regelmäßiger tun.
Es bringt deine Gedanken in Schwung, und es erzeugt ein gutes Gefühl.


Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Ganz lieben Dank nochmal! Man kann Sie nur weiterempfehlen. Liebe Grüße Andrea und Sandra
Veröffentlichung erfolgte mit ausdrücklicher Genehmigung von Andrea und Sandra Probst
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Es war kurz nach elf Uhr.
Ich hockte halb auf der Konsole meines Kofferraumes und stützte mich mit den Beinen ab.
Links neben mir stand ein Plastikbehälter, auf dem wiederum solch ein weiterer Behälter lag, nur zusammengeklappt.
Darauf befanden sich zwei Kugelhanteln, je 6 Kg schwer.
Ich hatte bereits die meisten Übungen absolviert.
Es war Sonntag und es war so einiges los, auf dem Parkplatz am Liepnitzsee.
Einige Autos drehten wieder ab, nachdem sie mitbekommen hatten, dass sie ein Park-Ticket lösen müssten.
Ich hatte mir die App ‚Mobilet‘ runtergeladen und konnte so recht bequem eine Stunde einstellen.
Nicht gleich, denn vorher hatte ich gebraucht, um das alles zu begreifen.
Ausserdem stellte ich mich jetzt hier schon dreissig Jahre hin.
Alle meine Autos haben diesen Parkplatz gesehen.
Früher lag dort Papier rum, heute immer noch, nur, dass ich nun für den Anblick bezahlen musste
Ich liebte die Ruhe, wenn ich ganz für mich sein konnte.
Heute, am Sonntag, war alles anders.
Gegenüber vom Parkplatz trainierten Hundebesitzer ihre Lieblinge.
Zu mir drang die schneidende Stimme des Hundetrainers rüber.
Er schrie, gab Kommandos und mir bereitete er schlechte Laune.
Ich drehte mich um und wollte noch kurz austreten, bevor ich in den Wald stürmte.
Von rechts näherte sich ein Mann mit Fahrrad, das er schob.
Er blieb alle paar Meter stehen beugte sich runter, um Gras vom Rand zu pflücken und es in seinen dreckigen Plastikbeutel zu tun.
‚Na, du wirst ja wohl gleich vorübergehen‘, dachte ich.
Er blieb genau vor mir stehen, schaute mich mit seinen traurigen Augen an, die fast hinter seiner Mütze verschwanden. Er sagte nichts, ich sagte nichts.
Endlich, er war weitergelaufen.
Jetzt wollte ich zum Baum gehen.
Inzwischen war ein weiteres Auto angekommen.
Ein Mann stieg aus, machte die Kofferklappe auf und ein riesiger Boxer hüpfte lustlos heraus.
Er schien antriebslos, bis er mich sah.
Der Hund stürmte auf meinen Baum zu, und ich schaffte es gerade noch, wieder alles zu verpacken.
Der Boxer blieb stehen, schaute mich an und ich schaute ihn an.
Bis ein scharfer Pfiff ertönte und er zu seinem Herrchen zurückstürmte.
Wieder alles von vorn.
Als ich fertig war, schnallte ich die Nordic-Walking-Stöcke um und lief langsam los.
Hinter mir hörte ich Stimmen.
Ich drehte mich um und sah zwei Frauen, die in Joggingkleidung hinter mir liefen.
‚Na hoffentlich, laufen die nicht die gleiche Strecke, wie ich es vorhabe‘, dachte ich bei mir.
Ich zog im Tempo sofort an, um meine Wegbegleiterinnen loszuwerden.
Sie schnatterten, lachten und hatten offensichtlich trotzdem keinerlei Mühe, mit mir mitzuhalten.
Ich lief noch schneller, aber ich hatte keine Chance, sie ließen sich nicht abschütteln.
Ich keuchte, stampfte mit den Beinen auf den Waldboden, stach die Stöcke in das Laub, ich gab alles.
Ich wollte nur, dass sie zurückblieben. Dann würde ich wieder langsamer laufen, die Bäume genießen, die Stille, den Sauerstoff, den ich einsog.
Doch die Stimmen kamen näher.
Vorn, da ging es bergab und ich war überzeugt, sie würden die andere Strecke nehmen.
Aber nein: Sie kamen auch da hinter mir her.
Ich gab auf, blieb stehen, denn ich wollte sie vorbeilassen.
„Hallo“, sagte ich, als sie nahe genug gekommen waren.
„Wir wollten sie nicht stressen“, flötete die eine Dame.
„Alles gut“, antwortete ich, vielmehr, ich presste es heraus, während ich versuchte, den keuchenden Atem zu unterdrücken.
Ich hatte noch fünf Minuten in die eine Richtung zu laufen. Aber ich drehte um, ich wollte nicht genau hinter ihnen hinterherlaufen.
Jetzt gönnte ich mir einen langsameren Laufstil und allmählich konnte ich auch wieder ruhig atmen.
Irgendwie war es doch schön, das alles zu erleben, zu spüren, dass man am Leben war, Menschen beobachten konnte.
Ich freute mich auf die Rückfahrt und das anschließende Mittagessen.
Danach konnte ich mich auf die Couch legen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Schließlich war ich ja durch den Wald gejagt.
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Das, was man macht, das macht man am besten mit Herz. Link zum Feedback eines Kunden https://maps.app.goo.gl/oNUZmcSiMmAQnN1p7
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Friedrich Nietzsche, Gesammelte Werke, 2012 Anaconda Verlag GmbH, S. 295.
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken

Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Es ist schon über 15 Jahre her, damals lebte mein Vater noch, und ich ihn fragte, was er denn nun so mit seinem Rentnerleben anfangen würde.
Er war emeritierter Professor und ich erwartete Antworten in der Qualität, ‚du, ich schreibe an einem neuen Buch über die Geschichte des 2. Weltkrieges‘.
Aber er schwieg zunächst und erst, als ich nachhakte, da sagte er: „Ich bin Trauerredner.“
Mir verschlug es die Sprache.
‚Der Alte, der Professor, und jetzt Trauerredner, so wenig Rente bekommt er doch nun auch nicht.‘
„Wieso tust du dir das an?“, fragte ich ihn stattdessen.
„Weil es spannend ist, die Geschichten von Menschen zu erzählen, die du vorher gar nicht kanntest“, antwortete er.
Es sollten noch ein paar Jahre vergehen, bis ich die gleichen Erfahrungen machte, wie auch mein Vater zuvor.
Klar, du solltest schreiben können und die Worte so in deinen eigenen Sprachduktus bringen, dass dir die Trauergäste auch zuhören wollen.
Doch ist das entscheidend für eine gute Rede?
Nein, ich glaube nicht. Es ist vielleicht die Voraussetzung dafür, dass du handwerklich gekonnt formulierst.
Aber wichtig ist etwas ganz anderes.
Du musst dich für das Leben des Menschen, über den du schreiben und später reden willst, interessieren, wahrhaftig den Lebensweg des Verstorbenen nachvollziehen wollen.
Das kostet Kraft und Mühe, denn du musst nicht nur die Daten und Fakten richtig notieren.
Du musst es danach auch in die richtigen Sätze bringen.
Und unweigerlich beginnst du über das Leben eines Menschen nachzudenken, der dir bis dahin fremd war.
Doch mit jeder Erzählung darüber, wie jemand war, was er gefühlt hat, näherst du dich ihm selbst immer mehr.
Und plötzlich siehst du diesen Menschen vor deinem geistigen Auge.
Du beginnst ihn zu mögen, in dir steigt der Respekt vor dem Leben desjenigen auch, der nun schon nicht mehr da ist.
Vor allem aber beginnst du unwillkürlich über dein eigenes Leben nachzudenken.
Darüber, was dir wichtig im Leben war, ob du noch einmal alles so machen würdest, wie du es vor Jahrzehnten getan hast.
Schließlich wird dir klar, dass auch dein Leben eines Tages zu Ende sein wird, dass nichts im Leben ewig andauert.
Das erzeugt in dir Demut, mitunter kommen depressive Gedanken in dir hoch.
Aber das entscheidende ist: Du beginnst dein Leben mit den Augen zu betrachten, die wissen, dass jeder Moment, jeder Augenblick so einzigartig ist, und er nicht wiederkommen wird.
Also nehme ich das Leben für mich so an, wie es für mich ist.
Deshalb bin ich glücklich, sehe den Alltag genau mit diesen Augen.
Ich glaube die größte Wertschätzung für das Leben beginnt dort, wo du es so siehst wie es ist und daraus auch dein Glück gewinnen kannst.
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Manchmal sehe ich im Fernsehen Reportagen über berühmte Maler und ihre Bilder, die auf einen Wert von über einer Million Euro geschätzt und gehandelt werden.
Ich schaue dann darauf und denke: ‚Was bist du nur für ein Einfaltspinsel, dass dich die Striche des Künstlers nicht in Verzücken versetzen?‘
Wahrscheinlich bin ich zu unsensibel, zu ungebildet auf diesem Gebiet dafür.
Doch das änderte sich, als Krümel letztes Wochenende bei uns zu Besuch war und ich sie fragte: „Kannst du nicht ein Bild für mich malen, es fehlt noch eins in meiner Galerie?“
„Mal sehen, Opa, wenn ich Lust habe“, sagte sie und verschwand wieder in meinem Zimmer.
Es ist mein Arbeitszimmer, in dem eine Couch steht, die Spielsachen von Krümel aufbewahrt werden – für die Zeit, wo sie bei uns zu Besuch ist.
Wir teilen uns also das Zimmer, aber wenn sie da ist, dann nimmt sie es vollständig in Beschlag.
Ich komm‘ dann kaum an meinen Schreibtisch ran.
Aber ich finde das gut und schiebe die Arbeit auch in diesen speziellen Tagen beiseite, im wahrsten Sinne des Wortes.
Wir hatten im Flur die alte Bücherwand stehen, die nach dem Umzug dort Platz gefunden hatte.
Das alles wirkte ein bisschen langweilig, und auch nicht so hell.
„Ich hänge hier noch Fotos von Krümel auf“, sagte Klara.
Und schon sah die Wand viel freundlicher aus, weil uns gleich ein kleines Wesen anlachte, wenn wir von draußen kamen und die Wohnungstür aufmachten.
Wenn ich aus dem Arbeitszimmer in den Flur ging, dann musste ich dort auch vorbei und schon musste ich lächeln, wenn ich Krümel mit ihrem lustigen Gesicht sah, mit ihrer Energie, die pure Lebensfreude ausdrückte.
Nach und nach brachten wir zusätzlich zu den Fotos Zeichnungen von Krümel an, die wir einfach aufklebten.
Jetzt war noch ein kleiner Platz frei, genau richtig für ein Bild von Krümel. Sie musste es nur noch zeichnen.
Krümel saß in meinem Zimmer und staunte über die vielen Buntstifte, die ich zu meinem letzten Geburtstag von Klara geschenkt bekommen hatte.
„Opa, du musst mal in deiner Kiste aufräumen, damit du alles wiederfindest.
Soll ich das für dich machen?“
„Oh ja, das wäre wunderbar“, sagte ich zu ihr.
Krümel begann sofort damit und reihte die Stifte emsig aneinander.
„Opa, kannst du mir ein weißes Blatt geben?“, fragte sie mich unvermittelt.
Ich zog eins aus dem Drucker und reichte es ihr.
Sie kniete sich auf den Fußboden und fing an zu malen.
Sie hätte es auch auf dem Tisch tun können, aber das war ja langweilig.
Sie nahm die Stifte wieder aus dem Kasten, den sie gerade eingeräumt hatte und zog eine Linie nach der anderen, malte Flächen aus, immer mit wechselnden Farben – rot, gelb, blau, dann wieder rot.
„So Opa, es ist fertig.“
Ich schaute auf das Bild und war begeistert.
Ich verstand sofort die Linien, die Farben – sie gingen direkt ins Herz und leuchteten dort.
Ich habe noch den Namen der Künstlerin daruntergesetzt, und das Datum.
Es hängt nun an der wertvollsten Galeriewand – in unseren Herzen, und ja, es ist Millionen wert, für uns auf alle Fälle.




https://uwemuellererzaehlt.de/2023/09/09/das-wars-fuer-diese-woche/
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
(Geschrieben am 30.01.2023)
Du lernst dadurch, die kleinen Dinge im Alltag als das zu sehen, was sie sind, nämlich Kostbarkeiten.
Ich bin heute Mittag zum See gefahren, um dort Sport zu treiben, ein bisschen wenigstens.
Und zunächst ist es eine reine Überwindung, es ist etwas, was bei mir nicht oben auf der Beliebtheitsliste der Dinge steht, die ich nun unbedingt machen wollte, nur um glücklich zu sein.
Du musst dich in dein Sportzeug umziehen, ins Auto steigen, später die Stöcke für das Nordic Walking anschnallen, um dann endlich loszulaufen.
Doch dann kippt ein Schalter bei mir um und meine innere Stimme sagt: ‚Es kommt der Tag, da wirst du das alles nicht mehr machen können.
Du nimmst nicht mehr das Rauschen im Wald wahr, das Knacken im Unterholz, du riechst nicht den frischen Duft des Waldbodens, spürst nicht die Tannennadeln, die unter deinen Füssen sanft knirschen.
Du wirst das eines Tages einfach nicht mehr können, weil du nicht mehr da bist. Also warum nutzt du die Zeit nicht, die dir bleibt?
Ich komme mit einem guten Gefühl zurück – irgendwie ein bisschen geläutert.
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Wir waren Sonntagmorgen nach Rügen aufgebrochen. Wir kamen schnell voran und waren nach gut drei Stunden auf der Insel. Es nieselte und unser Vorhaben, gleich am Strand baden zu gehen, fiel ins sprichwörtliche Wasser. Wir besuchten stattdessen Klaras Mutter. „Da seid ihr ja“, empfing uns Anna, so als hätten wir gesagt, dass wir kommen würden. Anna war dement und es hätte nichts genutzt, es vorher anzukündigen. Später, im Hotelzimmer angekommen, war der Fernsehapparat kaputt. Wir bekamen ein neues Zimmer, wechselten von der Straßenseite auf die Seite mit dem Blick auf den Hafen und die Ostsee.
Endlich. Wir waren am Strand, die Sonne gleißte von oben herab und man hörte das leichte Rauschen der Wellen, die sanft am Strand ankamen.
Es roch nach Seetang.
Wir hatten uns unmittelbar vor dem Wasser positioniert, konnten aufs Meer schauen und waren nach hinten durch den Sichtschutz abgeschottet, vor neugierigen Blicken.
Ich versuchte im Stehen aus der Hose zu kommen und die Badehose überzustreifen.
Das ließ sich leichter beschreiben, als es in Wirklichkeit war.
Immer wenn ich ein Bein anhob, drohte ich nach hinten zu kippen.
Ich merkte, wie ungelenk ich geworden war.
Als ich es endlich geschafft hatte, da schweifte mein Blick über den Strand und ich freute mich, dass es noch so leer war.
Ich legte mich schließlich hin und wartete darauf, dass Klara aufhörte, mir das Gesicht mit Sonnencreme einzuschmieren, und ich mich fühlte, als sei ich Mamas Liebling.
Plötzlich hörte ich Stimmen, direkt neben unserer Festung, dem Sichtschutz.
Nur einen gefühlten Meter entfernt, da hatte sich eine Mutter mit ihrem Sohn niedergelassen.
Ich war sprachlos.
„Hast du gesehen? Direkt neben uns, obwohl die nächsten zweihundert Meter genügend Platz bieten“, zischte ich zu Klara.
„Was willst du machen“, fragte sie mich.
„Natürlich gar nichts!“, schnaubte ich leise.
„Aber kennst du das? Du fährst auf einen Parkplatz. Du suchst dir einen Stellplatz aus, wo links und rechts keiner zu sehen ist, und kaum hast du den Zündschlüssel abgezogen, da stellt sich genau einer neben dich.“
Ich musste niesen.
„Gesundheit“, ertönte es von den billigen Liegeplätzen neben uns.
Naja, ich ergab mich in mein Schicksal und dachte an den Abend im Restaurant zurück.
Es war ein harmonischer Abend, deshalb auch ein bisschen langweilig.
„Du erwiderst nichts, was Ärger bereitet“, hatte Klara mich vorher ermahnt.
„Na, dann kann ich ja nichts sagen.“
„Das ist vielleicht auch am besten“, meinte sie.
Gut, dann eben nicht. Ich konnte auch anders, gar nichts sagen.
Zum Schluss des Abendessens hatte ich mich doch nicht ganz an die Abmachung gehalten und erzählte eine Story, bei der ich durch eine Tür geflogen war, die mit einem Netz zum Schutz von Fliegen und Wespen bespannt war:
„Wollen Sie einmal auf die Terrasse treten und den Ausblick auf den See genießen?“, fragte mich der Kunde.
Ich bejahte das, stand auf und eilte auf den Eingang zur Terrasse zu und übersah dabei, dass davor eine Tür war, die mit einem Fliegengitternetz bespannt war.
Ich flog durch die Tür, stürzte nach vorn und sackte mit der ganzen Wucht meines Körpers auf der Terrasse zusammen.
Es passierte ausgerechnet in einer Villa, die sich am Wannsee befand und auf deren Grundstück früher einmal ein Haus von Heinz Rühmann gestanden haben soll“, beendete ich die Schilderung, ohne mich in weiteren Details zu verlieren.
„Rühmann, Heinz Rühmann?“, fragte Klaras Tante mich mit einem inquisitorischen Unterton.
Aber ich hatte mich schon wieder in mein mir selbst auferlegtes Schweigegelübde begeben.
Klaras Tante hingegen wollte von mir eifernde und heftige Bestätigungsfloskeln hören.
Ich dachte aber gar nicht daran und stopfte mir stattdessen einen Löffel Würzfleisch in den Mund, während Klaras Tante damit kämpfte, mich erneut zu befragen.
Insgesamt ein schöner Abend, ein bisschen unaufgeregt, aber voller innerer Spannungen, die ich durch meine zur Schau getragene Gleichgültigkeit angeheizt wurden.
Irgendwie war ich immer schuld, ob ich nun was sagte, oder es unterließ.
LETZTE FOLGE: MONTAG, 28.08.2023
WIR SIND AN DIE OSTSEE GEFAHREN, FÜR DREI TAGE (3)
https://uwemuellererzaehlt.de/2023/08/25/amazon-37/
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
Mehr lesen: Auf das Cover klicken
DER ERSTE TAG
Wir sind morgens losgefahren, es war sonntags und die Autobahn war relativ leer.
Nur wenige Autos fuhren hoch an die Ostsee.
Wir kamen gut durch und waren bereits nach knapp drei Stunden in Mukran auf Rügen.
Es nieselte, und wir waren sehr enttäuscht, dass wir nicht sofort an den Strand konnten.
„Können wir schon etwas früher einchecken?“, fragte ich am Telefon die Mitarbeiterin an der Rezeption.
„Nein, wir haben viele Busabreisen. Das schaffen wir heute nicht.“
Ich sah das ein und wir stellten den Plan um.
Wir besuchten zunächst Klaras Mutter im Heim für ‚Betreutes Wohnen.‘
„Da seid ihr ja“, empfing uns Anna freudig.
„Hast du uns erwartet?“, fragte ich ganz verblüfft.
„Ja, natürlich, warum fragst du?“, Anna wurde ein bisschen unwirsch.
„Nein, nein, dann ist es ja wunderbar“, beeilte ich mich, zu ihr zu sagen.
Neben ihr saß eine Frau, die uns böse ansah.
„Was soll das, die ganze Familie hier?“, fragte sie unvermittelt.
„Und der, der sollte mal arbeiten gehen“, meinte sie, indem sie gleichzeitig auf mich zeigte.
Ich war schon auf dem Sprung und wollte ihr etwas sagen, von wegen arbeiten gehen.
Aber Klara kam mir zuvor und stieß mir mit dem Ellenbogen in die Seite.
Sie hatte mal wieder kein Vertrauen zu mir und wollte verhindern, dass ich gleich ‚losbölkte‘, wie sie dann zu mir zu sagen pflegte.
Wir waren ja in einem Heim für Demenzkranke, als ob ich das nicht wüsste.
Klara traute mir ohne Weiteres zu, dass ich das alles ignorierte und mich gegen Anwürfe verteidigte.
Doch ich hatte mich im Griff.
Es war schön zu sehen, dass Anna sich wohlfühlte, im Rahmen ihrer sprachlichen Möglichkeiten sagte sie das auch zu uns.
Als wir gingen waren wir wie immer ein wenig traurig, aber auch froh, dass wir wieder an der frischen Luft waren.
Wir fuhren zum Hotel.
„Sie müssen noch 20,00 Euro extra bezahlen“, sagte die Mitarbeiterin an der Rezeption.
„Warum, wir haben doch hier einen Festpreis gebucht“, sagte Klara kämpferisch.
Währenddessen war ich schon nach oben gefahren, ins Dachgeschoß.
Das Zimmer war eng und ich ließ mich zunächst auf die Couch plumpsen und machte den Fernseher an.
Er ließ sich nicht anmachen.
Nachdem ich mehrfach versucht hatte, mit der Fernbedienung eine Regung auf dem Bildschirm des Fernsehers zu erreichen, gab ich es auf.
Ich griff zum Hörer und wählte die Nummer der Rezeption.
„Der Fernsehapparat lässt sich nicht anstellen“, sagte ich.
„Dann müssen Sie bis Morgen warten, wahrscheinlich ist das ein technischer Fehler“, bekam ich als Antwort zurück.
„Morgen ist Montag und Dienstagfrüh reisen wir wieder ab. Damit bin ich nicht einverstanden. Entweder Sie bekommen das hier in Ordnung, und zwar noch heute, oder ich möchte ein anderes Zimmer“, sagte ich.
Es war still am anderen Ende.
„Hören Sie mich?“
„Ja, ich höre Sie. Bitte warten Sie einen Augenblick.“
Ich wartete und schließen ertönte die Stimme wieder.
„Sie bekommen ein neues Zimmer.“
„Gut, wunderbar, danke“, sagte ich.
Wir schleppten die Sachen erneut den Flur entlang kamen im 2. Stock an und machten mit der Karte die Tür auf.
Die Aussicht war auf der Seite zum Hafen hin. Wir sahen das Meer, die Schiffe im Hafen.
„Na, das sieht doch schon gut aus“, sagte ich und schob die Vorhänge beiseite.
Ich nahm die Fernbedienung, schaltete den Fernseher ein. Ich versuchte es.
Es regte sich gar nichts. Ich probierte die Lichtschalter aus, nichts funktionierte.
„Frustriert begab ich mich nun gleich selbst an die Rezeption.“
„Jetzt geht ja gleich gar nichts mehr“, sagte ich zu der jungen Mitarbeiterin.
Die wirkte eingeschüchtert.
„Haben Sie die Karte von der Tür in der Innenseite in den Schalter gesteckt?“, fragte sie.
Ich schaute sie entgeistert an.
„Warum sollte ich das tun?“
„Erst dann haben Sie Strom“, erwiderte sie.
Ich bedankte mich, fuhr wieder nach oben ins Zimmer, steckte die Karte in die dafür vorgesehene Steckdose und sofort erschien auf dem Fernsehapparat erschien „Telefunken.“
Endlich, wir hatten es geschafft.
Während Klara die Taschen auspackte, lümmelte ich auf der Couch und klickte mich durch die Fernsehprogramme.
„Du kannst dich hier ruhig beteiligen“, sagte sie.
„Ich bin gerade die Treppen hoch und runter gelaufen, damit wir ein Zimmer mit besserer Aussicht haben, ein funktionierendes Fernsehprogramm, und nun kümmere ich mich darum, dass wir heute Abend einen guten Film sehen können.“
Klara sagte nichts, sondern schmiss mir die Hosen vor die Füße.
„Hier, das sind deine!“.
„Soll ich beide heute noch anziehen, wenn wir uns mit deiner Tante treffen?“, fragte ich.
Immer wenn wir in Sassnitz waren, luden wir sie ein, zum Essen.
Keiner von uns hatte Lust dazu, aber wir fühlten uns irgendwie verpflichtet.
Klara antwortete nicht auf meine Frage und ich wendete mich wieder dem Fernseher mit seinen Programmen zu.
„Wann willst du dich denn anziehen?“, fragte sie jetzt wieder.
Ich stöhnte, erhob mich von der Couch, schaltete den Fernseher aus und dachte missmutig an das Treffen am Abend.
Warum tat man sich das eigentlich an, wo man doch nur für drei Tage auf der Insel war?“
Fortsetzung: Der erste Tag ging zu Ende und der zweite und der dritte Tag lag noch vor uns.
https://uwemuellererzaehlt.de/2023/08/24/amazon-36/
Mehr lesen: Auf das Cover klicken