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Gespräche mit Menschen in der Pflege

Interview mit Maryam Parvari

Maryam Parvari ist die Geschäftsführerin des Mitra – Pflegedienstes in Hannover

Frau Parvari, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang, bevor Sie Ihren Pflegedienst gegründet haben?
Ich habe 10 Jahre als angestellte Geschäftsführerin im Pflegedienst meines Bruders gearbeitet – beim KSD in Hannover.

Wann war das genau?
Von September 2002 bis 2011.
Zuvor habe ich eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten durchlaufen. Nebenberuflich habe ich mich außerdem noch in einer Privatakademie zur Qualitätsmanagerin weitergebildet.

Wann sind Sie eigentlich nach Deutschland gekommen?
Das war am 28.11.1993. Zu der Zeit war meine Tochter noch klein – ein Jahr alt. Mit ihr bin ich zur Sprachausbildung gegangen – das war mir sehr wichtig.

Das heißt, Sie sind mit Ihrer einjährigen Tochter zur Schule gegangen?
Ja. Es ging nicht anders. Ich wollte unbedingt die Sprache lernen.
Und es hat auch viel Spaß gemacht – ich habe die Zeit schon sehr genossen.

Würden Sie Ihre Erfahrungen an Menschen weitergeben, die heute zu uns ins Land kommen?
Auf jeden Fall. Vor zwei Jahren war ich übrigens Gast in einer Veranstaltung des Sozialministeriums des Landes Niedersachsen.
Ich habe dort berichtet, wie ich allein als Frau und Mutter in Deutschland meinen Weg begann. Das war sehr schwer. Ich sprach kein Wort Deutsch. Die kulturellen Unterschiede waren groß.
Da habe ich beschlossen: Du kämpfst um dein neues Leben – du lernst die Sprache, kämpfst um Bildung und du willst deiner Tochter mal einen guten Weg ermöglichen.
Ich habe die Chance in Deutschland bekommen, wofür ich noch heute sehr dankbar bin. Ich bin meinen Weg gegangen. Manchmal war ich verzweifelt.
Aber dann waren auch wieder Familie und Freunde an meiner Seite, die mir Mut gemacht haben.
Meine Tochter sagt heute zu mir: Mama, du bist mein Vorbild. Du hast nie aufgegeben.

Also würden Sie sagen, Flüchtlinge sollten hier Ihre Chance ebenso nutzen?
Ja, sie müssen die Chance bekommen. Und sie sollten sie nutzen. Wenn der Wille da ist, sich zu integrieren, Deutsch zu lernen, dann wird es Menschen geben, die ihnen dabei helfen. Davon bin ich überzeugt, gerade wenn ich selbst auf die letzten zwanzig Jahre zurückblicke.
Meine Tochter studiert heute an der Freien Universität in Berlin Psychologie.
Sie hat ihren Bachelor mit der Note 1,2 bestanden. Ab August geht sie nach San Diego und studiert weiter. Ich bin froh, dass ich ihr das ermöglichen kann und: dass es diese Chancen in Deutschland gibt.

Was war die Initialzündung für Sie, als selbstständige Unternehmerin in die Pflege zu gehen?
Ich brauchte nach rund zehn Jahren einfach neue Herausforderungen.
Die Firma meines Bruders war wie mein eigener Pflegedienst. Ich habe mich damit stark identifiziert. Manchmal glaubten die Patienten aufgrund meines Engagements, dass ich nicht nur die Geschäftsführerin, sondern gleichzeitig die Inhaberin bin.
Und trotzdem: Ich wollte mich weiter ausprobieren, mein eigenes Unternehmen haben, meine Philosophie dort hineinbringen, meine eigenen Mitarbeiter begeistern. Natürlich: Ich hatte Angst, dass es nicht klappt. Mir fehlte ein finanzielles Polster. Und so musste ich mir in der Familie Geld für den Anfang borgen. Das alles machte mir schon Sorgen. Sie können sich vorstellen: Ich habe mehr als nur eine Nacht wachgelegen.
Aber der Mut war größer, der Wunsch, es zu schaffen auch.
Wir haben mit vier Mitarbeitern im September 2011 angefangen. Heute sind wir 35.

Eine großartige Entwicklung. Was sagt Ihr Bruder zu dieser Entwicklung?
Damals war er enttäuscht und traurig, dass ich aus seinem Unternehmen ausscheiden wollte. Heute ist er stolz auf das, was ich geschafft habe. Wir unterstützen uns gegenseitig in unserer Arbeit.
Aber mir ist das nur gelungen, weil ich von Anbeginn wirklich tolle Mitarbeiter hatte. Ich denke nur an Sevda Nagiyeva. Sie war damals stellvertretende Pflegedienstleiterin. Heute hat sie die Pflegedienstleitung inne.
Sie hätte längst woanders arbeiten können. Doch sie sagt, sie fühlt sich hier am wohlsten und will mich nicht verlassen.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Der Kontakt mit Menschen fällt mir leicht – mit Patienten, mit Mitarbeitern, Geschäftspartnern. Sicherlich fordert alles seinen Tribut – und am Abend bin ich ziemlich fertig. Doch am Ende jedes Tages steht ebenso fest: Es macht sehr viel Spaß. Und das ist es, was für mich zählt.
Ich denke nicht an Geld, ich denke daran, wie viel Freude mir die Arbeit bereitet.

Aber das Kaufmännische muss ebenfalls stimmen, oder?
Ja, selbstverständlich. Die Mitarbeiter wollen bezahlt werden, die Kosten müssen gedeckt sein.
Mein Gefühl sagt mir nur: Selbst wenn ich nicht mehr arbeiten müsste, weil ich es finanziell geschafft hätte – ich würde trotzdem weitermachen.
Meine Mitarbeiter sagen zu mir: Du kommst so oder so jeden Morgen durch die Tür.

Was zeichnet Ihr Team aus?
Das Ziel, das uns alle eint ist die bestmögliche Versorgung der Pflege- und Hilfsbedürftigen. Das gelingt dann am besten, wenn wir viel Spaß an der Arbeit haben. Und ich glaube: diese Freude im Umgang untereinander und mit den Patienten – das ist der größte Antriebsmotor für uns; dadurch sind wir so stark; das ist faktisch unser Alleinstellungsmerkmal.

Können Sie das mal anhand von Beispielen untersetzen?
Wissen Sie, ich gehe morgens gern ins Büro. Ich freue mich auf die Menschen, die ich dort treffe. Das geht den meisten Mitarbeitern so.
Sie wollen miteinander Zeit verbringen, sich austauschen, miteinander reden, die freudigen und die traurigen Momente zusammen teilen.
Die Mitarbeiter telefonieren oft mit den Patienten, fragen, wie es ihnen geht und ob sie etwas brauchen. Oder: Eine Mitarbeiterin bereitet ein schönes Frühstück für eine Patientin und verbringt zusätzliche Zeit mit ihr, und zwar ohne, dass sie es bezahlt bekommt und ohne, dass ich etwas gesagt hätte. Manche gehen mit den Pflegebedürftigen außerhalb der Arbeitszeit spazieren. Sie wollen das selbst so und haben Freude daran.
Das ist mein größtes Glück, wenn ich davon erfahre.
Ich habe auch schon erlebt, dass Mitarbeiter und Patienten über mich sprechen.

Ich hoffe, nur Gutes, oder?
Ja, zumindest berichten sie es so. Es entsteht dadurch eine gute Verbindung zwischen dem einzelnen Patienten und dem jeweiligen Mitarbeiter.
Manchmal fragen die Patienten direkt, wann ich mal wieder vorbeikomme.

Und gehen Sie hin?
Ja, sowie ich es einrichten kann. Ich nehme Kuchen mit und mache mich auf den Weg. Das ist das eigentliche Wertvolle an diesem Beruf – mit Kleinigkeiten den Menschen Mut zu machen, gemeinsam zu lachen oder zu trösten. Ich gehe aber auch hin, wenn es Probleme zu besprechen gibt. Dann ist es ja erst recht wichtig, direkt vor Ort zu sein.
Aber ich möchte zu meinem Team noch etwas sagen.

Bitte, gern!
Wissen Sie, die Zeit reicht hier nicht, um alle Mitarbeiter vorzustellen.
Ich will hier stellvertretend Sharon Ahlvers und Sven Peckmann anführen.
Sharon Ahlvers arbeitet seit März 2014 hier im Büro. Sie leistet als medizinische Fachangestellte in der Verwaltung eine großartige Arbeit.
Ich bin froh, dass sie sich gut eingearbeitet hat. Noch viel wichtiger aber ist, was sie sagt, nämlich, dass sie sich bei uns sehr wohl fühlt und hier gern arbeitet.
Ich denke, das macht die Stärke unseres Teams von innen heraus aus: Sich wohlfühlen in der Firma, mit Spaß arbeiten, gutes für die Pflegebedürftigen tun- jeder an seinem Platz. Sven Peckmann: In unserem Haus ist er für die Verwaltung und Logistik zuständig. Er hat hier vor vier Jahren angefangen – im August 2012.
Er ist ausgebildeter Altenpfleger. Jetzt ist er Kaufmann im Gesundheitswesen. Diese Umschulung hat er in der Zeit absolviert, als er schon in unserer Firma gearbeitet hat. Immerhin ist er inzwischen schon 20 Jahre in der Altenpflege tätig.
Es ist also toll zu sehen, wie sich Menschen entwickeln, ihre Stärken immer mehr zum Vorschein kommen. Sven Peckmann kommt gut mit Menschen klar – er mag sie und sie mögen ihn – Mitarbeiter und Pflegebedürftige gleichermaßen.
Ich könnte die Reihe solcher motivierten Mitstreiter fortsetzen. Vielleicht ergibt sich ja noch die Gelegenheit.

Das ist immer gut, wenn Mitarbeiter selbst zu Wort kommen und: Wenn die Chefin sie in ihrem eigenen Interview nicht vergisst!
Ich schließe daran meine nächste Frage an:
Was verstehen Sie unter individueller Pflege?
Das ist für uns sehr wichtig: Wir sind Gast im Haus des Patienten und seiner Angehörigen. Also achten wir die individuellen Besonderheiten und Gewohnheiten des Pflegebedürftigen. Wenn er zum Beispiel Angst vor dem Duschen hat, dann werden wir es ihm nicht aufzwingen, sondern andere Wege der Körperpflege finden. Oder: Mitunter wollen weibliche Patienten keine männliche Pflegekraft; das berücksichtigen wir ebenfalls.
Ich versuche so viel wie nur möglich zu ergründen – neben der Anamnese, die individuellen Wünsche und Bedürfnisse, die Biographie des Patienten – all das fließt mit in die Pflegeplanung mit ein.

Was ist für Sie persönlich Glück?
Ich bin sehr glücklich. Die Arbeit ist mein Glück.
Wenn ich morgens aufstehe und ins Büro gehe, ja dann freue ich mich auf den Tag, auf mein Team, die Patienten.
Ein Leben ohne meine Mitarbeiter, meine Familie, meine Patienten – das kann ich mir gar nicht vorstellen.
Jeder von uns muss Geld verdienen – für den Lebensunterhalt. Aber ich sage ganz ehrlich: Mein Glück besteht in dem, was ich tue. Manche nennen es Berufung. Ich sage, es ist mein persönliches Glück, dass ich das alles tun kann. Mir ist deshalb auch wichtig, dass wir uns für unsere Patienten schick machen – natürlich nicht wie für die Oper; aber schon, dass sie sehen: Ihr liebe Patienten bedeutet uns was.
Und wir achten darauf, dass sich die Patienten auch schick machen, das Leben genießen, sich gut anziehen, wenn sie es noch können.
Wir machen bald wieder einen internationalen Abend:
da bringen alle Mitarbeiter kulinarische Köstlichkeiten mit – gemacht aus Rezepten verschiedener Länder.
Wir haben Mitarbeiter aus dem Iran, aus Aserbaidshan, aus der Türkei, Russland, Griechenland, Philippinen, Spanien und: natürlich aus Deutschland.
Da ist die Freude immer groß, wenn wir diesen Abend veranstalten. Das ist Glück – mit diesen Menschen zu arbeiten und zu feiern.
Wir wollen dann nicht über die Arbeit reden; doch das gelingt nicht. Wir sind schnell wieder bei diesem Thema – weil es eben unser Leben, unsere Freude ist.
Was mir noch wichtig ist, wenn ich über persönliches Glück spreche:
Es ist meine Familie.
Ich habe Ihnen gesagt, dass ich vor 22 Jahren nach Deutschland kam, mit meiner Tochter im Arm. Sie ist hier aufgewachsen, Deutsch ist ihre Muttersprache, sie studiert – Psychologie. Das wollte ich auch mal studieren. Das war mein Traum. Heute kann ich es meiner Tochter ermöglichen. Das macht mich glücklich. Es ist, als würde ich es tun.
Verstehen Sie das? Ich jedenfalls weiß heute besser als vor zwanzig Jahren, was es heißt, glücklich zu sein, und: was es für andere Menschen, mit denen man es zu tun hat, bewirkt.

Das verstehe ich gut, sehr gut sogar. Und ich kann es außerordentlich gut nachvollziehen. Frau Parvari, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Mitra Pflegedienst
Inhaberin: Maryam Parvari
PDL: Sevda Naghiyeva
Stellv. PDL Sven Peckmann
Lister Kirchweg 1
30163 Hannover
Telefon: 05 11-39491345
Telefax: 0511 – 39 49 13 46
E-Mail: info@mitra-pflegedienst.de
http://www.mitra-pflegedienst.de

 

 

Sven Eichler-Jähnige im Interview

Sven Eichler-Jähnige ist der Inhaber von PROMEDICA PLUS Limbach-Oberfrohna Betreuung und Pflege Daheim.

Herr Jähnige, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Ich habe die Polytechnische Oberschule besucht und nach 10 Jahren mit der Reifeprüfung beendet. Daran schloss sich eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann an.
Das ist in der Zeit von 1991 bis 1994 gewesen. Danach war ich in dem Betrieb, in dem ich ausgebildet wurde, tätig.

Was haben Sie dort gemacht?
Ich war für den Verkauf von Baustoffen, zum Beispiel Dachbaustoffen, Baustoffen, Maschinen und Werkzeugen zuständig. Dort habe ich ca. 5 Jahre gearbeitet. Dazwischen lag noch die Zeit bei der Bundeswehr. Anschließend habe ich noch eine Ausbildung zum Verkaufsleiter eines Einzelhandelsunternehmens absolviert. Und danach war ich dort auch tätig, bin bis zum Regionalleiter aufgestiegen. 2013 kam dann ein Neustart: Ich durchlief noch einmal eine Ausbildung – die zum examinierten Altenpfleger.

Warum dieser Bruch?
Nun, das ist kein Bruch. Vielmehr: Ich wollte etwas komplett Neues anfangen, da wo ich mehr Einfluss auf die eigene Entwicklung hatte. Und: Ich wollte unbedingt Menschen helfen, für sie da sein. Das war mein stärkstes Motiv.

Was war die Initialzündung dafür als selbstständiger Unternehmer zu agieren?
Ich bin da ja schon ein wenig drauf eingegangen. Mir ging es darum, etwas Gutes zu tun. Und ich wollte selbst gestalten können, meinen eigenen Weg dabei gehen, wenn ich schon sehr viel arbeiten muss.
Da kam mir der Zufall ein wenig zu Hilfe, denn ich bekam Kontakt mit Promedica Plus. Nachdem ich mich sehr intensiv mit dem Unternehmen und seiner Philosophie beschäftigt hatte, stand mein Entschluss fest: Ich wollte mit diesem Unternehmen partnerschaftlich zusammenarbeiten – in der 24 – Stunden – Betreuung von Pflege – und Hilfsbedürftigen.
Ich gründete also am 01.04.2014 mein eigenes Unternehmen: Promedica Plus Limbach- Oberfrohna Betreuung und Pflege Daheim“.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten?
Das war für mich eher ein kontinuierlicher Prozess des Hineinwachsens. Ich konnte aus dem Erfahrungsschatz von Kollegen schöpfen und erhielt viel Unterstützung. Natürlich ging es anfänglich darum, Buchhaltung, Verwaltung zu installieren.
Das Geschäftsmodell musste bekannt gemacht werden – das dauert ja auch seine Zeit. Mein Wille, die Ziele zu erreichen, Hindernisse zu überwinden waren ausschlaggebend dafür, dass ich das alles ganz gut gemeistert habe, so glaube ich. Ich wollte das unbedingt und dafür habe ich auch gekämpft. Allmählich bekomme ich einen gewissen „runden Lauf“ hinein.

Was macht für Sie individuelle Pflege und Beratung aus?
Die richtige Betreuungskraft zu finden, die für den Pflegebedürftigen passt – vom Krankheitsbild, der Kommunikation und den sich vor Ort konkret ergebenden Aufgaben.
Des Weiteren: die nötigen Hilfsmittel zu organisieren, bei weiteren Fragen in der Betreuung zu unterstützen. Im Ergebnis der Beratung muss ein konkreter Mehrwert für den Kunden feststehen. Er weiß dann genau, wo er steht, was er braucht, welche Hilfe und Unterstützung wir geben können.

Was würden Sie verändern in der Pflegepolitik?
Ich glaube, wir sind auf einem ganz guten Weg. Schauen Sie sich nur mal die Pflegestärkungsgesetze I und II an. Da hat sich extrem viel getan. Die Grundlagen sind gelegt. Jetzt geht es darum, mitzuhelfen, dass alles umgesetzt wird – zum Wohle unserer Kunden – der Pflege – und Hilfsbedürftigen.

Sind Sie glücklich mit dem, was Sie tun?
Die Arbeit macht mich glücklich. Sicher, es gibt auch mal schlechte Tage. Doch das, was ich tue, macht mich glücklich. Ein Lächeln, ein Dankeschön – das sind meine kleinen Glücksbringer.

Herr Jähnige, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Promedica Plus Limbach-Oberfrohna Betreuung und Pflege daheim
Inhaber: Sven Eichler-Jähnige
Zum Lindenhof 6
09212 Limbach-Oberfrohna
Telefon: 03722 – 60 06 06
Mobil: 0151-644 27 98 3
E-Mail: limbach-oberfrohna@promedicaplus.de
www.promedicaplus.de/limbach-oberfrohna

 

 

Interview mit Martina Lippert im August 2017

Martina Lippert ist die Gründerin des Pflegedienstes Martina Lippert GmbH.  Sie ist heute die geschäftsführende Gesellschafterin und hat die Pflegedienstleitung inne.

Frau Lippert, Sie haben im Interview  – des vergangenen Jahres folgenden Satz gesagt, als es darum über die Hürden Ihrer beruflichen und privaten Entwicklung zu sprechen: Ich war wie ein Segelboot – immer mit den Wellen und gegen den Wind. Sehen Sie das heute noch genauso?

Ja, natürlich. Der Umkehrschluss dieses Gedanken ist doch folgender: Wer nicht den Wind spürt, die Anstrengungen des Ringens mit ihm, der fühlt auch nicht, wie schön es ist, wenn die Wellen gegen die Bordwand schlagen, wie toll Wasser riecht, wie schön es überhaupt ist, sich für einen Kurs zu entscheiden, die nötigen Anstrengungen dafür unternehmen, dass wir nicht von ihm abkommen und dann eben die Früchte zu ernten.
Das ist ein wenig literarisch angehaucht, doch gibt vielleicht ganz gut meine Sicht auf die Dinge wieder, die ich erlebt habe.

Worauf sind Sie besonders stolz, wenn Sie heute zurückdenken an Ihren Weg, den Sie zurückgelegt haben?

Ich habe mich viel mit meinen Ängsten auseinandersetzen müssen, weil ich ja einen sicheren Arbeitsplatz für meine Selbstständigkeit aufgeben musste. Damals haben mich die Gemeindeschwestern in der evangelischen Sozialstation für verrückt erklärt, als ich sagte, ich wolle mich selbstständig machen. Heute gibt es die Sozialstation nicht mehr – die damals sicher geglaubten Arbeitsplätze sind nicht mehr da. Ich bin vor allem stolz darauf, dass ich durchgehalten habe.

Ist das eine Stärke von Ihnen?

Ich glaube schon. Ich beiße mich quasi in Sachen rein, beiße mich fest, und zwar solange, bis ich es so habe, wie ich es mir vorstelle. Natürlich kommen auch mal die Phasen der Depression, Zeiten, in den Zweifel an mir nagen und ich nicht weiß, wie es weitergehen soll.

Was machen Sie dann?

Wissen Sie, dazu kann man unendlich viel sagen. Die Situationen sind ja verschieden. Und manchmal kommt eben alles zusammen – es gibt Schwierigkeiten im Beruf und im Privaten läuft es mitunter eben nicht glatt. Deshalb ist es in solchen Momenten für mich wichtig, dass ich meine Selbstzweifel überwinde, wieder zur alten Stärke zurückfinde.

Und in der Anfangszeit, als ich den Pflegedienst gerade gegründet hatte, da stürzte wirklich viel auf mich ein. Ich musste Kunden finden, Ärzte überzeugen, dass ich die richtige Ansprechpartnerin für sie in Sachen Pflege bin und vieles mehr.

Kurz um: Ich habe mir gesagt – du bist ins kalte Wasser gesprungen, unter Wasser gewesen, aufgetaucht, und also muss du Luft holen und schwimmen.

Wie wichtig ist es heute für Sie, einem Mitarbeiter die Balance zwischen eigenverantwortlichen Handeln und teamorientierten Denken vorzuleben?

Sehr wichtig! Ich denke, jeder sollte die Chance bekommen, seinen Weg zu erkennen und diesen dann zu gehen. Dabei gebe ich Hilfestellung, bin ich der Coach. Natürlich geschieht das ebenfalls im Teamwork.

Was glauben Sie ist der Kern dessen, was eine gute Pflegekraft ausmacht?

Darüber sind ja schon ganze Abhandlungen verfasst worden. Im Kern geht es mir darum, dass derjenige, der bei uns arbeitet, die Menschen wirklich mag, die er pflegt und betreut. Das soll keine erzwungene, von außen bestimmte Liebe sein. Vielmehr sollte es der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter Spaß machen, wenn sie sich den ganzen Tag mit Pflege und Betreuung befassen. Immerhin ist das ja gleichzeitig Lebenszeit. Übrigens für beide – die Pflegenden und die zu Pflegenden. Schon deshalb hilft die innere Einstellung, aus Lebenszeit parallel Lebensqualität zu generieren. Das ist mir wichtig. Ich gehe zum Beispiel heute noch ins Pflegeheim zu ehemaligen Kunden, spreche mit ihnen, schaue, dass es ihnen gut geht. Nur so bekommst du selbst ein gutes Gefühl, spürst den echten Reichtum, den dir diese vielleicht kleine Situation, das Gespräch mit dem Pflegebedürftigen, verschafft. Man kann darüber viel reden. Es ist besser, man tut was, fragt sich, warum gerade die Situation jetzt so gut ist, also in dem Moment, in dem ich mit dem Patienten spreche. Übrigens: Genauso ist es, wenn man über den Umgang mit den Flüchtlingen nachdenkt. Es sind stets die kleinen Gesten, die Hilfe ausmachen. Ich bin eine Zeit lang in einen Unterstützerkreis für Flüchtlinge gegangen und habe Deutschkurse für Flüchtlinge gegeben. Aber Deutsch im Alltag – das, was so schwer zu lernen ist. Das lernt man vor allem durch sprechen, immer und immer wieder.

Was haben Sie daraus gelernt?

Durch Kommunikation werden Distanzen durchbrochen, imaginäre Ängste abgebaut. Und: Du lernst die Menschen kennen, erfährst, was sie hierhergeführt hat, wovon sie träumen, wie sie gelebt haben, was sie aufgeben mussten, mit ihrer Flucht. Ich habe zum Beispiel zusätzlich mit Flüchtlingen darüber gesprochen, wie diese ihren Haushalt organisieren, also faktisch mitgeholfen, den Flüchtlingsalltag in Deutschland zu meistern.

Was hat Ihnen das für die Pflege gebracht?

Es geht stets um Menschen. Menschen, denen du hilfst und sie kennen lernst, durch sie genauso etwas lernst. Wir brauchen für die nächsten Jahrzehnte gut ausgebildete Fachkräfte. Warum sollte darunter nicht jemand sein, der heute noch dabei ist, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren?

 Da gebe ich Ihnen Recht. Was glauben Sie, warum sind Sie eine gute Unternehmerin?

Das werde ich so nicht sagen. Das können nur andere entscheiden. Ich denke, dass ich sehr genau die Fäden ziehe und gleichzeitig da bin für die Mitarbeiter, wenn es Fragen gibt. Wir führen ein offenes Büro. Meine Tür steht immer auf. Ich bin stets ansprechbar. Dieses Gefühl brauchen meines Erachtens nach die Mitarbeiter, nämlich das Vertrauen, dass in schwierigen Situationen jemand da ist, der hilft, einen Rat gibt, unterstützt.

Wenn Sie in einem Satz zusammenfassten müssten, was den Kern individueller Pflege ausmacht, was würden Sie sagen?

Menschen zugestehen, in ihrer Wohnung so zu leben, wie sie es selbst wollen.

Frau Lippert, Sie engagieren sich im gesellschaftlichen Leben, sind gewählte Vertreterin der Stadt Lingen. Was treibt Sie an?

Wenn ich ehrlich bin: Es gibt Tage, da treibt mich gar nichts an. Da will ich mich am liebsten nur um meine Firma kümmern. Doch es ist ja so: Wir können nicht nur den Tag rauf und runter sprechen, wie wichtig Pflege ist. Da stimmt jeder zu. Aber sich für bestimmte Probleme einsetzen, darum kämpfen, dass sich etwas verändert, das ist mir wichtig.

Was soll sich denn ändern?

Zuerst die Einstellung zur Frage der Pflege und Betreuung. Wir alle sind davon betroffen. Zudem hat in der Regel jeder in der Familie jemanden, um den man sich kümmern muss. Wenn wir es schaffen, hier das Denken zu verändern, dann bewirken wir  mehr Handeln, mehr Engagement.  

Sie sind aktives SPD-Mitglied. So kurz vor den Wahlen: Hat die SPD schon alles getan in Sachen Pflege und Betreuung?

Nein. Sicher nicht. Das ist aber nicht der Punkt.  

Sondern?

Dass wir die richtigen Probleme herausfiltern, analysieren, Konzepte entwerfen und abgleichen mit der Wirklichkeit, also auch den finanziellen Möglichkeiten. Dafür bin ich aktiv. Ich will genauso meiner Enkeltochter zeigen, dass es nicht reicht zu reden, sondern dass man was tun muss für die Verwirklichung seiner Ziele und der gesellschaftlichen Vorhaben.

 

Frau Lippert, das ist ein gutes Schlusswort.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

Kontakt:
Pflegedienst Lippert GmbH
Martina Lippert
Geschäftsführende Gesellschafterin
Lindenstraße 1a
49808 Lingen
Tel.: 0591 / 80740990
Fax: 0591 / 67674
E-Mail: info@pflegedienst-lingen.de
http://www.pflegedienst-lingen.de

 

 

 

 

 

INTERVIEW MIT MARTINA LIPPERT

Martina Lippert ist die geschäftsführende Gesellschafterin des Pflegedienstes Lippert GmbH.
Interview geführt am: 06.09.2016

Frau Lippert, können Sie mal wesentliche Stationen in Ihrem beruflichen Werdegang schildern, bevor Sie Ihr eigenes Unternehmen gegründet haben?

Ich habe 1986 als Aushilfe in der Ambulanten Krankenpflege in einer Diakonie in Lingen angefangen.
Und das war auch schon ein sogenannter Knackpunkt für mich.

Was meinen Sie?

Nun, ich wurde nur stundenweise beschäftigt, hatte kein Auto und wurde gerufen, wenn es Arbeit gab.
Das war anfangs für mich in Ordnung, jedoch später hätte ich gern eine Festanstellung gehabt.
In Lingen gab es 5 Gemeindekrankenschwestern der evangelischen Kirchengemeinden.
Die Stimmung untereinander war sehr gut; was fehlte, das war die Kundenorientierung. So erinnere ich mich, dass mal eine Mitarbeiterin fragte, ob sie auch am Wochenende  Patienten besuchen müsse. Damit waren ja die Patienten und die Angehörigen sich faktisch am Wochenende überwiegend selbst überlassen – mussten sich also selbst versorgen. Für mich aber war es selbstverständlich, die Patienten abends und am Wochenende weiter zu versorgen. Diese Einstellung haben heute ebenso meine Mitarbeiter in unserem Unternehmen. Anders ist ja individuelle Pflege gar nicht machbar. Oder ein anderes Beispiel: Wenn ich gerufen wurde, musste ich ja zu den Patienten kommen. Also brauchte ich einen Dienstwagen. Der wurde mir aber als Aushilfekraft nicht bewilligt.

Dabei waren es ja ca. 16 Patienten, die ich zu versorgen hatte – zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten.
Schließlich bekam ich doch noch ein Dienstauto. Da hatte ich etwas Glück, denn der Zuschuss dafür war wohl schon bewilligt und so musste in ein Fahrzeug investiert werden, wenn die Gelder nicht verfallen sollten.
Übrigens, als ich das Auto hatte, führte mich meine erste Dienstreise nach Hannover. Dort fand ein Kongress der DMSG – Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft. Ich erinnere mich, dass Rita Süssmuth die Präsidentin des Verbandes war. Aber was ich auch tat: Es gelang mir nicht, in eine Festanstellung zu kommen. Damals hörte ich stets den Satz: Sie sind verheiratet, haben drei Kinder und sind damit versorgt. Ich wollte eigentlich nur eine 20- Stunden- Stelle, aber es führte kein Weg dorthin.

Wann haben Sie eigentlich die Ausbildung zur Krankenschwester absolviert?


Von 1976 bis1979.
Ich war in der Zeit das erste Mal schwanger und habe trotzdem keinen Tag gefehlt.

Wie ging es weiter?

1979 bin ich mit meinem Lebensgefährten und späteren Ehemann nach Lübeck gezogen.
Ich habe dort für ein halbes Jahr auf einer Intensivstation in einem Diakonissenkrankenhaus gearbeitet – ich war für diese Arbeit aber noch zu jung. 1980 bin ich dann in eine Facharztpraxis für Psychiatrie und Psychologie gegangen.
Das waren tolle und vor allem wertvolle Jahre.

Warum?

Ich habe viel darüber gelernt, Menschen zu verstehen, die nicht so funktionieren, wie es unsere Gesellschaft verlangt.

Das war ja eine sehr lehrreiche Zeit für Sie, oder?


Ja, auf jeden Fall. Dort habe ich vieles an Wissen und Erfahrung mitgenommen, was ich heute noch gut im Umgang mit Demenzkranken nutzen kann.
Und ich habe zum Beispiel in der Zeit der Infusionstherapie viele Lebensgeschichten von Menschen gehört.
1983 bin ich nach Kiel mit meinem Mann gezogen.
Dort war ich hochschwanger und viel allein auf mich gestellt.
14 Tage vor der Geburt unserer Tochter musste mein Mann dienstlich nach München, um dort zu arbeiten.

Also keine leichte Zeit für Sie?


Nein, das nicht. Aber ich war wie ein Segelboot- immer quer gegen die Wellen und habe mich durchgebissen.
Im Oktober 1983 ging es dann ins Emsland, nach Lingen.
Lingen, das ist eine tolle Stadt, ruhig und familienfreundlich. Mitte 1986 habe ich dann begonnen, als Aushilfe in Lingen in zu arbeiten.
Wie gesagt, ich habe mich viel beworben, wollte festangestellt in meinem Beruf arbeiten. Im Sommer 1986 bewarb ich mich zum Beispiel auf eine vom Arbeitsamt ausgeschriebene Stelle für eine katholische Sozialstation. Ich war allerdings evangelisch,  und so bekam ich die Stelle nicht.  Aber: Ich war ein Jahr lang in einem katholischen Krankenhaus in Meppen als Aushilfe in der Nachtwache tätig. Anfang 1992  bin ich in einen ambulanten Pflegedienst gegangen und habe dort als Pflegedienstleitung gearbeitet – bei der Bürgerhilfe e.V in Lingen.

Wann kam bei Ihnen der Gedanke auf, sich selbstständig zu machen?


Der kam schon ziemlich früh, nachdem mir klar wurde, dass ich keine Festanstellung bekam. Da erfuhr ich, dass ein ehemaliger Kollege aus dem Krankenhaus Lingen die Zulassung zu einem privaten Pflegedienst erhielt. Und das, obwohl er keine  Erfahrung in der ambulanten Pflege besaß. Also ging ich ebenfalls zur Krankenkasse, um einen Antrag auf einen Pflegedienst zu stellen. Die Krankenkasse hat das zunächst abgelehnt.

Was gab die Kasse als Grund an?


Ich hätte für zwei Jahre Vollzeit  innerhalb der letzten zwei Jahre in einem Krankenhaus arbeiten müssen.
Dann habe ich mir aber die Unterstützung von der damaligen Frauenbeauftragten der Stadt Lingen geholt.
Wir gingen noch einmal zur Krankenkasse, legten unseren Standpunkt da, und siehe da, wenig später hatte ich die Genehmigung, einen eigenen Pflegedienst zu eröffnen.

Wann war das?


Ich bekam am 01.10.1994 die Zulassung und am 01.11. 1994 habe ich den Pflegedienst eröffnet.

Was war die Initialzündung dafür, dass Sie sich selbstständig machen wollten?

Die Ungleichbehandlung in der damaligen Zeit von Mann und Frau hat mich darauf gebracht. Ich wollte immer eine festangestellte Tätigkeit als Krankenschwester ausüben. Tatsächlich bekam ich aber immer wieder das Argument zu hören, dass ich ja eine Familie hätte, einen Mann und Kinder und so versorgt war.

Was fiel Ihnen leicht am Anfang Ihrer Selbstständigkeit und was war schwer für Sie?

Ich musste mir natürlich erst einmal einen Namen machen. Ich habe also Ärzte in  Lingen aufgesucht, mich vorgestellt und ihnen erklärt, dass ich auch abends und am Wochenende Patienten unterstützen will. Kurzum: Ich habe meine Hilfe und Unterstützung angeboten – da, wo sie gebraucht wurde. Wichtig war für mich,  betriebswirtschaftlich das Fundament für meine Firma zu schaffen. Ich habe mich also auch auf diesem Gebiet fortgebildet. Mehrere Jahre lang betrieb ich faktisch Selbstausbeutung, habe alle Pflege- und Betreuungsaufgaben selbst wahrgenommen, und ich habe neben meiner Pflegetätigkeit verschiedene Fortbildungen absolviert.

Was verstehen Sie unter individueller Pflege?

Individuell pflegen bedeutet, fachlich gut ausgebildet zu sein. Ich muss zum Beispiel rechtzeitig Gefahrenpotenzial erkennen, Maßnahmen dagegen beim Patienten einleiten und entsprechende Hilfe und Unterstützung anbieten. Wichtig ist auch, nicht allein zu agieren, sondern sich rechtzeitig Hilfe zu holen. Und: Man muss sich fachlich abgrenzen. Es gibt keine Alleskönner. Vielmehr geht es darum, die fachlichen Stärken und Kompetenzen anderer Kollegen mit in die Pflege und Betreuung einzubinden. Ein weiteres Merkmal individueller Pflege ist: den Pflegebedürftigen die Zeit widmen, die für Sie vorgesehen ist, und: ihnen mal ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, ihnen einfach zuhören, mit ihnen über ihre Sorgen und auch Freuden  sprechen.

Frau Lippert, was ist für Sie Glück?

Wenn ich zufriedene Mitarbeiter habe. Inzwischen bin ich froh, dass ich meine Tochter an meiner Seite in der Geschäftsführung habe. Sie ist ein echtes Organisationstalent. Das entlastet mich natürlich sehr. Außerdem: Für mich gehört zum persönlich Glück die Gesundheit und frei entscheiden zu können.  

Es läuft also gut in der Geschäftsführung?

Auf jeden Fall. Natürlich hat alles seine Zeit. Meine Tochter, Anne-Christine Lippert,  musste sich ja auch in den vergangenen Jahren einarbeiten, sich zur PDL qualifizieren, sich betriebswirtschaftlich weiterbilden. Sie ist heute die Mitgesellschafterin und stellvertretende Pflegedienstleitung und leistet eine verlässliche Arbeit.

Würden Sie den Weg so noch einmal gehen?

Die Frage ist so schwer mit ja oder nein zu beantworten. Auf jeden Fall habe ich die Bürokratie unterschätzt, die mit dem Beruf der Pflege verbunden ist. Mir wäre daran gelegen, dass die eigentliche fachliche Seite der Pflege wieder mehr in den Vordergrund rückt. Aber grundsätzlich gesagt, ist die Pflege schon mein Leben. Ich besuche zum Beispiel heute noch Leute, die wir gepflegt haben, und die jetzt im Pflegeheim leben. Mich interessieren die Menschen, für die ich die Arbeit mache, deren Wohlergehen. Insofern ist das schon eine sehr schöne Arbeit.

Frau Lippert, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Pflegedienst Lippert GmbH
Martina Lippert
Geschäftsführende Gesellschafterin
Lindenstraße 1a
49808 Lingen
Tel.: 0591 / 80740990
Fax: 0591 / 67674
E-Mail: info@pflegedienst-lingen.de
http://www.pflegedienst-lingen.de

Interview mit Jana Ehrt

Jana Ehrt ist im Pflegedienst Bendel als Pflegedienstleitung in Fürstenwalde tätig.   

Frau Ehrt, warum möchten Sie das Interview gar nicht so gern führen?

Ich denke, dass ich nicht der Mensch bin, der sich so gern profiliert.

Seit wann sind Sie beim Pflegedienst Bendel in Fürstenwalde in der Funktion der Pflegedienstleitung tätig?

Seit 2015. Vorher war ich bereits acht Jahre lang die stellvertretende Pflegedienstleiterin. Ich wusst also, was auf mich zukam.

Und, haben Sie es bereut?

Nein, mir macht die Arbeit immer noch Spaß.

Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang, bevor Sie zum Pflegedienst Bendel kamen?

Ich habe 1996 mein Abitur in Fürstenwalde gemacht, im Oberstufenzentrum Palmnicken.

Anschließend war in Bad Saarow und habe dort von 1996 – 1999 meine Ausbildung zur examinierten Krankenschwester absolviert.

Danach war ich in Grünheide auf einer Intensivstation tätig. Allerdings nicht lange, denn ich musste mich ja auch um meinen kleinen Sohn kümmern.

Also bin ich in die ambulante Pflege gegangen.

 Direkt zu Herrn Bendel?

Ja, direkt hierher. Eine Kollegin hat mir den Pflegedienst empfohlen.

Womit haben Sie im Pflegedienst angefangen?

Ich bin ganz normal die Touren gefahren. Das war für mich abwechslungsreich; natürlich auch anstrengend.

Würden Sie den Entschluss noch einmal so fassen, wenn Sie darüber nachdenken?

Ja. Es macht mir wirklich Spaß. Ich gehe gern mit Menschen um, mit unseren Kunden, denn es kommt ja auch viel an Dankbarkeit zurück.

Übrigens: Ich bin auch noch als stellvertretende PDL mit hinausgefahren, also nicht mehr so oft, aber immerhin 50 %.

Woher kommt der Spaß?

Die Kunden freuen sich einfach auf uns, wenn jemand vorbeikommt, ihnen zuhört, mit ihnen spricht. Sie sind ja dankbar für die Hilfe, die Versorgung und Betreuung.

Können Sie das mal anhand eines  Beispiels illustrieren?

Also kürzlich war in einem Haushalt der Vater gestürzt. Er konnte also nicht mehr die Mutter versorgen. Die Frage war in dem Moment, was man tun kann und wie wir helfen können.

Wir haben uns des Problems angenommen und organisiert, dass unter anderem die Behandlungspflege sichergestellt ist.

Frau Ehrt, es gibt oftmals Beschwerden im medizinischen Bereich – in Krankenhäusern oder in Arztpraxen, dass die Patienten nicht verstehen, was der Arzt meint, dass einfach von oben herabgesprochen wird. Was glauben Sie, woran liegt das?

Ich denke, wir dürfen nie vergessen, dass wir Dienstleister sind. Wir sind für die Patienten, unsere Kunden da, und nicht umgekehrt.

Womit beschäftigen Sie sich tagsüber hauptsächlich?

Für mich als Pflegedienstleiterin kommt es darauf an, die Touren zu planen, mit den Mitarbeitern über die Einsätze zu sprechen, die Koordinierung aller wichtigen Aufgaben im Auge zu haben – die Dienst- und Urlaubspläne, die gesamte Logistik, die hinter einer guten Pflegeorganisation einfach stehen muss.

Loben Sie?

Ja, auf jeden Fall. Das ist mir wichtig, den Mitarbeitern zu sagen, wenn sie etwas gut gemacht haben.

Wie gehen Sie mit Mitarbeitern in Stresssituationen um?

Ich versuche zu verstehen, was genau die Mitarbeiterin bedrückt. Und: Ich frage zum Beispiel: „Kann ich dich an anderen Stellen entlasten?“

 Frau Ehrt, was macht das Besondere des Pflegedienstes in Fürstenwalde aus?

Ich denke, wir sind ein gutes Team. Manch eine Mitarbeiterin ist bereits 20 Jahre hier beschäftigt. Wir haben insgesamt eine geringe Fluktuation. Die Arbeitszeiten sind so geregelt, dass keiner mehr als 5 Tage in der Woche arbeitet. Jedes zweite Wochenende ist frei.

Natürlich gibt es die berühmten Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Aber grundsätzlich ist uns das schon wichtig. Auf den Punkt gebracht ist es das Klima, was unsere Mitarbeiter im Umgang miteinander schätzen. Das schließt ja nicht aus, dass wir auch Konflikte haben.

Doch wenn die Wertschätzung da ist, kann man miteinander reden und die Probleme danach angehen, sie lösen.

Wie kommen Sie mit Ihrem Chef, Herrn Bendel klar, der ja auch noch neben Ihnen im Zimmer sitzt?

Also die Tatsache, dass wir jetzt mittlerweile bereits 16 Jahre miteinander zusammenarbeiten, sehr eng seit meiner Tätigkeit als Pflegedienstleiterin, die spricht ja für sich.

Ich lerne viel von Herrn Bendel, zum Beispiel was die betriebswirtschaftlichen Faktoren anbetrifft. Da ist ein guter Austausch da – auf fachlicher und menschlicher Ebene.

Frau Ehrt, was fällt alles in Ihren Verantwortungsbereich?

Die ambulante Pflege, die Tagespflege in der Karl-Marx-Straße und die Wohngemeinschaft für hauptsächlich dementiell Erkrankte.

Wie viel Plätze stehen in der Tagespflege zur Verfügung?

17-18. Dafür sind vier examinierte Kräfte, 2 Pflegekräfte und 5 Fahrer zuständig.

Und dann gibt es ja noch die Wohngemeinschaften in der Karl-Marx-Straße?

Ja, wir haben zwei davon. In der einen leben 9 und in der anderen Wohngemeinschaft 8 Menschen. Jeder hat ein Zimmer. Für die Betreuung stehen 18 Pflegekräfte zur Verfügung, wobei nicht alle Vollzeit arbeiten. Für die Bewohner steht eine Rund-um-die Uhr Betreuung zur Verfügung. Was uns wichtig ist: Wir sind als Pflegedienst dort Gast. Das ist der große Unterschied zu einem Pflegeheim.

Inwiefern?

Nun, die Bewohner bei uns haben schon das Gefühl und auch die Möglichkeit, gemeinsam mit ihren Angehörigen darüber zu entscheiden, welche Pflegeleistung sie wollen.

Die Bewohner beauftragen uns mit Versorgung und Betreuung und wir sind die Dienstleister.

Was würden Sie besser machen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Ich würde mehr Personal einstellen, damit nicht so viele Doppeldienste anfallen und die Kollegen ausgeruhter sind. Insgesamt haben wir das aber schon gut im Griff. Und: Eine gewisse Schere zwischen dem, was wir uns wünschen, und dem, was in der Praxis machbar ist, wird es immer geben.

Eine persönliche Frage: Was macht Ihr Lebenspartner beruflich?

Der ist Studiendirektor am Berlin – Kolleg, dem Institut zur Erlangung der Hochschulreife.

 Wie viel Kinder haben Sie?

Zwei. Mein Sohn ist 18 Jahre alt und macht gerade sein Abitur, meine Tochter ist 13 Jahre alt.

Frau Ehrt, vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt:
Pflegedienst Bendel – Häusliche Kranken-und Seniorenpflege
Zweigniederlassung Fürstenwalde
Karl-Liebknecht-Straße 21
15517 Fürstenwalde
Telefon: 03361-345999
Telefax: 03361-33450
Ansprechpartnerin: Jana Ehrt

Karl-Marx-Str. 16
15517 Fürstenwalde
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Telefax: 03361-33450
Ansprechpartnerin: Jana Ehrt

© Dr. Uwe Müller

 

Interview mit Uwe Bendel

Uwe Bendel ist der Geschäftsführer des Pflegedienstes BENDEL – Häusliche Kranken-und Seniorenpflege. 

Herr Bendel, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang bis zur Gründung Ihres Pflegedienstes?

Ich habe zunächst Informatik in Rostock studiert. Das war in den Wendezeiten 1989/1990. Nach zwei Jahren wechselte ich an die Freie Universität in Berlin und habe den Studiengang BWL belegt.

Informatik und BWL – das waren die beiden Studienoptionen, die mir nach dem Abitur vorschwebten.

Haben Sie das Studium beendet?

Nein. Es kam anders. Meine Mutter hat im Januar 1992 als Einzelkämpferin einen Pflegedienst gegründet. Am Anfang habe ich neben dem Studium geholfen. Mitte der 90 er Jahre bin ich dann voll eingestiegen.

Was haben Sie anfangs gemacht?

Ich war unter anderem für die Leistungsbeantragung und Leistungsabrechnung sowie die Personalabrechnung zuständig. Das war ein fließender Übergang, was die Aufgabenverteilung anbetraf. Es wurde immer mehr, was da auf mich zukam. Im Kern war ich schon immer für die kaufmännischen Fragen zuständig.

Sie wissen, Pflege hat viel mit Logistik und Organisation zu tun – wann muss wer wie versorgt werden? Das sind zentrale Fragen, die wir täglich lösen müssen. Und das war natürlich bereits damals vor 20 Jahren eine große Herausforderung, nämlich zu ergründen, wie Wünsche der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen mit den nötigen Leistungsangeboten in Übereinstimmung gebracht werden können.

Wer ist denn bei Ihnen für die Pflegedienstleitung zuständig?

Meine Mutter trägt immer noch die Gesamtverantwortung als Gründerin und Mitinhaberin des Pflegedienstes. Daneben sind unsere Pflegedienstleitungen, wie zum Beispiel Ines Steinborn, für die Einteilung des Personals, die praktische Organisation und die Pflegeverträge zuständig.

Was war die Initialzündung für Sie, die berufliche Perspektive in der Pflege zu sehen?

Es wurde immer mehr Arbeit und es wurde immer mehr Personal eingestellt.

Das bedurfte der Planung, der Organisation und es musste – wie eben schon erwähnt- eine entsprechende Logistik dahinterstehen.

1997 kam Fürstenwalde hinzu.

 Wie kamen Sie auf Fürstenwalde?

Zunächst: Ich habe dort mein Abitur gemacht. Dann spielte die räumliche Nähe eine Rolle – es sind ja nur 35 km weg von Strausberg.

Und schließlich standen bei der Standortwahl die Faktoren im Vordergrund, die den Ausschlag dafür geben, ob sich so etwas rechnet: Wie viel Pflegedienste gibt es vor Ort, wie hoch ist statisch betrachtet der Pflegebedarf – in der Zeit und perspektivisch.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die Herausforderungen in der Zukunft?

Die größten Herausforderungen haben damit zu tun, entsprechendes Personal zu finden. Es gibt genügend Überlegungen aus statistischer Sicht, die den hohen Pflegebedarf für die Zukunft aufzeigen.

Es ist einfach ein Rechenexempel, wieviel Pflegebedürftige es gibt und wieviel Pflegekräfte denen gegenüberstehen. Und da klafft eine sehr große Lücke.

Da gibt es auch inzwischen zahlreiche gute Studien darüber, was die Bevölkerungsentwicklung anbetrifft.

Letztlich hat die Kasse den Versorgungsauftrag. Mein Faible besteht darin, letztlich zu analysieren, was hier funktioniert. Dazu gehört, die aktuellen Studien mit in diese Betrachtungen einzubeziehen – zum Beispiel über die Bevölkerungsentwicklung im Land Brandenburg oder die Zahlen und Fakten des Statistischen Landesamtes in Brandenburg.

Wir haben zum Beispiel mit dem Umstand auch in unserer Region zu tun, dass die jungen Frauen weggehen. Frauen, die hochqualifiziert sind.

Das hat was mit der Tradition in ländlichen Gegenden zu tun, wo der Mann früher den Hof übernahm und die Frauen sich bewegen mussten, woanders einheirateten.

Heute ist das anders. Aber es ist eine Tatsache, dass die schlecht ausgebildeten jungen Menschen oftmals ortsverhafteter sind, als diejenigen, die besser ausgebildet sind und demzufolge auch gute Chancen in anderen Gegenden haben.

Das hat sehr negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Diesen Trend müssen wir umkehren. Und das passiert nur sehr langsam.

Das ist auch lange unterschätzt in der Entwicklung. Sie erinnern sich vielleicht noch, dass es in den neunziger Jahren im Land Brandenburg sogar ein Reisegeld gab für junge Leute, die hier keine berufliche Anbindung fanden. In der Hoffnung: Vielleicht kommen sie ja später mal wieder.

Heute wird alles dafür getan, dass gut ausgebildete Leute wieder zu uns ins Land zurückkommen.

Das Dilemma, was hinzukommt, ist der Geburtenrückgang. Immer weniger junge Menschen sind dann da, um künftig den wachsenden Pflegebedarf der älteren Menschen zu bewältigen.

 Herr Bendel, eine andere Frage: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Meine Hobbies sind Golf und Fitness. Ich war im Leistungssport – im Turnen, im Boxen zum Beispiel. Ich habe fünf Tage die Woche trainiert.

Ich war auch im Judo – Kampfsport, im Handball und Fußball sportlich aktiv.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus Ihrer sehr intensiven sportlichen Phase mit in die heutige Tätigkeit?

Alles, was ich selbst tue, muss ich auch verantworten. Die Selbstverantwortung sozusagen, das ist meine wichtigste Erkenntnis, die mich auch heute noch trägt.

Was sind die Herausforderungen für Ihren Pflegedienst in der Zukunft?

Die Pflegekräfte müssen immer wieder ein Gespür dafür entwickeln, um welche Bedürfnisse es in der Pflege geht.
Dazu ist eine gute fachliche Ausbildung vonnöten.
Die Krankenbeobachtung spielt eine sehr große Rolle.
Kurzum, man muss offen bleiben für das, was die Pflegebedürftigen brauchen.

Was ist denn das, was Sie am meisten im Alltag beschäftigt?

Nun, das ist schon die Tatsache, dass es stets eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit gibt.
Das heißt, wir müssen in diesem Spannungsfeld agieren – die betriebswirtschaftlichen Erfordernisse im Blick haben, die Zeiten in der Pflege gut planen und einhalten und das alles zum Wohle derjenigen, für die wir das alles tun – nämlich die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen.

Können Sie das mal näher erläutern?

Der Pflegebedürftige und deren Angehörigen – sie entscheiden darüber, was sie an Leistungen wollen, was sie einkaufen. Und da bewegen wir uns natürlich stets in einem Spannungsfeld. Nämlich: Was ist der Wunsch, was will der Pflegebedürftige und wie oft sollen wir dafür kommen? Da gibt es dann auch mal Diskrepanzen zwischen dem, was das Leistungspaket hergibt und dem, was tatsächlich gewünscht wird.

Hier kommt aber unser Gespür hinzu, die Fähigkeit, das Angebot so zu entwickeln, dass alle Seiten damit leben können und vor allem der Pflegebedürftige optimal versorgt wird.

 Und wir haben natürlich in diesem Zusammenhang mit dem Mangel an Pflegekräften zu kämpfen.
Wir können nur alle Nachfragen bedienen, wenn wir genügend ausgebildetes Pflegepersonal haben – examinierte Altenpflegekräfte und nichtexaminiertes Pflegepersonal.
Wachstum ist begrenzt durch fehlendes Personal.

Suchen Sie denn aktuell Personal?

Ja, klar. Wir suchen sowohl examinierte Pflegekräfte als auch nichtexaminierte Pflegekräfte.

Wir freuen uns über jede Anfrage und jedes Interesse, was die Arbeit in unserem Pflegedienst angeht.

Wie wichtig ist Ihnen die Kommunikation?

Ganz wichtig. Oftmals sind unsere Mitarbeiter doch die einzig verbliebenen Ansprechpartner, mit denen unsere Pflegebedürftigen verkehren.
Und da ist es wichtig, dass die Mitarbeiter auch mal ein Wort aus dem privaten Bereich miteinander wechseln.
Wir wissen aus unserer täglichen Erfahrung, wie wichtig ein guter Draht zu den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen ist.

Wir wissen auch, dass wir es mit einer Generation zu tun haben, wo die Verhaltensweisen aus dem vorigen Jahrhundert stammen und dort geprägt wurden.

Wie meinen Sie das?

Unsere jungen Mitarbeiter kennen diesen kulturellen Hintergrund kaum.

Wer weiß schon heute noch, dass es einmal in der Woche einen Waschtag gab, warum es die Sonntagskleidung gab. All das sind Dinge, mit denen wir uns im Team auch beschäftigen. Oder die Tatsache, dass immer gespart wurde – am Wasser, am Strom. Das machte die Generation während des Krieges und nach dem Krieg aus. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns dessen stets bewusst sind, uns darauf einstellen.
Des Weiteren: Das Bild von Mann und Frau war noch ein ganz anderes.

Werten Sie bestimmen Themen im Team aus?

Auf jeden Fall. Wir haben ja regelmäßige Dienstberatungen. Da sprechen wir all die Dinge durch. Wir dürfen diese kulturellen Unterschiede nicht vergessen.
Mitunter gibt es auch spezielle Härtefälle.

Was meinen Sie?

Also da, wo es mit der Hygiene nicht stimmt, eventuell ein Messi zu betreuen ist, Getier im Haus zu finden ist. Und trotzdem wollen wir dort unserem Pflegeauftrag nachkommen.

Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus Ihrem beruflichen Werdegang?

Es geht nie um die Chancen, die wir nicht wahrgenommen haben. Es geht immer um die Chancen, die vor uns liegen.

Ein sehr guter Abschluss.

Herr Bendel, vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt:
Pflegedienst BENDEL – Häusliche Kranken-und Seniorenpflege

1.
Wilhelmstrasse 2
15345 Petershagen/Eggersdorf
Telefon: 03341-44 204
Telefax: 03341-301553
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Internet: www.bendel-krankenpflege.de
Geschäftsführer: Uwe Bendel
2.
Schulstrasse 7
15344 Strausberg
Telefon: 03341-44204
Telefax: 03341-301553
Ansprechpartnerin: Ines Steinborn
3.
Karl-Liebknecht-Straße 21
15517 Fürstenwalde
Telefon: 03361-345999
Telefax: 03361-33450
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4.
Karl-Marx-Str. 16
15517 Fürstenwalde
Telefon: 03361-345999
Telefax: 03361-33450
Ansprechpartnerin: Jana Ehrt

© Dr. Uwe Müller

Interview mit Roselinde Hartmann

Roselinde Hartmann ist die Inhaberin des Pflegedienstes AMISTAD  im Raum Stutensee und Bruchsal

Frau Hartmann, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang?

Nach dem Schulabschluss in der mittleren Reife habe ich mich 1978 um eine Ausbildung zur Krankenschwester beworben.
Ich wollte schon immer Krankenschwester werden. Damals war das gar nicht so einfach. 1978/1979 herrschte ein großer Andrang in diesem Berufszweig. Auf ca.300  Bewerbungen kamen ca. 25 Ausbildungsplätze. Schließlich hatte ich Erfolg. Ich bewarb mich im Städtischen Klinikum  Karlsruhe und bekam eine Zusage. Im Oktober 1979 habe ich die Ausbildung begonnen und sie 1983 beendet. Das war ein halbes Jahr später, als sonst üblich.

Warum?
Weil ich zwischendurch mein erstes Kind bekommen hatte und im Mutterschutz war.  Nach dem Abschluss habe ich weiter im Städtischen Krankenhaus gearbeitet, auf der Dialysestation. Aber für mich war schon immer klar, dass ich in die ambulante Pflege will.

Was waren das für Gründe?

Nun, ich wollte ganzheitlich pflegen. Das ist im privaten Umfeld am besten mit der ambulanten Pflege umzusetzen, also dort, wo sich der Pflege- und Hilfsbedürftige am wohlsten fühlt.

 Dann müssten Sie ja für den generalistischen Ansatz in der Pflegeausbildung sein, oder?

Ja, ganz genau. Ich bin dafür, erst einmal in der Ausbildung einen generalisierenden Ansatz zu haben. Danach kann man sich dann immer noch spezialisieren, zum Beispiel in Richtung Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege.

 Warum?

Sie bleiben so stets auf dem neuesten Stand, und zwar in vielen Bereichen. Das ist zum großen Teil im Krankenhaus anders. Dort arbeiten Sie mitunter jahrelang oder jahrzehntelang auf einer Station, in einer speziellen fachlichen Richtung. Das haben Sie in der ambulanten Pflege nicht so.

Da müssen Sie sich in allen Bereichen der Medizin ständig auf dem Laufenden halten. Und wenn es nötig ist, dann eignen Sie sich spezielles Wissen an oder frischen es wieder auf. Und das ist es, was die ambulante Pflege so spannend macht.  Eine solide und breit gefächerte generalistische Ausbildung zunächst, und später eine Spezialisierung, je nachdem, in welche Richtung es gehen soll – in die Altenpflege oder eben in ein Krankenhaus, auf eine spezielle Station. Ich glaube, da kommt die Reform der Pflegeausbildung gerade richtig.

 Wie lange haben Sie im Städtischen Krankenhaus gearbeitet?

Zwei Jahre.

Und dann?

Danach war ich auf zwei Sozialstation der Evangelischen Kirche, insgesamt 10 Jahre. Ich habe auch lange in Teilzeit gearbeitet, weil ich ja für meine Kinder da sein wollte.

Bis 1995?

Richtig. Dann kam die Zeit, wo der Gesetzgeber wollte, dass mehr Angebote für die zu Pflegenden auf den Markt kamen. Der Markt wurde also geöffnet für private Anbieter. Da habe ich die Chance genutzt und mich selbstständig gemacht. In die Zeit fiel ebenfalls meine Ausbildung zur Pflegedienstleitung. Das war ja eine Auflage vom Gesetzgeber zur Selbstständigkeit, nämlich in einem bestimmten Zeitraum diese Weiterbildung und Qualifikation zu durchlaufen.

Also war die Einführung der Pflegeversicherung 1995 quasi das Initialzeichen für Sie, Ihren eigenen Weg zu gehen?

Ja, so kann man das sagen. Ich wollte einfach raus aus der Fließbandarbeit, sowohl im Krankenhaus als auch in der Pflege. Ich liebte meinen Beruf und ich wollte mehr herausholen – für die Menschen, denen meine Fürsorge galt. Also den Patienten eben nicht unter Zeitdruck abfertigen, sondern ihn wirklich als ganzen Menschen zu sehen, in seinen physischen, psychischen, sozialen Aspekten – ihn wahrnehmen nicht nur als jemanden, der Hilfe braucht, sondern als einen Menschen, den ich verstehe und dem ich so viel besser helfen kann. Man sieht eben auch das private Umfeld, weiß, was dem Pflegebedürftigen wichtig ist.

Und wie ließ sich das vereinbaren mit den Vorgaben der Kranken- und Pflegekassen hinsichtlich der Minutenpflege?

Ich war von Anfang gegen die Minutenpflege.  Der Mensch ist ja schließlich keine Ware. Keiner von meinen Mitarbeitern sollte gegen die Stoppuhr arbeiten.

 Aber wie haben Sie das in der Praxis durchhalten können?

Das lief bei mir auf eine Mischkalkulation hinaus. Für manche Tätigkeiten brauchten wir eben weniger Zeit und für andere Dinge haben wir uns dann mehr Zeit genommen, zum Teil in der Pflege oder auch für ein Gespräch mit dem Patienten.  Das macht das Menschliche in der Pflege aus. Das habe ich einfach auf meine Kappe genommen und bin gut damit gefahren.

Dann muss es ja eine innere Bestätigung für Sie gewesen sein, als mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz die individuelle Pflegebedürftigkeit noch stärker in den Fokus gerückt worden ist, oder?

Ja, natürlich. Aber wissen Sie, man braucht auch die Mitarbeiter dazu, die sich vorstellen können, so zu pflegen. Ich gebe noch heute jedem die Chance, so zu arbeiten, dass er sich die nötige Zeit für gute Pflege nehmen kann. Daraus ergibt sich auch, dass trotz guter Bezahlung keine zusätzlichen Vergütungen wie Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld gezahlt werden können. Dafür hat der Mitarbeiter einfach mehr Zeit zur Verfügung.

Schätzen Ihre Mitarbeiter das?

Ja, sie sehen, dass es nicht mit dem monetären Aspekt allein getan ist.

Sondern?

Die Möglichkeit, sich zu entfalten, nicht in Stress zu verfallen, eigene Vorstellungen im Pflegealltag umzusetzen, kreativ zu sein – all das wird inzwischen als ein hohes Gut geschätzt, als eine geldwerte Leistung angesehen. Das war nicht gleich der Fall. Gerade in den letzten zwei, drei Jahren hat sich das Team so gut entwickelt, dass es die Bezeichnung „Top-Team“ zurecht verdient. Ich bin auf meine Mitarbeiter sehr stolz. Ohne sie hätte ich meine Vorstellungen nicht verwirklichen können und könnte das auch heute nicht.

Wenn Sie ein oder zwei Beispiele herausgreifen müssten, die die Kernkompetenzen Ihres Pflegedienstes aufzeigen, welche wären das?

Zum einen haben wir uns auf das Wundmanagement spezialisiert. Unsere Wundexpertin ist Carmen Hammer, die auch die stellvertretende Leitung inne hat. Das ist schon einmalig, was wir hier in unserem Team leisten können. Frau Hammer ist vor Ort beim Patient in der Wundversorgung tätig und zuständig für alle Fragen bezüglich Wunden, die in der Pflege auftreten. Das finden Sie nicht so oft, dass in einem kleinen Pflegedienst wie unserer einer ist, gleichzeitig eine Wundexpertin mit dem fachlichen Hintergrundwissen zu finden ist. Und ein zweiter Bereich, in dem wir sehr gut sind, ist der Umgang mit an Demenz erkrankten Patienten. Wir haben hier einen Mitarbeiter, der sich darauf ganz besonders spezialisiert hat und der auch viele Erfahrungen aus diesem Bereich mitbringt.

 Wer ist das?

Das ist Dieter Gericke. Er ist Altenpfleger, fachlich sehr qualifiziert. Herr Gericke hat 15 Jahre lang Pionierarbeit geleistet, beim Aufbau von Demenz-und Betreuungsgruppen.

Was macht Ihr Team besonders?

Das ist die gegenseitige Wertschätzung, die wir füreinander haben. Diese Einstellung, dieses Gefühl tragen wir ebenso nach draußen. Die Pflegebedürftigen merken, dass wir gut miteinander umgehen, die Arbeit des anderen schätzen.  Wir haben hier sehr flache Hierarchien. Natürlich trage ich als Inhaberin die Gesamtverantwortung. Doch für mich ist Leitung eine Sache des Teamworks. Dafür tragen neben mir Carmen Hammer und Sandra Wutschka mit die Verantwortung. Sie beide sind examinierte Krankenschwestern. Ich lasse jedem Mitarbeiter gerne Freiräume, gebe ihm das Gefühl, dass er wichtig für mich ist, wichtig ist für uns alle. Nur so können wir überhaupt unsere Philosophie umsetzen. Wir leben einfach davon, dass sich jeder einbringt, sich jeder wohlfühlt.

Suchen Sie neue Mitarbeiter?

Inzwischen suchen uns bereits Mitarbeiter. Das ist schon eine komfortable Situation, die wir uns aber hart erarbeitet haben.

Und wenn jemand kommt, der in ihr Team passt?

Dann ist er willkommen.

Was gibt den Ausschlag dafür?

Die fachliche Eignung vorausgesetzt, ist der Wille des Bewerbers maßgebend dafür, wirklich menschenwürdig und mit Hingabe pflegen zu wollen. Das sollte einfach passen. Denn Sie müssen ja bedenken: Die Leute gehen raus, die Pflegebedürftigen spüren sofort, wenn sich jemand wohlfühlt in einem Team oder eben nicht. Und jetzt gibt es schon einen gewissen Stolz, dass ein Mitarbeiter sagt: „Ich arbeite bei AMISTAD.“

Kurzum: Ohne meine Mitarbeiter wäre ich nichts. Mir ist einfach wichtig, dass sie sich wohlfühlen und meine Wertschätzung für ihre Arbeit spüren. Dann bringt sich auch jeder ein. Das ist einfach ein „Geben und Nehmen“.

Frau Hartmann, sind Sie ein glücklicher Mensch?

Ja, das bin ich. Ich bin sogar sehr glücklich, weil ich das gefunden habe, was mich glücklich macht: meine Familie und meine Arbeit, die ebenso zu meinem persönlichen Glück beigetragen hat. Ich bin das geworden, was ich immer sein wollte.

Wie viel Kinder haben Sie?

Vier Kinder und bereits vier Enkelkinder.  Ich bin schon sehr dankbar für alles.

Übrigens: Ich bin sehr christlich eingestellt. Der Segen Gottes ist mir wichtig. Ein Leitspruch ist für mich: So wie du willst, das dir die Leute tun, so tue ihnen auch. Und so hat AMISTAD eben feste christliche Wurzeln, trägt diesen Glauben in sich.

Frau Hartmann, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
„AMISTAD“ Pflegedienst
Roselinde Hartmann
Inhaberin
Kronenstraße 8
76297 Stutensee-Spöck
Telefon/Fax: 07249 – 95 21 00
E- Mail: amistad-stutensee@gmx.de
Homepage: www.pflegedienst-amistad.de

© Dr. Uwe Müller

 

 

 

 

Peter Kuhn im Interview

Peter Kuhn ist der Inhaber des Ambulanten Pflegedienst Peter Kuhn im Landkreis Regen, Straubing und Cham.

Herr Kuhn, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
In den Jahren von 1991 bis 1994 habe ich meine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert – im St. Elisabeth – Stift in Straubing.
Nach dem Abschluss bin ich ins Katholische Krankenhaus der „Barmherzigen Brüder“ nach Regensburg gegangen und war dort in den Fachbereichen Onkologie, Kardiologie und in der Notaufnahme tätig.

Wie lange haben Sie dort gearbeitet?
Bis zum Oktober 1996. Danach habe ich mich dann selbstständig gemacht.

Gab es weitere Weiterbildungen und Qualifizierungen?
Ja. Und zwar: 2001 Weiterbildung zur Pflegedienstleitung.
2015/ 2016 folgte eine Qualifizierung zur Palliativfachkraft.

Sind Sie damit schon fertig?
Ja, im April 2016 habe die Weiterbildung erfolgreich abschließen können.

Was war denn der entscheidende Anlass für Sie, sich 1996 selbstständig zu machen?
Ich sah in den Krankenhäusern, dass das Arbeitsaufkommen immer mehr wurde. Aber die Zahl derjenigen, die für die Pflege zuständig waren, blieb gleich. Das hatte Auswirkungen auf die Arbeitsbelastung der Pflegefachkräfte – sie stieg stetig.
Und das merkten natürlich diejenigen, für die wir ja da waren, nämlich die Pflege- und Hilfsbedürftigen.
Ich wollte ein individuelleres Herangehen, die Möglichkeit, sich wirklich um die Bedürfnisse und Wünsche der zu Pflegenden kümmern.

Herr Kuhn, was verstehen Sie unter individueller Pflege?
Wir verstehen darunter das, was auch in unserem Pflegeleitbild steht. Nämlich: Die pflege- und hilfsbedürftigen Menschen dort zu versorgen, wo sie sich am wohlsten fühlen – in ihrem eigenen häuslichen Umfeld. Und das solange es möglich ist.
Hinzukommt: Wir gehen sehr stark auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse des einzelnen Menschen ein. Nur wenn wir wissen, was er möchte, was für ihn angenehm ist, können wir uns auch auf ihn einstellen. Das ist ein immer währender Prozess – an dem wir natürlich dranbleiben.

Welche Rolle spielt denn die Kommunikation in diesem Zusammenhang?
Das Reden mit dem Patienten ist sehr wichtig. Es ist ein Ausdruck der sozialen Zuwendung mit ihm. Er fühlt sich ernstgenommen und aufgehoben zugleich. Wir tauschen uns auch im Team aus, was dem Einzelnen wichtig ist. Sie wissen ja: Manchmal ist ein liebevoll gesprochenes Wort genauso wichtig wie die Tablettengabe.

Würden Sie den gleichen Beruf heute noch einmal ergreifen?
Auf jeden Fall. Ich würde heute vielleicht noch etwas mehr Erfahrungen sammeln, bevor ich selbst einen Pflegedienst gründe. Ansonsten fiele aber die Entscheidung gleich aus.

Herr Kuhn, zum Abschluss noch eine Frage: Was ist für persönliches Glück?
Ganz sicher ein intaktes Familienleben – meine Frau und meine Kinder sind mir schon sehr wichtig.
Und natürlich macht glücklich, wenn wir im Team gut zusammenarbeiten, uns auf die Hauptsache konzentrieren können – die Pflege und Betreuung unserer Patienten auf möglichst hohem Niveau zu realisieren.

Herr Kuhn, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Ambulanter Pflegedienst Peter Kuhn
Ringstraße 15
94267 Prackenbach
Telefon: 09942 – 902895
Telefax: 09942 – 902038
E-Mail: info@krankenpflege-kuhn.de
Internet: www.krankenpflege-kuhn.de

 

 

 

 

Kathrin Dölle im Interview

Kathrin Dölle ist die Inhaberin der Seniorenhilfe Dölle in Gotha.

Frau Dölle, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Nach dem Abitur 1982 habe ich Gärtnerin gelernt und auch in dem Beruf gearbeitet. Anschließend habe ich noch Gartenbau studiert. Dann kam die Wende. Faktisch bin ich per Zufall in die Pflege hineingerutscht. Mir gefiel, dass ich älteren Menschen helfen konnte.

Was ist Ihnen am Anfang schwer gefallen und was leicht?
Schwer war für mich, die fachliche Seite zu verstehen. Das war ja auch komplett neu für mich. Leicht ist mir die Organisation gefallen und die kaufmännische Seite.

Was macht Ihrer Meinung nach die Stärke Ihres Teams aus?
Die Stärke unseres Teams? Unterschiedliche Charaktere unterschiedlichen Alters arbeiten gemeinsam an unseren Zielen: gute Pflege und Betreuung der Patienten. Ein Team muss belastbar und tolerant sein. Und unsere Mitarbeiter sind das. Das macht es ein wirklich starkes Team aus.

Wo sehen Sie die Gründe für den mitunter schlechten Ruf von Pflegediensten in der Öffentlichkeit?
Ich glaube, die falsch verstandene Konkurrenz untereinander. Und: ein mangelndes Selbstwertgefühl einzelner Mitarbeiter von Pflegediensten, einfach die fehlende Stärke zu dem zu stehen, was man tut. Sozial agieren heißt nicht, sich selbst zu verleugnen. Es gehört auch dazu, den Wert der eigenen Arbeit zu schätzen und zu sagen, dass die Dienstleistungen finanziell entgolten werden müssen.

Was hat sich geändert gegenüber Ihrem Anfang, wenn Sie heute die Pflege und Betreuung ansehen?
Die Unbekümmertheit hat sich geändert. Ich habe heute noch mehr Respekt vor der Pflege und den Pflegenden, seien es Angehörige oder Mitarbeiter. Es gibt viel mehr Angebote und Möglichkeiten in der Pflege. Für die Betroffenen ist es manchmal nicht einfach, nachzuvollziehen, wie Pflege funktioniert.

Was macht für Sie individuelle Pflege aus?
Kurzfristig besondere Wünsche von Pflegebedürftigen und Angehörigen realisieren; es zumindest zu versuchen. Für die Betroffenen wirksame Hilfe zu organisieren, auch mit einem gut funktionierenden Netzwerk an Kooperation.

Was sagen Sie zur Generalistik in der künftigen Pflegeausbildung?
Ich bin dagegen. Ich glaube, die tiefgreifende fachliche Ausbildung bleibt auf der Strecke zu Gunsten einer breit angelegten Wissensaneignung. Auf den Punkt gebracht: eine breitgefächerte oberflächliche Ausbildung, die zu lange dauert.
Da muss noch viel an dem Gesetz überarbeitet werden.

Was ist für Sie persönlich Glück?
Wenn am Ende des Tages alles gelöst ist, alle zufrieden sind und jeder hat dabei ein Stückchen gewonnen, keiner hat das Gesicht verloren.

Frau Dölle, vielen Dank für das Gespräch.

© Uwe Müller

 

 

 

 

 

Michael Jakubiak im Interview

Die Freie Alten- und Krankenpflege e.V. verfügt über eine 30-jährige Erfahrung in der Pflege und Betreuung. Michael Jakubiak ist ihr Gründungsvater und heute einer der beiden Geschäftsführer. Im Interview berichtet er über seine Erfahrungen, die ethischen Wurzeln des Vereins und wie er heute die neuen Herausforderungen in der Pflege sieht.

Herr Jakubiak, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Pflege?
Ich komme aus dem Zeitungswesen. Ich war Verlagskaufmann und im Vertrieb tätig – für die Ruhrzeitung. Dann begann das große Zeitungssterben und ich musste mich umorientieren. Es gab für mich zwei Möglichkeiten: Zum einen bot mir das Arbeitsamt an, in den EDV-Bereich zu gehen oder in einen Sozialberuf zu wechseln. Ende der 1970 – iger Jahre wurden die ersten Ausbildungsgänge für Altenpfleger angeboten. Ich war in diesem Beruf zu dieser Zeit noch ein recht „seltenes Exemplar“. Meine Karriere lief aber ganz gut an. Ich qualifizierte mich schnell zum Pflegedienstleiter in einem großen Pflegeheim. Gleichzeitig wurde ich stellvertretender Bundesvorsitzender der „Grauen Panther“. Und: Ich begann mir Gedanken darüber zu machen, wie wir mehr pflege- und hilfsbedürftige Senioren helfen konnten.

Was war das Motiv?
Ich merkte schnell im Pflegeheim, dass wir sehr stark eingeschränkt darin waren, wirklich individuell und persönlich zu pflegen. Es fehlten die Arbeitskräfte und die dafür nötige Zeit.
Also begann ich mit 7 weiteren Kollegen ein Berufskolleg zu initiieren. In dieser Zeit gab es noch keine ambulanten Pflegedienste. Die Pflegekassen waren strikt dagegen, dass wir einen privaten Pflegedienst gründeten und sie wollten auch keinen Verein zulassen. Wir mussten uns für den Verein erst einmal vom Kartell-Gericht freiklagen lassen. In die Zeit fiel ebenfalls die Gründung des Bundesverbandes Ambulanter Dienste, dessen Vorsitz ich über 20 Jahre innehatte.

Würden Sie das alles heute so wieder tun?
Von der Philosophie her ja. Als Gesellschaftsform hätten wir heute sicher eine GmbH gegründet.

Was war die Initialzündung für Sie, die Freie und Alte Krankenpflege e.V. zu gründen?
Nun, ich habe das ja bereits angedeutet: Wir wollten den alten Menschen einfach bessere Leistungen geben.
Was ich in den Pflegeheimen sah, das widersprach ja schon vom Konzept her dem, was wir in der Altenpflegeschule gelernt hatten.
Es gab dort viele Hilfskräfte. Die Mitarbeiter waren generell im Heim überfordert – physisch und psychisch. Ein System also, das sich brutal anfühlte und gegen die gerichtet war, die diese Hilfe und Pflege eigentlich brauchten.
Ich lernte in der Zeit einen Pflegekritiker kennen, der mir aus der Seele sprach. Im Unterschied zu ihm wollte ich aber nicht nur die Probleme benennen. Ich wollte verändern.

Was zum Beispiel?
Ich bin bis heute davon überzeugt, dass die Mitarbeiter zufrieden sein müssen, mit dem, was sie tun. Das strahlt aus auf die Atmosphäre in der Pflege.
Und ich wollte unbedingt eine Zeit für die Bewohner eine Pflege und Betreuung in Würde; einen Umgang, der die Biografie des Einzelnen respektiert.
Es war für mich ebenso klar, dass ich kein eigenes Heim gründen und führen wollte.

Warum nicht?
Weil die Rahmenbedingungen dergestalt sind, dass das Personal permanent überfordert ist. Meine Grundidee ist: Unsere Bewohner kommen hier nicht her, um zu sterben oder nur verwahrt zu werden. Vielmehr: Sie kommen, um zu leben und für die Stärkung ihrer Lebensqualität Hilfe und Unterstützung von unserer Seite zu erfahren.

Das ist ein sehr ethischer Gedanke
Ja. Und wir leben diesen Wert. Bei uns müssen die Menschen auch nicht ausziehen – sie können in den Wohnungen und Wohngemeinschaften solange bleiben, wie sie es wollen. Wir unterstützen die Entwicklung von Strukturen, die eine familiäre Atmosphäre im Zusammenleben fördern, die einfach den Lebensauffassungen und den Bedürfnissen der Bewohner entsprechen. Wir haben zum Beispiel eine Wohngemeinschaft, in der nur Frauen leben. Es war anfangs schwer, dort eine von mir soeben beschriebene Atmosphäre zu kreieren. Schließlich haben wir es aber doch geschafft – mit individuellen Gesprächen und spezifischen Aktivitäten.  Zu uns kommen ja zum Teil Menschen, die alles verloren haben – ihre Wohnung, ihre Einrichtung. Und da geht es zunächst darum, ihnen wieder ein Zuhause zu geben, indem sie sich wohlfühlen, das zu ihrer Heimat wird.  Dazu gehört, sich das Apartment so einzurichten, wie es dem Geschmack und den Vorstellungen des Bewohners entspricht. Sicher – es sind nicht mehr so viel Möbel wie in der früheren eigenen Wohnung und es ist alle ein wenig kleiner. Aber wir wissen: Wenn der Einzelne mitreden darf, seine Vorstellungen äußert und ein Stückchen seiner Erinnerungen in das neue Domizil mitnimmt, dann ist er auch zufrieden, beginnt sich wohlzufühlen.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Das ist nicht leicht zu beantworten – was mir leicht fiel und was nicht. Das ist ja doch eher ein sehr komplexer Prozess.

Vielleicht können Sie das mal anhand eines Beispiels auflösen.
Ich komme aus der linken Bewegung. Für mich waren basisdemokratische Entscheidungen sehr wichtig.
Und so mussten sich die einzelnen Bewerber im Team vorstellen.
Erst wenn die Mehrheit zustimmte, dass jemand bei uns anfangen kann, haben wir den Arbeitsvertrag mit dem Bewerber geschlossen.
Irgendwann haben wir das anders gestaltet werden und diejenigen, die auch die Führungsverantwortung innehatten, entschieden über die Bewerbung. Insofern haben sich die Entscheidungsprozesse schon den Herausforderungen in der Pflegebranche angepasst.

Haben Sie das also bereut, anfangs so gehandelt zu haben?
Auf keinen Fall. Das waren wichtige Schritte und Lernprozesse.
Nur, wir konnten ja nicht stehenbleiben. Wir wussten: Jeder im Team musste das tun, worauf er spezialisiert war und wofür er die Verantwortung trug. Das ging gar nicht anders, angesichts der wachsenden Nachfrage nach Pflege und Betreuung.
Eine wesentliche Schwierigkeit am Anfang war, dass wir keine Pflegekasse hatten, die mit uns Verträge eingehen wollte. Wir haben also unsere Leistungen privat angeboten und uns gegen Rechnung für den privaten Service bezahlen lassen.
Schließlich entschloss sich eine Kasse, mit uns Leistungsverträge abzuschließen. Nach und nach kamen weitere Kassen hinzu.
Außerdem: Wir haben im gesamten Bundesgebiet Seminare durchgeführt und mit Unterstützung des Bundesverbandes Ambulanter Dienste Menschen gewonnen, die sich in der Pflege selbstständig machen wollten.

Was macht Ihrer Meinung nach ein starkes Team aus?
Wir arbeiten in der Einrichtung schon sehr lange zusammen. Ich denke die Kontinuität, mit der wir hier Pflege und Betreuung betreiben, das macht uns stark. Wir kennen uns sehr lange untereinander, wissen, wo wir den Anderen am besten unterstützen können. Und wir gehen in einer herzlichen, ja familiären Atmosphäre miteinander um. Da gibt es auch Kritik. Nur ist die an Veränderungen orientiert und auf Lösungen gerichtet. Und weniger darauf, Kritik um der Kritik willen zu äußern.
Des Weiteren: Wir haben keine hierarchischen „Denke“. Wir denken und handeln mehr im Geiste der Verantwortung und dessen, was jeder für Aufgaben zu erledigen.

Also keine Anweisungen?
Doch. Die gehören dazu. Nur wir stärken die Teams darin, möglichst sehr stark eigenverantwortlich zu handeln. Das ist die beste Möglichkeit zu führen.
Führen heißt für mich, auch Dienstleister für meine Mitarbeiter zu sein.

Was macht für Sie individuelle Pflege aus?
Individuell pflegen heißt, vom Kopf und vom Herzen her zu pflegen.
Die Hilfe richtet sich nach der Anamnese – in Gesundheit und von der sozialen Komponente her. Und: Wir lassen den Bewohnern die Freiheiten, die sie wollen und brauchen. Will jemand um 06.00 Uhr aufstehen, dann steht er 06.00 Uhr auf. Und wenn er länger schlafen will, dann respektieren wir das. Individuell betreuen heißt für die Bewohner ebenfalls: gutes Essen zu bekommen. Wir hatten lange Zeit eine Auswahl von bis zu 7 Gerichten am Tag. Trotzdem waren die Bewohner nicht zufrieden. Und dann spielte uns der Zufall in die Hand. Eine Bewerberin wurde als Köchin eingestellt. Sie hat den persönlichen Draht zu den Bewohnern; sie kocht weniger Gerichte, dafür aber das, was die Bewohner vorher bestimmt haben.

Was ist für Sie persönlich Glück?
Die Familie – die Kinder, die Enkel, meine Reisen; eine gute Partnerschaft, selbst gesund sein. Das gehört für mich zu meinem Glück. Ich selbst bleibe offen für Neues.
Ich empfinde es heute als ein viel größeres Glück, jemandem etwas zu schenken, als selbst beschenkt zu werden.
Meine Leben, mein Beruf – das ist für mich immer noch das größte Geschenk.

Herr Jakubiak, vielen Dank für das Gespräch.