Archiv der Kategorie: 50 KILO ABNEHMEN

Gesund leben, Energie und Freude aus den Fitness-Aktivitäten gewinnen, Nordic Walking als Möglichkeit ansehen, Seele und Körper zueinander zu bringen.

RUMPFBEUGEN AM GESCHIRRSPÜLER

Der Wecker klingelt, wie immer viel zu früh.
Irgendwas ist komisch, denke ich. Ich setze mich gerade aufs Bett und dann fällt es mir ein.

Ich werde heute nicht ins Fitness-Studio fahren. Ich komme dem Lock-down zuvor.

Klara hätte es gern gesehen, dass ich noch einmal mit reingefahren wäre, denn sie muss nun morgens wieder auf die Bahn umsteigen.
Ich nehme mir vor, zwischendurch ein paar Übungen zu machen, wenigstens vom Schreibtisch aufzustehen, Arme und Beine zu lockern.

An der Rückseite der Tür zum Arbeitszimmer klebt ein großes Plakat, auf dem Übungen abgebildet sind, die ich machen kann, ohne dass ich groß Geräte brauche.

Habe ich das getan? Nein.

Doch eine Sache war dafür gut: Ich habe drei Säcke mit Grünzeug aus dem Garten zur Abfallstation gebracht.

„Wer weiß, ob die nächste Woche noch aufhaben“, schiesst es mir durch den Kopf.

„Sollte ich die Blätter auf dem Rasen auch noch zusammenhaken und mit in einen der Säcke stopfen? Das wäre ja auch sowas wie Gymnastik“, denke  ich bei mir.

Ich schaue auf die Blätter, dann auf die Säcke und schließlich auf den Schuppen, wo die Harke stand.

„Kommt gar nicht in Frage, es reicht, wenn ich die Säcke hier wegfahre, schließlich hast du danach noch zu arbeiten“, sage ich in strengem Ton zu mir selbst.

Ich hieve die Säcke in den Wagen und fuhr in Richtung Abfallentsorgung los.

Als ich ankomme, steht eine Mitarbeiterin auf dem Hof, schaut mir beim Aussteigen zu und fragt schließlich: „Wie viel Säcke sind es?“

„Es sind vier“, sage ich.
„Wieso vier? Hier hinten sind nur drei“, entgegnet sie, nachdem sie in das Innere des Wagens geschaut hat.

„Der größte und der dickste Sack steht vor Ihnen“, sage ich trocken und beobachtete, wie sie sich vor Lachen ausschüttete.

„Ach ich liebe Ihren Humor“, meint sie und nahm wortlos den Euro Trinkgeld an, den ich ihr zusteckte.

„Ja, wir werden demnächst nicht viel zu lachen haben“, meine ich und sie nickt stumm.

Ich steige ins Auto und nahm mir vor, am nächsten Tag mit einer Übung zu beginnen, die auf dem Plakat an der Rückwand der Tür zum Arbeitszimmer abgebildet ist.

Aber morgen ist Freitag und da hantiere ich doch immer mit dem Staubsauger und schüttele vorher die Teppiche aus. Seit Neuestem wische ich auch noch die Treppen zum krönenden Abschluss.

Klara findet zwar, dass ich den Lappen zu nass mache und die Holzstufen darunter leiden, aber solche Feinheiten kann ich nicht auch noch berücksichtigen.
Ich bin wieder zuhause angekommen.

„Ich werde mir mal einen Tee machen und mich danach erneut an die Arbeit begeben“, denke ich.
Während ich das Wasser in den Teekessel fülle, sehe ich, dass die roten Lampen an der Spülmaschine leuchten.

„Verflucht, auch das noch!“, brumme ich vor mich hin.
Ich kippe die Klappe der Spülmaschine nach vorn und hebe mit einer Hand den Behälter raus, in dem das Besteck aufbewahrt wird. Eine Gabel hakt sich an einem Kuchenteller fest und hebt den mit an. Ich fluche, beuge mich nach unten, um die Gabel zu befreien.

„Verdammt, ich komme hier im Home Office aber auch zu gar nichts“, denke ich.

Und dann muss ich mich immer und immer wieder nach unten beugen, um das Geschirr herauszunehmen.

Als es geschafft ist, seufze ich erleichtert auf. Ich werde Klara von meinen Heldentaten nachher berichten. Aber die wird wohl wieder nur die Augenbrauen nach oben ziehen und nichts sagen.

Naja, wenigstens habe ich doch noch ein paar Rumpfbeugen gemacht. Der Anfang ist getan.

Mal sehen, was morgen wird. Wahrscheinlich wird es wieder wie heute.

KALLE HAT 10 KILO ABGENOMMEN – IN NUR 6 WOCHEN


STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Kalle ist Allrounder im JR-Studio im Prenzlauer Berg. Ich treffe ihn regelmäßig – er geht dorthin arbeiten, ich versuche mich ein wenig fit zu halten, so gut es geht. Und es geht ziemlich gut.
Aber heute Morgen bekam ich den Mund nicht mehr zu: Kalle hatte es geschafft, in nur
sechs Wochen über zehn Kilo abzuspecken. Was für eine Willenskraft, was für eine Leistung.
Ich gebe es zu: Ein wenig neidisch bin ich schon. Aber diesen Neid hat sich Kalle hart erarbeitet.

Von vorn erzählt:

Ich hatte gerade eine Woche Urlaub hinter mir und war gut drauf. Trotzdem drückten mich die Termine für Texte, die unbedingt an Kunden rausgeschickt werden mussten .

„Am besten, ich setze morgen früh mal mit dem Fitness-Studio aus und fange kurz nach fünf Uhr sofort mit dem Schreiben an“, sagte ich zu meiner Frau.

„Das kommt gar nicht in Frage. Ich denke, du willst abnehmen?“, sagte sie auf meinen Vorschlag hin.

„Abnehmen? Das kannst du vergessen. Ich bleibe allenfalls beweglich, habe keine Rückenschmerzen vom langen Sitzen am Schreibtisch und bin insgesamt mental gut drauf, wenn ich trainiere“, entgegnete ich.

„Na, das sind wohl gute Gründe, um nicht auszusetzen“, sagte sie.
„Und wenn du etwas konsequenter beim Abnehmen bist, dann klappt das auch noch“, meinte sie noch.

Das hatte ich bereits am Vormittag gehört, als mich ein Freund unverhofft besuchte.

„Ich hab‘ ganz wenig Zeit, ich bin gerade vom Sport zurück und der Schreibtisch ist voll von Unerledigtem“, sagte ich.
„Aber für einen Kaffee wird die Zeit doch noch reichen?, hakte er nach.

‚Eigentlich nicht‘, dachte ich, machte mich aber sofort daran, die Kaffeemaschine in Gang zu setzen.

„Und wie geht es dir?“, fragte mein Freund weiter, während ich zwischen Küche und Wohnzimmer hin- und hereilte, um den Tisch zu decken.

„Mir geht es ganz gut“, sagte ich und dachte, ‚nur jetzt, wo du unverhofft hier eintrittst, da bin ich im Stress‘.

„Seitdem ich morgens mit meiner Frau nach Berlin reinfahre, sie im Zeitungsviertel absetze und danach wieder in Richtung Prenzlauer Berg düse, um anderthalb Stunden zu trainieren, da bin ich richtig gut drauf – mental und physisch.“

Mein Freund musterte mich von oben bis unten, während ich in der Tür stand, die Kaffeesahne in der Hand und abwartete, was er sagen wollte.

„Sag‘ mal, du hast doch eine stattliche Figur…?“
„Du kannst mit mir Klartext reden“, unterbrach ich ihn.
„Du meinst doch folgendes: Wenn du soviel Sport machst, wie du sagst, dann verstehe ich nicht, warum du noch so einen Bauch hast?“
Ich schaute ihn dabei direkt an.

„Ich wollte nicht mit der Tür ins Haus fallen!“, sagte mein Freund halb entschuldigend.

„Naja, du hast ja recht“, meinte ich versöhnlich.
„Aber wir waren jetzt für eine Woche in Sassnitz auf Rügen, in einer Ferienwohnung.

Der Hausmeister weiß, dass ich gern Bockbier trinke, also hat er mir ein paar Flaschen ins Kühlfach gelegt.“

„Und alle ausgetrunken?“, hakte mein Freund gleich nach.
„Dreimal darfst du raten“, antwortete ich.
„Im ‚Rügenhotel‘ dann haben wir den Geburtstag unserer Enkelin gefeiert. Sie ist zwischen den Tischen hin- und her gesaust, während wir an der Kuchentheke zugeschlagen haben.“

„Aber jetzt, da geht es richtig los“, schob ich hinterher.
„Hm, meinte mein Freund“, während er mit dem Löffel im Kaffee rührte, obwohl es für ihn nichts zu rühren gab, weil er ihn schwarz trank.

Irgendwie ärgerte ich mich jetzt noch mehr – über mich, über die penetranten Fragen meines Freundes und dann wieder über mich. Darüber, dass ich in der Umstellung der Ernährung nicht die Zielstrebigkeit an den Tag legte, wie ich es inzwischen beim Training an den Geräten tat.

Ab morgen sollte das anders werden. Dieser Morgen begann heute.
Ich hatte gerade mit dem Training im Studio begonnen, als ich Kalle sah.

Wir winkten uns zu und begrüßten uns.
Kalle ist für mich nicht nur jemand, der wie ein Wiesel im Studio hin- und herläuft, überall die Desinfektionsmittel nachfüllt, die Glasscheiben an den Türen säubert, sondern dabei auch noch stets ein freundliches Wort für die JR-Teilnehmer im Studio hat.

Er ist nicht nur ein fleißiger Arbeiter, er ist auch ein guter Entertainer.

Du bekommst einfach gute Laune, wenn du ein paar kurze Sätze mit ihm wechselst.
Das kriegen nicht viele hin.

„Hast du abgenommen?“, frage ich ihn wie nebenher.
Er sah schmaler im Gesicht aus und am Körper insgesamt schlanker.
„Du bist der erste, der das bemerkt!“, sagte er freudig und zeigte mir auf seinem Handy das gestrige Foto von der Waage.

„Kein Wunder, wenn ich sowas sofort sehe, denn ich kämpfe ja seit nunmehr über ein Jahr darum und komme nicht so richtig vorwärts. Mal nehme ich ein Kilo ab und dann wieder zwei zu. Dabei esse ich jetzt auch noch Haferkleie, soll sättigen, schmeckt aber wie Sägespäne“, sagte ich.

Kalle zeigt mir die Fotos, auf denen zu erkennen ist, dass die Nadel der Waage im Fitness-Studio auf 103, 5 kg zeigte.

KALLE - 103,5

Nach sechs Wochen hatte er noch einmal ein Bild gemacht, genau gestern.

Diesmal stand die Nadel auf 93,0 kg.

KALLE - 90,3 kg

„Respekt“, sagte ich zu ihm, als ich das sah.
„Ich krieg‘ gleich schlechte Laune!“, sagte ich noch im Spaß.

„Aber weißt du was, wir machen heute auch ein Foto von mir, auf der gleichen Waage. Und nach zwei Monaten schauen wir wieder drauf, was meinst du?“

Kalle war sofort einverstanden.
„Ich werde jetzt mit Kleidung123 kg wiegen“, sagte ich noch.
Als ich auf der Waage war, schlug der Zeiger nach 126,5 kg aus.

Uwe

Das Grauen bekam nun ein realistisches Gesicht. Aber ich wusste nun, dass Kalle es geschafft hatte. Sport musste er nicht machen, denn er rannte ununterbrochen auf den Gängen und Treppen im Studio umher. Das war ganz sicher mehr, als ich in der Stunde im Studio abriss.

Uwe im JR-Studio

Beim Wiegen  heute Morgen, gegen sechs Uhr.

Auf jeden Fall: Kalle, du hast mich motiviert, es ebenfalls zu versuchen.
Während ich das schreibe, macht meine Frau ein kleines Abendbrot für sich. Es riecht gut.

„Oh Gott lass mich stark bleiben“, denke ich bei mir.
Aber ich werde wohl noch runtergehen und mir ein bisschen Haferkleie in den Mund stecken.
Dann habe ich erst einmal gut zu kauen und satt werde ich ebenfalls davon.

Auf jeden Fall: Kalle, du hast es nicht nur als Allrounder drauf, nein ebenso als ein willensstarker Fitness-Mitarbeiter generell, mit Vorbildwirkung eben.
Hut ab.

 

 

VOR DEN PREIS HABEN DIE GÖTTER DEN SCHWEISS GESETZT

06.06 Uhr
Das Studio ist fast leer, aber ausgerechnet an der Bizepsmaschine ist jemand.
Eine Stunde weiter:

Es ist ziemlich ruhig hier. Der Vorteil: Ich kann dadurch die Geräte aussuchen.
Und dennoch: Ich muss mich jedes Mal wieder neu überwinden, mit der Übung anzufangen.

Ich säubere die Geräte vorher und nachher, denn ich finde das nur fair denjenigen gegenüber, die nach mir an das Gerät wollen.

Doch ich beobachte einige, die gar nicht daran denken, zum Tisch zu gehen, das Desinfektionsmittel auf den Lappen zu tun und alles abzuwischen.

Was soll’s? Ich werde das weiterhin machen, auch wenn es mitunter nervt.

Kurz vor halb acht:
Ich habe 17 Geräte geschafft und ich staune über mich selbst, dass ich wieder einmal durchgehalten habe.
Ich entdecke den Sport für mich auf diese Weise noch einmal neu und erkenne, dass es ohne Ziel, ohne Energie nicht geht. Das zu wissen, das ist das eine.
Es umzusetzen, das verursacht Schmerzen in den Armen, in den Beinen, im Rücken.

Wenn ich weiter durchhalte und endlich konsequenter daran gehe, dass Essen umzustellen, dann verliere ich auch an Gewicht, langsam zwar, aber immerhin.

Ich schwanke. Soll ich noch auf das Laufband gehen? Während ich das denke, habe ich mich schon dahin begeben.

Ich steige auf, tippe auf ‚Start‘ und trottele los. Allmählich werde ich schneller. Es sind erst zwei Minuten vergangen. Noch 28 Minuten. Wie soll ich das schaffen?

Eine halbe Stunde später:

Ich steige verschwitzt, vollkommen fertig vom Band herunter.
Insgesamt war ich heute zwei Stunden im Studio. Wer mich ansieht, der glaubt mir das nie.

„Ne, alles klar, mein Dicker“, werden die anderen sagen, denen ich es erzähle.
Aber ich spreche kaum noch darüber.
Ich steige zufrieden ins Auto und fahre aus der Tiefgarage raus.

Ja, und morgen? Morgen, kurz vor sechs Uhr steuere ich wieder das Tor zum Parkdeck an.

Ich will es keinem beweisen, nur mir selbst.

DIE SHOW BEGINNT AUF DEM LAUFBAND

So begeistert du von deinen Aktivitäten auch berichtest – hinterher, versteht sich -, so frustrierend ist es, wenn noch alles vor dir liegt.

Montag, kurz nach 06.00 Uhr. Ich steige auf das Laufband. Was mich motiviert sind die neuen Laufschuhe, die wir am Freitag davor gekauft hatten.

Da habe ich noch geschwelgt, wie toll das alles wird. Jetzt schaute ich vom Laufband durch das geöffnete Fenster auf die Straße. Es war noch dunkel, Autos brettern unten vorbei, in Richtung Mitte.

Ich beginne langsam. Die ersten fünf Minuten steigere ich allmählich die Geschwindigkeit, bis ich bei Stufe ‚5‘ angekommen bin.

So laufe ich, bis ich zehn Minuten rumgekriegt habe. Jetzt steigere ich auf 7. Ich muss schneller werden, die Beine flotter bewegen, schneller als beim üblichen Nordic-Walking-Tempo.

Ich werde todesmutig und gebe eine Steigung des Laufbandes ein. Es ist ziemlich steil, als ich den Wert ‚15‘ eingegeben habe.
Ich keuche, stampfe auf dem Laufband umher, kriege Angst, dass ich herunterfalle.

Ich fahre die Steigung zurück und die Geschwindigkeit ebenfalls.
Die Luft wird knapp und ich versuche mich zwischen 15 und 20 Minuten zu erholen, indem ich auf dem Niveau von ‚5‘ bei der Geschwindigkeit bleibe.

20 Minuten sind erreicht. Ich beschließe, die Geschwindigkeit wieder auf ‚7‘ hochzufahren und solange auf dem Niveau zu laufen, bis ich zwei Kilometer erreicht habe.

Jetzt bin ich in Hochform. Ich laufe im Rhythmus der Musik mit, die ich mir unter normalen Umständen nie anhören würde. Aber hier passt sie, ich schwinge mit den Hüften mit.

In der Fensterscheibe, die für mich als Spiegel funktioniert sehe ich, dass hinter mir auf dem Laufrad eine junge Frau läuft.
Ich stelle sofort wieder das Wackeln mit der Hüfte ein und stapfe so vor mich hin.

Endlich: 2 Kilometer sind erreicht. Ich fahre die Geschwindigkeit auf ‚5‘ zurück und laufe, bis dreißig Minuten vorbei sind. Ich kann es nicht glauben, dass eine halbe Stunde geschafft ist.

Ich steige ziemlich verschwitzt, aber glücklich, vom Laufband.
Jetzt habe ich noch 17 Gerätetrainings vor mir. Halleluja. Ich hänge erst einmal über der Bizepsmaschine und atme noch schwer.

Den Gang entlang kommen weitere Fitness-Freunde voller Elan in das Studio hineingestürzt. Ich reiße mich zusammen und fange mit dem Training an. Ich werde das auch schaffen.

Und wenn der Text auf dem Blog veröffentlicht wird, ja dann stehe ich wahrscheinlich schon wieder auf dem Laufband.

‚The Show must go on‘.

NORDIC WALKING IM WALD – STILLE, BÄUME KNARREN, BLÄTTER RASCHELN

Montag, 05.55 Uhr. Ich stehe bereits auf dem Laufband im Fitness-Studio und ich drücke auf den Startknopf. Das Band setzt sich langsam in Bewegung und ich muss mich mitbewegen, ob ich will oder nicht. Ich denke an Samstag zurück.

Samstagvormittag, Schorfheide. Wir sind im Wald an unserer Stelle angekommen.

Ich stehe direkt vor einer Schranke, wo ein Waldweg reinführt. Autos dürfen dort nicht fahren. Zurecht. Ich laufe den Weg stets geradeaus entlang. Klara ist will etwas abseits davon im Wald nach Pilzen Ausschau halten. Wir wollen uns nach einer Stunde hier wieder treffen.

Es geht los, ich will vierzig Minuten laufen.
Zu Beginn ist immer noch ein wenig Lärm zu hören. Auf der einen Seite ertönt manchmal das Signalhorn der Regionalbahn und auf der gegenüberliegenden Seite des Weges hört man noch das Rauschen vorbeifahrender Autos.

Aber dann wird es zunehmend stiller, die Geräusche kommen jetzt direkt aus dem Wald. Vogelgezwitscher, Blätter rascheln, Bäume knarren.
Ich tauche ein in diese Stille und merke, wie gut mir das tut. Dabei hatte ich morgens gar keine Lust, in die Schorfheide zu fahren und zu laufen.
Allmählich habe ich meinen Rhythmus und innere Ruhe kehrt bei mir ein.

Ich muss daran denken, dass Finnland das „glücklichste Land der Welt“ ist.
Jedenfalls hat es die Auszeichnung bereits dreimal erhalten. Wir Deutschen liegen auf Platz 17, weit abgeschlagen.
(Vgl. Berliner Zeitung, 18.09.2020, Elise Landschek, S. 3)

Wieso ist das so?
Ich glaube, wir Deutschen sind zu verbissen in vielen Dingen.
Aber ein Grund ist offensichtlich auch, dass die Finnen sich in ihrer Freizeit sehr gern im Wald aufhalten.

„Der Wald ist unsere Kirche“, so lautet wohl eine finnische Redensart. (Vgl. ebenda)

Also gehe ich jetzt gerade auch in die Kirche, und ich genieße es in vollen Zügen.

Die Stille, die herrliche Luft, der leichte Wind, die schwankenden Baumkronen, das Gefühl, etwas Gutes für die Gesundheit zu tun, das hat was. Klara taucht auf und zeigt mir voller Stolz den Korb, angefüllt mit Maronen.

Die Musik im Fitness-Studio wird lauter und ich schrecke aus meinen Gedanken hoch.

Ich schaue auf Zeitanzeige auf dem Laufband – ich muss noch fünf Minuten durchhalten. Ich kriege gute Laune. Laufband ist auch gut. Und am nächsten Samstag, ja, da fahren wir wieder in die Schorfheide.

SCHNELL EIN PAAR GEDANKEN AUFSCHREIBEN

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO (42)

06.30 Uhr
Von siebzehn Geräten insgesamt habe ich sechs absolviert.
Wenn ich erst einmal die zehn geknackt habe, dann steigt meine Motivation.

Und trotzdem, es ist schon ein Phänomen, dass ich überhaupt hier sitze und trainiere.

Es kostet eine Menge Überwindung, und zwar immer dann, wenn du ganz allein für dich die Entscheidung treffen musst weiterzumachen. Kein Trainer ist da, der sagt: „Komm‘, nur noch elf Geräte. Du kannst dich also in dieser Situation auch dagegen entscheiden, dass du irgendetwas tust.

Das ist doch ein komisches Gefühl. Du könntest sofort aufhören und tust es nicht.

Was mir auffällt: Ich denke in dieser Zeit, so ab 06.00 Uhr viel frischer, einfach unkonventioneller.

Ich schreibe einfach drauflos, während ich hier auf der Bauchmaschine Platz genommen habe. Gut, dass ich trainiert habe, das kleine Telefon quer in die Hände zu nehmen und auf der Tastatur herum zu tippen.

Rings um mich herum sitzen ebenfalls Leute, die Pause machen und auf ihre Handys schauen.
Eigentlich ist das ja eine ‚Pest‘ – das Hantieren mit den Handys während der Fitness. Aber ich habe damit dann auch schon die halbe Miete drin und muss nicht mehr viel am Schreibtisch korrigieren.

Es soll ja ein Stenogramm bleiben, das lediglich ein paar Gedankenfetzen wiedergibt.
Ich mach‘ weiter mit dem Training.

MONTAG GEHT’S WIEDER LOS

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Samstag  06.05 Uhr.
Ich kann es nicht glauben, dass ich am Schreibtisch sitze.
Heute Morgen wäre wieder eine der wenigen Möglichkeiten gewesen, sich richtig auszuschlafen.

Aber was mach‘ ich stattdessen?
Ich wache gegen 03.45 Uhr auf, so wie an jedem Wochentag.
Ich drehe mich noch einmal um und will weiterschlafen.

„Du könntest jetzt schön aufstehen, in Ruhe einen Tee machen, dich ins Arbeitszimmer begeben und die nächste Woche vorbereiten.“
Ich wälze mich auf die andere Seite.

„Kommt gar nicht in Frage!“, sage ich zu mir.
Ich kann nicht weiterschlafen.
„Jetzt gib‘ dir einen Ruck und schieb deine Beine aus dem Bett“, sage ich wieder zu mir.

Und wie von selbst gesteuert, da sitze ich plötzlich im Bett.
Klara wird mich dafür hassen, und ich hasse mich auch.
Aber nun bin ich eben auf und der Tag nimmt seinen Lauf.

Am Montag, ja da klingelt kurz vor vier der Wecker. Da gibt es kein Entrinnen.

„Verdammte Scheiße!“, werde ich sage.
Ja, tut mir leid, aber das ist so brutal für mich, dass ich erst einmal fluchen muss.

Und zwei Stunden später dann, da sitze ich schon am ersten Gerät im Fitness-Studio.

„Ich hab‘ keine Lust“, werde ich jammern.
„Was mach‘ ich nur?“, frage ich mich dann weiter.
„Fang einfach an“, wird meine Stimme sagen.

Also werde ich anfangen.
Und dann verliert der Montag allmählich sein kaltes Gesicht.

DER FLUCH VOM WOCHENBEGINN

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Dreiviertel Vier klingelte der Wecker.
„Verdammt!“, fluchte ich und hievte mich ächzend aus dem Bett.
Ich setzte einen starken Kaffee an, um überhaupt munter zu werden, an diesem Montagmorgen.

Kurz vor sechs Uhr, Tiefgarage Fitness-Center.
Ich stieg aus dem Auto aus, setzte die Schutzmaske auf, nahm die Tasche mit den Trainingssachen in die Hand und begab mich zu den Treppen, die hinauf zum Ausgang führten.

Ich schnaufte und keuchte, als ich schließlich aus der Tür des Parkhauses herauskam.

Wenig später hockte ich auf dem Sitz des ersten Trainingsgerätes.
Ich mochte nicht anfangen.

„Du musst heute nur fünf Einheiten schaffen“, dachte ich bei mir. Ich ging mit mir sehr verständnisvoll um, in dieser Situation.

Als ich die fünf Geräte gepackt hatte, da sagte ich zu mir: „Los komm‘, eine Einheit schaffst du noch.“

Ich schaffte alle siebzehn geplanten Stationen, und ich ging im Anschluss aus dem Studio hinaus.

Die Sonne brach gerade durch die Wolken hindurch.
Ich spürte die Sonnenstrahlen im Gesicht und blinzelte mit zugekniffenen Augen in den Himmel.

„Geht doch“, dachte ich bei mir und begab mich auf den Rückweg.

AUDIO-BEITRAG
https://uwemuellererzaehlt.de/2020/09/08/stenogramm-2020-09-09/

 

 

 

DER ERSTE TAG NACH KNAPP VIER WOCHEN URLAUB

50 KILO ABNEHMEN-2020.09.01

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Gestern habe ich mich noch morgens gedrückt und bin nicht mit nach Berlin reingefahren.

Aber heute hatte ich keine Ausreden mehr. Es war anstrengend, und ich musste in den Gewichten heruntergehen, zum Beispiel am ‚Überzieher‘ von 45 kg auf 35 kg.

Von Station zu Station habe ich mir gut zugeredet: ‚Komm, du hast doch nur noch 16 Einheiten vor dir. Und guck‘ mal, da an der Trizepsmaschine, da sitzt jemand, die Station kannst du auslassen. Kannst du ja nix dafür.‘

Ich habe die einzelnen Geräte im Erinnerungstool des Handys aufgeschrieben. Der schönste Moment ist, wenn ich auf den Button ‚erledigt‘ tippen kann.

‚Also aufs Laufband, da brauchst du heute nicht‘, habe ich selbst zu mir gesagt.

Warum eigentlich nicht? Nur so, und: weil es der erste Tag nach dem Urlaub ist.

Der schönste Moment war, als ich wieder aus dem Studio herauskam, die Sonne schien und ich zur Tiefgarage ging.
‚Ein schöner Tag. Gut, dass du ihn so begonnen hast‘, dachte ich noch bei mir und klopfte mir innerlich auf die Schulter.

Mir fiel Krümel ein, die am Wochenende zu mir sagte: „Opa, ich ‚pomme‘ gleich zu dir, ich will nur noch das (Schoko) Ei essen.“
Ach, da geht mir doch das Herz auf, und den wichtigsten Teil am Tag habe ich auch schon geschafft. Jetzt muss‘ ich nur noch ein paar Kunden anrufen. Kriegen wir hin.

FITNESS-STUDIO – IM ALLTAG MACHT MICH DAS SCHON GLÜCKLICH

67 Jahre bin ich ohne Fitness-Studio ausgekommen. Aber heute, an meinem 68. Geburtstag, da bin ich nun schon über ein Jahr im JR-Studio im Prenzlauer Berg, trainiere täglich, meist ganz früh, wenn noch nicht so viel los ist.

Auch heute Morgen war ich da, allerdings nicht lange, ich hatte noch zu viel zu tun, so kurz vor meinem Urlaub.
Es war mir wichtig, meinen Geburtstag genauso zu beginnen, wie ich es jeden Tag tue, nämlich mit dem Muskeltraining an der Bizepsmaschine.

Wenn ich daran zurückdenke, wie ich angefangen habe, es muss im Juli vergangenen Jahres gewesen sein, dann bin ich doch ein bisschen stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe.

Nur mit dem Abnehmen, da hapert es noch. 11 kg sind zwar runter, aber ich wiege immer noch zu viel, viel zu viel. Ich sehe, dass ich an dieser Ecke noch viel Energie und Willen aufbringen muss.

Doch wenn ich mich zurückerinnere, wie ich zum Beispiel vor gut einem Jahr mit schmerzverzerrtem Gesicht versucht habe, 15 kg an der Bizepsmaschine zu bewegen, und wenn ich dagegen heute sehe, wie ich bereits mit 25 kg beginne und mit 35 kg im dritten Durchgang aufhöre, dann sehe ich schon eine Entwicklung.

„Sieh mal, wie leicht ich jetzt den Einkaufskorb hochhebe, ohne zu keuchen“, sage ich zu meiner Frau und die schmunzelt und fragt: „Und wieso hast du nicht schon mehr Muskeln?“

Ich glaub‘, ich muss mir wohl ab und an ein paar Eiweiß-Shakes aus dem Automaten holen, aber da weiß ich wieder nicht so richtig, wie das geht. Doch das kriege ich auch noch in den Griff.

Was hat sich verändert, seit ich morgens ins Fitness-Studio fahre, nachdem ich meine Frau im Zeitungsviertel abgesetzt habe?
Du kannst mit noch so schlechter Laune durch die Tür gehen, du bekommst gute Laune, nachdem du anderthalb Stunden an den Geräten warst und danach vielleicht noch auf das Laufband steigst.
Die Musik, die spielt, die Tatsache, dass du dich anstrengst, während andere das auch tun und sich so unmerklich ein imaginärer Teamspirit entwickelt, das macht es aus.

Die Rhythmen, die aus dem Lautsprecher kommen, die mochte ich anfangs gar nicht, aber jetzt, da pushen sie mich.
Als ich heute Morgen den Gang entlanglief, um zur Umkleidekabine zu gelangen, da traf ich auf Kalle, den Allrounder.
Er grüßte mich fröhlich, winkte und wir haben einen kurzen ‚Schwatz‘ gemacht.

Ich finde ihn klasse. Er ackert, läuft wie ein Bienchen hin- und her und hat trotzdem noch Zeit für ein Späßchen, ein nettes Wort.

Im Stillen denke ich oft: „Gott sei Dank musst du hier nicht wischen, die Desinfektionsmittel nachfüllen, ständig auf Achse sein!“
Da sitze ich doch lieber an einem Gerät und quäle mich dort im überschaubaren Rahmen.

Überhaupt finde ich, dass das Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das JR-Studio sauber halten, einen verflucht guten Job machen. Ich grüße jede Mitarbeiterin oder jeden Mitarbeiter, wenn ich morgens an ihnen vorbeigehe.

Weil ich Aufmerksamkeit haben will? Nein, ich will auch meine Ruhe, wenn ich trainiere. Aber es ist meine Art, Danke schön zu sagen, ihnen gegenüber meine Wertschätzung zu zeigen – für ihre tolle Arbeit, die sie leisten, gerade in der schweren Zeit von Corona.

Vielleicht denkt mancher, der das liest: „Na, nun übertreib‘ mal nicht, schließlich bezahlen wir für diese Leistung, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen bekommen es ja auch entlohnt.“
Das ist schon richtig. Aber man kann ja seine Arbeit so oder so verrichten.

Du kannst mal eben lustlos aufwischen, die Geräte putzen, die Fenster saubermachen, saugen und du kannst es wiederum mit viel Engagement tun.
Ich glaube, diejenigen, die ich bisher gesehen habe, die ackern richtig für ihr Geld.

Ich fühle mich jedenfalls sehr gut aufgehoben in diesem Studio, weil die Hygieneregeln stimmen, es sehr sauber ist.

Ich bin ja nicht gerade der typische athletische Sportsmann, der dort morgens aufschlägt – mit Bauch, hängenden Schultern, und überhaupt bin ich schon eher der Prototyp des „alten Sacks“.
Das klingt vielleicht hart, trifft wohl aber den Kern der Beschreibung, wenn ich mich selbst einschätzen müsste.

Aber das Training im JR-Studio im Prenzlauer Berg macht mich reich, mental und körperlich.

Ich rufe morgens meine Frau aus dem Auto an, nachdem ich wieder aus der Tiefgarage herausgefahren bin und ich ihr sage, dass ich mit viel Power dem Schreibtisch entgegenstrebe.

Sie staunt jedes Mal, wie ich als Morgenmuffel um vier Uhr starte und ein paar Stunden später als Energiepaket aus dem Studio komme, gut gelaunt, mit vielen Ideen, und der Gewissheit, dass ich die wichtigste Tagesaufgabe bereits erledigt habe.

Ich fahre jetzt an die Ostsee, aber in vierzehn Tagen, ja da steige ich wieder in der Tiefgarage aus dem Auto, bin schlecht gelaunt, mental am Boden, und dann gehe ich durch die Eingangstür, sehe Kalle winken, erkenne, wie fleißig vielleicht eine Mitarbeiterin am Saubermachen ist, erkenne die ersten verschwitzten Gesichter von Teilnehmern an den Trainingsgeräten, höre die Klänge aus dem Lautsprecher, ja und dann tauche ich ein in die Welt von John Reed.

Nicht schlecht, finde ich. Wenn ich so darüber nachdenke: Eigentlich ist es das, was mich am Alltag glücklich macht.

Kalle, mach‘ weiter so, du bist ein guter Typ. Danke, liebes John Reed-Team vom Prenzlauer Berg.

GERADE FERTIG MIT DEM TRAINING

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Stenogramm von einem Tag vor dem Wochenende und dem Montag darauf, dem Wochenbeginn.

FREITAG, 31.07.2020
Ich bin gerade mit dem Training fertiggeworden und sitze auf einer Parkbank hinter dem Studio.
Piazza, Saarbrücker Straße;

In der Ferne dröhnt der Lärm von der Prenzlauer Allee herüber.
Ich will das schöne Wetter nutzen, um mir ein paar Eindrücke zu notieren.

Ich wollte heute nur eine Stunde trainieren, aber dann sind es doch fast zwei Stunden geworden; 16 Geräte habe ich absolviert; ich bin selbst beeindruckt; der Hinterhof hier hat so etwas Dörfliches; gerade hat eine Krähe geschrien, und auf der anderen Seite fährt ein Moped knatternd davon; ich habe heute einen Sportsmann beobachtet, der zwei Handtücher mithatte und damit gleich zwei Plätze belegte; sehr egoistisch; desinfiziert hat er die Geräte auch nicht, an denen er trainiert hat.

Naja, ich wollte mich nicht ärgern, schließlich steht das Wochenende vor der Tür.

Montag, 03.08.20
Wochenanfang.
Ich sitze in der Ecke des Sportstudios nach zwei Stunden und 15 Minuten Training, und ich bin total durchgeschwitzt.

Mir ist es heute früh besonders schwergefallen und ich wollte bereits nach jedem Gerät mit den Übungen ganz aufhören, aber wie von Geisterhand getrieben: Ich habe immer weiter gemacht.

‚Auf das Laufband gehst du heute auf keinen Fall, das kannst du schon mal am Montag auslassen‘, sagte ich zu mir.

Und siehe da, ich stand zum Schluss doch auf dem Laufband und habe die Geschwindigkeit sogar ziemlich nach oben getrieben, sodass ich dachte, ich würde gleich herunterfallen.

Ich habe mich damit motiviert, dass ich in den letzten fünf Minuten schön langsam laufen und so den Sauerstoff tief einatmen kann; konnte ich allerdings nicht, weil ich vor Erschöpfung fast vom Band gefallen wäre, so war ich außer Atem.

Jetzt habe ich die Füße von mir gestreckt und schreibe ein wenig auf dem iPhone und bin glücklich, dass ich durchgehalten habe.
Morgen – wieder der gleiche Kampf gegen meinen inneren Schweinehund. Mal sehen, wer gewinnt.

DIE LAUNE BESSERT SICH

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Montag, 5.52 Uhr: Ich fahre in die Tiefgarage an der Prenzlauer Allee ein, steige aus, binde mir den Mundschutz um und keuche die Treppen rauf.

Ich kriege kaum Luft unter der Maske.
Wieso bin ich eigentlich nicht besser trainiert beim Treppensteigen, wenn ich schon fünfmal in der Woche hierher gehe?

Ich verstehe es nicht. Wahrscheinlich muss ich doch mehr an der Ernährungsfront agieren.

Am Samstag haben wir zum Kaffee ein Stück ‚Frankfurter Kranz‘ gefuttert. Lecker, aber das konterkariert natürlich wieder alles. Wahrscheinlich ist die gesamte Trainingswoche ist im Kuchen erstickt.

Gestern noch einmal zum ein Stück Apfeltorte, schön groß.
Alles verputzt. Und jetzt schnaufen.

„Ab sofort lasse ich den Kuchen weg. Keinen Kuchen mehr, wenig Süssigkeiten, am besten, du kaufst gar nichts mehr“, sage ich heute Morgen auf der Fahrt nach Berlin rein.

Klara antwortet nicht. Sie denkt wahrscheinlich an den vergangenen Mittwoch, als ich immer wieder in die Tüte ‚Russisch Brot‘ gegriffen habe.

Eigentlich hatte sie die Kekse für Krümel gekauft, aber die wollte die gar nicht so richtig. Also habe ich zugelangt, und zwar kräftig.

Ich schaue im Auto zu Klara rüber und sage: „Auch keine Torte zum Geburtstag, keinen Sekt!“

Klara schweigt weiter beharrlich.
Jetzt sitze ich endlich auf dem Platz an der Bizepsmaschine und puste. Ich muss mich erst einmal erholen. Es ist fast keiner da. Wo sind die alle? Urlaub? Wahrscheinlich.

Meine Stimmung ist auf der Skala von 1 bis 10 bei Minus 1.
Ich fange an und arbeite mich von Gerät zu Gerät weiter. Zwischendurch wische ich die Geräte ab. Manche machen das gar nicht. Also wische ich vorher und hinterher, und das nervt.

Eine Stunde ist vergangen und meine Laune bessert sich.
Nach anderthalb Stunden bin ich mit den Geräten durch, und ich wende mich dem Laufband zu.

Ich reiße dort noch einmal 30 Minuten ab und schaffe etwas mehr als 2 km. Immerhin.

Ich bin durchgeschwitzt. Egal, es ist geschafft. Als ich aus dem Studio herausgehe, schaue ich nach rechts zu dem Gebäude.

Dort steht `Piazza‘ über dem Eingang, in den einige junge Leute hineinhetzen.

Ich bin froh, dass ich wieder aus Berlin herauskann. Auf der Rückfahrt höre ich Schlagerradio.

Der Moderator ‚Normen‘ hat morgens schon immer so verflucht gute Laune.

Naja, muss er ja auch; steht bestimmt in seinem Vertrag. Aber ich mag ihn.

Nur die Schlager, die nerven mich manchmal. Ich stecke den Musikstick in den Schlitz des Autoradios. Bianca ertönt.

„Hörst du die Glocken läuten?“, singt sie. Oh ja, ich höre sie und freue mich auf meinen Schreibtisch, auch wenn das wieder Arbeit heißt.

Aber die erste Schicht mit zwei Stunden und zehn Minuten habe ich absolviert.
Da kannst du doch nicht meckern.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Montagmorgen. Es ist sechs Uhr und ich sitze an der Bizeps-Maschine – ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Wochenende endgültig Geschichte ist und der Alltag sein graues Gesicht zeigt.

Es ist bereits stickig und schwül um diese Zeit und ich habe Mühe, mich in Form für die Übungen zu bringen.

Ich gebe mir einen Ruck und fange einfach an, erst mit 20 kg, dann mit 25 und schließlich mit 30 kg.

Ich gehe nacheinander die Geräte durch, versuche nicht groß darüber nachzudenken, warum ich mir das alles so früh antue.

Nach einer Stunde bin ich richtig in Form und trainiere jetzt mit viel Schwung. Einige Teilnehmer gehen schon wieder zur Tür raus, obwohl sie viel später gekommen sind als ich.

Aber ich habe viel nachzuholen, kämpfe immer noch mit meinem Übergewicht. Also muss ich schon die ‚Extrarunden laufen.
Anderthalb Stunden sind um, die Geräte abgearbeitet und ich begebe mich zum Laufband.

Ansonsten bin ich in den vergangenen Tagen noch vom Studio bis zum Liepnitzsee durchgefahren und habe dort meine 50 Minuten abgerissen.

Heute werde ich nur 30 Minuten auf dem Laufband laufen. Ich finde es besser, dass ich gleich im Studio meinen Lauf absolviere, weil ich so an einem Stück das Training beenden kann.

Ich beginne verhalten, steigere mich aber immer mehr. Ich habe Frodeno vor Augen – wie der trainiert und denke, dass ich nicht aufgeben darf, bevor wenigstens eine halbe Stunde rum ist.

Endlich, es ist geschafft. Schweißperlen haben sich unter meiner Mütze auf der Stirn gebildet und sie laufen an mir herunter. Ich muss erst einmal das Gesicht mit dem Handtuch abtrocknen.

Unten in der Tiefgarage habe ich noch ein Bein draußen, als ich ins Auto steige. Ich muss mich überwinden, das Bein nachzuziehen, so fertig bin ich.

Ich fahre auf die Prenzlauer Promenade. Im Radio ertönt ein Schlager. Ich brumme die Melodie leise mit.

Ich bin zufrieden und mich durchströmt ein gewisses Glücksgefühl und denke: „Ja, deshalb machst du das!“.
Morgen dreht sich das Motivationskarussell wieder von vorn.

SICH ÜBERWINDEN – JEDEN TAG NEU

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO
Sich überwinden heißt Energie aufbringen, die dich ins Handeln bringt.

Aufstehen: „Es ist 3.52 Uhr“, sagt Klara zu mir.
„Na und, was hab‘ ich damit zu tun?“, denke ich sofort, sage aber nichts.

Dann gebe ich mir einen Ruck, richte mich auf und schwenke die Beine nach außen.

„Schmeiß die Beine wieder auf das Bett zurück“, sagt meine innere Stimme.

Aber dem Impuls gebe ich nicht nach, nein, ich lege die Bettrolle auf das Bett, da wo das Kopfkissen liegt, und damit ist das Aufstehen endgültig, nicht mehr zurückzudrehen.“

Und jetzt fangen die Routinen an, Zähneputzen, das Rasieren.
Dann folgt die Katzenwäsche, weil ich ja ohnehin zum Sport fahre.

Danach fühle ich mich schon besser, ich setze Kaffee auf, nehme einen Schluck und denke so bei mir: „Na bitte, geht doch“.

Manchmal ist es besser, am Anfang gar nicht groß nachzudenken. Fange ich erst damit an, dann frage ich mich, ob ich nicht auch eine Stunde später aufstehen könnte. Das müsste ja eigentlich auch reichen.

Und dann fängt die Abwärtsspirale an. Ich vergammele dann oft genug den gesamten Tag, arbeite nicht meine Aufgaben ab, fange irgendetwas an, lege es wieder beiseite, stehe auf, lese die Zeitung, gehe nach draußen und denke: „Ich könnte ja jetzt auch den Rasen mähen.“

Es hilft, wenn du eintrainierte Routinen hast, von denen du nicht abweichst, sie einfach nacheinander abarbeitest und dann fühlst du dich schon besser.

So fange ich ebenfalls beim Training an, ich lege sofort los, und erst danach kommt mir der Gedanke, dass ich mich gerade überwunden habe. Das löst bei mir den nächsten Energieschub aus.

Es ist nie leicht. Aber was ist schon leicht im Leben? Im Grunde gar nichts.
Nur wenige Dinge. Dafür hast du große Glücksgefühle, wenn du dich überwunden hast.

Gehe ich morgens aus dem Fitness-Studio und sehe auf dem Gelände die ersten Mitarbeiter einer gegenüberliegenden Firma rauchen und gelangweilt schauen, dann freue ich mich.

Ich habe das Gefühl, dass ich etwas ganz Wichtiges für meine Gesundheit getan habe.

Sich überwinden kostet Kraft, aber es lohnt sich, jeden Tag.

WAS MICH MOTIVIERT

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO
50 KILO ABNEHMEN (34)

Dienstag, 14. Juli 2020
Ich lese gerade das Buch von Jan Frodeno, obwohl er viel jünger ist als ich, motiviert es mich – vor allem sein Wille, Schmerzen zu ertragen, durchzuhalten.

Ich habe es als E-Book auf dem iPhone und zwischen den einzelnen Trainingseinheiten schaue ich mal rein.

06.09 Uhr: an Bizepsmaschine.
Ich nenne sie inzwischen den Muskelquäler.
Es ist immer das gleiche: sich überwinden, sich quälen, weitermachen.

Was motiviert mich?
Das Gefühl danach zu erleben, durchgehalten zu haben;
die Leute um mich herum, die sich ebenfalls an den Geräten quälen, die Musik, die mich antreibt; der Gedanke an das Glücksgefühl danach;

07.10 Uhr
letzte Station Brustpresse, der echte Höhepunkt, weil du weißt, dass danach Schluss ist.

07.20 Uhr
Ich sitze zum Abschluss noch im bequemen ledernen Sessel und freue mich, dass ich wieder einen Tag geschafft habe.

08.15 Uhr:
Ich bin am Liepnitzsee und absolviere noch 50 Minuten Nordic Walking, darunter einen Berg hochgelaufen;
Ich glaube, das Lesen im Buch von Jan Frodeno hat mich dazu getrieben.
09.20 Uhr
Ich fahre nach Hause, ins Homeoffice, der Schreibtisch wartet.

17.25 Uhr:
Ich schreibe noch diese Zeilen, aber ich bin eigentlich hundemüde und kann kaum noch denken, denn ich habe den Tag durchgearbeitet, telefoniert, geschrieben, gelesen.

Ich mach‘ Schluss.
Morgen früh dreht sich das Rad aufs Neue.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

50 KILO ABNEHMEN (33)
Vergangene Woche, Freitag. Es war voll auf den Straßen in Berlin. Ich kam zehn Minuten später an und habe dadurch eine Viertelstunde später als sonst üblich begonnen.

Das ist nicht unwichtig, weil es ein Viertel nach sechs Uhr schon voller ist, als genau Punkt sechs Uhr. Und die begehrte Bizepsmaschine ist dann manchmal schon besetzt.

Aber ich hatte Glück, denn sie war noch frei. Ich habe mit 20 kg angefangen, dann auf 25 kg gesteigert, und schließlich war ich bei 30 kg, die ich mit den Oberarmen hochgezogen habe. Ich musste die Zähne zusammenbeißen – vor Anstrengung und vor Schmerzen in den noch schwach ausgeprägten Muskeln.

Ich bin wohl doch noch ganz am Anfang. Manche stemmen 50 kg und mehr. Aber die Grimassen ziehe ich bei 30 kg genauso, als würde ich mit 50 kg ackern.

Danach war die Trizepsmaschine dran – gleich mit 45 kg begonnen. Das ging nur, weil ich die Gewichte nicht mit den Armen nach oben ziehen musste, sondern sie nach unten drücken konnte.

Aus den Boxen dröhnten Rap-Rhythmen; also die Art von Musik, bei der ich normalerweise gleich den Schalter auf einen anderen Sender drückte. Jetzt war die Schulterpresse dran.

Was habe ich notiert? „Da kannst du erst mal schön auf dem Sitz nach hinten rutschen und es dir bequem machen. Ich fange mal lieber an; zwei Trainingseinheiten absolviert; ich schaue nach oben, auf ein Bild, eher schon ein Gemälde, mit Engeln drauf; die haben’s gut, können sitzen und liegen, ohne etwas zu tun.“

Was stand danach in den Notizen? (Ich schreibe ja stets nebenher mit meinen zwei dicken Daumen auf dem iPhone.)

„Seithebemaschine; ich habe bisher immer Seitenhebemaschine gelesen; egal, ich muss mit den Armen beidseitig die Bügel nach oben bewegen; dabei den Rücken schön durchdrücken; vorher und nachher desinfiziere ich am Gerät alles, was ich anfasse; ich suche die Flasche mit dem Desinfektionsmittel; ein Sportsfreund hat sie mitgenommen und verwendet sie nur für sich; ziemlich egoistisch; dabei stehen zwei Flaschen zentral, weiter vorn auch, an der Seite ebenfalls, also kein Grund, jetzt noch egozentrischer zu handeln.“

Und weiter: „Butterfly Reverse- weiss der Teufel, was die Maschine bedeutet, hätte ich schon längst rauskriegen können, aber ich hasse sie jeden Tag wieder aufs Neue; die Arme werden zur Seite bewegt; ich schaffe es nur mit 20 kg; wirklich nur so wenig? Gut, bei gutem Willen mit 25 kg.

Ich habe an dem Tag sehr viel geschrieben: „Brustmaschine: Die liebe ich; ich kann nämlich mit beiden Armen die Hebel nach unten drücken; die Gewichte mit 45 kg gegen mein Körpergewicht; ratet mal, wer gewinnt?

Du sitzt wie auf einem Motorrad, beide Hände am Lenker, Harley Davidson zum Beispiel; nächste Station: Butterfly, hasse ich auch, aber ich absolviere die Einheiten.“

Was steht noch in den Notizen? „Latzugmaschine: erst enger mit den Händen oben an die Stange fassen, mit den Armen ziehen, dann wieder breiter fassen; jetzt Bauchmaschine: Du quälst dich, Bauch bleibt; Rückenstreckmaschine gut für den Rücken, weil ich zu lange am Schreibtisch sitze; jetzt noch mal an einer Bank für Rückenstrecker, diesmal aber die Beine hinter die Polsterung klemmen und Oberkörper soweit wie möglich nach vorn beugen.

Letzte Station für heute: Brustpresse; das Gerät steht vorn am Eingang; die Leute, die reinkommen, müssen hier vorbei; bei mir kommt Schadenfreude auf: Ihr müsst das alles noch durchlaufen.“

Das Resümee habe ich mir im gelben weichen Sessel gegönnt: „Ich fühle mich fantastisch; die Musik würde mich im Alltag nerven, aber hier pusht sie mich; ein gutes Gefühl, im Team zu trainieren und trotzdem machen können, was du willst.“

Montag beginnt der ganze Schlamassel von vorn.

TRAININGSEINHEITEN PROTOKOLLIEREN

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

50 KILO ABNEHMEN (32)

Protokoll, geschrieben auf dem Handy, während des Trainings und danach.
Ich wollte erst am nächsten Montag wieder ein Stenogramm schreiben, aber heute lief es so gut, dass ich mich gleich hingesetzt habe und das Protokoll aus dem iPhone bearbeitet habe. Das Schreiben in den Pausen gibt mir zusätzlich Power, weil ich dadurch sehe, wie viel Stationen ich schon absolviert habe. 
Ich bin von mir begeistert – naja, nur heute.

06.07 Uhr: 
Beginn an der Bizepsmaschine; 20 kg;
zweite Trainingseinheit mit 25 kg;
dritte Trainingseinheit mit 30 kg;
anschließend Butterfly mit 20 kg;
vorher Seitenhebemaschine mit 35 Kg;
heute ist es viel voller; Gespräche, Lachen; positiver Spirit;
Brustmaschine mit 40 kg begonnen;
zwei Hebel, die du seitlich nach unten drückst;

07.09 Uhr:
Zum zweiten Mal an der Bizepsmaschine, jetzt mit 30 kg;

und danach weiter an die anderen Geräte;

07.49 Uhr:
Ich sitze in der Ecke des Fitness-Studios und habe fast anderthalb Stunden an den Geräten trainiert.

Und nun? Die Füße schön weit weg von mir gestreckt, in einem gelben weichen Ledersessel.

Wenn ich daran zurückdenke, wie ich heute Morgen hier reingekommen bin und wie gut es mir jetzt geht, dann ist das doch erstaunlich, wie sich die ganze mentale Verfassung zum Positiven dreht, wie du das Gefühl bekommst, schon etwas Großartiges an diesem Tag getan zu haben.

Jetzt warte ich noch, dass ich meine neue Karte bekomme und dann werde ich mit einem richtig guten Gefühl nach Hause fahren.
Dort wartet der Schreibtisch.

Gestern habe ich gedacht, dass ich nicht zum Training fahren kann, weil ich so viel zu tun habe, Interview zum Beispiel vorbereiten.
Aber dann habe ich doch nur rumgegammelt, länger Zeitung gelesen, auf Twitter rumgesurft, Zeit vertrödelt.

Du bekommst einfach wieder schlechte Laune, weil du doch nichts geschafft hast.

Also: Lieber die schlechte Laune morgens überwinden, keine Ausreden zulassen, ins Auto steigen, losfahren, im Studio ankommen, einfach anfangen.

MOTIVATIONSLOCH

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

50 KILO ABNEHMEN (31)
Ich komme nicht aus meinem Motivationsloch heraus. Vergangenen Freitag habe ich im Studio notiert: „Ich sitze an der Bizepsmaschine und muss mich stark überwinden, endlich anzufangen. Mir fehlt die Power und der Wille.“

Irgendwie habe ich mich doch noch aus meinem Loch herausgezogen und mit dem Training begonnen. Später habe ich mich dann in einen Sessel gesetzt und ein bisschen geschrieben.

Du hast sofort ein schlechtes Gewissen, weil sich um dich herum alle quälen und du selbst sitzt im bequemen Sessel, hast die Beine lang von dir gestreckt und tippst auf deinem iPhone herum.

Gestern, am Montag, dachte ich, dass ich gar nicht in Gang käme.
Erst einmal habe ich aus lauter Lebensfreude am Samstagabend eine Flasche Weißwein mit meiner Frau getrunken, mit Erdbeeren drin.

Ach, es war ein Genuss. Gestern hatte Klara ein wunderbares Essen zubereitet und zum Kaffee gab es Eis mit Erdbeeren. Kein Sport, nicht gelaufen, nur auf der Couch gewälzt.

Und Montagfrüh an der ersten Station, der Bizepsmaschine.? Ein Horror.
Ich habe lange umhergeschaut, und dann habe ich mich überwunden.
Es ging schwer, sehr schwer. Doch allmählich kam ich in Gang. Aber irgendwie habe ich mich doch nur eine Stunde durchgeschleppt.

Das muss Morgen wieder anders werden. Ich bin bereit.
Aber warum wird es eigentlich nie leichter? Gott sei Dank geht es allen um mich herum so.

Also, ich höre auf zu jammern. Am nächsten Montag will ich wieder etwas Positives vermelden. Das wird schon. Bestimmt.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

50 KILO ABNEHMEN (30)

STENOGRAMM VON MONTAG, 29.06.2020

Ich habe von 05.55 Uhr bis 07.45 Uhr trainiert.

Der Grund, warum ich solange im Studio war: Manche Übungen habe ich nicht dreimal hintereinander absolviert, sondern sechsmal – pro Einheit immer 15 Übungen.

Dabei musste ich aufpassen, dass ich nicht doppelt zähle; also am Gewicht ziehen ist einmal und wenn es zurückgeht, dann habe ich schon zweimal die Übung absolviert, dachte ich mitunter.

Mein Unterbewusstsein betrügt mich hier manchmal, besonders dann, wenn die Muskeln schmerzen.

Aber ich bin für den Wochenbeginn sehr zufrieden und hochmotiviert.

Davon konnte heute vor vier Stunden, also kurz nach dem Aufstehen, noch keine Rede sein.

Ich fahre jetzt zurück und laufe noch 30 Minuten am Liepnitzsee.
Danach geht’s an den Schreibtisch, hoffentlich schlafe ich nicht ein.

STENOGRAMM – FITNESS-STUDIO

50 KILO ABNEHMEN (29-8)

03.41 Uhr:
Ich wache kurz auf, schaue auf die Uhr und kriege schlechte Laune.

05.42 Uhr:
Ich fahre in die Tiefgarage des Fitness-Studios „John Reed“ im Prenzlauer Berg.

Ich steige aus und höre das dumpfe Dröhnen der Gewichte, die über mir im Studio auf den Boden krachen.
Meine Laune ist immer noch schlecht. Ich schleppe mich die Treppen hoch, gehe durch den Eingang des Studios.

Die Glastüren schwenken nicht nach innen, sodass ich mit der Karte nicht reinkomme. Ich muss warten, bis ich eine Ersatzkarte bekomme.

„Was tue ich mir bloß an?“, denke ich, während ich warte.
Endlich. Ich kann durch, gehe nach unten in die Umkleidekabinen, um die Tasche abzustellen. Umziehen dürfen wir uns wegen Corona nicht, sondern du musst gleich in Sportzeug kommen.

Ich gehe nach oben und setze mich an die Bizepsmaschine.
„Soll ich mit 30 kg oder 25 kg anfangen?“, geht mir durch den Kopf.
Ich fange mit 20 kg an. Im rechten Arm zieht ein stechender Schmerz durch.

Ich mache trotzdem weiter, erhöhe auf 25 kg.
Anschließend gehe ich zur Bauchbank. Es fällt mir sagenhaft schwer, die Beine freischwebend hochzuheben und wieder langsam abzusenken. Insgesamt mache ich das 45 Mal.

Ich gehe danach zum Rückenstrecker, beuge mich nach vorn und richte mich wieder auf. Die Musik wird lauter, ich bin warm geworden, meine Laune bessert sich.

Insgesamt trainiere ich eine Stunde und 25 Minuten.
Auf dem Rückweg schaffe ich es, aus der Tiefgarage herauszufahren, zwei Spuren zu überqueren und auf der dritten zu landen. Ich biege nach links ab, es ist grün.

„Donnerwetter!“, denke ich. Auf jeden Fall ein gutes Omen für den Wochenbeginn.

„Soll ich noch zum Liepnitzsee weiterfahren und meine dreißig Minuten Nordic Walking abreißen? Nein. Ich fahr‘ nach Hause und sprenge den Garten“, sage ich zu mir.

Ich rufe Klara an: „Du, ich gieße jetzt gleich die Blumen und Sträucher.“

„Brauchst du nicht, das können wir heute Abend zusammenmachen!“, antwortet sie.

„Mist, jetzt muss ich doch noch laufen“, denke ich bei mir.
Ich laufe die 30 Minuten und fühle mich wie ein Hochleistungssportler. Nur, dass der wohl nicht so eine dicke Wampe hat wie ich.

Naja, das wird auch noch. Für heute habe ich es erst einmal geschafft.

Ich trinke auf dem Parkplatz am Liepnitzsee meine Flasche Wasser aus, rieche den Waldboden, schaue in das Grün der Blätter und denke: „Was soll heute noch passieren?“

 

 

ÜBERWINDE DICH

STENOGRAMM – FITNESS-STUDIO

50 KILO ABNEHMEN (29-7)

„Ich glaub‘, ich fahre morgen früh nicht mit rein!“, habe ich gestern Abend zu Klara gesagt.

„Warum nicht, ich denke, du willst jetzt durchziehen?“, fragte sie mich.

„Ja, aber ich habe so viel zu tun. Der Text für den Pflegedienst muss fertig werden und verschiedene andere Projekte muss ich jetzt endlich anschieben“, antwortete ich.

Sie schwieg und sagte nichts. Ich auch nicht.

Heute, 03.50 Uhr. Der Wecker vom iPhone surrte. Ich stelle ihn so, dass ich 10 Minuten früher aufstehe, um noch in Ruhe einen Blick in die Zeitung werfen zu können.

‚Bleib‘ einfach liegen!‘, sagte eine meiner inneren Stimmen.
‚Ja, bleib‘ liegen‘, meinte die andere ebenfalls.

‚Du Lusche, du redest dich doch schon wieder raus, um dich nicht überwinden zu müssen‘, meinte die dritte Stimme.

Obwohl es klar 2:1 stand, gab ich mir trotzdem einen Ruck und schnellte aus dem Bett.

Ich war bereits ein Viertel vor Sechs am ersten Gerät.

„Wie soll ich das bloß anderthalb Stunden durchhalten?“, dachte ich bei mir und ging zum nächsten Gerät.

„Am besten, du machst einfach weiter und denkst nicht nach“, sagte ich mir.

Eine knappe Stunde später wurden die Leute mehr, die zur Tür des Studios hineinkamen, die Musik wurde lauter und ich dachte, dass ich bereits über die Hälfte der Trainingszeit geschafft hatte.

Ich trainierte über 1, 5 Stunden und fragte mich beim Hinausgehen, wie das wohl morgen früh werden würde?

Ich fuhr noch weiter bis zum Liepnitzsee und lief dort 30 Minuten. Das tat ich, weil ich nicht mehr aufs Laufband im Studio ging.

Das Nordic Walking war meine Belohnung. Ich nahm den Duft der Kiefern auf, der Blätter an den Sträuchern und atmete tief ein.
Irgendwie war das Luxus für mich.

Nur bekam ich ihn nicht umsonst.
Die Währung, mit der ich bezahlte, lautete: ‚überwinde dich‘.

LUSTLOS

STENOGRAMM – FITNESS-STUDIO

05.48 Uhr - Ticket im Parkhaus gezogen, nach oben geschleppt, lustlos, ohne Motivation.
Drinnen: laute Musik, so wie in einem angesagten Club, also da, wo ich nie hingehe.

 

Die Rhythmen treiben mich an, mit den Übungen zu beginnen.
Ich fange mit der Bizepsmaschine an – ich schaffe ziemlich zügig dreimal hintereinander 15 Übungseinheiten; ich gehe zur Bauchbank rüber, vorher wische ich noch mit einem Lappen, durchtränkt mit Desinfektionsmittel, die Bizepsmaschine ab.

Ich gehe vor der Übung mit dem Lappen über das Trainingsgerät und hinterher noch einmal. Die könnten mich hier einstellen – als flinken, dicken Putzteufel.

An der Bauchbank: Was bei den Übungen im Weg ist, das ist der Bauch.

Ich greife zum Telefon, denn Krümel hat mir mit leiser Stimme was draufgesprochen: „Hallo Opa, ich bin’s, …Krümel, ‚t…nier‘ schön, Opa“.

Meine Laune steigt um 100 Prozent; jetzt bin ich drin, schnaufe, und ich steigere mich in der Intensität.

Zum Schluss, gegen halb acht: Ich nehme meine Sportasche auf, und: Ich winkle sie an und gehe etwas breitbeinig aus dem Studio, so wie ‚Meister Propper‘ vielleicht.

Draußen brettert eine junge Frau auf einem Roller mit hoher Geschwindigkeit und sie selbst mit ziemlichem Übergewicht an mir vorbei.

Ich mache mir Sorgen um den E-Roller, auf dem sie steht.

‚Die sollte hier auch mal halten und reingehen‘, denke ich bei mir.

Aber meine inneren Stimmen schreien gleich auf: ‚Jetzt werd‘ mal nicht gleich wieder überheblich, Dicker, nur, weil du ein paar Mal ein paar Eisen bewegt hast.“

Ja, ja, stimmt schon; aber ich bin trotzdem glücklich, dass ich mich überwunden habe.

Morgen früh? Das gleiche Spiel, na klar.

WIE EIN TIGER IN DEN WOCHENANFANG GESTÜRZT

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

04.00 Uhr aufgestanden, 05.00 Uhr ins Zeitungsviertel in Berlin-Mitte gefahren, Klara abgesetzt;

zurück zum Prenzlauer Berg, ins Fitness-Studio; anschließend zum Liepnitzsee und 50 Minuten gelaufen;

Hund George, den Boxer, unterwegs gegrüßt, zurückgefahren, geduscht, mit Power an den Schreibtisch gesetzt.

Und jetzt?

Ich bin müde, ich mag keine Sätze schreiben, ich mach‘ Pause und esse Rührei zum zweiten Frühstück.

Jetzt bin ich richtig müde.

Ich glaub‘, ich verschieb‘ die richtige Arbeit auf Morgen.

Heute plane ich nur, denn das gibt ein gutes Gefühl.

DER WEG BLEIBT FÜR LANGE ZEIT MEIN ZIEL

INTERVALLFASTEN

50 KILO ABNEHMEN (28-6)

Zum Ergebnis: Ich habe 1,4 kg abgenommen, in der Zeit von Freitag, den 22.05.2020 bis Freitag, den 29.05.2020.

Bei 121,9 kg habe ich begonnen und am letzten Freitag vor Pfingsten wog ich 120,5 kg.

Aber ich habe es übertrieben. Ich habe nämlich 36 Stunden gar nichts gegessen und wäre beim Rasenmähen bald umgekippt.

Außerdem bekam ich starke Gallenbeschwerden, sodass ich abends, einen Tag vor Pfingsten, in die Notaufnahme musste.

Der Weg ist richtig, das Ziel stimmt.

Jetzt muss ich nur noch daran arbeiten, dass der Weg auch für sehr lange mein eigentliches Ziel sein wird, und darauf muss ich mich einstellen.

Also nicht übertreiben mit dem Fasten und dennoch dranbleiben.

WOCHENBILANZ – FASTEN

50 KILO ABNEHMEN (5-28)

Zum Ergebnis: 
Ich habe 1,8 kg geschafft, gemessen von Freitag zu Freitag.
Am 15.05.2020 wog ich 123,7 kg und am 22.05.2020 121,9 kg.

Hätte ich noch mehr schaffen können?
Ja, hätte ich.

Woran lag’s?
Zum einen habe ich nicht immer konsequent die 16:8 Regel eingehalten, also 16 Stunden fasten und 8 Stunden etwas essen.

Und zum anderen habe ich dann, wenn ich essen durfte, zu viel auf einmal in mich hineingestopft – vorsorgen für die Zeit danach.

Insgesamt: Weniger Ausreden, mehr auf die Regeln achten, disziplinierter sein.

DIE WOCHE BEGANN BEI MIR MIT EINEM FASTENTAG


50 KILO ABNEHMEN (28-4)
INTERVALLFASTEN (4)

Seitdem ich mit dem Intervallfasten begonnen habe, spüre ich immer mehr, dass ich wacher und aufmerksamer bin, mich insgesamt besser fühle, wenn ich mal mit dem Essen für eine geraume Zeit aussetze.

Montagfrüh gab es bei mir lediglich Tee zu trinken, und es gab nichts zu essen. Muss ich mich anstrengen, das bis dienstagfrüh durchzuhalten? Ja, schon, alles andere zu behaupten, das wäre unehrlich von mir.

Aber ich habe gute Gründe, das nach dem letzten Wochenende zu tun. Ich habe mal wieder über die Stränge gehauen, Kuchen mit Schlagsahne gegessen, mittags und abends kräftig zugelangt.

Krümel und Laura hatten uns unverhofft besucht und da sitzt man in gemütlicher Runde um den Tisch, ist weniger streng zu sich selbst. Deshalb bin ich am Montagmorgen gar nicht erst auf die Waage gestiegen, sondern ich habe mir sofort die Beschränkung im Essen für den gesamten Tag auferlegt.

Damit ich mich zusätzlich besser motivieren kann, habe ich mir das Kapitel ‚Die heilsame Wirkung des Fastens von der Antike bis heute‘ von Prof. Andreas Michalsen vorgenommen.
(Vgl. dazu: Prof. Dr. Michalsen: ‚Mit Ernährung heilen. Besser essen, einfach fasten, länger leben. Neuestes Wissen aus Forschung und Praxis‘, Inselverlag; Kapitel: ‚Die heilsame Wirkung des Fastens von der Antike bis heute‘, E-Book;)

Es ist unglaublich für mich, wie lange es alle diese Erkenntnisse schon gibt, und ich sie trotzdem ignoriert oder wenigstens nicht in genügendem Maße berücksichtigt habe. Mark Twain hat bereits darübergeschrieben, dass manchmal das Fasten die besten Arzneien und Ärzte ersetzen kann.
(Vgl. ebenda)

Andreas Michalsen erläutert für mich gut nachvollziehbar, dass die Methode des Fastens in der Geschichte der Menschheit weit zurückreicht.

Das Wechseln von Nahrungsaufnahme hin zum Verzicht auf Essen, das reicht über 100 000 Jahre zurück.

Erst mit dem sich entwickelnden Ackerbau und der Viehzucht vor ca. 12 000 Jahren wurde regelmäßiger Nahrung aufgenommen. Und trotzdem, der Stoffwechsel des Menschen hat sich ja kaum verändert, und das seit über Einhunderttausend Jahren.
(Vgl. ebenda)

Mit den aufstrebenden Industrieländern in der Mitte des letzten Jahrhunderts veränderten sich unsere Ernährungsgewohnheiten gravierend, und das nicht zum Besen, wie ich selbst am eigenen Leib verspüre.

Da bin ich ‚Täter und Opfer‘ in einer Person.
Warum? Nun, weil ich natürlich über Jahre und Jahrzehnte der verführerischen Seite des genussvollen Essens erlegen bin, und andererseits, weil sich die Gene und der Stoffwechsel des Menschen ja kaum verändert haben.
(Vgl. ebenda)

Das bringt natürlich die Krankheiten mit sich, die eine moderne Zivilisation aufzubieten hat – Übergewicht, Bluthochdruck zum Beispiel.

Fasten stärkt die Gesundheit. Darüber sind sich die Experten einig. Wie man es am besten anstellt, eine Weile zu hungern, nichts zu essen, zu welchen Zeiten man das tun sollte, und wie man Nahrungsverzicht auf der einen Seite mit gesunder Ernährung auf der anderen Seite verknüpft, das kann man meiner Meinung nach in der ‚Fasten- und Ernährungsfibel‘ von Prof. Michalsen sehr gut nachlesen.

Ich lese weiter darin, und ich arbeite daran, dass das Wissen bei mir nicht ‚totes Kapital‘ bleibt.

FASTEN BEGINNT MICH ZU FASZINIEREN

INTERVALLFASTEN
50 KILO ABNEHMEN (28-3)Fasten, Intervallfasten im Besonderen, zieht mich immer mehr in seinen Bann.
AKTUELLER STAND VON FREITAG, 15.05.2020: 
123,7 kg. 
Montag waren es noch 126,1 kg. Das sind also 2,4 kg weniger gegenüber dem Wochenanfang. Aber die große Bewährungsprobe kommt noch: das Wochenende. Doch jetzt bin ich erst einmal glücklich, dass ich durchgehalten habe.

Als ich in der vergangenen Woche damit erneut begann, war ich vorher auf der Waage. Ich hatte wieder zugenommen.
Das war schon ein Schock für mich, denn ich war ja bereits vor einem Jahr viel weiter gewesen.

Doch nun muss ich nach vorn schauen.
Ein Weg, mit dem ich mich selbst ‚überliste‘ ist, dass ich anfange, mich in Literatur zu diesem Thema ‚einzugraben‘. Es wird viel geschrieben, und es gibt eine Menge an Büchern dazu.

Das ist nicht erstaunlich, wenn du dich näher mit diesem Phänomen befasst, denn gefastet wird seit Jahrhunderten, noch dazu in allen Glaubensrichtungen.

Warum also beginne ich so spät damit, mich intensiver mit dieser hochinteressanten Thematik zu beschäftigen?

Ein wichtiger Grund ist, dass ich eben in der Zeit von Corona wieder enorm zugelegt habe. Ich sitze faktisch noch mehr am Schreibtisch als jemals zuvor, und ich fahre morgens nicht mehr ins Fitness-Center.

‚Du kannst noch weiter herumjammern oder du fängst endlich an, etwas zu tun‘, würde meine innere Stimme Draufgänger sagen.
Draufgänger hat recht. Und so habe ich einfach angefangen, ohne groß zu überlegen. Erst einmal halte ich die 8:16 Regel ein, also 8 Stunden etwas essen und 16 Stunden eben nichts.

Und so merke ich, dass ich mich schon schlanker fühle. Gut, dieses Gefühl ist sofort wieder verschwunden, wenn ich mich seitlich im Spiegel betrachte.

Aber ich merke, dass ich wacher bin, energiegeladener. Und irgendwie macht mich das Intervallfasten demütiger. Ich will noch so viel schaffen, schreiben, mit Krümel herumtoben.

Doch was nützen deine Vorhaben, wenn du vorher vom Stuhl fällst oder der unter deinem Gewicht zusammenbricht? Das muss ich verhindern. Ich bleib‘ dran.

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SCHNAPSTORTE HAT NICHTS MIT FASTEN ZU TUN

INTERVALLFASTEN
50 KILO ABNEHMEN (28-2)
Kurz vor dem Wochenende, sagte Klara zu mir, dass sie gern mal wieder ein Stück Schokoladentorte essen würde. „Oh ja, am liebsten Schnapstorte", sagte ich daraufhin. Als wir am Freitag vom Einkaufen kamen, da packte Klara zwei Tortenböden aus.

„Wofür sind die?“, fragte ich sie.
„Na ich denke, du willst Schnapstorte haben?“

Ja, wollte ich, wenn ich ehrlich war. Aber wie passte das in mein Abnahmeprogramm, wo ich doch ohnehin soweit hinterherhing?
Also gut, ich freute mich auf die Torte. Als Klara Schnaps auf den Tortenboden gießen wollte, fragte ich, ob ich das tun könnte.
Klara reichte mir die Flasche.

„Nur ganz wenig“, meinte sie noch. Zu spät, ich war schon dabei, den Tortenboden kräftig mit Schnaps zu tränken.

Als die Torte fertig und Klara sie am Samstag nachmittags zum Kaffee auf den Tisch stellte, da sah sie phantastisch aus. Und sie schmeckte genauso, wie sie aussah.

Am Montag stieg ich auf die Waage. Das Grauen bekam ein Gesicht – über ein Kilo an Gewicht zugelegt.

Was hatte das mit dem Heilfasten, das ich gerade so emsig im Buch eines Experten nachlas?

Naja, nicht viel. Aber hatte der Autor nicht irgendwo geschrieben, dass man am Wochenende ruhig ein Stück Kuchen essen könnte?

Ich musste diese Seite finden. Gut, dass ich natürlich vorher nach Kräften mich an das Fasten hätte halten müssen, das setzte der Autor natürlich voraus.

Irgendwie bestimmen ja doch die Ausnahmen die Regeln.
Aber nun musste Schluss sein, mit Schnapstorte und anderen Ausnahmen.

DAS WOHL SPANNENDSTE ABENTEUER MEINES LEBENS BEGINNT JETZT

INTERVALLFASTEN
50 KILO ABNEHMEN (29-1)
Ich kann es nicht glauben, dass ich mich dazu durchgerungen habe, mein Gewicht um ganze 50 Kilo zu reduzieren.
Diesen ersten Satz habe ich vor ca. einem Jahr geschrieben. Inzwischen habe ich es geschafft, 7 Kilo von meinem Gewicht herunterzubekommen. Doch das reicht natürlich nicht. Ich will jetzt damit beginnen, mich mit der Verbindung von Ernährung und Heilfasten zu beschäftigen, und meine Erkenntnisse auch im Alltag zu berücksichtigen.

Kann ich das schaffen? Ja, kann ich. Ich hab’s bergauf geschafft und 50 Kilo auf mein Normalgewicht gepackt und nun muss ich den Weg eben umgekehrt gehen.

Das wird genauso funktionieren.
Wirklich? Man sagt ja, der Abwärtsstieg ist oftmals komplizierter und gefährlicher, als eben in der umgekehrten Richtung.
Den Entschluss abzunehmen, hatte ich bereits im Januar gefasst.
Also so, wie man es macht, zu Beginn des Jahres.

Da wog ich 131 Kilo bei einer Körpergrößer von 178 cm.
Es schaudert mich, wenn ich allein diese Zahlen aufschreibe. Und ehrlich: Ich schäme mich auch.

Der Schrecken bekommt hier ein konkretes Gesicht.
Meine Frau hat mich gefragt, warum ich das öffentlich machen will und mich dadurch freiwillig scheinbar unnötigem Druck aussetze?
Ich habe ihr anfangs zugestimmt und nicht damit begonnen, darüber zu schreiben.

Aber es ging danach nicht so wirklich vorwärts.
Das Gewicht schwankte zwischen 131 und 128 Kilo.
Dann entschied ich mich, ins Fitness-Center zu gehen.
Dort war ich zur Einweisung und anschließend auf der sogenannten Fett-Waage.

Auf dem Display erschien, dass ich vom Geburtsalter her 66 Jahre alt bin, vom biologischen Alter her aber 77 Jahre. Das hat mich umgehauen.

Viele haben mir gesagt, dass ich viel jünger aussehe, als es in meinem Ausweis steht.
Und nun biologisch nicht jünger, sondern 10 Jahre älter?
Das war eine rote Linie, unsichtbar bisher, aber brutal ans Tageslicht gezerrt.

Das war der letzte Anlass, mich selbst mehr unter Druck zu setzen, mich zu motivieren.
Ich bin danach runter von 128 auf 127 Kilo.
Dann war wieder ein bisschen ‚Funkstille an der Abnahmefront‘.
Heute wiege ich 123,7, von den ‚up‘ and ‚downs‘ zwischendurch mal abgesehen.

Es geht also. Ich merke es an meinem Bauch, der etwas dünner geworden ist.
Und nun will ich das alles systematisch forcieren.
Hab‘ ich vor, zu hungern? Nein.

Will ich mit Macht abnehmen? Auch nein.
Was dann?
Ich werde es kontinuierlich betreiben.

Ich werde keine Diäten befolgen, nur gesünder essen, weiter Sport treiben.
Und: Ich will es schaffen durch ein Mentaltraining, deren Inhalte ich mir selbst erarbeite.

Darüber schreibe ich hier auf dem Blog, und zwar ehrlich, humorvoll, immer mit einem kritischen Seitenblick auf mich selbst.

Das wird die spannendste Reise meines Lebens.
Ich habe ein wenig Angst davor und ich freue mich auf dieses Abenteuer.

Was macht mich so sicher, dass ich es schaffen werde?
Scherzhaft habe ich als Untertitel ‚probehalber‘ dazugeschrieben.
Aber es ist kein ‚Probealarm‘!

Nein, es ist mir bitterernst.
Den Ausschlag werden meine Gedanken geben, meine innere Stimme wird mich nach vorn treiben. Sie alle werden mir die Kraft verleihen, die ich auf dem Weg benötige.

Meine eigene Motivation wird mich tragen.
Diese, meine Motivation ist das, was macht, das ich, der ich kann, auch noch will und darum alles tu‘.